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Taiwan (FMS Taiwan)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Nachdem ich vor eineinhalb Jahren bereits einmal an einem über die bvmd vermittelten Austausch teilgenommen und gute Erfahrungen gemacht hatte, war meine Motivation groß, diese Erfahrung noch einmal machen zu dürfen. Dieses Mal wollte ich in eine Region der Welt, in der ich zuvor noch nicht gewesen war. Aufgrund der guten Erfahrungsberichte und der Tatsache, dass man dort gut herumreisen kann, entschied ich mich dazu, mich für Taiwan zu bewerben.

Vorbereitung

Da ich bereits an einem Austausch teilgenommen hatte und selbst LEO in meiner Lokalvertretung bin, war ich mit dem Bewerbungsablauf bereits vertraut und habe mich regulär im Wintersemester auf einen Platz für den Sommer beworben. Zum Ende des Jahres, also ungefähr sechs Monate vor dem Austausch, bekam ich die vorläufige Zusage, woraufhin ich dann auch gleich den Fahrtkostenzuschuss beantragt und glücklicherweise auch bekommen habe. Für die Card of Dokuments waren noch einige weitere Dokumente notwendig, z.B. ein Tuberkulintest und ein Empfehlungsschreiben, wobei hier ein allgemeines vom Dekanat völlig ausgereicht hat.
Pünktlich acht Wochen vor Abreise kam dann auch die Card of Acceptance und ich erfuhr, dass es für mich an das NDMC in Taipei in die Rheumatologie gehen würde. Taipei war mein Erstwunsch und als Fächerwünsche hatte ich einige Disziplinen aus der Inneren angegeben, wobei Rheuma nicht dabei war. Daraufhin buchte ich meinen Flug und schrieb meine Contact Persons an. Es gab auch schon eine Facebook-Gruppe, mit den Incomings, die über den Sommer an den verschiedenen Kliniken in Taipei sein werden und auch für das Social Program in Tainan und Kaosiung konnte ich mich bereits im Vorfeld anmelden.

Visum

Mit einem deutschen Pass benötigt man für die Einreise kein Visum, man muss allerdings eine Einreisekarte ausfüllen, wofür man die Adresse der Unterkunft bereithalten sollte.

Gesundheit

Für die Upon Arrival Documents mussten ziemlich umfangreiche Titerbestimmungen gemacht werden, neben den auch bei uns üblichen (HBV, HCV, HIV) z.B. auch Varizellen und ein TPHA.
Außerdem benötigte man einen Tuberkulintest. Eigentlich war auch ein Thorax-Röntgen gefordert, den ich aber nach dem negativen Tuberkulintest nicht gemacht habe und wurde in der Klinik dann auch nicht mehr danach gefragt.
Außerdem ist noch erwähnenswert, dass im Sommer im Süden der Insel Fälle von Denguefieber auftreten.

Sicherheit

Taipei ist wahrscheinlich sicherer als viele Städte in Deutschland, man kann sich problemlos überall bewegen. Was auffällig war, dass wirklich alles videoüberwacht ist. In das Wohnheim kam man erst, nachdem die ID-Card, die wir in der Klinik bekommen haben, dafür freigeschaltet wurde.

Geld

Die Währung heißt New Taiwan Dollar (NTD). Der Wechselkurs von Euro zu NTD war zu der Zeit meines Austausches ungefähr 1:35. Ich konnte Bargeld mit meiner Kreditkarte am Geldautomaten, allein in der Klinik gab es mindestens drei, abheben und habe dann überwiegend bar bezahlt. Natürlich sollte man sich vorher erkundigen, ob und ggf. welche Gebühren fällig werden. Euros hatte ich nur sehr wenige dabei. Meine CPs wollten unbedingt mit mir Geld in der Wechselstube am Flughafen tauschen, was ich dann auch gemacht habe. Im Nachhinein war das allerdings unnötig.
Die Preise sind im Allgemeinen etwas günstiger oder gleich wie in Deutschland.

