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Portugal (PorMSIC)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Maren, Warendorf

Motivation

Nach drei Famulaturen in Deutschland wollte ich für meine letzte Famulatur über den Tellerrand schauen. Meine Wahl ist auf Portugal gefallen, da ich gerne in wärmere Gefilde wollte. Als ich dann noch gesehen habe, dass Coimbra im September das Social Program organisiert war meine Entscheidung gefallen. Freunde, die vorher schon in Coimbra gewesen waren, hatten mir etwas über die dortigen studentischen Traditionen erzählt. Dies hat mich noch mehr bestärkt in der Entscheidung nach Coimbra zu gehen. Und diese Entscheidung habe ich auch nicht bereut.

Vorbereitung

Ich habe in Vorbereitung auf die Sprache einen Portugiesischkurs an der Uni besucht. Dies hat für die Basics gereicht. Vieles ging aber auch auf Englisch. Alle Ärzte können Englisch. Das Pflegepersonal so teils- teils. Alle sind aber so herzlich und hilfsbereit, dass man auch mit sprachlichen Basics, Französisch und Englisch klarkommt.

Visum

Da Portugal teil der EU ist war kein Visum erforderlich. Ich bin mit dem Personalausweis eingereist.

Gesundheit

Ich hatte eine Basis Reiseapotheke dabei, die ich immer auf Reisen dabei habe. Spezielle Impfungen waren nicht erforderlich. Die Apotheken vor Ort sind gut ausgestattet. Allerdings sind Drogerieartikel teurer als in Deutschland, sodass es sich lohnt, Sonnencreme und Co aus Deutschland mitzubringen.

Sicherheit

Portugal ist ein sehr sicheres Land. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt während des Austausches unwohl gefühlt. Ich bin nach dem Austausch auch noch alleine nach Lissabon und Porto gereist- war als Frau kein Problem.

Geld

In Portugal zahlt man mit EURO. Ich hatte eine Kreditkarte zum Bargeld abheben dabei. Vieles geht in bar aber auch meine Kreditkarte wurde überall akzeptiert. Habe das Geld einfach an Multibanca (z.B. BP Bank) Automaten abgehoben. Als Tipp: meidet die Euronet ATMs, die sind privat und verlangen sehr hohe Auszahlungsgebühren) Die Preise für Lebensmittel sind geringer oder gleich zu Deutschland, Kosmetika sind teurer (packt das deutsche Shampoo und Sonnencreme ein etc. ein), Kaffee im Cafe kostet 70cent- 1EUR, Bier gibt es in den Studikneipen auch für sehr sehr kleines Geld, Öffis sind günstiger in Portugal: eine Einzelfahrt in Coimbra kostet 60cent.

Sprache

Portugiesisch, viele Sprechen Englisch. Mit Spanisch oder Französisch kommt man häufig auch weiter. Ich hatte mir ein paar Brocken Portugiesisch im Unikurs angeeignet,. Portugiesen sind super nett und hilfsbereit, auch wenn sie kein Englisch können bemühen sie sich immer, einem zu helfen! Das hatte ich so in der Form noch nirgendwo anders erlebt!

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach Porto geflogen und dann weiter mit dem Zug nach Coimbra. Ein Bus fährt auch nach Coimbra und ist günstiger als der Zug. Züge, Busse, Uber, Taxi sind günstiger als in Deutschland. Uber haben wir uns häufig geteilt. Alles ist sehr zuverlässig.

Kommunikation

Dank EU- Roaming konnte ich genauso mit dem Handy telefonieren und surfen wie in Deutschland. Im Hostel gab es Wlan, genauso wie im Universitätskrankenhaus und auf dem Unigelände (eduroam). Ich hatte auch noch meinen Laptop dabei. Selbst in den Stadtbussen gibt es Wlan :)!

