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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Tropenmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
Anonym

Motivation

Ich war schon immer interessiert an Gesundheitssystemen in Entwicklungs- und Schwellenländern, daher fiel die Entscheidung leicht, mich auf den Restplatz in Indien zu bewerben.

Vorbereitung

Ich hatte mich erst circa 5 Wochen vor Abreise beworben, daher hatte ich nicht wirklich die Zeit mich großartig vorzubereiten. Man sollte sich vorher auf jeden Fall bezüglich gegebenenfalls benötigter Reiseimpfungen beraten lassen: ich ließ mich gegen Tollwut und Japanische Enzephalitis impfen.
Ich habe ebenfalls Malaria-Prophylaxe mitgenommen, aber nicht eingenommen, wie eigentlich keiner von den Volunteers vor Ort.
Man erhält nach Zusage einen Leitfaden vom IIMC, da steht alles Nötige an Informationen drin. Ich habe außerdem das Buch „Kulturschock Indien“ gelesen und die ganzen Erfahrungsberichte hier durchforstet ;)

Visum

Ich habe ein e-Tourist Visa online beantragt. Dafür braucht man ein Passbild in einem seltsamen Format, aber das kann man sich auch selber zuschneiden, man muss also nicht zwingend zum Fotografen gehen. Man sollte auf jeden Fall beachten, dass man unter keinen Umständen im Antrag die Adresse des IIMC angibt! Mein erster Visumsantrag wurde deswegen abgelehnt. Es reicht einfach irgendeine Hoteladresse anzugeben, egal ob man dieses gebucht hat oder nicht. Nach einigen Rückfragen von der Behörde aus Indien wurde mein zweiter Online Antrag glücklicherweise genehmigt, eine von den Italienerinnen musste aber aufgrund des gleichen Problems zur indischen Botschaft nach Rom. Auch wenn es anders im Acceptance Letter steht, sollte man auch nicht bei der Einreise die Adresse des IIMC angeben. Gerade als Frau wird man bei der Einreise gesondert behandelt, und man muss sich auf Fragen einstellen, warum man denn alleine reist und ob denn mein Vater oder Bruder das erlaubt hätten.

Gesundheit

Wie schon erwähnt sollte man gegebenenfalls Impfungen auffrischen lassen. Ich habe vorsichtshalber eine gut ausgestatte Reiseapotheke mitgenommen. Darein gehören auf jeden Fall Medikamente gegen Durchfall und Bauchschmerzen, da der sogenannte Delhi Belly jeden einmal erwischen wird. Ebenfalls würde ich etwas gegen Halsschmerzen und Schnupfen empfehlen, da durch die ganzen Klimaanlagen die meisten von uns erstmal eine Erkältung abbekommen haben.
Ausreichend Mückenschutz ist ebenfalls mitzunehmen, da es das vor Ort nicht wirklich zu kaufen gibt. Ich fand das Nobite sehr effektiv.
Falls jemandem auf Autofahrten schnell schlecht wird, empfiehlt sich ebenfalls etwas gegen Reiseübelkeit einzupacken, da der Fahrstil der Inder sehr rasant ist und es auch nicht gerade wenig Schlaglöcher gibt.

Sicherheit

Zum Thema Sicherheit muss ich sagen, dass ich vorher leider viel Schlechtes über Indien gehört habe und dementsprechend mit einem eher mulmigen Gefühl dorthin gefahren bin. Grundsätzlich kann man sagen, dass im Projekt niemand jemals irgendwo alleine hingehen muss und falls man sich nicht wohl fühlt, kann man einfach einen von den anderen Volunteers bitten mit einem mitzukommen. Schon nach wenigen Tagen habe ich mich in Kolkata sicher gefühlt, das Guesthouse ist einer guten Gegend und die Einwohner der Stadt sind mir ausnahmslos freundlich begegnet. Daher ist es kein Problem auch als Frau sich alleine durch die Stadt zu bewegen, solange man der Kultur der Inder mit Respekt begegnet und zum Beispiel darauf achtet, dass man immer die Beine und Schultern bedeckt hat. Nachts haben wir eigentlich immer ein Uber genommen, was den Vorteil hat, dass man den Fahrtverlauf online mit anderen teilen kann. Solange man seinen gesunden Menschenverstand einsetzt und Situationen meidet, in die man sich Zuhause auch nicht begeben würde, kann man in Kolkata gut zurechtkommen. Natürlich ist es eine Umstellung, aber bitte lasst euch nicht von Horror Storys über die Stadt abhalten.

