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Korea (South) (KMSA)

Neurologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Ich wollte schon seit Langem viele Länder in Asien besuchen, Südkorea stand hier ganz oben auf meiner Wunschliste. Da ich noch nie alleine und ohne genaue vorherige Organisation gereist bin, war der Austausch für mich die perfekte Möglichkeit, um ein neues Land zu sehen und die Kultur kennenzulernen. Gleichzeitig hatte ich dort einheimische Ansprechparter und meiner Einschätzung nach ist es viel einfacher, etwas von der echten Mentalität und Kultur der Menschen kennenzulernen, wenn man dort arbeitet, studiert oder zur Schule geht und Einheimische kennenlernt.
Die Famulatur im Ausland war meine letzte Pflichtfamulatur und ich meine Überlegung war, dass es von Vorteil sei, schon etwas Praxiserfahrung zu haben, bevor in in ein Krankenaus komme, wo ich die Sprache nicht beherrsche. Südkorea fand ich besonders interessant, weil die Medizintechnik dort auf einem sehr hohen Stand ist und ich so die Hoffnung hatte, nicht nur kulturell, sondern auch praktisch viel zu lernen.

Vorbereitung

Ich hatte anfangs nicht gedacht, dass meine Bewerbung tatsächlich angenommen wird, weil ich wusste, dass die Plätze heiß begehrt sind. Deshalb war die Zusage um so schöner, aber auch unerwartet. Ich würde Bewerbern empfehlen, sich schon vor einer Zusage um mögliche zusätzliche benötigten Dokumente zu kümmern. Diese kann man auf der KMSA Seite der IFMSA einsehen. Bei mir waren das die Motivationsschreiben (Letter of Motivation, LoM) für alle 4 möglichen Fachrichtungen, die ich mir ausgesucht hatte (in der ursprünglichen Bewerbung braucht man nur die LoM für die Erstwahl), außerdem ein Lebenslauf auf Englisch, ein Foto, der Scan von meinem Impfausweis und ein Letter of Recommendation. Gerade letzterer war für mich nicht so einfach auf die Schnelle zu bekommen, weil wir an unserer Universität keinen engen Kontakt zu den Dozenten haben. Ich habe letztendlich einen Wahlfach-Dozenten gefragt, anscheinend schreibt aber auch das Dekanat Empfehlungsschreiben.
Diese Dokumente müsst ihr zusammen mit der Application Form hochladen und je schneller ihr das nach der Zusage macht, desto eher bekommt ihr einen Platz in einer der beliebten Städte (z.B. Seoul). Also die AF so schnell wie möglich ausfüllen und die Dokumente fertig haben. Dies ging bei mir nicht so reibungslos, weil ich erst keinen Zugang zu dem Exchange Portal hatte (das findet man am besten über Google, nicht über die Website der IFMSA) und ich dann noch keinen LoR hatte.
Auf der IFMSA/KMSA-Seite stehen die Bewerbungsdaten sehr verwirrend („Please choose the date from 1st week of Monday(the first Monday in that month) to 4th week of Friday”). Ich brauchte allerdings mindestens 30 Tage Famulatur, um diese anerkennen zu lassen. Dies habe ich dann in die Anmerkungen geschrieben und die Daten so angegeben, wie ich den Satz interpretiert habe.
Einige Zeit später habe ich dann eine Email von dem LEO in Chuncheon erhalten, alles Weitere wurde dann über die App KakaoTalk, die koreanische Alternative zu WhatsApp, geklärt. Ich habe eine sehr nette Contact Person gehabt, die sehr geduldig alle meine Fragen beantwortet hat. Allerdings waren die Daten in der Zusage dann nicht die richtigen und keiner konnte mir so richtig sagen, ob ich meine vollen 30 Tage Famulatur machen kann. Nach Rücksprache mit dem Krankenhaus über meine CP ging das dann aber zum Glück. So habe ich den Flug allerdings erst sehr spät (2 Wochen vor Reisebeginn) gebucht, weil ich sicher sein wollte, dass ich für den FKZ qualifiziert bin und meine Famulatur beim LPA anerkannt wird. Weiter habe ich eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen (kostenlos bei der apobank). Außerdem kann man sich im Vorfeld auch Prepaid-Sim-Karten bestellen und diese dann am Flughafen abholen, was günstiger ist als vor Ort. Manche Hostels bieten auch nochmal etwas günstiger Sim Karten an, das ist aber Glückssache.

