zurück

Fundacion Salud Rio Beni (Lateinamerika)

Tropenmedizin - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Lisa, München

Motivation

Da ich mir durchaus vorstellen kann später einmal im Ausland als Ärztin tätig zu sein, wollte ich meine Zeit als Studentin nochmals nutzen, um Erfahrungen in diesen Bereich zu sammeln und in die Materie zu schnuppern.

Vorbereitung

Was auf jeden Fall Sinn macht, ist sich vor dem Auslandsaufenthalt ein ausreichendes Level an Spanisch anzueignen - B1 macht auf jeden Fall Sinn, denn vor Ort spricht keiner Englisch - auch die Ärzte nicht!
Ansonsten nichts besonderes...

Visum

Nein kein Visum. Bei der Einreise bekommt man eine Aufenthaltsgenehmigung für ein Monat, das man dann insgesamt zwei Mal bei einer Migrationsbehörde verlängern kann (also auf insgesamt 3 Monate). Falls man länger bleiben möchte, muss man ein anderes Visum beantragen, für das man auch zahlen muss, kann man aber auch vor Ort relativ leicht in einer der Migrationsbehörden bekommen.

Gesundheit

Gelbfieberimpfung macht auf jeden Fall Sinn, da es manchmal sein kann, dass man bei der Einreise die Bestätigung vorweisen muss. Außerdem kann man sich auch Tollwut überlegen, da es schon einige Straßenhunde gibt; ansonsten einfach die klassischen Reiseimpfungen.
In der Reiseapotheke sollten auf jeden Fall Elektrolyte etc für Durchfallerkrankungen fehlen (bekommt man aber notfalls auch vor Ort)

Sicherheit

Auslandsversicherung würde ich abschließen, falls etwas passieren sollte, dass man dann auch einen sicheren Rücktransport bekommt.
Bolivien ist aber ein wirklich sicheres Reiseland, Straßenbedingungen sind teilweise sehr schlecht, wodurch es gerade in der Regenzeit zu einigen Unfällen kommen kann. Ansonsten kann ich wirklich nichts anmerken, war auch alleine als Frau unterwegs und hab mich nie unsicher gefühlt.

Geld

Währung ist der bolivianische Peso. Am besten gleich am Flughafen einiges beheben, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass in Rurre manchmal nicht ausreichend Geld in den Automaten waren bzw meine Karte nicht funktioniert hat. Außerdem macht es meiner Meinung nach wirklich Sinn, sich paar Dollar mitzunehmen, falls man mal kein Geld mehr hat und keiner der ATMs funktioniert, man trotzdem die Dollar noch tauschen kann.

Sprache

In Bolivien ist es ein wirkliches MUSS Spanisch zu sprechen. Es gibt auch in Rurre vor Ort keine Möglichkeit einen Sprachkurs zu belegen, das steht leider in der Projektbeschreibung falsch drinnen. Also am besten noch vor dem Aufenthalt eine Sprachkurs belegen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach La Paz geflogen. Von dort gibt es zwei Möglichkeiten weiter nach Rurrenabaque zu reisen: mit dem Bus (dauert sehr viel länger, da die Straßen sehr schlecht sind und auch vor allem während der Regenzeit viele Unfälle passieren, da diese teilweise nicht befestigt ist - aber eine total schöne Strecke!!! Toller Ausblick auf Anden/ Yungas) oder mit dem Flugzeug (auch ein Erlebnis, teurer, aber natürlich auch schneller und sicherer) Ich hab beides gemacht und fand beides eine tolle Erfahrung!!

Kommunikation

In meiner Unterkunft gab es leider anfangs kein Internet (zumindest am Anfang nicht, danach hat mein Nachbar mit mir seines geteilt :)) In den Restaurants/ Cafes gibt es aber meistens WIFI. Ich hatte mir auch eine bolivianische SIM Karte besorgt, was aber wirklich sehr aufwendig war zu organisieren und meiner Meinung nach nur Sinn macht, wenn man länger vor hat zu bleiben.