Geld

In Indien zahlt man mit Indischen Rupien, wobei 1€ ca. 78 Rupees entspricht. Ich habe mir erst vor Ort Bargeld abgeholt, womit ich gut zurechtgekommen bin. Ich würde davon abraten am Flughafen Geld zu tauschen, da man dort nur sehr schlechte Wechselkurse bekommt. Im Guesthouse liegt ein Buch mit Empfehlungen von vorherigen Volunteers und dort ist ein Geldwechsler genannt, der uns Euros nach aktuellen Wechselkurs getauscht hat.
An sich zahlt man in Indien überall bar, daher sollte man immer genügend Bargeld in der Tasche haben. Nur in den eher westlichen Geschäften gibt es die manchmal die Möglichkeit mit Karte zu bezahlen. Der Bankautomat spuckt oft nur große Banknoten aus, aber man sollte sich beim Bezahlen nicht verwirren lassen, wenn die Inder behaupten sie hätten kein Wechselgeld, einfach solange darauf bestehen, dass man es nicht kleiner hat, bis der Verkäufer damit herausrückt (solange es jetzt nicht gerade der Tuk Tuk Fahrer oä. ist, die haben vielleicht wirklich nicht ausreichend Wechselgeld)

Sprache

Kolkata liegt im Staat West Bengal und dort sprechen die meisten Einwohner Bengali. In der ersten Woche organisiert IIMC einen Bengali Kurs für die Volunteers, in dem man die wichtigsten Phrasen lernt. Ansonsten kann man sich aber immer irgendwie mit Händen und Füßen verständigen und im Institut sprechen fast alle Mitarbeiter Englisch.

Verkehrsbindungen

Kolkata verfügt über einen Flughafen, dorthin bin ich mit Emirates über Dubai geflogen (Bei Emirates gibt es übrigens Studentenrabatt). Am Flughafen habe ich mich dann von jemanden vom IIMC abholen lassen, was auch problemlos funktioniert hat (auch wenn die Autofahrt wirklich ein Erlebnis war).
In Kolkata selber kann man gut die Metro nutzen, es gibt nur eine Linie, aber sie hält in der Nähe des Guesthouse und in der Innenstadt. Auf dem Weg zur Indoor Clinic steigt man nach ein paar Stationen ins Tuk Tuk um. Anders als in anderen Städten in Indien verkehren die Tuk Tuks hier wie eine Buslinie zwischen zwei Punkten.

Kommunikation

Es lohnt sich vor Ort eine indische SIM Karte zu besorgen. Man kann schon für 3-4€ pro Monat 1,5GB Datenvolumen pro Tag erhalten. Man hat auch fast überall sehr gutes Netz und ich konnte problemlos nach Hause skypen.

Unterkunft

Das IIMC bringt alle Volunteers in einem vierstöckigen Guesthouse relativ zentral in Kolkata unter. Es gibt Ein-, Zwei- und Vierbettzimmer über drei Stockwerke verteilt. Auf jedem Stockwerk befinden sich zwei Badezimmer. Ganz oben befindet sich eine Dachterasse, wo man gemütlich zusammensitzen kann und gegebenenfalls seine Wäsche waschen und trocknen kann (Alternativ bestellt man den Wäscheservice, der die Wäsche für ein paar Cent pro Kilo abholt und auch wiederbringt). Im Erdgeschoss befindet sich eine große Küche, und dort wohnt auch Pradip, ein indischer Volunteer, der aufs Haus aufpasst. Er war super lieb, hat gerne Tipps gegeben und hat auch mal sehr lecker für uns gekocht.
An sich können bis zu 30 Leute in dem Guesthouse wohnen, wenn es mal mehr Volunteers sein sollten, werden diese wohl in Räumen in der Indoor Clinic untergebracht. Man braucht sich also keine Sorgen zu machen, für jeden steht ein Bett zur Verfügung. Man sollte sich darauf einstellen, dass man im Vergleich zu Deutschland in sehr einfachen Verhältnissen leben wird, für die Sauberkeit ist die Gruppe verantwortlich und einem wird das Haus schon nach wenigen Tagen wie ein Palast vorkommen, verglichen mit Lebensbedingungen, wie man sie in Indien erleben kannst.

