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Philippinen (AMSA-Philippines)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Ilka, Hamburg

Motivation

Ich wollte eine Famulatur im Ausland absolvieren, da ich gerne ein anderes Gesundheitssystem kennen lernen wollte und weil ich mich dafür interessiere später in Auslandseinsätzen humanitärer Organisationen zu arbeiten. Außerdem wollte ich gerne reisen und Studierende aus anderen Ländern kennen lernen.

Vorbereitung

Um mich vorzubereiten, habe ich mir generell online Informationen über die Stadt Manila und die Philippinen allgemein durchgelesen, sowie über das Gesundheitssystem. Zudem habe ich an einem Pre-Departure Training teilgenommen.

Visum

Man benötigt für die Philippinen ein Visum für einen Aufenthalt, der länger als 15 Tage andauert. Das Visum habe ich direkt in der Botschaft in Berlin beantragt und es wurde mir wenige Tage später per Post zugesandt.

Gesundheit

Vor meinem Aufenthalt auf den Philippinen habe ich meine Tollwut-Impfung aufgefrischt, ggf sind noch weitere Impfungen notwendig, allerdings hatte ich diese bereits durch vorherige Auslandsaufenthalte. Malariaprophylaxe sind unnötig. Eine Reiseapotheke, vor allem mit Durchfallmedikation ist sinnvoll. Natürliche kein Leitungswasser trinken!

Sicherheit

Die Sicherheitslage auf den Inseln Luzon, Bohol, Cebu und Palawan ist nicht so gefährlich wie auf der Seite des auswärtigen Amtes dargestellt. In Manila habe ich größtenteils vermieden nachts alleine unterwegs zu sein.

Geld

Die Währung sind Philippinische Pesos, Kreditkarten werden akzeptiert. Ich habe vor dem Austausch kein Geld getauscht, sondern erst bei der Ankunft am Flughafen Geld abgehoben. Die Preise sind im Vergleich zu Deutschland günstig. Für die meisten Hostels bezahlt man 5-10 Euro, Essen kann man sehr günstig in manchen Straßenrestaurants, es gibt aber auch viele teurere Restaurants.

Sprache

Englisch wird in der Hauptstadt Manila sehr gut gesprochen und auch im Rest des Landes kommt man mit Englisch größtenteils weiter. Die Ärzte sprechen alle Englisch, einige der Patienten sprechen jedoch kein Englisch.

Verkehrsbindungen

Auf den einzelnen Inseln kommt man gut mit (Nacht-)Bussen von einer Stadt zur nächsten. Diese fahren meistens von bestimmten Terminals ab und man kann sie online oder vor Ort buchen. Innerhalb der Städte ist es das günstige mit Tricycles (Motorräder mit Beiwagen) zu fahren oder mit Grab (asiatische Variante von Uber). Zwischen den Inseln sind wir meistens geflogen, eine Fähre haben wir nur von Cebu nach Bohol genommen.

Kommunikation

Ich habe mir direkt am Flughafen eine philippinische Simkarte gekauft, für 18 Euro hatte ich 18 Gigabyte (das war das kleinste Datenvolumen, das man bei dem Anbieter Smart bekommen konnte), die Verbindung hat fast überall gut funktioniert.

Unterkunft

Ich habe in einem Wohnheim für internationale Studierende direkt auf dem Campus der Universität gewohnt. Das Dreibettzimmer war sauber, es gab ein Badezimmer und es gab eine kleine Kochecke im Erdgeschoss, die allerdings kaum zu benutzen war. Bettdecke und Kissen musste man nicht selbst mitbringen.

Literatur

Ich habe verschiedene Reiseblogs gelesen, ich denke das war das einfachste um aktuelle Informationen zu erhalten. Ansonsten habe ich ein paar Dokumentationen über die Philippinen als Reiseland, über die Kultur und die Landschaft geschaut.

Mitzunehmen

Ich habe einen dünnen Schlafsack mitgenommen, weil ich nicht wusste, ob man diesen im Wohnheim oder in Hostels braucht, bis auf in einem Hostel war dieser jedoch überflüssig. Ich habe viele dünne Kleidung mitgenommen (T-shirts und Stoffhosen), was sehr hilfreich war aufgrund des warmen feuchten Klimas. Ein Regenschirm und eine Regenjacke waren auch nützlich in der Regenzeit.