Visum

Für Südkorea braucht man als Deutscher kein Visum bis 90 Tage Aufenthalt, auch nicht für unbezahlte Praktika. Man muss für die Einreise seine (erste) Adresse dort angeben, bei mir war das ein Hostel.

Gesundheit

Ich habe mich jegen Japanische Enzepalitis impfen lassen, was für Südkorea empfohlen wird. Hier musste ich mich selbst informieren, meine Ärzte wussten zum Impfschema wenig (die Impfug muss zwei Mal im Abstand von einem Monat gemacht werden). Weil ich zu spät dran war, habe ich dann die Schnellimpfung mit einer Woche Abstand gemacht, die wohl genauso gut wirkt. Außerdem habe ich die deutschen Standardimpfungen und Hepatitis A+B aufgefrischt.
Für Südkoreaner gelten andere Standardimpfungen als für Deutsche, aber auch im Krankenhaus habe ich keine besonderen Impfungen gebraucht. Tuberkulose ist dort noch relativ weit verbreitet, ich habe mich aber gegen eine Impfung entschieden und hatte im Krankenhaus dann auch keinen bekannten Tuberkulose-Patienten.

Sicherheit

Ich habe mich als weiße z.T. alleinreisende Frau, die nicht die Landessprache spricht, in Südkorea sehr sicher gefühlt. Die Menschen sind alle sehr hilfsbereit und ich habe nichts erlebt oder mitbekommen, was unangenehm war. Die Männer sind respektvoll und unaufdringlich im Alltag gegenüber Frauen und auch die männlichen Incomings haben nichts Negatives berichtet. Allein unterwegs hatte ich keine Schwierigkeiten, meistens war ich aber mit den anderen Incomings oder später mit einer Freundin unterwegs. Nachts hatte ich ebenfalls keine Bedenken, es war auch immer viel los in den Gegenden, wo ich war. Auf dem Land war ich nicht wirklich unterwegs.
Schusswaffen sind in Südkorea noch weniger Thema als in Deutschland und Taschendiebstahl ist sehr wenig. An sehr touristischen Orten sollte man seine Dinge im Blick haben, aber es wird in der Regel nicht geklaut und manche Leute lassen z.B. ihre elektronischen Geräte allein im Café auf dem Tisch liegen oder schlafen in der U-Bahn mit dem Handy und Geldbeutel offen daneben.
Kameras sind in Südkorea fast überall und in der U-Bahn in Seoul gibt es bestimmte Bereiche auf dem Gleis, die als Sicherheitszone mit Videoüberwachung gekennzeichnet sind. Ich bin daher nachts ohne Bedenken U-Bahn gefahren.

Die Spannungen mit Nordkorea sind im Alltag nicht zu spüren und haben meinen Aufenthalt nicht beeinflusst. Es gibt bestimmte Orte, von denen man wegen Militärstützpunkten keine Fotos machen darf, z.B. von der Stadtmauer in Seoul in bestimmte Richtungen oder an der Grenze zu Nordkorea. Dies schränkt jedoch nicht stark ein und ist immer klar gekennzeichnet.

