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Italien (SISM)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Leona, Berlin

Motivation

Für mich war der Gedanke interessant, auf der einen Seite mal in ein Gesundheitssystem in einem anderen Land „reinzuschauen“ und generell eine Zeit im Ausland zu verbringen. Ursprünglich hatte ich mich für Schweden und Island beworben - für die ich abgelehnt wurde. Italien habe ich dann über einen Restplatz bekommen. Hierfür hatte ich mich entschieden, da ich in meiner Schulzeit Italienisch als zweite Fremdsprache hatte.

Vorbereitung

Sowohl die bvmd als auch die italienische sism waren bei allen Fragen sehr hilfreich und haben immer schnell geantwortet.
Besondere Vorbereitungen habe ich ansonsten nicht getroffen.
Meine Empfehlung wäre jedoch: Möchte man die Gegend erkunden sind italienisch Kenntnisse von eindeutigem Vorteil. Ich hatte das Glück Italienisch in der Schule zu lernen, was mir in sehr vielen Situationen weitergeholfen hat.

Visum

Für den einmonatigen Aufenthalt müssen Bürger von EU-Staaten kein Extra Visum beantragen.

Gesundheit

In den meisten Städten (wie auch in Parma) reicht ein vollständiger „normaler“ Impfausweis vollkommen aus. Welche Impfungen ggf. speziell benötigt werden ist auf der Seite der Städte auf der IFMSA-Homepage zu finden.

Sicherheit

Parma ist eine kleine schöne italienische Stadt mit vielen Cafés und Bars. Sicherheitsbedenken muss man hier keine haben - man braucht nur das italienische Flair (inklusive nächtlicher Spaziergänge zum Eisessen etc.) zu genießen.

Geld

Da in Italien in Euro bezahlt wird, muss man sich vor der Reise keine Gedanken um evtl. Geldtausch zu machen. Für Bargeldabhebungen empfiehlt es sich jedoch eine Reisekreditkarte oder ähnlich vorher zu beantragen, da ansonsten hohe Gebühren fällig werden (sowohl von der eigenen, als auch von der italienischen Bank).

Sprache

Mit Englisch kommt man im Krankenhaus, sowie in den touristischen Gebieten relativ weit.
Mir ist jedoch aufgefallen, dass viele Menschen (jung und alt) außerhalb des Krankenhauses kaum Englisch sprechen können, weswegen die Verständigung oft schwierig werden kann. Deswegen wären zumindest grundlegende Italienisch-Kenntnisse von eindeutigem Vorteil - gerade wenn man die Stadt außerhalb der touristischen Zone erkunden und Kontakt zu den Patienten suchen möchte.

Verkehrsbindungen

Parma ist eine relativ kleine Stadt, weswegen man quasi fast alles zu Fuß erreichen kann. Ansonsten gibt es aber auch die öffentlichen Busse (TEP - „Urban-Lines“), die Regelmäßig fahren (außer nachts kann es sehr schwierig werden). Im Bus kostet ein Ticket 2€, man kann sich aber auch zB in jedem Tabakladen ein 8-Fahrten Ticket für 8€ kaufen. In der Umgebung kann man viele Orte mit dem Zug oder auch preisgünstig mit dem Flixbus erreichen.
Zur An-/Abreise mit dem Flugzeug eignen sich vor allem Bologna (ca. 1 1/2h bis zum Flughafen) und Mailand (ca. 2h).

Kommunikation

In der Unterkunft haben wir nach der Anmeldung einen persönlichen Zugang zum WLAN erhalten (das hat ca. einen Tag gedauert), so dass die Skypen etc. kein Problem war. Auch im Krankenhaus und in Uni Nähe gibt es Eduroam ;)

Unterkunft

Die Unterkunft in Parma wurde von der Gastorganisation zur Verfügung gestellt. Wir haben alle in dem gleichen Studentenwohnheim ERGO Residenzia Volturno (ca. 10min Entfernung zum Krankenhaus und ca. 20-30min zu Fuß zum Zentrum) gewohnt. Die An- und Abreise war unkompliziert und alles super organisiert. Auch die Unterkunft an sich hat meine Erwartungen übertroffen: Jede Wohneinheit besteht aus zwei Einzelzimmern inklusive Kühlschrank und Zugang zu einem großen Balkon, sowie einem Bad und Küche für je zwei Zimmer (die beiden Zimmer sind mit einem kleinen Flur in der Mitte verbunden, vom dem Küche und Bad abgehen). Handtücher etc. war alles vorhanden, nur die Küche ist komplett ohne Ausstattung (Geschirr, Wasserkocher etc.). Man kann jedoch auf Nachfrage ein kleines „Küchen-Kit“ mit einem Teller, Schüssel, Pfanne, Topf und Besteck erhalten.
Auch Waschmaschinen und Trockner, sowie Gemeinschaftsräume sind auf jeder Etage vorhanden. Und bei allen anderen Fragen helfen die freundlichen Mitarbeiter im Büro am Eingang immer weiter ;)