Literatur

Unsere Gruppe war ziemlich lesebegeistert, daher liste ich einfach mal ein paar Titel auf, die einige von uns gelesen haben: Shantaram von Gregory Roberts, City of Joy von Dominique LaPierre, The White Tiger von Aravind Adiga, Siddhartha von Hermann Hesse, Wife von Bharathi Murkherjee.
Der beste Reiseführer ist tatsächlich der Lonely Planet India, von dem es auch ein Exemplar im Guesthouse gibt. Ich hatte mir leider „Indien – Der Norden“ von Hans-Joachim Aubert im DuMont Verlag gekauft und von dem kann ich nur abraten.

Mitzunehmen

Entgegen der Berichte hier sind in den Clinics Handschuhe vorhanden, man braucht also keine mitzubringen. An sich gibt es auch Desinfektionsmittel, aber ich würde trotzdem empfehlen welches mitzunehmen. Auch Buntstifte sind vorhanden, also lohnt es sich vielleicht eher etwas Anderes für die Kinder zum Spielen mitzunehmen.
Kleidung kann man gut vor Ort kaufen, am besten man bringt aber etwas für die ersten Tage mit, da wir zumindest direkt in die Arbeit ins Institut eingebunden wurden und keine Zeit hatten etwas zu kaufen. Die Hosen sind sehr günstig (auf jeden Fall immer deutlich herunterhandeln!), halten dafür aber auch meist nur wenige Tage. Auf jeden Fall Sachen mitbringen, die Schultern und die Beine bedecken, da man sonst, gerade als Frau, unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Bei den heißen Temperaturen im Mai war ich froh, dass ich Hosen aus Leinen mitgenommen hatte, so wie Sportshirts, damit alles möglichst atmungsaktiv ist.
Im Guesthouse gibt es Moskitonetze, die allerdings zum Teil Löcher haben, daher hilft es ein bisschen Klebeband mitzubringen und ggf. ebenfalls etwas Schnur zum Befestigen. Bettwäsche bzw. ein Schlafsackinlet würde ich ebenfalls empfehlen mitzubringen.

Reise und Ankunft

Wie oben schon erwähnt, ließ ich mich am Flughafen von einem Mitarbeiter des IIMC abholen. Dieser war schon da als ich gelandet bin und dann ging es in rasanter Fahrt in ca. 45 Minuten zum Guesthouse. Da ich an einem Sonntag angekommen bin, konnte ich erstmal in Ruhe ankommen und entspannen, da sonntags immer der freie Tag ist. Die anderen Volunteers wurden teilweise direkt ins Institut gebracht und in die Aufgaben miteingebunden.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ursprünglich ist das IIMC als medizinisches Projekt gestartet, inzwischen ist es einer der größten NGO in West Bengal (ca. 90 Millionen Einwohner). Das Hauptgebäude ist die Indoor Clinic, zusätzlich werden mehrere sog. Outdoor Clinics betrieben. Das sind Tageskliniken, die im Umland von Kolkata verteilt sind. Man fährt als Volunteer eigentlich jeden Morgen erstmal in die Indoor Clinic, dort teilen sich die Volunteers auf und fahren ggf. von hier aus weiter in die Outdoors. Für die Medizinstudenten gibt es drei Hauptaufgaben: 1. Versorgung von Wunden und Hautkrankheiten 2. Blutdruck messen und 3. Injektionen geben. Daher sollte man sich auf jeden Fall bewusst sein, dass das IIMC das Hauptaugenmerk auf Primary Healthcare legt und man keine medizinisch hochanspruchsvollen Aufgaben zu erwarten hat. An sich ist ein Monat als Volunteer gut mit dem Pflegepraktikum zu vergleichen. In den Kliniken verbringt man hauptsächlich die Vormittage, nach dem Mittagessen kann man sich dann an den vielfältigen anderen Projekten des IIMC beteiligen. Das geschieht auf freiwilliger Basis, jeder kann sich so viel engagieren wie er möchte und sich auch eigene Projekte überlegen. Das IIMC betreibt über 30 Schulen, daher kann man diese zum Beispiel besuchen und mit den Kindern Fußball spielen. Als ich im Mai dort war, wurden die Schulen leider aufgrund der Hitze geschlossen und die Kinder hatten Ferien. Dennoch konnten wir ein Fußballturnier organisieren und haben ein paar Klassenräume gestrichen. Des Weiteren gibt es zum Beispiel die Möglichkeit Aufklärungsarbeit über Hygiene oder Ähnliches zu leisten, Meetings des Women Peace Councils zu besuchen und sich das Microcredit Programm erklären zu lassen. Wir haben uns auch gerne mit den Patienten in der Indoor Clinic und den Kindern im Waisenhaus beschäftigt. Ebenfalls kann man auch dem Nutrional Program helfen, die Nahrungspakete für werdende Mütter vorzubereiten. Man sieht also anhand der Projekte, dass der Fokus des IIMCs auf der Weiterbildung der Landsleute (Schulen und Vorträge) liegt, sie stärken und verbessern Frauenrechte (u.a. auch wieder durch Bildung der Frauen, Verleihen von Mikrokrediten sowie das Einsetzen für Mutter Kind Gesundheit) und auf medizinischer Hilfe in den Kliniken beruht.
Besonders schön habe ich noch die Zeit in Dakhi in Erinnerung, eine Schule/ Outdoor Clinic circa 3,5 Stunden von Kolkata entfernt. Dort konnten wir mehrere Tage am Stück verbringen, was ich jedem nur ans Herz legen kann, der die ebenfalls die Möglichkeit hat.
Zum Medizinischen lässt sich noch sagen, dass man sich auf jeden Fall mal die Zeit nehmen sollte, sich zu den Ärzten zu setzen. Manche haben, wenn Zeit war, sehr gerne etwas erklärt, besonders die Gynäkologin. Die Ausstattung ist natürlich sehr anders als in Deutschland, so sollte man sich doch auf jeden Fall mal anschauen, wie die Röntgenbilder noch in der Dunkelkammer entwickelt werden oder wie der Zahnarzt arbeitet. Privatsphäre für die Patienten gibt es leider auch nicht wirklich. Das IIMC hat eine Kooperation mit dem KPC Medical College, was eine Art Universitätskrankenhaus auf eher westlichem Niveau darstellt. Dank Dr. Sujit hatte ich die Möglichkeit dieses zu besuchen, was ich nur weiterempfehlen kann. Zum einen konnte ich dort die Ausbildungsräume der Medizinstudenten sehen (ich sag nur Präpsaal im Erdgeschoss bei 40°C...) und zum anderen ein paar Stationen und die Notaufnahme anschauen.

