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Fundacion Omar (Lateinamerika)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Anne , Halle

Motivation

Neben der praktischen medizinischen Ausbildung und der klinischen Tätigkeit interessiere ich mich für die Gesundheitssysteme anderer Länder, weswegen ich gerne einen Public Health Austausch absolvieren wollte. Durch meinen Schüleraustausch in Mexiko und dem nach dem Abitur angeschlossenen „Work und Travel“ durch Lateinamerika war ich mit der spanischen Sprache und den verschiedenen Kulturen Mittel- und Südamerikas bereits vertraut. Während meines damaligen Aufenthalts in El Salvador habe ich die Lebensweise der Einheimischen kennengelernt. Folglich habe ich mich schließlich für ein Praktikum in El Salvador entschieden, um diese Erfahrungen als Rucksackreisende an meine während des Studiums erlangten medizinischen Fähigkeiten zu knüpfen, um zu einem noch umfassenderen und Blick über das Land, seine Bewohner und ihre Kultur zu gelangen. Gerne wollte ich hierbei die gemeinnützige Nichtregierungsorganisation UCSF unterstützen, um der sozial benachteiligten Bevölkerung einen besseren Zugang zu gesundheitsfördernden Maßnahmen und medizinischer Versorgung zu gewährleisten. Ich war motiviert, aktiv an der Gesundheitsbildung teilzunehmen und beispielsweise durch Präventionsarbeit an Schulen einen Teil zur Gesundheitserziehung beizutragen.

Vorbereitung

Durch Skype-Gespräche mit den Koordinatoren und ehemaligen Freiwilligen, sowie über die Plattform Trello, haben wir einen Einblick in das Leben und die Arbeit in El Zapote bekommen. Wir haben Informationen über den Arbeitsablauf und die bereits absolvierten Projekte erhalten. Darüber hinaus haben wir mit einer Freiwilligen, Carola, die im Juni diesen Jahres einen Public-Health-Austausch absolviert hat, über unser gemeinsam geplantes Projekt gesprochen. Wir beschlossen, ein Mental-Health-Projekt durchzuführen. Carola würde hierbei einen Fragebogen zur Detektion von Risikofaktoren oder den bereits bestehenden Symptomen der Depression unter den Schülern in El Zapote entwickeln und diesen an die Schüler der Abiturklassen ausgeben. Nach ihrem Aufenthalt ergab sich in der Analyse, dass von 20 Schülern zwei eine leichte und einer eine schwere Depression aufwiesen. Daran anknüpfend überlegten wir im Vorfeld unserer Abreise, was mögliche Interventionen sein könnten und beschlossen, Psychoedukationen von der 7. bis 11. Klasse durchzuführen. Dadurch wollten wir die drei von Depression betroffenen Schüler erreichen, sowie ihre Mitschüler für das Thema sensibilisieren und auf Prävention abzielen.
Somit besaßen wir im Vornherein einen Plan, was für ein Projekt wir neben der klinischen Tätigkeit angehen würden, und konnten so gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes mit der Umsetzung starten.

Im Hinblick auf unsere Vorbereitung, setzten wir uns außerdem mit dem diesjährigen Arzt in El Zapote, Alejandro, in Verbindung, sprachen ab, was als Spende benötigt wurde, um diese in Deutschland zu besorgen und mitzubringen. So kauften wir Schwangerschaftsstreifen und Batterien für das Blutzuckermessgerät. Ferner kümmerten wir uns mit Hilfe des Arztes um eine Unterkunft in dem Dorf und sprachen mit einem Freund der Organisation, der uns aus der Hauptstadt abholen und nach El Zapote fahren sollte.
Wir erstellten eine Liste, mit benötigten Dingen für unseren Austausch, insbesondere auch was die medizinischen Utensilien anging und legten uns außerdem eine spanischsprachiges Medizinwörterbuch zu, was sich als überaus wichtig erweisen sollte.

Visum

Für El Salvador benötigt man für bis zu 90 Tagen Aufenthalt kein Visum. Bei einem Flug über die USA, darf man im Vorfeld aber nicht den ESTA-Antrag vergessen.

