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Japan (IFMSA-Japan)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Sofie-Katrin, Hannover

Motivation

Ich wollte in einem anderen Land eine Famulatur machen, weil ich neugierig war wie die Diagnostik und Therapien sich von denen Deutschlands unterscheiden. Ich war gespannt auf den Umgang der Ärzte untereinander als auch mit den Patienten um dabei neue Blickwinkel auf verschiedene Bereiche der Medizin zu erlangen.

Vorbereitung

Ich habe von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. über eine Freundin erfahren die bereits im SCOPE Team mitgearbeitet hat. Außerdem habe ich schon selbst zwei Incomings betreut und mich bei einem PDT Wochenende in Hannover um die Organisation gekümmert. Ich habe wenig Probleme mit den Formalitäten gehabt. Wenn ich Probleme hatte habe ich mich an andere Studierende gewandt die mit der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e.V. ins Ausland gegangen sind oder im gleichen Zeitraum wie ich gehen sollten. Falls ich keine Antwort fand war Catharina als NEO-Out immer für meine Fragen offen und hat mir jederzeit weitergeholfen. Als ich den Kontakt nach Japan hatte war es etwas schwierig die dortigen Umstände zu klären, da Japaner nicht gut Englisch sprechen. Auch wenn mich dies manchmal unsicher gemacht hat, kann man vor allem in Japan sicher sein, dass im Endeffekt alles klappt, denn alle Japaner die ich getroffen habe, wollten unter allen Umständen meine Wünsche verwirklichen. Wenn ich dies rückblickend betrachte muss man sich also wirklich keine Sorgen machen. Ich habe ein Semester einen Japanisch Kurs der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Hannover besucht. Wer aber auf Japanisch Kommunizieren will braucht wesentlich mehr Zeit dafür. Ich schätze dass man mit 2 Jahren intensivem Sprachunterricht eine Chance gehabt hätte sich auf Japanisch zu verständigen

Visum

Für Japan braucht man, wenn man die deutsche Staatsbürgerschaft, hat kein Visum, da es sich um ein unbezahltes Praktikum handelt. Man darf 90 Tage mit einem Reisevisum in Japan bleiben, dass man direkt bei der Einreise gestempelt bekommt. Als Grund für den Aufenthalt sollte man bei der Einreise ,,Travel‘‘ angeben. Auf der Seite des japanischen Außenministeriums, sowie auf der japanischen IFMSA Seite kann man dies nachlesen.

Gesundheit

Die Japaner verlangen für die Teilnahme am IFMSA Programm einige Check-ups. Was gefordert wird, kommt zwar auch auf die Universität an bei der man sich bewirbt, aber es war doch recht viel Arbeit die geforderten Nachweise innerhalb der 2 Wochen zu erbringen. Man sollte sich dementsprechend frühzeitig nach der Zusage um die Nachweise kümmern. Wenn man es nicht schafft, sollte man dem NEO-Out Bescheid geben, dann war es meist kein Problem die Sachen nachzureichen. Neben der auch in Deutschland üblichen Impfungen wurden Röntgen-Thorax, Nachweis einer Tuberkuloseinfektion mit gamma-release-Assay, und ein Hepatitis-B-Antikörper-Nachweis gefordert. Weil ich in Japan auch noch in sehr ländlichen Gegenden gereist bin habe ich mich gegen die japanische Meningoenzephalitis impfen lassen. Meine Reiseapotheke habe ich zum Glück nicht gebraucht. Sie beinhaltete Standards wie Schmerzmittel, Elektrolytlösungen zum anrühren und auch Fenistil.

Sicherheit

Spezielle Versicherungen musste ich nicht abschließen, da meine Kranken- als auch meine Haftpflichtversicherung für Schäden im Ausland aufkommen. Meiner Meinung nach ist Japan sicherer als Deutschland. Meine Universität war in einer sehr kleinen Stadt in der ich auch Nachts noch alleine mit dem Rad umherfahren konnte. Ich habe mir lediglich in Tokio und anderen größeren Städten nach 24.00 Uhr Gedanken gemacht, ob ich alleine nach Hause laufen kann. Ansonsten habe ich mich in jeder Stadt sehr sicher gefühlt. Ich würde das auch im Nachhinein nicht anders bewerten. Ein häufiges Wetterereignis in Japan sind Taifune. In der Zeit in der ich in Japan kam es einmal dazu. Im Vorhinein haben mir viele Einheimische gesagt ich solle das Haus nicht verlassen. Es lohnt sich die Wetterberichte und die Nachrichten zu kontrollieren und mit Einheimischen zu reden. Wenn man in der Zeit einen Ausflug geplant hat, heißt das nicht automatisch, dass man diesen absagen muss, man sollte aber definitiv vorsichtig sein.

