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Mexico (IFMSA-Mexico)

Notfallmedizin - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Tobias, Düsseldorf

Motivation

Nachdem ich schon im Rahmen meines Studiums ein Auslandssemester in Málaga, Spanien absolviert hatte, wollte ich nun gerne das klinische Arbeiten in einem Nicht-EU-Land kennen lernen und zudem mein Spanisch weiter verbessern, sodass mir schnell klar war, dass ich gerne nach Lateinamerika möchte. Ich hatte als Erstwunsch México auf meiner Liste und dahinter noch Peru und Guatemala und habe dann nach dem Bewerbungsverfahren zum Glück meine Priorität 1 erhalten.
Im Vorhinein hatte ich mir erhofft möglichst viel von der medizinischen Versorgung im Land mitzubekommen und natürlich auch Land, Leute, Kultur kennen zu lernen und meine Sprachskills zu verbessern.

Vorbereitung

Eigentlich lief meine Vorbereitung auf Mexiko relativ einfach ab. Aufgrund meiner Auslandserfahrung in Málaga konnte ich schon ziemlich gut Spanisch sprechen und brauchte in der Hinsicht keine weiteren Kurse. Allerdings erwarten manche Städte in Mexiko ein Sprachzertifikat, das kann aber alles im Internet bei der Beschreibung der Standorte nachgelesen werden. Die Uni in Tepic erwartet von ihren Gaststudenten das Führen eines Logbuches, welches ich mir im Vorhinein ausgedruckt habe und nach dem Praktikum von meinem betreuenden Arzt ausfüllen lassen hab. Zudem wird weiße Kleidung (samt Schuhen) und ein Stethoskop erwartet.
Der Flug war gänzlich unkompliziert, wobei man sagen muss, dass es auch Gabelflüge über die USA gibt und man eventuell dafür dieses US-Einreiseformular ausfüllen muss.

Visum

Ein Visum ist für Mexiko für deutsche Staatsbürger nicht nötig.

Gesundheit

Im Vorhinein bin ich zum Tropeninstitut an meiner Uni in Düsseldorf gegangen und habe mich dort Impfberaten lassen. Mexiko ist im Generellen kein Hochrisikoland, trotzdem ist ein aktiver Hepatitis A Schutz ratsam. Zudem habe ich mich gegen Tollwut und einen weiteren Pneumokokkenstamm (da ich als Krankenhausmitarbeiter zur Risikogruppe zähle) impfen lassen, was alles meine Krankenkasse übernommen hat. Zudem habe ich im Vorhinein geklärt, ob meine Krankenkasse auch den Krankheitsfall im Ausland abdeckt, was definitiv jedem zu empfehlen ist. Eine Malariaprophylaxe ist nicht notwendig.
Als Reiseapotheke hatte ich lediglich die Standardsachen (Ibu, Pantoprazol, Cetirizin) und ein Antibiotikum für den Notfall dabei, was ich noch zuhause hatte.
Generell ist auch ein guter Stechmückenschutz ratsam, da das Dengue-Fieber durchaus weit verbreitet ist. Im Krankenhaus sind die Hygienestandards definitiv niedriger als in Deutschland, sodass auch eine kleine persönliche Flasche Desinfektionsmittel nicht schadet. Generell gilt aber, dass eure Ansprechpersonen vor Ort und auch die anderen Krankenhausmitarbeiter euch am besten über regionale Krankheiten aufklären können.

Sicherheit

Wie viele andere auch, hatte ich im Vorfeld die typischen klischeehaften Sicherheitsbedenken (Korruption, Drogenhandel etc.) Aber: Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unwohl oder unsicher gefühlt! Sicherlich sollte man nicht alleine nachts durch unbekannte Viertel laufen und im Zweifel eher das Uber als das Taxi nehmen, aber eure Kontaktpersonen und Gastfamilien vor Ort sind sehr um eure Sicherheit bedacht und werden euch über alle möglichen Gefahren aufklären. Wenn man sich an ein paar Regeln hält, ist Mexiko kein gefährlicher Ort!

