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Latvia (LaMSA)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

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Motivation

Für mich stand relativ früh fest, dass ich gern eine Famulatur im Ausland absolvieren möchte, da es mich reizt andere Länder und ihre Gesundheitssysteme kennenzulernen.
Nachdem ich einmal für einen Städtetrip im Baltikum war, ist meine Begeisterung für diese Länder groß. Ich wollte gern mehr als die wunderschönen Altstädte entdecken und Land und Leute kennenlernen. So entschied ich mich für einen Austausch in Lettland mit den Gedanken, dass es eine tolle Möglichkeit ist, das Land zu entdecken. Auf der Karte ist es gar nicht so weit entfernt, aber ich wusste doch so wenig über das Leben und die lettische Kultur, sodass ich den Austausch als Chance sah, dieses zu ändern.

Vorbereitung

Nach der vorläufigen Zusage durch die bvmd kurz vor Weihnachten, musste ich mich kurz darauf über die IFMSA in Lettland bewerben,um so den Platz zu bestätigen.
Dafür benötigt man die üblichen Dokumente wie den Personalausweis, Passfotos, Krankenversicherung, I-Bescheinigung und zusätzlich Motivationschreiben für die Fachrichtungen, in denen man gerne famulieren möchte. Man hat in Lettland fast alle Fachrichtungen zur Auswahl. Zudem kann man in Zuge dessen eigentlich die Wunschstadt wählen. Dieser Schritt fällt in Lettland weg, da der Austausch lediglich in der Hauptstadt Riga angeboten wird. Es gibt 2 Krankenhäuser auf die alle Incomings aufgeteilt werden. Welchem Krankenhaus man zugeteilt wird, erfährt man in der Card of Acceptance, die 4-6 Wochen vor Beginn der Famulatur versendet wird.
Als Sprache wurde Englisch vorrausgesetzt, lettisch und russisch wurden optional empfohlen. Im Nachhinein würde ich auf jeden Fall bestätigen, dass es sehr hilfreich ist, eine der beiden Sprachen zu sprechen. Lettisch ist schwierig zu lernen und mehr als 1 Wörterbuch, konnte ich nirgendwo finden, aber ein Großteil der Bevölkerung spricht bzw. versteht russisch, sodass auch das sicherlich eine große Hilfe wäre. Allerdings bin ich auch so gut zurecht gekommen und es ließ sich immer jemand finden, der Englisch gesprochen hat. Ich habe keinen Medical English Kurs belegt und nach den ersten paar Tagen, hat man die wichtigen klinischen Begriffe auch so gelernt.

Visum

Da Lettland Mitglied der EU ist, ist es nicht notwendig ein Visum zu beantragen. Ich bin mit dem Flugzeug angereist, sodass lediglich beim Check-In am Flughafen mein Personalausweis kontrolliert worden ist.

Gesundheit

In Vorbereitung auf den Austausch bin ich den Impfempfehlungen gefolgt und habe mich gegen FSME und Hepatitis A impfen lassen. Meine kleine Reiseapotheke mit Schmerzmitteln, Pflaster und den üblichen Dingen hatte ich dabei. Aber hätte es auch alles vor Ort gegeben. Eine Auslandskrankenversicherung habe ich abgeschlossen, aber man ist auch über gesetzliche Krankenkassen versichert.

Sicherheit

Ich hatte weder im Voraus noch zu irgendeinem Zeitpunkt während des Austausch Sicherheitsbedenken. Dass man am Markt oder dort wo viel los ist,vielleicht nicht sein Portemonnaie aus der Tasche gucken lässt, denke ich, ist normal. Mir ist nichts geklaut worden und auch mein Rennrad, dass ich für den Monat dabei hatte, ist unbeschädigt wieder mit nach Hause gekommen.

Geld

In Lettland ist die Währung auch der Euro. Ich hatte sowohl eine Kreditkarte als auch Bargeld dabei. Es gibt an vielen Ecken Geldautomaten, wo man Bargeld, z.T auch kostenlos (je nach Bank) abheben kann. Ansonsten kann man fast überall, auch kleine Beträge mit Kreditkarte bezahlen.
Das Leben ist etwas günstiger als in Deutschland, aber trotzdem teurer als ich es vielleicht erwartet hätte. Die Lebensmittel sind beispielsweise vom Preis her vergleichbar mit Deutschland.

Sprache

In Lettland ist die Landessprache lettisch. Neben lettisch spricht bzw. versteht ein Großteil der Bevölkerung russisch. In der jüngeren Generation sprechen fast alle Englisch. Die älteren Einwohner sprechen nicht immer Englisch, aber nach meiner Erfahrung findet man eigentlich immer jemanden der Englisch spricht. Manchmal hab ich mir mit Zeichen geholfen, aber eigentlich war die Kommunikation im Alltag nie ein Problem.

