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Georgia (GMSA)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Annika, Freudenberg

Motivation

Die Motivation einen Austausch über die Bvmd zu machen kam insbesondere durch meine Arbeit als LEO, wo ich viele wunderbare Menschen aus vielerlei Ländern kennenlernen durfte. Meine Wahl fiel auf Georgien, weil ich schon vieles über die sagenhafte Landschaft und die herzlichen Menschen dort gehört hatte und dies selbst gerne erleben wollte.

Vorbereitung

Meine Vorbereitung bestand im Wesentlichen darin, einen Flug zu buchen und mir einen Reiseführer über das Land zu kaufen, in dem ich schon vor der Abreise etwas blätterte. Ich versuchte auch zunächst, etwas Georgisch zu lernen, gab dies aber aufgrund der "komplizierten" Schrift relativ rasch wieder auf.

Visum

Als Deutscher muss man kein Visum beantragen, sondern kann ganz normal einreisen. Ich reiste sogar nur mit Personalausweis ein, was zumindest mit dem Flugzeug kein Problem war.

Gesundheit

Nein, es waren keine speziellen Vorkehrungen nötig. Ich überprüfte lediglich, ob meine Impfungen noch aktuell waren. In Georgien gibt es mehr resistente Erreger und auch häufiger Tuberkulose-Fälle als bei uns. Ich habe hierfür jedoch keine speziellen Vorkehrungen getroffen.

Sicherheit

Georgien ist ein sehr sicheres Land und hat eine besonders niedrige Kriminalitätsrate. Dies war mit einer der Gründe, wieso ich mich für eine Famulatur in Georgien entschieden habe. Ich habe mich dort auch zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt.

Geld

In Georgien wird mit Lari gezahlt. Ein Lari (GEL) sind 100 Tetri. Auch mit Kreditkarte kann man in fast allen Geschäften zahlen. Es empfiehlt sich aber dennoch, Geld zu wechseln, weil man auch viel auf der Straße kaufen kann. Insgesamt sind die Preise sehr viel günstiger als in Deutschland. Insbesondere frisches Obst und Gemüse am Straßenrand bekommt man für kleines Geld.

Sprache

Die Amtssprache in Georgien ist Georgisch. Unter jungen Leuten kommt man mit Englisch sehr gut zurecht, insbesondere unter Menschen mit guter Bildung. Ältere Menschen sprechen dagegen als Zweitsprache eher Russisch, was sie teilweise wirklich gut beherrschen. Mit Englisch kommt man in diesen Fällen aber nicht weit, was im Krankenhaus mitunter schwierig war. Bei mir auf der Station gab es eine Ärztin, die in Amerika studiert hatte und so sehr gut Englisch sprach. Sie erklärte mir einiges und übersetzte für die anderen auch einige Vorträge, die ich zu therapeutischem Vorgehen in meinem Heimatland halten sollte. Einige andere Ärzte sprachen rudimentäres Englisch, sodass man mit der Kommunikation einigermaßen zurecht kam. Glücklicherweise werden viele medizinische Begriffe international gut verstanden. Da ist teilweise ein wenig Ausprobieren gefragt. So kannten wenige das Wort "X-Ray", als ich es dann aber mit "Röntgen" probierte, verstanden sie mich gleich, da das georgische Wort sehr ähnlich ist (რენტგენოგრამა = "rent'genograma"). Für die Kommunikation auf der Straße empfiehlt es sich, ein paar Begriffe zu lernen (Zahlen von 1-10, bitte, danke, Guten Tag, ...). Insgesamt kommt man so ganz gut durch.

Verkehrsbindungen

Im Stadtzentrum von Tiflis gibt es gute Verbindungen mit der U-Bahn und auch mit Bussen überall hin. Für weitere Strecken aufs Land kann Kleinbusse (Marschrutka) nehmen. Dort fährt man sehr günstig, aber auch sehr unbequem, insbesondere hoch in die Berge, denn die Straßen sind schlecht und die Federung nicht besonders gut. Wenn man etwas mehr Geld ausgibt, kann man auch ein Taxi nehmen oder aber einen Kleinbus mieten. Je nachdem, wie lang man vorhat zu fahren, ist das wirklich empfehlenswerter als die preiswerten Marschrutka. Ein paar aus unserer Gruppe mieteten sich auch ein Auto und reisten damit, was wohl auch sehr gut geklappt hat. Allerdings ist der Fahrstil der Georgier sehr ruppig, was dann schon einiges Anpassungsvermögen erfordert. Ansonsten gibt es auch Züge zu größeren Städten im Land.

