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Peru (IFMSA-Peru)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Débora-Michèle, Bochum

Motivation

Ich habe mich auf Peru, Costa Rica und Chile beworben. Ich war bereits im SCOPE Austausch in Argentinien und habe diese Erfahrung sehr genossen. Aufgrund meiner südamerikanischen Wurzeln wollte ich aus persönlichen Gründen gerne wieder dorthin, aber auch eine neue Kultur kennenlernen. Von Peru wusste ich um ehrlich zu sein sehr wenig. Ich habe bei einem SCORE exchange (Forschungsaustausch) eine Peruanerin kennengelernt und bin dadurch auf diese Idee gekommen: In ein Land zu fliegen, von dem ich gar nicht so viel wusste außer ein paar Stereotype. Für die beiden anderen Optionen galt eigentlich das Gleiche. Ich wollte gerne meinen Horizont erweitern und Südamerika besser kennenlernen und aus einem neuen Blickwinkel erfahren.

Vorbereitung

An einem PDT habe ich nicht teilgenommen, allerdings war das auch mein dritter bvmd Austausch. Ich denke, für Neulinge macht es bestimmt Sinn. Für Peru muss man glücklicherweise keine großen Vorbereitungen treffen. Man sollte sich allerdings vorab überlegen, wohin man reisen möchte. Ich habe mich reisemedizinisch beraten lassen (Gelbfieber, Malaria, Tollwut etc.) und mich mit Insektenschutz eingedeckt (geliehen um nachhaltig zu sein). Wenn man nur gebrochenes Spanisch spricht, macht es sehr viel Sinn, Spanisch zu üben/lernen. Denn Englisch sprechen die wenigsten, und noch weniger gut.
Ich musste für die Card of Documents einen Tuberkulosetest einreichen und ihn leider aus eigener Tasche beim Gesundheitsamt zahlen (60€). Wenn man etwas vorbereiteter ist als ich, kann man es bestimmt auch über den Hausarzt regeln.

Visum

Für Peru muss man zum Glück kein Visum beantragen. Ein Visum wird meines Wissens erst ab über 3 Monaten fällig.

Gesundheit

Wie bereits erwähnt habe ich mich beim Reisemediziner beraten lassen. Eine Malariaprophylaxe hatte ich für alle Fälle dabei. Ansonsten eine Reiseapotheke mit Schmerzmitteln, Antihistaminika, Fenistil, Vomex, Sonnencreme und Aftersun. Tatsächlich habe ich auch alles davon benötigt außer die Malariaprophylaxe, da ich nicht in den Dschungel gefahren bin. Die Sonne in Peru ist sehr, sehr stark, da die Ozonschicht so dünn ist. Man merkt es kaum, aber man sollte sich jeden Tag eincremen. Die Luft ist je nach Stadt sehr verschmutzt, sodass man eventuell auch da aufpassen sollte.

Sicherheit

Peru kann leider sehr gefährlich sein. Mir ist nichts passiert und auch den anderen Incomings nicht. Allerdings sind mir von meiner Gastfamilie und aus dem LC einige Überfälle mit Waffengewalt berichtet worden. Mein Austausch war in Trujillo, eine generell eher armen und damit auch gefährlichen Stadt. Im Krankenhaus gab es täglich Schussverletzte in der Notaufnahme. Auch Straßenhunde haben oft für große Bisse bei so manchem Patienten gesorgt. Innerhalb der Stadt bewegt man sich hauptsächlich im Taxi fort und sollte diese nur mit bestimmten Apps bestellen (InDriver, Sonrisas, Uber). Bei Dämmerung bin ich nicht mehr alleine rausgegangen, was aber eigentlich nicht aufgefallen ist, da wir immer in Gruppen unterwegs waren. Generell sollte man auf Wertgegenstände aufpassen und auch in Großstädten wie Lima nicht mit seinem IPhone in der Gasse rumfuchteln. Wenn ich als Frau alleine heimgelaufen bin, hat mich so mancher Mann verfolgt, aber es ist nie etwas passiert. Ich denke, das wichtigste ist, dass man weiß, dass es eben nicht Deutschland ist und etwas vorsichtiger ist. Aber es war eigentlich nie eine krasse Einschränkung und die Peruaner sind wahnsinnig nett und hilfsbereit. Die letzten Wochen bin ich alleine durch das Land gereist und es war völlig problemlos und ich würde es wieder tun.