Geld

In Japan kann man in Restaurants Supermärkten und vielen anderen Einkaufsläden mit einer Visakarte bezahlen. Vor Reiseantritt habe ich mir keine japanischen Yen besorgt, sondern direkt am Flughafen erstmal ein bisschen Geld gewechselt. Ich glaube es ist aber günstiger, wenn man direkt zum Geldautomaten geht und sich dort Geld abhebt.

Sprache

Die Japaner sprechen schlecht bis gar kein Englisch, deswegen lohnt es sich, frühzeitig anzufangen die Sprache zu erlernen. Während des Aufenthalts lernt man jedoch auch noch sehr viel dazu. Viele Worte haben die Ärzte aber auch in der Zeit während ich dort war auf Englisch gelernt. Die Ärzte waren immer sehr bemüht die Worte die sie auf Englisch konnten zu nutzen, um mir zu erklären um was es geht.

Verkehrsbindungen

Ich bin vor meiner Famulatur 11 Tage in Japan gereist. Deswegen hatte ich den Japan Railpass, mit dem man viele Verkehrsverbindungen in Japan nutzen kann. Der Pass beinhaltet neben den Schnellstreckenzügen ,,Shinkansen‘‘ viele lokale und überregionale Verbindungen. Auch eine Fähre zu einer Insel ist inbegriffen. Ich habe das Busnetz während dieser Zeit nicht benutzt deswegen bin ich mir unsicher, glaube jedoch, dass man manche Fernbusse damit auch benutzen kann. Alles in allem ist der Japan Railway Pass sehr zu empfehlen. Die Züge und Busse sind sehr pünktlich es lohnt sich 15min vorher am Bahnsteig zu sein. Wenn man schon festgelegt hat welchen Zug man benutzen möchte, kann man einen Sitzplatz kostenlos reservieren. Ich wollte jedoch meist flexibel reisen und bin meistens ohne Sitzplatzreservierung in den dafür gekennzeichneten Wägen gefahren.

Kommunikation

Ich habe mir bei meiner Ankunft im Flughafen Tokio Haneda eine Traveler Sim Card gekauft. Damit hatte ich für 30 Tage 1 GB für ungefähr 23 Euro. Es gibt verschiedene Traveller Sim Anbieter über die ich mich vor meiner Anreise nicht informiert habe, die aber wohl unterschiedliche Tarife anbieten. Außerdem kann man sich am Flughafen auch eine SIM-Card mieten. Man kann in Japan als Ausländer keine eigene Telefonnummer haben. Ich hatte in meiner Unterkunft kein Internet und deswegen meistens das eduroam Wifi meiner Universität benutzt.

Unterkunft

Die Unterkunft wurde mir von der Lokalgruppe der IFMSA organisiert. Das Zimmer war toll und mit einem kleinen Bad einer Sitzgruppe und einem großen gemütlichen Bett ausgestattet. Jeden Morgen hat der Zimmerservice mein Bett gemacht und geputzt. Das Zimmer war außerdem mit einer Klimaanlage, einem Fernseher und einem Wasserkocher ausgestattet. Die Bewohner des Flures waren zum Großteil Patienten der Universität die auf eine OP warteten. Mit den Mitbewohnern des Flures hatte ich keinen Kontakt, da ich meistens früh aus dem Haus war und spät nach Hause kam. Man hatte die Möglichkeit eine Gemeinschaftsküche zu nutzen, was ich auf Grund von hygienischen Gründen nur sehr selten gemacht habe. Das Zimmer war nur 2min mit dem Fahrrad von der Universität entfernt was sehr bequem für mich war. In die Stadt brauchte man mit dem Rad 15mins und der nächste Supermarkt war innerhalb 10mins mit dem Rad zu erreichen.

