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Oman (SQU-MSG)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Christine, Würzburg

Motivation

Nachdem ich bereits ein Semester in Frankreich studiert habe, wollte ich unbedingt noch ein weiteres Mal ins Ausland. Bewusst habe ich aber bei diesem Austausch nach einem außereuropäischen Land gesucht, um noch einmal einen Einblick in ein ganz anderes Gesundheitssystem sowie eine fremde Kultur zu erlangen. Ich habe viel Zeit mit dem Lesen der verschiedensten Erfahrungsberichte auf der bvmd-Seite verbracht, und dann relativ schnell den Oman als meine 1. Wahl festgelegt. Zum einen weil das Social Program dort zu einem der besten weltweit gehören sollte (kann ich nur bestätigen!), und zum anderen weil ich auch fachlich von dem Austausch profitieren wollte und deshalb nach einem Land gesucht habe, in welchem man Englisch als Hauptkommunikationsmittel im Klinikum verwendet.

Vorbereitung

Meine englischen Sprachkenntnisse habe ich vor dem Austausch nicht noch einmal extra aufgefrischt. Für die normalen Alltagssituationen hat mein Schulenglisch auch völlig ausgereicht und falls ich mal Probleme mit dem medizinischen Vokabular hatte, hat mir die Pons-App auf meinem Handy gute Dienste geleistet, in der ich dann schnell einzelne Begriffe vor Ort nachschlagen konnte. Aus lauter Vorfreude über meine Zusage für den Oman, habe ich auch einige Worte arabisch gelernt. Ich habe mir zwar wirklich nur die absoluten Basics wie Hallo, Tschüss, Bitte und Danke angeeignet, aber über ein Shukran (=Danke) hat sich jeder Omani stets sehr gefreut. Medizinische Fachbücher habe ich keine mitgenommen, sondern habe zum Nachlesen eines Themas immer Amboss benutzt. In meinem Gepäck hatte ich ansonsten noch einen Reiseführer, den ich im Vorfeld bereits durchgelesen hatte, der mir aber vor Ort eher wenig genützt hat. Außerdem habe ich viele Youtube-Videos, Blogartikel und Dokumentation über den Oman angeschaut, um mir erstens die „Wartezeit“ bis zu meinem Austausch zu verkürzen und zweitens einen Eindruck in die arabische Kultur zu bekommen.

Visum

Um das Visum solltet ihr euch bereits im Vorfeld kümmern – man kann das ganz leicht online erledigen. Achtet nur unbedingt darauf, das Visum auf der offiziellen Homepage der Royal Oman Police zu beantragen (http://www.rop.gov.om/english/index.html) – das geht wirklich sehr leicht, und ihr spart euch einiges an Geld als wenn ihr das Visum über private Anbieter beantragt. Ihr müsst euch auf der Website der Royal Oman Police einen Account anlegen und dann einfach den Anweisungen folgen. Für die Beantragung braucht ihr ein Passfoto oder Foto vor einer weißen Wand (das Foto sollte recht aktuell sein) sowie einen Scan eures Reisepasses. Achtet darauf, das Visum nicht zu früh zu beantragen, da ihr nach der Ausstellung des Visums innerhalb von 30 Tagen in das Land einreisen müsst. Bei mir ging die Beantragung auch super schnell – einen Tag, nachdem ich den Antrag über die Homepage online gestellt hatte, war das Visum auch schon per Mail angekommen. Für das 30-Tage-Touristenvisum habe ich 20 Rial bezahlt (also ca. 46 €). Vor Ort kann dieses Visum dann entweder am Flughafen oder bei einer Polizeistation noch einmal um 30 Tage für denselben Preis verlängert werden.

