zurück

Morocco (IFMSA-Morocco)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Enid, Düsseldorf

Motivation

Ich wollte gerne mal eine generelle Auslandserfahrung machen, was Krankenhausalltag angeht und Marokko war für mich die perfekte Mischung aus fremder Kultur, französischer Sprache, die ich gerne wiederauffrischen wollte, und auch ein Land, von dem ich einige Herausforderungen im Krankenhausalltag vermutete.

Vorbereitung

Mein größtes Problem bei der Vorbereitung war, dass ich gleich zu Beginn des Jahres eine Auslandskrankenversicherung nachweisen musste und das innert kürzester Zeit. Es kamen noch die Neujahrstage, an denen ich bei meiner Familie war und auch viele Geschäfte noch geschlossen sind, da musste ich dann ziemlich hinterher sein und konnte den Versicherungsnachweis doch nur nachreichen. Da sollte sich also jeder rechtzeitig drum kümmern!
Für Marokko macht es außerdem Sinn, einen Französischkurs zu besuchen oder auch ein bisschen arabisch sprechen/verstehen zu können.

Visum

Ich brauchte kein Visum für Marokko, einfach die Flüge buchen.

Gesundheit

Wie oben beschrieben, musste die Auslandskrankenversicherung sehr früh schon nachgewiesen werden. Außerdem musste ich einen Tuberkulosetest machen. Das ging bei uns an der Uni beim Betriebsarzt ganz unkompliziert. Sonst habe ich nichts Besonderes machen müssen und wurde auch keine Untersuchung machen lassen.

Sicherheit

Ich habe keine besondere Versicherung zusätzlich abgeschlossen, aber ich habe schon vorher von vielen Seiten gehört, dass ich auf mich aufpassen soll in Marokko.
Man wird in Marokko vor allem als Frau ständig angesprochen und angeschaut. Man muss sich also zuerst einmal ein dickes Fell anlegen, immer nein sagen und nicht auf irgendwelche Hilfsangebote eingehen. Man sollte keine leeren/dunklen Gassen alleine entlanglaufen und auch auf sein Bauchgefühl hören und lieber den Umweg gehen oder das Taxi nehmen. Es hilft auch, sich mit einem gewissen Selbstbewusstsein durch die Gegend zu bewegen und nicht zu zeigen, dass man verunsichert ist oder sich grade verlaufen hat. Lieber selbstbewusst einen Umweg laufen, als irgendwo verloren stehenbleiben.

Geld

In Marokko zahlt man mit Dirham. Die meisten Leute kennen dort den Wechselkurs, der bei mir grob lautete: 10 Dirham sind 1€. Man kann auch schon mal mit Euro bezahlen, aber Geld abheben geht sogar mit Maestro Karte problemlos und auch weitgehend gebührenfrei bei mir. Man zahlt am Automaten oft einen Aufpreis von ca. 3€, ich kann mir das aber über mein Apobankkonto wiederholen.

Sprache

Es wird Französisch und Arabisch sowie auch teilweise Berbersprache (Amazighr) gesprochen. Mit Französisch kommt man schon weit, auch wenn es sein kann, dass man im Krankenhaus auf Menschen trifft, die nur Arabisch sprechen. Da aber im Krankenhaus die Lehrsprache Französisch war, wurde dann auch für andere oft übersetzt.

Verkehrsbindungen

Um in Marrakech vorwärts zu kommen, ist man fast auf ein Taxi angewiesen. Das ist aber nicht teuer, die starten bei umgerechnet 17 Cent. Man sollte aber auch echt drauf achten, dass die ihr Taximeter anmachen und man dann danach bezahlt.
In anderen Städten wie Rabat gibt es auch eine Tram, in Marrakech nur noch Busse, aber da muss man schon wissen, wo die halten, denn eine Bushaltestelle ist nicht generell als solche ersichtlich.
Für nationale Reisen gibt es Züge und Busse und teilweise auch Flugzeuge (nach Oujda zum Beispiel lohnt sich das, habe ich aber nicht gemacht). Die Züge haben einen Sparpreis von umgerechnet 5€, die sind aber irgendwann ausverkauft, da muss man dann besser schon etwas im Voraus kaufen, sonst zahlt man eher 11 oder 13€. Da aber auch unbedingt auf der Internetseite von ONCF schauen, da das über Google Maps zum Beispiel nicht angezeigt wird.
Bei den Überlandbussen gibt es keine Ermäßigungen, aber als ich von Marrakech nach Essaouira gefahren bin, war meine Rückfahrt für abends schon ausverkauft und ich musste den 3€ teureren Komfortbus eine Stunde eher nehmen.

