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Korea (KMSA Korea)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Philippa, Leipzig

Motivation

Ich wollte unbedingt nach Korea, weil ich noch nie in Asien war und ich fand Korea wäre ein sinnvoller Einstieg. Das Land ist ziemlich modern und mir war wichtig, da es mein erstes Mal alleine reisen und mit Backpack war, dass das Land ein sicheres ist und ich mir nicht so viele Gedanken machen muss beklaut oder anderweitig hinters Licht geführt zu werden.

Vorbereitung

Ich habe vorher an einem PreDeparture Training teilgenommen, was mir, gerade im Nachhinein betrachtet mehr geholfen hat, als ich ursprünglich angenommen hatte. Ich denke, es ist sicherlich sinnvoll, sich vorher etwas über die Kultur (und eventuell die Geschichte) des Landes anzulesen, um nicht auf noch mehr Füße zu treten, als man eh schon versehentlich tun wird. Für Korea spezifisch, ist es auch wirklich sinnvoll, die Schrift zu lernen und ein paar Koreanische Wörter parat zu haben.

Visum

Visum war kein Problem. Deutsche Staatsangehörige können bis zu drei Monate ohne Visum in Korea bleiben.

Gesundheit

Ich hab auf der Website meiner Krankenkasse geguckt, welche Impfungen empfohlen wurden und habe dementsprechend Tollwut, Japanische Enzephalitis, Typhus und Meningokokken ACWY impfen lassen, wobei ein Aufenthalt in großen Städten eigentlich keine extra Impfungen braucht.

Sicherheit

Wie ich schon gesagt hatte, Korea ist super sicher. Seoul ist die sicherste Großstadt der Welt und ich hab mich tatsächlich nie unsicher oder bedroht gefühlt. Es ist Standard, dass die Leute im Café ihre Computer und Geldbeutel offen liegen lassen, wenn sie z.B. auf Toilette gehen.
Ich denke, es ist schon sinnvoll die Situation zwischen Nordkorea und den USA etwas im Auge zu behalten, aber so wie sie im Moment ist, ist das überhaupt kein Problem.

Geld

Die Währung ist Won. 1 Won sind 0,00077 Euro... oder andersrum 1 Euro sind etwa 1.300 Won. Es werden fast überall Kreditkarten akzeptiert, ich hatte aber schon immer wieder Probleme mit meiner Karte aufgrund eines "Terminalfehlers" koreanischer Automaten (laut den Angaben meiner Bank) und es gibt auch einige Läden, in denen man nicht mit ausländischen Karten bezahlen kann. Ich habe einfach alles in Bar bezahlt und an den Automaten, wo meine Karte funktioniert hat, dann eben immer etwas mehr Geld abgehoben. Lebensunterhaltungskosten sind ähnlich denen in Deutschland, eventuell etwas günstiger. Gerade Restaurants sind tatsächlich ganz günstig, man bekommt eine ordentliche Mahlzeit für umgerechnet 5 Euro. Trinkgeld ist nicht üblich in Korea und Wasser gibt es in jedem Restaurant gratis dazu.

Sprache

In Korea spricht man koreanisch. Und das war's dann auch schon. Englisch ist nicht sehr verbreitet und wenn, dann nur rudimentär. Ich habe mich im voraus mit der Sprache beschäftigt und konnte es lesen und mich ein bisschen unterhalten (bestellen, Dinge kaufen etc.). Ich hab aber auch viele getroffen, die koreanisch weder lesen noch sprechen konnten und die sind auch klar gekommen, ich habe mich nur wohler gefühlt, ein bisschen was sagen und verstehen zu können.

Verkehrsbindungen

Flugzeug... dauert etwa 10 Stunden, je nachdem wo man losfliegt oder umsteigt. Gibt nicht viele andere Möglichkeiten.
Innerhalb des Landes gibt es ein super ausgebautes öffentliches Verkehrsmittelnetz (Busse, Züge...). Es ist nur eben nicht alles auf Englisch verfügbar, aber es gibt Ticket Automaten (da kann man englisch auswählen) oder eben Ticket Automaten, wo ich die Stadt vorher rausgesucht hab und auf dem Handy bereit hatte. Die Busse innerhalb der Städte sind nicht in jeder Stadt zuverlässig. Ich hab in manchen Städten teilweise 90 Minuten auf einen Bus gewartet und nirgendwo stand, wann oder in welchem Abstand die Busse kommen. Aber angekommen bin ich immer irgendwie. :)

Kommunikation

Mit Händen und Füßen und einer Translation App und eben mit den grundlegenden koreanisch Floskeln, die ich so kannte.
Ich hab mir in Korea eine koreanische SIM Karte geholt und kann das auch jedem empfehlen. Korea hat total schnelles Internet und auch freies WLAN fast an jeder Ecke. Manchmal braucht man aber gute koreanisch Kenntnisse oder einen koreanischen Vertrag um sich da einzuloggen, daher empfehle ich die Karte wirklich jedem. Ich hatte für 30 Tage unbegrenzt 4G Datenvolumen.