Geld

Ich habe vorher kein Geld bestellt und am Flughafen dann direkt 100 Euro in Südkoreanische Won gewechselt. 1000 Won waren zu dem Zeitpunkt ca. 75ct. Der Wechselkurs ist am Flughafen sehr schlecht. Man kann in Südkorea überall auch mit Kreditkarte zahlen, Bargeld geht aber genauso. Ich habe fast alles mit Bargeld geregelt und dann nur in größeren Beträgen Geld abgehoben mit einer Karte, die am Automaten keine zusätzlichen Wechselgebühren gekostet hat. Einmal Abheben am Automaten kostet meistens zwischen 3500 und 4500 won. Direkt am Flughafen kann man sich eine T-money-Karte kaufen. Diese ist wiederaufladbar in jedem Convenience Store und kann man benutzen, um die öffentlichen Verkehrsmittel zu bezahlen. Außerdem kann man damit im Taxi und in Convenience Stores bezahlen, sodass man im Alltag nur wenig Bargeld dabeihaben muss. Man kann sich den Restbetrag auf der Karte am Ende der Reise in jedem Convenience Store ausbezahlen lassen.
Von meiner CP habe ich am Anfang außerdem 80000 Won Taschengeld für den Monat bekommen. Die
Lebenshaltung in Südkorea ist günstiger als in Deutschland. Kleidung und andere Gegenstände kosten je nach Geschäft geschätzt ca. 30-50% weniger. Lebensmittel sind ebenfalls günstiger, in Convenience Stores, die es an jeder Ecke gibt, bekommt man alles für den Alltag. Allerdings ist es nicht leicht (aber die Arbeit wert), einen echten Supermarkt zu finden, der nochmals deutlicher günstiger ist als Convenience Stores. Man bekommt ein gutes Essen mit vielen Beilagen im Restaurant für ca. 8000-12000 Won. Koreanische Reisrollen (Gimbap) oder Fertigramen im Convenience Store kosten ca. 1500 Won. Obst und Gemüse ist in Südkorea allerdings sogar teurer als in Deutschland, in Supermärkten bekommt man das noch am ehesten Bezahlbare.
Ausflüge sind ebenfalls etwas günstiger, Eintritt zu verschiedenen Attraktionen in Seoul kostet um die 5000Won. Dies schwankt sehr, Museen sind fast kostenlos, andere Touristenattraktionen kosten auch schon mal 15000Won

Sprache

Ich spreche gut Englisch, allerdings kein Koreanisch. Vor der Reise habe ich versucht, das Alphabet zu lernen, habe es dann aber viel schneller im Land selbst gelernt. Das Alphabet ist sehr einfach und in kurzer Zeit gelernt und ähnlich aufgebaut wie das Lateininsche. So kann man dann im Café z.B. Wörter lesen, die Englisch klingen, aber koreanisch geschrieben sind (z.B. Coffee als Kopi = 커피). Meine CP hat mir auch viel geholfen und erklärt.
Außerden habe ich mir die Google Translate-App heruntergeladen. Diese hat eine Live-Übersetzer-Funktion über die Kamera, die sehr hilfreich ist, und man kann die Sprachdatei herunterladen und ohne Internet benutzen. Für alles Weitere habe die App Papago benutzt, die das „formelle“ Koreanisch etwas schöner übersetzt, aber Internet braucht.
Man trifft in Südkorea Einheimische, die Englisch sprechen, eher in Hostels oder in touristischen Gegenden. Wenn man jemanden auf der Straße fragen möchte, dann tendenziell junge Leute im Studienalter, die eher Englisch sprechen. Ansprechen kann man aber jeden, mit dem Übersetzer auf dem Handy klappt es in der Regel gut und die Menschen sind sehr freundlich.
Im KMSA-Programm haben alle Studenten sehr gutes Englisch gesprochen. Bei der Famulatur war meine CP immer mit dabei und hat für mich übersetzt. Dies war sehr hilfreich, da viele Ärzte nicht gut genug und Patienten meist gar nicht Englisch gesprochen haben.

