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Taiwan (FMS Taiwan)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Mir war von Anfang an klar, dass ich mindestens eine Famulatur im Ausland machen wollte. Zum einen, um den Alltag im Krankenhaus außerhalb von Deutschland zu sehen. Zum anderen, um ein mir bis dahin komplett fremdes Land über die Grenzen eines normalen Urlaubs hinaus kennen zu lernen. Und als zwei Freunde dann von ihren Famulaturen mit der bvmd total begeistert zurück kamen, hab' ich mich gleich an die Bewerbung gemacht. Meine Wunschländer waren Ruanda, Taiwan und Japan - alles Länder, in denen ich bisher noch nicht gewesen war und die mich wegen ihrer Kultur, Geografie und der Erfahrungsberichte interessierten. Außerdem wollte ich persönlich nicht in Europa bleiben und hatte zumindest schon ein paar gute Erfahrungen in Süd-Ost-Asien und ein paar Ländern in Südafrika gemacht.

Vorbereitung

Die Bewerbung ist nicht besonders kompliziert. Die bvmd gibt genau an, was gebraucht wird und antwortet ziemlich schnell, wenn es Fragen gibt. Die erste allgemeine Bewerbung lief ohne Probleme. Es werden nur Dinge, wie Lebenslauf und Bewerbungsschreiben verlangt. Sobald man einen Platz erhält, müssen jedoch noch andere Dokumente für die lokale Universität hochgeladen werden - was genau, hängt von der Uni und dem Land ab. Die Taiwanesen verlangen allerdings einiges für den Bewerbungsablauf, u.a. einen Thorax-Röntgenbild, den Gamma-Interferon Tuberkulose-test und einen Masern-und Röteln-Titer, was schon einiges an Organisation verlangt und auch nicht gerade günstig ist. Außerdem muss alles auf Englisch sein, was die Ärzte natürlich meist nicht ausstellen. Aber wenn man einfach einen eigenen Schrieb auf Englisch mitbringt und den unterschreiben lässt (am besten mit Stempel), reicht das völlig aus. Ansonsten hatte ich mir vorher natürlich ein paar allgemeine Infos zum Land durchgelesen und ein medizinisches Wörterbuch auf Englisch besorgt, was ich aber kaum gebraucht hatte, denn das Internet in Taiwan funktioniert einbahnfrei und es stört niemanden, wenn man mal aufs Handy schaut. Um mich ein bisschen auf die Kultur vorzubereiten, hatte ich mir auch darüber ein Buch besorgt und natürlich einen Reiseführer, weil ich nach der Famulatur noch etwas Zeit im Land bleiben wollte. Einen Vorbereitungskurs habe ich nicht gemacht und auch keinen Sprachkurs.

Visum

Für die Einreise ins Land benötigt man nur einen gültigen Reisepass (das Ablaufdatum sollte nicht weniger als 6 Monate nach dem Einreisetag liegen) und kann damit 3 Monate im Land bleiben. Ich hatte mir vorher den Bestätigungsbrief der taiwanesischen Universität ausgedruckt, falls es bei der Einreise Probleme geben würde, war aber zum Glück nicht nötig.

Gesundheit

Allgemein sollte der Impfstatus den RKI-Empfehlungen in Deutschland entsprechen. Für die Bewerbung musste ich meinen HepB-Titer und Masern-und Röteln-Titer einreichen. Den Hep-B-Titer hatte ich zum Glück noch vom Betriebsarzt der Uniklinik, den Masern-und Röteln-Titer natürlich nicht. Den kann man auf eigene Kosten beim Hausarzt oder (für die Frauen) beim Gynäkologen bestimmen lassen oder lässt sich einfach noch einmal neu impfen. Ich hab mich für das zweite entschieden, weil mir etwas spät mitgeteilt wurde, dass ich den Titer brauchen würde und es in dem Moment einfacher war. Eine Impfung wird nämlich eh verlangt, wenn der Titer zu niedrig sein sollte. Die Impfung hat ca. 50 Euro gekostet. Außerdem musste ich einen Röntgen-Thorax und einen negativen Gamma-Interferon-Tuberkulose-Test einreichen. Der niedergelassene Radiologe, bei dem ich ziemlich schnell einen Termin bekommen hatte, hat mir das Bild gleich auf CD gezogen, sodass ich es nur noch auf die Plattform hochladen musste (Preis ca 25€). Den Bluttest hab ich beim Tropeninstitut gemacht, geht aber bestimmt auch bei niedergelassenen Ärzten (Ca 80€, wenn ich mich richtig erinnere). Bezüglich der Reiseimpfungen gibt es nur Empfehlungen und es hängt auch davon ab, wie man seine Zeit vor Ort gestaltet. Gegen Tollwut war ich noch geimpft und gegen die japanische Enzephalitis wäre wahrscheinlich eine Auffrischung nötig gewesen, hab ich diesmal aber ausgelassen. Für die Reiseapotheke gibt es nichts besonderes zu beachten. Ein Mückenspray sollte man dabei haben, denn angeblich gibt es in manchen Regionen Dengue-Fieber. Ich wurde wie immer unzählige Male gestochen, aber passiert ist mir nichts.

