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Universal and public access to health (Brasilien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Alisa, Mainz

Motivation

Ich interessiere mich für public health und global health. Für den unterschiedlichen Aufbau und die Organisationsstruktur von Gesundheitssystemen sowie deren Finanzierung. Brasilien ist eines der aufstrebenden Länder und besonders spannend aufgrund seiner Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Ich hatte die Erwartung, etwas darüber zu lernen, wie die Medizinstudenten in Brasilien Medizin studieren und wie das SUS, das brasilianische Gesundheitssystem in der Praxis aussieht.

Vorbereitung

Für diesen public health Austausch waren keine Sprachkenntnisse (außer Englisch) vorausgesetzt, ich habe trotzdem vorher einen Portugiesisch Sprachkurs gemacht, was auch sehr sinnvoll ist, denn Englisch ist in Brasilien kaum verbreitet, selbst viele der Professoren (!) sprechen kein Englisch. Ich habe sobald es ging die Flüge gebucht, dabei macht es Sinn günstige Flüge in verschiedene in der Nähe liegenden Flughäfen zu vergleichen und bei Bedarf einen Schnellbus in die endgültige Destination zu nehmen, die sind nämlich sehr günstig und zuverlässig.

Visum

Für Brasilien braucht man für einen so kurzen Aufenthalt kein Visum als Deutscher.

Gesundheit

Ich hatte schon viele Impfungen für meinen Sri Lanka Aufenthalt gemacht und für Brasilien habe ich nur noch einmal die Tollwut Impfung aufgefrischt sowie eine Gelbfieber-Impfung gemacht, weil ich anschließend noch nach Rio de Janeiro geflogen bin. Ansonsten waren keine besonderen Vorbereitungen nötig. Repellent und am besten auch Moskitonetz mitnehmen!

Sicherheit

Brasilien gilt nicht als sehr sicher. Das auswärtige Amt empfiehlt „immer einen kleinen Geldbetrag in bar“ bei sich zu haben, den man bei einem Überfall aushändigen kann. Auch soll man in der Öffentlichkeit sein Handy nicht zeigen. Die Betreuungspersonen vor Ort sind die beste Quelle für Sicherheitshinweise. Solange man belebte Straßen benutzt, ist man sicher. Auch uber ist bezahlbar in Brasilien und deshalb zu empfehlen. Bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Problem, dass man nicht immer weiß, wie die Haltestellen gelegen sind und wo man dann eventuell rumlaufen muss, weshalb ich diese in Joao Pessoa nicht benutzt habe (Metro in Rio hingegen ist gar kein Problem). Man sollte es also vermeiden, alleine in unbelebten Straßen zu landen. Vermeidet man das ist alles kein Problem. Ich habe zwei Kreditkarten mitgenommen und eine immer Zuhause gelassen.

Geld

In Brasilien kann man so ziemlich alles überall mit Kreditkarte bezahlen. Für Kreditkarten fällt manchmal eine Gebühr an, weil dort eher Debit-Karten verbreitet sind, so eine vorher zu besorgen macht also Sinn. Bargeld würde ich nicht an den 24hours atms abholen, die haben eine hohe Gebühr. Normale Banken wie Bradesco nehmen keine Gebühren. Die Lebensmittelkosten im Supermarkt sind etwa die gleichen wie in Deutschland, aber alles andere ist günstiger. Uber, Restaurants, Eintritte, Busse, Hotels sind sehr günstig zu haben

Sprache

Für diesen public health Austausch waren keine Sprachkenntnisse (außer Englisch) vorausgesetzt, ich habe trotzdem vorher einen Portugiesisch Sprachkurs gemacht, was auch sehr sinnvoll ist, denn Englisch ist in Brasilien kaum verbreitet, selbst viele der Professoren (!) sprechen kein Englisch

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzug angereist. Es gibt viele Inlandsflüge, aber diese sollte man nur bei weiten Strecken nutzen, denn es gibt ein sehr gutes Schnellbus-Netz. Diese sind günstig und auch zuverlässig. In Joao Pessoa habe ich keine öffentlichen Verkehrsmittel genutzt sondern immer uber. Die meisten Menschen dort fahren entweder Auto oder uber die Öffis werden zumeist von der ärmeren Bevölkerung genutzt.

