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Tobacco dependence treatment (Jordanien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Hannah, Köln

Motivation

Das Praktikum in Jordanien war nicht mein erstes Praktikum im Ausland. Ich liebe es neue Länder zu bereisen und Kulturen kennenzulernen. Jordanien ist ja nicht gerade ein Land, wo man mal so eben hinfährt, was den Reiz für mich noch verstärkt hat. Und ich kann nur jedem empfehlen: traut euch, es lohnt sich!

Vorbereitung

Da es sich um einen Restplatz gehandelt hat, musste ich alle erforderlichen Dokumente schnell besorgen. Im Endeffekt hält sich der Aufwand aber in Grenzen. Ich habe mich ein wenig über die Kultur informiert und würde empfehlen sich die Basics für Hallo, Tschüss etc auf Arabisch anzueignen. Auch über die Sicherheitslage im Land habe ich mich beim Auswärtigen Amt informiert.

Visum

Das Visum kann man ganz entspannt am Flughafen in Jordanien erwerben. Wenn man sich im Voraus den Jordan Pass besorgt, ist das Visum darin schon enthalten und man muss ihn bei der Einreise vorzeigen. Der Jordan Pass kostet 90€ (40€ davon für das Visum) und erlaubt es einem alle Hauptattraktionen des Landes zu besuchen. Ich würde die Anschaffung sehr empfehlen, da die einzelnen Tickets viel teurer sind und man im Rahmen des National Programs definitiv die Kosten wieder rausbekommt.

Gesundheit

Ich habe keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Eine Hepatitis A Impfung wird glaube ich empfohlen, aber die hatte ich schon von anderen Reisen. Trinkwasser sollte man nur abgefüllt trinken. Ansonsten habe ich die übliche Reiseapotheke eingepackt.

Sicherheit

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man in ein kulturell sehr anderes Land fährt. Auch befindet man sich direkt unter Syrien was vielen Angst macht. Ich selbst habe absolut keine schlechten Erfahrungen gemacht. Jordanien ist ein sehr sicheres Reiseland und besonders als Ausländer bekommt man bei Zwischenfällen auf jeden Fall sofort Hilfe von den Behörden.
Als Frau sollte man sich an die Sitten des Landes anpassen und keine zu kurzen Hosen auf der Straße tragen. Auch muss man damit rechnen viel angestarrt zu werden, da wir Europäer schon anders aussehen. Man kann sich aber auch als Frau komplett frei in der Hauptstadt bewegen und muss keine Angst haben. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt ein schlechtes Gefühl dabei. Aufpassen sollte man allerdings auf Taschendiebe, da wir als „reich“ angesehen werden. Gerade im Juli und August sind aber sowieso so viele Incomings im Land, dass man eigentlich selten allein unterwegs ist und auch die Kontaktpersonen begleiten einen häufig.

Geld

In Jordanien gibt es die Währung Jordanian Dinar (JD). Man würde denken, dass das Leben dort nicht so teuer ist - ist es aber leider. Essen bekommt man auf der Straße zwar relativ günstig, aber im Supermarkt ist alles preislich ähnlich wie in Deutschland. Alle Freizeitaktivitäten oder guten Restaurants sind teilweise sogar teurer als hier. Die Trips, die von den Locals organisiert werden, muss man teilweise auch selbst bezahlen. Dafür lohnen sie sich aber wirklich sehr. Ich habe in einem Monat ca. 500€ ausgegeben. Damit habe ich aber auch das komplette Land bereist und war tauchen etc.

Sprache

Die Sprache, die gesprochen wird, ist Arabisch, aber man kommt ganz gut mit Englisch zurecht. ES lohnt sich sicherlich einige Floskeln auf Arabisch zu lernen. Im Krankenhaus sprechen aber eigentlich alle Ärzte Englisch.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Turkish Airlines über Istanbul nach Amman geflogen. Da ich meinen Flug erst ziemlich spät gebucht hatte gab es leider keine günstigeren Optionen mehr. Es gibt aber sogar Ryanair Flüge nach Jordanien. Also einfach früh gucken. Am Flughafen wird man von einer Kontaktperson abgeholt.
Öffentliche Verkehrsmittel gibt es leider nicht wirklich in Jordanien. Für weitere Strecken gibt es Reisebusse und in der Stadt teilweise Mini Vans. Ich würde in der Stadt aber Uber empfehlen. Da könne die einen nicht übers Ohr hauen. Bei Taxis sollte man immer bitten das Taximeter anzustellen oder vorher einen Preis ausmachen.