Kommunikation

Eine SIM-Karte kaufen macht definitiv Sinn, das Internet ist sehr günstig (ca. 1€ pro GB) und kann auch jederzeit nachgekauft werden (ich hatte Orange). Es gibt auch an vielen Orten WLAN, also einfach immer im Café/Restaurant nachschauen/-fragen.

Unterkunft

Ich habe bei meiner Gastschwester und ihrer Familie gewohnt. Sie hatte noch drei Geschwister und ich aber mein eigenes Zimmer. Die Mutter hat es sich nicht nehmen lassen, für mich zu kochen, obwohl ich vegan bin (habe dort dann aus Höflichkeit auch vegetarisch gegessen). Ich habe mir auch immer mal was selber gekauft oder auch mal zubereitet, wollte aber auch die Gastfreundlichkeit nicht ablehnen, aus Angst unhöflich zu wirken. Aber es waren wirklich alle nett und man wollte mir auch gerne traditionelle marokkanische Küche zeigen.

Literatur

Ich habe mich eher mit Freunden unterhalten, die schon mal da waren oder selber aus Marokko kommen. Medizinische Literatur habe ich auch nicht besorgt. Aber es macht Sinn eine Wörterbuch-App auf seinem Handy zu haben.

Mitzunehmen

Als Gastgeschenk eignen sich deutsche Lebensmittel, vor allem Süßigkeiten, aber nichts, was Schwein etc. enthält (also auch bei Süßigkeiten auf die Herkunft der Gelatine achten!)
Eher moderate Kleidung einpacken, vor allem als Frau. Auch im September ist es noch echt warm in Marrakech, also am besten lange luftige Hosen einpacken. T-Shirts sind kein Problem, aber besser keinen tiefen Ausschnitt tragen. Auch etwas zum Arme abdecken sowie ein Tuch für Moscheebesuche lohnt sich. Mehr als einen Pulli braucht man aber nicht und ich hatte auch eine Regenjacke nur für den Fall mitgenommen, aber überhaupt nicht gebraucht.
Mein braucht keinen Steckdosenadapter, aber dicke Stecker passen je nachdem nicht, da die Steckdosen einen Erdungsstift noch zusätzlich haben.

Reise und Ankunft

Meine Gastschwester hat mich am Flughafen abgeholt und zu ihrem Wohnhaus gebracht. Ich bin am Abend vor Praktikumsbeginn erst angekommen und dann auch noch recht spät, weil mein Flieger verspätet war. Wir sind dann aber auch am Montag erst mal nur zur medizinischen Fakultät gefahren, wo wir schon mal ein Zertifikat in die Hand gedrückt bekommen haben, was mir aber nichts gebracht hat, da es die falschen Daten enthielt. Das richtige IFSMA Zertifikat habe ich dann in der letzten Woche von meiner Kontaktperson zum selber ausfüllen bekommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Leider habe ich nicht viel selber machen können auf der Neurologie. Ich bin viel mitgelaufen und es gibt einmal die Woche eine große Visite, an der viel Fachpersonal dran teilnimmt. Sonst wird körperlich untersucht und beraten, wenig andere Diagnostik. Man kann froh sein, wenn die Ärzt*innen Englisch sprechen, das ist nicht zwingend der Fall. Ich habe mit meinem holprigen Französisch Probleme gehabt zu folgen, v.a. in der Visite, wenn alle durcheinanderreden. Trotzdem sind alle höflich und hilfsbereit und wenn man nachfragt, bekommt man immer eine Antwort.
Ich bin mittwochs dort immer in eine Art Sprechstunde in einem medizinischen Zentrum gegangen, wo weniger akute Fälle und viel Epilepsie und Parkinson besprochen wurde. Das fand ich interessanter als den Klinikalltag, da dort nicht viel passiert ist.
Es gab aber noch eine Reihe anderer Student*innen, wäre ich dort war, weil es zuvor einen Streik gab unter den Medizinstudierenden und sich somit deren Semesterzeiten verschoben haben.
Was mir leider in Erinnerung geblieben ist, ist der Satz des einen Arztes: "Wir können nicht mehr als ein Medikament gleichzeitig verschreiben, da sich die Leute das sowieso nicht leisten können." Das fand ich sehr traurig und spiegelte sich aber in der Behandlung und dem Behandlungsfreiraum wieder. Oft kann ein*e Ärzt*in nur beratende Funktionen einnehmen und auf ein bildgebendes Verfahren muss teilweise sehr lange gewartet werden. Zumindest im öffentlichen System. Es gibt auch ein privates, das sich nur wenige Menschen leisten können, weil man bei allem in Vorkasse gehen muss. Dort sind die Standards viel besser und auf europäischem Niveau, aber eben lange nicht für alle zugänglich. Leute, die nicht privat versichert sind und sich das nicht leisten können, werden einfach wieder weggeschickt. Ich habe einen norwegischen Studenten kennengelernt, der in einer privaten Kinderklinik war und meinte die Standards sind quasi wie in Norwegen. Aber alle anderen, die ich kennengelernt habe, waren in einem öffentlichen Krankenhaus.
Es ist in jedem Fall sinnvoll, ein kleines Taschendesinfektionsmittel bei sich zu tragen, da es im Krankenhaus nicht viele (befüllte) Desinfektionsmittelspender gibt.
Zudem ist mir noch aufgefallen, dass es weniger Pflegepersonal gibt als in Deutschland und ich vermute, dass das daran liegt, dass die Versorgung der Kranken auch im Krankenhaus noch mehr von Familie und Angehörigen übernommen wird. So haben zum Beispiel oft Angehörige auf dem Boden des Patientenzimmers geschlafen.

