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China (IFMSA-China)

Radiologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anton , Mannheim

Motivation

Ich habe mich im November für einen Platz im Famulaturaustauschprogramm der bvmd (Scope) beworben. Meine grundsätzliche Motivation war, ein anders Land mit anderer Kultur, aber auch anderem Gesundheitssystem kennenzulernen. Ich hatte mich nicht an erster Stelle für China beworben, sondern dieses Land als Zweitwahl bekommen. Das hat sich allerdings als glücklicher Zufall gezeigt, ich bin sehr froh, nach China gekommen zu sein. Nach der erfolgreichen Bewerbung muss man angeben, in welche Städte man möchte. Ich hatte kaum eine Ahnung von den Städten, ich wollte nur nicht unbedingt in die deutlich westlich geprägten (Riesen-) Städte Peking und Shanghai. Schließlich wurde mir Guangzhou zugeteilt, eine Stadt, deren Name ich ehrlicherweise vorher noch nie gehört hatte, die aber eine der größten Städte Chinas vor den Toren Hongkongs ist. Mit ungefähr 14 Millionen Einwohnern lässt diese Stadt auch auf jeden Fall kein Provinz-Feeling aufkommen, ich hatte die Hoffnung, dass durch die Nähe zu Hongkong Englisch als Sprache weiter verbreitet war, als ich es von Freunden und aus Erfahrungsberichten über andere Städte gehört hatte. Das hat sich ein wenig als Fehlschluss interpretiert, allerdings war man stets von bemühten Menschen umgeben, sodass Kommunikation immer irgendwie geklappt hat. Also: Guangzhou ist genau die richtige Wahl für jemanden, der das typische chinesische Großstadterlebnis sucht, dabei aber nicht ständig an New York oder ähnliches erinnert werden möchte. Dazu sollte man noch sagen, dass mit der Nähe zu Hongkong gerade wegen der politischen Spannung dort (ich war im Sommer 2019 dort) auch Einschränkungen einher gingen. So hatte ich zwar vor, mir Shenzen (die berühmt-berüchtigte „Silicon valley“-Stadt direkt an der Grenze zu Hongkong, die erst innerhalb der letzten Jahrzehnte vom Dorf zur 6-Million Stadt aufgeblüht ist) anzuschauen, allerdings habe ich das im Anbetracht der Situation abgesagt. Nichtsdestotrotz kann ich Guangzhou nur empfehlen, es hat alles geboten, was ich von dem Famulaturaustausch wollte.
Mit der Ortswahl geht auch eine Wahl der fachlichen Ausrichtung der Famulatur einher. Ich wollte ursprünglich traditionelle chinesische Medizin (TCM) ausprobieren, allerdings wurde mir auch hier meine Zweitwahl zugeteilt, ich kam in die Radiologie. Damit war ich auch zufrieden, man kommt sowieso mit TCM in Berührung in China, wenn man es möchte. Als ich dann aber vor Ort noch einmal endgültig von den lokalen Exchange officers zugeteilt wurde, kam ich allerdings in die Strahlentherapie. Insgesamt war ich im Nachhinein glücklich mit der Auswahl, vor allem weil ich feststellte, dass TCM von meinem Landesprüfungsamt gar nicht als Famulatur anerkannt worden wäre.

Vorbereitung

Als generelle Vorbereitung habe ich den Reiseführer von lonely planet gelesen, gerade zur Reiseplanung findet man dort viele wichtige Hinweise und Tipps. Außerdem ist frühzeitig die Auseinandersetzung mit den Visum-Möglichkeiten zu empfehlen!

Visum

Nachdem ich meine Zusage bekommen hatte, konnte es losgehen mit der Planung. Der wohl wichtigste Schritt ist die Beantragung eines Visums. Ich beantragte ein exchange visum (F), das für 60 Tage ausgestellt wurde. Das im Nachhinein wichtigste dafür war, sich schon früh um ein Einladungsschreiben aus China zu kümmern, in dem das Wort „exchange“ vorkommt (und nicht, wie standartgemäß, „clerkship“). Dann beantragt man das Visum bei einer ausgelagerten Stelle, die nicht der chinesischen Botschaft entspricht. Diese prüft den Antrag dann formal und gibt ihn an die Botschaft weiter, die dann die inhaltliche Prüfung übernimmt. Das Ganze darf man nicht zu früh beantragen, da das Visum dann ab dem Tag der Ausstellung innerhalb von 3 Monaten anzutreten ist. Allerdings dauert die formale Prüfung ca. 2 Wochen, sodass man es auf keinen Fall auf den letzten Drücker machen sollte.