Gesundheit

Ich habe keine speziellen Vorkehrungen hinsichtlich der Gesundheit getroffen, da ich erst vor kurzer Zeit in Afrika unterwegs war, und alle empfohlenen Reiseimpfungen für El Salvador noch besaß. Ich habe eine Reiseapotheke mit folgendem Inhalt gepackt: Dimenhydrinat, Loperamid, Ibuprofen, Paracetamol, Doxycyclin, Ciprofloxacin, und einen kleines Erste-Hilfe-Traveller-Set. Um eine Auslandskrankenversicherung musste ich mich auch nicht kümmern, da ich schon eine für vorausgegangene Auslandsaufenthalte abgeschlossen hatte. Auch musste man keine bestimmten Untersuchungen durchführen lassen, um in El Salvador einreisen zu können.
Häufige Krankheiten in El Salvador sind wie auch in Deutschland, Hypertonie, Diabetes und Harnwegsinfekte. Es treten sehr viele Fälle von Diarrhö sowie parasitären Erkrankungen auf. Darüber hinaus sieht man auch einige tropische Krankheiten, die zum Glück zwar noch nicht häufig vorkommen, aber durchaus im Vormarsch sind, wie das Chikungunya-Fieber, der Zika-Virus, das Dengue-Fieber und auch Malaria.
Wir haben dadurch viel über diese Erkrankungen gelernt. Ferner haben wir die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen und durch Desinfektion und die Eliminierung von Mücken sowie die Verwendung von Anti-Mücken-Sprays auf Prävention abgezielt.

Sicherheit

Ich habe keine speziellen Vorbereitungen hinsichtlich der Sicherheit getroffen. Ich habe mich vor meiner Abreise über die aktuelle politische Lage informiert. Mir war bewusst, dass die Kriminalitäts- und Gewaltrate als sehr hoch eingestuft wurde und verhielt mich während meines Aufenthaltes wachsam. Nichtsdestotrotz hatte ich keine Ängste oder Befürchtungen und es gab auch keine einzige Situation, in der ich mich unsicher gefühlt habe.

Geld

Die Währung in El Salvador ist der amerikanische Dollar. Ich habe ein Konto bei der DKB, womit ich überall an den Kreditkartenautomaten Geld abheben konnte. Bei so gut wie allen Banken, wo wir Geld abhoben, wurden Gebühren erhoben (zwischen 3 und 6 Dollar), bis wir schließlich die Scotiabank fanden, die keine Gebühren erhob. Es ist überaus zu empfehlen, immer Bargeld bei sich zu tragen, da man an wenigen Orten mit Kreditkarte zahlen kann, und man vor allem auf dem Land auch keinen Geldautomaten findet. Die Preise für Unterkunft, Verpflegung und Transport sind im Vergleich zu Deutschland relativ gering.

Sprache

Die Amtssprache in El Salvador ist Spanisch. Ich habe in der Schule Spanisch gelernt und durch meine Auslandsaufenthalte in Lateinamerika bereits ein B2 Niveau erlangt, sodass ich keine weiteren Kurse besuchen musste. Ich habe mir allerdings im Vorfeld und auch vor Ort medizinische Begrifflichkeiten angeeignet. Ich denke, dass ein B1 Niveau erforderlich ist, um sich im Praktikum ausreichend mit dem Personal und den Patienten verständigen zu können.

Verkehrsbindungen

Der Flug nach El Salvador variiert zwischen 600 und 900 Euro. Ich habe meinen Hinflug nach San Salvador gebucht und meinen Rückflug von Mexiko-City, da ich hinterher noch 4 Wochen Zeit hatte, durch Guatemala und Mexiko zu reisen. Dementsprechend war der Gabelflug auch etwas teurer. Bei der Buchung ist es hilfreich, den Cache im Browser zu leeren, um so erhöhte Kosten durch das längere Suchen nach einem geeigneten Flug zu vermeiden.

Im Land kann man sich sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen. Die Busfahrten sind sehr günstig. Die Regelmäßigkeit des Verkehrs ist sehr ortsabhängig. Aus dem Dorf, in dem wir wohnten, fuhr zum Beispiel nur 4 mal am Tag ein Bus in die nächstgelegene Stadt, sodass man hier keine pauschale Aussage treffen kann. Einerseits gibt es genaue Abfahrtszeiten, die im Großen und Ganzen auch eingehalten werden, andererseits gibt es aber auch Busse, die dann abfahren, sobald sie belegt sind. Insgesamt sind die Busse sicher.

