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Greece (HelMSIC)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Carolin, Frankfurt am Main

Motivation

Für mich war bereits am Anfang meines Studiums klar, dass ich gerne auch im Ausland Erfahrung sammeln möchte. Da ein Auslandssemester im Medizinstudium eher schwierig zu organisieren ist, bieten Famulaturen oder auch das PJ eine gute Gelegenheit, auch eine andere Kultur und Lebensweise kennenzulernen.

Vorbereitung

Da ich mich über einen Restplatz beworden habe, war das Bewerbungsverfahren relativ unproblematisch. Wichtig war nur, dass man seinen Impfstatus erneut vom Hausarzt überprüfen lässt. Den auf der Homepage erwähnte Tuberkulose-Test musste ich zum Glück nicht durchführen. Im Vorfeld habe ich aber versucht mir zumindest die griechischen Schriftzeichen anzueignen, was definitiv vor allem auch im großen Krankenhaus sehr hilfreich war, da man sich ansonsten tatsächlich sehr schnell verliert ;)

Visum

Ein Visum ist für Griechenland nicht notwendig gewesen.

Gesundheit

Im Vorfeld musste ich wie bereits oben erwähnt ein sehr ausführliches Formular mit allen notwendigen Impfungen vom Hausarzt abzeichnen lassen. Unter anderem ist auch eine Meningokokken C Impfung von Nöten, die auch nicht älter als 2 Jahre sein durfte. (Exchange Conditions HelMSIC Greece, Anm. der Berichtekoordination)
Oftmals werden diese Reiseimpfungen aber auch von der Krankenkasse erstattet.

Sicherheit

Zu meiner bereits bestehenden Reise-und Haftpflichtversicherung habe ich nichts zusätzliches abgeschlossen. Ansonsten ist Griechenland als europäisches Land sehr sicher, auch abends alleine auf dem Heimweg hatte ich keine Probleme.

Geld

In Griechenland zahlt man bekannterweise mit dem Euro- denkt aber auch daran, genug Bargeld im Vorfeld mitzunehmen, da die Gebühren für das Abheben am Geldautomat teilweise sehr hoch sein können. Ansonsten kann man auch fast überall unkompliziert per Karte zahlen. Ansonsten ähnlich hohe Lebenserhaltungskosten wie bei uns.

Sprache

Die Sprache war tatsächlich oftmals im Krankenhaus eine große Barriere. Leider kann man sich quasi auch gar nichts von anderen Sprachen, die man in der Schule gelernt hatte (wie Französisch oder Spanisch), herleiten und auch die Schriftzeichen erleichterten diese Tatsache nicht besonders. Daher ist es definitiv empfehlenswert, sich paar Wörter oder Floskeln einzuprägen…die Einheimischen freuen sich auch umso mehr wenn man dadurch stärkeres Interesse an der Kultur zeigt! Ansonsten können aber auch die jüngeren Leute fließend Englisch und notfalls geht’s auch immer mit Händen und Füßen ;)

Verkehrsbindungen

Alexandroupolis ist eine sehr überschaubare Stadt wo auch eigentlich alles komplett fußläufig zu erreichen ist (außer das Krankenhaus, aber da war die Busanbindung auch verlässlich).
Angereist bin ich über eine Zwischenstopp in Athen und am nächsten Tag bin ich weiter nach Alexandroupolis geflogen. Alternativ ist aber auch eine Anreise über Thessaloniki direkt mit dem Bus möglich.

Kommunikation

Da es innerhalb der EU keine Roaming Gebühren mehr gibt, war die Internetverbindung kein Problem und man konnte somit seine eigene SIM-Karte verwenden. Zudem findet man auch in den meisten Cafes/Restaurants etc freies Wlan.

Unterkunft

Untergekommen bin ich bei meiner contact person (CP), die mich sehr herzlich aufgenommen hat. Die Wohnung war gut ausgestattet und geräumig sowie zentral gelegen. Der Strand war auch innerhalb von 10 min erreichbar.