Kommunikation

Internet und Telefon bekommt man sehr viel günstiger (und zuverlässiger) als bei uns. Selbst in eher abgelegenen Regionen hatten wir noch Netz. Die meisten Wohnungen haben auch WLAN mit sehr gutem Internet. Auch die Klinik hatte ein eigenes WLAN. Außerdem wurde mir in der Klinik ein Computer zu Recherchezwecken zur Verfügung gestellt.

Unterkunft

Ich kam in einem Apartment mit drei anderen Austauschstudenten unter. Die Wohnung wurde von den Kontaktpersonen für uns organisiert. Sie befand sich recht peripher, sodass wir lange brauchten, bis wir vom Stadtzentrum dort waren (40 min mit dem Auto). Je weiter wir Richtung unserer Wohnung fuhren, desto häufiger tauchten große Betonhochhäuser aus der Sovietzeit auf, die das Stadtbild in der Peripherie prägen. Auch wir hielten vor einem solchen grauen Betongebäude. Unsere Wohnung befand sich im 14. Stock, es gab auch einen Aufzug, mit dem man für 20 Tetri bis in den 13. Stock fahren konnte. Vor unserer Wohnung rissen die Nachbarn gerade den Boden auf, es roch nach einer Mischung aus Staub und altem Urin (vielleicht von einem der vielen Straßenhunde?). Die Wohnung selbst war wirklich sehr geräumig, wenn auch staubig. Sie besaß eine Küche mit knapper Ausstattung (Kühlschrank, Herd, 2 Tassen, 2 Gläser, keine Töpfe, keine Messer, ...), ein recht modern erscheinendes Bad mit Dusche und WC (das leider dauerhaft von einem süßlich-fauligen Geruch erfüllt war) und drei Zimmer. Eines davon hatte keine Tür, in einem war das Fenster kaputt, sodass es ständig darin pfiff und klapperte (wie das in einem Hochhaus vor einer weiten Ebene im 14. Stock eben zu erwarten ist). Das dritte Zimmer schien zunächst in Ordnung, nach ein paar Tagen löste sich allerdings die Tapete, worunter sich eine dicke Schicht schwarzen Schimmels befand. Kissen und Decken gab es vor Ort, Bezüge mussten wir uns selbst mitbringen. Nach ein paar Tagen erreichten wir es wenigstens, dass uns etwas mehr Geschirr, warmes Wasser und Internet zur Verfügung gestellt wurde und wir kauften uns einen Kochtopf. Insgesamt war die Kommunikation mit den Kontaktpersonen aber eher mäßig. Wir hatten auch alle unterschiedliche Kontaktpersonen, da es in Tiflis mehrere medizinische Fakultäten gibt und jede Fakultät etwas anders organisiert ist, was alles noch einmal etwas komplizierter machte. Die NEO war leider zu unserer Ankunft auf einer Tagung in Griechenland, weshalb das Social Program auch erst nach etwa 10 Tagen beginnen sollte. Obwohl sie beteuerte, dass auch für Georgier solche Wohnverhältnisse ungewöhnlich schlecht wären, lehnte sie weitere Bemühungen ab, denn sie habe die Wohnung jetzt nun mal gemietet und wir hätten uns damit zu arrangieren. Wir fühlten uns zu Beginn unserer Ankunft also recht einsam und verlassen. Einer unserer Mitbewohner flog auch bereits am 2. Tag wieder zurück in die Türkei. Ich wechselte, nachdem immer mehr schwarzer Schimmel neben meinem Bett zutage kam, nach einer Woche in ein AirBnB. Nun ja, vielleicht bekamen wir so auch einen besonders unverfälschten Blick auf die Lebensverhältnisse in Georgien.