Unterkunft

Ich hatte ein Zimmer direkt gegenüber der Klinik bekommen. Sehr simpel, mit Bett und einem kleinen Bad, leider hatte ich keine Küche und auch keinen Kühlschrank, wodurch ich immer auswärts essen musste bzw mir Sachen kaufen, die ich einfach so essen konnte.
Unterkunft wurde mir von der Partnerorganisation organisiert und musste dafür ungefähr 60 Euro umgerechnet monatlich zahlen.

Literatur

Ich hatte einen Reiseführer, in dem auch einiges zu der Geschichte/ Politik/Kultur etc stand, in dem habe ich bisschen gelesen. Und dann einfach bisschen gegoogelt oder mir auch Youtube Videos angesehen.

Mitzunehmen

Auf jeden Fall Mückenschutz mitnehmen - NoBite für Haut und Kleidung! Außerdem empfiehlt sich lange helle Kleidung, gerade wenn man auch mit auf die medizinische Versorgungstour in den Dschungel fährt.
Außerdem macht es Sinn Kleidung fürs Krankenhaus/Kittel und ein Stethoskop mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Wie vorhin schon kurz beschrieben, kam ich mit dem Flugzeug von La Paz in Rurrenabaque an und würde dort dann gleich sehr herzlich von Jose, dem Organisator empfangen. Danach gings gleich zu meiner Unterkunft und am nächsten Tag habe ich mich dann mit Jose morgens vor der Klinik getroffen, um alles weitere zu besprechen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Klinik, in der ich gearbeitet habe war wirklich sehr klein - das Team bestand nur aus einem Arzt, Max, mit dem ich immer zusammengearbeitet habe, einer Ärztin, die das Labor geschmissen hat und einer kleinen integrierten Pharmazie. Am ersten Tag wurde ich allen vorgestellt und habe eine kleine Führung gekriegt (was wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, wirklich überschaubar war). Jeder war wirklich immer sehr bemüht mich einzubinden, Max und seine Familie haben mich auch oft zu sich nach Hause eingeladen oder waren mal gemeinsam schwimmen nach der Arbeit etc. Als mein Spanisch dann auch besser wurde, konnte ich auch mal Anamnese, körperliche Untersuchung, EKG (also wir dieses noch hatten, weil das gleich mal kaputt ging und wir dann keines mehr hatten im ganzen Dorf, was gar nicht mal so gut war…), Ultraschall mitbeurteilen bzw übersetzen, da dieses auf Englisch war…
Ich habe wirklich einige interessante Fälle zu Gesicht bekommen, viel Tropenmedizin, was wirklich sehr spannend war, da diese Krankheitsbilder in Deutschland nicht anzutreffen sind. Das Gesundheitssystem (wenn man das überhaupt so bezeichnen kann) ist wirklich gewöhnungsbedürftig…Patienten müssen wirklich für jede Leistung selbst aufkommen (sei es Anamnese, jegliche Untersuchungen, Labor, Medikamente…) und so kam es oft zu der Situation, dass Patienten nachdem sie bei uns waren wussten was sie hatten aber sich das Medikament dafür nicht mehr leisten konnten und dann wieder nach Hause mussten. Und das ist mir manchmal schon sehr schwer gefallen, nichts machen zu können…. Und auch die Behandlungsstrategien waren manchmal sehr fragwürdig, wo es mir schon auch schwergefallen ist, das so hinzunehmen und zuzuschauen… aber dennoch war Max einfach immer super lieb und bemüht mir vieles zu zeigen und beizubringen (auch wenn vieles keinen Sinn gemacht hat…) Eines meiner absoluten Highlights war auf jeden Fall die Woche im Dschungel, in der wir "comunidades" medizinische Versorgung angeboten haben. Unser Team bestand aus Max und mir in der Fraktion der Allgemeinmedizin, einer Zahnärztin, einem anderen Arzt, der nur geimpft hat, einer Köchin, einer der unser Boot gefahren hat und Dschungel-affin war und einer der uns noch beim Schleppen der Medikamentenkisten und Utensilien geholfen hat. Wir haben unser Zeltlager irgendwo im Dschungel aufgeschlagen und sind dann von dort aus immer zu den Dörfern gefahren. War wirklich sehr eindrucksvoll zu sehen wie diese Bevölkerungsgruppe lebt und sich organisiert und vor allem hatte ich das Gefühl, dass wir mit unsrem Besuch wirklich geholfen haben, was ja auch nicht immer selbstverständlich ist.