Literatur

Für den Aufenthalt habe ich mich vor allem auf die Arbeit im Krankenhaus vorbereitet und mir die bvmd Infos durchgelesen. Über Parma findet man zahlreiche Informationen im Internet was man machen kann, aber da Parma eine relativ kleine Stadt ist und ich vier Wochen Zeit hatte, habe ich die Stadt „vor Ort“ erkundet. Hilfreich ist hierbei vor allem die Website der öffentlichen Verkehrsmittel „TEP“.

Mitzunehmen

Ich habe mich versucht auf das mindeste zu beschränken. Da ich im Sommer da war, musste ich zum Glück auch keine dicken Sachen mitschleppen, die man hier auch wirklich nicht braucht. Als ich im September da war, waren in der Regel so 25-30°C und auch die Nächte waren sehr mild und warm genug zum Eisessen. Es kann jedoch häufig regnen, weswegen Regensachen empfehlenswert sind.
Als Einzigstes habe ich einen Wasserkocher vermisst (siehe Abschnitt „Unterkunft“).
Gleich um die Ecke der Unterkunft, sowie im Zentrum finden sich zahlreiche Läden, wo man alles bekommt was man ggf. vermisst.

Reise und Ankunft

Die An- und Abreise war sehr gut organisiert. Ich bin einen Tag vor dem ersten Arbeitstag angereist und wurde von meiner Kontaktperson in Parma am Bahnhof abgeholt und zur Unterkunft gebracht, wo man schon auf uns wartete. Auch am ersten Tag wurde uns von der jeweiligen Kontaktperson alles gezeigt (Krankenhaus, Anmeldung, Mensa) und man hatte immer einen Ansprechpartner für alle Fragen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Krankenhaus „Ospedale Maggiore die Parma“ ist ein riesiges Zentrum mit zahlreichen Fachabteilungen. Der gesamte Campus ist in etwa genauso groß wie die Altstadt und im Krankenhaus selber braucht man eine Weile um sich zurecht zu finden. Es gibt jedoch an fast jeder Ecke kleine Informationstische, an denen man nach dem Weg fragen kann.
Während meines Aufenthalts war ich in der Plastischen Chirurgie, welche auch mein Erstwunsch war. Am ersten wurde ich von meiner Kontaktperson zum Krankenhaus begleitet und meinem Tutor vorgestellt: In der Abteilung arbeiteten ein Professor, eine Oberärztin, sowie zwei Assistenzärzte. Den Professor (mein eigentlicher Tutor auf dem Papier) habe ich nur am ersten und am letzte Tag gesehen - dafür war ich immer mit den anderen dreien unterwegs, die in der Regel auch alle OPs zusammen gemacht haben. Auf der einen Seite war es dadurch am OP-Tisch leider relativ voll, aber man hatte auch immer einen Ansprechpartner. Auch die Saalschwestern und -pfleger waren sehr bemüht und haben immer für einen guten Platz mit Treppchen gesorgt. ;) Einige Male durfte ich auch assistieren. Ansonsten ist es in Italien eher unüblich als Student viel praktisch zu arbeiten, da es keine wirklichen Famulaturen gibt. Wenn man sich aber ein bisschen engagiert und interessiert gezeigt hat, waren die Ärzte in meiner Abteilung aber offen. Und auch wenn die Arbeit nicht so praktisch wie in meinen bisherigen Famulaturen in Deutschland war, war es trotzdem sehr spannend. Zudem war ich jede Woche auch in der Ambulanz und auf Station bei der Visite. Bei den Untersuchungen und Anamnesen bleibt auch immer noch die Sprachbarriere - die meisten Patienten konnten kaum Englisch. Ohne Italienisch kommt hier also leider nicht sehr weit.
Mir blieb es auch weitgehend überlassen, wie viele Stunden ich am Tag da war. In der Woche waren es in der Regel vier Tage mit durchschnittlich fünf Stunden (da an einem Tag immer nur Schreibarbeit war und es für mich nichts zu tun gab). Es wäre aber auch kein Problem gewesen mehr/weniger Tage flexibel zu kommen. Auch von den anderen aus meiner Gruppe habe ich das ähnlich so gehört.
Insgesamt ist das Gesundheitssystem vor Ort relativ ähnlich zu unserem (aber Vorsicht - viele Medikamente in den Apotheken sind um einiges teurer). Das Medizinstudium in Italien ist, wie oben beschrieben und wie ich es mitbekommen habe, vor allem sehr theoretisch. Ansonsten sind die Inhalte ähnlich aufgebaut. Ein weiterer Unterschied ist, dass es im Anschluss an das Studium Ranglisten (je nach erreichter Note) gibt, von denen abhängig ist wo und in welcher Fachrichtung man seine Facharztausbildung macht.