Gesundheit

Neben dem Visum habe ich mich im Vorhinein um Reiseimpfungen gekümmert, einiges benötigt dann eine zweite Impfdosis im Abstand von einem Monat. Guangzhou liegt im Süden Chinas, deshalb habe ich mich für Japanische Enzephalitis, FSME und Meningokokken a, c, w, y sowie b. Zur Überlegung stand noch Typhus, allerdings habe ich mich dann dagegen entschieden, da es schon relativ kurz vor Abreise war. Außerdem wollte ich mich getreu des Leitsatzes „cook it, peel it or leave it“ von frischem Obst eher fernhalten.

Sicherheit

In China habe ich mich sehr sicher gefühlt, überall findet man Überwachungskameras und an allen wichtigen Orten Polizeikontrollen. Auch die Chinesen selber vermitteln dieses Bild, ich wurde stets schräg angeschaut, wenn ich am Bahnhof andere Menschen gefragt habe, kurz auf mein Gepäck zu schauen, um auf Klo zu gehen oder ähnliches. Es ist einfach ganz normal, dass man auf Schritt und Tritt im Visier der Kameras ist. Im größeren Sinne hatte ich zumindest Respekt vor der Situation in Hongkong, allerdings hat man davon im 150km entfernten Guangzhou nichts mitbekommen, man musste auf ausländische Medien zurückgreifen, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Geld

Grundsätzlich kann man sagen, dass man mit Bargeld in China gut zurecht kommt. Am weitesten verbreitet sind allerdings online-Bezahlmethoden via Apps (wechat-pay bzw. alipay), als Ausländer kommt man allerdings nur schwer daran, weil man dafür ein chinesisches Konto benötigt. DIe Lebenshaltungskosten sind deutlich unter mitteleuropäisches Niveau, nur die großen Ketten, die man eher aus den USA kennt, verlangen hohe Preise.

Sprache

Ich konnte sozusagen kein Wort Chinesisch vor dem Abflug, ich hatte mir nur für den Flug eine App heruntergeladen, mit der ich die ersten Wörter lernte. Es ist sicher nicht notwendig, perfekt Chinesisch sprechen zu können, aber gerade auf Station ist man doch sehr eingeschränkt und auf die helfende Zuwendung der ÄrztInnen und Studierenden angewiesen. Allerdings empfinde ich gerade Chinesisch als sehr schwer außerhalb Chinas erlernbar, man muss sich – soweit ich das mit meinen eingeschränkten Fähigkeiten beurteilen kann – sehr in die Sprach einhören, eine leicht unpräzise Aussprache führt schnell zu Miss- und Unverständnissen. Für mich war es der gangbarste Weg, einfach wenige Wörter vorher zu lernen und mich mit Wörterbuch und Übersetzungs-Apps durchzuschlagen.

Verkehrsbindungen

Man kann mit dem Flugzeug direkt nach Guangzhou fliegen, zurück bin ich von Peking geflogen, weil ich noch duch das Land reisen wollte. Innerhalb Chinas reist man am besten mit dem Zug, die Verbindungen sind deutlich besser, als man es aus Deutschland gewöhnt ist.