Sprache

Die offizielle Sprache ist Chinesisch wobei Langzeichen verwendet werden. Überwiegend ältere Menschen sprechen auch Taiwanesisch. Wichtige Beschriftungen und die Haltestellenansagen in den öffentlichen Verkehrsmitteln sind allerdings auch auf Englisch, sodass man sich allgemein auch ohne Chinesischkenntnisse gut zurechtfinden kann. Auch in der Klinik ist alles auch auf Englisch ausgeschildert und außerdem wird die Dokumentation von ärztlicher Seite auf Englisch geführt, sodass man alle Arztberichte und Befunde lesen kann. Auch in der Lehre finden je nach Fach Veranstaltungen auf Englisch statt, oder die Folien sind auf Englisch. Mit den Patienten wird natürlich Chinesisch gesprochen, allerdings waren alle Ärzte und Studierenden bereit auch Vieles zu übersetzten.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit einem Direktflug mit der Fluggesellschaft China Airlines von Frankfurt nach Taipei geflogen, was ungefähr elf Stunden gedauert hat. Der Flughafen ist etwas außerhalb der Stadt aber mit der MRT, einer Art S-Bahn, sehr gut angebunden. Von meinen Contact Persons habe ich auch eine Easycard bekommen. Diese Karte kann an Automaten an allen MRT-Stationen oder auch in den Convenience-Stores, die sehr verbreitet sind, aufgeladen werden. In Bussen wird die Karte beim Einsteigen an einen Sensor gehalten und der Betrag dann abgebucht. Auch beim Aussteigen, muss die Karte wieder an den Sensor gehalten werden. In der MRT und in den Regionalbahnhöfen gibt es entsprechend Drehkreuze. Auch die Benutzung der Überlandbusse kann mit der Easycard bezahlt werden. Insgesamt ist der öffentliche Nah- und Fernverkehr in Taiwan sehr gut und auch weiter entfernte Ziele können gut erreicht werden. Zum Social Program in Tainan bin ich mit dem Hochgeschwindigkeitzug (HSR) gefahren, was pro Fahrt ungefähr 40€ gekostet hat. Das Ticket habe ich über eine App gebucht und dann im SevenEleven bezahlt. Das war etwas kompliziert, da der Automat auf Chinesisch war, allerdings war die Verkäuferin sehr hilfsbereit. In Taipei ist die HSR-Station im Hauptbahnhof in anderen Städten allerdings teilweise außerhalb des Zentrums in einem speziellen Fernbahnhof, worauf man unbedingt achten sollte (Wir standen am ersten Tag des Social Programs mit elf Leuten am falschen Treffpunkt:))

Kommunikation

Im Vorfeld des Austauschs gab es bereits eine Facebook-Gruppe mit allen Incomings, die über den Sommer in Taipei waren. Generell ist Facebook und vor allem der Messenger sehr verbreitet. Einige Leute haben auch WhatsApp oder Telegram, aber diese sind nicht so üblich. Außerdem ist die Line-App hier sehr verbreitet, die aber bei uns fast gar nicht bekannt ist.
Am Flughafen habe ich mit meinen Contact Persons eine Simcard für 30 Tage mit unbegrenztem Datenvolumen gekauft, was etwas über 30€ gekostet hat. Am Flughafen gibt es auch ein offenes WLAN, das man nutzen kann, bevor die Simcard gekauft ist. Da das Mobilfunknetz überall sehr gut ist, war ich dann überall erreichbar und konnte über WhatsApp auch in Deutschland anrufen.

Unterkunft

Die Unterkunft befand sich in einem Wohnheim für Studentinnen in höheren Semestern und Krankenschwestern direkt auf dem Campus, sodass ich von dort bis zu meiner Station weniger als fünf Minuten laufen musste. Die männlichen Incomings haben in einem identischen Gebäude nebenan gewohnt.
Ich habe mir ein Zimmer mit Bad mit drei weiteren Incomings geteilt. Zum Glück hatten wir eine Klimaanlage, was laut meinen Contact Persons in den Wohnheimen für die jüngeren Studenten nicht der Fall ist. Leider gab es keine Küche, sondern nur einen Wasserspender - auch für heißes Wasser - , Kühlschränke und eine Mikrowelle im Erdgeschoss des Gebäudes, was es schwierig gemacht hat, sich selbst etwas zu kochen. Fertigessen ist allerdings sehr verbreitet und der Klinik gibt es einen Foodcourt mit einem breiten Angebot. Auf dem Stockwerk gab es auch eine Waschmaschine und einen Trockner, die mit einer 10 NTD-Münze benutzt werden konnten.

Literatur

Nachdem klar war, dass ich nach Taiwan reisen werde, habe ich zu Ostern den Lonely Planet und den Fettnäpfchenführer Taiwan geschenkt bekommen. Beide Bücher sind prinzipiell empfehlenswert, aber auch nicht unbedingt notwendig. Ansonsten findet man auf verschiedensten Reiseblogs auch gute Informationen. Da ich in der Rheumatologie famuliert habe und vorher keine Erfahrung in diesem Fach hatte, habe ich mir das Buch Secrets Rheumatology besorgt, da es in Fragenform die Basics der verschiedenen Bereiche der Rheumatologie erklärt und außerdem noch günstiger ist als entsprechende deutschsprachige Titel.