Kommunikation

Ich habe mir am 1. Tag eine Sim Karte gekauft mit 20GB Datenvolumen, was auch völlig ausgereicht hat. WLAN hatten wir nicht in unserem Haus. Also am besten Serien vorher runterladen. Sonst gibt es aber diverse coole Cafes mit WLAN.

Unterkunft

Wir haben mit 30 Incomings zusammen in einem großen Haus recht zentral gewohnt. Es gab immer 5er oder 6er Wohnungen. Ich habe mir mit einer Spanierin ein Zimmer geteilt. Unsere Wohnung war sehr gut ausgestattet und hatte eine große Küche mit allem was man braucht und einen gemütlichen Sitzbereich im Wohnzimmer. Es werden aber jedes Jahr andere Wohnungen gebucht, also muss man sich ein bisschen überraschen lassen. Klimaanlage hatten wir auch, aber haben wir eigentlich nicht wirklich benutzt, da es nachts schön abkühlt.

Literatur

Ich habe mir keinen Reiseführer o.ä. besorgt und hauptsächlich über das Internet recherchiert. Die National Trips werden ja sowieso für einen organisiert, von daher habe ich mich eher überraschen lassen.

Mitzunehmen

Man sollte auf jeden Fall angemessene Kleidung (Frau: lange, weite Hosen oder Röcke, langärmelige Shirts) einpacken und auch etwas Schickeres, falls man mal zu einem Essen eingeladen wird. Eine Jacke braucht man eigentlich nicht wirklich. Nachts sind es so um die 20°, da reicht sonst auch ein Pullover. Auf jeden Fall eine Badehose/einen Bikini einpacken, da man Trips ans Meer macht.

Reise und Ankunft

Die Anreise war sehr unkompliziert. Ich wurde von einer Kontaktperson vom Flughafen abgeholt und direkt zum Appartement gebracht. Alle wichtigen Geschäfte etc. werden einem gezeigt. Auch zum Krankenhaus wurde ich am ersten Tag begleitet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Da ich die aller Erste war, die diesen Public Health Austausch durchgeführt hat, war am Anfang alles etwas holprig und für alle Neuland. Das Thema meines Austauschs war Tobacco Dependence Control. Ich war am King Hussein Cancer Center, wo es eine ganze Abteilung für dieses Thema gibt. Das Krankenhaus lag ca. 1h Fußweg oder 15 min Uber Fahrt von unserem Appartement entfernt. Dort habe ich jeden Tag ungefähr 5 Stunden verbracht. Es war aber auch kein Problem, wenn man wegen eines Ausflugs etc. mal einen Tag verpasst hat. Im Tobacco Dependence Center werden Kampagnen geplant und viel recherchiert. Außerdem gibt es eine Sprechstunde, wo Patienten geholfen wird, mit dem Rauchen aufzuhören. Im Weiteren gibt es vor Ort Besuche in öffentlichen Einrichtungen um die Menschen aufzuklären. Das allerdings nur außerhalb der Schulferien, die im August sind. Das Rauchen in Jordanien so ein riesiges Problem ist, war mir vorher gar nicht so bewusst und hat mich sehr schockiert. Es raucht tatsächlich fast jeder, auch viele Kinder und Jugendliche. Ein 15-Jähriger mit 3py ist keine Seltenheit. Es gibt außerdem keine öffentlichen Rauchverbote. Im Cancer Center muss man selbst ein bisschen herausfinden, wie man sich einbringen kann. Das geht aber beispielsweise gut beim Recherchieren oder auch in der Tobacco Dependece Treatment Clinic. Die Ärzte mit denen ich dort zu tun hatte, waren alle unglaublich nett und haben viel erklärt. Auch war es sehr interessant Kontakt mit Patienten zu haben. Viele haben bereits Folgeerkrankungen vom Rauchen, wodurch sie motiviert sind damit aufzuhören. Hat man eine Krankenversicherung werden beispielsweise Nikotinpflaster übernommen und so das Aufhören erleichtert. Die Ärzte sprechen sehr gutes Englisch und übersetzten gerne oder beantworten Fragen. Im Cancer Control Office selbst guckt man als Praktikant aber häufig auch nur zu. Manchmal habe ich auch kleine Recherche Aufgaben bekommen, wie beispielsweise Prävention von Colonkarzinomen. Das Krankenhaus an sich ist sehr modern und neu und entspricht unserem Standard hier, was mich durchaus überrascht hat. Wenn man Glück hat, bekommt man die Gelegenheit sich auch andere Stationen wie die Pneumologie oder Intensivstation anzusehen. Es handelt sich beim King Hussein Cancer Center um ein privates Krankenhaus. Famulanten und Praktikanten aus dem Ausland landen aber immer nur in den privaten Krankenhäusern. In den öffentlichen Krankenhäusern bringt es nichts ohne Arabischkenntnisse zu sein und die Ärzte haben sowieso viel mehr zu tun. In den privaten geht es meist etwas ruhiger zu.