Unterkunft

Zu Anfang hieß es, wir wären im Wohnheim untergebracht, aber das hat nicht geklappt. Alle internationalen Studenten (wir waren so 30 aus aller Welt) waren gemeinsam in einem Hostel in der Innenstadt von Coimbra untergebracht. Dies hatten die Portugiesen für uns organisiert. Ich war in einem Zimmer mit acht anderen Studentinnen untergebracht. Es gab aber auch dreier und vierer Zimmer. Diese Art der Unterbringung hat sehr zur großartigen Zeit in Coimbra beigetragen. Man wächst mit der Zeit zusammen und lernt so viel über andere Länder. Es war wie eine lange Klassenfahrt. Es gab zwei Küchen mit Kühlschrank, Gefrierfach, allem an Geschirr war da, Gasherd. Kissen, Bettwäsche und Handtücher wurden gestellt.

Literatur

Ich hatte einen Reiseführer über Portugal dabei. Für Medizinisches hatte ich die Amboss App auf dem Handy. Und Google. Als Inspiration noch einen Wanderguide fuer den Portugiesischen Jakobsweg, den ich aber nicht gewandert bin.

Mitzunehmen

Nehmt sowohl Sommerkleidung als auch Kleidung für beginnendes Herbstwetter mit. Die Temperaturen sind Anfang September mit 35°C noch sehr warm und dann kühlt es sich immer weiter ab. Einen Pullover mehr hätte ich im Nachhinein mitgenommen. Ein Muss ist Sonnencreme (SPF50).

Reise und Ankunft

In Coimbra angekommen wurde ich von meiner Contact Person vom Bahnhof abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Ich bin einen Tag vor Praktikumsbeginn angereist. Einige Studenten waren auch schon da, sodass man sich schon nett zusammen in Cafes setzen konnte. Am ersten Praktikumstag hat mich meine Contact Person ins Krankenhaus begleitet und mich meiner betreuenden Ärztin, Joanne vorgestellt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine Famulatur in der Anästhesie der Uniklinik Coimbra absolviert. Am ersten Tag, wurde mir OP- Kleidung gegeben und dann ging es auch direkt in den OP. Die ersten Tage habe ich viel zugeschaut und mir wurde alles erklärt. Es herrschte eine sehr entspannte und freundliche Atmosphäre, die ich so aus Deutschland gar nicht kannte. Joanne erklärte sehr viel auch von sich aus und mir wurden immer alle Fragen beantwortet. Auch die anderen Ärzte waren sehr bemüht mir das komplette Spektrum der Anästhesie zu zeigen, sodass ich auch immer mal wieder von Ärzten in einen anderen Saal geholt wurde, wenn es etwas Spannendes zu sehen gab. Ich bin jeden Tag mit dem Bus ins Krankenhaus gefahren. Mein Tag begann immer um 9 Uhr. Die ersten OPs sind so ab 9:30 Uhr geplant. Ich bin immer so bis 13 Uhr geblieben und habe dann noch in der Kantine zu Mittag gegessen. Ab und an habe ich aber auch mit Joanne die Spätschicht gemacht. Sie hat an drei Krankenhäusern gearbeitet, sodass ich in kurzer Zeit sehr viel gesehen habe. Einen Tag waren wir in der Frauenklinik, den nächsten im Städtischen und den übernächsten für Notfalloperationen im Universitätskrankenhaus. Praktisch durfte ich nicht allzu viel machen, da in Portugal Medizinstudenten allgemein weniger praktisch machen dürfen als in Deutschland. Das lernen sie erst in der Assistenzarztzeit. Dafür wird dann auch weniger erwartet als frischer Assistent in Portugal. Praktisch durfte ich Larynxmasken legen und bebeuteln. Da auch die Chirurgen immer viel erklärt haben, habe ich auch sehr viel in der Chirurgie gelernt. Ich habe die verschiedenen Narkosearten kennengelernt und von Babys bis zu alten Patienten war alles dabei. Am Spannendsten waren immer die Tage an denen Joanne für die Notoperationen eingeteilt war. Da durfte ich dann mit ihr in den Schockraum. Im Pausenraum gab es immer kostenlose Schnittchen, Joghurt und Saft/ Kaffee. Technisch war alles auf einem ähnlichen Stand wie Deutschland, wenn auch nicht überall. Das öffentliche System in Portugal ist chronisch unterfinanziert, sodass sehr lange Wartezeiten für OPs herrschen. Den Spardruck merkt man auch an der ein oder anderen Stelle. Wer es sich leisten kann geht dann in eine der vielen Privatkliniken. Das Arbeitsklima empfand ich als insgesamt entspannter als in Deutschland. Alle Ärzte und auch die Pflege waren sehr engagiert, einem alles zu zeigen und immer für Fragen ansprechbar. Fachlich habe ich viel gelernt und auch einen Einblick in das portugiesische Gesundheitssystem erhalten. Begeistert hat mich die Freundlichkeit und die Offenheit uns Studenten gegenüber!