Sicherheit

Taiwan gilt als eines der sichersten Länder weltweit und genauso hab ich es erlebt. Klar, man sollte wie sonst auch aufpassen, nicht seine Tasche irgendwo rumliegen lassen und vielleicht nachts nicht die dunkelsten Straßen nehmen, aber ich persönlich habe mich zu keinem Moment unsicher gefühlt. Auch als Frau kann man zu jeder Tageszeit ohne Probleme draußen rumlaufen. Es gibt wenig Kleinkriminalität und auch als Tourist muss man keine Angst haben, übers Ohr gehauen zu werden. Dafür gibt es in Taiwan Erdbeben, Typhoons und Erdrutsche nach starkem Regen. Ein Erdbeben habe ich (leider) nicht erlebt. Besonders in den Sommermonaten sind Typhoons jedoch relativ häufig - dann wird es sehr regnerisch, windig und viele Geschäfte und öffentliche Gebäude haben geschlossen, auch ins Krankenhaus muss man an den Tagen nicht. Aber nicht alle Stürme sind gleich stark, oft zieht der Typhoon nur an Taiwan vorbei und manchmal ist am nächsten Morgen schon alles vorbei. Wandern gehen sollte man nach einem Typhoon oder viel Regen aber lieber nicht, denn dann sind die Wege wegen Erdrutschen oder umgestürzten Bäumen nicht sicher.

Geld

In Taiwan zahlt man mit dem Taiwanesischen Dollar. 1 Euro sind je nach Kurs ungefähr 35 TWD. Ich finde es immer am einfachsten eine Kreditkarte dabei zu haben. Für Studenten oder bei Online-Banken gib es da auch eine Menge guter Angebote mit denen man keine Gebühren beim Abheben bezahlt. AMTs (Geldautomaten) gibt es in Taiwan überall! Selbst die kleinsten Orte haben mindestens einen 7-eleven mit einem Geldautomat und in den Städten gibt es überall Banken. Eine Freundin hatte Bargeld zum Wechseln dabei und bei der Bank of Taiwan gab es wohl einen sehr guten Wechselkurs. Im Alltag sollte man auf jeden Fall immer Bargeld dabei haben, denn beim Essen gehen, auf den Nachtmärkten und in kleinen Läden ist das die gängigste Zahlmethode. Und dann gibt es da noch die Easy-Card! Diese kann man zum Beispiel im U-bahn-System von Taipei oder im 7-eleven kaufen, lädt Geld drauf und kann damit im ganzen Land fast alle Transportmittel benutzen, in Taipei Fahrrad fahren und auch in vielen Läden bezahlen. Die Preise sind auf jeden Fall um einiges günstiger als in Deutschland und ein bisschen höher als in Süd-Ost-Asien. Wenn man nicht gerade den High-speed-train nimmt, sind Transportmittel vor allem mit der Easy-Card sehr günstig und das Essen sowieso. Deshalb kochen die Taiwanesen wohl auch kaum. Für umgerechnet 1-3 Euro bekommt man schon ein gutes Mittagessen. Man sollte sich am besten von den taiwanesischen Studenten zum Essen mitnehmen lassen!

