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Argentinia (IFMSA-Argentinia)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Nikolas, Heidelberg

Motivation

Ich wollte aus drei Gründen ins Ausland: Das Medizinische System des Gastlandes, die begrenzte Reisezeit eines Medizinstudenten und um die Sprache besser zu lernen. Daher kamen vor allem Lateinamerika in Frage. Die Auswahl Argentinien wurde ausgelost.

Vorbereitung

Vorbereitet habe ich mich einem Sprachkurs und Filmen. Es ist sehr wichtig vor allem gesprochenes Spanisch sehr gut zu verstehen. Niemand spricht Englisch, auch die jüngeren Ärzte nicht. Des weiteren sollte man sich auch auf den entsprechenden Dialekt vorbereiten, der mir das Leben sehr erschwerte am Anfang. Problematisch war ein wenig die Organisation, da man erst sehr spät erfährt in welche Stadt man kommt. Trotzdem empfehle ich einen Flug nach Buenos Aires möglichst früh zu buchen und dann später einen billigen Inlandflug die es (2019) zuhauf gibt.

Visum

Mit deutschem Pass braucht man kein Visum.

Gesundheit

Besonders im Norden Argentiniens gibt es viel TBC, bei dem auch ein Test angefordert (allerdings nicht überprüft) wird. Sinnvoller ist eher ein Test danach... kümmert euch früh um anti-TBC Masken, die gibts bei den Krankenschwestern. An dem täglichen Matetrinken (alle abwechselnd aus dem gleichen Strohhalm) habe ich im Krankenhaus nicht teilgenommen, in weniger TBC verseuchten Umgebungen schon. Bringt auch eigenes Desinfektionsmittel mit, das gibt es dort nicht mehr.
Impfprophylaxe: HepAB, Gelbfieber. TBC-Impfung gibts in Deutschland nicht.
Weitere sehr verbreitete Krankheiten sind Chagas (Tryp. cruzi) die in Lehmhäusern wohnen (da nicht schlafen) und HIV.

Sicherheit

Obwohl grade Wahlkampf war und man vor einigen Regionen explizit gewarnt wurde (La Boca Buenos Aires, Ost-Jujuy, Tucuman) hatte ich nie das Gefühl in Gefahr zu sein. Der Verkehr hingegen ist sehr gefährlich, bei Fußgängern im Weg wird zwar gehupt aber selten auch nur abgebremst und auch Fahrradfahren ist mit Vorsicht zu genießen.

Geld

Die Währung in Argentinien ist der Peso (nicht verwirren lassen, auf den Rechnungen mit $ abgebildet). Wechseln kann man problemlos und die Wechselstuben halten sich alle an den aktuellen Kurs ohne Gebühren. Am besten wechselt man gleich einiges am Flughafen BA bei der Nationalbank. 2019 herrschte starke Inflation wesshalb es sich empfahl nicht all zu viel Geld auf einmal zu tauschen. Geld abheben mit Kredit- oder anderer Karte kostet 14% extra und ist daher nicht zu empfehlen, lieber viel Bargeld. Mit Karte zahlen ist im Norden nur an Tankstellen möglich und kostet in Restaurants häufig 10% aufschlag.

Sprache

Die Sprache ist Spanisch und nur Spanisch, auch die Medizinstudenten sprechen selten Englisch. Im vergleich zu Spanien gibt es einen starken Dialekt (s bleiben unausgesprochen, ll/y werden zu sch, vos statt tu) und teilweise anderen Worten (re statt mucho) der die Eingewöhnung erschwert. Gutes Spanisch ist also Vorraussetzung.

Verkehrsbindungen

Im Gastland gibt es viele billige Inlandflüge mit denen man auch mal übers Wochenende andere Städte bereisen kann. Außerdem empfehlen sich Reisebusse für Menschen mit Sitzfleisch (dauern sehr lange weil großes Land) und minderoffizielle Gruppentaxis die man am bessten vor Ort bei Freunden erfragt. Auch per Anhalter oder natürlich mit eigenem Auto geht gut. Die Naturwunder des Nordens liegen allerdings meist auf Dirt-roads.