Reise und Ankunft

Die Ankunft verlief problemlos. Es ist unbedingt notwendig das Rückflugticket und nicht nur das Visum bereit zu halten. Ich wurde von einem Mitglied des Local Organizing Committee am Flughafen abgeholt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe eine Famulatur in der Allgemeinchirurgie absolviert. Ich hatte mich vorher für die gastrointestinale Chirurgie speziell beworben, bei meiner Ankunft wurde mir dann aber mitgeteilt, dass diese trotz den Angaben auf der IFMSA Seite kein eigener Fachbereich ist. Die Klinik war aufgeteilt in einen privaten Teil und einen "Charity"-Teil, in dem die ärmeren Patienten behandelt wurden. Morgens habe ich von meiner Tutorin, einer Assistenzärztin, den OP-Plan zugeschickt bekommen und je nach Plan bin ich mit zur Visite oder zu den OPs in einem der beiden Departments gegangen. Leider durften alle Internationals nur zuschauen, was der größte Nachteil dieser Famulatur war. Ich habe zwar viele spannende OPs (Whipple, Kolektomie, Kehlkopfektomie, Cystektomie mit Ileum-Pouch) gesehen, aber durfte bei keiner OP eingewaschen am Tisch stehen. Daher habe ich zwar theoretisches Wissen sammeln können, aber keinerlei praktische Erfahrungen. Freitags gab es immer eine Konferenz, in der spannende Fälle vorgestellt wurden.
Mit den anderen Internationals habe ich mich super verstanden und wir haben viel gemeinsam unternommen und die Tage in der Klinik größtenteils zusammen verbracht. Zu unseren Tutoren hatten wir ebenfalls ein gutes Verhältnis.
Das Gesundheitssystem ist deutlich anders als bei uns. Die reichen Patiente erhalten eine sehr gute Therapie, die vergleichbar ist mit der in Europa, während die ärmeren Patienten in der Charity Unit deutlich weniger Therapie erhalten und zum Beispiel nur von den Assistenzärzten und nicht von den Fachärzten operiert. Doch diese Behandlung ist immer noch eine der besseren im Land, die öffentlichen Krankenhäuser haben noch weniger Möglichkeiten und in den Slums von Manila sind Masern beispielsweise weit verbreitet, da Impfungen nicht von der Regierung übernommen werden. Das Local Organizing Committee hat für uns außerdem eine Tour zu einer der modernsten Kliniken der Philippinen organisiert. Die Klinik wirkte sehr luxuriös und nur ein sehr geringer Teil der Menschen kann sich eine Behandlung dort leisten. Das Nebeneinander von sehr armen und sehr reichen Menschen war schockierend und extremer als in allen Ländern, in denen ich zuvor war. Dadurch, dass es kein einheitliches Versicherungssystem gibt, hat dies massive Auswirkungen auf die medizinische Versorgung der Menschen.
Die medizinische Ausbildung ist sehr ähnlich zum amerikanischen System mit einem Undergraduate Studium, das so ziemlich alles sein kann (zB. Biologie oder Poesie) und einem medizinischen Graduate Programm. Die Studierenden im letzten Jahr tragen bereits sehr viel Verantwortung.

Land und Leute

Vor, während und nach der Famulatur war es möglich sehr viel zu reisen, unter anderem auch da man nur zu 80% anwesend sein musste in der Klinik und es viele Nationalfeiertage gab.
In Manila selbst gibt es nicht sonderlich viel zu sehen. Die historische Altstadt und die neuen Stadtteile Makati und BGC sind sehenswert. In Makati kann man außerdem gut feiern gehen.
Auf der Hauptinsel Luzon waren die Reisterassen in Banaue/Batad das beeindruckendste. Dort kann man mit einem Bus oder Van hinfahren und von dem Ort dort Wanderungen zu den Reisterassen unternehmen. Im Ort gibt es viele gute Homestays. In einigen Orten auf Luzon kann man außerdem gut Surfen, vor allem in San Juan/ San Fernando und in Baler (abhängig von der Saison, September/Oktober ist die beste Surfsaison).
Von den anderen Inseln hat mir persönlich Cebu am besten gefallen , da es dort viele Aktivitäten gab und diese nicht ganz so überlaufen sind wie auf Palawan. Vor allem die Kawasan Wasserfälle, in die man aus 10-16m Höhe reinspringen kann waren beeindruckend, ebenso das Schnorcheln mit Walhaien und Schildkröten, sowie eine Wanderung zu Osmena Peak.
Auf der Insel Bohol waren die Chocolate Hills, eine Gruppe aus gleichförmigen braunen Hügeln besonders beeindruckend.
Auf Palawan war der Untergrundfluss in Puerto Princessa sehenswert und El Nido als die touristische Hochburg der Philippinen. Dort ist vor allem die Inselhoppingtour sehr zu empfehlen. Die Buchten dort sehen ähnlich aus wie die Halong-Bay in Vietnam und das Wasser ist noch klarer.
Kulturell sind die Philippinen sehr an den USA orientiert und es ist alles sehr westlich. Das heißt es gibt viele Shoppingmalls und Fast-Food-Restaurants und nur noch wenig ursprüngliche Kultur. Pollitisch ist die Situation auf den Philippinen nicht so einfach und die Politik des amtierenden Präsidenten Duterte, insbesondere seine Drogenpolitik ist umstritten. Ich habe über die Politik nur mit engen Freunden gesprochen, da es auch viele Befürworter dieser Politik gibt und ich besser in keinen politischen Streit auslösen wollte. Aufgrund der Drogenpolitik sollte man extrem aufpassen, dass man keine Drogen zugesteckt bekommt oder in keinem Club feiern geht, in dem man möglicherweise unter Generalverdacht gestellt werden könnte.
Die Menschen auf den Philippinen sind allgemein sehr sehr gastfreundlich und ich wurde beispielsweise von der Familie eines Freundes nach Hause eingeladen. Man lernt überall sehr schnell Locals kennen und fühlt sich dadurch sehr schnell wohl.

Fazit

Meine Erwartungen an meine Famulatur wurden größtenteils erfüllt, ich fand es allerdings schon sehr schade, nur zuschauen zu dürfen und nichts selbst machen zu dürfen. Meine Erwartungen an das Reisen wurden aufgrund der beeindruckenden Natur auf jeden Fall erfüllt.

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