Verkehrsbindungen

Um nach Südkorea zu reisen, bucht man am besten einen Flug nach Incheon International Airport. Ich bin ab Frankfurt mit Korean Air direkt nach Incheon geflogen für ca. 1000 Euro. Ich habe allerdings sehr spät gebucht und Flüge mit Umsteigen kann man auch schon für ca. 600 Euro bekommen.
Der Flughafen ist sehr gut angebunden und die U-Bahn nach Seoul (ca. 40 Minuten) ist sehr einfach zu finden und kostet ca.5000Won.
Das öffentliche Verkehrssystem in Südkorea ist sehr gut. Die U-Bahn in Seoul ist sehr übersichtlich ausgeschildert (auch auf Englisch) und eine Fahrt kostet ca. 1200Won. Die Bahnen sind sehr eng getaktet. Ich habe die App KakaoMetro benutzt, die sehr gut funktioniert hat. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind alle sehr sauber und gerade die Toiletten an den U-Bahn-Stationen konnte man sehr gut benutzen. In der Bahn gibt es pinke Sitze, die für Schwangere und Frauen mit Kindern reserviert sind, und rote Sitze am Ende des Waggons, die für ältere Menschen gedacht sind. Diese Plätze sollte man auch bei vollen Zügen frei halten.
Man kann mit der U-Bahn/S-Bahn mit einmal Umsteigen bis nach Chuncheon fahren für ca. 4000Won.
In ganz Südkorea gibt es Züge, die püntlich und sauber sind. Diese kann man am Bahnhof oder über die Website/App der Bahn (Korail) kaufen. Der Schnellzug (ITX) nach Chuncheon kostet ca. 10000Won. Es gibt „Standing Tickets“ ohne fest reservierten Platz, die oft günstiger sind. Die regulären Tickets sind immer automatisch mit Sitzplatzreservierung.
Zwischen den Städten gibt es außerdem Fernbusse und man kann in Südkorea auch günstig fliegen, z.B. auf die Insel Jeju oder nach Busan.
Es gibt in Chuncheon keine festen Zeiten für die Busse, sondern man muss etwas Glück haben, um bei größeren Lücken im Fahrplan einen zu erwischen. In Chuncheon ist es jedoch fast immer günstiger gewesen, zu Mehreren das Taxi zu nehmen. Der Grundpreis sind 3500Won und für 10 Minuten Fahrt zahlt man ca. 6000Won.
Bei allen Verkehrsmitteln kann man mit der Tmoney Karte bezahlen und bezahlt so auch etwas weniger. Beim Aussteigen aus dem Bus sollte man die Karte nochmal an das Gerät halten, so bezahlt man die nächste Fahrt beim Umsteigen nicht nochmals.

Kommunikation

Es gibt an vielen Orten öffentliches Wlan, in Cafes ist dies auch Standard und das Passwort hängt normalerweise aus. Ich habe mir außerdem eine Sim Karte für 60 Tage mit 2GB/Tag für 90000 Won gekauft. Dies geht sicherlich auch günstiger. Südkorea hat mit das schnellste Internet der Welt und man hat hier keine Probleme.
Ich bin mit meiner Heimat hauptsächlich über Instagram und Whatsapp in Kontakt geblieben und habe viele Eindrücke in meinen Instagram Stories geteilt.

Unterkunft

Ich war in einem Studentenwohnheim untergebracht und habe mir das Zimmer mit einer anderen Incoming geteilt. Wir hatten unser eigenes Bad im Zimmer, eine Klimaanlage, Router mit offenem Internet und einen kleinen Kühlschrank. Auf dem Stockwerk gab es einen Gemeinschaftsraum mit Fernseher, einen Wasserspender und eine Mikrowelle. Eine Küche gab es im ganzen Gebäude nicht, deshalb waren wir auf die Zubereitung mit der Mikrowelle beschränkt. Bettzeug wurde gestellt, Waschen und Trocknen konnte man für je 1000Won im Gebäude. Klopapier und Seife für das Bad mussten wir selbst besorgen.
Es gab einen Convenience Store im Haus für das Nötigste, die Klinik war weniger als 5 Gehminuten von dem Wohnheim weg.
Sehr unangenehm war, dass die Zimmer für Männer und Frauen strikt getrennt waren (dies wurde genau kontrolliert auch über die Kameras im Flur) und es keinen geschlechtergemischten Aufenhaltsraum gab, in dem man essen durfte. So konnten wir (drei weibliche Incomings und ein männlicher) nur sehr schwer gemeinsam essen oder Zeit verbringen. Hierzu mussten wir meist in ein Lerngebäude ca. 2 Minuten weg gehen und unser gekochtes Essen mitnehmen.
Außerdem gab es Sperrzeiten, zu denen man nicht mehr ins Wohnheim hinein kam - unter der Woche zwischen 22 Uhr und 5 Uhr und am Wochenende von 24 Uhr bis 5 Uhr. So konnten wir auch an freien Tagen nicht spät nach Hause kommen und haben uns in unserer persönlichen Freiheit und in Ausflügen stark eingeschränkt gefühlt.
Die letzte Woche waren wir 10 Minuten weg in einem Guesthouse untergebracht, weil unsere Zimmer im Wohnheim wieder belegt waren, was für uns ein echter Luxus war: mit Küche, kostenlosem Frühstück (mit Früchten- sehr selten in Südkorea) und meine Mitbewohnerin und ich hatten im geteilten Zimmer eine Waschmaschine. Außerdem keine Sperrzeiten und Geschlechtertrennung nur in den Mehrbettsälen.