Verkehrsbindungen

Riga ist super zu erreichen. Aus vielen großen deutschen Städten fliegen die günstigen Airlines wie Airbaltic oder Ryanair mehrmals am Tag nach Riga. Der Flughafen liegt ca. 30 min Busfahrt vom Zentrum entfernt und fährt sehr häufig.
Für den Monat habe ich mir ein Monatsticket für Bus und Trolley (50 Euro) gekauft, was ich jeden Tag genutzt habe. Man kann auch einzelene Fahrten oder Sammeltickets kaufen, das kann man frei wählen. Aus Riga gibt es gute Busstrecken in die anderen großen Städte im Baltikum wie z.B Tallinn (ca 4h), Vilnius (4h) oder Kaunas. In Lettland selbst kommt man mit dern Zügen für unter 5 Euro für beide Strecken z.B in die Nationalparks oder zum Strand.

Kommunikation

An vielen Orten in Lettland gibt es freies Wlan (Krankenhaus, Dorm),sodass die Kommunikation via Whatsapp, Facebook etc gar kein Problem war. Die Organisatoren des Austausch waren sehr hilfsbereit und standen für Fragen immer zur Verfügung.

Unterkunft

Mit allen Incomings habe ich gemeinsam im Dorm gewohnt. Es gibt 2er oder 4er Zimmer, die nicht luxuriös sind, aber für einen Monat definitiv in Ordnung. Das Bad teilt man sich mit mehreren Zimmern und die Küche ist für alle gemeinsam. Auch wenn die Sauberkeit darunter gelitten hat, fand ich es ganz toll mit allen zusammen zu wohnen. So hat man vom 1. Tag an Kontakt zu allen anderen und trifft immer jemanden für gemeinsame Unternehmungen.

Literatur

Ich hatte kein Buch dabei und wenn es etwas zu nachlesen gab, habe ich die Dinge im Internet recherchiert.
Meiner Erfahrung hat aber gezeigt, dass es sinnvoll ist, sich vielleicht ein Arzneitmittelpocket oder ein Handbuch für das Fachgebiet, in dem man famuliert mitzunehmen. Die Fachbücher auf den Stationen waren ausschließlich in lettisch oder russisch, sodass man da nicht mal eben was nachlesen konnte.

Mitzunehmen

Die Küche im Dorm ist sehr schlecht ausgestattet, also wenn noch Platz im Koffer ist, kann es nicht schaden, Geschirrhandtücher, Besteck und einfaches Geschirr mitzunehmen. Handtücher sollte man einpacken und ansonsten alles was man auch für einen Urlaub anderswo mitnimmt. Falls man etwas vergessen hat, lässt sich aber auch alles gut vor Ort besorgen.

Reise und Ankunft

Am Flughafen Riga wurde ich gemeinsam mit einer anderen Incoming abgeholt und wir sind gemeinsam mit dem Bus zum Dorm gefahren. Die Lettin hat uns beim Check-In für den Dorm geholfen, das war einfach ein bisschen Papierkram (nur alles ohne englische Übersetzung). Danach haben wir gleich die anderen Incomings getroffen und den Abend gemeinsam verbracht. Mein Praktikum begann 1 Tag später. Wir sind zum Krankenhaus begleitet worden und hatten auch dort beim Papierkram Unterstützung. Jemanden dabei zu haben, der sich auskennt und lettisch spricht, hat das Ganze unheimlich erleichtert.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe den Monat auf der Gynäkologie im Krankenhaus Riga East absolviert. Gemeinsam mit einer Incoming aus Italien, wurde ich einer Fachärztin zugeteilt. Sie hat gut Englisch gesprochen und war eine Ärztin mit viel Routine und Erfahrung. Angefangen haben wir immer morgens um 8.30 und je nach Operationen oder Untersuchungen endete der Tag zwischen 12.30- 14h. Ich bin der Ärztin zu ihren Tätigkeiten gefolgt, d.h war mit im OP und konnte bei Hysteroskopien, Hysterektomien, Entfernung von Ovarialzysten und anderen gynäkologischen Operationen zusehen.
An anderen Tagen war ich bei der Visite dabei, wobei dies wenig Sinn für mich hatte, da ausschließlich lettisch gesprochen wurde und wenig ins Englische für mich übersetzt wurde. Bei den Untersuchungen und beim Ultraschall konnte ich dabei sein und zusehen, aber leider nie selbst einen der Schritte übernemen, was ich mir anders gewünscht hätte. An manchen Tagen konnte ich den Assistenzärzten in die Notaufnahme folgen, was ich sehr spannend fand. Ich konnte die Notfallversorgung kennenlernen und gerade was Differentialdiagnosen angeht, lernen auf welche Symptome es besonders zu achten gilt.
Von großem Vorteil war es für mich, gemeinsam mit einer anderen Incoming auf Station zu sein, da sie weiter im Studienverlauf war und mir viele Hintergründe und Differentialdiagnosen erklären konnte. Daher konnte ich medizinisch gesehen einiges lernen, da ich das Fach noch nicht belegt habe. Auf Nachfrage hat mir auch die Ärztin Dinge erklärt, aber grundsätzlich wurde man recht wenig eingebunden.Es war häufig mehr ein Zusehen und später selbst recherchieren, was Ursachen für die Erkankung sein könnten. Daher würde ich mir wünschen beim nächsten Mal mehr Patientenkontakt zu haben, wobei ich mir bewusst bin, dass dies aufgrund meiner sprachlichen Barriere schwer zu realisieren war. Im Unterschied zu einer Famulatur in Deutschland, wo man vielleicht vom Sinn her auch nicht immer alles versteht, man aber sprachlich folgen kann, habe ich wirklich kein Wort verstanden, wodurch man automatisch immer ein wenig außen vor ist.
Das Gesundheitssystem in Lettland ähnelt dem deutschen, wobei es an vielen Stellen nicht so modern und z.B die Patientenzimmer oder Untersuchungsräume nicht so modern sind wie in deutschen Krankenhäusern. Es fällt einem auf den ersten Blick der Unterschied zwischen renovierten und alten Gebäuden ins Auge.
Mein Eindruck ist, dass die medizinische Ausbildung grundsätzlich ähnlich ist, wobei die Studenten weniger praktische Tätigkeiten übernehmen dürfen