Unterkunft

Ich hab im Studierendenwohnheim gewohnt. Das Zimmer teilte ich mir mit einer Ungarin, die im gleichen Projekt war wie ich. Man teilt sich tatsächlich das Zimmer. Die Betten standen parallel zu einander und dazwischen war etwa ein Meter Platz. Dazu hatten wir ein Badezimmer an unserem Zimmer, das nur wir beide benutzten (hab auch gehört in anderen Wohnheimen gibt es Gemeinschaftsbäder). Wir hatten leider keinen Kühlschrank oder irgendwas um uns selber zu verpflegen (nur Bett, Schreibtisch, Schrank), aber wir hatten 3 mal am Tag Verpflegung in der Mensa (morgens, mittags, abends). Bettwäsche musste ich selber mitbringen, das habe ich aber vor Ort gekauft, da ich nur mit Backpack unterwegs war. Es gab im Keller auch Waschmaschinen, die pro Benutzung umgerechnet 75 ct gekostet haben.

Literatur

Ich hab mir einen Reiseführer gekauft und mich auch im Internet etwas belesen, was die Kultur und das Land anging.
Für das Projekt habe ich mir keine extra Literatur gekauft. Da habe ich mir herausgesucht, mit was für Parasiten das Labor sich befasst und mich dazu etwas belesen.

Mitzunehmen

Da ich im Sommer hingefahren bin und es da unglaublich warm und schwül wird, habe ich vor allem leichte Kleidung eingesteckt und vier paar Schuhe (Wanderschuhe, Sportschuhe, Sandalen, FlipFlops). Ich habe in meinem Gepäck viel Platz gelassen, da ich wusste, dass man in Korea gut einkaufen gehen kann, was sich als mehr als wahr herausgestellt hat. Nur Deo, Shampoo und Duschgel würde ich mir zur Genüge einstecken, das ist da relativ teuer und die Deos, die für koreanische Zwecke genügen, reichen nicht für europäische... Nivea Deo gibt es da zwar auch, aber die sind da wahnsinnig teuer...
Wichtig wäre vielleicht noch, dass Google da nicht funktioniert. Ladet euch Naver maps runter. Die App ist auf Englisch verfügbar und zeigt euch alle Arten und Weisen von A nach B zu kommen (innerhalb einer Stadt und auch innerhalb des Landes).

Reise und Ankunft

Die Reise verlief ereignislos, sie war nur unglaublich lang. Ich bin anderthalb Wochen vor Praktikumsbeginn angekommen und in Seoul gelandet, da ich noch ein paar Tage in der Stadt bleiben wollte. Daher bin ich nicht abgeholt worden, aber das war okay, das hatte ich vorher mit meine CP angesprochen. Nach fünf Tagen in Seoul bin ich dann mit dem Bus nach Cheongju gefahren um mich da etwas einzuleben und mir die Stadt anzugucken.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag trafen wir uns mit unserer CP vor dem Laborgebäude und lernten den Professor kennen. Er war super nett und gab uns den Fahrplan für die nächsten 4 Wochen. Wir bekamen den Link zu sieben Paper, die von dem Labor publiziert wurden und alle das gleiche Problem befassten (Neglected tropical diseases (v.a. Schistosoma) in Tanzania). Bis zum Ende des Austausches sollten wir eine Review über diese Paper geschrieben haben. Der Vorteil daran war, dass wir die Arbeit machen konnten wo wir wollten und die Arbeitszeit frei einteilen konnten. Wir kamen nur jeden Tag von 10 bis 11 Uhr in das Labor, wo der Professor uns eine Stunde lang diverse Themen und Probleme über das Labor, seine Projekte und diverse Parasiten vorstellte. In der zweiten Woche haben wir auch praktische Erfahrungen sammeln dürfen, da waren waren wir dann natürlich länger als eine Stunde im Labor. Wir haben Stuhlproben mikroskopiert und auf Parasiten untersucht, wir haben von unbekannten Wurmproben eine PCR gemacht und sollten so herausfinden, welche Spezies man uns gegeben hatte und noch vieles mehr. Ich hatte mich nicht wirklich intensiv vorbereitet. Ich hatte mir zwar angeguckt, was für Parasiten das Labor vor allem behandelte und mich dazu etwas belesen, aber das war es dann auch schon. Mir wurde aber alles genau erklärt und ich hatte nie das Gefühl überfordert zu sein.
Die Wissenschaftler im Labor waren alle so unglaublich nett, ich hatte das Gefühl, dass sie sich wirklich sehr gefreut haben, mich da zu haben und sie waren alle sehr motiviert mir alles zu zeigen und mir zu helfen, wo es nur ging. Wir waren öfters mit den Leuten aus dem Labor mittags essen und am Ende haben sie mir und dem Mädchen, das mit mir in dem Projekt war, ein selbst gemachtes Zertifikat geschenkt, auf dem das ganze Team unterschrieben und eine Kleinigkeit dazuschrieben hatte. Besonders ist mir der Unterschied in der Arbeitsmoral aufgefallen. Der Professor erscheint wohl um 3/4 Uhr morgens zu Arbeit und geht erst um 16 oder auch teilweise erst um 18 oder um 19 Uhr wieder nach Hause. Auch die anderen Wissenschaftler haben unglaubliche Arbeitszeiten und verbringen den Großteil ihrer Zeit im Labor (völlig egal ob Feiertag oder nicht).
Das Gesundheitssystem habe ich nicht kennengelernt, da ich ja nicht im Krankenhaus war. Das koreanische Medizinstudium habe ich schon etwas kennengelernt und es ist unglaublich theoretisch. Ich habe viele Studierende im 3. und auch 4. Studienjahr kennengelernt, die noch nie Blut abgenommen oder anderweitig Kontakt zum Patienten hatten.