Mitzunehmen

Mein Austausch hat im Juli stattgefunden. Zu dieser Zeit ist es in Taiwan heiß (tagsüber ca. 35°C) und die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch, die Innenräume sind allerdings in öffentlichen Gebäuden in der Regel sehr gut klimatisiert. Deswegen sollte man genug leichte Sommerkleidung, aber auch lange Sachen für die Klinik mitnehmen. Außerdem regnet es manchmal sehr stark, deswegen ist ein Schirm auch Pflicht.
In meiner Klinik gab es keinen speziellen Dresscode und ich habe mir einen Kittel aus Deutschland mitgebracht. Die Studenten tragen dort eigentlich kurze Kittel, aber das hat ja wahrscheinlich bei uns so gut wie niemand. Außerdem sollte man an Sonnencreme mit einem hohen Lichtschutzfaktor und ein Repellent denken.

Reise und Ankunft

Mein Flug ging direkt über Nacht von Frankfurt nach Taipei, wo ich am Flughafen von meinen beiden Contact Persons abgeholt wurde, obwohl es sechs Uhr morgens war. Am Flughafen haben wir dann die Simcard gekauft und etwas Geld in einer Wechselstube getauscht, was allerdings im Nachhinein unnötig war, da man auch an Geldautomaten mit der Kreditkarte Geld abheben kann.
Dann sind wir mit der MRT und dem Bus zur Klinik, die im Bezirk Neihu liegt, gefahren. Dort habe ich dann meine Sachen in das Wohnheim gebracht und dann sind wir ziemlich bald wieder los, um in der Klinik die notwendigen Formalitäten zu erledigen. Dazu musste ich meine Titer und die Angaben in meinem Impfpass nochmal in einem Health Form eintragen und waren dann bei allen möglichen Stellen in der Klinik (z.B. Personalabteilung, Occupational Health, etc.) Danach waren wir noch kurz in meinem Department und haben dort einen Treffpunkt für den nächsten Tag ausgemacht. Insgesamt fand ich den ersten Tag sehr anstrengend, da ich sehr müde war und erstmal mit dem Klima zurechtkommen musste.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am Morgen meines ersten richtigen Tages auf der Station habe ich mich nochmal mit meinen Contact Persons getroffen und bin dann mit ihnen zu meinem Department gegangen, wo ich dann den Praktikumsplan der Studenten, die gerade ihre Rheuma-Rotation gemacht haben, bekommen habe. Danach bin ich dann mit einem Assistenzarzt auf die Station gegangen, wo ein Großteil der Rheumapatienten lag. Die Patienten der Abteilung lagen nicht, wie in Deutschland üblich, alle auf einer Station, sondern waren auf drei Stationen im Haus verteilt. Auf der Station, auf der ich mit den beiden anderen Studenten war, lagen zum Beispiel auch noch hauptsächlich HNO-Patienten.
An den meisten Tagen hat der Tag erstmal mit einem Seminar mit einer Fallvorstellung der Studenten begonnen, was zum Glück meistens auf Englisch war. Zum Anfang der Woche gab es auch immer eine sehr lange Frühbesprechung mit einem Journal Club und der Morbity-and-Mortality-Konferenz. Die Lehre wird dort generell sehr groß geschrieben und es gab dann auch wöchentlich noch ein interaktives Fallseminar über eine Handyapp.

Danach sind wir dann meistens mit dem Oberarzt, einem Assistenzarzt und den Studenten auf Visite zu den Patienten, die von unserem Team betreut wurden, gegangen. Mit den Patienten wurde natürlich Chinesisch gesprochen, allerdings hat zum Glück immer jemand für mich übersetzt. Manchmal waren wir danach noch auf der Intensivstation, in der Notaufnahme oder in der wirklich großen Dialyseeinheit und haben Patienten dort gesehen. Nach der Visite habe ich mir oft im Krankenhausinformationssystem nochmal die Befunde und Arztbriefe der neuen Patienten angeschaut und etwas nachgelesen, da ich von Rheumatologie ja vorher keine Ahnung hatte. Die Nachmittage waren jede Woche unterschiedlich. Eine Woche bin ich zum Beispiel nachmittags noch ins rheumatologische Labor rotiert, was ich sehr spannend fand, da das an meiner Heimatuni nicht vorgesehen ist.