Kommunikation

Ich habe mir gleich am Flughafen einen 30 Tage Personaltarif mit 2GB für umgerechnet 10€ geholt, das hat sehr gut funktioniert. Danach kann man mit der App (deren Installationen einen weiteren GB einbringt) problemlos über Kreditkarte aufladen.

Unterkunft

Die Unterkunft war bis zum Ankunftstag unklar. Erst als ich mit einem anderen Famulus von der organisierenden Studentin vom Flughafen abgeholt wurde, ergaben sich für jeden von uns (sehr nette) Gastfamilien deren Kinder ebenfalls Medizin studierten. Ob das allerdings nächstes Jahr ebenfalls klappt weiß man nicht, da Jujuy keine med. Fak. hat und alle nur zu ihrer finalen Examensvorbereitung zu Hause waren. Auch das Freizeitprogramm wurde von den drei Studentinnen organisiert.

Literatur

Ich kann das Thieme-Buch " Spanisch im Klinischen Alltag " empfehlen zum einen zur Vorbereitung zum anderen zum Nachschlagen der vielen Abkürzungen die es im Klinikaltag gibt. Sonst habe ich etwas Dr. House auf Spanisch geschaut...

Mitzunehmen

Im September ist dort Winter/Anfang Frühling, die Temperaturen im Norden schwanken zwischen 5 Nachts und 30 Tags, also auf alles einstellen. Das Krankenhaus ist sehr kalt... Sonnencreme ist trotzdem sehr wichtig, grade wenn man nach Chile oder in die Salzwüste einen Abstecher macht. Genug Platz im Koffer für Mate, Desinfektionsmittel, Kamera, Kreditkarte falls man ein Auto leihen will.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief von Frankfurt über Buenos Aires (in die Stadt am besten mit dem Tienda Leon Bus) wo ich mir zwei Tage jetlag-Kur gönnte und etwas touristisches Flanieren, zu empfehlen ist hier San Telmo oder Monserat. Mit einem Inlandsflug dann weiter nach Jujuy. Dort wurde ich von der LEO vom Flughafen abgeholt und zu meiner Familie gebracht. Meine Gastschwester brachte mich dann am nächsten Tag ins Krankenhaus zu den zuständigen Ärzten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Eigentlich hatte ich, da ich erst Chirurgie belegt hatte und keine Innere für Chirurgie eine Zusage. Drei Tage vor Abflug wurde dass dann auf Innere gewechselt von dem ich leider keine Ahnung hatte. Der Arbeitstag begann um 8 (c.t...) mit der Übergabe, dann einige Patienten besuchen. Hier darf man auch ein paar Fragen stellen und sein Stetoskop benutzen. Danach folgt entweder eine Rotation in einem Spezialgebiet. In den Wochen rotierte ich in der Nephrologie, Pneumologie, Gastrologie und Rheumatologie. Wenn man nett fragt darf man auch überall sonst hin. Sonst bleibt ein zweiter Rundgang, ein paar Aufnahmen und der allgegenwärtige Matetee. Zu empfehlen ist auch ein/zwei mal Nachmittags in die Guardia(Notaufnahme) zu gehen. Dort sieht man sehr spannende Fälle, zu den eindrücklichsten für mich gehörten eine Patientin mit Myastenia Gravis ohne Medikamente und ein Mann mit einem bereits Cutan ulzerierenden Darmtumor. Ende des Arbeitstages ist 13:00 oder früher, je nachdem wie lange die Abschlussbesprechung geht.
Außerdem werden immer wieder Vorlesungen angeboten, in die es sich auch lohnt zu gehen.

Insgesamt stellen sich die Patienten eher mit Infektionskrankheiten vor. Außerdem sind bereits viele junge Patienten Alkoholkrank. Allerdings geht man wegen der Entfernungen zum nächsten Krankenhaus, grade in den armen Bergdörfern ohne Verkehrsanbindung und fehlendem Wissen erst deutlich später zum Arzt als in Deutschland. Das heißt man sieht sehr ausgeprägte Formen der Krankheiten. Außerdem fehlt es aufgrund der Wirtschaftskrise besonders im Norden an Equipment (und auch Vielerorts an Medikamenten) sodass man viel Improvisation sieht. Das Gesundheitssystem ist allerdings kostenlos, wobei es auch hier Privatkrankenhäuser gibt, die dann eher den deutschen Ausstattungsstandarts entsprechen.
Die Ärzte erklären gerne und viel. Nur selber tun darf man nichts (auch wenn man bereits im PJ ist nicht). In der Chirurgie Jujuiy wäre eine Famulatur ebenfalls möglich gewesen. Woran es bei mir scheiterte konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Da meine Gastschwester allerdings grade dort rotierte durfte ich doch mal mit und hier kann man auch mehr praktischere Sachen machen wie Nähen oder Assistieren.