Land und Leute

An den Wochenenden bin ich in unterschiedliche Städte gefahren, in denen zum Teil ein nationales Social Program organisiert wurde, das wirklich total cool und umfangreich war. Wir haben viel gegessen, auch viel traditionell koreanisch, wir haben traditionelle koreanische Kleidung anprobiert, wir haben tolle Stadttouren gemacht und in einem Hostel übernachtet, in denen wir auf dünnen Matratzen auf dem Boden geschlafen haben.
Die koreanischen Studierenden haben sich wirklich die größte Mühe gegeben uns viel zu zeigen und uns alles zu erklären, was mit ihrer Geschichte und ihrer Kultur zu tun hatte.
Ich war in neun Städten und habe sehr viel gesehen. Ich empfehle daher Seoul, Busan, Jeju (Insel) und Gyeongju. Die Orte haben mir wirklich total gut gefallen.
Das Essen ist sehr fleischhaltig und vor allem auch super scharf. Es ist nicht leicht vegetarisch oder vegan zu essen. Möglich bestimmt, aber da es in Korea einfach nicht üblich ist, muss man sich auf Einschränkungen gefasst machen, wenn man Fleisch nicht essen will (selbst Dinge ohne Fleisch sind meist in Rinder- oder Hühnerbrühe gekocht...). Auch Obst und Gemüse sind sind in kleineren Quantitäten sehr teuer. Für die, die wie ich kein scharfes Essen essen können... tough luck, da müsst ihr durch. Man gewöhnt sich tatsächlich daran und es gibt wirklich leckere Gerichte. Eins meiner Lieblingsgerichte war Bibimbap (vegetarisch). Eine Schüssel mit Reis, Gemüse und einem Ei. Bibimbap bedeutet wortwörtlich "gemischter Reis" und das ist auch genau was es ist (super lecker).
Korea ist ein interessanter Mix aus modern und traditionell. Man findet den alten buddhistischen Tempel mitten in der modernen Großstadt. Trotzdem sieht man an vielen Ecken Unterschiede zu Europa und ich fand es doch deutlich, dass Korea noch nicht ganz so "Industrieland" ist, wie Deutschland eben ist. Die alte und die neue Generation sind super verschieden aufgewachsen, weil in so kurzer Zeit so viel passiert ist in Korea und ich finde, dass merkt man im ganzen Land sehr deutlich.
Ich habe am Anfang etwas mit der Kultur gehadert, gerade weil Korea eine andere Perspektive von "höflich" und "unhöflich" hat (nach Anrempeln wird sich nicht entschuldigt, ist aber nicht unhöflich gemeint, sondern einfach nicht üblich). Und auch Nase hochziehen, spucken und schmatzen haben da nicht das gleiche Stigma wie hier. Auch beim Niesen ist es nicht super üblich, dass die Leute sich die Hand vor den Mund halten. Behaltet wirklich ein offenes Mindset, die Kultur ist grundverschieden von unserer.

Fazit

Ich würde jederzeit wieder einen Auslandsaufenthalt machen und auch definitiv wieder in Korea. Am Ende meines Aufenthaltes war ich durchaus traurig das Land wieder verlassen zu müssen, obwohl ich fast zwei Monate unterwegs war. Probiert es aus, Korea hat echt viel zu bieten! Die Natur ist großartig, die Kultur unterscheidet sich sehr von unserer und es ist ein tolles Abenteuer dieses Land zu erkunden. Dazu kommt, dass es eins der sichersten Länder der Erde ist, es ist also auch total entspannt Korea alleine (als Frau) zu erkunden.

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