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Mexico (IFMSA-Mexico)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Katharina, Hannover

Motivation

Da ich schon einmal an einem Famulaturaustausch mit der bvmd im letzten Jahr teilgenommen habe und mir das Programm sehr gut gefallen hat, wollte ich unbedingt noch einmal einen Monat weg. Diesmal sollte es aber ins spanisch-sprachige Ausland gehen, um mein Spanisch ein bisschen aufzupeppeln. Für Mexiko habe ich mich entschieden, da es mir in Südamerika im Sommer zu kalt war und mir viele Freunde nur Gutes aus dem Land berichtet hatten.

Vorbereitung

Wie schon oben geschrieben, kannte ich die bvmd durch ein voriges Auslandspraktikum und war daher schon mit dem Bewerbungsverfahren vertraut. Für mich bedeutet eine Famulatur mit der bvmd eine gute Möglichkeit, um eine Famulatur mit einem Einblick in die Kultur des Gastlandes zu verknüpfen. Außerdem wird sehr viel organisiert und man hat direkt den Kontakt zu den Einheimischen in Form von Ansprechpartnern vor Ort. Ich hatte keine Schwierigkeiten bei den Formalitäten, habe jedoch darauf geachtet, mich frühzeitig für den Fahrtkostenzuschuss zu bewerben. Ich habe dann ziemlich lange auf meine Zusage des Gastlandes gewartet, aber im Mai bekam ich dann endlich Bescheid: Im August würde es nach Mexiko gehen!

Visum

Ein Visum ist für Mexiko nicht notwendig. Bei der Einreise bekommt man eine sogenannte Touristenkarte, die maximal 180 Tage gültig ist. Diese muss sicher verwahrt und bei der Ausreise vorgelegt werden. Denkt an die Beantragung von ESTA/ETA, wenn ihr über die USA/Kanada reist.

Gesundheit

Ich habe keine speziellen Vorkehrungen getroffen, habe mich aber für frühere Reisen schon gegen Hepatitis A+B impfen lassen. Ansonsten sollte man sich die aktuellen Malariagebiete anschauen. Das hat mich aber nicht betroffen.

Sicherheit

Natürlich hatte ich Bedenken bezüglich der Sicherheit in Mexiko. Man bekommt ja viele Horrorgeschichten mit. Dennoch haben mir alle, die schon mal in Mexiko waren, nur dazu geraten zu fahren. Es sei weitaus sicherer als erzählt wird, besonders wenn man gesunden Menschenverstand an den Tag legt und sich an bestimmte Regeln hält. Beispielsweise nicht im Dunkeln alleine raus, statt Taxi lieber Uber benutzen, Wertgegenstände sollten nicht offen gezeigt und benutzt werden, statt Nachtbussen lieber tagsüber fahren etc.
Es kommt jedoch sehr auf die Region und die Situation an. Lieber einmal mehr die Einheimischen fragen oder im Reiseführer nachlesen, inwieweit man sich bewegen kann und welche Viertel gemieden werden sollten. In Mérida habe ich mich überhaupt nicht unsicher gefühlt, auch wenn wir im Dunkeln unterwegs waren. In den insgesamt 9 Wochen, in denen ich durch Südmexiko gereist bin, habe ich mich nicht ein Mal unwohl gefühlt.

Geld

Die Währung ist der mexikanische Peso, 1€ sind ungefähr 21 Pesos. In Touristengebieten werden auch Dollar angenommen, es gibt aber überall Banken, an denen man problemlos Geld abheben kann. Da diese aber alle Gebühren erheben, sollte man sich eine Kreditkarte besorgen, mit der die Gebühren erstattet werden. Es sollte generell nicht zu viel Geld mit sich getragen werden. Meistens habe ich die Kreditkarte und den Großteil des Bargeldes in der Unterkunft gelassen.
Die Lebenshaltungskosten sind sehr viel niedriger als in Deutschland. Wenn man in Restaurants isst, in denen auch Einheimische essen, lässt sich gut unter 2€ satt werden. Bei Eintritten von Sehenswürdigkeiten haben wir oft gespart, indem wir eine Immatrikulationsbescheinigung für die Gastuni vorgelegt haben. Damit haben wir meist nur den „nationalen Studentenpreis“ bezahlt, der um einiges günstiger war als der für Ausländer.