Kommunikation

Wir haben uns direkt nach unserer Ankunft eine SIM-Karte mit mobiler Datennutzung gekauft. Im Dorf, wo wir gelebt haben, gab es kein WLAN und so haben wir die mobilen Daten genutzt, um auch einen Hotspot auf dem Laptop einzurichten. Ich habe über Whatsapp den Kontakt nach Hause gehalten, was auch sehr gut und ausreichend funktioniert hat.

Unterkunft

Der diesjährige Arzt, mit dem wir bereits im Vorfeld unserer Ankunft in Kontakt getreten waren, hat sich um unsere Unterkunft gekümmert. Wir haben ein Zimmer in dem Haus gemietet, wo auch er wohnt. So teilten wir uns Küche, Bad und Garten. In der Küche waren ein Kühlschrank, ein Herd sowie ein Ofen vorhanden. Bettbezüge waren nicht gegeben, aber man konnte sich selber welche mitbringen und die Bettwäsche vor Ort beziehen.
Die Unterkunft wurde von einer Mitarbeiterin aus dem Centro de Nutrición gestellt, die im Haus gegenüber wohnte.

Literatur

Im Internet habe ich im Vorfeld über das Land recherchiert, auf den Seiten des auswärtigen Amtes und in einigen Foren. Außerdem haben wir uns den Reiseführer „Zentralamerika“ von Lonely Planet besorgt, der uns der bei der Organisation und Planung unserer Reise sehr viel weitergeholfen hat. Ferner haben wir ein medizinisch spanischsprachiges Wörterbuch „Spanisch im klinischen Alltag: Kitteltaschenbuch für den Auslandsaufenthalt“ von Lehmanns gekauft.

Mitzunehmen

Neben der normalen Kleidung, habe ich Regenjacke und -hose, sowie Wanderschuhe und Sportsachen mitgenommen. An medizinischen Utensilien habe ich mein Stethoskop, eine Untersuchungsleuchte und einen Kasack mitgenommen, den wir allerdings nicht gebraucht haben.
Als sehr nützlich erwies sich auch der Schlafsack und die Stirnlampe.

Reise und Ankunft

Unser Flug verlief über die USA, mit 6 Stunden Umstiegszeit in Newark. In San Salvador kamen wir schließlich nach einer Reisezeit von 20 Stunden an. Da wir erst gegen Mitternacht landeten, hatten wir im Vorfeld bereits ein Hostel für die erste Nacht gebucht, zu dem wir schließlich mit dem Taxi fuhren. Am nächsten Tag brachte uns ein Bekannter der Organisation von der Hauptstadt in das Dorf nach EL Zapote, dass wir innerhalb von 4 Stunden mit dem Auto erreichten. Wir wurden von unserer Vermieterin sowie dem Arzt, Alejandro, sehr herzlich empfangen. Sie gaben uns nützliche Informationen, die das Leben und den Alltag im Dorf betrafen.

Alejandro hieß uns außerdem mit einem selbst gekochten Essen willkommen, es gab Kochbananen, Bohnen und Güisquil und somit bekamen wir gleich einen Einblick in die salvatorische Küche.

Am nächsten Morgen startete unserer Praktikum um 7:30 Uhr. Gemeinsam mit Alejandro gingen wir zu Fuß in die Unidad de Salud. Dort lernten wir das gesamte Team kennen Zuleyma und Fermin, die beiden Promotores de Salud, Lorena die Sekretärin, Ever, der für die Apotheke zuständig ist und Ventura, die Krankenschwester, die von allen Señora Netti genannt wird. Nach einer gegenseitigen Vorstellung lernten wir die Unidad und das Centro de Nutrición kennen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wir arbeiteten täglich in der Unidad de Salud. Die Arbeit begann um 7:30 Uhr und endete um 15:30 Uhr, manchmal auch eher, wenn keine Patienten mehr mit dem letzten Bus in der Unidad ankamen. Am ersten Tag begleiteten wir Alejandro in den Konsultationen und Señora Netti zeigte uns, wie sie die PAP-Abstriche und HPV-Tests durchführt.
Insgesamt begleiteten wir Alejandro in den folgenden Tagen abwechselnd in den Konsultationen, halfen Lorena bei der Aktensuche und –vorbereitung sowie Señora Netti bei den anfallenden Aufgaben, wie der Versorgung von Wunden und der Sterilisierung von Tupfern.
Des Weiteren bestellte Alejandro an einigen Tagen gesammelt Patienten mit Herzproblemen ein, sodass wir im Nebenzimmer die EKGs schreiben konnten.
An 2 Tagen gingen wir ins Centro de Nutrición. Dort maßen und wogen wir die Kinder, die ungefähr zwischen 3 und 7 Jahre alt waren und untersuchten sie im Rahmen des monatlichen Gesundheitschecks.
Außerdem begleiteten wir einmal Señora Netti bei ihren Hausbesuchen durch das Dorf. Es ging viel um Prävention, vor allem von Diarrhö, sowie um die Untersuchung von Müttern und ihren Babys, was man beim Stillen zu beachten hat und um die Betreuung der Schwangeren. Dabei wurden auch Patienten aufgesucht, die wichtige Kontrolltermine in der Unidad nicht wahrgenommen hatten.