Sprache

Die offizielle Sprache in Taiwan ist Mandarin. Taiwanesisch gibt es auch, wird aber von immer weniger Leuten gesprochen. Ich persönlich fand es nicht sinnvoll für die kurze Zeit einen Chinesisch-Sprachkurs zu machen und bin also in der Hinsicht komplett unvorbereitet hingefahren. Das Englisch der meisten Taiwanesen, die man so auf der Straße trifft, ist nicht besonders gut. Viele haben Angst davor, Fehler beim Sprechen zu machen und trauen sich erst gar nicht, es zu versuchen. Hier kommt man dann aber meist mit Google translate oder Bildern (zum Beispiel in Restaurants) einigermaßen gut zurecht. Im Krankenhaus war ich allerdings sehr überrascht. Manche Ärzte hatten einen Teil ihrer Ausbildung in den USA gemacht und konnten daher eh sehr gut Englisch und die andere, auch die meisten Studenten, haben ständig versucht, mir so gut wie möglich alles zu erklären. Sicher macht es einen guten Eindruck, wenn man wenigstens ein paar Sätze Mandarin sprechen kann, aber die meisten Taiwanesen setzten das überhaupt nicht voraus.

Verkehrsbindungen

Verbindungen nach Taipei gibt es unzählige, von den großen Flughäfen wie Frankfurt oder München sogar Direktflüge. Je nachdem wie früh man dran ist und welche Airline man wählt kommt man schon mal für 500-700€ hin und zurück. Vor Ort gibt es viele verschiedene Möglichkeiten von A nach B zu kommen. Vor allem an der Westküste, an der die meisten großen Städte liegen gibt es viele preiswerte Zug- und Bus-Verbindungen, sowie den High-Speed-Train der seine Passagiere von Taipei bis Kaohsiung, also von Nord nach Süd, in nur 1,5 Stunden bringt. Letzteres ist dann natürlich etwas teurer (Rund 45 Euro, Rabatt gibt es, wenn man mindestens 7 Tage vorher bucht), aber auf jeden Fall eine Erfahrung wert. Innerhalb der großen Städte gibt es U-Bahnen, mit denen man für ein paar Cents schnell unterwegs ist, so wie einige Busverbindungen und natürlich Uber. Die Taiwanesen sind gut organisiert und man kann sich eigentlich immer auf Pünktlichkeit verlassen. Für die öffentlichen Verkehrsmittel lohnt es sich auf jeden Fall gleich am Flughafen in Taipei eine Easy Card zu besorgen (die gibt's auch an jeder U-Bahn-Haltestelle in Taipei und in jedem 7-eleven für 100 TWD (ca 3 Euro). Mit dieser Karte kann man alle Züge (außer den High Speed Train) und Busse im ganzen Land benutzen, in Taipei mit den öffentlichen Fahrrädern fahren und sogar in vielen Geschäften einkaufen. Aufladen kann man die Karte ebenfalls in allen möglichen Einkaufsläden und Haltestellen. Das Netz in Taiwan ist sehr gut ausgebaut und mit einer Simkarte mit Internet-Flat, kann man selbst in den Nationalparks noch problemlos mit Zuhause kommunizieren und Google Maps benutzen. Die Simkarten gibt es überall. Ich hatte eine von Taiwan mobile mit unlimitiertem Internet für 2 Monate für insgesamt 40 Euro. Das hat super geklappt, allerdings habe ich später gehört, dass Chungwha der beste Anbieter sein soll (der Preis dürfte ähnlich sein). In meiner Unterkunft gab es kein WLAN und da ich in der Klinik keinen Zugang bekommen hatte, hat es sich auf jeden Fall gelohnt. So konnte man problemlos Bilder hochladen, an regnerischen Abenden auch mal auf Netflix streamen und natürlich auch für's Reisen finde ich eine Simkarte empfehlenswert, da es einfach entspannter ist, nicht jedes Mal nach einem Hotspot suchen zu müssen. Sobald man nun Internet hat, sollte man sich die App LINE herunterladen. Das ist die meist genutzte Kommunikations-App in Taiwan, über die man sich mit neuen Freunden und Ärzten verbinden kann und die ebenfalls ein Bezahlsystem enthält.