Literatur

Ich habe mich auf der Seite des Auswärtigen Amts informiert und mich bei ELEFAND registriert und die Adressen immer aktuell gehalten. Außerdem habe ich die App Naver installiert, da dort Google Maps sehr schlecht funktioniert.
Ich habe viel gegoogelt und zuvor zu Hausde schon durchgelesen, einen Reiseführer habe ich nicht benutzt.
Für das Krankenhaus habe ich meine deutsche Amboss-App weiter genutzt

Mitzunehmen

Ich war in der Regenzeit in Südkorea und würde einen Regenschirm empfehlen, den man sich jedoch auch gut vor Ort kaufen kann. Eine Regenjacke wäre viel zu warm. Bevorzugt einen dunklen Regenschirm, der auch vor der Sonne schützt, denn die Sonne ist dort sehr stark und ich habe mir bei den Einheimischen schnell abgeschaut, auch bei Sonne unter meinem Schirm zu stehen.
Ich hatte viele unnütze Kleidung mit, da mir im Vorfeld versichert wurde, ich könne mich kleiden wie immer. Allerdings würde ich Frauen in Südkorea empfehlen, Oberteile und Blusen mit Ärmeln und für unsere Verhältnisse wenig Ausschnitt anzuziehen. Außerdem geht die Mode dort weg von den sehr kurzen Röcken und ich habe mich in meinen kurzen Shorts unwohl gefühlt. Nicht, weil ich unangenehme Blicke geernet habe, sondern weil es meiner Meinung nach in abgelegeneren Städten aufgefallen ist, dass ich als Einzige meine Schultern und Beine gezeigt habe. Incomings, die z.B. tiefe Ausschnitte an hatten, hatten aber, soweit ich weiß, auch keine Probleme. In Seoul sind allerdings viele Touristen unterwegs, die oft auch westlicher gekleidet waren. Koreanische Männer tragen auch eher selten kurze Hosen, dies ist aber für Ausländer wohl kein Problem.
Dadurch, dass es viel geregnet hat, aber sehr heiß und feucht war, habe ich fast nur Birkenstock-ähnliche Schuhe aus weichem Plastik getragen, die ich in Südkorea gekauft habe. Schlichte Sneaker oder etwas schickere Schuhe sind für das Krankenhaus ausreichend.
Für Südkorea braucht man normalerweise keinen Steckdosenadapter.
Kleidung ist normalerweise One-Size, allerdings gibt es Läden wie H&M oder Forever 21, die auch das bekannte Größensystem haben und wo man sich gut Kleidung kaufen kann. Ich würde nächstes Mal weniger Kleidungsstücke mitnehmen und dann nach der Landesmode errgänzen. Warme Sachen würde ich im August gar nicht mitnehmen, nur einen dünnen Cardigan gegen die Luft aus kalten Klimaanlagen. Vor Ort kann man sich gut einen kleinen Handventilator kaufen, den fast jeder Koreaner gegen die Hitze dabei hat.
Für das Krankenhaus habe ich letztendlich nur einen weißen Arzt- Kittel gebraucht.