In den Konsultationen halfen wir Alejandro bei den körperlichen Untersuchungen und konnten zum Teil auch die Anamnese führen. Alejandro band uns gut in seine Sprechstunde ein, beantwortete alle unsere Fragen und ließ uns die Aufgaben übernehmen, denen wir uns gewachsen fühlten. Wir haben fachlich viel gelernt, auch über in Deutschland nicht so häufig anzutreffende Krankheitsbilder und haben unsere medizinischen Fertigkeiten trainiert. Mit dem Personal haben wir uns sehr gut verstanden, sie haben uns gleich im Team integriert und standen uns jederzeit bei Fragen oder Probleme zur Seite. Wir haben uns sehr gut aufgenommen gefühlt, sodass wir auch in der Freizeit viele gemeinsame Aktivitäten mit ihnen verbrachten.

Insgesamt wird nach dem paternalistischen Arzt-Patienten-Modell behandelt. Alejandro erklärte uns, dass man das so an der Uni gelehrt bekomme und eine vom Arzt getroffene Entscheidung auch von den Patienten erwartet werde.

Das Gesundheitssystem und die medizinische Ausbildung ist in El Salvador im Vergleich zu Deutschland sehr anders. Das Studium der Humanmedizin dauert 8 Jahre. Die Ausbildung ist sehr praktisch angelegt, ab dem 4. Studienjahr arbeiten die Studenten jeweils mehrere Wochen bzw. Monate auf den verschiedenen Stationen. Nebenbei haben sie Seminare und Vorlesungen und müssen Prüfungen absolvieren. Es herrscht großes Konkurrenzdenken, denn nur die Studenten mit den besten Noten erhalten eine Bezahlung für das 7. und 8. Studienjahr. Das 7. Studienjahr entspricht dem PJ bei uns, das 8. Studienjahr ist das sogenannte año social, in dem die Studenten auf verschiedene Regionen El Salvadors verteilt werden, um in einer Unidad de Salud zu arbeiten. So kam Alejandro zum Arbeiten nach El Zapote. Er ist dort als einziger Arzt, in seinem letzten Studienjahr, für alle Patienten des Gebiets zuständig. Man merkt ihm die praktische Ausbildung an, er ist sehr kompetent und wissend, kann schnell und zuverlässig medizinische Entscheidungen treffen und kennt sich in vielen Fachbereichen gut aus. Das muss er schließlich auch, denn in der Unidad werden alle Krankheiten behandelt, einen Spezialisten gibt es erst in der nächstgrößeren Stadt, ca. eine Stunde mit dem Bus entfernt. Alejandro behandelt die Patienten mit Selbstsicherheit, Kompetenz und viel Empathie. Er erklärt den Patienten in verständlicher Sprache die jeweiligen Krankheitsbilder und überweist Patienten mit komplizierten oder akuten Fällen an einen Spezialisten bzw. ins 2-Stunden entfernte Krankenhaus. Nebenbei arbeitet er an seiner Doktorarbeit, die alle Medizinstudenten im letzten Studienjahr schreiben und verteidigen müssen.

Nach 8 Jahren schließen die Studenten schließlich ihre Ausbildung mit dem Doktortitel ab. Danach können sie sich für eine Assistenzarztstelle und somit für eine Spezialisierung bewerben. Sie dürfen sich nur für ein Fachgebiet entscheiden, für das sie sich bewerben wollen. Schließlich folgt eine schriftliche Aufnahmeprüfung, die einmal im Jahr auf nationaler Ebene für alle Fachrichtungen durchgeführt wird. In der ersten Prüfung werden demnach die 20 besten Bewerber ausgewählt. Anschließend folgt eine praktische Prüfung am Patienten, von denen 15 in dem Bewerbungsprozess weiter kommen. Der dritte Teil, der bei der Bewerbung um eine Assistenzarztstelle durchlaufen wird, beinhaltet schließlich das Bewerbungsgespräch sowie eine psychologische Testung. Hierbei wird dann entschieden, wer die Assistenzarztstelle bekommt, pro Jahr werden abhängig vom Fachgebiet zwischen 2 und 10 Plätzen verteilt, von 200-300 Absolventen, die sich hierfür bewerben.