Kommunikation

Der letzte Schritt vor Abreise war die Kommunikation mit den Verantwortlichen vor Ort. Das hat gut geklappt, allerdings hat die für mich zuständige Person kurz vor Abflug noch einmal gewechselt, weil die ursprüngliche selbst einen Austausch gemacht hat. Schnell wurde mir das chinesische whatsapp-Korrelat „WeChat“ vorgeschlagen. Ich wollte das allerdings erst in China einrichten, da ich dort auch eine eigen Simkarte mit Internetzugang haben wollte. Darum hatte ich mich schon vorher gekümmert und eine Simkarte von unicom bestellt. Das ist allerdings nicht zu empfehlen, es kostet deutlich mehr für eine geringere Datenmenge als sich die Simkarte einfach vor Ort zuzulegen. Dazu kommt noch, dass man die Simkarte erst in chinesischem Netz aktivieren konnte, ich konnte also genau gar nichts mit dieser Simkarte anfangen. Als ich dort war, habe ich sehr schnell meine Karte gegen eine neue getauscht, die mit 20GB Datenvolumen pro Monat für alle Videotelefonate locker gereicht hat. Auch preislich war das mit 100rmb (das sind ca 14 Euro) pro Monate sehr gut machbar. Das mobile Netz ist momentan in China um einiges besser ausgebaut als in Deutschland, mit dieser Option muss man gar nicht mehr auf herkömmliche Telefonverbindungen zurückgreifen. Im Kopf haben sollte man, dass in China die meisten Kommunikationplattformen (wie auch viele Internetseiten wie z. b. Wikipedia) gesperrt sind. Dafür sollte man sich noch in Deutschland einen VPN einrichten, ich habe mich für NordVPN entschieden, der allerdings dann in China gar nicht funktioniert hat. Zum Glück konnte ich auf den VPN meiner Universität zurückgreifen, das war dann zwar etwas langsam, hat aber immerhin funktioniert.

Unterkunft

Die nächsten vier Wochen sollte ich hier in einem alten Wohnheim auf dem Klinikumsgelände verbringen. Es war ein Zimmer mit zwei Hochbetten, bei denen unten ein Schreibtisch und ein Kleiderschrank untergebracht waren, sowie einem Kühlschrank und einer Klimaanlage. Sehr schnell merkt man, dass gerade diese vermeintliche Kleinigkeit extrem wertvoll ist, denn in Guangzhou herrscht ein subtropisches Klima vor, es ist zu jedem Zeitpunkt schwül und heiß. Gerade wegen der hohen Luftfeuchtigkeit sind die gefühlten Temperaturen noch um einiges höher als die tatsächlichen, wir hatten des Öfteren gefühlte Temperaturen um die 45°C. Woran ich mich auch gewöhnen musste, waren die dünnen Matratzen und das ständig drohende Unheil der Bettflöhe (ich erfuhr in den ersten Tagen, dass vor mir in dem Zimmer einen andere Austauschstudentin gewohnt hatte, die eines Morgens mit vielen roten Flohbissen aufgewacht war und sofort Reißaus in ein Hotel in der Nähe genommen hatte, allerdings sich auch um das gründliche Putzen des gesamten Zimmers gekümmert hatte). Die Küche, die durch eine Glastür vom Rest des Zimmers abgetrennt war, war völlig eingenommen von einer Waschmaschine, die so aussah, als sei sie etwas fehl am Platze. Schnell fand ich heraus, warum sie dort platziert war: Es gab zwar einen Wasseranschluss für sie (in Form der Spüle), allerdings wurde das ganze schmutzige Wasser einfach von einem viel zu kurzen Rohr auf den Boden ausgespuckt, sodass bei jeder Wäsche die ganze Küche überschwemmt war. Ich war aber sehr froh, überhaupt eine Waschmaschine zu haben, so konnte man regelmäßig auch Bettlaken und anderes waschen. Und die Küche habe ich so gut wie nicht benutzt, da man sehr gut und für wenig Geld außerhalb essen konnte. Von der Küche aus gelangte man noch in das Bad, das eigentlich nur aus einer Toilette (immerhin kein Hock-Klo) bestand, über der ein Duschkopf hing. Nach einigen Tagen fand ich heraus, dass oben in der Decke des Bades ein Loch war, durch das die Arbeiter, die im Stock über meinem Zimmer Tag und Nacht alles renovierten, fröhlich allen Bauschutt, der durchpasste, entsorgten. Hier stellte sich der Duschkopf als Heilsbringer heraus, man konnte mit ihm ganz lässig den ganzen (sehr kleinen) Raum abduschen. Das beste an der ganzen Wohnung war die Tatsache, dass ich sie nicht für mich alleine hatte. Ich teilte sie mir mit einem anderen Austauschstudenten aus Kairo, der allerdings den research exchange (Score) machte. Er war schon einige Tage vorher angereist und hatte auch schon Kontakte geknüpft zu einigen anderen Austauschstudierenden. Diese Gruppe sollte meine ganze Zeit in Guangzhou begleiten, auch auf der Reise danach bin ich mit einigen von ihnen zusammen gereist. Sie setzte sich hauptsächlich aus Medizinstudierenden zusammen, die zwar das ganze Studium in Guangzhou absolvierten, allerdings selber nicht aus China kamen. Viele waren aus Indien, Pakistan oder Zentralafrika und konnten sehr gut Englisch (eine Fähigkeit, die ich schnell zu schätzen lernte) aber eben auch Chinesisch, was die Kommunikation vor Ort sehr erleichterte. Denn die meisten Chinesen, die ich getroffen habe, hatten zwar Englisch in der Schule gelernt (und gerade auch die Medizinstudierenden waren eifrig dabei, papers auf Englisch zu lesen), konnten sich aber nur sehr eingeschränkt ausdrücken. Das hat meiner Meinung nach vor allem damit zu tun, dass sie kaum Englisch hören und sich Chinesisch doch weitaus mehr als das Deutsche vom Englischen unterscheidet.

