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France (ANEMF)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Eine Auslandsfamulatur wollte ich gerne machen, um neben den medizinischen Erfahrungen auch von einer Verbesserung meiner Sprachkenntnisse zu profitieren. Außerdem eignet sich eine Famulatur im Ausland gut, um einen Blick über den Tellerrand zu erhalten und ein Land besser kennenzulernen. Da ich auf jeden Fall in ein Land wollte, in dem ich die Landessprache zumindest einigermaßen beherrsche, und ich Frankreich schon immer sehr gerne mochte, war die Wahl schnell gefallen.

Vorbereitung

Da Frankreich meine Erstwahl war, habe ich im Vorfeld einen DAAD-Sprachtest in Französisch (zusätzlich zu Englisch) absolviert. So konnte ich die Punktzahl und damit die Chancen bei der Bewerbung verbessern (B1 ist für die Zusatzpunkte ausreichend). Für die Famulatur im August 2018 habe ich im November 2017 meine Bewerbung abgeschickt und im Dezember die Zusage erhalten. Anschließend galt es die Card of Acceptance auszufüllen und die Dokumente hochzuladen. Für Frankreich sind keine außergewöhnlichen Dokumente gefordert – am zeitaufwändigsten waren für mich die Motivationsschreiben auf Französisch für die vier verschiedenen Abteilungen.
Circa zwei Monate vor Famulaturbeginn wurde mir im Invitation Letter mitgeteilt, dass ich nach Besançon gehen werde. Meine Wunsch-Städte waren eigentlich Strasbourg, Toulouse und Montpellier, aber da mir die Städtewahl sowieso schwer fiel, war es für mich auch völlig in Ordnung, nach Besançon geschickt zu werden. Im Invitation Letter standen auch die E-Mail-Adresse des LEO in Besançon sowie meiner Kontaktperson, woraufhin ich beide kontaktierte. Von Beginn an zeigte sich, dass der LEO für die Incomings in Besançon recht unzuverlässig war, allerdings hatte ich großes Glück mit meiner Kontaktperson. Fragen zur Mitnahme von Bettwäsche etc. hat sie mir sofort beantwortet und für mich war es sehr beruhigend, einen Ansprechpartner zu haben.

Visum

Für die Famulatur in Frankreich braucht man als Deutscher kein Visum.

Gesundheit

Für Frankreich sind keine speziellen Impfungen und Untersuchungen gefordert.

Sicherheit

In Besançon hab ich mich immer sicher gefühlt.

Geld

Bezahlt hab ich immer entweder in bar oder mit der Visakarte.

Sprache

Nach meinem Französischabi hatte ich Sprachniveau B2, seitdem habe ich allerdings sieben Jahre lang quasi kein Französisch gesprochen. Um es wieder aufzufrischen, habe ich in den Wochen vor meiner Abreise nochmal ein bisschen Vokabeln und Grammatik gepaukt, Texte gelesen (www.ecoute.de finde ich ganz gut) und mir zwei Bücher gekauft:
- Französisch für Mediziner (Elsevier-Verlag): Sehr praktisch für die Kitteltasche. Zur Vorbereitung ist es hilfreich, sich das Kapitel für das entsprechende Fachgebiet durchzulesen. Vor Ort habe ich des Öfteren im Vokabel- und vor Allem im Abkürzungsverzeichnis nachgeschlagen.
- Français des médecins (Nowela Verlag): Mit DVD für den PC zum Anschauen von kurzen Videos und Übungsaufgaben dazu. Recht gut gemacht, aber zeitaufwändig (ca. 50 Arbeitsstunden, ich hab nur die Hälfte geschafft vor meiner Abreise).
An meinen ersten Tagen in Besançon hatte ich schon Schwierigkeiten, die Franzosen zu verstehen und ordentliche Sätze zu formulieren, aber mit der Zeit wurde es immer besser. Ich hatte immer ein kleines Vokabelheft bei mir, in dem ich neue Wörter aufschrieb. Morgens und abends habe ich immer noch ein bisschen Vokabeln wiederholt. Die anderen Studenten in der Klinik haben mir immer sehr geduldig Wörter erklärt oder meine Grammatik-Fragen beantwortet. Wenn die Franzosen untereinander sprachen, hatte ich allerdings auch am Ende des Praktikums noch zeitweise Probleme mit dem schnellen Sprechtempo und der Umgangssprache.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flixbus von München nach Besançon gefahren, das hat circa neun Stunden (plus zwei bis vier Stunden Zwischenstopp) gedauert und 30-40€ gekostet. In Besançon haben wir Incomings eine Monatskarte zur kostenlosen Nutzung von Bus und Tram bekommen. Da die Stadt nicht allzu groß ist, kann man allerdings auch viel zu Fuß erledigen. Die Klinik ist ein bisschen außerhalb, hierfür ist die Tram praktisch.