Sprache

Die Landessprache in Mexiko ist Spanisch, das im Vergleich zu anderen Staaten Südamerikas sehr gut zu verstehen ist. Englisch wurde nur in Touristenorten gesprochen, ansonsten war die Kommunikation eher schwieriger. Auch die Studenten haben teilweise schlechtes bis kein Englisch gesprochen. In Mérida wird neben Spanisch auch Maya gesprochen, eine Sprache der indigenen Bevölkerung. Im Krankenhaus waren viele Maya-sprechende Patienten, die nur sehr schlecht Spanisch gesprochen haben. Ansonsten wurde im Krankenhaus nur wenig auf Englisch übersetzt und mit den Patienten konnte man nur ausschließlich auf Spanisch sprechen. Je besser Spanisch man spricht, desto mehr kann man lernen und darf dann auch machen. Es ist aber auch möglich eine Famulatur ohne Sprachkenntnisse zu machen. Eine Austauschstudentin kam auch ohne Kenntnisse zurecht. Wahrscheinlich ist es aber in anderen Städten noch deutlich leichter als in Mérida.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach Mexiko geflogen. Dabei war es für mich günstiger nach Cancún zu fliegen, da Mérida relativ nah ist. Die Preise waren zu dem Zeitpunkt auch günstiger für Cancún als Mexiko-Stadt. Ansonsten kann man im ganzen Land gut mit den Fernbussen von „ADO“ fahren, die alle der ersten Klasse angehören. Von Vorteil ist die ADO-App mit der man etwas im Voraus auch deutlich günstigere Tickets bekommen kann. Noch günstiger ist es mit Bussen von „Oriente“ oder „Mayab“ zu fahren. Die Tickets kosten meist die Hälfte, die Fahrt dauert aber auch sehr viel länger. Die zweite-Klasse-Busse werden auch als unsicherer angesehen, da dort häufiger geklaut wird. Generell muss man bei allen Busfahrten gut auf seine Wertgegenstände aufpassen. Von Nachtbussen wird abgeraten, meiner Meinung nach kommt es aber auf die Region an, in der man sich bewegt.

Kommunikation

Man kann sich vor Ort sehr einfach eine SIM Card holen. Ich habe eine SIM Card bei Telcel gekauft. Dort gibt es verschiedene Leistungen, je nachdem wieviele Tage (7, 15, 40 Tage), GB benötigt werden und ob man Anrufe tätigen will. Mein Vertrag lief 30 Tage und beinhaltete unlimited social network und 1,5 GB zusätzlich. Dafür habe ich umgerechnet 13€ bezahlt. Der Vertrag war problemlos in allen Telcel-Shops zu verlängern. Außerdem kann man an allen Tankstellen eine SIM Card von „amigos sin limite“ erwerben.

Unterkunft

In Mérida sind alle Austauschstudenten bei Medizinstudenten untergekommen. Manche Mexikaner haben alleine gewohnt, andere bei ihren Eltern. Ich habe zusammen mit einer Austauschstudentin aus Ecuador bei einer Mexikanerin und ihrer Schwester gewohnt. Das hat mir sehr gut gefallen, da ich schnell mein Spanisch verbessern konnte und wir uns alle gut verstanden haben. Ich konnte mich sehr frei bewegen, da ich einen Schlüssel zum Haus hatte. Ganz ungewohnt waren jedoch die Schlafgelegenheiten: statt Betten gab es nur Hängematten. Das ist ganz normal für diese Region und ich habe tatsächlich gut geschlafen. Es hätte aber auch eine Luftmatratze als Alternative gegeben!
Die Unterkunft war ca. 20 min. mit dem Bus (je nach Verkehrslage) von meinem Krankenhaus entfernt. Es gab aber auch andere Studenten, die mind. eine Stunde morgens einplanen mussten. Eine Busfahrt kostete ungefährt 35 Cent und war jedes Mal ein Abenteuer. Die Busse waren meist überfüllt, sehr heiß und haben sich an keinen Fahrplan gehalten.

Literatur

Ich hatte nur einen Reiseführer von Lonley Planet dabei, den ich sehr empfehlen kann. Jede Region hat dort ein eigenes Kapitel und ist besonders gut zum Reisen geeignet. Andere Literatur hatte ich nicht dabei.

