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Portugal (PorMSIC)

Orthopädie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Sonja, Halle (Saale)

Motivation

Ich wollte während des Studiums unbedingt einen Auslandsaufenthalt machen, kam dann über die LEOs meiner Uni auf die bvmd und war direkt vom Konzept begeistert.
Portugal habe ich ausgewählt, da es so viele tolle Erfahrungsberichte gab. Daher erwartete ich ein spannenden und spaßiges Social Program und ich hoffte neue Erfahrungen im operativen Bereich machen zu können.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich mir noch einmal die Vorgaben des Local Commitees auf der IFMSA Website angeschaut. Das Student’s Handbook sollte man sich vorher ausdrucken. Für einige Fachgebiete gibt es spezielle Handbooks, ansonsten gibt es ein allgemeines, welches man verwenden kann. Das Handbook ist wichtig, um später das Zertifikat zu erhalten.
Fachlich habe ich mich nicht vorbereitet, da ich eine Zusage für die Orthopädie hatte und wir dieses Fach schon im 6. und 7. Semester an der Uni hatten.
Ein Seminar oder speziellen Kurs habe ich nicht besucht.

Visum

Da Portugal zur EU gehört, brauchte ich kein Visum und konnte einfach mit dem Personalausweis einreisen.

Gesundheit

Ich musste keine speziellen gesundheitlichen Untersuchungen oder Impfungen nachweisen.
Für Portugal braucht man keine exotischen Impfungen und auch keine besonderen Medikamente in der Reiseapotheke. Ich habe also nur die Standardmedikamente eingepackt und kam damit auch sehr gut über die Runden.
Ich habe eine Auslandsreisekrankenversicherung und hätte somit zur Not auch in Portugal zum Arzt gehen können. Oft hat man für das europäische Ausland über die GKV eine Auslandsreisekrankenversicherung, es lohnt sich aber denke ich, noch einmal abzuklären, für wie viele Tage der Versicherungsschutz im Ausland gewährleistet ist.

Sicherheit

Ich habe mich in Portugal zu jeder Zeit so sicher, wie in Deutschland gefühlt. Es gab keine Reisewarnungen und ich habe demnach auch keine speziellen Vorkehrungen getroffen.
In Portugal wurde vor einiger Zeit der Drogenbesitz entkriminalisiert. Man merkt den Unterschied zu Deutschland dadurch, das man abends auf den Straßen von Lissabon vor allem im Bairro-Alto vermehrt von Dealern angesprochen wird. Wenn man nicht darauf reagiert oder dankend ablehnt, passiert aber nichts weiter. Das war also auch kein Problem :-)

Geld

In Portugal gibt es den Euro, dadurch musste man kein Geld wechseln und nichts umrechnen. Ich würde trotzdem eine Kreditkarte empfehlen, damit man nicht so viel Bargeld bei sich haben muss. Es gibt in Portugal ein „Multibanko“- Geldautomatennetz dort kann man problemlos und -mit der richtigen Kreditkarte auch kostenlos- Geld abheben. Meidet die „Euronet“ Geldautomaten, dort zahlt man viel höhere Gebühren.
Die Lebenshaltungskosten waren ähnlich wie in Deutschland. Man kann für 10-15€ ganz gut Essen gehen, es gibt günstige Supermärkte, wie „Pingo Doce“ und „Lidl“ und die Drinks im Bairro-Alto sind ziemlich günstig.

Sprache

In Portugal wird Portugiesisch gesprochen, aber die meisten Portugiesen können Englisch sprechen. Die Kommunikation mit unserer LEO und den Contact Persons war durch deren sehr gute Englisch Kenntnisse überhaupt kein Problem. Die meisten Ärzte konnten auch gut Englisch sprechen und da ich sehr viel Zeit im OP verbrachte, hatte ich auch keine Verständigungsprobleme mit den Patienten.
Ich habe natürlich trotzdem versucht wenigstes Hallo, Tschüss und Danke auf Portugiesisch sagen zu können.

Verkehrsbindungen

Ich bin von Berlin aus nach Lissabon geflogen und heb für Hin- und Rückflug um die 300€ bezahlt. In Lissabon selbst haben wir uns, mit Hilfe der CPs sehr schnell ein Monatsticket (für etwa 45€) organisiert und konnten somit immer U-Bahn und Bus fahre. Die U-Bahnen fahren relativ häufig und sind ziemlich zuverlässig.
Die Inlandsreisen an den Wochenenden haben wir meistens mit Fernbussen gemacht, das war super günstig, schnell und sehr komfortabel.

