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El Salvador (IFMSA El Salvador)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Philipp, Essen

Motivation

Es gab mehrere Gründe dafür, mich für eine Famulatur in El Salvador zu bewerben. Zum einen interessiere ich mich sehr für die lateinamerikanischen Länder und Kulturen und habe gehofft durch die Famulatur die Region auf andere Art und Weise kenne zu lernen als bei üblichen Reisen. Zum anderen interessiere ich mich sehr für Tropenmedizin und wollte auch generell die Behandlung von Patienten in Ländern mit begrenzten Ressourcen kennen lernen. All dies war in Mittelamerika möglich, weswegen ich mich letztendlich für El Salvador bewarb.

Vorbereitung

Nach erfolgreicher Bewerbung um den Famulatutplatz habe ich mich relativ zeitnah um einen Flug gekümmert. Außerdem habe ich mir eine Auslandskrankenversicherung besorgt und mich bereits etwas über Land und Leute informiert. Darüber hinaus habe ich die noch fehlenden Impfungen nachgeholt, die für die Famulatur verlangt wurden.
Die endgültige Zusage kam ca. 7 Wochen vor der Abreise, danach wurde ich auch sehr zügig von meinen Ansprechpartnern im Krankenhaus und meiner Gastfamilie kontaktiert.

Visum

Für El Salvador braucht man für einen Aufenthalt bis zu 90 Tagen kein Visum. Auch eine Gelbfieberimpfung ist nicht notwendig.

Gesundheit

Man sollte die üblichen Reiseimpfungen haben und ggf. auffrischen lassen bevor man die Famulatur antritt. Auch ein gutes Mückenspray ist sehr zu empfehlen. Ansonsten ist man mit den üblichen Reisemedikamenten sicherlich gut ausgerüstet. Absolut zu empfehlen ist auch noch eine Filterflasche, damit man das ansonsten nicht empfehlenswerte Trinkwasser trinken kann.

Sicherheit

Ich habe mir im Vorfeld etwas Sorge um die Sicherheit im Land gemacht, habe mich dann vor Ort allerdings stets sicher gefühlt. Es gibt ohne Zweifel große Probleme im Bereich der Kriminalität, da man jedoch fast überall im Auto unterwegs ist und nachts niemand das Haus verlässt ist man als Ausländer bzw. Angehöriger der Mittel- und Oberschicht deutlich weniger gefährdet. Wie immer in Lateinamerika sollten gefährliche Verhaltensweisen, wie z.b. das Tragen von auffälligem Schmuck, vermieden werden. Auch manche Buslinien in San Salvador sollten nicht genutzt werden. Grundsätzlich ist El Salvador aber sicher zu bereisen, wenn man sich an das hält, was die Einheimischen einem sagen. Ich war während meiner Famulatur auch immer wieder alleine im Land unterwegs und habe mich nie bedroht gefühlt.

Geld

Die offizielle Währung ist der US-Dollar. Grundsätzlich ist El Salvador relativ günstig, jedoch sind die Preise in besseren Restaurants mit denen in Deutschland vergleichbar. Ich würde definitiv empfehlen 2 verschiedene Kreditkarten mitzunehmen, falls eine verloren geht oder geklaut wird.

Sprache

Die Landessprache ist Spanisch. Englisch wird von Angehörigen der Oberschicht ( also z.b. den Ärzten im Krankenhaus) meist gut bis fließend gesprochen, ist ansonsten aber kaum verbreitet. Um im Land zurecht zu kommen und die Famulatur gut nutzen zu können sind gute bis sehr gute Spanischkenntnisse extrem wichtig.

Verkehrsbindungen

Es gibt ein gut ausgebautes Bussystem, das vor allem auf alten US-amerikanischen Schulbussen basiert. In San Salvador sind einige Buslinien nicht zum empfehlen, da sie oft überfallen werden, weswegen ich jeden Tag zum Krankenhaus hingefahren und auch wieder abgeholt wurde.
Im Rest des Landes sind die Busse jedoch meist problemlos nutzbar und sehr günstig.

Kommunikation

Ich habe mir eine SIM-Karte besorgt, die im Vergleich zu Deutschland sehr günstig war und extrem viel Gb beinhaltete. Das hat mein Leben in El Salvador und den Kontakt zur Gastfamilie definitiv erleichtert.