Land und Leute

Meine Zeit in Indien empfinde ich im Nachhinein als sehr kontrastreich. In dem Land trifft Armut auf Lebensfreude. Die Menschen sind sehr gastfreundlich, sehr offen und interessiert daran, wo man der herkommt; stellt euch darauf ein, dass ihr häufig angesprochen werdet, die erste Frage zumeist „which country?“, danach oft der Wunsch nach einem gemeinsamen Selfie. Obwohl die Patienten im IIMC größtenteils kein Englisch sprechen, so fand ich doch den Patientenkontakt trotz Kommunikation nur mit Händen und Füßen sehr berührend, die Menschen war teilweise so dankbar, selbst wenn man nur in geringem Maße etwas für sie tun konnte.
In Indien erwartet euch außerdem eine Dauerreizüberflutung – es ist ständig laut, Hupen, Motoren, Hunde, lautstarke Gespräche, Menschenmassen, dichtes Gedränge in der Metro, aufdringliche Tuk Tuk Fahrer und Verkäufer aller Art, Gerüche, Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, Armut an jeder Ecke, mal wieder die Frage nach einem Selfie; doch genau wie die Inder dies alles und noch vieles mehr jeden Tag aushalten können, genauso gewöhnt man sich auch selber innerhalb weniger Tage daran. Während meines Aufenthaltes wurde mir täglich vor Augen geführt, welches Privileg wir doch haben in Mitteleuropa geboren worden zu sein. Ich habe vor der Reise irgendwo gelesen, dass ein Besuch Indiens vieles relativiert und genau das kann ich nur bestätigen.
Trotz der Lebensumstände vieler Einwohner habe ich sehr viele fröhliche und herzliche Menschen getroffen, alle mit einer unerschöpflichen Anpassungsfähigkeit. Dennoch, was laut Dr. Sujit erfahrungsgemäß den Deutschen am schwersten fällt, ist es sich mit der Ineffizienz mancher Vorgänge in Indien anzufreunden. So werden zum Beispiel Uhrzeiten und Absprachen eher selten eingehalten, die Arbeitsmoral sinkt mit steigender Temperatur extrem.
Sonntag ist traditionell der freie Tag für die Volunteers, diesen haben wir zur Stadtbesichtigung von Kolkata genutzt, so kann ich sehr einen Besuch im Botanischen Garten empfehlen, ebenso des Victoria Memorials. Die heiligen Kühe, die man in anderen indischen Städte überall auf der Straße sieht, sucht man in Kolkata leider vergeblich. Jedoch sind die verschiedenen Religionen der Inder überall präsent und es lohnt sich verschiedene Tempel anzuschauen.
An dem freien Wochenende während der Zeit im Projekt war ich in Varanasi, einer der heiligen Städte der Hindus, wo deren Verbrennungen und Flussbestattungen im Ganges stattfinden. Sehr schön ist auch ein Trip in die Sunderbans, ein Tigerreservat in einem Mangrovenwald nahe der Grenze zu Bangladesch. Negativ habe ich leider den Müll in Erinnerung, den viele Inder leider einfach auf die Straße schmeißen, ohne sich weiter darum zu scheren. Auf dem Weg in die Sunderbans etwas außerhalb der Stadt dachte ich, als ich aus dem Autofenster sah, auf einmal Berge in der Ferne sehen zu können. Unser Tourguide hat uns dann aufgeklärt, dass dort so hoch der Müll aufgetürmt ist.