Kommunikation

Durch EU weites kostenloses Roaming, gab es keine Probleme, was die Kommunikation angeht. Falls man kein EU-Roaming im Handy Vertrag hat, gibt es in Portugal sehr günstige Sim-Karten.
Im Studentenwohnheim gab es auch W-lan, das war aber eher schlecht als recht, wodurch Skype Gespräche z.B. regelmäßig unterbrochen wurden. Aber da der Monat sowieso wie im Flug vorbei geht, war es gar nicht so schlimm :-)

Unterkunft

Alle Incomings (wir waren circa 50) wurden auf zwei Studentenwohnheime aufgeteilt. Das Wohnheim an sich war gut. Ich teilte mir mit einer anderen Austauschstudentin das Zimmer und das Bad. Die Küche teilte sich das ganze Wohnheim, wodurch es oft sehr chaotisch und dreckig war. Ich habe dann schnell beschlossen nicht so viel zu kochen ;-)
Das W-lan funktionierte leider nicht einwandfrei und viel während meines Aufenthalts leider auch zwei mal für ein paar Tage komplett aus.
Bettwäsche und Bettzeug wurden vom Wohnheim gestellt und man konnte die Bettwäsche zwischendurch auch gegen frische austauschen. Es gab Waschmaschinen und Wäscheständer.

Literatur

Ich habe mir den Portugal Marco Polo Reiseführer besorgt und fand ihn sehr gut. Ansonsten habe ich noch mal ein Erfahrungsberichte gelesen und Pinterest nach Tipps für Lissabon durchstöbert.
Das Local Committee hat selbst ein paar Infos zusammengefasst und uns geschickt.

Mitzunehmen

Ich habe einen Kittel und mein Stethoskop mitgenommen. Ansonsten muss man nichts besonderes beachten. Wir haben vorab eine Art Kleiderordnung (locker!) zugeschickt bekommen.
Handbook nicht vergessen ;-)

Reise und Ankunft

Ich bin am 01.08. angereist und wurde am Flughafen von einer Contact Person abgeholt. Am Wochenende stand dann bereits der erste gemeinsame Ausflug mit den anderen Incomings und LEOs an und am Montag startete dann das Praktikum.
Wir haben uns am Montag dann mit der Hilfe einer Contact Person auf unserer Station vorgestellt und einen „Fahrplan“ für die nächsten Wochen bekommen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am Montag war also mein erster Tag im Krankenhaus. In Lissabon gibt es viele einzelne kleinere Krankehäuser, die aber fast alle zusammengehören. Nach einem Vortrag für alle Incomings im Hauptgebäude des Central Hospital machten wir uns auf den Weg zu unseren einzelnen Stationen. Da wir aber erst einige andere Stationen und Krankenhäuser abklapperten, dauerte es eine Weile, bis wir auf der Orthopädie ankamen. Nachdem wir uns vorstellten, wurden wir zwei Oberärztinnen zugeteilt und machten mit Ihnen einen Plan für die ersten Tage.
Das Praktikum begann dann am Dienstag um 8:30 Uhr. Ich verbrachte den ersten Tag in der Notaufnahme und war dort einer Orthopädin zugeteilt. Dort war ich bei den Untersuchungen mit dabei, schaute Röntgenbilder an und half beim Gips anlegen.
Die restliche Zeit verbrachte ich dann auf der orthopädischen Station bzw. Im orthopädischen OP.
In meinem Krankenhaus gab es meistens 3 orthopädische OP-Säle, in denen ab circa 9 Uhr operiert wurde.
Mein Praktikum begann somit meisten 8:30 Uhr, zum Teil aber auch erst 9:00 Uhr.
Die meiste Zeit habe ich bei den OPs nur zugeschaut, was ehrlich gesagt irgendwann recht frustrierend war, da ich in Deutschland bereits oft steril mit am Tisch gestanden und mit operiert habe. Ich konnte aber verstehen, dass es für die Ärzte anstrengend gewesen wäre immer alles erst auf Portugiesisch und dann für mich noch mal auf englisch zu sagen.
Mir wurden die Schritte der verschiedenen OPs aber meistens gut erklärt und meine Fragen wurden mir auch immer beantwortet.
Ich war gemeinsam mit einer anderen Studentin auf der Orthopädie, allerdings waren wir unterschiedliche Ärzten zugeteilt und haben uns daher nicht oft gesehen.
Die Ärzt*innen und Pfleger*innen waren alle sehr nett zu mir und stets an meinem Praktikum interessiert.
Mein Tag endete dann meistens relativ früh, was ich aber angesichts des tollen social programs sehr gut fand :-)
Die medizinische Ausbildung scheint in Portugal weniger praxisbezogen, als in Deutschland zu sein, weshalb die Ärzte dann vielleicht auch weniger offen für Studenten am OP-Tisch sind.
Insgesamt empfand ich das Klima in portugiesischen Krankenhäusern als sehr viel unaufgeregter, ruhiger und gelassener als in Deutschland. Im OP war niemand beleidigt, wenn mal etwas defekt aus dem Steri wieder kommt und wenn die Ärzte mal 5 Minuten länger Pause machen wollen, dann machen sie das einfach.
Diese Arbeitsweise führt aber natürlich auch dazu, dass man weniger Patienten im gleichen Zeitraum behandelt ;-)