Unterkunft

Ich war bei einer Gastfamilie untergebracht und habe Vollverpflegung erhalten. Die Familie bestand aus den Eltern und einem Sohn, der auch Medizin studierte und mit dem ich mir ein Zimmer teilte. Die Gastfamilie war unglaublich herzlich und hat mich wie ein Familienmitglied behandelt. Sie haben sehr viele Ausflüge mit mir gemacht und mir bei jedem Problem oder jeder Frage immer gern geholfen.
Religion und Kirche nahmen wie bei den meisten Familien in El Salvador eine große Rolle ein, ich wurde aber nicht gedrängt in irgendeiner Form daran teilzunehmen. Trotzdem bin ich einmal mit meinen Gasteltern in ihre Messe gegangen, was ihnen auch viel bedeutet hat.

Literatur

Ich kann den Lonely Planet Zentralamerika als Reiseführer empfehlen.
Fachliteratur ist nicht unbedingt nötig, eigentlich kann alles vor Ort nachgelesen werden. Auch einen gesonderten Sprachführer (z.b. Spanisch für Mediziner) braucht man nicht unbedingt.

Mitzunehmen

Abgesehen von Reiseapotheke, Mückenspray und Filterflasche sind vor allem verschiedene Materialien für die Famulatur nötig.
Zum einen ist die richtige Kleidung wichtig. Man sollte lange Hemden bzw. Blusen mitbringen, außerdem trägt man ordentliche lange Hosen. Normalerweise tragen Männer Anzugschuhe und Frauen Ballerinas, ich hatte allerdings unauffällige Sneaker an.
Für die Nachtschichten ist außerdem ein Kasak nötig.
Ansonsten sind für den Krankenhausalltag noch ein Stehoskop, eine Blutdruckmanschette und zwingend Desinfektionsmittel wichtig, da es im Krankenhaus kaum welches gibt.
Für die Gastfamilie sollte man ein paar kleine Geschenke einpacken.

Reise und Ankunft

Ich bin morgens nach einem Flug über Bogota mit Avianca in El Salvador angekommen und wurde vom Gastvater abgeholt. Danach hatte ich 2 Tage zum akklimatisieren im Land bevor die Famulatur losging.
Den Flug habe ich sogar schon vor der endgültigen Zusage aus El Salvador gebucht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Inneren Abteilung eines öffentlichen Krankenhauses eingeteilt. Die Abteilung hat das gesamte Spektrum der inneren Medizin sowie der Neurologie abgedeckt und Patienten ab 12 Jahren behandelt. Es handelte sich also um ein extrem breit gefächertes Patientenkollektiv.

Ich war sehr frei in meiner Tagesgestaltung, weswegen ich mir immer die Bereiche herausgesucht habe, die für mich am spannendsten waren. Mein Alltag bestand normalerweise aus der Morgenvisite, bei der die Studenten oft befragt wurden. Ich wurde allerdings meist verschont. Anschließend bin ich in die Notaufnahme gegangen und habe dort bei der Behandlung der Patienten zugesehen und geholfen. Dabei habe ich dann jeden für mich interessanten Patienten selbstständig untersucht und befragt. Die Notaufnahme war sicherlich der interessanteste Bereich. In einem kleinen Zimmer wurden zeitgleich jeweils 3 Patienten behandelt, mit teils schwerwiegenden Krankheitsbildern. Von schwerer Herzinsuffizienz, Leberzirrhose oder unzähligen Ketoazidosen bis hin zu teilweise sehr schwerwiegenden neurologischen Krankheitsbildern war alles vertreten und meist so wie im Lehrbuch gelernt. Eine solche Fülle an Internistische Erkrankungen und vor allem auch schweren Verläufen hätte ich in Deutschland niemals während einer Famulatur sehen können. Es gab auch viele für mich besondere Fälle wie Dengue, Schlangenbisse oder Chikinigunya.
Es ging manchmal sehr chaotisch zu, aber für mich war die große Zahl an Patienten und die vielen Krankheitsbilder natürlich sehr interessant.
Am Nachmittag habe ich oft an Schulungen für die Assitenzärzte teilgenommen oder war in Spezialsprechstunden wie z.B. der HIV-Ambulanz.
Insbesondere die HIV-Ambulanz ist mir in Erinnerung geblieben, da ich dort auch Patienten mit vielen verschiedenen opportunistischen Erkrankungen untersuchen konnte, die man in Deutschland nur selten sieht ( z.b. zerebrale Toxoplasmose).
Ein wichtiger Teil der Ausbildung der Medizinstudenten sind regelmäßige Nachtschichten. Auch daran habe ich einmal teilgenommen, was ebenfalls eine sehr besondere Erfahrung war. Man konnte dort noch etwas selbständiger arbeiten als normalerweise.
Grundsätzlich sind die Ärzte in El Salvador gut ausgebildet, jedoch mangelt es an Platz und Materialien. Das Studium ist im Vergleich zu Deutschland extrem hart und dauert 8 Jahre, inklusive einem sozialen Jahr in einem der ländlichen Gesundheitszentren.
Sowohl Notaufnahme als auch Station waren vollkommen überfüllt und es fehlten viele Medikamente.