Literatur

Besonders für das Reisen kann ich nur den lonely planet Reiseführer empfehlen, neben detaillierten Beschreibungen der Städte und verschiedener Reiserouten enthält er auch einen kurzen Abriss zur chinesischen Geschichte, der sich als nützlich erwiesen hat. Daneben ist die Seite travelchinaguide.com zu empfeheln, hier kann man ganz leicht alle Zugtickets buchen, man muss die Tickets dann nur noch am Schalter mit einem Reisepass abholen.

Mitzunehmen

Wichtig mitzunehmen fand ich im Nachhinein einen eigenen Bettbezug. Den Tip hatte ich von dem local exchange officer bekommen, es ist einfach deutlich angenehmer, wenn man weiß, dass man das selber gewaschen hat. Es verbraucht zwar viel Platz im Rucksack, ich hatte allerdings beschlossen, einen uralten Bettbezug mitzunehmen und ihn dann dort zu lassen. So hatte ich gleichzeitig auch ein wenig Platz gewonnen, um Andenken oder ähnliches aus China mitzunehmen.

Reise und Ankunft

Ich kam an einem Sonntag an, kurz bevor am nächsten Montag dann auch meine Famulatur anfangen sollte. Ich konnte das leider nicht anders legen, da ich noch am Freitag Klausuren in Deutschland hatte. Prinzipiell ist es natürlich eher zu empfehlen, sich einige Tage Eingewöhnung an die Zeitumstellung und das Klima zu gönnen und die Umgebung ein bisschen zu erkunden, bevor es losgeht. Allerdings hat gerade der harte Umstieg in die neue Zeitzone mir geholfen, nicht lange damit kämpfen zu müssen. Man merkt aber natürlich, dass man in den ersten zwei Wochen jeden Morgen noch sehr müde ist. Nach Ankunft wurde ich von dem local exchange officer am Flughafen abgeholt und zu meiner Unterkunft gebracht.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wie schon gesagt, sprachen die meisten Chines*innen, denen ich begegnet bin, wenig Englisch. Der mir zugeteilte Arzt in der Strahlentherapie war hier allerdings eine Ausnahme: Er war sehr motiviert und auch bewandert darin, mir alles auf Englisch zu erklären. So saßen wir stets in den Frühbesprechungen nebeneinander und er hat live das meiste übersetzt. So konnte ich auch ohne chinesische Sprachfertigkeiten an dem Umgang mit Patienten teilnehmen. Der typische Tagesablauf war ähnlich wie ich es aus deutschen Krankenhäusern kennengelernt habe: Nach der Frühbesprechung, die stets auch eine Art statistischer Zusammenfassung der Patientenzahlen involvierte, wurde Visite gemacht, einmal pro Woche mit dem Chefarzt (der wiederum kaum Englisch konnte, mir aber trotzdem das Gefühl gab, sehr willkommen zu sein und mich kurz vor Ende meiner Zeit dort auch zum Abendessen einlud). Danach wurden in der Ambulanz vor allem wohlbekannte Patienten behandelt. Nach dem Mittagessen in der wurde vor allem die Dokumentation vorgenommen, sodass mein Arzt mir schnell zu verstehen gab, dass es nachmittags für mich kaum etwas zu tun gab und ich mir eher in Ruhe die Stadt und die Menschen anschauen sollte. Fachlich setzte ich mich während meiner Famulatur vor allem mit den unterschiedlichen Tumorarten, meist ihren fortgeschrittenen Stadien und der entsprechenden Radiochemotherapie auseinander. So war mein Arzt für die Gehirntumoren zuständig, in den ersten zwei Wochen sah ich einige wohl sehr seltene Unterarten, da das Nanfang Hospital in Guangzhou eines der größeren Zentren Chinas für solche Tumoren ist. Im Anschluss rotierte ich für jeweils einen Tag durch alle anderen Untergruppen der Strahlentherapie durch, sodass ich am Ende ein gutes Bild nahezu jedes Tumors, der mit Radiotherapie behandelt wird, hatte. In den letzten Tagen hatte ich noch die Möglichkeit, bei einer Operation durch die Neurochirurgen dabei zu sein. Gerade hier fielen etwas andere (Hygiene-)Standards auf, so war zum Beispiel die Tür des Operationssaals die meiste Zeit offen. Gelernt habe ich vor allem, die unterschiedlichen Symptome fortgeschrittener Tumoren und Nebenwirkungen der Radiochemotherapie einzuschätzen und anzugehen.
Das Gesundheitssystem in China basiert auf einer Pflichtversicherung, die allerdings in verschiedenen Teilen des Landes verschiedene Leistungen übernimmt. Grundsätzlich gibt es immer eine prozentualen Selbstkostenbeitrag, der allerdings von Fach zu Fach unterschiedlich ausfällt. So gab es in der Strahlentherapie durchaus Fälle, in denen nur eine weinger aufwendige Berechnung des Strahlenganges durchgeführt wurde, weil der Patient die teureren Programme nicht bezahlen konnte - das ging dann natürlich mit einer erhöhten Rate an Nebenwirkungen einher. Ebenso auffällig empfand ich, dass grundsätzlich ein Angehöriger für den Patienten entscheidet. So gab es mehrere Patienten, die nichts von ihren Diagnosen wusste, weil die Angehörigen gegen eine Aufklärung entschieden hatten.

