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Peru (IFMSA Peru)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Rebecca, Magdeburg

Motivation

Ich hatte Lust, einen Austausch zu machen, weil ich es immer spannend finde, eine andere Kultur nicht nur als Reisender kennenzulernen, sondern auch einen Einblick in den Alltag und die verschiedenen Systeme, z.B. das Gesundheitssystem zu bekommen. Südamerika hat mich schon länger fasziniert. Über die Restplätze bin ich dann auf Peru und den Forschungsaustausch gekommen.

Vorbereitung

Meine contact person war leider nicht sehr auskunftsfreudig. Ich würde mir auf jeden Fall vorher die Kontaktdaten der Gastfamilie und des zuständigen Professors besorgen, um sich vorzustellen, zu sagen wann man kommt und evtl welche paper man vorher lesen sollte. Bei mir hatte dann nämlich bei der Ankunft keiner einen Plan.

Visum

Für 90 Tage braucht man kein Visum. Ich bin als Tourist eingereist und wurde nie weiter danach gefragt.

Gesundheit

Ich hatte alle Standardimpfungen + Typhus und Gelbfieberimpfung noch von einer anderen Reise. Wenn man später noch in Risikogebiete reisen möchte sollten man auch Malariaprophylaxe mitnehmen. Ich hab sie letzendlich nicht gebraucht.

Sicherheit

Ich habe über die apobank eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen. Und alle möglichen Dokumenten als Kopie nochmal ausgedruckt und auf googledrive.

Meine Gastfamilie hat in einem sehr reichen Viertel gewohnt, in dem man auch nachts noch gut unterwegs sein konnte. Der Bus zur Uni ist aber auch durch sehr unschöne Gegenden gefahren und vor der Innenstadt und die Gegend um die Uni wurde mir von den Einheimischen nach Einbruch der Dunkelheit (ca 6 Uhr) auch abgeraten. Es braucht eine Weile bis man sich auskennt, gerade die vielen verschiedenen Busse und colectivos, für die es keinen Fahrplan gibt, und einschätzen kann was gefährlich ist und was nicht. Meistens habe ich mir vorher mehr Sorgen gemacht als es schlimm war. Man sollte auf der Straße eben nicht viel mit Handy oder Geld in der Hand herumlaufen, abends am besten zu zweit und so aussehen als hätte man einen Plan. Nachts uber benutzen statt Öffis auch wenns teurer ist. Ich hatte glücklicherweise nie eine ernsthaft bedrohliche Situation.
Mir wurde aus dem Hostelschrank eine Tasche geklaut, aber während ich nicht da war. Ich war dann nur froh, dass es nicht gewalttätig war.

Geld

In Peru wird mit soles (PEN) bezahlt und immer in bar. Es gab leider nur wenige Banken, bei denen man ohne Gebühr Geld abheben konnte.

Insgesamt ist Peru deutlich günstiger als hier. Ein Mittagsmenü bekommt man für 8 soles (2€), ein Abendessen im Restaurant 15-30PEN (4-8€), eine Nacht im Hostel ebenso. Die Busfahrten in Lima waren meist 1-2,5PEN (1€). Überlandfahrten sind ein bisschen teurer.

Sprache

Die Landessprache Spanisch zu können, ist auf jeden Fall hilfreich. Ich konnte vorher leider keinen Kurs machen und habe es dann dort learning by doing gelernt. Die Peruaner sind da super geduldig und offen, gerade beim Reisen wenn sie kein Englisch sprechen.

Verkehrsbindungen

Ich bin vor allem mit Bussen gefahren. Die sind im Vergleich zu Deutschland luxuriös und für Peru gut organisiert und sicher. Sie dauern nur ewig und haben oft Verspätung. Über die Flugverbindungen habe ich aber nicht nur Gutes gehört. Peru ist riesig und da lohnt sich ein Flug manchmal schon. Gerade nach Iquitos kommt man nur per Flugzeug oder Boot. Es gibt ein paar Billigfluglinien und LATAM.

Kommunikation

Es gab in der Gastfamilie und der Uni Wlan. Ich hatte außerdem eine Sim-Karte (die erste hatte super schlechten Empfang, deswegen würde ich auf jeden Fall Claro empfehlen - Reisepass mitnehmen zum Kauf). Mit den meisten vor Ort kommuniziert man über whatsapp und es war auch praktisch für uber. Beim Reisen hätte ich sie nicht mehr gebraucht, weil jedes hostel und cafe auch kostenloses wlan anbietet.