Land und Leute

Der Monat in Jordanien war wirklich unglaublich cool und ich kann jedem nur wärmstens empfehlen, sich dieses Land genauer anzuschauen. Ich habe unglaublich viele nette Menschen kennengelernt und so viel erlebt und gesehen. Das Programm, was von den Kontaktpersonen organisiert wurde, war unglaublich. Hier ein paar Auszüge: National Food and Drink Party, Fußballspiele, Trip nach Madaba und Jerash, Trip nach Petra, Wadi Rum und ans rote Meer mit Tauchausflug und Party Boot, Wandern in einer Schlucht, Pool Parties, Fahrradtour, Sternenwarten Besuch, Trip zum Toten Meer, Einladung nach Hause zum Essen, Ausflüge zu Aussichtspunkten und noch vieles mehr. Einem wurde definitiv nicht langweilig. Die Einheimischen waren sehr bemüht, dass alle Incomings eine gute Zeit haben. So eine Gastfreundschaft hatte ich vorher noch nie erlebt.
An vielen Abenden sind wir zusammen Essen oder in ein Cafe gegangen und hatten eine gute Zeit. Bei den Ausflügen sieht man viel von der Natur des Landes, wie beispielsweise die Wüste Wadi Rum in der der Film „Der Marsianer“ gedreht wurde oder auch die grünen Gebirge im Norden des Landes. Eindrucksvoll war auch das salzige Tote Meer, wo wir in einem 5 Sterne Hotel gewohnt haben und uns im Wasser treiben lassen konnten. Auch Petra, eins der 7 Weltwunder, ist einen Besuch wert.
Das Essen in Jordanien ist richtig richtig gut. Viel frisches Obst und Gemüse und traditionelle Süßigkeiten. Aber natürlich auch göttlichen Hummus, Shawarma, Falafel, Huhn mit Reis und andere traditionelle Gerichte. Wir wurden mehrfach zu unseren Kontaktpersonen nach Hause zum Essen eingeladen. Dort gab es leckeres, traditionell gekochtes Essen und man hat einiges von der Kultur mitgenommen. Die Kontaktpersonen waren alle sehr offen und wir haben viel diskutiert und uns ausgetauscht.
Ich muss sagen, dass auch unsere Gruppe von Incomings sehr cool war. Wir haben uns alle gut verstanden und eigentlich fast jeden Abend etwas zusammen unternommen. Die Wohnungen in denen wir waren, waren viel besser als ich erwartet hätte. Man konnte sich wirklich wohlfühlen und durch die großen Wohnzimmer auch mit vielen Leuten zusammensitzen. Ich bin sehr glücklich jetzt Freunde in so vielen Ländern zu haben.
In Amman gibt es wirklich sehr viel zu tun. Von Sportmöglichkeiten über historische Stätten zu Restaurants, Malls und Kinos gibt es eigentlich alles was das Herz begehrt. Man schafft es gar nicht alles auszuprobieren. Und da man meist mit vielen Incomings zusammen ist findet man auch immer Leute um etwas zu unternehmen.

Fazit

Traut euch nach Jordanien zu fahren! Es ist wirklich ein wunderschönes Land mit vielen Sehenswürdigkeiten und außergewöhnlicher Natur. Durch die National Trips hat man im Juli und August die Möglichkeit, das ganze Land zu bereisen und bekommt garantiert keine Langeweile. Das Social Program hätte wirklich nicht besser sein können. Auch die Gastfreundschaft der Menschen ist super. Also wirklich 100% Empfehlung.

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