Kommunikation

Ich habe mit meiner contact person am ersten Tag eine sim Karte gekauft das mobile Datennetz ist sehr zuverlässig. Dafür habe ich etwa 10 Euro gezahlt.

Unterkunft

Ich war zusammen mit einem anderen incoming bei einer Medizinstudentin untergebracht. Wir hatten dort ein eigenes Zimmer und in der Wohnung war alles vorhanden was man brauchen könnte. Also Küche, Waschmaschine etc. Es war sehr schön dort zu wohnen, wir waren nah am Meer und hatten einen Balkon. Außerdem haben wir viel zusammen unternommen.

Literatur

Ich habe keine Literatur genutzt.

Mitzunehmen

Es ist eine Überlegung ein Moskitonetz, Anti-Mücken-Stecker und Repellent mitzunehmen. Sonnencreme nehme ich auch immer mit. Reiseapotheke natürlich auch. Zwei verschiedene Kreditkarten (debit). Ich hatte Postkarten aus Mainz als Gastgeschenk dabei (wiegt nicht viel).

Reise und Ankunft

Ich wurde von meiner contact person am Flughafen abgeholt und zu meiner Wohnung gefahren. Am ersten Tag hat sie mit mir eine Sim Karte und Lebensmittel gekauft. Meine Gastschwester hat mir alles über die Gegend erzählt. Dann hatte ich noch einen Tag frei wo ich die Nummer von dem Assistenzarzt bekommen habe, der für mich zuständig war. Meine contact person hat mich am ersten Tag zum Gesundheitszentrum gefahren.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der unidade saude da familia gearbeitet. Das ist ein Gesundheitszentrum des öffentlichen staatlichen Gesundheitssystems (SUS). Das ist ein Gebäude, in dem Allgemeinärzte, Zahnärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Ernährungsberater, Physiotherapeuten und Psychologen arbeiten und sie sind immer für eine bestimmte Nachbarschaft zuständig. Ich war einem Assistenzarzt zugeteilt und gleichzeitig mit mir hatte er noch zwei Pjlerinnen. Wir haben dort Patienten allgemeinmedizinisch behandelt. Das Spektrum war dementsprechend breit. Viele Patienten kamen mit psychosomatischen und oder psychischen Erkrankungen wie Ängste und Depressionen. Die Allgemeinmediziner betreuen dort auch Schwangere (außer Hochrisiko-Schwangerschaften) und Kinder. Sie setzen dort beispielsweise auch Verhütungsspiralen ein. Es gab auch Hausbesuche, die dann zusammen mit den community health agents durchgeführt werden. Diese gehen auch alleine zu den Patienten und schauen sich die sozialen Umstände an. Der allgemeine Tagesablauf war, dass ich um acht angefangen habe, dann haben wir vormittags Patienten gesehen, Mittag gegessen und nachmittags entweder wieder Patienten gesehen, oder Hausbesuche bzw kleinere Eingriffe gemacht. Es war sehr schwierig das Portugiesisch zu verstehen, aber mein Assistenzarzt hat mir vieles übersetzt, die anderen Pjlerinnen konnten kaum Englisch. Mein Assistenzarzt war früher in der brasilianischen bvmd sehr aktiv und hat mir viele Dinge über Gesundheitspolitik und Medizinstudium erzählt und mir auch viele Artikel darüber geschickt. Meine Gastschwester war sehr aktiv an der Uni und hat mir viel über das Medizinstudium erzählt. Zweimal bin ich auch mit meinem Assistenzarzt in das „Equlibrium do ser“ gegangen, was auch zum öffentlichen Gesundheitswesen gehört und alternative Medizin anbietet. Das war auch sehr interessant, dort gibt es bspw Akupunktur, Aromatherapie, Auriculotherapie, Yoga und vieles mehr. Ich habe mich in der unidade sehr wohl gefühlt, alle haben mich dort herzlich aufgenommen und es herrscht eine sehr entspannte Atmosphäre. Ich hatte zwar 13km Anfahrt, die ich täglich auf dem Hinweg mit uber bewältigt habe, auf dem Rückweg hat mich aber meist jemand mit in die Stadt genommen. Die Studenten dort haben ein cantino do cochilo, also einen Raum um ein Nickerchen zu machen. Ich habe mich mit den Medizinstudierende dort sehr gut verstanden. Sie haben sich sehr viel Mühe mit dem social programme gegeben und uns viele Einblicke in aktuelle Verantaltungen gegeben.