Land und Leute

El Salvador ist ein wunderschönes Land voll wirklich netter und hilfsbereiter Menschen. Es gibt wenig Tourismus, weswegen alle sehr interessiert an einem sind.
An Sehenswürdigkeiten bietet El Salvador tolle Wasserfälle, einige Vulkane, die auch bestiegen werden können, eine hinreißende und menschenleere Pazifikküste und viele natürliche Seen wie den Lago de Coatepeque und den Lago de Ilopango. Außerdem gibt es tolle Städte wie Santa Ana und die Kleinstädte der Ruta de las Flores und sogar einige Maya Ruinen.
Unbedingt empfehlen kann ich auch die Museen in San Salvador, welche sich mit dem Bürgerkrieg, den Guerillas sowie den Paramilitärs befassen. Nur dadurch kann man verstehen, warum El Salvador heute so ist wie es ist.
Ich hab während meiner Famulatur vor allem die Wochenenden zum Erkunden des Landes genutzt. Dabei ist mir vor allem die Gastfreundlichkeit der Menschen sehr positiv aufgefallen. Generell waren auch im Krankenhaus alle Angestellten sehr darum bemüht, dass ich einen guten Aufenthalt habe und haben immer wieder gefragt, welche Sehenswürdigkeiten ich denn schon besucht habe. So wurde ich beispielsweise jeden Montag von Chefarzt gefragt, wie denn mein Wochenende gewesen sei.
Ich habe mich vor allem in den lokalen Bussen bewegt, was eine manchmal etwas komplizierte aber sehr billige Art war das Land zu bereisen.
Sehr oft bin ich auch mit meiner Gastfamilie unterwegs gewesen. Sie haben mich vollständig in das Familienleben integriert und haben sich sehr viel Mühe gegeben, mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen und mir so viel wie möglich zu zeigen. Auch bei Problemen, wie z.b. einer nicht funktionierenden Kreditkarte waren sie sehr hilfsbereit. Die Gastfamilie hat den Aufenthalt sicherlich erst so gut gemacht wie er letztendlich war!
Die typische Küche in El Salvador beruht vor allem auf Tortillas, Reis und Bohnen sowie auf dem Nationalgericht Pupusas. Das sind sehr leckere, meist mit Käse, Bohnenbrei oder auch Fleisch gefüllte Maisfladen. Man wird sehr oft darauf angesprochen, ob man diese denn auch schon probiert habe.
Wer mit der lokalen Küche nichts anfangen kann findet allerdings auch viele US-amerikanische Ketten oder mexikanische Restaurants.
Natürlich gibt es in El Salvador viele wirtschaftliche und soziale Probleme, die sich dem Besucher innerhalb kurzer Zeit offenbaren. Vieles hängt dabei mit der gewaltvollen Vergangenheit des Landes zusammen.
Zuletzt wurden aber in vielen Bereichen einige spürbare Verbesserungen erzielt, so ist beispielsweise die Mordrate deutlich gesunken. Nichtsdestotrotz ist es sehr auffällig, dass insbesondere junge Menschen sehr oft planen das Land nach dem Studium zu verlassen.

Fazit

Meine Erwartungen an die Famulatur wurden bei weitem übertroffen! Ich habe sogar deutlich mehr gelernt und gesehen als ich mit erhofft hatte und habe nicht nur erlebt, wie mit wenig Ressourcen gearbeitet wird, sondern wirklich Dinge gelernt von denen ich auch in Deutschland profitieren kann. Besonders die Vielfalt an Patienten war beeindruckend. Auch ansonsten war es eine wirklich lohnenswerte und wertvolle Erfahrung, die ich jedem, der sich für Lateinamerika interessiert sehr empfehlen kann.

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