Land und Leute

Wir hatten ein vollgepacktes Social Program. So gab es über die Wochenenden jeweils einen Ausflug nach Porto und in einen Nationalpark. Nach dem Praktikum gab es Stadtführungen durch Coimbra, einen Ausflug ins "Venedig Portugals" Aveiro, eine Kanufahrt über den Mondego Fluss. An zwei Nachmittagen sind wir zum Surfen nach Figueira da Foz gefahren. Dieser Küstenort ist mit dem Zug 1h entfernt. Außerdem bietet sich auch ein mehrtägiger Ausflug in die Hauptstadt Lissabon an. Es war immer was los in der Stadt, zumal im September auch die legendären Erstsemester Partys stattfinden. Es hat mir sehr viel Freude bereitet zu sehen wie die Studenten in ihren Harry Potter ähnlichen Uniformen die alten Traditionen pflegen. An einem Wochenende ging es in den Nationalpark Peneda-Gerês im Norden Portugals. Obwohl das Wetter an diesen Tagen leider nicht so gut war, haben wir viel vom Park gesehen. Untergebracht waren wir in der Jugendherberge von Geres. Unser von den portugiesischen Studenten extra gemieteter Bus hat uns durch den Park gefahren. Wir haben mehrere Aussichtspunkte erklommen und ein altes Castel besucht. Auf dem Rückweg nach Coimbra haben wir noch einen Zwischenstopp in Braga gemacht. Dort gab es eine Stadtführung und wir haben für die Stadt typische Leckereien probiert. An einem anderen Tag ging es nach Luso an den Fluss mit Badestelle. Dort sind wir spazieren gegangen und haben die Umgebung erkundet. Zum Abschluss des Tages ging es noch einen Berg hinauf, mit dem Auto von dem man einen wunderschönen Blick über das Umland hatte. Auf der Bergspitze gab es auch eine einsame Schaukel. Es war toll mit so vielen Studenten aus aller Welt in der Jugendherberge zusammen zu leben. Ich habe in der Zeit sehr viel über andere Länder gelernt. Kulturell hat mich Portugal begeistert es gibt so viele Traditionen wie auch den Fado ein typischer Gesang, den es so nur in Portugal gibt. Politisch ist Portugal stabil, wirtschaftlich ist es dabei sich zu erholen. Die Löhne sind in Deutschland viel höher. Ich hatte trotzdem den Eindruck, dass die Menschen unheimlich glücklich sind trotz der wirtschaftlichen Situation. Das Essen war verdammt gut. Es gibt an jeder Ecke eine Bäckerei in der man Pasteis de Nata kaufen kann oder man trifft sich mit Freunden auf ein Francesinha: Ein Toast mit Schinken in Bratensosse und Ei und Käse überbacken. Insgesamt habe ich gute Erfahrungen mit den Portugiesen und den anderen Austauschstudenten gemacht. Es war eine Stimmung wie auf einer langen Klassenfahrt.

Fazit

Fachlich hätte mich eine Famulatur in Deutschland vielleicht weiter gebracht, dafür sind die Erfahrungen, die ich in Coimbra machen durfte, einmalig und ich würde immer wieder nochmal nach Portugal gehen. Alleine schon wegen der Menschen und der herzlichen Kultur. Auch der Austausch mit Medizinstudenten aus aller Welt war sehr interessant und es wurde nie langweilig. Ich kann einen Austausch nach Portugal nur weiterempfehlen. Wir sind alle unter Tränen auseinander gegangen.

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