Literatur

Ich habe ein kleines Taschenbuch mit paar griechischen Basics dabei, ansonsten kann man auch sicher nichts mit einem Reiseführer falsch machen. Google Maps ist und bleibt aber definitiv dein Freund und Helfer in der Not!

Mitzunehmen

Eingepackt habe ich hauptsächlich leichte Sommersachen und auch Scrubs für das Krankenhaus. Nehmt aber nicht zu viel mit, generell hat man eigentlich immer die Möglichkeit Kleidung vor Ort zu waschen. Da ich im September dort war, wurde es gegen Ende etwas kühler, weshalb ich Abends und auch für den Camping Trip definitiv etwas wärmere Kleidung empfehlen würde. Ansonsten Sonnencreme nicht vergessen!

Reise und Ankunft

Die Ankunft verlief relativ unproblematisch. Ich wurde am frühen Morgen von meinem Host direkt vom Flughafen abgeholt und konnte erstmal in Ruhe auspacken. Nach einem guten Power nap ging es dann auch schon zum Strand wo ich schon einige andere Incomings kennenlernen konnte. Am nächsten Tag wurde ich auch von meinem CP direkt ins Krankenhaus begleitet und meinen Tutor kennengelernt. Kleiner Tipp am Rande: In Griechenland ist pm gleich am und umgekehrt! D.h lieber nochmals ein „in the evening/morning“ hinzufügen, da es ansonsten wirklich leicht zu Missverständissen bei Verabredungen kommen kann.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war den Monat auf der Allgemeinchirurgie (also leider nur meine Drittwahl) eingeteilt und wurde recht herzlich von meiner Tutorin und von den anderen Studenten (insgesamt rund 20 Leute!) auf Station empfangen. Es gab 2 Visiten (eine gegen neun Uhr, die Chefarztvisite fand dann erneut gegen halb elf-elf statt), welche leider wie erwartet nur auf Griechisch waren, jedoch fand sich meist immer ein Student, der gerne übersetzt hat. Ansonsten war ich etwas überrascht, wie wenig es eigentlich auf Station zu tun gab (abgesehen von der Tatsache dass 20 griechische Studenten auch einfach zu viel für eine Station sind). So wurde diesen jeweils teilweise auch in Dreiergruppen ein Patient zugeteilt, bei dem routinemäßig Blut abgenommen und später während der Visite vorgestellt wurde. Auch im OP durfte man sich leider nicht steril einwaschen. Dass Studenten während einer Operation assistieren dürfen, kommt leider auch sehr selten vor. Daher habe ich meistens nur beobachten dürfen und hin und wieder etwas Blut abgenommen. Jedoch hatte ich auch dadurch sehr viel Zeit, um auch in andere Stationen wie die Neurochirurgie, Kardiologie oder auch die Radiologie (die auch wahnsinnig modern ist im Vergleich zum leider eher heruntergekommenen Krankenhaus) hineinschnuppern zu können. Insbesondere in der Radiologie wurde ich herzlich von einer Resident empfangen, die mir auch gerne einige Fälle erklärt hat. Sie habe zudem ebenfalls über die Ifmsa einen Forschungsaustausch nach Brasilien gemacht, was ich auch ganz interessant fand. Daher war sie auch sehr bemüht, viel auf Englisch zu erklären. Außerdem durfte ich auch bei mehreren ultraschallgeführten Biopsien assistieren (Schilddrüse und Niere). Zudem kann ich auch nur weiterempfehlen, bei Möglichkeit mit in die neurochirurgische Ambulanz zu gehen. Ein Arzt dort kann fließend Deutsch sprechen und erklärt Studenten auch sehr gerne neue Dinge - also einfach nachfragen! Alles in einem war es in der Allgemeinchirurgie leider relativ schwierig, neue Sachen dazuzulernen. Aber wenn man wirklich Interesse zeigt, werden einem auch in der Regel viele Fälle erklärt. Umso interessanter war es daher auch, die im Vergleich zur deutschen eher entspannte Arbeitsatmosphäre zu erleben und generell die Unterschiede in der Arbeitsweise zu betrachten. Außerdem war ich auch sehr überrascht wie viele Griechen auch Deutsch in der Schule gelernt oder zeitweise mit ihrer Familie in Deutschland gelebt haben. Mittagessen gab es kostenlos in der Kantine aber leider erst um 14:30 Uhr. Danach konnte man aber immer gleich los zum Strand.