Fällt man durch die Prüfung, muss man ein Jahr warten, um sich im folgenden Jahr erneut für den Aufnahmetest zu bewerben. Währenddessen ist man arbeitslos gemeldet und muss sich einen Übergangsjob beispielsweise als Taxifahrer suchen. Im privaten Sektor des Gesundheitssystems ist es auch möglich, als Allgemeinmediziner zu arbeiten, aber gegen eine sehr geringe Bezahlung von 300 Dollar monatlich. Oder man bewirbt sich nichtsdestotrotz um einen Ausbildungsplatz in dem jeweiligen Fachgebiet und kann dann die 3-Jahre dauernde Lehrzeit wahrnehmen, ohne aber als Arbeitskraft bezahlt zu werden und selber noch die Studiengebühren verrichten zu müssen.

Hat man eine Assistenzarztstelle bekommen, erhält man ein Gehalt von 700 Dollar pro Monat, davon muss man aber 150 Dollar an die Universität zahlen, um das Fachgebiet studieren zu dürfen.

Als Assistenzarzt unterliegt man menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen, beginnend mit den Dienstzeiten. Die tägliche Arbeitszeit geht von 5:00 Uhr bis 21:00 Uhr, von Montag bis Sonntag. Alle 4 Tage verrichtet man zusätzlich eine 36-Stunden Schicht, ohne sich dabei schlafen legen zu dürfen.
Dazu kommen monatliche Fachprüfungen. Am Ende eines jeden Jahres wird daraus ein Gesamtergebnis berechnet. Hat ein Assistenzarzt weniger als 7 Punkte, auf einer Skala von 1-10, in jedem einzelnen belegten Fach des Jahres, insgesamt sind es ungefähr 6, wird das Jahr als nicht bestanden gewertet. Wenn man durchgefallen ist, kann man nicht in das nächste Ausbildungsjahr übergehen. Man muss dann das Jahr wiederholen, ohne dass man dafür bezahlt wird. Auch wenn man die Prüfungen im Folgejahr besteht und in das nächste Lehrjahr übergeht, wird man hierfür nicht mehr bezahlt. Fällt man also einmal durch, wird man als Assistenzarzt nie wieder während seiner 3-jährigen Ausbildung bezahlt.

Alejandro berichtete uns viel über die medizinische Ausbildung. Insgesamt gewannen wir den Eindruck, dass auch die Medizinstudenten an den Universitäten in El Salvador viel härter arbeiten und lernen müssen, das Konkurrenzdenken höher ist und viele frustriert sind über das herrschende Gesundheitssystem.

Dieses wird unterteilt in öffentlich und privat. Das öffentliche Gesundheitssystem ist für alle Patienten gratis und umfasst die Basisversorgung in der Unidad de Salud und den Krankenhäusern. So sind Basismedikamente wie beispielsweise Antibiotika oder Blutdruckmedikamente kostenlos. Die private Krankenversorgung bleibt denen vorbehalten, die sich die Behandlung leisten können oder eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben. Somit steht sie nur der gut situierten Bevölkerung zur Verfügung.

Die Medikamente werden von der Regierung finanziert und geschickt. Allerdings gibt es auch hier Engpässe, während unseres Aufenthaltes fehlten seit einigen Monaten die nötigsten Medikamente.