Literatur

Die 50 Sprachen App bietet einen guten Überblick über die wichtigsten Wörter des Georgischen mit Aussprache, was ich sehr hilfreich fand. Auch den Reiseführer Georgien vom Trescher Verlag fand ich sehr gut. Für die aktuellen Sicherheitshinweise/gesundheitlichen Hinweise schaut man am besten auf der Website beim Auswärtigen Amt vorbei.

Mitzunehmen

Neben dünner Kleidung und Sonnencreme (es wurde sehr heiß!), war ein Regenschirm und eine Regenjacke sehr hilfreich. Für Ausflüge ins Gebirge empfiehlt sich auch warme Kleidung, da es dort um einiges kälter ist als in der Stadt und nicht alle Häuser gut geheizt sind. Wenn man Wandern möchte (was sehr zu empfehlen ist!), empfehlen sich ein paar Wanderschuhe und Badesachen, wenn man in einem der kalten Gebirgsseen schwimmen möchte. Für die Klinik hatte ich Scrubs und einen Kittel dabei. Im Endeffekt brauchte ich aber nur den Kittel. Auf chirurgischen Stationen mag das aber anders sein. Am besten direkt bei der Kontaktperson nachfragen. Mein Stethoskop war natürlich auch am Start, ein Lehrbuch hatte ich dabei, was mir in einigen Leerlauf-Stunden Gesellschaft leistete. Es empfiehlt sich auch, zur Sicherheit einen guten Mundschutz mitzunehmen, insbesondere, wenn es zu Tuberkulosepatienten geht. Die Sicherheitsvorkehrungen gegen Infektionskrankheiten sind nicht so intensiv wie bei uns. Es gibt dort auch keine Untersuchungshandschuhe und Desinfektionsmittel wird nur selten verwendet. Eine kleine Flasche Desinfektionsmittel kann also auf jeden Fall nicht schaden.

Reise und Ankunft

Nachdem ich mit dem Flugzeug in Tiflis angekommen mitten in der Nacht angekommen war, wurde ich von meiner Kontaktperson mit dem Auto abgeholt. Ich war bereits in der frühen Nacht am Sonntag angekommen, weshalb ich mir für einen Tag ein AirBnB gebucht hatte, wo ich zunächst hingefahren wurde. Meine Kontaktperson war sehr nett und kümmerte sich auch direkt darum, dass ich am Flughafen eine SIM-Karte bekam. Am Nachmittag wurde ich dann abgeholt und traf auf drei andere Austauschstudenten, mit denen ich zusammen wohnen würde. Zusammen wurden wir zur Wohnung gebracht.

Am nächsten Tag wurde ich von meiner Kontaktperson am Vormittag mit dem Auto zum Krankenhaus gebracht, später fuhr ich dann mit dem Bus. Ich war ich in der pädiatrischen Zhvania Clinic untergebracht. Zu Anfang war nicht ganz klar, wer ich war und zu wem ich sollte, aber dann wurde ich einer netten Ärztin vorgestellt, die sehr gut Englisch sprach und Oberärztin auf der allgemein-pädiatrischen Station war. Die Ärzte waren allesamt sehr nett und zeigten mir ihre Stationen und die Notaufnahme. Am Anfang fühlte ich mich etwas“abgestellt", weil ich für mehrere Stunde ohne Aufgabe im Arztzimmer sitzen sollte. Gegen 14:00 Uhr fragte ich dann, ob ich nach Hause gehen dürfe, weil mir keiner eine Aufgabe geben zu wollen schien. Später wurde mir klar, dass der Arbeitsrhythmus in einer georgischen Klinik einfach ein ganz anderer ist, als ich von daheim gewohnt war.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Die Ärzte waren allesamt sehr nett und zeigten mir ihre Stationen und die Notaufnahme. Am ersten Tag fühlte ich mich etwas “abgestellt". Später wurde mir klar, dass der Arbeitsrhythmus in einer georgischen Klinik einfach ein ganz anderer ist, als ich von daheim gewohnt war.