Mitzunehmen

Mitgenommen habe ich einen Reiserucksack und viel weiße Kleidung für das Krankenhaus (Hose, Shirt/Bluse, Schuhe). Außerdem sollten wir noch einen Kittel mitbringen und wer in den OP wollte, musste einen Kasack dabei haben. Außerdem war das Stethoskop und Desinfektionsmittel für die Kitteltasche sehr hilfreich. Wichtig waren auch Sonnencreme und Mückenspray. Es gab unfassbar viele Mücken und ich musste mich 24 Stunden am Tag einsprühen, um nicht zerstochen zu werden. Man sollte auch einen Reiseadapter einpacken, da es dort keine deutschen Steckdosen gibt. Der Adapter für die USA hat immer gepasst.
Ich hatte noch ein paar Gastgeschenke dabei, worüber sich die Mexikaner sehr gefreut haben. Es wurde ein International Dinner veranstaltet, wofür ich deutsche Lebensmittel mitgebracht habe.

Reise und Ankunft

Die Reise verlief problemlos. Nachdem ich in Cancún ankam, bin ich noch eine Woche in der Gegend gereist (Tulum, Playa del Carmen, Bacalar). Dann bin ich mit dem Fernbus nach Mérida gefahren und dort am Busbahnhof von dem LEO abgeholt und zur Gastfamilie gebracht worden. Ich hatte noch ein Wochenende in Mérida bevor es im Krankenhaus los ging. Am ersten Tag der Famulatur wurden wir vom LEO ins Krankenhaus gebracht und vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Am ersten Tag wurden wir auf der Station vorgestellt, uns wurde alles gezeigt und wir wurden dann PJ-Studenten zugewiesen. Ich war zusammen mit einer anderen Studentin aus Prag in der Pädiatrie und besonders in diesem Fachbereich war sehr viel zu tun und viele Studenten tummelten sich im Arztzimmer. Es war immer sehr laut, da es nur Schreibmaschinen statt Computer gab und alle wie wild darauf herumtippten. Für uns war leider nicht viel Zeit, sodass wir uns selbst beschäftigen mussten. Die Visite am Morgen war für mich sehr schwer zu verstehen, da viele Ärzte anwesend waren und es im Raum durch Geschrei und den Fernseher sehr laut war. In jedem Zimmer lagen immer 3-4 Kinder, bei den kleineren Kindern sogar 6-7 und es lief ständig ein lautstarker Fernseher. Die Eltern der Kinder mussten in diesem Krankenhaus zu jeder Zeit anwesend sein, sodass immer ein Elternteil nachts auf dem Stuhl schlafen musste und sich mit anderen Familienmitgliedern abgewechselt hat. Dadurch war es für uns schwerer, mit den Kindern Kontakt aufzunehmen. Die meiste Zeit waren wir uns selbst überlassen und wir nutzten die Zeit, indem wir Arztbriefe lasen und zu den jeweiligen Krankheiten recherchierten. Besonders interessant waren Erkrankungen, von denen man in Deutschland nur in Büchern liest. Es gab sehr viele Typhus-Komplikationen und viele Säuglinge mit sexuell übertragbaren Krankheiten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Kind mit einem riesigen Hydrocephalus, das ständig fürchterlich schrie. In der zweiten Woche wurden wir in die Neonatologie mitgenommen, was auch sehr abwechslungsreich und interessant war. Dort durften wir Frühchen mit der Flasche füttern, was eins meiner Highlights in der Famulatur war! Später konnten wir auch in den Kreißsaal gehen, um uns Geburten anzusehen und die Neugeborenen untersuchen.
Insgesamt durften wir nicht viel praktisch machen und kaum einer interessierte sich für uns, was ich sehr schade fand. Ich glaube aber, dass es eher am Fachbereich lag, da die Ärzte einfach keine Zeit für uns hatten.
Ein Famulaturtag ging von 8:30 Uhr bis 14 Uhr, aber eigentlich hat niemand so richtig darauf geachtet wann wir kommen und gehen.
Ich habe sehr viel Respekt vor den Studenten und Assistenzärzten in Mexiko. Ab dem 4. Studienjahr muss man alle paar Tage eine Nachtschicht machen, ab dem 6. Jahr und Assistenzärzte sogar öfter. Eine Nachtschicht bedeutete eine 36-Stunden-Schicht. Die Assistenzärzte mussten sehr viel arbeiten und hatten unglaublich viel Verantwortung. Manchmal war nur ein Assistenzarzt im 1. Lehrjahr ganz alleine im Kreißsaal für die Neugeborenen zuständig. Im 7. Studienjahr müssen die Medizinstudenten ein soziales Jahr machen und dabei auf dem Land alleine als Arzt arbeiten. Der medizinische Standard war auf einem weitaus geringerem Niveau als wir ihn in Deutschland kennen. Oft gab es bestimmte Dinge einfach nicht und man musste sich was einfallen lassen. Das Krankenhaus war viel zu überlastet, besonders nachts in der Notaufnahme lagen überall Patienten auf den Fluren.