Literatur

Während meiner Reise habe ich den Blog ,,Wanderweib‘‘ regelmäßig zur Strukturierung und Planung meines Aufenthalts gelesen. Der Blog bietet eine gute Übersicht mit vielen Fotographien über sehr viele Sehenswürdigkeiten Japans. Außerdem gibt er einen Einblick in kulturelle Gepflogenheiten der Japaner. Dort kann man beispielsweise nachlesen, wie man sich in einem ,,onsen‘‘ = japanisches Bad, verhält. Für den Aufenthalt in einer bestimmten Präfektur (Bundesland Japan), lohnt es sich auf deren Website nach Sightseeing-Möglichkeiten nachzuschauen. Auch die Offiziele Seite ,,Visit Japan’’ ist eine sehr gute Möglichkeit um an Informationen zu gelangen. Ich hatte außerdem den Japan Reiseführer von National Geographics. Der Reiseführer hat mit meinem Geschmack für Sightseeing nicht immer übereingestimmt. Als positiv würde ich die einzelnen Stadtspaziergänge bewerten die dort beispielsweise für Kyoto aufgeführt wurden. Ich habe den Reiseführer vor allem zur generellen Streckenplanung benutzt, da er auch eine große Karte Japans und der Städte Tokyo und Kyoto beinhaltet.

Mitzunehmen

Man sollte unbedingt genügend Adapter für die Steckdosen in Japan mitbringen. Ich hatte nur einen dabei das war manchmal etwas knapp. Da es in Japan manchmal sehr stark und sehr plötzlich anfängt zu Regnen sollte man einen kleinen Regenschirm und auch ein großes Regencape als auch einen geeigneten Regenschutz für Rucksäcke dabei haben. Für die Famulatur sollte man genügend schwarze oder dunkelblaue Stoffhose dabei haben. Nicht zwingend notwendig aber angebracht ist es auch weiße Blusen unter dem Kittel zu tragen. Das Stethoskop und den weißen Kittel hätte ich nicht zwingend von zu Hause mitbringen müssen, da mir beides vom Klinikum gestellt wurde.

