zurück

Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Stefanie, Göttingen

Motivation

Nach meiner bvmd-Auslandsfamulatur 2018 in Ungarn war ich so begeistert, dass ich auch meine nächste Famulatur im Ausland absolvieren wollte. Diesmal sollte es nach Asien gehen. Von Indonesien hatte ich gehört, dass es wunderschöne Reiseziele gibt, die Menschen sehr freundlich sind und das Gesundheitssystem komplett unterschiedlich ist als unseres, deshalb war es mein Platz 1 auf der Liste. Ich habe mich aber auch noch für Thailand und Mexiko beworben, einfach aus Interesse an den Ländern.

Vorbereitung

Genaue Vorbereitungen habe ich erst getroffen, nachdem meine Card of Confirmation auch da war. Ich habe mich dann mit meiner Contact Person in Verbindung gesetzt. Ich sollte am 1.8. mit der Famulatur anfangen und konnte schon am 31.7. anreisen.
Da ich nach der Famulatur noch reisen wollte, hatte ich meinen Rückflug für September gebucht. Dann ging es ans Visum beantragen, siehe unten

Visum

Es gibt je eine indonesische Botschaft in Frankfurt und in Berlin, je nach dem in welcher Region man in DE wohnt, kann man alle Infos auf den jeweiligen Internetseiten abrufen. Für eine Famulatur benötigt man ein „Culture & Social“ Visum, was um die 50€ kostet. Die Checklisten mit den benötigten Unterlagen findet ihr auf den Webseiten. Es ist obligat eine gebuchte Einreise und Ausreiseflug bei der Visumsbeantragung vorzuweisen, was ich etwas schade fand, weil dadurch die Flexibilität etwas verloren geht.
Bei mir hat es etwa 5 Wochen gedauert bis mein Visum fertig war, ich habe meinen Pass erst eine Woche vor Abflug zurückgesendet bekommen.

Gesundheit

Ich habe mich 3 Monate vorher um eine Reisemedizinische Impfberatung gekümmert, was auch einige Hausärzte anbieten, so hat man genügend Zeit für die Impfschemata. Es lohnt sich auch im Vorfeld bei der Krankenkasse nach Kostenübernahme zu fragen. Bei meiner KK wurden alle Arzt- und Impfkosten übernommen.
Für den Austausch selbst, benötigt man den Immunisation Record inkl. TBC Test. Ich hatte noch einen TBC Test (Röntgen Thorax) vom Vorjahr, welcher problemlos anerkannt wurde.
Des Weiteren empfehle ich eine Reiseapotheke mit zu nehmen. Gerade was Schmerzmittel, Durchfallmittel und Antibiotika angeht. Vieles der üblichen Medikamente, gibt es dort nicht. Wenn ihr irgendwelche Vorerkrankungen habt, bitte deckt euch unbedingt mit reichlich Medikamenten ein. Es ist teilweise sehr schwer an verschreibungspflichtige Medikamente zu kommen. Die Ärzte vor Ort haben ihre eigenen Ansichten, was Behandlungen angeht.
Die hygienischen Verhältnisse sind je nach Region in Indonesien sehr sehr schlecht. In meiner Gruppe hatte es leider jeden mit „irgendwas“ erwischt. Also packt euch das nötigste für den Fall der Fälle ein und habt eine gute Auslandsreiseversicherung

Sicherheit

In Surabaya habe ich mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Mein Homestay war an einer großen, belebten Straße gelegen und wir hatten sogar nachts einen Security- Mann. Generell ist man meist mit Gojek/Grab unterwegs, man wird also per Taxi oder Motorbike direkt bis vors Haus gefahren, was zusätzliche Sicherheit gibt, finde ich.
Man sollte vor allem als Frau auf die landesüblichen Sitten der Bekleidung und des äußeren Erscheinungsbildes achten. Das wurde uns auch von den Locals so erzählt. Kurzer Minirock und tiefer Ausschnitt könnten unangenehme Situationen provozieren, welche sich leicht vermeiden lassen
Auch später beim Reisen habe ich mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt.

