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Mexiko (IFMSA Mexiko)

Chirurgie - SCORE (Forschungsaustausch)
von Mohammed, Düsseldorf

Motivation

Ich bin erst durch eine Freundin auf die Möglichkeit eines Auslandsaufenthalt gekommen. Sie hatte sich bereits beworben und einen Platz sichern können. Ich habe dann Mexiko in der Restplatzvergabe ausgewählt, weil ich schon lange nach Lateinamerika wollte und unter Anderem mein Spanisch verbessern wollte.

Vorbereitung

Da dies mein erster großer Auslandsaufenthalt war und ich den Trip als Backpackingurlaub geplant hatte, musste ich allerlei Dinge für einen Backpackingtrip kaufen.
Da ich bereits in der Uni den Spanisch A2 Kurs absolviert hatte, habe ich in der Zeit vor der Reise ein wenig Vokabeln gelernt, um nicht komplett aufgeschmissen zu sein, was im Nachhinein sehr vorteilhaft war, da in Mexiko außerhalb der stark frequentierten Touristengebieten keiner wirklich Englisch sprechen konnte.

Visum

Ein Visum im Vornherein zu beantragen, ist für Mexiko nicht nötig. Man kriegt im Flugzeug vom Bordpersonal Visa, die man mit seinen eigenen Daten ausfüllt, welche dann von den Grenzbeamten gestempelt werden.
Man muss nur aufpassen, dass ein Flug aus Mexiko vor dem Check in gebucht ist. Ich hatte keinen und musste dann schnell vor dem Check in einen buchen.

Gesundheit

Man musste verschiedene Dokumente hochladen, unter Anderem den Impfpass. Spezielle Reiseimpfungen habe ich aber nicht gemacht.
Da ich nach dem Austausch einen Monat reisen wollte und nicht sicher war, wie die medizinische Lage in bestimmten Gegenden ist, hatte ich eine relativ große Reiseapotheke mit,
besonders Antidurchfall- und Übelkeitstabletten, sowie Verbands- und Nähzeug für alle Fälle (ich mache gerne Mal dumme Aktionen und wollte für alle Fälle abgesichert sein).

Sicherheit

Bei Mexiko denkt man gerne an DAS Kartell mit allem was dazu gehört und der damit verbundenen Gefahr für Reisende. Ich war im Vornherein entspannter einegstellt, da ich mich über Oaxaca informiert hatte und die Stadt als sehr sehr sicher eingeschätzt wird. Generell ist alles südlich von Mexiko City als sicher zu sehen, da die Kartellaktivität sich besonders auf den Norden des Landes beschränkt.
Zu Oaxaca, in keinem Zeitpunkt habe ich mich in irgendeiner Art und Weise unwohl gefühlt, ich bin sehr oft alleine gereist, war feiern und habe auch Mal meine Freunde verloren und bin betrunken nachts alleine nach Hause gegangen. Man muss sagen, dass ich als großer Mann mit dunklerer Hautfarbe sehr gut in Mexiko passte und kaum als Ausländer gesehen worden bin.

Geld

In Mexiko ist die Währung der mexikanische Pesos und die Umrechnung ist in etwa 20 Pesos für 1 Euro. Ich hatte für die Reise eine MasterCard und eine VisaCard für alle Fälle, sowie meine EC Karte. Man kann mit diesen Karten überallkostengünstig Geld abheben, sogar mit der EC Karte für eine Gebühr von etwa einem Euro.
Die Lebenserhaltungskosten waren wirklich niedrig und wenn man nicht Wert auf Schickimicki legt kann man für 2,50 Euro das Mittagsmenü mit Vorspeise und Dessert und Getränk genießen.

