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Northern Cyprus (MSANC)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Gloria, Homburg

Motivation

Nordzypern war nicht meine Erstwahl, ich bin erst durch die Restplatzauflistung darauf aufmerksam geworden. Dieses Jahr war das erste Mal, das Nordzypern an SCOPE teilnahm. Ich bin sehr zufrieden, dieses Land ausgewählt zu haben.

Vorbereitung

Von der Möglichkeit, mit der bvmd Famuaturen im Ausland zu machen, habe ich bereits in den ersten Semestern der Vorklinik gehört. Kurz nach dem Physikum gab es eine extra Infoveranstaltung dazu, auf der auch zwei Studenten von ihren Erfahrungen berichteten. Hier erklärte man alle Formalitäten, die ich danach aber auch im Internet nachlesen konnte. Etwas knapp war es, den Sprachtest für Englisch noch rechtzeitig zu machen, da es nur einmal im Monat einen Termin gab. Ich empfehle allen den Test so bald wie möglich hinter sich zu bringen, denn er gilt zwei Jahre.
Seminare habe ich keine besucht, da diese meist mit einer sehr langen Fahrtzeit verbunden wären. Es kann aber sicherlich nicht schaden, wenn man die Möglichkeit dazu hat. Mein lokales bvmd - Team stand jederzeit für alle Fragen bereit, wobei man meistens auf der Internetseite die passende Antwort finden kann.

Visum

Generell braucht man für einen Monat in Nordzypern kein Visum, es gilt aber eine wichtige Sache zu beachten: Man muss über Südzypern einreisen. Nordzypern hat zwar auch einen Flughafen, aber das Einreisen über diesen Ercan Airport ist in gewisser Weise als illegal betrachtet, weil Nordzypern nur von der Türkei als Land anerkannt wird. Also braucht man ein Visum, wenn man den nördlichen Flughafen anreist und man muss immer in der Türkei zwischenlanden. Über einen der südlichen Flughäfen ist es hingegen problemlos, man fährt von dort zur Grenze und kann dann zur Universität weiterreisen.

Gesundheit

Besondere Impfungen für Nordzypern brauchte ich nicht. Empfohlen sind die Standardimpfungen, die auch in Deutschland empfohlen sind und Hepatitis A. Im Jahr davor waren zum ersten Mal drei Malariafälle aufgetreten, was mir etwas Sorge bereitete. Es war jedoch nicht empfohlen, eine Prophylaxe zu machen, da das Risiko dafür noch als zu niedrig gilt. Wegen der im Sommer täglich über 35 Grad besorgte ich mir ausreichend Sonnencreme. Ansonsten die übliche Reiseapotheke. Ich habe auf der Seite des Robert-Koch Instituts nachgelesen, das empfehle ich auch jedem, egal in welchem Land man die Famulatur macht. Schwierigkeiten gab es bezüglich der Gesundheit keine, ich musste keine speziellen Untersuchungen durchführen lassen und außer meiner Krankenversicherung nichts nachweisen.

Sicherheit

Wegen des schon seit vierzig Jahren bestehenden Konflikts zwischen dem Norden der Insel und dem griechischsprachigen Süden, ist das Land sehr unbeliebt im Süden. Aber auch in anderen europäischen Ländern hört man von der Gefahr in der Türkischen Republik Nordzypern. Keiner scheint dort hin zu mögen. Also hatte ich vor meiner Reise ein wenig Sorge um meine Sicherheit.
Als ich aber dort war begegnete ich jedoch nur überaus freundlichen Menschen und ich erlebte eine Hilfsbereitschaft, die die deutsche weit übertrifft. Auch merkte ich sehr schnell, wie sicher die Insel eigentlich war. Jeder erzählte mir, dass ihm noch nie etwas geklaut wurde und auch an den Stränden schien überhaupt wenig Diebstahl stattzufinden. Nordzypern hat auch den Vorteil, dass es nicht so überlaufen von Touristen ist wie das europäische Zypern im Süden. Dementsprechend wollten alle ihr Land gegenüber den wenigen Touristen sehr gut darstellen. Wenn ich mal nach dem Weg fragte, war es nicht selten, dass ich von bis dahin völlig fremden Menschen persönlich die gesamte Strecke bis zum Ziel begleitet wurde, nur weil sie wollten, dass ich sicher bin und um zu sehen, dass ich auch dort ankomme.