Kommunikation

Das Netz in Taiwan ist sehr gut ausgebaut und mit einer Simkarte mit Internet-Flat, kann man selbst in den Nationalparks noch problemlos mit Zuhause kommunizieren und Google Maps benutzen. Die Simkarten gibt es überall. Ich hatte eine von Taiwan mobile mit unlimitiertem Internet für 2 Monate für insgesamt 40 Euro. Das hat super geklappt, allerdings habe ich später gehört, dass Chungwha der beste Anbieter sein soll (der Preis dürfte ähnlich sein). In meiner Unterkunft gab es kein WLAN und da ich in der Klinik keinen Zugang bekommen hatte, hat es sich auf jeden Fall gelohnt. So konnte man problemlos Bilder hochladen, an regnerischen Abenden auch mal auf Netflix streamen und natürlich auch für's Reisen finde ich eine Simkarte empfehlenswert, da es einfach entspannter ist, nicht jedes Mal nach einem Hotspot suchen zu müssen. Sobald man nun Internet hat, sollte man sich die App LINE herunterladen. Das ist die meist genutzte Kommunikations-App in Taiwan, über die man sich mit neuen Freunden und Ärzten verbinden kann und die ebenfalls ein Bezahlsystem enthält.

Unterkunft

Meine Contact Person, Kristen, hatte sich um meine Unterkunft gekümmert und damit hatte ich wirklich großes Glück. Für die ganze Dauer des Praktikums hatte ich eine eigene kleine Wohnung mit Bett, Schreibtisch, Bad und Kühlschrank für mich alleine. Eine Küche mit kleinem Elektroherd, Kochutensilien und Heiß-und Kalt-Wasserspender, die sich alle Bewohner teilten, gab es zwei Stöcke tiefer und sogar eine Waschmaschine hätte man nutzen können. Die Wohnung befand sich in einem ganz normalen Wohnhaus 10 Gehminuten von der Klinik entfernt und direkt um die Ecke gab es den nächsten Night market, also einfach ideal! Bettbezug war nicht in der Wohnung, aber da hatte mir Kristen netterweise was von sich geliehen. Normalerweise gibt es wohl immer Plätze in den Studentenwohnheimen für die Incomings, aber da diese gerade renoviert wurden, mussten wir ausgelagert werden. Eine andere Studentin kam in einem Hostel unter.

Literatur

Zur Vorbereitung hatte ich natürlich ein paar Erfahrungsberichte, die Infos auf der bvmd-Website und ein paar Reiseberichte über Taiwan gelesen, denn ich wollte nach der Famulatur mindestens noch zwei weitere Wochen durchs Land reisen. Außerdem kaufte ich mir einen Reiseführer von Lonely-Planet und einen Fettnäpfchenführer über Taiwan. Das zweite war ganz interessant zu lesen, ist aber natürlich nicht unbedingt nötig. Der Lonely-Planet ist mittlerweile schon etwas veraltet, daher ist es wahrscheinlich empfehlenswerter, sich im Internet auf Reiseforen zu informieren. Und auch vor Ort, kann man von anderen Reisenden gute Tipps bekommen. Für die Famulatur hatte ich noch einen Langescheid Band für Medical English besorgt, den ich aber so gut wie nie gebraucht hatte, da man alles im Internet nachsehen kann.

Mitzunehmen

Für die Famulatur hatte ich mir einen Kittel, Stethoskop und Namensschild mitgenommen. Das Stethoskop habe ich nie gebraucht, da man in Taiwan meist nicht direkt an die Patienten gelassen wird. Ein Namensschild mit Foto und Batch für den OP-Eingang wurde von der Klinik gestellt. Außerdem hatte ich (wie oben beschrieben) ein Medical English Wörterbuch dabei, was unnötig gewesen ist. Für Taiwan allgemein sollte man vor allem für die Sommermonate auf jeden Fall lange, aber luftige Kleidung mitbringen - gibt's vor Ort aber natürlich auch überall zu kaufen. An Mückenspray sollte man denken. In Taiwan werden oft ätherische Öle gegen die Moskitos eingesetzt. Die helfen aber nur mäßig. Am besten bringt man sich eins mit oder man muss im Watson nach einem Produkt mit Wirkstoff suchen. Ansonsten sollte man unbedingt einen Reiseadapter mitbringen (gleiches System wie in China und England), gegebenenfalls mit Spannungswandler, da die Netzspannung in Taiwan deutlich niedriger ist und das Laden so endlos dauert. An einen Regenschirm sollte man vor allem zwischen Juni und Oktober auch unbedingt denken oder sich vor Ort einen besorgen.

