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Indonesien (CIMSA-ISMKI)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anna, München

Motivation

Seit Beginn meines Medizinstudiums wollte ich unbedingt ein Praktikum im Ausland machen. Ich liebe es, privat zu reisen und die Möglichkeit eine Famulatur im Ausland zu machen klang einfach perfekt, um sowohl kulturell in ein neues Land einzutauchen als auch das medizinische System dort intensiv kennenzulernen.

Vorbereitung

Da meine Bewerbung eine sehr kurzfristige Entscheidung war, war meine Vorbereitungszeit beschränkt. Ich war einen Monat vor der Bewerbungsfrist bei einem Infoabend der AK Austausch in München, an dem Studenten von ihren Austauscherfahrungen berichtet haben und Informationen zum Ablauf der Bewerbung gegeben wurden. Die notwendigen Unterlagen für die Bewerbung auf dem bvmd Portal waren gut zu organisieren. Der Kontakt zur lokalen bvmd Gruppe war zudem super schnell und hilfreich, was alles sehr leicht gemacht hat. Für alle Formalitäten, die man auf Englisch bzw. vom Dekanat unterschrieben braucht, sollte man auf jeden Fall frühzeitig mit den Zuständigen Kontakt aufnehmen. Es kostet ein bisschen Zeit, aber ansonsten waren meine Vorbereitungen mit keinen größeren Schwierigkeiten verbunden.

Visum

Auf der IFMSA-Seite kann man die Exchange Conditions of CIMSA-ISMKI und Informationen zum Visum sehr genau nachlesen. Für die Einreise nach Indonesien wird die Beantragung eines Pre-Visit Visums vorgeschrieben, das 50€ kostet. Ich habe bezüglich der einzureichenden Unterlagen im Generalkonsulat in Frankfurt angerufen, da ich ein paar Erfahrungsberichten über Schwierigkeiten bei der Beantragung gelesen habe. Ich habe dann mit meiner Contact Person aus Indonesien die Kopie des Personalausweises des indonesichen LEO organisiert und dann war das alles kein Problem. Man schickt alle Unterlagen (siehe pdf-Dokument auf der Generalkonsulatseite) mit dem Reisepass an das zuständige Visumsamt und bekommt dann nach knapp 2 Wochen das Visum direkt im Reisepass zurück.

Gesundheit

Da ich ein Jahr vor meiner Reise nach Indonesien in Indien war, war mein Impfstatus schon komplett. Ich war trotzdem bei der Impfsprechstunde meiner Universität und habe alles überprüfen lassen. Ich musste außerdem einen Tuberkulose-Test machen und nachweisen, dass ich keine Tuberkulose habe. Schließlich habe ich eine normal ausgestattete Reiseapotheke (im Nachhinein habe ich außer Schmerztabletten nichts davon gebraucht) mit zusätzlicher Malariaprophylaxe und Nobite Moskitospray mitgenommen. Das Nobite Moskitospray war nützlich und ist definitiv zu empfehlen.

Sicherheit

Ich habe nur eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Während meiner Zeit in Indonesien habe ich mich sicher gefühlt. Abends war ich meistens mit Leuten aus Indonesien oder mit meiner Austauschpartnerin unterwegs. Die Indonesier sind mit die nettesten, immer lächelnden Menschen, die ich bisher kennengelernt habe und sie helfen einem wirklich immer gerne weiter. Sie respektieren, wenn man das Angebot mit ihrem Taxi/Becak mitzufahren mit einem ‚Nein‘ ablehnt und bedrängen einen nicht.
Aus Respekt vor der Kultur und Religion habe ich immer längere Stoffhosen und T-Shirts getragen.

Geld

In Indonesien bezahlt man mit indonesischen Rupiah. 1 Euro entsprechen ca. 17000 Rupiah. Ich hatte eine Visa Kreditkarte dabei, mit der ich immer problemlos Geld abheben konnte. Wenn man Bargeld wechseln möchte, sollte man Touriorte vermeiden, um einen guten Wechselkurs zu bekommen.
Das Essen und die Lebenshaltungskosten sind ziemlich günstig in Indonesien. Man bekommt Abendessen für ca. 2€ und Kaffee für 1-2€. Es gibt natürlich auch teurere Restaurants mit eher westlicherem Essen, aber die kleinen Essensstände an den Straßen sind sehr billig, authentisch und meistens auch sehr lecker.