Geld

Die Landeswährung sind indonesische Rupiah IDR. Der aktuelle Wechselkurs ist in etwa 1€ zu 16.000 IDR. Das Leben ist generell sehr günstig im Vergleich zu Deutschland. Ein Mittagessen mit Getränk gibt es für 25.000 IDR (weniger als 2€). Allerdings wird es in touristischen Gegenden zum Beispiel Bali auch schnell „teurer“.
Ich hatte eine Kreditkarte dabei und Euro Scheine, für den Fall, dass die Kreditkarte verloren geht. Geld habe ich allerdings nur in Shopping Centren oder in Supermärkten abgehoben. Ich habe schon oft gehört, dass Geldautomaten gehackt wurden, deshalb lohnt es sich vorsichtig zu sein. In Supermärkten kann man problemlos mit Karte bezahlen. In Restaurants oder Hostels wird vor allem in bar gezahlt.
Bei den ATMs gibt es Markierungen mit 50.000 oder 100.000, das steht für die größtmögliche Scheinart. Ich empfehle euch die ATMs mit den 100.000 IDR Scheinen: zum einen sind dies meist die großen vertrauenswürdigen Banken und zum anderen habt ihr so viele 50.000 Scheine im Portemonnaie, dass es nicht zu geht. (zum Beispiel wenn ihr 1,5 Mio. IDR abhebt, dann 30 x 50.000 IDR)

Sprache

In Indonesien wird vor allem Bahasa Indonesia gesprochen. In den großen Städten, den Touristenzentren und auch im Krankenhaus konnte man sich aber auch sehr gut in Englisch verständigen. Gerade im Krankenhaus konnten alle Ärzte und Studenten problemlos Englisch reden, es wurden sogar Seminare extra für uns Austauschstudenten in Englisch abgehalten. Das hat mich positiv überrascht und dadurch konnte ich auch viel inhaltlich mitnehmen. Einzig die Morgenbesprechung wurde in Indonesisch abgehalten, da mussten wir als Austauschstudenten aber auch nicht hingehen.

Verkehrsbindungen

Leider gibt es in Surabaya so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel. Die Fortbewegung läuft hauptsächlich über Grab oder Gojek, eine App ähnlich wie Uber, mit Hilfe der man sich ein Taxi oder eine Motorradtaxi bestellen kann. Das funktioniert super, ist sicher und günstig.
Wenn man sich außerhalb der Stadt bewegen möchte bietet es sich an einen Roller zu mieten, aber Vorsicht, wer noch Anfänger ist sollte die Innenstadt Surabayas meiden. Bei immens hohen Verkehrsaufkommen und fehlenden Straßenregeln kann es ganz schön gefährlich werden. Das Zugnetz verbindet die großen Städte auf der Insel. Das Ticket ist sehr günstig im Vergleich zu Deutschland. Es gibt 3 Klassen. Man kann sich ohne viel Geld auszugeben ein Ticket für die 1. Klasse holen um die Zugfahrt so richtig genießen zu können.

Kommunikation

Die CPs haben uns SIM Karten gekauft. Wir bekamen von der Firma Smartfren eine 30GB SimKarte für etwa 11€. Im Nachhinein war ich sehr unzufrieden, denn auf den meisten Inseln ist bei diesem Anbieter kaum Empfang und oftmals wurde das Netz einfach für 2 Tage abgeschaltet. Meine Freunde mit den Telekomsel Karten hatten einen wesentlich besseren Kauf getätigt.
Ansonsten sind alle gängigen Webseiten frei erreichbar und Whatsapp hat auch prima funktioniert.
Vor Ort habe ich hauptsächlich Englisch gesprochen. Ich war erstaunt wie gut die Ärzte und Studenten im Krankenhaus englisch gesprochen haben, sodass ganze Vorträge für uns Incomings ganz spontan auf Englisch abgehalten wurden.
Begibt man sich fernab der großen Metropolen wird es mit Englisch sprechen schon etwas schwieriger, dann hilft nur noch die Google Übersetzer App. Auf jeden Fall ein must have.