Land und Leute

Joao Pessoa liegt am Meer und hat viele Strände. Man kann dort surfen gehen oder SUP machen. In der Stadt ist auch immer was los und unsere Betreuungspersonen haben uns oft mit zu Veranstaltungen genommen. Wir waren in der Stadt, wir waren in Restaurants essen, wir waren beim Samba und bei Forro.
Wir waren auch oft einfach am Strand oder zum Acai essen oder Kokosnüsse essen.
In der Nähe gibt es auch viele sehenswerte Strände und Strandorte, die sich für einen Wochenendausflug anbieten. Zum einen wäre da Praia da Tabatinga, meiner Meinung nach der schönste Strand in der Nähe von Joao Pessoa. Dort fährt man ca 30 Minuten hin und es gibt dort eine schöne Felsklippe und es ist sehr ruhig dort. Surfen kann man auch und es gibt ort viele Strände nebeneinander, sodass man einen langen Strandspaziergang machen kann. Etwa 150km von Joao Pessoa liegt Pipa, das ist ein kleiner Ort, wo viele internationale Menschen leben und es viele Strände gibt. Auch dort kann man viele Wassersportarten machen und Ausflüge in die umliegenden Dünen. Das Essen ist sehr gut, überall gibt es self-service Restaurants wo man gut und günstig essen kann. Die Menschen sind sehr offen und herzlich. Ich bin nach meinem Praktikum nach Rio de Janeiro geflogen und habe dort und in der Umgebung noch zwei Wochen verbracht, was auch sehr schön war. Zuerst war ich in Ilha Grande eine Insel südlich von Rio de Janeiro.
Dort gibt es keine Autos und nur Regenwald und Strände. Danach war ich noch in Recreio dos Bandeirantes, was zu Rio gehört aber eher ein Strandort ist , an dem es ruhig ist. Kann man auch bedenkenlos alleine machen.
Die Ungleichheit in Brasilien ist sehr hoch, sprich es gibt viele Mauern und Zäune und Überfälle, weswegen man nicht in unbelebte Gegenden gehen sollte, wenn man dies aber beachtet, ist es wirklich kein Problem. Ich habe eigentlich nur angenehme Erfahrungen gemacht. Viele Brasilianer die nicht aus Rio kommen, haben Angst vor Rio weil sie soviele negative Nachrichten darüber in den Nachrichten sehen, aber die Realität sieht dann doch etwas anders aus. Die Studenten sind überwiegend sehr unglücklich über die aktuelle politische Lage weil sie mit dem Präsidenten unzufrieden sind. Während ich dort war, hieß es, dass in den letzten Monaten des Jahres vielleicht die Universität schließen muss, weil öffentliche Gelder für die Bildung gekürzt wurden. Drogenkriminalität ist ein großes Problem in Brasilien bekanntermaßen. Jeder Bezirk gehört einer bestimmten Drogenbande an, die eine Art eigene Justiz bilden.

Fazit

Der public health Austausch hat mir sehr gut gefallen. Ich habe sehr viel gelernt und mein Interesse für public health und primary health care hat sich gefestigt. Ich bin in Brasilien sehr gut zurecht gekommen und eine starke Liebe für das Land entwickelt. Ich habe mich dort schnell sehr heimisch und willkommen gefühlt. Ich würde wieder nach Brasilien gehen.

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