Sprache

Die indonesischen Studenten, die für uns zuständig waren, konnten alle sehr gutes Englisch und wir konnten uns problemlos auf Englisch unterhalten. Die Ärzte im Krankenhaus haben sich konstant bemüht, mit uns Englisch zu sprechen. Es war teilweise schwierig, aber mit Zeit und Geduld wurde ihr Englisch und unser Indonesisch immer besser und wir konnten uns gut verständigen.
Indonesisch habe ich erst vor Ort gelernt. Ich hatte ein kleines Wörterbuch dabei, das sehr hilfreich war. Wenn man Zeit und Lust hat, ist es super hilfreich davor schon etwas Indonesisch zu lernen. Man kann die Menschen schon mit einem kleinen indonesischen Wortschatz unglaublich glücklich machen!! Vor allem in Surabaya sind weniger Touristen und man ist auf ein paar Wörter Indonesisch wirklich angewiesen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Singapore Airlines nach Singapore und anschließend direkt nach Surabaya geflogen. Ich bin öfter von Surabaya 4,5h nach Yogyakarta mit dem Zug gefahren, der sehr günstig (9€) und sauber war. In Surabaya selbst konnte ich von meiner Unterkunft 10min ins Krankenhaus laufen. Ansonsten sind wir viel mit Grab/Gojek-Autos oder Motorradtaxis gefahren. Es ist super unkompliziert mit der App ein Taxi zu bestellen. Man sieht direkt in der App, wieviel es kosten wird und meistens sind es für mehrere Kilometer nicht mehr als 2€. Sowohl auf den Rollern als auch im Auto habe ich mich sicher gefühlt, sobald man sich an das Chaos auf indonesischen Straßen gewöhnt hat ;-).

Kommunikation

Direkt an meinem ersten Tag habe ich mir im Telekomsel Shop für ca. 7€ 12GB für 30 Tage gekauft. Dies musste ich zwei Mal für paar Tage verlängern, was mir insgesamt 3€ mehr gekostet hat. Die Internetverbindung mit Telekomsel war wirklich super! In unserer Unterkunft hatten wir Wlan und ansonsten gibt es in fast allen Cafes und Restaurants sowieso kostenloses Wlan.

Unterkunft

Die Unterkunft lag in der gleichen Straße wie das Krankenhaus und wir konnten jeden Morgen entspannt hinlaufen. In der Nähe der Unterkunft gab es kleinere Restaurants, Cafes und Supermärkte, die allerdings nicht so ausgestattet sind wie deutsche Supermärkte...
Eine Medizinstudentin aus Griechenland und ich haben uns ein gemeinsames Zimmer geteilt. Wir hatte ein kleines Bad, das sehr einfach und nicht das sauberste war, aber seinen Zweck erfüllt hat. Das Zimmer war sehr geräumig und wunderbar für unsere Zeit dort. Wir hatten unten einen Kühlschrank und die Möglichkeit, frisches Trinkwasser aufzufüllen. Vor unserem Haus gab es auch einen kleinen Innenhof, in dem wir nachmittags oft entspannt oder Sport gemacht haben. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Wir konnten jeden Tag ein paar Teile zum Waschen geben und unser Bett wurde auch immer mal wieder frisch bezogen.
Kostenlos inklusive ist der tägliche Wecker um 4:30 Uhr von der Moschee, die direkt gegenüber ist. Oropax sind ihr Geld auf jeden Fall wert und irgendwann hört man es auch (fast) nicht mehr.

Literatur

Ich habe mir den Reiseführer von Stefan Loose gekauft und war super zufrieden damit. Anonsten wurde die Seite indojunkie.com mein bester Freund vor der Reise. Dort findet man wirklich zu allen Fragen, die vor einer Reise nach Indonesien aufkommen können, eine passende Antwort.

Mitzunehmen

Informationen zur notwendigen Kleidung für das Krankenhaus findet man wieder in den Exchange Conditions der IFMSA Seite. Ich hatte Stoffhosen, Polo-Shirts und meinen Kittel dabei. Das hat auch so gepasst. Solang man keine Jeans anhat und auf ein gepflegtes Äußeres achtet, kann man wirklich nichts falsch machen. Ich hatte außerdem ein Moskitonetz dabei.