Geld

Peru hat als Währung peruanische Soles. Ich konnte damals keine Soles in Deutschland bekommen und habe US-Dollar mitgenommen. An einigen Orten kann man auch mit Dollar bezahlen, aber es empfiehlt sich, diese eigentlich sofort umzutauschen. Peru ist sehr günstig was den Alltag angeht. 1 Euro entsprach fast 4 Sol. Ein Menü (Vorspeise, Hauptgericht, Nachtisch und Getränk) gab es oft für 8 Soles. Einen Kaffee gab es je nach Stadt zwischen 2 und 9 Soles. Die sehr touristischen Orte mit teuren Preisen, entsprachen eigentlich den normalen europäischen Preisen. Elektronik und Kleidung hingegen waren oft minimal teurer als hier. Auch Reisen war sehr günstig. Ein Hostel hat pro Nacht beispielsweise 7 Dollar pro Nacht gekostet und eine Busreise über 13 Stunden circa 30€. Ich hatte eine Kreditkarte, um Geld abzuheben, habe aber nur bar gezahlt. Oft gab es in Hostels Gebühren für Kartenzahlung.

Sprache

In Peru spricht man Spanisch. Ich habe mich in Trujillo tatsächlich oft schwer getan, einige Leute zu verstehen, obwohl ich Muttersprachlerin bin. Es wird oft sehr schnell und genuschelt gesprochen. Aber alle sind sehr nett und sprechen auch gerne langsamer. Im Krankenhaus haben ein paar Ärzte Englisch gesprochen, aber eigentlich zu wenig, um nur auf Englisch zu kommunizieren. Im Gegensatz zu Spanien wird dort nur gesiezt (nicht tu, sondern Usted!).

Verkehrsbindungen

Ich bin über Amsterdam nach Lima mit KLM geflogen und innerhalb Perus mit LATAM, was alles gut geklappt hat. In Peru selbst bewegt man sich hautsächlich mit Reisebussen zwischen Städten. Diese sind echt günstig und ziemlich gut ausgestattet. Es empfiehlt sich durch die Nacht zu fahren. In den Städten fährt man vor allem Taxi, was auch günstig ist. Je nachdem kann man auch Bus fahren, aber es gibt meist keine festen Haltestellen, sondern man muss den Bus irgendwo an der Stracke ran winken. Es setzt etwas voraus, dass man weiß wohin er fährt. In Trujillo beispielsweise gab es auch keine Homepage oder ähnliches, um sich zu informieren und man musste sich auf Tipps verlassen. Der Bus ist super günstig. (Unbedingt festhalten! Verkehrsregeln gibt es quasi nicht und der Bus fährt mit offenen Türen und auch oft direkt los bevor man ganz drin ist!)

Kommunikation

Direkt am ersten Tag habe ich mir eine PrePaid Karte bei Claro geholt und hatte somit sowohl Internet und auch die Möglichkeit, in Peru zu telefonieren. Die Karte war nicht teuer und hat sich sehr gelohnt. Netz gab es außer auf dem Land eigentlich überall. Ansonsten habe ich viel Whatsapp und Instagram genutzt.

Unterkunft

Ich bin bei einer Gastfamilie untergekommen. Einer der Söhne hat Medizin studiert. In Peru muss man, um über die IFMSA ins Ausland zu gehen, Punkte sammeln und eigentlich immer einen Incoming aufnehmen. Ich hatte beide Gasteltern, eine Tante, zwei Brüder und drei Katzen zu Hause und habe mich sehr wohl gefühlt. Sie haben mir mehrmals gesagt, dass ich für sie jetzt zur Familie gehöre und mir oft geholfen. Der Familienverband ist in Peru auch eine kulturelle Erfahrung.
Meine Gastfamilie hatte ein normales Haus und war im Vergleich zum Rest des Landes bestimmt nicht schlecht gestellt. Dennoch hatten wir kein warmes Wasser und es war relativ dreckig für deutche Verhältnisse. Das sind beides Dinge, die in Trujillo aber nicht ungewöhnlich waren, vor allem wenn man sich vor Augen führt, das viele gar kein richtiges Dach über dem Kopf haben. Die Familie war verpflichtet, mir eine Mahlzeit zu stellen und hat letztendlich den ganzen Monat lang jede Mahlzeit vorbereitet/bezhalt - das gehörte für sie einfach dazu.