Land und Leute

Ich hatte so eine tolle Zeit in Portugal, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll.
Unsere LEO war wirklich einsame Spitze und der AEFCM, also das Lissabonner Local Committee insgesamt ist so toll! Alle waren jederzeit super hilfsbereit, immer bei den Aktivitäten des social programs dabei und immer erreichbar, wenn irgendwas wäre.
Die Menschen in Portugal waren auch so alle sehr freundlich und man hat sich wirklich wohl gefühlt.
Durch das prall gefüllte Social Program, hatte man viele Möglichkeiten, um Lissabon und Portugal besser kennen zu lernen. Es gab zwei national social program Wochenenden, an denen man nach Porto und Lissabon fahren konnte und dort gemeinsam mit allen anderen Local Commitees und deren Incomings ein Wochenende verbringen, die Stadt erkunden und feiern konnte. Ich habe beide Wochenenden im Voraus gebucht und kann es auch sehr empfehlen. Allerdings würde ich, wenn man in Lissabon seinen Austausch macht, nicht unbedingt das national social program Wochenende dort mit buchen. Man kennt Lissabon ja dann doch schon ganz gut, wenn man bereits zwei Wochen dort wohnt.
Unter der Woche gab es vom AEFCM dann meistens noch drei bis vier Angebote fürs social program vor Ort, da waren auch richtig tolle Sachen dabei. Wir waren surfen, haben eine Stadtführung gemacht und uns die View Points angeschaut, hatten ein Welcome- und Goodbye-Dinner. Wir waren gemeinsam im Bairro Alto, sind zur Cristo Rei gefahren, waren an einem tollen Strand außerhalb von Lissabon und noch vieles mehr. Und natürlich gab es auch eine National Food and Drinks Party.
Außerdem bin ich gemeinsam mit drei anderen Mädels noch ein Wochenende an die Algarve gefahren und würde das auch empfehlen. Man findet relativ leicht eine günstige Unterkunft und kommt von Lissabon mit dem Bus innerhalb von ein paar Stunden hin. Am besten wäre es natürlich, wenn man nach dem Austausch einfach noch ein paar Tage an der Algarve dranhängt!
Außerdem war ich noch in Coimbra und wie bereits erwähnt in Porto. Beide Städte waren wirklich einen Besuch wert!
Das Essen in Portugal war für mich als Vegetarierin nicht immer so besonders toll, aber ich habe mich im Laufe der Zeit besser zurecht gefunden und gute vegetarische Alternativen zum traditionellen Fisch entdeckt.
Man kann in Lissabon sehr gut ausgehen und tolle Abende im Bairro-Alto, am Wasser oder in den Straßen der Stadt verbringen. Die Portugiesen sind auch alle sehr Party affin, tanzen gerne und haben viel Spaß. Da macht man natürlich gerne mit ;-)

Fazit

Insgesamt würde ich jedem empfehlen einen Austausch über die bvmd im Studium zu machen. Ich habe zwar fachlich nicht so viel gelernt, hatte dafür aber eine unfassbar gute Zeit in Portugal, habe tolle Städte erkundet, super liebe Menschen kennen gelernt und durch den Austausch nun Freunde auf der ganzen Welt.
Ich würde jederzeit wieder nach Portugal reisen, auch um die ganzen lieben AEFCM Student*innen wieder zu treffen.
Ich habe vorher viel über das social program in Lissabon gehört und auch andere Incomings haben von positiven Berichten darüber erzählt und unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern sogar noch übertroffen! Also auf nach Lissabon, es lohnt sich!

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