Reise und Ankunft

Ich bin am Freitagabend, eine Woche vor dem Famulaturbeginn, angekommen. Ich war für eine Woche in Yogykarta und habe dort ein paar Tage entspannt. Am Samstag vor dem Famulaturbeginn haben mich dann 2 Studentinnen vom Bahnhof in Surabaya abgeholt und mich zu meiner Unterkunft gebracht.
Am ersten Tag unseres Praktikums sind wir von vier Studentinnen zuhause abgeholt worden um zusammen ins Krankenhaus zu gehen. Sie haben uns direkt in Sekretariat der Anästhesie gebracht, wo unsere Mentorin uns dann empfangen und uns alles gezeigt hat. Es war alles super organisiert !!!

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Notaufnahme vom RSUD Dr. Soetomo Hospital in Surabaya. Das Dr. Soetomo Hospital ist das größte Krankenhaus der Primärversorgung im Osten Indonesiens. Es ist Universitätsklinikum der Universitas Airlangga.
Die Notaufnahme wird von Anästhesisten/-innen geleitet. In den ersten 2 Wochen sind wir jeden Morgen um 7 Uhr in die Morning Case Presentation gegangen. Es wurden Patientenfälle von den Anästhesie-Residents vorgestellt und schließlich mit einem Oberarzt in einer gemeinsamen Runde diskutiert. Es war sehr interessant! Da es für die Ärzte allerdings relativ schwierig war auf Englisch zu sprechen, fanden die Morning Presentations nach 2 Wochen wieder auf Indonesisch statt. Wir sind dann auf 8 Uhr direkt in die Notaufnahme gegangen.
Wir haben den Großteil der Zeit zugesehen. Manchmal durften wir Zugänge legen, Patienten auskultieren und öfter sogar eine Herzdruckmassage durchführen! Die Residents waren immer offen für unsere Fragen und wurden nicht müde uns alles, was sie wussten, über die Patienten zu erklären. Es wäre manchmal sehr hilfreich gewesen Indonesisch zu können, da die Ärzte wirklich viel wissen, aber ihr Englisch oft nicht ausreicht, um all ihr Wissen zu vermitteln. Es hat aber auch so irgendwie geklappt. Die Supervisor haben uns immer alles, was sie zuerst den Residents auf Indonesien erklärt haben, ausführlich auf Englisch erklärt, wenn sie Zeit hatten.
Dadurch, dass das Krankenhaus einen so großen Zuständigkeitsbereich hat, haben wir eine Vielfalt von Patientenfällen gesehen.
Es gab fast jeden Tag Motorradunfälle, was bei dem Verkehr und der teilweise sehr fahrlässig umgesetzten Helmpflicht nicht überraschend ist. Dadurch haben wir sehr viel über primary und secondary survey sowie das ABCDE Schema gelernt. Über die Diagnose und Therapie eines Hirnödems haben wir sehr viel gelernt. Unsere Mentorin hat uns außerdem einen extra Vortrag über Neurological Care in Anaesthesia für uns gehalten und wir konnten ihr viele Fragen dazu stellen.
Ich habe sehr viele metabolische Ketoazidosen gesehen, da Diabetes ein sehr großes Thema in Indonesien ist. Außerdem gab es leider immer wieder Kinder, die wegen Malnutrition oder Dehydrataion in die Notaufnahme kamen. Cerebral vascular attacks, Nierenversagen, Schwangere mit Eklampsien, Patienten mit verschiedenen Stadien der Tuberkulose, AIDS, Herzfehler, Pneumonien, Ovarial- und Lungentumore in Stadien, die wir in Deutschland nicht mehr sehen, sind nur einige der Patientenfälle, die wir oft erlebt haben. Es war teilweise sehr krass und die Krankheitsstadien wirklich extrem. Wir haben einige Patienten gesehen, die eigentlich schon seit mehreren Tagen eine intensivmedizinische Versorgung gebraucht hätten, aber aufgrund der langen Anreise (zu) spät in Surabaya ankamen.
Man kam auch mit Ärzten aus anderen Fachbereichen wie z.B. Chirurgen und Kinderärzte in Kontakt. Alle Ärzte waren sehr aufgeschlossen und wenn sie Zeit hatten, haben sie gerne von ihren Erfahrungen erzählt. Oft war es auch einfach ein Austausch über alltägliche Dinge. Wir haben viel mit den Residents und den Schwestern über das Leben in Indonesien und die Kultur gesprochen und einfach wunderbare Unterhaltungen geführt. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen! Mit Indonesiern gibt es immer etwas zu lachen.
Ich werde die Patientenfälle und die Geschichten der Ärzte nie vergessen. Es war eine sehr bereichernde Erfahrung und ich habe gelernt, dass gute Medizin nicht das teuerste, beste MRT/CT/Röntgen Gerät vorraussetzt. Die Ärzte dort versuchen mit den Mitteln, die sie haben, den Menschen die bestmögliche Medizin zu bieten.