Unterkunft

Ich habe in der Familie eines Medizinstudenten gewohnt. Das wurde von der contact person vor Ort organisiert. Sie hat mich auch vom Flughafen abgeholt und dorthin gebracht. Die Familie war sehr reich und hatte unter anderem eine Haushaltshilfe, die immer für uns gekocht hat. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit Bad, was echt die Ausnahme war.
Leider haben die Familien von den meisten Incomings relativ weit von den jeweiligen Krankenhäusern entfernt gewohnt.

Literatur

Zum Reisen habe ich mehr auf blogs wie info-peru.de geschaut als im Reiseführer. Manche hatten den lonely planet mit und waren damit zufrieden.
Gut sind auch die Bücher von Mario Vargas Llosa, einer der bekanntesten nationalen Autoren.

Mitzunehmen

Ich habe deutsche Schokolade und Süßigkeiten mitgebracht, da haben sich alle sehr drüber gefreut, genau wie deutsches Bier.
Ich brauchte einen eigenen Kittel.

Im August (Winter in Peru) und auch auf bestimmten Höhen (Arequipa und Cusco liegen über 2000m) kann es sehr kalt werden. Ich hatte vorher kaum dran gedacht, aber Handschuhe und Mütze haben sich gelohnt. Kann man aber auch gut vor Ort kaufen. Ein Pulli mehr wäre auch gut gewesen.

Reise und Ankunft

Ich bin von Frankfurt über Sao Paulo geflogen und habe dort ein Wochenende verbracht (kann man bei der Fluglinie einstellen, dass der stopover statt 16h 3 Tage sind). Zurück bin ich aus Bogota direkt nach München geflogen, weil ich gerne auch ein bisschen in Kolumbien reisen wollte. Ansonsten wäre Hin und Rückflug zusammen zu kaufen deutlich günstiger gewesen.

Da unerwartet noch 1 Woche Ferien waren und die Professorin wie gesagt nicht wirklich vorbereit war, habe ich erst eine Woche später angefangen. Es hat mich ein bisschen geärgert dass die Info so spät kam, sonst hätte ich evtl. noch einen Intensivsprachkurs oder so gemacht. So hab ich die Zeit viel mit meiner Gastfamilie verbracht, was auch schön war.

Am ersten Tag ist meine contact person mit mir zum Labor gefahren.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im Labor einer Privatuni gearbeitet bzw. zugeschaut. Leider hat alle paar Tage meine Zuständigkeitsperson gewechselt, sodass es schwierig war den Verlauf von Experimenten gut mitzubekommen oder gar eigenständig was zu machen. Die Menschen waren aber super lieb, aufgeschlossen und interessiert. Aber öfter mal zu spät, sodass ich oft erst vormittags aber dann bis abends im Labor war und so wenig Zeit hatte mir Lima anzuschauen oder mich mit anderen zu verabreden.
Wenn der Chef aus den USA da war, konnte ich immer an seinen Besprechungen teilnehmen, in denen die unterschiedlichen Arbeitsgruppen ihren aktuellen Stand vorgestellt und das weitere Vorgehen diskutiert haben.
Insgesamt war es sehr spannend zu sehen wie ein Entwicklungsland und ein Labor mit wenig Geld und Mitteln Forschung betreibt. Der Laborraum wurde von 3 Arbeitsgruppen benutzt, das waren zeitweise 20-30 Leute, die dort an ihren Experimente aber auch am Computer gearbeitet haben. Einer der Mitarbeiter war gar nicht offiziell angestellt, sondern hat für sein Geld an einer anderen Uni als Lehrer gearbeitet. Alles wurde wieder verwendet oder Lösungen, die wir hier wie selbstverständlich fertig kaufen, mussten selbst angesetzt werden.
Viele konnten zumindest Englisch verstehen, manche auch sehr gut reden oder das hat sich dann im Laufe der Zeit verbessert. Untereinander haben sie aber immer Spansich gesprochen, weswegen es gerade am Anfang schwierig war mitzukommen, aber auch eine gute Übung und alle haben sich Mühe gegeben mir zu übersetzen.
Ich hatte mir erhofft, auch ein paar Fähigkeiten im Labor zu lernen, hatte dazu aber leider kaum Gelegenheit. Ich durfte bei vielen Dingen zu schauen, aber wenig selber machen oder üben, da alles eben für sie sehr teuer war. Ich hätte gerne ein kleines Projekt gehabt oder ein Ziel oder auch nur ein bisschen strukturiertes Praktikum, als alle paar Tage einer anderen Person über die Schulter zu schauen. Darum musste man auch immer wieder bei Null anfangen und konnte nicht aufeinander aufbauen, der andere wusste nicht wie viel ich schon kann. Viel Zeit hab ich auch abgesessen, gerade wenn die anderen wieder zu spät waren, oder dann zum paper lesen genutzt. Wäre auch gut gewesen zum Spanisch lernen, aber ich habe mich geärgert, dass ich die Zeit nicht anders nutzen konnte, um mehr von der Stadt oder vom Land zu sehen.
Bei den Krankenhäusern gibt es wohl sehr große Unterschiede zwischen privat und staatlich. Ich war an einer privaten Uni mit Krankenhaus, das relativ gut ausgestattet war. Andere Incomings waren aber bei staatlichen, in denen es 50 Betten-Säale gab und der Patient von Toilettenpapier bis OP-Besteck und Desinfektionsmittel alles selbst mitbringen musste.