Literatur

Ich hatte zwar ein anderes Buch, aber ich empfehle den LonelyPlanet zum Reisen in Peru. Ansonsten habe ich nichts weiter genutzt. Ich habe viel ergoogled und Berichte durchgelesen. Für das Krankenhaus habe ich eigentlich nur mein Amboss auf dem Handy genutzt,

Mitzunehmen

Wenn man viel Reisen möchte, sollte man beherzigen, dass Peru ein riesiges Land mit den verschiedensten Landschaften ist. Ich war in der Wüste bei 35°C und ein paar Tage später auf 5200 m.ü.M. in einem Hagelsturm. Es gibt Strände zum Surfen und viele Möglichkeiten zum Wandern. Für den Dschungel muss man natürlich auch vorbereitet sein. Meine Powerbank hat mich oft gerettet. Eine Kappe oder einen Sonnenhut sollte man nicht vergessen. Und Wanderschuhe.
Für das Krankenhaus muss man eigentlich alles mitbringen: Kittel, Kasak, Stethoskop, Reflexhammer. Sie haben in den staatlichen Kliniken keine Desinfektionsmittel oder Handschuhe, Überzieher für den OP oder Kopfhauben.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Flughafen von meiner CP (contact person) und meinem Gastbruder in Empfang genommen. Von Anfang an waren alle super nett und herzlich. Zwischen dem Praktikumsbeginn und meiner Ankunft lagen ein paar Tage, sodass man sich etwas akklimatisieren konnte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe Viszeralchirurgie in Trujillo im Hospital Belen gemacht. In Peru ist die Hierarchie im Krankenhaus noch deutlich spürbarer als hier. Studenten wurden oft angeschrien, wenn sie etwas nicht wussten. Alle ausländischen Studenten wurden allerdings sehr nett behandelt. Eine Famulatur in dem Sinne gibt es nicht. Studenten haben „Blöcke" in denen sie vormittags im Krankenhaus einen Arzt begleiten und nachmittags in der Uni Vorlesungen anhören. Während dieser Zeit müssen sie teilweise Vorträge halten und schauen größtenteils zu. Da ich bereits mein zweites Staatsexamen hinter mir hatte, war es für mich etwas langweilig. Ich war von acht bis offiziell 12 Uhr (meistens bis 14 Uhr) im Krankenhaus. Zu den Vorlesungen sollte ich nicht. Die Visite war oft schwer zu verfolgen, weil circa 15 Leute in einer Sechs-Bett-Zimmer gleichzeitig geredet haben. Einige Ärzte haben einen abgefragt oder etwas erklärt. Im OP dürfen auch die internados (PJler) nicht assistieren, sondern werden zum instrumentieren eingeteilt. OP-Schwestern wie hier gibt es dafür nicht. Wir Incomings „durften“ dann auch oft instrumentieren, was eine interessante Erfahrung war. In meiner Abteilung durfte ich leider nicht Nähen, allerdings konnte eine andere Incoming in der Nachbar-Abteilung sogar einen Clip setzen. Es kam sehr auf die zuständigen Ärzte an. Insgesamt ist natürlich die Situation des Krankenhauses und des gesamten Gesundheitssystems in Peru eine sehr arme und als Europäer kann man die ersten Tage schon etwas schockiert sein. Patienten mussten teilweise vier Tage draußen vor der Notaufnahme schlafen, bis sie drankamen. Patienten lagen im Flur, es gab ab 12 Uhr keinen Betrieb mehr, weil der Staat die Ärzt nur bis mittags bezahlt, und damit auch keine Sonografien oder Röntgenaufnahmen. Erstaunlich fand ich in unserer Abteilung allerdings den Umgang mit Patienten, der viel gröber war als hier. Patienten haben oft keine Schmerzmittel erhalten und wurden oft ignoriert. Der Arzt hat oft einfach Dinge entschieden und hat noch eher die Position als Gott in Weiß inne gehabt. Dabei sind viele Patienten sehr abergläubisch und kommen erst wenn es oft schon zu spät ist ins Krankenhaus. Sicherlich sind diese Eindrücke aber nur ein kleiner Ausschnitt und nicht übertragbar auf das Krankenhaus oder gar Peru. Ich hatte ehrlich gesagt etwas Pech mit meinem „Tutor“. Dennoch war die Famulatur sehr lehrreich im Sinne von Erfahrungen und hat mir auch nochmals verdeutlicht wie Medizin mit wenig Geld funktioniert.