Reise und Ankunft

Ich hatte ein paar Tage bis zum Praktikumsbeginn und hatte mir so für den Übergang, und bis ich in mein Zimmer in Chuncheon konnte, ein Hostel in Seoul gebucht. Dies war sehr schön, um mich schon etwas auf das Land einzustellen. Mit dem Jetlag hatte ich so auch wenig Probleme. Ich habe mich dann in Seoul mit meiner CP getroffen und wir sind gemeinsam nach Chuncheon gefahren, wo sie mir alles gezeigt hat. Danach hatte ich noch einen Tag frei, an dem ich einige Dinge besorgt und mich etwas umgesehen habe. Am ersten Praktikumstag sind wir dann gemeinsam ins Krankenhaus gegangen und meine CP hat mich dort vorgestellt und mir alles gezeigt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Das Krankenhaus in Chuncheon ist eher klein mit 8 OP-Sälen und pro Abteilung recht wenigen Ärzten (in der Neurologie waren es ca. 10).
Ich war zuerst in der Anästhesie und dann in der Neurologie eingeteilt, auch wenn ich ausdrücklich gesagt hatte, dass ich für meine Bescheinigung nur ein Fach besuchen darf. Es hat aber dann alles gut geklappt und ich war am Anfang dann nur ein paar Tage in der Anästhesie im OP. Die Ärzte waren sehr nett und wenn ich etwas gefragt habe (direkt oder über meine CP, die übersetzt hat), dann haben sie auch gerne erklärt. Leider ist manches auch untergegangen, da meine CP zwar sehr gut Englisch gesprochen hat, aber erst am Anfang des Studiums war und viele Begriffe auf Koreanisch auch noch nicht kannte.
Ich war zusammen mit einer Praktikumsgruppe mit fünf koreanischen Studenten in ihrem letzten Jahr eingeteilt, die alle in meinem Alter und auch sehr nett waren und mich in der Klinik mitgenommen haben. Allerdings durften ich und auch die koreanischen Studenten wenig bis gar nichts selbst machen, was wohl im Medizinstudium in Südkorea so üblich ist. Dies wurde damit begründet, dass die Patienten in der Regel Teile der Kosten selbst übernehmen und nicht wollen, dass sie von Studenten behandelt werden. Allerdings wurden zumindest in meinem Beisein die Patienten auch nicht gefragt, ob das für sie in Ordnung wäre, sondern dies wurde angenommen. So konnte ich wenig bis keinen Gebrauch von meinem Stethoskop und dem Reflexhammer machen. Ich habe jedoch den Studenten dort die körperliche Untersuchung etwas beigebracht. Dabei war ich überrascht, wie theoretisch dort das Studium ist und dass auch die Studenten im letzten Jahr sehr wenig Erfahrung mit Patienten haben.
Wir hatten oft Kleingruppen-Unterricht in der Form von Vorträgen von den Ärzten, die zum Teil auf Englisch waren, sodass ich etwas verstehen konnte. Meine CP hat auch viel für mich übersetzt.
In der Neurologie waren wir wenig mit den Ärzten unterwegs, hauptsächlich zur Frübesprechung und zur Visite. Die Diagnosen der Patienten und viele medizinische Begriffe sind größtenteils auf Englisch, so konnte ich etwas verstehen. Sonst hatten wir Pause und nachmittags nochmals einen Vortrag. Ich habe dann irgendwann darum gebeten, zu den Vorträgen nicht mehr kommen zu müssen, da ich hier doch nur wenig Neues mitnehmen konnte. So war ich dann täglich nur wenige Stunden im Krankenhaus und hatte den Rest der Zeit frei.
Ich hatte schon einmal eine Famulatur gemacht und so gehofft, zumindest meine praktischen Fähigkeiten anwenden zu können, dies war aber leider nicht der Fall. So habe ich eher viel über die Patienten und Mitarbeiter im Medizinwesen und die Kultur im Allgemeinen im Krankenhaus gelernt und weniger Fachspezifisches.
Andere Incomings haben in der Kardiologie und Schönheitschirurgie famuliert und durften hier mehr machen.