Unterkunft

Wie alle Studenten bekam auch ich ein Homestay zugewiesen, eine Art Fremden Zimmer. Ich teilte mir das große Zimmer mit Julia, eine Spanierin. Wir hatten eine Klimaanlage, Fernseher, Kleiderschrank, Schreibtisch und ein Bad mit Dusche im Zimmer. Des Weiteren gab es nachts einen Security Mann und Tagsüber eine Hausdame, die unser Zimmer zumindest etwas putz. “Bettwäsche” wurde gestellt. Ich kann euch aber einen dünnen Seidenschlafsack empfehlen (in DE kaufen) in dem auch ich geschlafen habe. In der unteren Etage waren ein Kühlschrank und ein Wasserspender, aber keine Möglichkeit Essen zuzubereiten. Unser Homestay war leider direkt an einer der Hauptverkehrsstraßen von Surabaya, so dass der Verkehrslärm rund um die Uhr präsent war, dazu kam noch der Ruf des Muezzins von der Moschee, die direkt gegenüber von unserem Homestay war. Also eine gute Ration Ohrstöpsel unbedingt dabeihaben. Ich hatte mir in Deutschland ein Moskitonetz gekauft, was sich als außerordentlich nützlich herausgestellt hat.

Literatur

Da ich nach der Famulatur noch das Land bereisen wollte, hatte ich mir den Lonely Planet Südostasien gekauft. Neben den Touristenzielen ist dort auch viel über das Land und die Religion zu lesen. Andere Bücher habe ich nicht genutzt um mich auf die Reise vorzubereiten. Für die Kommunikation im Krankenhaus habe ich ein kleines Englisches Medizin-Wörterbuch für die Kitteltasche.

Mitzunehmen

Ich empfehle: Seidenschlafsack, Ohrstöpsel, Kopfhörer, Powerbank, großen Schal (wenn es kalt ist, Schulter bedecken...), Schloss (Hostelspint), Moskitonetz, Ski-Unterwäsche (Kalte gebiete, Bergwanderungen), Reisehandtücher,
Reiseapotheke, ganz wichtig. In Indonesien gibt es viele Medikamente nicht zu kaufen also Standardmedis für Durchfall, Schmerzen, Fieber, Erkältung, (Antibiotika?) unbedingt in großer Menge einpacken. Es geht leider ganz schnell, dass man sich was einfängt oder sich erkältet bei den stark klimatisierten Räumen.

Anti-Moskito Mittel habe ich vor Ort gekauft, allerdings haben sie nur sehr „schwaches“. Wer auf DEET 50% schwört, sollte das selbst mitbringen. Ich fand das lokale Anti-Moskito-Mittel vollkommen ausreichend und auch in den Malaria Gebieten (Flores) habe ich es benutzt und es hat super geholfen, extra Malaria Prophylaxe habe ich nicht eingenommen. Wichtig ist ein intensiver Mückenschutz (Lotion, lange Kleidung, Moskitonetz) und beim kleinsten Verdacht, dann auf jeden Fall zum Arzt.