Land und Leute

Ich wurde wirklich nett aufgenommen von allen. Gleich am ersten Kliniktag bin ich mit Max und seiner Familie (Frau und Tochter) Essen gegangen und dann wurde mir gleich noch das ganze Dorf gezeigt, wo ich was finden kann und was ich alles machen kann. Öfter habe ich mich auch bei ihnen zu Hause eingefunden, um gemeinsam Abend zu essen, mit Samantha (deren Tochter) Hausaufgaben zu machen, waren auch mal mit seiner ganzen Familie, die übers Wochenende nach Rurrenabaque kam, schwimmen gegangen. Mein Nachbar war auch wirklich sehr nett, mit dem ich auch hin und wieder einen Ausflug gemacht habe. Es gibt auch einen kleinen Hügel, den man in 25 Minuten erklimmen kann und danach einen wunderschönen Ausblich über das Dorf und die Umgebung hat. Wenn man mal paar Tage frei bekommt, kann man auch mit einen der Touranbieter eine Dschungel oder Pampas-Tour machen. Ich bin normalerweise kein großer Fan von jeglichen Touren, individuell kommt man aber leider nicht wirklich vom Fleck dort und zu meinem großen Überraschen (ich habe die Pampas Tour gemacht, da ich ja mit der Klinik schon im Dschungel war) war die Tour wirklich nett. Wurde aber auch in die bolivianische Gruppe gesteckt und so war ich auch mit lauter Einheimischen unterwegs, was echt schön war! Nach ein paar Wochen kannte ich dann auch schon die ganzen Restaurant-Besitzer und viele aus dem Dorf , die ganzen Marktfrauen etc wodurch man immer in ein nettes Gespräch verwickelt war. Sonntag war immer Markttag - der war auch super, da konnte man alles kaufen, was das Herz begehrt.
Bolivien ist auch ein wirklich spannendes Land, um dieses zu bereisen. Wenn ihr nach eurem Austausch noch bisschen Zeit habt, würde ich euch das auf jeden Fall ans Herz legen. Es finden sich so viele unterschiedliche indigene Gruppen, wie in sonst keinem anderen Land will ich behaupten, jede mit spezieller Bekleidung, Tanz etc. Auch landschaftlich hat Bolivien wahnsinnig viel zu bieten - da ist wirklich für jeden etwas dabei. Angefangen vom Amazonas-Dschungel, über Yungas, die mächtigen Anden, Cloud-Forest, Weinberge, der meergleiche Titicacasee bis hin zur Salzwüste ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Es gibt spannende Städte, die einiges zu entdecken bieten aber auch fantastische Trecking-Touren und für die, die die Berge lieben, werden es gut haben in Bolivien!
Leider haben es Vegetarier (zu denen ich mich selbst auch zähle) etwas schwer, aber es gibt wunderbare Märkte, an denen man super einkaufen kann und sich einfach selbst etwas kochen kann, wenn man eine Küche hat.

Fazit

Wenn ihr euch interessiert, wie es in einem anderen Gesundheitssystem abläuft, welchen Herausforderungen man sich stellen muss und auf welche anderen Dinge geachtet werden sollte, ist es wirklich ein Besuch und Erfahrung wert. Es war nicht immer leicht, aber an den Herausforderungen lernt und wächst man. Ich bin voll neuer Erfahrungen von diesem Praktikum nach Hause gekommen, aus dem ich wirklich viel lernen konnte, wenn auch nicht immer medizinscher Natur.
Bei weiteren Fragen, könnt ihr euch gerne an mich wenden!

zurück