Land und Leute

Ich hatte viel Glück mit meiner Reise nach Südkorea. Die Südkoreaner waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Zum Teil haben die Leute noch schnell Übersetzer-Apps runtergeladen, um uns zu helfen, oder der Busfahrer ist einen kleinen Umweg gefahren, um uns an einem anderen Ort, zu dem wir wollten, abzusetzen.
Ich war vor der Famulatur ein paar Tage in Seoul und habe in der Zeit schon einige Sehenswürdigkeitem gesehen. Ich habe mich mit Leuten zusammenhgetan, die im gleichen Hostel übernachtet haben, und hatte eine tolle Zeit dort. Man merkt, dass viele Südkoreaner in Seoul wohnen und hier auch viel mehr Sehenswürdigkeiten sind. In Chuncheon haben wir weniger Orte besichtigt, auch, weil es hier schwerer war, zu den abgelegenen Seen zu fahren. Ich habe von den CPs und anderen Studenten viele Tipps bekommen, was ich mir in Chuncheon, Seoul und den anderen Städten alles ansehen kann. Wir hatten außerdem separate Social-Program-CPs, die sich um die Wochenenden gekümmert haben. Die waren auch alle sehr nett und haben viel auch nach unseren Wünschen geändert. Ein Wochenende haben wir als Templestay in einem budhistischen Tempel übernachtet, wir waren an der nordkoreanischen Grenze, eines in Seoul und ein Wochenende war das National Social Program, das auch in Seoul war. Hier haben wir auch viele Incomings aus den anderen Städten kennengelernt und uns austauschen können.
Ich bereue etwas, die AF nicht früher abgegeben zu haben, weil ich die Zeit in Seoul am meisten genossen habe. Ich weiß nicht, wie dort die Famulaturen waren, habe aber mitbekommen, dass die Incomings in Seoul ihre Freizeit z.T. besser nutzen konnten.
Aus Chuncheon waren wir aber an manchen freien Tagen auch bei einigen Attraktionen wie Nami Island (meiner Meinung nach überbewertet) und dem Garden of Morning Calm (sehr hübsch aber touristisch).
Nach meiner Famulatur bin ich noch zwei Wochen im Land gereist, was sich wirklich sehr gelohnt hat, um mehr von Südkorea zu sehen. Außerdem habe ich noch einen Abstecher nach Japan gemacht, was sich auch noch lohnt, und der Flug ist von Korea aus wesentlich günstiger.

Es kam gut an, Wörter wie „Guten Tag“ oder „Danke“ auf Koreanisch zu kennen. Es und es war auch kein Problem, Fehler bei der Aussprache oder höflichen Form zu machen.
Die Koreaner geben sich weniger die Hand, sondern verbeugen sich voreinander. Hier bedeutet: je tiefer, desto mehr Respekt bringt man dem Gegenüber entgegen. Ich habe mich hier an meine CP gehalten und es ihr nachgemacht, mich aber im Zweifel leicht verbeugt (nicht wie in Thailand mit den Händen vor der Brust, sondern mit den Händen an der Seite des Körpers). Auch hier war es kein Problem, wenn man als Ausländer Fehler macht.
Es ist außerdem höflich, Gegenstände (auch Geld im Laden) mit beiden Händen zu geben und entgegen zu nehmen. Eine Alternative ist es, die eine Hand angedeutet an den anderen Ellenbogen zu halten, dies gilt auch als beide Hände benutzen.
Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass man bestimmte sensible Themen wie die Comfort Women, die Japanisch-Südkoreanische Geschichte und die Insel Dokgo vermeiden sollte. Allerdings ist es von Vorteil, etwas Bescheid zu wissen und meiner Erfahrung nach erklären die jüngeren Koreaner gerne vieles darüber und bei neutralem Nachfragen habe ich keine abwehrenden Reaktionen erlebt.
Die Koreaner bringen älteren Menschen sehr viel Respekt entgegen und obwohl von Ausländern viel geduldet wird, was die Sprache angeht, sollte man trotzdem (wie im Umgang mit jedem) freundlich und respektvoll bleiben.