Land und Leute

Auf mich war es in Marokko eine verrückte Mischung aus Aufdringlichkeit und Höflichkeit, denn einerseits ist man ein (weiblicher) Tourist, der Aufsehen erregt und eine gute Geldquelle verspricht. Oft wollen die Leute einem also was verkaufen oder starren einen eben nur an, was auch manchmal unangenehm sein, v.a., weil ich das Gefühl hatte, nie in der Anonymität einer Großstadt unterzugehen, so wie es woanders oft der Fall ist. Auf der anderen Seite waren die Leute, die man besser kennengelernt hat, sehr höflich, also zum Beispiel meine Gastfamilie und das Personal im Krankenhaus, mir wurde zum Beispiel immer ein Platz zum Sitzen angeboten dort, auch wenn jemand anderen dann seinen aufgegeben hat. Einmal bin ich Zug gefahren und hab mich neben eine Einheimische gesetzt und sie hat mir sofort die Hälfte ihres Sandwiches abgeben wollen. Man sollte also schon auf der Hut sein und sich nicht bequatschen lassen, weil manche das dann auch ausnutzen und fürs den Weg zeigen Geld verlangen o.ä., aber man muss sich auch auf die Leute einlassen und Höflichkeiten dankbar annehmen. Mit meiner Gastfamilie bin ich ja auch sehr gut klargekommen und wurde immer höflich behandelt. Leider würde ich aber schon sagen, dass man eine gewisse Vorsicht an den Tag legen sollte, auf Hinweise und Tipps der Anwohner hören sollte und seine Wertsachen im Auge zu haben. Wenn man in eine Straße abbiegen möchte, die verlassen ist, nimmt man vielleicht besser die nächste.
Manchmal haben mir tiefergehende Gespräche gefehlt, weil es oft nicht mehr als Smalltalk war, aber da macht ja sicher jeder seine eigenen Erfahrungen.
Das essen dort ist lecker, aber v.a. wenn man Fleisch isst, eine vegetarische/vegane Ernährung war teilweise etwas einseitig.
Ich bin an den Wochenenden zweimal mit anderen Austauschstudenten unterwegs gewesen und auch, wenn ich sonst nicht so der Pauschaltouri bin, fand ich es sehr angenehm dort, mit einem Busunternehmen eine geplante Tour zu buchen. Das würde ich auch wieder so machen. Ich bin nach dem Praktikum noch eine Woche mit meinem Freund gereist und da hatten wir ein Mietauto, das hat besser geklappt als gedacht, man sollte sich also von dem Verkehr dort nicht einschüchtern lassen.
Ich habe also die größeren Städte alle besichtigt und auch eine Wüstentour gemacht. Das Atlasgebirge hätte sich sicher auch noch gelohnt, aber da ich sonst nur Sommerkleidung mithatte, wollte ich nicht für ein Wochenende dort eine komplette Wintermontur mitnehmen, die man aber wohl schon braucht, wenn man dort wandern gehen will.

Fazit

Alles in allem muss ich sagen, dass ich den Auslandsaufenthalt weder als schlecht noch supergut bewerten würde. Ich habe mich oft in meinen Freiheiten beschnitten gefühlt, aber das war ja auch keine Überraschung. Trotzdem ist es was anderes, dass dann nochmal am eigenen Leib zu erleben. Ein Erlebnis war es in jedem Fall und besonders, wenn man plant, später mal zeitweise im Ausland zu arbeiten, kann man sich so schon mal ein Bild von einem (vergleichsweise weiter entwickelten) afrikanischen Land zu machen.

zurück