Gesundheit

Mit der Zusage für meinen Austauschplatz Anfang Januar 2019 musste ich innerhalb von knapp zwei Wochen einiges an Dokumenten einreichen – u.a. eine Impfbescheinigung mit folgenden Impfungen (Masern, Mumps, Röteln, Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Hepatitis B + Titer, und Tuberkulose). Es schadet also nicht, sich über seinen aktuellen Impfstatus bereits im Vorfeld mal ein paar Gedanken gemacht zu haben. Da ich nie eine Tuberkulose Impfung hatte, hat mein Hausarzt bei diesem Feld einfach dazugeschrieben, dass in Deutschland eine solche Impfung nicht vorgeschrieben ist und ich diese deshalb nicht erhalten habe. Das hat völlig ausgereicht – zumindest hatte sich das omanische Krankenhaus nie bei mir gemeldet und noch einen weiteren Nachweis angefordert.
Für den Aufenthalt selbst habe ich mir meine übliche Reiseapotheke zusammengestellt – d.h. Pflaster, Desinfektionsmittel, Ibuprofen, Mückenspray und Loperamid. Benötigt habe ich davon außer einer Ibu-Tablette gegen Kopfschmerzen nichts. Aufpassen muss man nur bei den vielen Klimaanlagen im Oman – viele aus unserer Gruppe haben sich erkältet, deshalb empfiehlt es sich auf jeden Fall einen Schal und Halsbonbons (ganz normale aus dem Supermarkt) mitzunehmen. Solche Halsbonbons haben wir nämlich tatsächlich vor Ort nicht gefunden.

Sicherheit

Gefühlt von fast jedem Bekanntem, dem ich erzählt habe meine nächste Famulatur im Oman zu absolvieren, wurde ich als Erstes gefragt: „Ist es denn dort sicher?“. Diese Frage kann ich mit einem "Ja" und ganz vielen Ausrufezeichen beantworten! Der Oman zählt zu einem der sichersten Länder weltweit. Ich habe mich auch als Frau zu keiner Zeit unsicher in dem Land gefühlt. Ich bin auch der Meinung, dass man als Frau problemlos alleine reisen kann. Diebstähle oder Einbrüche sind den omanischen Bürgern auch eigentlich so gut wie fremd. Wenn wir am Strand waren, haben wir oft einfach unsere Sachen (inklusive Handy oder Geld) liegen lassen und es ist nie etwas weggekommen. Wir Austauschstudenten haben auch irgendwann begonnen, anstatt für den Weg zum Strand oder für den Heimweg von der Uniklinik ein Taxi zu bestellen, stattdessen per Anhalter zu fahren. Auch wenn wir hier als Mädels nie alleine in ein Auto gestiegen sind, hatten wir nie Probleme per Anhalter zu fahren und haben immer sehr nette Leute dabei kennengelernt.

Geld

Im Oman zahlt man mit Omanischen Rial (OMR): 1 Rial entspricht ca. 2,4€ - da muss man manchmal aufpassen, nicht zu vorschnell Dinge zu bezahlen, da man ja selten im Ausland „hochrechnen muss“. 1 Rial wiederum sind 1000 Baisa.
Ich habe mir kein Bargeld mitgenommen, sondern mich nur auf meine Kreditkarten verlassen. Ich hatte eine VisaCard der ApoBank dabei, mit der man weltweit kostenlos Geld abheben kann. Direkt neben der Unterkunft gibt es zwei Geldautomaten, ansonsten gibt es auch im Klinikum oder den Einkaufszentren überall Geldautomaten. Manche der Geldautomaten akzeptieren jedoch entweder nur Mastercard oder Visacard – da muss man manchmal sein Glück dann an einem anderen Automaten probieren. Ich habe mir dann vor Ort immer Geld abgehoben und dann aber alles bar bezahlt. Kreditkartenzahlungen werden aber in den größeren Geschäften oder an den Tankstellen auch immer akzeptiert.