Die Südkoreaner trinken nur gefiltertes Wasser, Wasserspender mit heißem (praktisch für Ramen) und kalten Wasser gibt es oft, allerdings kann man auch gefahrlos das Leitungswasser trinken. Mit Lebensmittelvergiftungen hatte ich keine Probleme trotz der großen Hitze, die hygienischen Bedingungen sind hierfür gut ausreichend. So habe ich auch nicht viele Medikamente mitgenommen, da man in Südkorea alles gut in der Apotheke (manchmal mit Rezept) kaufen kann.

Viele junge Koreaner kochen nicht zu Hause, weil auswärts essen recht günstig ist, ich habe mir allerdings viel im Supermarkt geholt, weil ich irgendwann eine Abwechslung zum Fertigramen aus dem Convenience Store gebraucht habe. Dazu waren wir viel in Restaurants und das koreanische Essen hat mir sehr gut geschmeckt. Vieles ist mit Fleisch oder Fisch, als Vegetarier hat man es, denke ich. viel schwerer als in Deutschland, aber unmöglich ist es nicht. Das Essen ist oft sehr scharf, eine Faustregel ist, dass fast nichts mit Tomatensoße isst und was so aussieht, ist meist mit scharfer Paprikasoße.
Ich rate dazu, einfach alles zu probieren und dann auf Koreanisch aufzuschreiben (oder aufschreiben zu lassen), was einem schmeckt, damit man dann auch allein in Restaurants gehen kann, wo die Menüs auf Koreanisch sind. Die Portionen sind meistens sehr groß und wir Incomings haben uns irgendwann angewöhnt, eine Dose für übriges Essen mitzunehmen. Dies wurde oft belächelt, da die Koreaner das übrige Essen normalerweise stehenlassen und das Essen nur als genug galt, wenn etwas über bleibt, allerdings hatten wir so noch eine weitere gute Mahlzeit und laut meiner CP sei dies nicht unhöflich.

In Convenience Stores, die es an jeder Ecke gibt, bekommt man ebenfall Essen und hier gibt es immer auch heißes Wasser für Ramen und eine Mikrowelle, z.B. für Dumplings. So kann man auch unterwegs sehr günstig Essen finden und ich hatte nie viel dabei, weil der nächste Convenience Store, auch CVS genannt, nur eine Häuserecke weit weg war.
Hier bekommt man auch sehr günstig koreanisches Bier oder Soju, eine Art Reiswein. Ich empfehle die Soju-Sorten mit Geschmack, nicht die pure Variante. Die Südkoreaner feiern und trinken gerne, sowohl privat als auch nach der Arbeit. So durfte ich auch selbst bei einem Department Dinner mitkommen und hatte viel Spaß bei der Unterhaltung mit den Ärzten aus der Abteilung. Diese Arbeitsessen dienen auch zum Ausgleich zu sehr oft sehr langen Arbeitsstunden, die von Ärzten und der arbeitenden Gesellschaft insgesamt erwartet werden. So wurde z.B. erst vor Kurzem verabschiedet, dass Ärzte „nur“ noch 80 Stunden in der Woche arbeiten dürfen. Als ausländischer Student ist man diesen Erwartungen an harte Arbeit und Fleiß jedoch nicht ausgesetzt und ich kann nur empfehlen, einen Blick in die Arbeitswelt in den Krankenhäusern zu werfen.

Fazit

Ich hatte eine tolle Zeit in Südkorea und schätze mich sehr glücklich, so freundlich von den Menschen dort empfangen worden zu sein. Ich hatte sehr nette CPs, habe viele tolle Menschen kennengelernt und kann mir auf jeden Fall vorstellen, das Land nochmals zu besuchen. Ich bin außerdem hoch motiviert, die Landessprache zu lernen.
Allerdings kann ich es mir nicht vorstellen, dort dauerhaft zu arbeiten, da die Arbeitszeiten hart und Erwartungen an junge Ärzte sehr streng sind. So habe ich aber auch umso mehr das Studium und die Arbeitsbedingungen in deutschen Krankenhäusern zu schätzen gelernt. Ich würde den Aufenthalt in jedem Fall wiederholen und lege jedem ans Herz, sich für einen Austausch zu bewerben.

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