Reise und Ankunft

Ich bin mit dem Zug von Onomichi nach Izumo gefahren. Das bedeutete man musste einmal in Okayama umsteigen, was aber wirklich kein Problem war. Insgesamt lief die Anreise komplett Problemlos. Leider konnte ich erst am Abend vor meinem Praktikumsbeginn in meiner Gastuni in Empfang genommen werden, dafür musste ich aber auch am nächsten Tag erst um 13.00 Uhr in der Famulatur sein. Am Bahnhof begrüßte mich ein Mitglied der lokalen IFMSA-Gruppe, die mich mit ihrem Auto zu meiner Unterkunft fuhr. Leider waren viele Sachen noch nicht organisiert wie beispielsweise wo ich wann am nächsten Tag sein sollte. Ich musste alleine das Büro des Professors finden um mich allen vorzustellen, weil keiner der Studenten Zeit hatte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurde ich um 13.00 Uhr im Büro des Professors empfangen. Ich erklärte Ihm den Grund meines Aufenthalts und erläuterte ihm meine Erwartungen an die Famulatur. Kurz darauf wurde ich meiner Betreuerin einer Oberärztin der Abteilung vorgestellt, die mit mir den Ablauf für die kommenden Tage plante. Danach fand eine Abteilungsinterne Konferenz statt in der ich mich allen Ärzten vorstellen konnte. Dort lernte ich auch die Studenten kennen, die in den kommenden zwei Wochen mit mir in der Abteilung rotierten.
Anfangs bin ich noch viel mit meiner Betreuerin mit gelaufen und habe morgens auf meinem Arbeitsplatz auf sie gewartet. Sie hat mich in der ersten Woche immer zu verschiedenen Orten gebracht wo es etwas zu sehen gab und dafür gesorgt, dass die Ärzte die an den unterschiedlichen Arbeitsplätzen eingesetzt waren, sich um mich kümmerten. Dies hat sich im laufe der Zeit sehr schnell geändert. Ich habe mich mit den einheimischen Medizinstudenten angefreundet die mich daraufhin in der Abteilung rumgeführt haben. In der zweiten Woche habe ich mich dann auch selbstständig an die verschiedenen Einsatzorte begeben, weil dann alle aus der Abteilung mein Gesicht kannten.
Ich war in der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe eingeteilt. Ich konnte selbstständig entscheiden ob ich auf Station, in den Kreissaal oder in den OP gehe.
In Japan darf man als Medizinstudent nichts praktisch machen. Auch die anderen sechs einheimischen Studenten durften nur zuschauen. Dementsprechend waren meine Tätigkeiten sehr begrenzt. Mit den Studentinnen habe ich mich auch sehr gut verstanden, daraus sind Freundschaften entstanden die auch über die Famulatur hinaus bestand hatten. Mit den Assistenzäztinnen enstanden auch schnell herzliche Kontakte. Sie waren jederzeit für mich ansprechbar und versuchten mich immer zu erreichen wenn es etwas zu sehen gab. Sie planten ein ,,Welcome Lunch‘‘ für mich und alle Ärzte verabschiedeten mich mit einem ,,Goodbye Dinner‘‘. Die Oberärztinnen waren sehr bedacht darauf mich, immer wenn es etwas Interessantes zu sehen gab, dazu zu holen. Zusammengefasst kann ich nur sagen, dass ich mir keine freundlichere Arbeitsatmosphäre hätte vorstellen können. Es war erstaunlich für mich zu erfahren wie freundlich und entspannt die Ärzte im Umgang miteinander waren. Vor allem im Vergleich zu deutschen Universitätskliniken an denen die Arbeitsatmosphäre oft recht aufgeladen ist, war es sehr beeindruckend zu sehen, wie auch in stressigen Situationen ein vergleichsweise ruhiger Umgangston herrscht.
In den kommenden Wochen verabredete ich mich meist am Tag zuvor mit einer der Assistenzärztinnen um mit ihr am nächsten Tag Patienten zu sehen. In Japan gibt es keine Visite wie in Deutschland. Jede Ärztin geht alleine nur zu den Patientinnen die sie jeweils betreut. Dort durfte ich immer mitkommen und auch die Patientinnen mituntersuchen. Im gleichen Zuge wurden auch vaginale Untersuchungen (Tastuntersuchung, Sonographie) durchgeführt. Dazu wurden die Patientinnen in ein Untersuchungszimmer gebracht. Hier wurden auch kleine Interventionen wie Balloneinlage oder Entfernung, Tamponaden und Ultraschall, im Rahmen der Visite durchgeführt. Nach der Visite hing es von den Geschehnissen des Tages ab was auf mich zukam.
Manchmal ging ich in den OP und schaute mir eine davon an. Ich wurde während meiner Zeit dreimal für eine OP eingeteilt und wurde dann auch aktiv mit eingebunden. Ich wäre gerne mehr bei den Operationen aktiv eingeteilt gewesen anstatt zuzuschauen. Die japanischen Studierenden nutzten die Gelegenheit im OP-Saal um auf Ihren Tablets für anstehende Prüfungen zu lernen. Wichtig für den OP in Japan ist, dass sich zu Anfang einer Prozedur alle Anwesenden mit ihrem Nachnamen vorstellen. Auch alle Studierenden sind dazu aufgefordert dies zu tun. Der erste Operateur beginnt und meistens endet die Vorstellungsrunde mit den Studenten. In meiner Universitätsklinik war es nicht üblich OP-Schuhe anzuziehen, man konnte jedoch Überzieher über die Schuhe anziehen. Zudem ist es auch nicht notwendig seine OP-Kleidung zu wechseln wenn man den OP-Bereich verlässt.