Reise und Ankunft

Meine Anreise war sehr kurz getaktet, da ich am Samstagmorgen abgeflogen bin und am Montag meine Famulatur in Kaohsiung schon beginnen sollte. Doch dank meiner tollen Contact Person, Kristen, lief die Ankunft ohne Probleme. Zufällig war sie an dem Wochenende meiner Ankunft gerade in Taipei bei ihren Eltern. Also bot sie mir netterweise an, mich am Hauptbahnhof abzuholen, den Tag noch in der Hauptstadt zu verbringen und am Abend mit mir gemeinsam nach Kaohsiung zu fahren. Und genauso haben wir's gemacht. So konnte ich sogar ihre Familie kennen lernen und wir sind alle zusammen essen gegangen. Besser hätte mein Taiwan-Aufenthalt nicht starten können. Sie half mir dabei, eine Simkarte und ein Ticket für den High-Speed-Train zu besorgen und mich in meiner Unterkunft zurecht zu finden. Außerdem lieh sie mir eine Decke und ein Kissen, die ich sonst noch hätte kaufen müssen und sie zeigte mir das Krankenhaus. Am nächsten Tag ging ich um 8 Uhr zum Treffpunkt, den mir Kristen mitgeteilt hatte. Dort traf ich dann auf eine Sekretärin, die mir mein Namensschild gab, mich auf die Station begleitete und mir meine betreuende Ärztin vorstellte. Insgesamt wurde ich also sehr gut in Empfang genommen und habe mich auch im weiteren Verlauf der Famulatur gut aufgehoben gefühlt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wer in seiner Famulatur viel selbst machen möchte und praktisches Wissen erlangen will, ist in Taiwan meinen Erfahrungen nach nicht gut aufgehoben. Selbst die jungen Assistenzärzte dürfen noch nicht wirklich viel machen und so ist man als ausländischer Gaststudent natürlich eher in der Rolle des Zuschauers. Dennoch, hab ich das Gefühl, viel gelernt und gesehen zu haben und war insgesamt sehr zufrieden, da die die Ärzte dort immer versuchen, alles zu erklären und Fragen gern gesehen sind. Am ersten Tag wurde ich von der Studienorganisatorin auf die Gynäkologie-Station gebracht und meiner zuständigen Ärztin, sowie der Resident (Assistenzärztin) vorgestellt. Auf unserer Station waren jedem Arzt mindestens zwei Studenten zugeteilt, die bei allen jeweiligen Operationen und Rotationen dabei sein durften. Von der Resident bekam ich einen groben Plan mit den wöchentlichen Seminaren und Vorträgen. Außerdem gab sie mir ihren LINE-Kontakt und informierte mich jeden Tag über anstehende Termine. Anschließend wurde ich zwei anderen taiwanesischen Studenten vorgestellt, die ebenfalls der mir zugeteilten Ärztin folgen würden und die mir den OP und die Ambulanz zeigten. Das Krankenhaus war riesig, also war ich sehr froh, mich einfach bei den anderen einzuklinken. Insgesamt waren bestimmt 20 Studenten in der Gynäkologie, die alle zwei Wochen in andere Bereiche rotierten. Morgens gab es immer eine Besprechung mit den diensthabenden Ärzten und den Studenten, in dem kurz die Nacht oder das Wochenende besprochen wurde. Danach wurde oft ein Vortrag von Studenten über einen Fall und zugehörigem Krankheitsbild gehalten, der anschließend von dem spezialisierten Oberarzt kommentiert wurde. Das alles lief meist in einem sehr entspannten Rahmen ab. Manchmal gab es sogar Frühstück von McDonalds und es kam nicht selten vor, dass manche Studenten den Kopf auf den Tisch legten, um noch etwas Schlaf nachzuholen. Die anderen Studenten verbrachten den Vormittag dann meist mit ihren Ärzten auf Visite oder in der Ambulanz. Da meine zugeteilte Ärztin, aber oft in ihrem Labor beschäftigt war, konnte ich entweder in den Ultraschallraum gehen oder sah mir ein paar OPs von anderen Ärzten an. Am Tisch stand ich leider nur ein einziges Mal und bei einem Kaiserschnitt wurde mir mal ein Baby in die Arme gedrückt, aber ansonsten war man eher Beobachter. Das hat mich aber nicht besonders gestört, wenigsten habe ich so wirklich viel und auch echt einige interessante Fälle gesehen - von Teratom bis Schokoladenzyste war alles dabei. Außerdem durfte ich mir das HiFu, eine relativ neue Behandlungsmethode ansehen, die in Deutschland (noch) nicht ihren Durchbruch hatte. Im Ultraschall-Bereich konnte man sich mit den ganzen Vorsorge-Ultraschalluntersuchungen vertraut machen und bei Amniozentesen und Follikelpunktionen konnte man auch zuschauen. Eigentlich war man überall willkommen und die Ärzte haben trotz der Sprachbarriere gerne und viel erklärt. In den Kreissaal zu kommen war dagegen organisatorisch nicht so leicht, da in der Klinik relativ wenig entbunden wurde. Immerhin eine Geburt konnte ich mir ansehen. An zwei Nachmittagen pro Woche hatte meine Ärztin Ambulanz. Da konnte man sich dazusetzen. Von den Gesprächen an sich hab ich natürlich nicht viel verstanden, aber alles schriftliche war immer auf Englisch, also konnte man sich einfach die Notizen durchlesen und die Ärzte und Studenten haben immer alles übersetzt, wenn was nicht klar war. Mittagsessen gab es entweder im Food Court der Klinik oder in unzähligen Imbissen rund um die Klinik. Gutes Essen gibt es in Taiwan eh immer und überall.
Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die Standards denen in Deutschland entsprechen. Der OP sah zwar etwas renovierungsbedürftig aus und es wurden weniger Einmal-Artikel verwendet als zuhause, an anderen Stellen hatte ich das Gefühl, dass die Taiwanesen weiter entwickelt waren.
Ein gewöhnlicher Praktikumstag begann meist gegen 8.30 Uhr und endete gegen 17 Uhr - also relativ lange fand ich. Wenn aber nichts zu tun oder zu sehen war, bin ich auch früher gegangen. Eine Anwesenheitskontrolle gab es nicht.