Land und Leute

Nach Feierabend habe ich eigentlich jeden Tag etwas unternommen. Es war toll mit den anderen Incomings die Stadt zu erkunden, abends in einer gemütlichen Bar zu sitzen oder was leckeres Essen zu gehen. Ingesamt waren wir 24 Incomings für den Monat August. Die meisten kamen aus Europa, aber auch aus Ägypten, Marokko und Tunesien waren Leute dabei.
Viele Aktivitäten bzw. Ideen wurden uns vom Social Programm vorgeschlagen. Zu unserem Glück haben wir einen der wärmsten Monate seit langem in Riga verlebt. Für einen Nachmittag am Strand in Jurmala, Kippsala oder eine Radtour war es einfach perfekt. Ich bin in die Nationalparks Kemeri und Sigulda gefahren, habe eine Kanutour gemacht und habe an sonnigen Nachmittagen auch einfach in einem der vielen Parks von Riga gesessesen. Außerdem haben wir über den Monat verteilt verschiede Museen wie z.B das Kunstmuseum oder das KGB Museum besucht. Zu Beginn gab es eine Schnitzeljagd durch die Altstadt und an einem anderen Abend hat jeder landestypisch gekocht. Für Leute, die gern draußen etwas unternehmen waren die Trips in die Nationalparks oder ein Kanufahren genau das Richtige.
Es waren immer verschiedene Incomings dabei, wer wollte war jederzeit herzlich eingeladen. Ich fand es sehr schön so viele neue Leute kennenzulernen und ihre Geschichten zu hören. Wenn man den ganzen Tag zusammen verbringt, sind alle unheimlich schnell miteinander vertraut. An den Wochenenden sind wir gemeinsam nach Vilnius und Tallinn gefahren, wo wir schöne Tage zusammen verbracht haben.
Im Allgemeinen ähnelt der Lebensstandard in Lettland der Situation in Deutschland. Die Infrastruktur ist gut ausgebaut, die Bus und Zugverbindungen in andere Städte sind gut und auch die Radwege sind größtenteils neu und gut zu befahren. Man sieht häufig das Nebeneinander von Neubauten und alten Gebäuden, aber dies bestätigt den Eindruck, dass viel passiert in Riga. Viele dieser Projekte sind EU Projekte, was an den großen Infoschildern davor nicht zu übersehen ist. Der Tourismus födert die Stadt und insbesondere viele Kreuzfahrtschiffe halten in Riga, sodass dann die Gruppen in die Stadt strömen und später mit ihrem Schiff weiterfahren. Außerdem sind viele Radfahrer auf der internationalen Baltikumsroute unterwegs und halten in Riga, was mich immer besonders gefreut hat. Was die wirschaftliche Situation angeht, kann ich nur sagen, dass viele Ärzte mit der Bezahlung unzufrieden sind und daher viele junge Letten, den Wunsch äußern, im EU-Ausland eines Tages arbeiten zu wollen. Das Leben in Lettland ist vielleicht etwas günstiger als in Deutschland, allerdings hätte ich es günstiger erwartet. Eintrittspreise für Museen oder ähnliches sind geringer, aber Monatstickets für den Nahverkehr oder Lebensmittel sind ähnlich teuer wie in Deutschland.
 
Im Alltag habe ich wenig Kontakt zu Einheimischen gehabt, aber ich würde sagen Lettland ist eine freundliche und sehr höfliche Nation. Man muss manchmal den ersten Schritt auf die Leute zugesehen, aber wenn das Eis erstmal gebrochen ist, habe ich sehr freundliche und herzliche Menschen getroffen. Es war spannend über lettische Gerichte und Traditionen zu hören und dann selbst zu probieren.
Sobald man einmal angekommen ist, geht die Zeit echt unglaublich schnell vorbei.

Fazit

Ich kann jedem diesen Austausch nur ans Herz legen. Für mich war es ein Monat gefüllt mit tollen Erfahrungen und vielen Eindrücken. Ich habe Menschen getroffen, die ich gern wiedersehen möchte und ich werde mich gern an diese Zeit zurück erinnern.
Dieser Austausch hat mein Interesse geweckt mehr Länder kennenzulernen und ich würde mich freuen, nochmal meinen Koffer für so eine Erfahrung packen zu dürfen

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