Sprache

In Mexiko wird Spanisch gesprochen, in meinen Augen auch ein relativ einfach zu verstehenes Spanisch.
Ich hatte bereits durch die Uni A2 in Spanisch und habe mich nochmal vor der Reise mit Vokabeln gekümmert.
Man sollte wirklich mindestens A1 haben oder im Internet die wichtigsten Wörter lernen, da die Mexikaner kaum Englisch können. Im Praktikum war es okay, da es eine Person im Labor gab, die gut Englisch konnte.

Verkehrsbindungen

Der Bus ist das Fortbewegungsmittel Nr. 1 in Mexiko, innerhalb und zwischen den Städten.
Innerhalb der Städte fahren unzählige Busse, jedoch ohne einen einsehbaren Fahrplan und eindeutigen Haltestellen. Man muss sich daher am Anfang komplett auf seine Contact Persons verlassen. Man bekommt aber in kurzer Zeit ein Gefühl dafür und kann dann auch alleine durch die Stadt fahren. Eine Fahrt kostet 8 Pesos, also etwa 30 Cent.
Zwischen den Städten ist die Verbindung mit den Bussen hingegen ausgezeichnet und sehr organisiert. Die Busgesellschaft ADO fährt alles Städte des Landes und verbindet diese mit modernen und angenehmen Bussen zu guten Preisen. Man kann sich einfach auf deren Website informieren und sogar die Karten online bezahlen und als E-Ticket erhalten.

Kommunikation

Zu den ersten Dingen, die man tun sollte, ist es eine mexikanische Simkarte zu besorgen. Diese Kosten nur 2-3 Euros und man kann dann Tarife dazubuchen, wie man möchte.
30 Tage Internet mit 3GB Datenvolumen und unbegrenzten Social Media Usage + Telefonie kosten etwa 10 Euro.

Unterkunft

Ich lebte dort für 30 Tage mit einer Gastfamilie. Organisiert wurde alles durch die IFMSA, ich musste da gar nichts machen/bezahlen .
Die Gastfamilie unfassbar nett und wurde als verlorenen Sohn einfach aufgenommen. Dementsprechend wurde sich um alles gekümmert, im Gegenzug habe ich aber dann auch im Haushalt mitgeholfen.

Literatur

Ich habe mich bis auf die Sprache gar nicht vorbereitet für den Aufenthalt. Ich mag es mich überraschen zu lassen und mich von der Reise führen zu lassen und nicht andersherum. Das mag nicht für jeden das Richtige zu sein, war aber für mich dafür eine sehr gute Erfahrung.

Mitzunehmen

Für den Aufenthalt an sich nahm ich mehrere weiße Oberteile und einen Kittel, da ich mir über den Dresscode im Klaren war. Es hat sich herausgestellt, dass ich alles hätte anziehen können im Labor, solange in einen weißen Kittel darüber trage.
Ansonsten hatte ich einen Backpackerrucksack mit allerlei Sachen, die man für eine Reise braucht. Das einzige was ich nicht gebraucht habe, war mein Regenponcho, weil es trotz Regenzeit recht trocken war und eine leichte Regenjacke komplett ausgereicht hatte.
Im Krankenhaus ist die Angelegenheit hingegen anders und eine strikte weiße Kleiderordnung ist Pflicht.