Land und Leute

Peru hat mich definitiv positiv überrascht. Obwohl es in Trujillo, welches mein erster Eindruck von Peru war, viel ärmer war als erwartet, war es so viel schöner, als ich anfangs für möglich gehalten habe. Das Land ist so abwechslungsreich und einfach ideal um zu reisen. Die Menschen sind einfach nett und teilen gerne ihr Wissen über die Kultur und das Land. Ich konnte sehr viel lernen und meinen Horizont erweitern. Peru ist im Gegensatz zu vielen anderen südamerikanischen Ländern recht stabil. Dennoch ist es von Armut und Unzufriedenheit geplagt. Korruption, eine Flüchtlingskrise und Armut waren eigentlich täglich Thema. Es hat mich sehr gefreut, dass alle sehr offen Ihre Sorgen zur Sprache gebracht haben und erzählt haben. Leider kommen natürlich mit solchen Problemen auch viele Vorurteile (siehe Deutschland und die Flüchtlingskrise), was auch in Peru der Fall ist. Die Peruaner sind aber sehr offen was Touristen angeht und immer nett. Man muss teilweise etwas aufpassen nicht über den Tisch gezogen zu werden beim Einkaufen und immer verhandeln. Ein weiterer Aspekt, der mich oft gestört hat, war, dass alles in Peru einfach sehr viel langsamer abläuft. In einem Café ohne viel Kundschaft hat man oft 15 Minuten auf die Rechnung gewartet. Auch im Krankenhaus ist es aufgefallen, dass zwar viele Personen gestresst waren, aber im Vergleich zu Deutschland deutlich weniger effektiv. Es ist einfach ein kultureller Unterschied an den man sich gewöhnen muss. Das Essen ist sehr fleisch-lastig und als Vegetarier hat man schlechte Karten ( Außer in Cusco, Aerequipa und Lima). Das Essen ist aber sehr lecker und ich habe nichts gegessen, was mir nicht geschmeckt hat. Es empfiehlt sich viele Früchte zu probieren und auf den Markt zu gehen. Aber man sollte dennoch immer aufpassen, wo man isst, da die Hygiene auch beim Essen nicht unbedingt für europäische Mägen geeignet ist. Meine Gastfamilie war eine unglaubliche Bereicherung für meinen Aufenthalt in Peru. Sie haben mir eine sichere Anlaufstelle gegeben und mich als Familienmitglied aufgenommen. Auch das Local Committee hat sehr viele Treffen und Social Program organisiert. Sie waren sehr hilfsbereit und interessiert, obwohl alle sehr gestresst waren durch wöchentliche Klausuren. Der Stress für Medizinstudenten ist leider sehr viel höher als in Deutschland durch viel Konkurrenz.
Ich empfehle so viel wie möglich durch das ganze(!) Land zu reisen und wenn möglich bei Gastfamilien unterzukommen. Ich bin sehr dankbar, dass ich auf diese Weise einen so wertvollen Einblick in die Kultur bekommen habe.

Fazit

Meine Erwartungen an die Famulatur wurden eigentlich nicht wirklich erfüllt, aber es lag eher an meinem Tutor und definitiv nicht am Land. Ich denke, dass man sonst sehr viel aus einer Famulatur in Peru mitnehmen kann, und einen interessanten Einblick in ein armes Gesundheitssystem bekommt. Land und Leute sind einfach toll und ich freue mich, dort gewesen zu sein. Ich könnte dort nicht arbeiten, da das Leben als Arzt dort sehr hart ist, aber ich würde gerne meine Gastfamilie und Bekannten dort besuchen und die restlichen Orte, die ich nicht besuchen konnte bereisen.

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