Land und Leute

An die Nachmittagsempfehlung meines betreuenden Arztes hielt ich mich auch, so konnte ich die meisten Museen und Sehenswürdigkeiten besuchen. Trotzdem aß ich zumeist in der Mensa zu Mittag. Es gab ein breites Angebot aus der chinesischen Garküche, allerdings nicht immer eindeutig als vegetarisch zu identifizieren. Ich habe schnell meinen Lieblingsstand mit einer Art gebratenem Reis aus dem Schnellkochtopf gefunden, außerdem gab es immer auch Melone und andere Obstarten dort. Allgemein ist es in China eher unüblich, sich vegetarisch zu ernähren. Besonders gut geht es allerdings in buddhistischen Restaurants (hier gibt es meist eine Art vegetarisches Buffett, teilweise auch vegan) oder in muslimischen Restaurants, die gebratenen Reis mit Ei anbieten, der keine Überraschungen enthält. Bald fand ich auch heraus, dass man in der Mensa auch gut frühstücken konnte, es gab einen auch für chinesische Preisverhältnisse sehr billigen Reisporridge. Meine chinesischen Ansprechpartner gaben mir für die Mensa eine schon mit Geld beladene Karte, mit der man täglich dort essen konnte.
Nach 4 Wochen Famulatur hatte ich geplant, 3 Wochen durch China zu reisen. Ich war noch nie zuvor in China gewesen und wollte deswegen so viel wie möglich entdecken und auch die großen, bekannten Touristenattraktionen nicht auslassen. Ich hatte meinen Rückflug von Peking aus geplant (also deutlich weiter im Norden als Guangzhou), sodass ich einiges an Strecke zurücklegen musste. Um mir nicht die Chance zu nehmen, mit Leuten zu reisen, die ich während der Famulatur oder danach traf, hatte ich von Deutschland aus noch nichts weiter gebucht. Das stellte sich als genau die richtige Entscheidung heraus, ich bekam vor allem von den chinesischen und internationalen Studierenden viele gute Tipps, wo man am besten hinfährt. Gereist bin ich schlussendlich immer mit dem Zug, das geht in China sehr viel pünktlicher als in Deutschland. Innerhalb der letzten 20 Jahre hat China sein Hochgeschwindigkeitsnetz deutlich ausgebaut, man kann sehr schnell lange Strecken zurücklegen. So bin ich von Xian nach Peking innerhalb von 5 Stunden gefahren und habe dabei eine Strecke von 1300km zurückgelegt. Man kann aber auch hervorragend die (etwas billigeren) langsamen Züge nehmen, vor allem über Nacht geht das sehr gut, man spart sich sogar das Geld für die Übernachtung und schläft vom ständigen Wiegen des Zuges eingelullt auch wirklich nicht schlecht. Einziger Nachteil in diesen Zügen war das nicht eingehaltene Rauchverbot, der ganze Zug roch stets stark nach Rauch. Ansonsten habe ich immer in Hostels übernachtet, dort trifft man eigentlich sofort andere Reisende und man kann sich kurzfristig zu Gruppen zusammenschließen.
Meine Reise begann mit dem kleineren Städtchen Guilin und dem Dorf Yangshuo ganz in der Nähe. Von Guangzhou aus sind es ca. 3,5 Stunden mit dem Zug, man findet dort jene wunderbare Karstlandschaft, die immer vor meinem Auge auftauchte, wenn ich an die Landschaft in Südchina dachte. Man kann dort ganz hervorragende kleine Elektroroller mieten und auf die umliegenden Berge steigen, auch für Kletterer ist hier das Paradies Chinas. Auch der nächste Schritt meiner Reise war in die Berge: In Zhangjiajie etwa 12 Stunden (mit dem Nachtzug) nördlich