Ich war die einzige Austauschstudentin in der Klinik und auf der allgemein-pädiatrischen Station eingeteilt. Es gab dort etwa 15 Ärzt*innen und etwa genau so viele Patienten. Jeder Arzt betreut dort 1-2 Patienten am Tag. Das ist möglich, weil die Ärzte sehr wenig Geld verdienen (etwa 300 Euro im Monat). Als Assistenzarzt ist das Leben dort besonders hart. So sind 24h Dienste an 6 Tagen in der Woche keine Seltenheit. Man wohnt also praktisch im Krankenhaus.

Der Tag auf Station beginnt recht spät. Gegen 9 Uhr trudeln die Ärzte nacheinander ein, dann gibt es eine kurze Besprechung. Danach schaut jeder seine Patienten an. Es wird dort viel geröntgt (Röntgen-Thorax wird eigentlich bei jeder Aufnahme durchgeführt), daher schaut sich jeder Arzt zunächst das Röntgenbild seines/seiner Kinder an. Dann geht es in das Patientenzimmer. Die Mütter werden nach dem Zustand der Patienten und neuen Auffälligkeiten befragt, dann wird auskultiert/palpiert etc. Ich durfte bei der Visite mitgehen und mit auskultieren. Je nach Sprachkenntnissen des Arztes wurde mir auch etwas zum Patienten erklärt und es wurden mir Fragen gestellt. Es gab auf der Station vor allem Bronchitiden und Pneumonien, weshalb jedes Kind dann i.d.R. ein Antibiotikum verschrieben bekam (auch bei sicher diagnostizierten Virusinfektionen wie EBV, „zur Sicherheit“, weshalb es dort relativ viele Resistenzen gibt). Eine wichtige Differentialdiagnose ist auch immer die Lungentuberkulose, weshalb das Röntgenbild auch eine so wichtige Rolle einnimmt. Desinfiziert wird dort eigentlich nie. Es gibt zwar Spender mit Desinfektionsgel (was schrecklich klebt), das wird aber fast nie genutzt. Wenn es hoch kommt, wäscht man sich hin und wieder einmal die Hände mit Seife. Was mich besonders schockierte war, dass bei einem Kind mit Verdacht auf Lungentuberkulose nicht einmal ein einfacher Mundschutz angelegt wurde.

Bezüglich der Krankheitsbilder habe ich einige interessante Fälle sehen dürfen, die mir in Deutschland sicher so nicht begegnet wären. So untersuchten wir einmal ein 3-jähriges Kind mit komplett offener großer Fontanelle. Die Familie kam aus Armenien und hatte dort keine Arztanbindung, weshalb der Befund so massiv werden konnte. Ich lernte auch einiges über Tuberkulosediagnostik (dort werden noch alle Kinder mit der BCG-Impfung versehen, weil Tuberkulose dort sehr viel häufiger ist) und die Interpretation von Röntgenbildern bei jungen Kindern. Insgesamt war ich froh, auf der allgemeinpädiatrischen Station zu sein. Zwei andere Austauschstudenten waren auf einer Station in der Uniklinik, die auf Tuberkulose bei Kindern spezialisiert war und sahen daher keine anderen Krankheitsbilder.