Land und Leute

Als ich Freunden und Familie erzählte, dass ich eine Famulatur in Taiwan machen würde, kam oft die Frage, wo das überhaupt liegt und warum man dort hingehen würde. Auch ich wusste nicht wirklich viel über das Land, als ich es auf der Länderliste entdeckt hatte. Man kennt aus der Kindheit vielleicht noch das Plastikspielzeug made in Taiwan oder in letzter Zeit auch mal aus den Nachrichten im Zusammenhang mit China, aber viel mehr ist da meist nicht - leider. Denn wie ich jetzt erfahren durfte, ist es ein Land mit einer sehr interessanten und wechselhaften Geschichte, einer unglaublichen Vielfalt an Landschaften und einer wirklich überraschend gastfreundlichen und modernen Bevölkerung.
Taiwan (Republik China) ist ein Inselstaat östlich seines mächtigen Nachbarn China, der ungefähr die Größe der Niederlande hat. Das Land zählt circa 23 Millionen Einwohner und liegt genau an der Grenze zwischen tropisch und subtropischem Gebiet. Die Geschichte ist geprägt von einer Reihe verschiedener Kolonialisierungen. Als erstes kamen die Portugiesen, die die Insel (zu Recht) auch "Ilha Formosa", also schöne Insel tauften, gefolgt von den Niederländern und Spaniern. Zwischendurch ging es mal an Japan und nach dem zweiten Weltkrieg schließlich wieder an die Republik China. Schon wenige Jahre später gab es einen Bürgerkrieg auf dem Festland und die Kommunistische Partei übernahm die Regierung dort und gründete die Volksrepublik China. Die ehemalige Regierung Chinas unter Chiang-Kai-Shek floh mit vielen Anhängern nach Taiwan, das weiterhin Republik China heißt, und bildete dort ein Ein-Parteien-System für mehrere Jahrzehnte (kompliziert, ich weiß). Aufgrund der Ein-China-Politik des Festlandes, verlor der kleine Inselstaat seinen Platz im UN-Sicherheitsrat und immer weniger Länder erkennen Taiwan als eigenen Staat an. Heute ist Taiwan ein sehr offenes Land und beginnt mittlerweile auch wieder die damals unterdrückten Völker und Kultur, sowie die taiwanesische Sprache zu fördern. - So weit zur Geschichte. Vielleicht etwas trocken, aber meiner Meinung nach sehr wichtig, da sich die Taiwanesen ihrer komplizierten Situation natürlich bewusst sind, aber nicht wirklich viel darüber gesprochen wird.
Wie schon gesagt, geht die Grenze zwischen Tropen und Subtropen genau durch die Insel hindurch. Mehrere Gebirgsarme durchziehen das Land und da es sich hier um eine Insel handelt, gibt es natürlich eine große Küstenlandschaft. Das alles macht Taiwan zu einer der vielfältigsten Länder auf so kleinem Raum. So kann es vor allem im Süden sehr schwül und warm werden, während man in Zentral-Taiwan auf bis zu 4000 Metern anfängt zu frieren.
Besiedelt ist vor allem die West-Küste. Hier findet man die großen Städte Taipeh, Kaohsiung, Tainan und Taichung, die durch verschiedenste Zuglinien verbunden sind. Der Süden ist sehr touristisch und beliebt bei Tauchern und Urlaubern. Der Osten ist etwas wilder und nicht allzu touristisch. Im Taroko-National Park zum Beispiel kann man gut wandern, es gibt viele Möglichkeiten zu surfen und die Küstenstraße ist ideal für Fahrradtouren.