von Guilin finden sich die Landschaften, die man aus dem Film „Avatar“ kennt. Jene Schornstein-artigen Felsformationen erklimmt man jedoch aufgrund ihrer Bekanntheit anfangs nur mit dem Aufzug oder der Seilbahn zusammen mit mehreren tausend anderen Touristen (die Gegend ist in China sehr bekannt und deswegen touristisch ausgeschlachtet). Man kann aber auch etwas abseits der klassischen Routen alle Nationalparks auch zu Fuß erkunden, um ihre versteckten Schönheiten zu entdecken. Nach diesen Wanderungen war es Zeit für kulturelle Schwerpunkte, meine nächste Station war Shanghai, eine Stadt, die mit ihren unglaublichen Häuserschluchten einen deutlichen Kontrast zu der Berglandschaft bieten konnte. Am eindrücklichsten fand ich aber hier die Einfahrt mit dem Zug in die Stadt: Schon 2 Stunden vor Ankunft gräbt sich der Zug durch Hochhäusermeere, die immer wieder kurz unterbrochen werden von einigen Reisfeldern. So etwas wie eine europäische Vorstadt mit Reihenhäusern findet man gar nicht, gewohnt wird in großen Hochhäusern. Shanghai selbst hat neben dem Großstadtfieber vor allem Museen und Kunstgalerien zu bieten, ich konnte aber auch bei einer klassischen Teezeremonie dabei sein. Nach Shanghai ging es nach Xian, einer alten Kaiserstadt im Westen, wo sich die berühmten Terrakotta-Armeen finden. Auch diese Sehenswürdigkeit ist sehr touristisch, trotzdem finde ich, dass sich ein Besuch hier sehr lohnt: Jede von den 2000 ausgegrabenen Figuren ist lebensgroß und individuell gestaltet. Man findet auch andere Ausgrabungsstätten in der Nähe Xians, die etwas kleiner und eher kulturelle als kriegerische Gegenstände zeigen. Um den Ort als archäologischen Teil der Reise perfekt zu machen, findet sich noch eine Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, auf der man prima mit dem Fahrrad den Sonnenuntergang genießen kann. Als letzten Teil meiner Reise besuchte ich Peking. Der Name der Hauptstadt („Bejijng“) bedeutet eigentlich nördliche Haupt-(Residenz-)Stadt, und je weiter man nach Norden kam, desto mehr konnte man die klimatischen Unterschiede bemerken. Hier herrschte eindeutig kein subtropisches Klima mehr vor, sondern eher ähnliche Temperaturen wie in Deutschland. Die Stadt bereitete sich gerade mit dem ganzen Rest des Landes auf das 70-jährige Jubiläum der Staatsgründung durch Mao vor: Ich erfuhr, dass die Kohlekraftwerke in der Nähe schon seit einiger Zeit abgestellt worden waren, die Wetterbedingungen am entscheidenden Tag sollten dadurch verbessert werden, dass Nitrat-Partikel in der Atmosphäre die Wolken abregnen lassen und die polizeiliche Präsenz war deutlich in jeder Metrostation und jedem Platz sichtbar. Trotzdem konnte man die weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie die Verbotene Stadt oder den Sommerpalast des Kaisers genießen, gerade weil sich die Menge der Besucher in der Größe der Anlagen verlief. Von Peking aus kann man sehr gut im Rahmen eines Tagesausfluges die chinesische Mauer besteigen, auch hier kann man mit ein bisschen Beinarbeit die modernisierten, für Touristen hergerichteten Teile schnell hinter sich lassen und auf den alten Botenrouten von Wachturm zu Wachturm wandern und sich darüber wundern, dass das Gebäude unter einem tatsächlich bis in die Mongolei reicht.