Stand eine Geburt kurz bevor so wurde ich in den Kreissaal gerufen. Dort durfte ich die Hebammen unterstützen und bei Geburten zusehen. Insgesamt war ich bei 10 Geburten anwesend von denen viele kompliziert waren. Ich konnte auch Entbindungen via Vakuumextraktion beobachten. 2 Mal kam es zu einem Notkaiserschnitt. Nach Entbindung durfte ich das Neugeborene untersuchen und absaugen. Die Episiotomie wurde meist von einer Assistenzärztin zugenäht. Was ich als sehr störend empfand war die Anwesenheit der vielen Studenten bei der Geburt. In manchen Situationen habe ich den Kreissaal deswegen auch verlassen weil ich es eine Zumutung empfand wie viele, für die werdende Mutter fremde Menschen, bei der Geburt zuschauten.
Darüber hinaus fanden oft kleinere Eingriffe im Rahmen der Unfruchtbarkeitssprechstunde statt, bei denen ich zuschauen durfte
Während der pränatal Sprechstunde durfte ich von Zeit zu Zeit, je nach anwesendem Arzt, die Kinder schallen und damit das Geburtsgewicht damit schätzen. Das Gesundheitssystem in Japan ist sehr Fortschrittlich. Die Japaner sind im Allgemeinen sehr vorsichtig und so auch wenn es um das Thema Schwangerschaftsvorsorge geht. Japanische Frauen sollten 14 Mal während einer Schwangerschaft zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Dort wird immer das Geburtsgewicht des Kindes mittels Sonographie geschätzt und in bestimmten Gestationswochen andere Untersuchungen wie Abstrich auf Chlamydien oder Streptokokken durchgeführt.
Allgemein außerhalb des Fachgebiets der Gynäkologie, ist mir vor allem die lange Wartezeit auf eine Operation aufgefallen. Ein weiterer Unterschied den ich zwischen Deutschland und Japan erkannte war die Patientenkommunikation. Dem Vorurteil gegenüber der japanischen Gesellschaft, sie seien sehr höflich kann ich absolut zustimmen. Dies schlägt sich auch in der Patientenkommunikation wieder. Zum einen fiel mir auf wie auch in schwierigen langwierigen Situationen, die Ärztinnen nett, freundlich und zugewandt blieben. Zum anderen waren die meisten der Patienten immer sehr dankbar und nie fordernd oder harsch.
Da ich mich in Deutschland darauf vorbereitet hatte, dass ich in Japan nicht viel praktisch machen durfte, war es in Ordnung für mich, bei vielen Dingen einfach nur zu zuschauen. Ich hätte gerne vaginale Untersuchungen und Sonographie durchgeführt. Außerdem hätte ich gerne eine Epiduralanästhesie durchgeführt oder eine Biopsie bei einer Kolposkopie gemacht. Leider ist dies nicht mal für japanische Studierende üblich. Manchmal war es dann etwas ernüchternd, wenn man bedenkt, dass man in manchen Kliniken in Deutschland viel mehr praktisch machen darf, darüber muss man sich im Vorhinein klar sein. Den Zugewinn an praktischen Fähigkeiten bewerte ich deswegen eher mangelhaft. Durch den Einsatz der Ärzte und deren Bestreben so viel wie möglich zu Übersetzen bewerte ich den Zuwachs an theoretischem Wissen jedoch als gut. Ich habe viel Wissen was ich im Modul Gynäkologie und Geburtshilfe in Deutschland gelernt habe aufgefrischt aber auch viele neue Ding dazugelernt.
Das Medizinstudium in Japan ist wie man sich bereits aus den vorherigen Absätzen vorstellen kann sehr theoretisch aufgebaut. Um zum Medizinstudium zugelassen zu werden, muss man einen nationalen Zulassungstest bestehen. Je nach Ergebnis kann man an einer ,,besseren‘‘ oder ,,schlechteren‘‘ Uni bewerben. Danach folgt im ersten Studienjahr eine Art Grundstudium in dem beispielsweise Englisch oder Philosophie unterrichtet werden. Im 2-4. Studienjahr folgen theoretische Unterrichtseinheiten. Ab dem 5. Studienjahr gilt man in Japan als Student Doctor und rotiert ein Jahr lang alle zwei Wochen in verschiedene Abteilungen. Im fünften Studienjahr sucht man sich dann vier bis fünf Fachrichtungen aus und rotiert wieder ein Jahr lang. Danach folgt das ,,National Exam‘‘ was vergleichbar mit dem deutschen Hammerexamen ist. Das Studium ist damit abgeschlossen. Es folgt eine 2 Jährige Ausbildung als ,,Intern‘‘ in der man wieder durch verschiedene Abteilungen rotiert. Im Gegensatz zum fünften und sechsten Studienjahr darf man hier schon etwas praktisch machen. In meiner Abteilung durfte der Intern Doctor eine Sectio unter Anleitung durchführen. Jedoch ist das Ausmaß der Verantwortung und des praktischen Arbeitens nicht vergleichbar mit einem Assistenzarzt im 1. Ausbildungsjahr

