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Korea (KMSA Korea)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Elias, Heidelberg

Motivation

Da in der Forschung Auslandserfahrung unerlässlich ist, wollte ich schon so früh wie möglich damit anfangen, Erfahrung in anderen Laboren zu sammeln. Dazu kommt, dass so ein Praktikum natürlich die beste Möglichkeit ist, um einen Perspektivwechsel zu vollziehen, der über den Touri-Eindruck hinaus geht. Meine Hoffnung war es die Leute in meinem Gastland in ihrem Alltag zu erleben und damit auch die Probleme von Ihnen besser zu verstehen. Korea habe ich ohne viel Vorwissen gewählt. Ich fand die Idee ganz Interessant und warum denn auch nicht Korea.

Vorbereitung

Die Vorbereitung für meinen Austausch war sehr entspannt, vielleicht auch ein wenig dilettantisch. Da man kein Visum oder spezielle Impfungen braucht, habe ich lediglich geschaut was ich mir so anschauen will in der Freizeit. Einen Sprachkurs würde ich im Nachhinein empfehlen.

Visum

Korea kann man als Deutsche_r problemlos mit einem Touristenvisum bereisen. Für dieses füllt man im Flugzeug 3 Formblätter aus und gut ist.

Gesundheit

Für Korea braucht man keine besondere Prophylaxe oder Schutzimpfung. Man hat mir im Land von Tuberkulose-Fällen berichtet, sonst schien die Lage für einen Besucher sehr ungefährlich zu sein. Schwierigkeiten gab es bis auf die unpasteurisierte Milch nicht. Da ich des Koreanischen nicht mächtig war, hatte ich nicht gemerkt, was ich da gekauft hatte. Die Magenverstimmungen führten zu einem Tag Bettruhe.

Sicherheit

Korea ist ein sehr sicheres Land. Für den Geschmack von manchen vielleicht zu sicher. Kaum ein Ort ist nicht Videoüberwacht, was allerdings auch so gekennzeichnet wird. Die Koreaner sind sehr stolz in einem so sicheren Land zu leben, ich fand es auch angenehm.

Geld

In Korea bezahlt man mit dem koreanischen Won. Da Korea viel Wert auf Technik legt, kann man fast überall mit Kreditkarte bezahlen. Ich hatte keine Kreditkarte mit, was eine dumme Idee war, das war mir aber auch im Vorhinein klar. Das hat dann dazu geführt, dass ich hin und wieder ein bisschen suchen musste, um einen internationalen Geldautomaten zu finden.

Sprache

Leider sprechen die Koreaner viel schlechter Englisch als ich dachte. So wurde hin und wieder die Translator-App bedient, wenn es nötig war. Manche sprechen Chinesisch oder Japanisch, europäische Sprachen sind selten.

Verkehrsbindungen

In Korea gibt es ein exzellentes Netz von öffentlichen Verkehrsmitteln. Züge und Busse sind fast immer pünktlich und weitestgehend günstiger als die deutschen Äquivalente. Auch wenn Koreaner gerne Taxi fahren, bin ich dem Bus treu gewesen für alle Erledigungen.

Kommunikation

Am Flughafen verkaufen sie einem sündhaft teure, aber dafür sehr gut funktionierende Sim-Karten. Ich hatte für den Monat unbegrenzt High-Speed Internet für umgerechnet 80 Euro. In der Stadt hätte man sicher auch Karten für 60 Euro gefunden, dafür war ich dann aber sorgenfrei. LTE hatte ich dann sogar im entlegensten Winkel des Landes, telefonieren geht mit so einer Karte nicht.

Unterkunft

Die Uni bot mir eine Doppelzimmer im Dormitorium. Dort musste ich leider erstmal einen Grundstock an Geschirr anlegen, das hätte man vielleicht besser organisieren können. Im Dormitorium gab es leider nur eine Mikrowelle und keine Küche. Kühlschrank und Wasserspender mit heißen Wasser waren vorhanden.

Literatur

Ich habe mir den DuMont Reiseführer gekauft, der sehr zu empfehlen ist. Ansonsten gibt es ein paar Internetseiten, die einen über aktuelle Events informieren, das was zum Beispiel in Seoul sehr hilfreich. Literaturtipp für wenn man dort war oder ist: Die 4 Bücher und 5 Klassiker des Konfuzianismus.