Reise und Ankunft

Meine Reise wurde einen Tag vorher komplett auf den Kopf geworfen, da mein Flug nach Mexiko über Miami ging und mir am letzten Tag ein Fehler beim Visum aufgefallen ist, weshalb ich auch nicht einreisen hätte können.
Darum ging mein Flug über Madrid nach Cancun nach Tuxtla und mit dem Bus nach Oaxaca. Sehr anstrengende Reise, bei der aber alles zum Glück gut ging. Ich wurde nach Absprache von meiner Gastfamilie am Busbahnhof abgeholt und in der Stadt willkommen gehießen. Mein Praktikum ging aufgrund von Urlaub der Arbeitsgruppe erst 5 Tage später los als geplant, weshalb ich mehr als genug Zeit hatte mich einzufinden. Zum Labor selber hat mich dann meine Gastschwester begleitet.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war eingeteilt in einer Arbeitsgruppe, die sich im Großen und Ganzen um den Krebs gearbeitet hat. Eigentlich war ich für das Thema Brustkrebs eingeteilt, da aber die Doktorandin für ein anderes Thema sehr gut Englisch sprach und verstand, wurde ich zu ihr eingeteilt. Ihre Arbeit umfasste die Auswirkung von Ernährung auf das Kolorektalekarzinom. Die Experimentierphase war bereits vorbei, weshalb die Aufgabe sich im Wesentlichen darauf beschränkte Gewebe anzufärben. Am Anfang war das sehr lehrreich und interessant, da ich noch nicht viel Kontakt hatte mit wissenschaftlichem Arbeiten, aber nach dem 3. Tag wurde es schon ein wenig repetetiv. Die ganze Zeit nur Lösungen ansetzen und die Gewebe mit den Lösungen zu waschen war auf Dauer schon langweilig, aber besser als nichts zu tun. Die vielen Wartezeiten bei der Arbeit habe ich dann auch genutzt, um Spanisch zu lernen.Da ich aber nicht nur das Labor sehen wollte, sondern auch das Gesundheitssystem in Mexiko, habe ich angefragt einige Tage im Krankenhaus zu verbleiben. Sehr viel Bürokratie und Anstrengung später durfte ich das auch und so ging es für mich zu dem anliegendem Hospital General.Dort war ich etwa 7 Tage in der Notaufnahme und arbeitete mit den mexikanischen PJlern zusammen.So ging ich morgens um 7 mit der gesamten Belegschaft auf Visite, durfte dann bei Blutabnahmen oder Nähen helfen und generell vieles sehen, was man in Deutschland nicht sieht.Leider war hier die Sprachbarriere deutlich höher als im Labor. Die Medizinstudenten sprachen für mich ziemlich schnelles Spanisch und leider kaum Englisch und auch mit den Ärzten war der Kontakt schwierig. Aber dank Spanisch A2, Händen und Füßen und Google Übersetzer war alles noch machbar.Für mich war das Arbeiten im Krankenhaus im Vergleich zu Deutschland schon ein kleiner Schock. Die Station der Notaufnahme war eine große längliche "Halle" wo an den Wänden Bett an Bett nebeneinander lagen. Dabei lagen jung und alt, Männlein und Weiblein, Tuberkulose und Polytraume ohne Rücksicht nebeneinander. Auch die Händesinfektion wie wir sie kennen, gab es dort nicht, was dazu geführt hat, dass ich mir aus der Apotheke meine eigene Handdesinfektion kaufen musste.Vieles wird noch mit der Schreibmaschine abgetippt und generell viel Technik gibt es nicht. Was aber der Mangel an Geräten und Technik bringt, ist eine höhere Qualifikation der Ärzte und Studenten in Bezug auf die körperliche Untersuchung, da die im Zweifel als einziges Diagnostikum übrig bleibt.Auch was das Lernen der Studenten angeht, ist das mit Deutschland nicht zu vergleichen. Der Leistungsdruck dort ist einfach unglaublich stark und die Studenten lernen und übernachten in den Bibliotheken, gehen zu einem günstigen Imbiss nebenan und lernen weiter. Wobei ich mich frage, ob das wirklich sinnvoll ist, da ich mir nicht vorstellen kann, dass das Fachwissen deutscher Medizinstudenten im Vergleich zu mexikanischen so weit unten liegt.