Land und Leute

Mexiko ist ein super spannendes Land mit netten und offenherzigen Menschen. Es gibt sehr viel Kultur und eine vielfältige Vegetation. Das Essen war wahnsinnig lecker, auch wenn es für meinen Geschmack etwas zu fleischlastig war. Von Tacos über Quesedillas und Tortas war alles dabei. Für mich war es nur sehr erschreckend zu sehen, wie ungesund die Menschen sich ernährten. Schon morgens wurden Softdrinks statt Wasser getrunken.
Wir waren insgesamt 7 Austauschstudenten und haben uns alle sehr gut verstanden. Meistens haben wir zusammen Mittag gegessen und auch außerhalb des Krankenhauses viel miteinander unternommen. Wir waren zusammen in Chichen Itza, haben andere Ruinen besichtigt, sind zu Cenoten oder an den Strand (ca. 40 min. mit dem Bus) gefahren. Uns wurde nie langweilig! Die mexikanischen Studenten haben sich sehr gut um uns gekümmert. Im Rahmen des Social Programs haben wir jeden Abend etwas unternommen. Wir besuchten zahlreiche Restaurants, Bars, gingen ins Theater oder nahmen an Salsa-Abenden teil. Fast immer waren Mexikaner dabei, daher konnten wir viel über das mexikanische Leben erfahren und uns austauschen. Sie waren immer sehr interessiert an unserem Leben und wollten viel über die medizinischen Ausbildung in unserem Heimatland erfahren.
Mérida ist eine typische Kolonialstadt mit, wie für Mexiko bekannt, bunten Häusern und schönen Parks. Das Leben dort wird sehr von den Traditionen der Maya geprägt. Jeden Tag gibt es irgendwo kostenlose Tänze, Theateraufführungen, Zumba-Abende, Märkte etc. Besonders gefallen hat mir an Mérida, dass die Stadt kulinarisch sehr viel zu bieten hat und man sich frei bewegen kann. Das ist nicht selbstverständlich für Mexiko. Als Gruppe haben wir auch noch ein Wochenende am National Social Program teilgenommen. Wir sind nach Guadalajara geflogen und haben dort ein paar Tage mit anderen internationalen IFMSA Studenten verbracht.
Ich habe mich auch sehr gut mit meiner Gastgeberin verstanden. Wenn die Zeit es erlaubte, haben wir zusammen gekocht oder einen Film geguckt.
Nach der Famulatur war ich noch 5 Wochen in Mexiko und Kuba unterwegs. Nachdem ich in dem Monat sehr viel von der Halbinsel Yucatán gesehen habe, bin ich über Chiapas und Oaxaca nach Mexiko-Stadt gereist. Dabei hat mich das Land sehr beeindruckt. Jeder Bundesstaat zeigt ein anderes Mexiko mit unterschiedlichem Essen, Traditionen, Vegetation etc. Besonders gefallen hat mir die Stadt San Cristobal, die Küste von Oaxaca sowie die gleichnamige Hauptstadt Oaxaca.

Fazit

Insgesamt kann ich sagen, dass der Aufenthalt in Mexiko weit mehr war, als ich mir vorgestellt hatte. Ich habe viele nette Menschen getroffen und Freundschaften geschlossen. Bringt auf jeden Fall genügend Zeit mit, da es unglaublich viel zu sehen gibt. Ich werde definitiv wieder nach Mexiko zurückkehren!

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