Mitzunehmen

Eine normale Stadttouristenausrüstung war völlig ausreichend. Da man mir von Klettertouren erzählte, nahm ich Wanderschuhe und -hose mit. Die Nationalparks ließen sich aber problemlos in Sneakers durchschreiten, die Wanderschuhe habe ich nicht benutzt.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief weitestgehend problemlos. Das Verkehrssystem ist intuitiv, auch wenn man kein einziges Zeichen versteht kommt man an. Beim Krankenhaus hat man mich dann in Empfang genommen und mir mein Zimmer gezeigt. Meine Betreuerinnen haben mich dann auch den Professoren vorgestellt, welche mir meine Aufgaben sagten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Aufgabe war es, non-virale Vektoren für Gentransfer zu synthetisieren und zu modifizieren. Weiter habe ich die modifizierten Vektoren getestet und ausgewertet. Betreut hat mich dabei ein Professor der Universität, welcher selbst im Bereich Materialkunde promoviert hatte. Die Kommunikation mit ihm war meistens gut, er sprach gut Englisch und war immer ansprechbar, wenn ich Hilfe brauchte. Weiter hat er mich hin und wieder mit zum Essen genommen, was ich selbst als sehr lehrreiche Veranstaltung was koreanische Ess-Kultur betrifft wahrgenommen habe. Neben einem Labor, in dem im Prinzip nur ich gearbeitet habe, hatte ich einen Schreibtisch mit zwei Desks in einem Gruppenbüro.
In den ersten Tagen habe ich vor allem Paper zum Lesen bekommen, um die ganzen Synthesen kennenzulernen und einen Überblick zu bekommen, was man mit den Vektoren anfangen kann. Dann haben wir angefangen mit den Experimenten. Da ich vorher schon mehrfach im organisch-chemischen Bereich unterwegs war, waren die Aufgaben, die man mir zuwies oder die ich mir selbst suchte meistens im Bereich des machbaren. Da das Labor über keine High-End Technik verfügte gab es auch kaum neues zu lernen. Das bei unseren Experimenten kein super-magic Vektor rauskommt war absehbar. Ich habe viel pipettiert, zu den Methoden gehörte den FTIR bedienen, Potentiometrie, DSC, Extraktionen, Fällungsreaktionen usw., was man im chemischen Labor so macht.
Koreaner fangen, für mich unerwartet, erst zwischen neun und zehn an zu arbeiten, bleiben aber auch bis zehn. Insgesamt sind sie fleißig und tun was man Ihnen sagt. Was einem an Tag eins auffällt ist die Strenge Hierarchie, die im Labor gelebt wird. Da wird sich verbeugt, wenn der Chef hereinkommt und nicht widersprochen. Zu mir waren die Professoren meist sehr freundlich und auch die Gespräche waren eher auf einer Ebene. Ob sie meine Haltung als respektlos warnahmen oder das Gefühl hatten ich verhalte mich meines Standes entsprechend, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Mit meinem Professor sprach ein einmal über dieses Thema und er ließ durchblicken, dass er in Europa (er war für ein Jahrzehnt im Westen) durchaus gelernt hätte, wie Umgang für uns aussehe.
Die anderen Labormitarbeiter waren in der Regel herzallerliebst und für jeden Scherz zu haben. Ich bin immer noch berührt von der Gastfreundschaft und Offenheit, die mir zuteil wurde. Ein Labormitarbeiter, so alt wie ich, holte mich einmal in höchster Not mitten in der Nacht in Daegu ab, als mein Flieger Verspätung hatte und mein Flug zurück nach Deutschland auf dem Spiel stand. So kam ich auch am Wochenende gerne vorbei, die Arbeitsatmosphäre war meistens gut.

Land und Leute

Abgesehen von kleineren Tagestouren in naheliegende Nationalparks, Museen oder Städte habe ich in der Zeit von einem Monat 2 große Ausflüge gemacht. Einmal war ich für 5 Tage in Seoul und am Ende meiner Reise war ich noch einmal für 5 Tage in Tokio. Lediglich eine Reise nach Busan habe ich aus Zeitgründen nicht geschafft. Alle Reisen empfand ich als Bereicherung obwohl es bessere und schlechtere gab. Aufgrund der guten Verkehrssituation und dem hohen Sicherheitsbedürfnis kam es dabei selten zu abenteuerlichen Situationen. Alle Städte sind von Daejeon aus innerhalb 2,5 Stunden mit dem Zug zu erreichen, die Nationalparks auch. Eines der Highlights meiner Reise war natürlich der Ausflug nach Seoul. Dort traf ich eine Kieler Medizinstudentin, die ihre Famulatur in Cheonan, einer weiteren Kleinstadt machte. Zusammen erkundeten wir die wirklich sehr vielfältige Hauptstadt, lagen in Parks, gingen feiern, aßen gut, besuchten ein Baseballspiel und Museen. Hierbei fällt sofort auf, dass es einen großen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt. Bis zu meinem Aufenthalt in Korea war mir Korea sehr zugeknöpft, zurückhalten, wenn auch liebevoll und aufmerksam vorgekommen. In Korea sah ich das erste Mal laute Popkultur, Szene, jugendliche aufreizend tanzen und so weiter. Ich habe meine Mitmenschen in Daejeon als sehr Pflichtbewusst und fleißig erlebt, was nicht so recht mit dem Bild der normalen Feierwelt einer Großstadt zusammenpasste. Vielleicht waren es auch einfach zwei verschiedene Jugendschichten, die mir da entgegenstießen, schließlich versicherten mir meine Kommilitonen in Daejeon, dass nur die Leute feiern gehen würden, die wenig zu tun hätten.
Allgemein werden Medizinstudenten in Korea sehr verehrt. Dies kommt vielleicht auch daher, dass Koreanische Doktoren im Vergleich durchschnittlich doppelt so viel verdienen wie Deutsche -. Die Gegenseite zu dieser Medaille ist ein Gespräch mit einem Professor für Medizinische Kommunikation. Er beschwerte sich sehr über die Hochnäsigkeit von Medizinstudenten und wünschte sich einen anderen Umgangston.
All dies sind Symptome einer Gesellschaft, in der man viel arbeiten muss, um nach oben zu kommen und gerne nach unten tritt, wenn man dort angekommen ist. Ich habe viele Studierende kennengelernt, die sehr unter Druck standen und viele Dozenten, die meine Kommilitonen unfreundlich behandelt haben. Viele Studierende, die ich traf, hatten Depressionen und wenige waren glücklich. So lange man auf einer Ebene war, war es ziemlich lustig und ungezwungen. Überall wo ich als Tourist hinkam, war man ebenfalls sehr freundlich und immer hilfsbereit.

Fazit

Meine Erwartungen an einen Perspektivwechsel wurden sehr positiv erfüllt. Die Erfahrungen bereichern mein Denken und meine Vorstellung von menschlichen Zusammenleben. Ich würde sofort wieder nach Korea reisen oder auch erneut ein Praktikum dort machen. Dort Leben und Arbeiten könnte ich mir nicht vorstellen, da man als Teil des System ganz anderes behandelt wird, wie als Gast.

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