Land und Leute

Parma ist eine eher kleinere Stadt mit knapp 200.000 Einwohnern im Norden Italiens und vor allem bekannt für das regionale Essen - Parmesan und Parmaschinken. Das Zentrum ist genauso, wie man sich eine typische italienische Stadt vorstellt - mit schmalen Gassen, alten Gebäuden und vielen kleinen Cafés. Man merkt, dass hier auf Essen sehr viel Wert gelegt wird und an vielen Ecken gibt es kleine Feinkostläden wie die „Prosciutterien“ und „Salumerien“. Auch in den Supermärkten findet man hauptsächlich regionale oder zumindest italienische Produkte.
Entlang der Haupteinkaufsstraße reihen sich die Restaurants, es lohnt sich jedoch auch ein paar Gassen ringsherum zu schauen da diese jedoch relativ teuer sind.
Nachts sind die Straßen fast belebter als tagsüber - auch wir haben uns ab und zu ein „kleines“ Mitternachtseis gegönnt. Zudem fand im September wo ich da war gerade das „Festival del Prosciutto“ statt. In der Regel kann man in Parma auch alles innerhalb von ca. 30min zu Fuß erreichen. Ansonsten gibt es aber auch regionale Busse mit denen man billig überall hin kommt - einige Einschränkung: nachts fahren diese sehr limitiert bis gar nicht. Ansonsten gibt es aber auch die Möglichkeit sich Fahrräder zu mieten.
Auch in der Umgebung gibt es viele Ausflugsziele - die meisten sind gut mit dem Zug oder per Flixbus zu erreichen. In der Nähe lohnt sich beispielsweise ein Tagestrip ans Meer nach Cinque Terre - eine Ansammlung von fünf Dörfern, die direkt am Meer in die Küste gebaut sind. Es ist zwar relativ touristisch, aber lohnen tut es sich auf jeden Fall! Ansonsten gibt es natürlich viel Kultur sowohl in Parma selbst, als auch in den umliegenden Städten. Wir haben uns zum Beispiel Mailand, Bologna und Florenz angeschaut, welche einfach erreichbar sind - außer Florenz, da lohnt sich mindestens eine Übernachtung. Für mich war Florenz jedoch fast zu überlaufen von Touristen und die Eintritte zu teuer, trotzdem ist es eine schöne Stadt (aber auch nicht sehr viel anders als andere größere alte italienische Städte, wie Bologna).
Wir haben auch zusammen mit unseren Kontaktpersonen eine Wanderung im Nationalparkgebiet „der einhundert Seen“ (parco dei cento laghi). Hier kann man über die Berge von See zu See wandern und wenn man Glück hat sogar bis zum Meer schauen (was bei uns nicht der Fall war - trotzdem war es großartig). Einziger Nachteil ist, dass der Nationalpark eigentlich nur günstig mit einem Auto zu erreichen ist.
Unser beliebtestes Ziel war jedoch das Café im „Parco Ducale“, direkt neben der Mensa, wo wir uns an sehr vielen Tagen nach dem Mittagsmenü einen Kaffee in der Sonne gegönnt haben.
Alles in allem kann man sagen, dass es viele Möglichkeiten gibt auch nach der Arbeit und am Wochenende viel zu entdecken, zu erleben und zu entspannen - und sei es einfach ein bisschen durch die Stadt zu bummeln oder einen Kaffee zu trinken, dass lohnt sich jeden Tag aufs Neue.

Fazit

Insgesamt würde ich diesen Famulaturaustausch eindeutig weiterempfehlen! Auch wenn Italien nicht mein ursprünglicher Wunsch war und ich „nur“ einen Restplatz bekommen habe war es eine tolle Erfahrung und würde es jederzeit wieder tun! :D

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