Aufgefallen ist mir vor allem die mangelnde Hygiene. Die Desinfektionsmittelspender waren allesamt leer und Aszitesdrainagen erfolgten auch mal in die leere Wasserflasche des Nachbarpatienten. Das Krankenhaus ist ungeheizt und in den dortigen Wintermonaten Juli bis Oktober empfielt es sich einen Pulli unter den Kittel mitzunehmen.

Land und Leute

Außerhalb des Krankenhauses bin ich viel gereist. Jujuy ist eine landschaftlich sehr beeindruckende Region. Es empfiehlt sich allerdings ein Auto zu mieten, wenn man zu mehrt ist ist das auch kein Problem. Im Norden liegt der Hornocal, eine bunte Bergkette mit 14 verschiedenen Gesteinsfarmen übereinander. Die kleinere Version davon liegt etwas näher in Purmamarca. Hier kann man auch durch die bunten Bergketten wandern. Beides lohnt sich. Wenn man länger Zeit hat kann man nach Salta, eine Kolonialistische Stadt im Süden und von dort zu den Wasserfällen von Iguazu fliegen oder ins Cafayatetal mit einer Tour. Im Westen liegen auf 3000m die Salzwüste und auf 4500 der Pass nach Chile. Auch das kurz hinter der Grenze gelegene SanPedro de Atacama ist sehr schön wenn man ein eigenes Auto hat, aber Achtung, man braucht eine spezielle Genehmigung fürs Auto um die Grenze zu passieren. Die gibt esderzeit nur noch bei der Hertz-Vermietung, die aber deutlich teurer ist als RentalCar. Der im Osten gelegene Parque calilegua ist im Winter ausgetrocknet und nicht so schön.
Bei der Organisation der Reisen waren unsere Gasteltern und -Schwestern immer sehr hilfreich und gaben auch die Tips, wo es sich lohnt hinzufahren.
Die Stadt Jujuy bietet eher weniger. Außerdem ist von 13-17 Siesta und alles geschlossen. danach öffnen die Läden wieder bis 21 Uhr.
Insgesamt ist aller sehr sehr nett (bis auf außerstädtische Verkehrspolizisten, die man immer mal wieder mit horrenden "Zahlungen" vor Ort besänftigen muss). Auf der Straße hilft man sich bereitwillig und die Familien scheuen sowieso keinen Aufwand um einem den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen.

Die wirtschaftliche Situation des Landes war wie gesagt 2019 ziemlich schlecht und grade im Norden war das auch in der medizinischen Versorgung zu spüren. Man ganz gut einheimische Waren kaufen, allerdings war ich mir bei den Handcraft-Waren nie ganz sicher wie authentisch sie waren. Importierte Waren waren teurer als bei uns.

Das Essen ist nichts für Vegetarier, aber gut verträglich. Achtung bei den Parillas (Grillplatte) die man im Restaurant bestellen kann, meißt ist das eine Innereienmischung samt Dünndarm. Ein Steak oder Hühnchen ist da angehmer. In den Familien wird allerdings normales Fleisch gegrillt und das sehr lecker.
Vor dem Krankenhaus werden billig Empandas und Bombas de Carne verkauft die auch sehr zu empfehen sind.

Die Matetassen findet man in der Innenstadt von Jujuy oder in Buenos Aires.

Fazit

Es gibt sicher Famulaturen, in denen man mehr machen darf und mehr lernt, aber wer seine Famulaturen gerne auch für Reisen verwendet grade wenn man wie ich später in die Forschung möchte kann ich Jujuy sehr empfehlen.

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