Neben unserer Arbeit in der Unidad, in denen wir nicht nur fachlich viel lernten, sondern auch Kenntnisse über das Gesundheitssystem sowie das allgemeine Leben in El Salavdor gewannen, widmeten wir uns dem Mental-Health-Projekt. So arbeiteten wir an einigen Tagen der Woche zusätzlich in der Schule und gaben Psychoedukationen von der 7. bis zur 11. Klasse, insgesamt 2 Unterrichtsstunden in jeder Jahrgangsstufe.
Nach einem Kennlernspiel behandelten wir in der ersten Stunde das Krankheitsbild der Depression. Wir gaben eine kurze Einführung und verteilten anschließend vier verschiedene Aufgabenstellungen. Um diese zu bearbeiten, teilten wir die Schüler in vier Gruppen auf. Danach präsentierte jede Gruppe ihre Ergebnisse an der Tafel und wir ergänzten, falls es nötig war. Zum Schluss gaben wir den Schülern zwei Fragen zum Selbsttest an die Hand, mit denen sie selber prüfen konnten, ob sie eventuell Anzeichen einer Depression zeigten.
In der zweiten Unterrichtsstunde ging es um Entspannungstechniken, Stressreduktion und die Veränderung von negativen zu positiven Gedanken. Dies soll zur Depressionsprophylaxe beitragen und bei der Behandlung der Depression unterstützend wirken. Wir starteten mit der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen. Im Hauptteil der Stunde erklärten wir die vier Schritte zur Veränderung von Gedanken und teilten zum Üben ein Arbeitsblatt aus. Den Stundenabschluss bildete eine weitere Entspannungsmethode.

In den Gesprächen mit Alejandro und den Patienten stellten wir im Verlauf unseres Aufenthaltes fest, dass einige der Patienten Anzeichen einer Depression zeigten. Daher beschlossen wir die Untersuchung zu Mental Health auf erwachsene Personen auszuweiten. Wir begannen den bereits entwickelten Fragebogen umzustrukturieren und an erwachsene Personen anzupassen. In den kommenden Wochen planten wir den Fragebogen an die Patienten, die die Unidad aufsuchten, auszuteilen und von ihnen ausfüllen zu lassen. Leider reichte die Zeit nicht, damit abzuschließen, da wir gerne eine größere Anzahl an Patienten in die Erhebung einfließen lassen wollten. Alejandro bot an, auch nach unserer Abreise, die Fragebögen weiter zu verteilen. Wir sprachen mit ihm ab, dass er uns diese dann weiterleiten würde, damit wir sie auswerten können. Des Weiteren überlegten wir, was mögliche Konsequenzen bei positiven Ergebnissen der Umfrage sein könnten. Zusammen mit Alejandro hielten wir fest, dass auch in diesem Falle eine Psychoedukation sinnvoll wäre, die er von November bis Dezember übernehmen könnte.

Land und Leute

Auch unsere Freizeit nutzten wir gut, indem wir sie mit vielen Unternehmungen füllten. Morgens entwickelten wir die Routine, früher aufzustehen und zusammen mit Alejandro 30 Minuten Sport zu treiben. Mittags gingen wir fast täglich bei Sonia Mittagessen, die einen kleinen Laden besitzt und ein paar Häuser weiter von uns wohnte. An den Nachmittagen gingen wir verschiedenen Aktivitäten nach. Da sich das Dorf an der Küste befand, gingen wir oft im Estero, der Bucht, baden. Wir haben viel Zeit mit Alejandro und den anderen aus dem Team der Unidad verbracht. Zuleyma und ihre Familie zeigten uns beispielsweise, wie man Tamales zubereitet, ein Maisbrei, den man eingewickelt in Maisblättern kocht. Außerdem schauten wir in der Schule beim Fußballturnier der Schüler zu. Sie spielten gegen die Schüler aus Porvenir, ein Dorf etwas weiter entfernt, das aber noch im Einzugsgebiet der Unidad liegt. Außerdem übten wir uns selber im Fútbol Playa, sei es bei dem Training für das anstehende Fußballturnier oder bei den zwei Turnieren an sich, an denen wir in der Mannschaft der Unidad gegen die Lehrer der Schule antraten.

Des Weiteren luden auch wir Zuleyma und ihre Familie ein, wir hatten für sie Erzgebirgische Wickelklöße mit Rotkraut gekocht. Ab und zu fuhren wir auch mit dem Boot nach La Barra de Santiago. Der Ort liegt auf der anderen Seite der Bucht und direkt am Strand. Dort trafen wir uns mit Kim, der anderen Freiwilligen aus Deutschland, und den Mitarbeitern aus der dortigen Unidad de Salud. Eines Abends fuhren wir abends nach La Barra und übernachteten dort am Strand, um Schildkröten zu sehen, die mitternachts aus dem Meer kommen, um ihre Eier in den Sand am Strand zu legen. Wir unternahmen auch einen Ausflug in den Mangrovenschutzwald und sichteten das ein oder andere Krokodil.