Nach der kurzen Visite mit einer der Ärzte folgte weitere „Arbeitszeit“, die mit Dokumentation, Unterhaltung mit Kollegen, Videos sehen zum Sprachen lernen, Facebook, etc. verbracht wird. Die Oberärzte schauten dann mal in der Notaufnahme nach, wo meistens 2-3 Kinder liegen und ordneten dort weitere Diagnostik (i.d.R. Sono oder Röntgen) an. Hier durfte ich des Öfteren mitkommen, leider gab es aber oft nichts Interessantes zu sehen. Nach dem Besuch in der Notaufnahme wird Kaffee getrunken und Kekse/Kuchen gegessen. Jeder bringt mal etwas mit für die Kollegen. Der Ton ist insgesamt sehr herzlich, es werden gegenseitig Fotos der Enkelkinder herumgezeigt oder man unterhält sich über die Familie/den letzten Urlaub. Zwischen 12:00 Uhr und 14:00 Uhr ist Mittagspause, wo viele Ärzte nach Hause gehen zum Essen. Ich blieb meistens, weil die Busanreise doch recht lange war, und sich das nicht wirklich gelohnt hätte. Ingesamt hatte ich am Tag oft mehrere Stunden Leerlauf, die ich zunächst mit Lernen und später mit Recherchen zu bestimmten Krankheitsbildern/Erstellen von Vorträgen verbrachte, die mir von einer der Ärztinnen aufgegeben wurde. Gegen 14:00 Uhr am Nachmittag kommt dann der Chef vorbei um Wichtiges zu besprechen. Er schaut meistens ein Kind an, das an dem Tag nach Hause gehen soll. Das Ganze findet im Ärztezimmer statt. Der Chef untersucht das Kind (alle anderen Ärzte stehen/sitzen drum herum) und spricht mit der Mutter. Es wird viel gelacht und auch die Ärzte-Patienten-Beziehung ist etwas anders. Sehr patriarchal, aber auch sehr viel herzlicher/intimer. So hat der Chef einmal bei einer Visite mit Studenten (etwa 20 Studenten standen in einem sehr kleinen Zimmer rund herum, einige saßen auch mit dem Patienten auf der Liege) ein kleines Mädchen auf den Rücken geküsst, nach dem es etwa 20 Minuten mit bloßem Rücken vor dem Chef stehen musste, während er den Studenten etwas erklärt hat. Sie schien es nicht sehr verwunderlich zu finden und auch keiner der anderen. Auch insgesamt „knuddeln“ die Ärzte die Kinder sehr viel mehr, als das bei uns Usus ist/ bringen ihnen kleine Geschenke mit/etc.

Schön fand ich, dass die Ärzte auch sehr interessiert waren, wie wir in Deutschland therapieren, wozu ich mehrere Vorträge halten sollte. Die Ärzte waren sehr über unsere Hygienemaßnahmen verwundert (Händedesinfektion/Isolation/…), aber auch über die Tatsache, dass wir nicht immer Antibiotika geben. Ich fand wirklich toll, dass sie sehr offen waren und viele Fragen stellten. Die Ärztin, die besonders gut Englisch sprach, übersetzte meine Vorträge und die Fragen, sodass wirklich interessante Diskussionen entstanden. Insgesamt habe ich die Ärzte dort als fachlich und sozial sehr kompetent erlebt, v.a. wenn es um gute Diagnostik mit begrenzten Mitteln ging. Einiges in Georgien läuft sehr anders als bei uns (Arzt-Patienten-Beziehung, Arbeitsintensität, Hygiene, …) und einige Methoden mögen sicher aus deutscher Sicht angezweifelt werden. Insbesondere was die Freundlichkeit und Offenheit der Georgier betrifft, kann man aber sicherlich einiges von ihnen lernen.

Land und Leute

Die Innenstadt von Tiflis ist sehr schön. Vor allem die Hauptverkehrsstraßen und die Bereiche, wo sich Touristen vorrangig aufhalten sind toll renoviert bzw. mit schicken, modernen Bauten versehen. Es gibt dort eine Reihe schöner Museen, internationaler Läden wie Zara und eigentlich alles, was man auch aus anderen europäischen Städten kennt. Wenn man direkt in der Stadt wohnt, kommt man auch super mit der U-Bahn von A nach B. Die Altstadt ist hübsch zurecht gemacht mit bunt gestrichenen Fassaden, Blumen und Straßenkunst. Wenn man aber um die nächste Ecke biegt und mehr Richtung der Wohngebiete läuft, sieht man Häuser mit bröckelnder Fassade und eingebrochenen Dächern. Die Menschen haben nicht viel Geld, aber sind geschickt darin, sich provisorisch einzurichten und so wird an allen Ecken etwas dazu oder umgebaut.