Sprache

Die Landessprache ist zwar arabisch, aber man kommt im ganzen Land sehr gut überall mit Englisch weiter. Eigentlich alle omanischen Studenten sprechen sehr gutes & flüssiges Englisch, Speisekarten oder auch Straßenschilder waren immer zweisprachig. Einzig in ganz traditionellen Lokalen ist es uns passiert, dass alles nur auf Arabisch beschrieben war. Aber dann ist immer eine hilfsbereite Person zur Stelle, die einem gerne alles übersetzt. Im Klinikum wird eigentlich immer Englisch benutzt. Frühbesprechungen, Morgenvisiten, Studentenkurse am Patientenbett oder Krankenakten wurden immer auf Englisch geführt – anfangs musste ich mich ein wenig in das Englisch mit indischem Akzent einhören (es gibt sehr viele Ärztinnen und Ärzte aus Indien), aber schon nach ein paar Tagen hat mir das kaum mehr Schwierigkeiten bereitet.

Verkehrsbindungen

Öffentliche Verkehrsmittel existieren leider so gut wie gar nicht im Oman. Es gibt zwar einige Buslinien in der Hauptstadt, aber man braucht mit diesen Verbindungen wirklich ewig um von A nach B zu kommen.
Glücklicherweise sind die omanischen Studenten wirklich die gastfreundlichsten Personen, die ich jemals kennengelernt haben. Irgendjemand hatte immer Zeit uns abzuholen, wenn wir alle gemeinsam etwas unternommen haben.
Ansonsten haben wir anfangs – wenn wir Austauschstudenten nachmittags zum Strand gefahren sind – auch das Taxi benutzt. Da die Taxis im Oman ohne Taxometer ausgestattet sind, muss man normalerweise vor Fahrtbeginn mit dem Taxifahrer über den Preis verhandeln. Dieses Verhandeln kann man sich ersparen (zumal die Taxifahrer bei Touristen meist mehr verlangen als bei Einheimischen), wenn ihr euch die App OTaxi herunterladet. Diese App kann ich euch ganz stark ans Herz legen. Über die App könnt ihr euch direkt ein Taxi zu eurem Standort bestellen, und über das Angebot an Taxis sowie die aktuelle Nachfrage wird direkt in der App auch bereits ein Preis für die angegebene Fahrt berechnet (Prinzip ist ähnlich wie Uber). Die Bezahlung erfolgt zwar noch bar direkt beim Taxifahrer und nicht über die App, aber ihr spart euch erstens das Handeln über den Preis und zweitens ist es sehr praktisch, direkt den eigenen Standort angeben zu können und nicht erst umständlich telefonisch erklären zu müssen, wo man sich denn genau befindet. Ansonsten haben wir – einfach deshalb, weil es so einfach funktioniert – auch schnell damit begonnen per Anhalter zu fahren. In Deutschland fahre ich normalerweise nie mit Anhalter, aber da die omanische Bevölkerung zu Touristen wirklich sehr gastfreundlich ist, mussten wir nie länger als fünf Minuten warten, bis uns jemand mitgenommen hat. Ich würde nur niemals alleine per Anhalter fahren, sondern immer mindestens zu zweit – ein bisschen Vorsicht liegt mir doch in meinen deutschen Genen – aber ansonsten braucht ihr euch hierbei keine Sorgen zu machen.

Kommunikation

Ich hatte mir vor Ort eine omanische Prepaid-Simkarte gekauft. Für 7 OMR habe ich mir ein Monatspaket für Touristen zugelegt. Dies beinhaltete für 30 Tage 3GB Datenvolumen sowie 5 favourite numbers. Hier konnte man 5 omanische Handynummer einspeichern, und diese dann so oft und so lange man wollte kostenlos anrufen. Für die Beantragung dieser Prepaid-Simkarte haben uns die omanischen Studenten geholfen, da man für die Ausstellung unter anderem seinen Reisepass mitnehmen muss – keine Sorge, wenn ihr vor irgendwelchen Problemen oder Schwierigkeiten steht, die omanischen Studenten helfen euch immer weiter! Whatsappcall sowie Skype sind leider außerhalb einer VPN-Verbindung nicht möglich, aber Sprachnachrichten über Whatsapp können problemlos verschickt werden. Falls man mal zu Hause anrufen wollte, haben wir das über Whatsappcall (meist über das Wlan in der Unterkunft um Daten zu sparen) gemacht. Falls einem die 3GB für einen Monat nicht ausgereicht haben, konnte man sich entweder gleich zu Beginn ein größeres Datenpaket kaufen oder auch an der Tankstelle neben unserer Unterkunft weiteres Prepaidguthaben kaufen und damit dann seine mobilen Daten wieder auffüllen.