Geld

In Mexiko zahlt man in mexikanischen Pesos, einer Währung, die im Vergleich zum Euro um einiges schwächer ist (Wechselkurs ca. 22:1). Ich hatte im Vorfeld keinen einzigen Peso dabei, sondern habe das erste Mal in Cancun am Flughafen Geld geholt, was absolut ausgereicht hat. Zudem kann man fast überall auch mit Kreditkarte zahlen.
Im Vergleich zu Deutschland sind die Preise in Mexiko um einiges niedriger! Dadurch, dass man kein Geld für eine Wohnung zahlen muss und ich meine Wohnung in Deutschland untervermietet habe, waren die Lebenshaltungskosten eigentlich geringer als hier. Allerdings muss man bedenken, dass man ja auch Tourist in dem Land ist und einige Dinge sehen und Touren machen will, von daher habe ich im Endeffekt doch mehr Geld pro Monat ausgegeben als zuhause, gerade beim Reisen. Von daher schadet es sicher nicht doch noch im Vorfeld die ein- oder andere Stunde mehr zu kellnern ;)

Sprache

Wie oben schon erwähnt, wird in Mexiko fast ausschließlich Spanisch gesprochen. Die Englischkenntnisse der Durchschnittsbevölkerung sind sehr gering, sodass ein B1 Sprachlevel sicher gut ist. Einer meiner Mitaustauschstudenten kam aus Ägypten und konnte fast kein Spanisch und er hatte schon das ein oder andere Problem. Von daher: Schnell noch für den Sprachkurs in Sommersemester einschreiben :D

Verkehrsbindungen

Reisen geht in Mexiko sehr gut. Das liegt zum einen an den vielen und günstigen Inlandflügen, zum anderen am hervorragend ausgebauten Bussystem. Mit diesen beiden Verkehrsmitteln kann man so ziemlich jeden Punkt im Land erreichen. Ein Zugnetzwerk hingegen ist kaum existent.

Kommunikation

Eine meiner ersten Handlungen in Mexiko war ein Gang zum örtlichen Oxxo (kleine Supermärkte, gibt es an jeder Ecke) und der Kauf eine Prepaid-Simkarte. Dies kann ich jedem empfehlen, da es günstig ist und die beste Möglichkeit mit seinen neuen Freunden im Gastland zu kommunizieren. Telefonate nach Deutschland sind natürlich teuer, aber in Zeiten von Whats-App - Videoanrufen ist dies ein sehr kleines Problem :)

Unterkunft

Die Unterkunft ist komplett für mich organisiert worden. Ich habe in einem kleinen Haus gemeinsam mit einer Incoming aus Brasilien gewohnt und wir hatten von Küche und Wlan, über 2 Bäder, bis hin zu einem kleinen Pool alles. Das Haus war Eigentum der Nachbarsfamilie, an die wir uns immer wenden konnten, was perfekt war, da man immer eine Ansprechperson hatte, sich aber auch mal zurückziehen konnte.

Literatur

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich nicht spezifisch literarisch eingelesen habe. Aber mit einem kleinen Spanischwörterbuch und dem Lonely Planet Reiseführer in der Tasche ist man mit Sicherheit gut aufgestellt ;)

Mitzunehmen

Generell gibt es in Mexiko ein paar Must-Haves. Dazu zählt auf jeden Fall ein Mückenspray, die geforderten Kliniksachen und eine Kreditkarte, aber auch Dinge wie Gastgeschenke für eure Gastfamilien und Kontaktpersonen und für das jeweilige Jahreszeitenklima passende Kleidung. Allerdings sollte man es mit dem Gepäck auch nicht übertreiben, ihr habt ja nur begrenzt Platz im Koffer und wollt vielleicht vor Ort auch noch ein paar Andenken kaufen.