Land und Leute

Die Atmosphäre während des kompletten Austausches war sehr angenehm. Die Griechen sind sehr offen und herzlich und ich habe mich gleich gut aufgenommen gefühlt. Somit hat man fast von alleine viele tolle Menschen kennengelernt, die diesen Aufenthalt um so vieles bereichert haben. Die Organisation seitens der Local Community war gut auch wenn viele Sachen oftmals auch erst auf dem letzten Drücker bekannt gegeben wurden, was aber auch nicht weiter schlimm war. Unternommen haben wir fast jeden Tag etwas mit den anderen Incomings. Da Alexandroupolis eine eher kleine Stadt ist, war es nie ein Problem sich spontan zu verabreden, weil man innerhalb von 15 min eigentlich alles fußläufig erreichen kann. Größere Ausflüge waren für das Wochenende angedacht. Zunächst ging es nach Xanthi, eine ältere kleine Bergstadt ca 2h entfernt von Alexandroupolis. Am Samstag gab es dort ein größeres Festival zu Ehren der Stadt mit viel Musik und natürlich ganz viel zum Essen. Die Atmosphäre war sehr traditionell angehaucht, wodurch man einen super Einblick in die Kultur und Bräuche erhalten konnte. Zudem hatten wir auch die Möglichkeit Sirtaki zu tanzen- das macht unglaublich viel Spaß! Die Griechen sind bekannt für ihr Souvlaki von daher solltet ihr euch darauf einstellen, dass ihr euch den Monat hauptsächlich davon ernähren werdet. Man muss zwar ein bisschen suchen, aber vegetarische Alternativen findet man ansonsten auch. Zudem sind auch die griechischen Süßigkeiten sehr empfehlenswert. Auf Station gab es durch Geburtstage/Namenstage mindestens einmal in der Woche jemanden, der klassisches Gebäck mitgebracht hat, weshalb man das auch unbedingt mal probiert haben sollte. Das absolute Highlight war aber der Trip nach Samothraki, einer eindrucksvollen Vulkaninsel in der Nähe. Übernachtet haben wir 2 Tage auf einem Campingplatz direkt am Meer wo wir dann einen Tagesausflug zu den Bergseen unternommen. Die Landschaft war wirklich einmalig weshalb ich das nur sehr empfehlen kann! Die Natur erscheint beinah unberührt, da die Landschaft auch touristisch eher unentschlossen ist. Daher ein absoluter Insider Tipp für alle Naturliebhaber! Ansonsten gäbe es auch die Möglichkeit nach Thessaloniki, Thassos oder auch Istanbul (die türkische Grenze ist nicht sehr weit entfernt) zu reisen, was definitiv auch sehr lohnenswert ist! Außerdem gibt es noch Kavala, eine Hafenstadt in der Nähe von Thassos wo man laut meines Hosts auch die schönsten Sonnenuntergänge erleben kann- zeitlich habe ich dies aber leider nicht mehr geschafft. Außerdem ist auch einen Zwischenstopp in Athen sehr empfehlenswert!

Fazit

Griechenland hat definitiv viel zu bieten und man sollte trotz der Sprachbarriere nicht davor zurückschrecken, sich für einen Austauschplatz dort zu bewerben! Es hat mega viel Spaß gemacht und war definitiv eine einmalige Erfahrung, auch wenn man lerntechnisch im Krankenhaus leider nicht so viel mitgenommen hat. Dennoch für alle, die das Meer und die Sonne lieben eine tolle Möglichkeit sich auch etwas vom Unistress zu erholen:D!
Bei Fragen könnt ihr mich auch gerne anschreiben!
carolin.jamros@gmx.de

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