Unterkunft

Ab Juli 2019 wurden die Austauschstudenten in einem neuen Gebäude der Universität für internationale Studierende untergebracht. Das Gebäude war sehr modern und in einzelne Appartements unterteilt. So habe ich in einem Appartement mit zwei anderen Studentinnen gewohnt (zufälligerweise waren beide ebenfalls aus Deutschland). Jede von uns hatte ihr eigenes Zimmer. Dieses Zimmer war ausgestattet mit einem Bett, einem Kopfkissen, einem Bettlaken, einer Wolldecke, einem Nachtkästchen, einem Stuhl und einem Schreibtisch, einem kleinen Kühlschrank sowie einem Schrank. Und natürlich einer Klimaanlage. Geteilt haben wir uns dann zu dritt sowohl die Küche inklusive Waschmaschine, den Flur mit Wäscheständer sowie ein Badezimmer. An Küchenutensilien waren wir sehr schwach ausgestattet (außer ein wenig Besteck, zwei Backblechen, zwei Töpfen, drei Tassen und ein paar Tellern) war nichts weiter vorhanden, aber ich habe während meines ganzen Aufenthaltes außer einem Kuchen als Abschiedsgeschenk für meine Station, in der Küche auch nichts zubereitet. Ansonsten waren wir selbst für die Sauberkeit in unserem Appartement zuständig – man konnte alles Nötige hierfür in dem Supermarkt nebenan kaufen. Ein großer Pluspunkt war das gut funktionierende WLan. In jedem Appartement war hierfür ein Router installiert, und ich muss auch sagen, dass das WLan sehr gut funktioniert hat!

Literatur

Wie oben bereits erwähnt, habe ich mir eigentlich keine medizinischen Bücher mitgenommen, sondern alles über Amboss auf meinem Smartphone nachgelesen. Da ich dachte, dass es in der Unterkunft kein WLAN gibt, habe ich meinen Laptop daheim in Deutschland gelassen. Den hätte ich mir manchmal herbeigewünscht, um bequemer auf einem größeren Bildschirm Dinge nachlesen zu können.
Ansonsten hatte ich noch einen Reiseführer von Marco Polo dabei, den ich aber für meinen Austausch nicht sonderlich hilfreich fand, da er viele Tipps zu teuren Hotels oder Restaurants enthalten hat.