Reise und Ankunft

Mit einem ziemlich teuren Direktflug bin ich von Frankfurt nach Singapur geflogen und von da nach Surabaya und war 16 zeitstunden unterwegs. Am Flughafen wurde ich von meinen CPs abgeholt und zum Homestay gebracht. Ich war die Erste Incoming und meine CPs waren leider nicht sonderlich erpicht mit mir noch weiter Zeit zu verbringen, also war ich die ersten Tage alleine bis die anderen Incomings kamen. Einen Tag nach meiner Anreise habe ich mit der Famulatur angefangen, dabei hatte ich den Jetlag unterschätzt, denn die ersten paar Tage im Krankenhaus war ich ziemlich müde und hatte auch Kreislaufprobleme. Am ersten KH Tag hat mich meine CP auf Station gebracht und der Chefarzt hat mich noch rumgeführt und mir meine Ansprechpartner gezeigt. Alle waren sehr freundlich und haben sich bemüht mir zu helfen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mich für die Gynäkologie und Geburtshilfe entscheiden, weil ich meine Erfahrungen in der Geburtshilfe vertiefen wollte und wusste, dass in diesem muslimischen Land eine hohe Geburtenrate ist. Des Weiteren heißt es ja so schön, dass man den Gesundheitszustand eines Landes an der Müttersterblichkeit ablesen kann. Und ja die ist in Indonesien leider um einiges höher als in Westeuropa. Ihr solltet euch also im Klaren sein, dass dort Geburten nicht immer gut ausgehen. Auch habe ich mich für die Schwangerschaftsversorgung und medizinische Versorgung während und nach der Geburt von Mutter und Kind in einem Entwicklungsland interessiert. Ich bin sehr froh, dass ich die Famulatur gemacht habe, denn ich habe sehr viele Eindrücke von einem ganz anderen medizinischen Versorgungssystem kennengelernt als wir es in der westlichen Welt kennen. Auch habe ich viele interessante Krankheitsbilder gesehen, die es in Deutschland nicht geben würde, weil unser Gesundheitssystem viel weiterentwickelt ist und junge Frauen in Deutschland sich vor einer (geplanten) Schwangerschaft durchchecken lassen können. Dort ist das leider nicht so, deshalb sieht man auch viele junge Frauen, die nicht gesund sind und durch eine Schwangerschaft dann noch mehr Beschwerden haben.
Ich war positiv überrascht, dass die Ärzte mir viele Angebote machten um praktisch tätig zu werden. Es hat wirklich sehr sehr viel Spaß auf Station gemacht und die Studenten und Ärzte haben sich sehr gut um mich gekümmert und mir all meine Fragen sehr gut beantwortet. Unter Aufsicht von einem Oberarzt durfte ich auch eine Geburt "leiten". Das war ein unglaublich schöner Moment für mich. In Deutschland hätte ich dazu nie die Gelegenheit gehabt. Parallel zur Geburtshilfe habe ich auch einiges über die Versorgung und Untersuchung von Neugeborenen gelernt, da dort die Untersuchung des Kindes nach der Geburt auch vom Gynäkologen gemacht wird. Die Morning Reports wurden in Indonesisch abgehalten und wir mussten deshalb auch nicht hin und konnten erst um 8 Uhr anfangen. 2-mal pro Woche gab es Studentenunterricht, der extra auf Englisch abgehalten wurde. Die Lehre ist den Ärzten sehr wichtig und ich fand die Seminare auch sehr nützlich.
Die indonesischen Studenten müssen mindestens ein Mal pro Woche einen Nachtdienst leisten. Uns wurden diese Dienste auch angeboten, allerdings habe ich keinen davon mitgemacht. Für die Mittagspause gab es eine Kantine und Streetfood-Stände, die typisch indonesisches Essen angeboten haben sowie einen kleinen Supermarkt im Krankenhaus.

Land und Leute

Egal ob Berge besteigen oder in der Tiefsee tauchen Indonesien hat wirklich für jeden was zu bieten. Während der Famulatur haben wir viel Wochenendausflüge gemacht, die meisten haben wir als Incomings selbst organisiert, was auch sehr gut geklappt hat. Die CPs haben (leider) nur ein WE Ausflug organisiert. In Surabaya selbst gab es fast keine touristischen Highlights, die paar die es gibt kann man sich unter der Woche nachmittags anschauen, wie zum Beispiel Chinatown, Stadttempel, Hafen, Innenstadt. Am Wochenende auf jeden Fall Mt. Bromo und Yogyakarta mit den beeindruckenden Tempelanlagen Wie Prambanan und Borobudur machen, als Geheimtipp kann ich die „Chicken Church“ (eigentlich ein freies Gebetshaus in Form einer Taube) empfehlen.
Nach meiner Famulatur bin ich noch 3 Wochen quer durchs Land von Bali über Borneo bis nach Flores, hab ich quasi fast alle großen Touristenspots gesehen.

Fazit

Abschließend fällt mir nur eins ein: es war der Hammer. Ich bin seit 4 Wochen wieder in Deutschland und denke jeden Tag an diese tolle Zeit, die ich in diesem Land hatte und an all die wunderbaren Menschen die ich kennengelernt habe. Also wenn ihr die Chance habt, zögert nicht. Es ist ein wunderbares Land mit unglaublich netten und hilfsbereiten Menschen. Dort zu arbeiten oder dauerhaft zu leben könnte ich dennoch nicht, denn dafür schätze ich die Gesundheitsversorgung der westlichen Welt zu sehr. Trotzdem war es eine einmalige Erfahrung in das Gesundheitssystem ein Entwicklungsland zu schnuppern und ich bin sehr gespannt wie sich Indonesien in den nächsten Jahren entwickeln wird.

zurück