Kommunikation

Dank EU-Roaming war die Kommunikation von Frankreich nach Deutschland problemlos möglich. Außerdem konnte ich das WLAN meiner Mitbewohnerin mitbenutzen. Briefmarken für eine Postkarte nach Deutschland kosten derzeit übrigens 1,20€.

Unterkunft

In Frankreich ist man immer bei der Kontaktperson untergebracht, was ich super finde, weil man so sofort Anschluss hat, ständig Französisch spricht und optimal integriert ist. In meinem Fall hatte die Studentin ein eigenes kleines Apartment, das wir uns während des Monats teilten. Um das Frühstück und Abendessen hat sie sich immer total lieb gekümmert und strikt verweigert, dass ich mal was zahle. Mittags konnte ich kostenlos in der Klinik essen. Zur Klinik sind wir immer gemeinsam mit dem Auto gefahren. Mit der Unterbringung war ich sehr zufrieden und hab mich vom ersten Tag an wohl gefühlt.

Literatur

Wie oben genannt, hab ich mir zwei Bücher gekauft für das medizinische Französisch. Zusätzlich wäre vielleicht ein Pädiatriebuch auf Französisch für die Kitteltasche nicht schlecht gewesen, um zu lesen, wenn man mal Leerlaufzeiten hat. Allerdings liegen die entsprechenden Fachbücher ja meist auch auf Station rum.

Mitzunehmen

Für die Klinik habe ich mein Stethoskop mitgenommen. Ein Reflexhammer wär auch nicht schlecht gewesen. Der Kittel wurde von der Klinik gestellt. Die Französinnen in der Klinik waren relativ chic angezogen, meistens Kleider oder Röcke. Lange Hosen oder Turnschuhe wurden nicht gefordert.
Mit Geschenken für meine Gastgeberin hab ich mich ein bisschen schwer getan, weil man in Frankreich ja quasi alles kaufen kann, was es bei uns gibt. Hab mich dann für Radler und Almdudler aus der Dose, Brot und Süßigkeiten entschieden.

Reise und Ankunft

Die Anreise mit dem Flixbus verlief problemlos, meine Gastgeberin hat mich am Bahnhof empfangen. Ich bin einen Tag vor Praktikumsbeginn nachmittags angekommen, so konnten wir an meinem Ankunftstag noch gemeinsam einkaufen gehen und zu Abend essen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe im Hôpital Jean Minjoz in der Pädiatrie famuliert. Dort gibt es eine pädiatrische Notaufnahme, jeweils eine Kinderstation für die internistischen und chirurgischen Fälle, eine hämatologisch-onkologische Kinderstation, eine Neonatologie und eine pädiatrische Intensivstation.
Die Studentin, bei der ich gewohnt hab, hat zufälligerweise im gleichen Zeitraum in der Pädiatrie gearbeitet. Sie war auf der pädiatrischen Notaufnahme, deswegen hab ich mit meinem Praktikum auch dort angefangen. Das war natürlich super praktisch für mich. Gleich am ersten Tag wurde ich sehr nett aufgenommen, sowohl von den Studenten („Externes“) als auch von den Assistenzärzten („Internes“) und den Oberärzten („Chefs de Clinique“). Gemeinsam mit den Externes und Internes konnte ich die Patienten untersuchen und anschließend besprechen. Anfangs hab ich erstmal zugeschaut, dann durfte ich auch selber untersuchen. Die Anamnese musste ich aber nie allein erheben, da war ich auch ganz froh. In der pädiatrischen Notaufnahme war es im August sehr ruhig, weil die Kinder wohl fast alle über die Ferien weggefahren sind. Das war einerseits schade für mich, weil es zeitweise ein bisschen langweilig war, aber andererseits blieb Zeit für ausführliche Besprechungen der Patienten und ich konnte jederzeit Fragen stellen. Auf der pädiatrischen Notaufnahme arbeiteten wir täglich von 8:30 bis 18:00 Uhr.
Der Oberarzt, der für mich zuständig war und wirklich ausgesprochen nett war, hatte mir die Entscheidung überlassen, auf welchen und wie vielen Stationen ich arbeiten möchte. Nach circa anderthalb Wochen entschied ich mich, auf die internistische Kinderstation zu wechseln. Dort hat es mir so gut gefallen, dass ich bis zum Ende geblieben bin.
Auf der Station ging es morgens um 8:45 Uhr mit der Übergabe los, anschließend gingen wir Studenten jeweils mit einem Interne zu deren Patienten. Mittags wurden in einer „tour“ nochmal alle Patienten kurz gemeinsam besprochen. Nachmittags erledigten die Ärzte vor allem bürokratische Arbeiten, wir Studenten fertigten die Perzentilenkurven der Patienten an, schrieben EKGs, führten Impfungen bei den Kindern durch etc. Der Arbeitstag war circa um 16 Uhr zu Ende. Auf der Station hat mir gut gefallen, dass man Kinder im Alter von einigen Monaten bis 18 Jahren mit einem breiten Spektrum an Krankheitsbildern gesehen hat: Nephrotisches Syndrom, Diabetes Typ 1, Anorexie, Hepatitis A, Prader-Willi-Syndrom, Epilepsie, ALS,…Auch auf der Station war die Arbeitsatmosphäre super angenehm. Die Ärzte waren sehr bemüht, mir etwas beizubringen, erkundigten sich immer wieder, ob ich Fragen hatte und integrierten mich in den Stationsablauf. Zwar konnte ich nicht allzu viele Dinge selber machen, aber ich habe trotzdem das Gefühl, Einiges gesehen und gelernt zu haben.