Mitzunehmen

Ich denke, dass ich ganz gut gepackt habe und trotzdem alles Nötige dabei hatte. Mit OmanAir hat man zwei Gepäckstücke mit insgesamt 30 kg Freigepäck und ein Handgepäckstück frei. Ich habe alles in meinen Backpackrucksack gepackt (14kg) und mir noch eine leere Tasche mitgenommen. So hatte ich dann genügend Platz frei, um meine Souvenirs wieder nach Deutschland transportieren zu können.
Ich habe beim Packen darauf geachtet, luftige Kleidung einzupacken, die auch Schultern und Knie bedeckt. Achtet vielleicht darauf (das habe ich eher weniger gemacht) eher hellere Kleidung mitzunehmen, denn das Wetter war schon noch recht warm im September. Ansonsten würde ich allerdings auch empfehlen, auf jeden Fall eine lange Hose (ich hatte eine Jeans dabei), einen Pulli sowie eine winddichte Jacke mitzunehmen; für diese warmen Klamotten war ich sehr dankbar, da man an einem Wochenende mit den einheimischen Studenten in die Berge fährt und es dort in der Nacht wirklich sehr kalt werden kann. Außerdem hatte ich einen Schlafsack dabei, für den mich alle bei unsere Nacht in den Bergen draußen sehr beneidet haben. Ansonsten könnt ihr in der Unterkunft kostenlos waschen und falls ihr etwas Wichtiges vergessen habt, auch in den Supermärkten nachkaufen. Ich hätte gerne noch ein schickeres Outfit dabei gehabt, da wir an einem Abend in die Oper gegangen sind (das Gebäude ist einfach nur wunderschön – starke Empfehlung meinerseits dort eine Vorstellung zu besuchen). Im Klinikum hatte ich meistens meine Alltagskleidung, meine Nikes sowie einen weißen Kittel an. Ich hatte nicht den Eindruck, dass man sich hierfür besonders schick kleiden muss.
An den privaten Stränden war es auch kein Problem einen Bikini zu tragen, ebenso bei unseren Ausflügen am Wochenende haben wir Bikinis getragen und in den Bergen ist es auch für Mädels absolut in Ordnung kurze Hosen zu tragen. Ansonsten habe ich darauf geachtet, wenn wir abends ausgegangen sind, meine Knie und Schultern zu bedecken – ich habe mir auch oft einfach noch einen leichten Schal über die Schultern gelegt.
Wofür ich dankbar war, dass ich es eingepackt hatte.
- Schlafsack
- Lange Hose – langer Pulli
- Schal
- Kopfbedeckung
- Powerbank
- Adapter
- Schnell trocknendes Handtuch
- Gute Sonnenbrille
- Nikes-Sportschuhe
Was ich gerne dabei gehabt hätte:
- Wasserschuhe
- Ein Paar schickere Schuhe
- Mehr helle Shirts

Reise und Ankunft

Meine Flüge habe ich relativ kurzfristig (ca. 3 Wochen vor Praktikumsstart) gebucht. Ich habe zwar seit meiner Zusage durch die bvmd im Januar 2019 immer wieder mal nach Flügen gesucht, aber da ich noch nicht direkt wusste, wie lange meine Klausuren im Sommersemester gehen und die Direktflüge von München nach Maskat mit OmanAir immer ungefähr gleich teuer waren, habe ich diese erst so kurz vor Praktikumsbeginn gebucht. Günstigere Alternativen anstatt eines Direktfluges sind natürlich Flüge mit Zwischenstopps in Dubai oder Istanbul. Noch günstiger ist es anscheinend (das hatten einige der anderen Austauschstudenten aus Polen oder Rumänien gemacht), einen Flug nach Dubai zu buchen und im Anschluss mit dem Bus von Dubai nach Maskat zu fahren. Dies kann man dann auch sehr gut mit einem Aufenthalt in Dubai verbinden und sich hierbei noch die Stadt anschauen.
Ich jedoch bin von München aus in 6,5 Stunden direkt nach Maskat geflogen. Mit OmanAir sind die Verbindungen meist so, dass man abends in Deutschland startet und dann die Nacht durchfliegt. Somit war ich dann gegen 7 Uhr morgens Ortszeit im Oman. Vom Flughafen hatte mich dann einer der omanischen Studenten abgeholt und direkt zu der Unterkunft gefahren. Ich bin ein paar Tage eher angereist, sodass ich Donnerstagmorgen schon vor Ort war und somit vor Famulaturbeginn am Sonntag (Achtung, im Oman beginnt die Arbeitswoche an einem Sonntag und nicht Montag – das solltet ihr bei eurer Planung beachten) ein paar Tage zur Eingewöhnung hatte. Ich habe die Zeit dann auch mit Leuten aus der Augustgruppe, die alle noch vor Ort waren, verbracht und hatte einfach ein paar freie Tage vor Praktikumsbeginn, um mich einzugewöhnen