Land und Leute

Wie bereits erwähnt bin ich vor meiner Famulatur bereits 11 Tage durch Japan gereist. Ich habe vor allem in Hostels geschlafen und mich mit dem Zug fortbewegt. Ich bin in vielen Städten aber auch in ländlichen Gegenden unterwegs gewesen. Angefangen in Tokio zog es mich erstmal aus der Stadt in ein kleineres Dorf in der Nähe (Nikko). Auch in den letzten drei Tagen in Japan konnte mich die Hauptstadt nicht begeistern weswegen ich einen längeren Aufenthalt dort nicht empfehlen kann. Mir fehlte vor allem ein ,, Charackter‘‘ der Stadt. Tokio war für mich jedoch einfach nur laut groß, mit vielen großen Hochhäusern. Dies entspricht nicht meinem Geschmack von Sightseeing. Viel besser gefallen hat mir Kyoto , die alte Kaiserstadt Japans. Dort habe ich mich richtig wohl gefühlt und sehr viele Tempel besichtigt. Dort habe ich auch an einer Teezeremonie teilgenommen, was ich nur jedem empfehlen kann der nach Japan geht. Es lohnt sich auch eine Teezeremonie zu besuchen in der man etwas über die Kultur des Tee’s und den Ablauf der Teezeremonie erfährt, da es sonst relativ undurchsichtig ist. Ich war auch in den japanischen Alpen unterwegs. Besonders empfehlen kann ich den Wanderweg zwischen Magome-Tsumago. Auch die kleine Stadt Takayama hatte für mich einen besonders reizvollen Charme. In den japanischen Alpen befinden sich viele heiße Quellen die als traditionelle Japanische Bäder benutzt und – onsen- genannt werden. Ich empfehle jedem diese Erfahrung zu machen, auch wenn es etwas Überwindung kostet als einziger Ausländer unter Japanern zu baden. Das Reisen in Japan empfand ich als sehr angenehm da alle Verkehrsmittel immer pünktlich und nach Plan fahren. Für lokale Busfahrten ist es empfehlenswert immer 1000 Yen scheine dabei zu haben. Wie bereits erwähnt sind die Japaner extrem freundlich und höflich. In einzelnen Situationen war dies für mich jedoch sehr undurchsichtig, weil man nie wusste ob die Freundlichkeit die sie einem entgegen brachten ehrlich gemeint oder eben nur höflich war. Die Höflichkeit und die Freundlichkeit der Japaner kann ich wegen meiner Erfahrungen von zwei Seiten bewerten. Letztendlich änderte dieser Konflikt jedoch nichts an der Tatsache, dass die Studierenden die ich dort kennenlernte als auch die Ärzte versuchten mir alles zu ermöglichen was ich mir vorgestellt hatte.
Während meines Aufenthalts unternahm ich viele Tagesausflüge mit den Studierenden der Universität. Auch Abends luden sie mich zum Essen ein oder wir kochten gemeinsam. Ein absolutes Highlight für alle Japaner war der Tag an dem ich für die gesamten Ärzte und die sechs Studierenden Kaiserschmarrn mit Apfelmus und Schlagsahen zubereitete. Ab sofort ist ,,big german ripped pancake‘‘ das Lieblingsessen des Chefarztes.
Ich hätte auch gerne bei einer japanischen Gastfamilie gewohnt, auch wenn dies bedeutet hätte, dass ich weniger Freiheiten gehabt hätte. Die Japanische Gastfreundlichkeit hat diesen Auslandsaufenthalt sehr wertvoll gemacht.

Fazit

Ich betrachte diesen Auslandsaufenthalt vor allem als Gewinn, da ich einen anderen Blickwinkel auf verschiedene Bereiche des ärztlichen Handelns miterleben durfte. Nicht nur in der Patientenkommunikation aber auch im Umgang zwischen den Ärzten. Auch fachlich habe ich mich in die Thematik nochmal genauer eingearbeitet und daraus sehr profitiert.

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