Land und Leute

Ich habe mich in Indonesien verliebt! Die Menschen dort sind so unglaublich herzlich, freundlich und wirklich immer am Lächeln. Wir sind mit so viel Gastfreundlichkeit und Liebe empfangen worden und haben u.a. mit den Medizinstudenten dort Freundschaften geschlossen. Wir waren im September nur zwei Austauschstudenten, was diesen engen Kontakt mit den Menschen vor Ort ermöglicht hat. Wir haben viel zusammen unternommen und waren öfter zusammen Essen, mal Kaffee trinken, im Kino oder gemeinsam auf Veranstaltungen der Organisation CIMSA, in der fast alle der für uns zuständigen Studenten aktiv sind. Auch mit den Assistenzärzten haben wir uns gut verstanden und am Wochenende etwas unternommen.
Für mich war es das erste Mal, dass ich eine längere Zeit in einem muslimischen Land gelebt habe. Vor allem durch den Austausch mit den Studenten aber auch anderen Indonesiern, die ich auf meiner Reise kennengelernt habe, habe ich sehr viel über den Islam lernen dürfen. Das Leben der Menschen ist sehr stark von der Religion beeinflusst, aber als Reisender fühlt man sich deswegen auf keinen Fall eingeschränkt. Aus Respekt vor der Religion und der Kultur, habe ich immer weite Hosen und längere Oberteile getragen und habe mich so wohl gefühlt. Man fällt so oder so auf. Ich weiß nicht wie viele Selfies ich in meiner Zeit in Indonesien gemacht habe, aber es waren sicher 100 :-). Man wird oft angesprochen, ob man ein Foto zusammen machen könnte und da es meistens sehr freundlich ist, ist das auch in Ordnung gewesen.
Indonesien ist ein wunderschönes Land. Ich war zwar nur auf Jawa, aber die Natur dort ist sehr eindrucksvoll. Wir waren alle zusammen für eine Nacht am Bromo Vulkan und haben den Sonnenaufgang erlebt. An 2 Wochenenden war in Yogykarta und habe die Stadt und die Tempel (Prambanan und Borobodur) in der Nähe sehr genossen. Ansonsten sind wir nicht viel gereist, sondern waren viel in Surabaya. Man hätte auf jeden Fall noch nach Bali und Sumatra etc. reisen können, aber für den Zeitraum der Famulatur war es richtig schön mit den Menschen vor Ort viel Zeit zu verbringen.
Es war eine einzigartige Erfahrung das Land eben nicht als Tourist sondern auf diese besondere, echte Art und Weise kennenlernen zu dürfen. Wir hatten einen Alltag in Indonesien, haben immer mehr Indonesisch gelernt, verschiedenste Gerichte probiert und die Stadt zusammen erlebt.
Wenn man sich auf die Menschen, die man auf der Reise oder im alltäglichen Leben kennenlernt, einlässt, öffnen sich Türen und ergeben sich Abenteuer, die man nie hätte planen können.

Fazit

Meine Erwartungen wurden übertroffen. Ich hatte eine wunderbare Zeit in Indonesien, die ich nie vergessen werde. Ich denke, wenn man offen ist und sich auf die Situationen und die Menschen einlassen kann, kann man in jedem Land eine sehr schöne Zeit verbringen. Ich würde jedem einen Austausch ans Herz legen !!
Natürlich hätte ich in einer Famulatur in Deutschland vielleicht fachlich und praktisch mehr lernen können, aber die Erfahrungen, die ich über das medizinische hinaus gemacht habe, sind nicht zu ersetzen. Man nimmt eine große Menge Dankbarkeit und eine positive Energie mit nachhause und schätzt das, was man hat. Viel Spaß im Austausch !!

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