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte mich für die Gynäkologie entschieden und bin auch im Großen und Ganzen ganz zufrieden damit. An unserem ersten Tag wurden wir abgeholt und zuerst zum Verwaltungstrakt gebracht, damit wir unsere Krankenhausausweise sowie die Essensmarken für den Monat bekommen. Die Essensmarken waren für den Monat mehr als ausreichend, sodass wir diese immer dazu genutzt haben uns mit Wasser oder Snacks für die Wochenendausflüge aus der Krankenhauscafeteria einzudecken.
Meine erste Famulaturwoche habe ich im Kreissaal verbracht. Im Oman gibt es sehr viele natürliche Geburten, weshalb ich hier die Chance hatte, mir einige davon ansehen zu können. Ab meiner zweiten Woche war ich dann einem Team zugeteilt -diese Teams bestehen (vergleichbar zum medizinischen Ausbildungssystem in z.B. Großbritannien) aus einer festen Gruppe von Ärzten in verschiedenen Stadien der ärztlichen Weiterbildung: Interns (=Ärzte in ihrem 1. Jahr nach dem Medizinstudium – ungefähr vergleichbar jedoch mit PJlern in Deutschland), Residents (=Ärzten in der Facharztweiterbildung), Attendings (=abgeschlossene Fachartzausbildung), Consultants (=Oberarzt) und einem Senior Consultant (=leitender Oberarzt). Diese Teams rotieren in ihrer festen Besetzung immer durch verschiedene Abteilungen innerhalb der eigenen Fachrichtung. So war ich für meine restlichen drei Famulaturwochen dem Team 3 der Gynäkologie zugeteilt, und wir hatten beispielsweise sonntags unseren OP-Tag, montags dann Ambulanzdienst, dienstags Stationsdienst usw. Ich fand dieses Prinzip, einem festen Team zugeteilt zu sein, sehr gut, da dieses Team erstens für einen Studenten verantwortlich ist und ich immer meine festen Ansprechpartner hatten, die mir meine Fragen beantwortet haben und ich zweitens auch alle Bereiche der Gynäkologie sehen konnte.
Insgesamt wird im Oman auch sehr viel Wert auf die medizinische Ausbildung gelegt. Man soll sich also darauf gefasst machen, einige Fragen gestellt zu bekommen. Wenn man allerdings mal etwas nicht wusste, durfte man es nachschlagen oder es wurde einem erklärt. Ich hatte zu dem Zeitpunkt meiner Famulatur Gynäkologie noch nicht als Fach an meiner deutschen Uni und fand es deshalb vor Ort etwas schwierig, da die Gynäkologie & Geburtshilfe doch ein recht weites Feld ist. Ich denke, dass ich mehr fachlich profitiert hätte, wenn ich zumindest die theoretischen Grundlagen im Vorfeld schon beherrscht hätte. Ich würde euch tatsächlich empfehlen, falls ihr die Gynäkologie dort wählen wollt, dies zu machen wenn ihr in Deutschland Gynäkologie schon als Fach hattet.
Ansonsten habe ich mich sehr wohl dort gefühlt! Das Team war sehr nett, haben mich zu verschiedenen Feiern eingeladen und sogar ein riesengroßes Abschlussessen für mich organisiert. Menschlich fand ich meine Zeit dort top, fachlich habe ich leider nicht ganz so viel mitgenommen, da wir tatsächlich insgesamt nur sehr wenige Patienten hatten (es ist vorgekommen, dass ich an einem Vormittag in der Ambulanz tatsächlich nur zwei Patientinnen gesehen hatte).
Ich würde eine Famulatur im Oman in der Gynäkologie auch nur weiblichen Studenten empfehlen, die männlichen Studenten waren in ihrer praktischen Tätigkeit auf den gynäkologischen Stationen sehr eingeschränkt, da sie zum Teil auf Wunsch der Patientinnen nicht einmal das Zimmer mit betreten durften, geschweige denn diese untersuchen durften.