Fazit

Als wichtigstes möchte ich sagen, dass man auch ohne breite Chinesische-Vorkenntnisse sich in China gut zurechtfinden kann. Gerade die gute Internetanbindung machen eine stete Übersetzungsarbeit mit dem Handy sehr gut möglich. Hier bietet sich „WeChat“ an, das in seiner englischen Version einen Scan-Modus enthält, mit dem man ohne größere Probleme chinesische Schriftzeichen ins Englische übersetzten kann. „WeChat“ ist sowieso zu empfehlen, da darüber fast die gesamte Kommunikation mit den Leuten vor Ort läuft. Dafür braucht man eine Internetverbindung, ich kann nur unicom China empfehlen, für ca. 14 Euro monatlich bekam ich 20GB. Darum muss man sich nicht vor Abflug kümmern, im Flughafen gibt es WLAN, sodass man auch die erste Zeit überbrücken und die Personen finden kann, die am Flughafen schon auf einen wartet. Für das Reisen kann ich wärmsten den Reiseführer von lonely planet empfehlen, obwohl meine Version von 2016 war, habe ich sehr viele schöne Ort damit entdecken könne, auch einen kurzen Abriss über die wichtigsten Eckdaten der chinesischen Geschichte kann man darin finden. Für das Buchen der Hostels in China habe ich booking.com benutzt, das funktioniert auch in China hervorragend. Die Züge habe ich immer über travelchinaguide.com gebucht, man kann die Tickets dann ein paar Tage vorher (oder am Tag der Abreise für den besondere Nervenkitzel) einfach am Schalter des nächsten Bahnhofs abholen. Ich würde auch empfehlen, sich frühzeitig (d.h. ab 3 Monaten vor Abreise) um das Visum zu kümmern, am besten schreibt man direkt nach Erhalt der Famulaturbestätigung durch die ifmsa einfach eine email mit dem Anfragen für einen invitation letter mit dem Wort „exchange“ anstatt „clerkship“ an die Verantwortlichen bei der Organisation. Im Nachhinein lohnt es sich, einen Schirm mit nach Guangzhou zu nehmen (oder dort einen zu kaufen). Gerade an sehr sonnigen Tagen ist es sehr angenehm und in China weit verbreitet, nur unter einem dunklen Schirm nach draußen zu gehen.

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