Bezüglich des Autofahrens bzw. des Verkehrssystems allgemein in Indien ist dies für Europäer ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Es scheint, zumindest für Außenstehende, keine erkennbaren Regeln zu geben, außer das man möglichst viel Hupen sollte. Einmal hat unser Fahrer die richtige Abfahrt der Autobahn verpasst, so sind wir einfach 10 Minuten lang rückwärts zurückgefahren. Auch das System der öffentlichen Verkehrssysteme folgt anderen Regeln, beim Busfahren hält der Bus nicht wirklich an, sondern die Passagiere springen während der Fahrt auf oder ab.
Ich bin nach der Zeit im Projekt noch ein paar Wochen durch den Norden Indien gereist und ich kann auf jedem Fall noch empfehlen sich einen Kinobesuch eines typischen Bollywoodfilms, egal ob in Kolkata oder woanders, nicht entgehen zu lassen. Die Menschen singen und tanzen während der Vorstellung mit und am Anfang stehen alle auf und singen die Nationalhymne. Beim Reisen empfand ich das Zugfahren in den niedrigeren Klassen grundsätzlich gar nicht so schlimm, wie mancher Reisebericht im Internet es andeuten ließ (wir sind somit zum Beispiel für nur 6€ die Strecke nach Darjeeling gefahren), aber das Kaufen der Zugtickets ist ein Abenteuer. Aber dazu gibt es genügend Tipps vor Ort durch die Volunteers.
Ein Thema, wovor ich vor meiner Abreise ein wenig Bammel hatte, war das Essen. Ich mag generell keine scharfen Gerichte, aber ich kann nun berichten, dass man auch verschiedenes ohne Chilis oder ähnliches finden kann. Dennoch findet man in Indien häufig entweder das eine oder das andere Extrem, das heißt entweder ist es sehr scharf, oder extrem süß. Was man jedoch auch mal in deutschen Kliniken einführen könnte, wäre, dass auch bei uns ständig jemand herumläuft, der Chai Tee und Kekse verteilt, so wie es in der Indoor Clinic geschieht.

Fazit

Zusammenfassend fand ich meinen Aufenthalt im IIMC sehr bereichernd und ich bin froh, die Reise so spontan angetreten zu haben. Leider muss ich jedoch auch berichten, dass man als Volunteer eher dazu da ist, das Projekt bzw. die einzelnen Aufgaben zu legitimieren, als dass man wirklich etwas bewegt. Wichtig schien zu sein, dass man sich mit der Anwesenheit der Internationals brüsten kann, egal wie der eigentliche Effekt der bestimmten Aufgabe war. Laut Dr. Sujit sind wir „wie Seerosen auf einem Teich, schön anzusehen, aber nicht unbedingt notwendig.“ Dass uns dieses Gefühl gegeben wurde, kam nicht bei allen bei uns in der Gruppe so gut an. Dennoch kann ich jedem, der etwas über die medizinische Versorgung in einem Schwellenland lernen möchte, ohne zu hohe Erwartungen an die eignen medizinischen Aufgaben zu haben, und dabei gleichzeitig auch die Möglichkeit haben möchte, etwas über die Bildungssituation und die Frauenrechte dort zu erfahren, den Public Health Austausch im IIMC nur empfehlen. Insgesamt bin ich sehr dankbar, während meiner Zeit im Projekt viele Menschen kennengelernt zu haben, die mit ihrer Arbeit Großartiges zur Verbesserung der Lebenssituation vieler im Umkreis von Kolkata geleistet haben!

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