Land und Leute

In Lima gab es über 20 Incomings in meinem Austauschmonat, vor allem für Famulaturen. Leider haben wir alle relativ weit auseinander gewohnt, trotzdem an den Wochenenden gemeinsame Reisen geplant. Ich bin nur einmal mit der großen Gruppe gefahren, aber dann mit einzelnen Leuten.
Lima ist sehr chaotisch und dreckig und hat super lange Anfahrtszeiten, weswegen ich empfehlen würde, wenn möglich in eine andere Stadt zu gehen.

Ich bin danach noch vier Wochen durch Peru und zwei Wochen durch Kolumbien gereist. Peru hat echt viel zu bieten, den Pazifik, Wüste, Geschichte (Machu Pichu ist eigentlich nur ca 500 Jahre alt, aber es gibt einige Ruinen die deutlich älter sind und unterschiedlichste, uralte präInka-Kulturen), Berge, Dschungel. Gerade Iquitos und der Norden haben es mir angetan. Der Dschungel ist einfach ganz anders, als was wir in Europa kennen. Die Stimmung der Menschen, die Schwüle, die vielen Tiere und bunten Pflanzen, die Rituale der Ureinwohner, der braune Amazonas.
Außerdem ist Peru perfekt zum Wandern. Huaraz war ein Paradies, ich war außerdem noch 3 Tage im Colca-Canyon, nach Machu Pichu und um Chachapoyas wandern.

Ich fand vor allem dem Kontrast zwischen meiner reichen Gastfamilie und der generell eher ärmlichen Bevölkerung krass. In Lima gibt es viele Straßenverkäufer, Obdachlose und venezuelanische Flüchtlinge. Auf dem Land wurde der Pflug noch von Ochsen gezogen. Hier ist wohl auch der Unterschied zwischen den Quecha-Einheimischen und den Nachkommen der Spanier sehr groß.

Die Kirche spielt bei den Jüngeren keine so große Rolle mehr, aber ist ansonsten sehr präsent. Jedes kleinste Dorf hat einen Plaza de armas mit Kirche und meist irgendwo auch ein Mormonen-Gemeindehaus.

Als Vegetarierin war es in der Labor-Phase oft schwierig mittags etwas zu finden, weswegen ich dann nach ein paar Tagen aufgegeben und das leckere seafood genossen habe. Auch meine Gastfamilie konnte damit nicht so viel anfangen. Oft gab es Reis und Hühnchen mit Mais oder Kartoffeln oder Bohnen. Gerade die Mittagsmenüs, die es bei fast jedem Lokal gab waren aber oft sehr gut. Beim Reisen gibt es dann für die Touristen aber genug vegetarische Auswahl.

Die meisten Menschen war sehr herzlich und interessiert, sobald sie erfahren haben, dass ich aus Deutschland komme. Viele haben sich auch gefreut, dass ich mir ihr Land ansehen wollte und Tipps gegeben wo ich noch hinfahren soll, auch wenn sie selbst nie die Chance hatten dorthin zu fahren. Viele können sich Reisen nicht unbedingt leisten. Mir sieht man auf den ersten Blick nicht unbedingt an, wo ich herkomme und ich wurde deswegen auch auf der Straße nicht angestarrt oder hab blöde Sprüche zu hören bekommen, was bei Blonden wohl schon manchmal der Fall war.

Fazit

Es war eine sehr tolle und spannende Erfahrung. Die Zeit im Labor und in Lima war zwar sehr frustrierend zudem ich auch zwei mal doll erkältet war, trotzdem habe ich dabei auch viel über mich, die Menschen um mich und die peruanische Kultur gelernt. Peru ist ein wunderschönes Land mit unterschiedlichsten Landschaften und herzlichen Menschen, dass selbst ein paar negative Erfahrung die Erinnerungen nicht schlecht machen können.

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