Geld

In Nordzypern bezahlt man mit derselben Währung wie in der Türkei, also mit der türkischen Lira. Ein Euro entspricht dabei sechs Türkischen Lira. Entweder man lässt sich das Geld vorher in Deutschland wechseln, was aber mit einem schlechteren Wechselkurs verbunden ist, oder man tauscht es vor Ort in Geldwechselstellen um. Die einfachste Möglichkeit ist aber, es vor Ort am Automaten direkt in Lira abzuheben. Hierbei kommt es natürlich auf das eigene Bankinstitut an, ob dabei zusätzliche Gebühren anfallen. Mit Visa oder Mastercard hat das Abheben aber problemlos überall funktioniert. Man kann also entweder bar bezahlen oder mit Karte, beispielsweise in Supermärkten oder Restaurants.
Im Vergleich zu Deutschland ist alles etwas günstiger. Busfahren kostet auf kürzeren Strecken meist unter einem Euro. Auch Unternehmungen wie ganztägige Schiffstouren, Strandbesuche oder Schlossbesichtigungen sind sehr preiswert. Wenn man auch den Süden der Insel besichtigen möchte, muss man an dem Grenzübergang seinen Personalausweis vorzeigen und ab dort mit Euro zahlen. Lira werden hier nicht akzeptiert und auch nicht gerne gesehen (wegen der Konflikte). Auch ist alles im Süden wesentlich teurer, da es dort sehr touristisch ist. Das Busfahren kostet dort das Fünffache, allerdings ist das öffentliche Verkehrssystem auch besser ausgebildet ;-)

Sprache

Die Landessprache ist türkisch, aber die Ärzte sprechen Englisch, somit war nur Englisch vorausgesetzt. Auch meine Ansprechpartner konnten fließend Englisch also war die Kommunikation kein Problem. Mit den Patienten habe ich so gut wie nie geredet, aber das lag auch daran, dass ich hauptsächlich bei Operationen zugeschaut habe.

Verkehrsbindungen

Man ist im Wohnheim der Universität untergebracht. Leider befindet sich die Uni etwas außerhalb der Hauptstadt Lefkosa und ist auch ungefähr eine halbe Stunde von der bekannten Hafenstadt Kyrenia entfernt. In Lefkosa selbst und in Kyrenia gibt es ständig Busse, aber von der Uni wegzukommen ist etwas aufwendiger. Einmal pro Stunde fährt von dort ein Bus nach Lefkosa, sonntags alle zwei Stunden. Wenn man nach Kyrenia möchte, muss man dann in Lefkosa umsteigen und ist etwas über eine Stunde unterwegs. Es empfiehlt sich, mit anderen gemeinsam ein Auto zu mieten, damit kann man auch etwas abgelegenere Orte wie die bekannte Burg Hilarion oder die Halbinsel Karpaz besichtigen. Auch sind die Bushaltestellen nicht ausgeschildert, sodass man sich vorab informieren muss und entweder die Contact Person fragt, oder auf dem Plan im Internet nachliest, dort steht dann an welchen Straßenkreuzungen die Busse halten.
In Kyrenia selbst fahren alle fünf Minuten Minibusse in alle Richtungen und man kann überall am Straßenrand einsteigen.

Kommunikation

Die Landessprache ist türkisch, aber die Ärzte sprechen Englisch, somit war nur englisch vorausgesetzt. Auch meine Ansprechpartner konnten fließend Englisch also war die Kommunikation kein Problem. Mit den Patienten habe ich so gut wie nie geredet, aber das lag auch daran, dass ich hauptsächlich bei Operationen zugeschaut habe.