Land und Leute

Insgesamt waren wir im September neun Austauschstudenten, die über die IFMSA an einem Austausch teilgenommen haben. Ich fand diese Gruppengröße auch optimal und bin froh mich für den Monat September entschieden zu haben. Im Juli und August kommen auch einige Austauschstudenten über die IFMSA nach Maskat, aber in diesen beiden Monaten sind die Austauschgruppen mit 25-30 Studenten deutlich größer. Ich fand es ganz angenehm in einer kleineren Gruppe zu sein, da man sich so wirklich gut kennengelernt hat und wir haben auch fast jede Minute in dem Monat zusammen verbracht. Teilweise sind wir Austauschstudenten – falls unser Praktikum bereits am frühen Nachmittag zu Ende war – alle gemeinsam nachmittags schon zum Strand gefahren sind.
Ansonsten haben die omanischen Studenten wirklich ein super Freizeitprogramm für uns organisiert. Das offizielle IFSMA Programm fand jedes Wochenende sowie an einem Tag unter der Woche statt. Aber auch abgesehen davon haben sich die omanischen Studenten wirklich sehr um uns bemüht und auch abgesehen von dem offiziellen Programm fast jeden Abend mit uns etwas unternommen. Dabei waren sie immer dazu bereit uns immer mit ihren Autos abzuholen oder einzusammeln, da der öffentliche Nahverkehr wie bereits oben beschrieben eher bescheiden ausgelegt ist. Wir waren an allen vier Wochenenden unterwegs und haben dabei auch immer auswärts (meist im Freien) geschlafen. Die omanischen Studenten haben dabei wirklich an alles gedacht und alles Nötige für diese Ausflüge bereitgestellt. Wir haben für dieses Social Program am Wochenende meist circa 30 Rial pro Person bezahlt, dafür war dann die gesamte Verpflegung, Getränke, Benzin, Eintrittspreise o.Ä. dann in diesem Preis inkludiert. Die omanischen Studenten versuchen aus diesem eingesammelten Geld wirklich absolut nicht persönlich Profit zu ziehen und meiner Meinung nach hat man die Chance mit ihnen das Land extrem günstig und sehr lebensnah kennen zu lernen. Macht deshalb unbedingt bei den ganzen Ausflügen mit! Ein Wochenende sind wir in die Berge gefahren, haben dort unter freiem Sternenhimmel geschlafen und am nächsten Morgen noch die Stadt Nizwa mit dem traditionellen Souq sowie die Festung in Nizwa besichtigt, am nächsten Wochenende sind wir in die Wadis (ausgetrocknete Flusstäler) gefahren, waren dort wandern & schwimmen, haben abends Schildkröten beobachtet und am Strand geschlafen, das nächste Wochenende waren wir auf einem Boot unterwegs, sind dort schnorcheln gegangen, haben abends gegrillt und am nächsten Tag noch einen Strandausflug gemacht und am letzten Wochenende waren wir dann in der Gegend von Muskat unterwegs, sind in traditionelle Restaurants gegangen und haben unser letztes Wochenende gemeinsam verbracht. Langweilig wurde uns in dem Monat auf keinen Fall!
Unter der Woche haben wir die Moschee besucht, waren Quad fahren, auf traditionellen Märkten in Maskat unterwegs, in einer Karaokebar, Billiard spielen, in arabischen Restaurants essen, am Strand spazieren, haben Grillfeiern gemacht, sind Jetski gefahren oder haben einfach bei uns in der Unterkunft zusammengesessen. Ich glaube, ich habe noch nie in einem Monat so viel erlebt wie in meinem Austausch dort!

Fazit

Ich muss sagen, dass meine Erwartungen an den Austausch im Vorfeld dank der sehr vielen positiven Erfahrungsberichte schon sehr hoch waren. Ich habe dann versucht, diese hohen Erwartungen etwas runterzuschrauben um nicht enttäuscht zu werden. Aber die Zeit im Oman war noch viel besser als erwartet! Ich habe noch nie so gastfreundliche Menschen kennengelernt, die alles getan haben, um uns in dem Monat dieses wunderschöne Land zu zeigen. Ich kann sagen, dass ich im Moment schon meinen nächsten Besuch im Oman plane, um meine neugewonnen Freunde dort wieder zu treffen und weil ich noch viel mehr von dem Land sehen möchte. Zögert nicht euch auf einen Platz im Oman zu bewerben – ihr werdet dort eine wundervolle Zeit mit IFMSA erleben.
Falls ihr noch weitere Fragen habt, könnt ihr mir gerne jederzeit schreiben!

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