Religion ist in Taiwan ein wichtiges Thema und auch ein großer Teil der jungen Bevölkerung ist noch praktizierend. Der Buddhismus ist mit großem Vorsprung am meisten vertreten und man findet überall in den Städten bunt verzierte Tempel, in denen gebetet wird und die von einem angenehmen Geruch von Räucherstäbchen umgeben sind. Es lohnt sich auf jeden Fall eine von den free-walking touren in Taipei mitzumachen, um etwas mehr über den Aufbau und die Bedeutungen der Tempel zu erfahren. Oder man lässt sich einfach mal von einem Studenten in den Tempel mitnehmen. Auch der Geisterglaube ist in Taiwan immer noch weit verbreitet. So trauen sich viele Taiwanesen nicht weiter als knöcheltief ins Meerwasser, da die Geister einen sonst einfacher in die Tiefen ziehen können. Und beim Betreten eines Tempels sollte man immer mit großem Schritt über die Stufe in der Eingangstür steigen, die dafür gedacht ist, böse Geister draußen zu halten.
Die Mentalität der Taiwanesen ist gezeichnet von Zurückhaltung, was oft als Schüchternheit gedeutet werden kann. Wenn man sie besser kennen lernt sind sie aber extrem hilfsbereit und freundlich. Viele sind auch sehr interessiert und möchten viel über Europa wisse. Am meisten verblüfft hat mich, dass einige Studenten im Krankenhaus sogar Deutsch in der Schule gelernt hatten. Damit hätte ich nie gerechnet. Ich habe die Taiwanesen auf jeden Fall als sehr offene Menschen kennengelernt und mich bei ihnen sehr wohl gefühlt.

Fazit

Ich kann Taiwan als Ort für eine Famulatur auf jeden Fall wärmstens empfehlen. Die gesamte Organisation hat ohne Probleme funktioniert. Ich hatte eine wunderbare Zeit dort - im Krankenhaus, als auch in der Freizeit und nach der Famulatur. Die Ärzte und anderen Studenten waren sehr engagiert und ich durfte mir viel anschauen. Das Land ist ideal zum bereisen, ob in der Gruppe oder allein. Es ist auf der einen Seite extrem fortgeschritten, hat jedoch von seiner Kultur, der Religion und dem wunderbaren Essen vieles beibehalten. Die Menschen dort sind extrem gastfreundlich und man wird schnell aufgenommen. Ein Nachteil in Kaohsiung war, dass es dort so gut wie kein social program gab und im August war ich zwei Wochen lang die einzige Austauschstudentin, was schade war. Da konnte ich aber von Glück reden, eine gute contact person zu haben. Allerdings gibt es auf der Insel so viel zu sehen und die Verbindungen sind so gut, dass man überall schnell hinkommt und viel unternehmen kann. Glücklicherweise gibt es da auch noch das nationale social program und eine Facebook-Gruppe, über die man sich mit Austauschstudenten in anderen Städten verabreden kann. Wer gerne wandern geht oder Wassersport macht, ist in Taiwan perfekt aufgehoben und vor allem die unzähligen Nachtmärkte fehlen mir jetzt schon!

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