Die Klinik ist sehr groß (ungefähr 1800 Betten) und technisch gesehen auf einem sehr hohen Stand, sowohl was die Diagnostik, als auch die Dokumentation angeht. So hat dort zu Beispiel jeder Miterbeiter und auch die Studenten ein Smartphone, mit dem sie auf das Krankenhausinformationssystem zugreifen und auch Befunde fotografieren und einstellen können.
Auch die Stationen sind modern und gut ausgestattet. Es gibt überwiegend Mehrbettzimmer, wobei die Bettplätze komplett mit einem Vorhang abgetrennt werden können, was für mehr Privatsphäre sorgt. Außerdem gibt es an jedem Bett noch eine kleine Übernachtungsmöglichkeit für Angehörige, da es sehr üblich ist, dass die meiste Zeit jemand beim Patienten ist.

Es gibt in Taiwan eine allgemeine Krankenversicherung für alle Einwohner (NHI), die die meisten Behandlungskosten übernimmt, was allerdings auch zu einer hohen Nachfrage, vor allem im ambulanten Bereich führt, da jeder jederzeit die Ambulanzen der Unikliniken aufsuchen kann. Das führt dann dazu, dass die Sprechstunde des Oberarztes auch mal bis 22 Uhr geht. Generell ist eine hohe Arbeitsbelastung für die Ärzte in Taiwan normal und auch die Studenten im fünften und sechsten Jahr haben schon mindestens einmal in der Woche über Nacht-Bereitschaftsdienst.

Ich weiß nicht, ob das nur für die Rheumatologie gilt, wo ja viele chronisch kranke Patienten betreut werden, aber generell waren die Ärzte sehr mit ihren Patienten und ihren Angehörigen in Kontakt und jederzeit, auch über die Line-App, verbunden.

Land und Leute

Ich muss natürlich zugeben, dass ich auch deswegen den Austausch nach Taiwan gemacht habe, da man dort gut reisen kann. Wir waren jedes Wochenende unterwegs und im Anschluss hatte ich noch ein paar Tage in Taipei geplant.
Während des Austausches haben wir viel mit den Contact Persons unternommen, die aus ganz unterschiedlichen Semestern waren. Mit mir waren noch 13 andere Incomings an dieser Uni, in ganz Taipei waren es bestimmt über 30. Die Studenten am NDMC haben unterschiedliche Hintergründe: Manche zahlen Studiengebühren, andere haben sich hingegen für das Militär verpflichtet oder studieren in einer Art Landarztquote.
Generell sind die Sommerferien dort sehr kurz, sodass einige Studenten auch schon wieder im Semester waren.
Unter der Woche waren wir oft auf den verschiedenen Nachtmärkten in der Stadt unterwegs. Das Essen auf den Nachtmärkten muss man unbedingt erlebt haben :) Es gibt super unterschiedliche Sachen. Da es dort auch im Sommer sehr viel früher und schneller dunkel wird, haben die Abende dort einen ganz anderen Charakter als in Deutschland.
Am ersten Wochenende haben wir zusammen mit einer Contact Person einen Ausflug nach Yilan gemacht, wo wir uns Fahrräder geliehen haben und zwischen den Reisfeldern eine Radtour gemacht haben. Ich bin dann allerdings am Abend wieder zurück nach Taipei gefahren da ich am nächsten Tag für die Must-sees in Taipei mit meinen Contact Persons verabredet war. Dort waren wir dann abends auch auf dem Taipei 101, was super teuer war (ungefähr 20€), sich aber meiner Meinung nach trotzdem gelohnt hat.
Am zweiten Wochenende haben wir uns dann mit Incomings aus den anderen Kliniken zusammengetan und sind nach Jiufen, einer kleinen Stadt an der Küste gefahren. Das ging ganz problemlos mit einem Linienbus und war wirklich super schön, da es eine alte Stadt ist, die ganz malerisch am Hang liegt. Am nächsten Tag waren wir in der Küstenregion noch wandern, was bei über 35°C und einer extrem hohen Luftfeuchtigkeit sehr anstrengend war. Außerdem bestehen Wanderwege oft aus Treppen, die direkt den Berg hochgehen.

Ein Highlight war auch das National Social Program in Tainan und Kaohsiung, mit Incomings aus allen Städten. Fast wäre das Programm wegen eines Typhoons abgesagt worden, aber der hat dann zum Glück doch noch abgedreht. Dort hatten wir ein volles Programm und haben uns Tainan angeguckt und waren dann noch in Kaosiung am Meer.

In den letzten Tagen vor meinem Rückflug war ich dann noch in Beitou, einer heißen Quelle und nochmal in Taipei unterwegs.

Fazit

Ich fande, es war ein sehr schöner Austausch und ich würde ihn jeder Zeit gerne wieder machen und auch an zukünftige Outgoings weiterempfehlen. Vielen Dank an alle, die das Austauschprogramm ermöglichen.

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