Reise und Ankunft

Von Düsseldorf bis nach Tepic war es definitiv eine ziemlich lange Reise. Die Stadt liegt eine halbe Stunde von der Westküste entfernt und ist ziemlich klein, sodass es keine Direktflüge aus Deutschland gibt. Also bin ich von Düsseldorf nach Cancun geflogen, hatte dort einen Tag Aufenthalt und bin dann über Mexiko City weiter zu meinem Endziel. Das klingt jetzt anstrengend, war aber definitiv voll in Ordnung und bezahlbar. Vor Ort wurde ich dann von meiner Kontaktperson und einigen der anderen Incomings vom Flughafen abgeholt und wir sind direkt Tacos essen gegangen, was sehr nett und schön war.
An meinem ersten Krankenhaustag wurde ich von der örtlichen LEO meinem betreuenden Arzt vorgestellt, auch da gab es keinerlei Probleme.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wie oben schon erwähnt habe ich mein Praktikum in der Notaufnahme absolviert und das war definitv sehr anders als eine Notaufnahme in Deutschland. Das Krankenhaus, in dem ich gewesen bin, war halbprivat und hatte dementsprechend mehr Mittel als die ganz öffentlichen Häuser, trotzdem bestand die Notaufnahme aus zwei großen Räumen mit über 30 Betten. An meinem ersten Tag wurde ich meinem betreuenden Arzt vorgestellt und dieser hat mir grob den Ablauf erklärt und mich dann aber relativ bald an einen anderen Studenten weitergeleitet. Dieser war "Interno" (Student im fünften Jahr) und die Internos haben in mexikanischen Krankenhäusern einen Full-time-Job mit mehreren Nachtdiensten pro Woche und sind für fast alle "kleineren" medizinischen Tätigkeiten verantwortlich. Die Internos haben mich in den Krankenhausalltag eingeführt, mir gezeigt wo ich was finde, wie man Konsile stellt und Arztbriefe schreibt und waren für alles meine Ansprechpartner. Ich wurde wie ein normaler Interno behandelt und durfte Aszites punktieren, arterielle BGAs machen, nähen und natürlich auch Patienten aufnehmen und vorstellen. Alle waren dabei sehr nett zu mir und ließen mich auch alles selber machen, trotzdem gab es leider hin- und wieder Leerlaufphasen. Gerade wenn alle mit Arztbriefe schreiben beschäftigt waren, hatte ich manchmal nicht wirklich was zu tun, aber wenn man ehrlich ist, ist das in Deutschland ja auch manchmal so.
Eine Woche bin ich auf Nachfrage auch in die Chirurgie gewechselt, was auch sehr spannend war. Dort war ich direkt in den operativen Alltag integriert und durfte mich eigentlich immer auch einwaschen. Meine Aufgaben im OP bestanden natürlich zum Großteil aus assistierender Tätigkeit, aber ich wurde auch immer wieder gefragt, ob ich nicht Lust habe eine Schraube einzudrehen oder am Ende die Hautnaht zu machen. Generell waren alle sehr freundlich und die gemeinsamen Mittagspausen mit den anderen Studenten waren immer ein Highlight.
Generell ist es so, dass in Mexiko die Hierarchien sehr viel flacher waren als hier in Deutschland. So saßen wir als Studenten oft mit erfahrenen Ärzten zusammen am Tisch und haben zusammen gegessen und uns gegenseitig von unseren Wochenenden erzählt. Auch die Pflege war immer nett zu mir, auch wenn ich da weniger Kontakt zu hatte.
Abschließend lässt sich sagen, dass die medizinischen Standards in Mexiko schon gänzlich andere sind, als hier in Deutschland und dass definitiv die Situation kommen wird, in der ihr denkt: " Oh Gott, das wäre in Deutschland aber anders gemacht worden." Aber ich hatte trotzdem immer das Gefühl, dass alle Beteiligten die bestmögliche Medizin machen und dass das vorhandene Wissen nicht schlechter ist, als das in Deutschland, nur halt mit begrenzten medizinischen Ressourcen.