Unterkunft

Man ist im Wohnheim der Universität untergebracht. Die Unterkunft wird von der dortigen Medizinstudierenden-Organisation abgeklärt. Die Wohnung ist ca 15 Minuten vom Krankenhaus und der Mensa entfernt. Sie hat ein kleines Bad und eine Küchenzeile. Obwohl es hieß, dass man Bettwäsche und Handtücher mitbringen soll, wurden diese gestellt.

Literatur

Die Ärzte sind sehr freundlich und geben Denkanstöße zum selbst nachlesen. Auf meiner Station lagen immer mehrere Fachbücher herum, sodass ich ein Thema, das mich interessierte auch nachlesen konnte.

Mitzunehmen

In meinem Vorbereitungsbrief stand, dass ich Bettwäsche und Handtücher mitbringen muss. Jedoch war eine Garnitur Bettwäsche für mich vor Ort und eine Putzfrau brachte alle paar Tage frische Handtücher. Das war also unnötiges Gepäck für mich. Küchenzeug war notwendig, leider gab es kein Geschirr. Außerdem muss man Krankenhauskleidung mitbringen, anders als in Deutschland werden Kasack und Hose nicht gestellt.

Reise und Ankunft

Nach dem Flug nahm ich ein Taxi, das mich über die Grenze zur Universität bringen konnte. Dort wurde ich von meiner Kontaktperson empfangen, die mir am nächsten Tag die Uni, das Krankenhaus und die Mensa zeigte. Da dort nicht mehr die EU ist und es kein Roaming gibt, braucht man eine türkische Simkarte, die einem aber das Dekanat spendiert.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag nahm mich meine Kontaktperson mit und brachte mich zu meiner Station. Sie stellte mir die beiden Stationsärzte vor. Diese begrüßten mich sehr freundlich. Beide konnten gut Englisch, die Kommunikation war also in Ordnung. Das Unikrankenhaus ist ein Privatkrankenhaus, deswegen ist es von weniger Patienten besucht, als man es von deutschen Krankenhäusern gewohnt ist. Das wirkte sich auch auf die Neurochirurgie aus, den Fachbereich, für den ich dort zugeteilt war. Es gab sehr wenige Operationen. Daher durfte ich auch nur zuschauen, für eigenes Mitoperieren oder Nähen hätte ich öfter zusehen müssen und das war dort leider nicht möglich.
Etwas häufiger empfing der Arzt ambulant Patienten. Dort durfte ich bei der neurologischen Untersuchung zusehen und manchmal fragte mich der Arzt auch etwas zu den Untersuchungen. Gehäuft kamen Patienten, die über Nacken- oder Lendenschmerzen klagten oder Patienten mit Bandscheibenvorfall. Gelernt habe ich einiges über das Bewerten von CT- oder MRT-Bildern.
Ich sollte zu achtzig Prozent anwesend sein und mich immer abmelden, wenn ich nach Hause gehen wollte oder falls ich an einem anderen Tag nicht kommen konnte.
Insgesamt hätte ich gerne mehr Operationen gesehen, genäht oder mitoperiert aber da es sich um ein Privatkrankenhaus handelt, war die Situation auf den meisten anderen Stationen ähnlich. Toll fand ich, dass die Ärzte mir zu den Patientenfällen viel gezeigt und erklärt haben und oft auch schon von sich aus Krankheitsbilder erklärt haben.
Auch das Pflegepersonal sowie die anderen an der Universität angestellten Personen waren überaus freundlich und sehr hilfsbereit bei allen möglichen Fragen. Viele Pfleger konnten zwar kein Englisch, aber mit Übersetzprogrammen war alles kein Thema.
Die medizinische Ausbildung der Studenten an der Near East University ist in manchen Punkten anders als in Deutschland. So gibt es je drei vorklinische und drei klinische Jahre. Die Studenten sind jeden Tag auf der Station und besuchen parallel dazu Vorlesungen. Im Gegenzug dazu haben sie keine Famulaturen und auch kein praktisches Jahr, da die Praxis parallel zur Theorie gehalten wird. Interessant war, dass die Studenten nicht zwangsmäßig die Landessprache türkisch sprechen müssen, sondern lediglich Englisch vorausgesetzt ist. Dementsprechend gibt es oft Schwierigkeiten mit der Patientenkommunikation. Im Allgemeinen ist die Kommunikation mit den Patienten auch weniger als in Deutschland. Die Studenten sind bei den Untersuchungen dabei, aber durchgeführt werden diese von den Ärzten selbst. Hinterher bespricht der Arzt den Fall und das, was er gerade mit dem Patienten besprochen hat, mit den Studenten auf Englisch. Da viele der Studenten sowieso kein Türkisch können, da sie aus anderen Ländern kommen war daher die Sprachbarriere für mich vergleichsweise genauso wie für die heimischen Studenten selbst.