Die Wochenenden nutzen wir, um Ausflüge zu unternehmen. Ein Wochenende fuhren wir in den Osten des Landes, nach La Palma und bestiegen von dort aus den Cerro El Pital, den höchsten Berg El Salvadors, der zur Hälfte auch zu Honduras gehört. Ein anderes Wochenende fuhren wir mit Alejandro in den Parque Nacional El Imposible, unweit von Cara Sucia. Wir waren dort die einzigen Wanderer und genossen die Nacht unter freiem Himmel.

Außerdem besuchten wir mit Alejandro das Farolitosfest, ein religiöses Laternenfest und reisten entlang den Dörfern der Ruta de las Flores, wobei wir einige schöne Wasserfälle besichtigten. Abschließend fuhren wir nach Santa Ana und zum Lago de Coatepeque.

Wir hatten das Glück, während der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten in El Salvador zu sein. So gingen wir zur Tanzveranstaltung im Zentrum von La Barra und am nächsten Morgen zum traditionellen Chuco-Trinken, mit dem die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag begannen, die aus Tanzeinlagen, Shows und Reden der Lehrer zum Thema Freiheit und zur Geschichte El Salvadors bestanden. Später fand noch ein großer Umzug stand, an dem alle Schüler teilnahmen. Es bildete sich ein Karavan aus Orchester, Tänzern,Verkleideten und Schaulustigen. Wir drehten eine große Runde durch das Dorf und im Anschluss gab es Essensstände mit Gerichten aus ganz Zentralamerika, sehr vielfältig und lecker!

Zum Abschluss unseres Aufenthaltes bereiteten die Lehrer ein Essen am Strand für uns vor. Zusammen mit den Mitarbeitern der Unidad fuhren wir mit dem Boot zu einer Rancho, wo wir grillten und ein Lagerfeuer machten. Wir gingen baden und saßen gemütlich zusammen am Feuer.

Das Essen in El Salavador ist insgesamt leider sehr fleischhaltig, was als Vegetarier nicht immer ganz einfach für mich war. Dennoch konnte ich einige landestypische Gerichte probieren, wie die oben bereits genannten Tamales; die Pupusas, gefüllte Maistortillas und das traditionelle Frühstück, betstehend aus Tortillas, Ei, Bohnenbrei, Käse und gebratenen Bananen. Außerdem genossen wir die Topollillos und die chocobananos. Ersteres sind mit Früchten gefrorenene Milchshakes, die man wie Eis isst und letzteres sind mit Schokolade überzogene, gefrorene Bananen.

Nach unserem Aufenthalt in El Zapote reisten wir erneut in den Osten des Landes. Wir besichtigten La Unión, den Volcán de Conchagua, die Küste bei El Cuco und das Dorf Alegría bevor wir nach El Zapote zurückkehrten, um dort mit den Leuten meinen Geburtstag zu feiern. Nach weiteren 2 Tagen im idyllischen Dorf setzten wir unsere Reise nach Guatemala fort.

Insgesamt haben wir sehr viele gute Bekanntschaften und Freundschaften in El Salvador geschlossen. Mit den Einheimischen kommt man sehr schnell ins Gespräch, da sie einen sehr offen und herzlich empfangen. Auch beim Couchsurfen, haben sich sehr schnell freundschaftliche, lustige und interessante Gespräche ergeben, in denen wir auch viel über die kulturelle, politische und wirtschaftliche Situation des Landes erfahren konnten. Vielerorts hörte man die Unzufriedenheit heraus, doch auch die Hoffnung, dass sich durch den vor kurzem stattgefundenen Präsidentenwechsel die wirtschaftliche und soziale Situation des Landes bessern würde.

Fazit

Wir haben eine wunderbar aufregende, spannende und lehrreiche Zeit in El Zapote verbracht. Wir haben im medizinischen Bereich viel gelernt, sind an den Psychoedukationenen persönlich gewachsen, haben unser Spanisch gefestigt, viel über das Land und die Kultur gelernt, und was noch viel wichtiger ist: viele neue Freundschaften geschlossen. Ich bin mir sicher, dass ich eines Tages zurückkommen werde, vielleicht auch um für eine Zeit dort zu arbeiten, aber auf jeden Fall um die ins Herz geschlossenen Freunde zu besuchen.

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