Land und Leute

Da zu der Zeit meine Gastschwester noch Ferien hatte, verbrachte ich die meiste Zeit mit ihr. Wir entdeckten gemeinsam die Stadt. Oft waren wir auch auf Familientreffen, wodurch ich das mexikanische Lebensgefühl hautnah miterleben konnte. Dabei wurde ich als Familienmitglied diretk aufgenommen und konnte mit meinen Witzen im gebrochenem Spanisch zur allgemeinen Belustigung beitragen.Auch war ich oft unterwegs mit den Freunden meiner Gastschwester und ging auch Mal mit denen feiern und die Stadt unsicher machen. Da Oaxaca umgeben von Bergen ist, konnte ich mit einem Freund die Berge besteigen und erkunden und die Stadt von ganz weit erblicken, das war für mich einer der schönsten Ausblicke meines Lebens.Andere Ausflugsorte, die man nicht verpassen sollte, sind z.B. die Hierve del agua, versteinerte Wasserfälle. Etwa 1-2 Stunden von Oaxaca entfernt sind an einem Berg alte Wasserfälle, die mit der Zeit ihr Wasser verloren und "versteinerten". Die kann man besteigen und man kann in kleinen Seen auf dem Gipfel sogar schwimmen. Eine weitere Sehenswürdikeit und auch nur 30 Minuten entfernt ist der im Umfang größte Baum der Welt, der neben einer Kirche emporragt. Auf jeden Fall einen Besuch wert, da die Stadt auch bekannt ist für ihre traditionellen Kleidungen und gutes Essen.Apropos Essen, essen in Mexiko war wahrscheinlich meine Lieblingsbeschäftigung. Unglaublich und lekcer und unfassbar günstig, so würde ich das Essen beschreiben.Natürlich hört man viel über Durchfälle und das man sich vom Straßenessen fernhalten sollte. Ich denke, dass man dadurch großes Potential vergeudet. Denn ich hab es zu meiner Aufgabe gemacht von jedem Straßenhändler zu Essen und möglichst vieles auszuprobieren. So hatte ich schon das Vergnügen mit gegrilten Grillen, Gehirntacos, Ameiseneier und vielem mehr. Und abgesehen von einem zu vollen Magen hatte ich keine Probleme.
Auch ein Besuch wert ist Puerto Escondido, die Küstenstadt vom Staat Oaxaca. Sie ist mit dem "Taxibus" etwa 8 unglaublich kurvige Fahrstunden entfernt, aber es auf jeden Fall wert.
Bekannt ist die Stadt als Surferparadies, wo Profis wie Anfänger gleichermaßen Spaß haben.
Außerdem ist es einer der wenigen Orten, wo man frisch geschlpfte Babyschildkröten ins Meer befreien kann und wo das unglaublich faszienierende Leuchtplankton existiert. In einer bestimmten Lagune kann man (am besten bei Neumind) durch das Bewegen im Wasser den Plankton zum Leuchten bringen, was zu magischen Erinnerungen führt. Auch bietet Puerto unglaublich schöne Pazifiksonnenuntergänge, die man mti einer Pina Collada genießen kann. Und ist die Sonne dann erstmal verschwunden, ist das Nachtleben auch nicht mehr weit. Puerto Escondido war und ist einer meiner Lieblingsstädte in Mexiko und ich werde auf jeden Fall wiederkehren.

Fazit

Wurden meine Erwartungen erfüllt: Ja!Die Laborarbeit war langweilig und eintönig, was aber tatsächlich zu erwarten war. Dafür war es dann umso spannender im Krankenhaus zu sein und zu sehen wie Medizin außerhalb von Deutschland geht. Fachlich habe ich nicht viel mitgenommen, da wäre eine Famulatur in Deutschland wahrscheinlich sinnvoller gewesen. Aber alle Eindrücke und Erfahrungen, die man dort gesammelt hat sind mehr wert als stumpfes Bücherwissen, besonders weil ich auch viele Krankheitsbilder sehen konnte, die man in Europa nicht zu sehen bekommt.Abgesehen von der Arbeit hat Mexiko einen sehr tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, ich habe mich innerhalb von 2 Monaten in das Land regelrecht verliebt. Die Leute, die Kultur, das Essen, die Städte und die Natur und meine dort neu gewonnen Freunde, das alles hat mich in den Bann gezogen. Und ich bin mir sicher, dass ich bald nochmal wiederkehre.

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