Land und Leute

Besançon hat eine schöne Innenstadt mit hübschen Gebäuden und netten Läden. Die Stadt ist umgeben von kleineren Bergen. Von diesen aus hat man eine schöne Aussicht über Besançon. Wenn man sich in der Stadt ein bisschen aufhält, stellt man fest, dass die Leute ausgesprochen nett und freundlich sind.
Von unserem zuständigen LEO war ich leider etwas enttäuscht. Er war fast während des ganzen Monats im Urlaub auf Mauritius. Zwar versuchte er zeitweise, von dort aus etwas zu organisieren, doch endete dies meistens im Nichts. Eine andere Studentin organisierte netterweise immer wieder mal ein Treffen mit uns fünf Austauschstudenten, zum Beispiel zwei Bar-Abende, ein Picknick und eine kleine Wanderung. Wir besichtigten auch gemeinsam die Citadelle, die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit in Besançon.
Zum Glück habe ich durch meine Kontaktperson und ihre Freunde sehr aufgeschlossene und liebe Menschen kennen gelernt, mit denen ich Unternehmungen machen konnte. So durfte ich zum Beispiel an einem Wochenende zu einem großen Familienfest im Juragebirge in einem kleinen Dorf in der Nähe von Saint-Claude mitkommen, was super schön war. Die ganze Familie war unglaublich gastfreundlich, ich wurde sehr herzlich aufgenommen und durfte das französische Familienleben miterleben. Sie sind mit mir extra zum Chapeau de Gendarme und zum beeindruckenden Lac de Vouglans gefahren, um mir die tolle Landschaft im Juragebirge zu zeigen.
Abgesehen von dem Wochenende im Juragebirge habe ich an den Wochenenden keine anderen Städte besucht, sondern bin in Besançon geblieben, weil ich lieber dort was mit den französischen Studenten unternommen hab oder einfach durch die nette Innenstadt geschlendert bin. Man kann aber natürlich, wenn man möchte, mit dem Bus bzw. Blablacar zum Beispiel für ein Wochenende nach Lyon, Colmar, Strasbourg, Dijon usw. fahren.
Meine Mitbewohnerin kochte des Öfteren französische Gerichte, um mir die unglaublich gute Landesküche zu präsentieren, zum Beispiel eine Quiche, einen Gratin de crozets de Savoie, französische Ente, natürlich aßen wir auch Käse, Macarons, Eclairs,...Sie hat mir sogar zum Abschied typisch französisches Essen gekauft und für Zuhause mitgegeben, super nett! An meinem letzten Abend in der Stadt ging ich mit meiner Kontaktperson und ihren Freundinnen in ein französisches Restaurant, wo wir gemeinsam Fondue aßen.

Fazit

Meine Auslandsfamulatur in Frankreich war eine tolle Erfahrung. Die Länge von einem Monat war für mich für einen Auslandsaufenthalt genau richtig. Zwar waren die Tage in der Klinik oft anstrengend, aber ich konnte Einiges sehen und lernen und wirklich alle in der Klinik waren super nett und jederzeit hilfsbereit. Für mich war das Praktikum eine sprachliche Herausforderung, vor der ich anfangs schon ein bisschen Angst hatte. Letzten Endes bin ich allerdings froh, diese Herausforderung gewagt zu haben, da ich mein Französisch deutlich verbessern konnte. Während meiner Zeit in Besançon hatte ich das Glück, super nette, herzliche und aufgeschlossene Menschen kennen zu lernen. Ich bin mir sicher, mit Einigen den Kontakt zu halten – zwei Studentinnen haben schon ihren Besuch in München geplant.

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