Direkt vor unserem Haus gab es gleich mehrere Stände und Läden, die frisches und sehr günstiges Obst und Gemüse anboten. Die Verkäufer und allgemein die meisten Georgier, die ich traf, waren unglaublich nett und freundlich! Gastfreundschaft wird dort wirklich groß geschrieben. So saßen wir einmal bis Mitternacht in einem Restaurant (die georgische Küche ist übrigens fantastisch!), wo sich der Wirt mehrere Stunden mit uns unterhielt und ständig neue Getränke spendierte. Nach ein paar Tagen trafen wir auch auf weitere Austauschstudenten, die noch anderen medizinischen Fakultäten angehörig waren. Sie hatten alle sehr schöne Wohnungen in der Innenstadt, wo wir uns jetzt öfter für sehr lustige Abende trafen.

Das Social Program begann leider recht spät, war dann aber ganz nett, wenn auch nicht so umfangreich, wie es uns immer wieder versprochen wurde. Wir gingen einmal gemeinsam ins Museum und danach Chinkali essen (eine Art georgische Maultasche, sehr lecker!), wurden durch die Stadt geführt und hatten ein International Dinner, das wir uns im Grunde genommen aber selbst organisierten. Nachdem die NEO etwas überfordert mit der Planung schien, übernahmen wir das meiste selbst und erkundigten das Tiflis und das umgebene Land auf eigene Faust, wodurch wir wirklich viele tolle Dinge erlebten!

Unter der Woche trafen wir uns öfter in einer der Wohnungen oder gingen gemeinsam in eine Bar oder ein Restaurant. Einmal gingen wir auch ins Marionettentheater für Erwachsene (Rezo Gabriadze Theater), was wirklich absolut zu empfehlen ist! Ansonsten erkundigten wir die Stadt viel zu Fuß, fuhren mit der Zahnradbahn auf den Berg, der die Stadt überblickt, besuchten einen Markt etc. An den Wochenenden fuhren wir einige Male hinaus aufs Land. Da ging es mit alten Bussen über holprige, staubige Straßen hoch in die Berge, wo wir eine tolle Wanderung im bildschönen Truso-Tal unternahmen. Hier prägen hohe Berge und weite, grüne einsame Ebenen das Landschaftsbild. Hin und wieder trifft man auf ein Kloster mit freundlichen Mönchen, alte Burgen, ein paar Kühe, verlassene Dörfer, sprudelnde Mineralquellen und Schnee vom letzten Winter. Während unserer Wanderung kamen wir auch am letzten Militärposten vor der unabhängigen Provinz Südossetien vorbei, was ich auch politisch sehr interessant fand. Wir fuhren auch einmal zum Höhlenkloster Wardsia, das einmal eine geheime Stadt gewesen war, und zur Festung Rabati, die eine wichtige Rolle im Osmanischen Reich spielte. Wir fuhren auch zu den berühmten Bordschomi-Quellen, deren Wasser als heilend gilt und insbesondere in Russland sehr beliebt ist (der schwefelige Geruch ist allerdings gewöhnungsbedürftig.). Allein landschaftlich, kulturell und kulinarisch (und natürlich wegen der herzlichen Menschen) ist Georgien also auf jeden Fall zu empfehlen!

Fazit

Insgesamt war die Zeit in Georgien sehr spannend. Ich habe viele neue Dinge kennenlernen können und auch eine ganz andere Art von Krankenversorgung. Mit den anderen Austauschstudenten habe ich wunderschöne Orte besucht und es hat viel Spaß gemacht, gemeinsam das Land zu erkunden. Georgien ist ein sehr gastfreundliches Land am Rande von Europa mit bildschönen Landschaften und krassen Gegensätzen. Als Reiseland kann ich Georgien in jedem Fall empfehlen! Auch die, die einmal eine andere Art von Medizin und Krankenversorgung kennenlernen möchten, werden in Georgien sicherlich spannende Erfahrungen machen. Die Betreuung durch die Lokalgruppe war leider nicht so gut, aber ich hoffe, dass sich das in den nächsten Jahren noch bessern wird. Alles in allem habe ich meinen Horizont durch meine Famulatur in Georgien sehr erweitern können und bin froh über die Erfahrungen, die ich machen durfte.

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