Land und Leute

Die Türkische Republik Nordzypern wird international mit Ausnahme von der Türkei nicht als Staat anerkannt. Trotz der ehemaligen Konflikte gibt es einiges zu entdecken auf der Insel. Nur 315.000 Einwohner leben hier, was wenig ist, wenn man bedenkt, dass im griechischen Zypern mehr als dreimal so viele Menschen wohnen. Dies macht den Inselteil meiner Meinung nach besonders friedlich und naturgetreu, was besonders den wunderschönen Sandstränden zu Gute kommt.
Trotz der kleinen Fläche des Landes gibt es hier viel zu entdecken. Für Ausflüge sind immer Leute von der Uni zu finden, die entweder einfach gerne internationalen Leuten die Insel zeigen oder selber ein wenig rumkommen möchten. Auch das lokale IFSMA-Team gibt sich sehr viel Mühe, ein möglichst abwechslungsreiches Programm zu gestalten. In der nahe der Uni gelegenen Hauptstadt Lefkosa gibt es viele über 1000 Jahre alte Gebäude zu besichtigen und auch die gesamte Altstadt ist sehr gemütlich. Der nächste Anlaufpunkt ist die Hafenstadt Kyrenia mit zahlreichen Sandstränden. Jeder Strand ist einzigartig und sehenswert. Meistens gehören diese Strände zu Hotels, sodass man einen kleinen Eintrittspreis zahlen muss. Dieser beläuft sich aber nur auf wenige Euro und lohnt sich, wenn man mehrere Stunden am Strand verbringen will. An vielen Stränden hat man die Möglichkeit, Unternehmungen wie Bananaboat, Skydiving oder Scuba Diving (Tauchen) zu machen. Diese sind relativ preiswert. Das lokale Austauschteam kennt oft seriöse Ansprechpartner und konnte mir zum Beispiel mit drei Freunden eine günstige Tauchübungsstunde vermitteln, bei der man einige Fische und Felsen unter Wasser besichtigen konnte. Auch eine fünfstündige Schifffahrt mit Halt zum Schwimmen an drei verschiedenen Stränden haben Sie für uns organisiert, das war ein besonderes Highlight.
Aber die Insel hat nicht nur Strände zu bieten, es gibt auch eine hohe Bergkette mit schönen Aussichtspunkten und eine Burg ganz oben (St. Hilarion), auf die wir gemeinsam gewandert sind. Ein weiteres Highlight war für mich der zweitägige Ausflug zur Halbinsel Karpaz. Dort gibt es wilde Esel, die die Köpfe ins Auto stecken und sich streicheln lassen. Außerdem ist dort der berühmte Golden Beach, ein Kilometerlanger Sandstrand der menschenleer ist, weil der Halbinselteil fast unbewohnt ist. Da es so warm ist, konnte man sogar draußen übernachten.
Das Essen ist eine weitere Besonderheit. Es ist nicht nur günstig, sondern auch besonders lecker. Eine Spezialität ist Halloumi Käse, der ist in vielen Gerichten mit drin. Aber auch das für mich kostenlose Essen im Krankenhaus war meistens sehr gesund und ebenfalls schmackhaft.

Fazit

Meine Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Die Leute waren überall extrem freundlich und hilfsbereit und die Insel hat viel zu bieten. Ich würde mich jederzeit nochmal für Nordzypern als erste Auslandsfamulatur entscheiden. Ich kann jedem empfehlen, mal diese Insel zu bereisen.

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