Land und Leute

Eines Vorweg: Mexiko ist eines der schönsten und gastfreundlichsten Länder in denen ich je gewesen bin! Insgesamt waren wir in Tepic eine Gruppe von sechs Incomings und zum Glück waren alle sehr nett und auch unsere mexikanischen Contact Persons waren überragend, sodass wir jedes Wochenende in einer mittelgroßen Gruppe Ausflüge gemacht haben. Von Tepic aus bietet sich natürlich ein Trip zum Strand an die Westküste an, die mit dem Auto nur 30 Minuten entfernt ist. Aber wir haben auch weitere Touren gemacht, waren in Puerto Vallarta, einem wunderschönen kleinen Dörfchen an der Grenze zwischen Nayarit und Jalisco (zwei "Bundesstaaten) und in einer Hütte mitten im Wald, umgeben von Wasserfällen und Papageien. Ein Wochenende habe ich mit den anderen Incomings gemeinsam eine Tour nach Guadalajara mit dem National Programm Mexiko gemacht. Dort haben wir uns mit Incomings aus ganz Mexiko getroffen und uns die zweitgrößte Stadt Mexikos angeschaut. In dem Zuge ist ein Tagestrip nach Tequila sehr zu empfehlen, dem Heimatort des weltbekannten gleichnamigen Getränkes ;)
Nach meinen 4 Wochen Praktikum bin ich zunächst mit 2 meiner Mit-Incomings die Westküste etwas runtergereist, bis in das Surferdorf Puerto Escondido. Anders als der Name es vielleicht vermuten lässt, ist der Ort nicht so geheim, aber er war mein Lieblingsort in ganz Mexiko und jedem Freund von Wassersport kann ich dieses Ziel nur wärmstens ans Herz legen.
Nach einigen Surftagen bin ich weitergeflogen, auf die Halbinsel Yucatán. Dort habe ich zwei Freunde aus Deutschland getroffen und gemeinsam mit ihnen eine Tour über die ganze Halbinsel gemacht, wobei insbesondere die örtlichen Xenoten ( kleine wassergefüllte Höhlen, die es überall gibt) und die traumhafte Insel Holbox zu empfehlen sind. Wir hatten das Glück, dass wir über den mexikanischen Unabhängigkeitstag, den 15.09 dort waren und anlässlich dieses Feiertags sind wir dann nach Mexiko City geflogen und das war eine der verrücktesten Sachen, die ich je gemacht habe (im positiven Sinn). 22 Millionen Menschen auf der Straße, mit Mexikoflaggen und alle waren total glücklich, dass wir mit ihnen ihren Feiertag feiern wollten. Von allen Seiten haben wir freudestrahlende Leute getroffen, die uns Essen oder Getränke geschenkt haben und uns wahnsinnig nett haben teilhaben lassen, am für sie wichtigsten Tag im Jahr.
Gegen Ende meiner Reise war ich noch im Staat Chiapas ganz im Süden des Landes, der vor allem für seine beeindruckende Natur bekannt ist und ein absolutes Muss für jeden Liebhaber von Canons und Wasserfällen.
Achja ein kurzes Wort noch zum Essen: Mexiko hat für mich mit die beste Küche der Welt, ihr werdet es lieben! Aber Expertentipp: Niemals eine mexikanische Soße ungeprüft auf euren Burrito schütten, ihr könntet einige Geschmacksknospen auf eurer Zunge verlieren :D

Fazit

Ein Austausch nach Mexiko war die beste Idee, die ich je hatte. Ein so vielfältiges Land, mit derart netten und offenen Menschen und zudem einer so guten Küche, wird definitiv schwer ein zweites Mal zu finden sein. Ihr werdet es lieben! In diesem Sinne: Viva México cabrones!

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