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Thailand (IFMSA Thailand)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Deniz , Halle

Motivation

Seit Beginn meines Studiums war mir schon klar, dass ich einen Austausch absolvieren wollte. Ich studiere Zahnmedizin und wusste anfangs nicht, dass die bvmd auch für Studierende der Zahnmedizin einen Forschungsaustausch anbietet. Ich freute mich sehr über diese Tatsache und erkundigte mich immer mehr über das Programm der bvmd. Ich war schon immer begeistert davon, neue Sprachen zu lernen und mehr über verschiedene Kulturen zu erfahren. Da ich zuvor noch nie in Asien gewesen war, reizte mich Thailand, als es darum ging in der Länderliste eine engere Auswahl zu treffen. Ich stellte mir einen interessanten und bereichernden Einblick in das Forschungssytem auf der anderen Seite der Weltkugel vor.

Vorbereitung

Ich habe vor dem Austausch mit anderen Outgoings aus meinem Studienort gesprochen. Außerdem hatte ich versucht mich thematisch auf den Forschungsaustausch vorzubereiten, da das Thema ungefähr 6 Wochen vor dem Austausch bekannt gegeben wurde. Ich habe mich beispielsweise in die Thematik (,,Development of Fluorescence Probe for Cancer Detection“) in Büchern und im Internet eingelesen.

Visum

Für Thailand musste ich als deutsche Staatsbürgerin kein Visum beantragen. Als Tourist darf man sich 30 Tage in Thailand aufhalten. Nach meinem Forschungsaustausch bin ich weiter nach Australien gereist.

Gesundheit

Zwei Monate vor meiner Reise hatte ich mich gegen Typhus impfen lassen. Gegen Hepatitis A und B wurde ich im letzten Jahr geimpft und mein Titer war genügend, sodass ich keine Auffrischimpfung brauchte. Meine anderen Standardimpfungen waren auf dem aktuellsten Stand. Glücklicherweise hatte ich während meines Aufenthalts keine gesundheitlichen Probleme. Eine Auslandsversicherung hatte ich im Übrigen auch.

Sicherheit

Ich denke, dass es in Bangkok besonders wichtig war, nicht alleine unterwegs zu sein. Daher war ich immer mit anderen Studierenden oder Kontaktpersonen unterwegs. So habe ich mich sicher gefühlt. Gefährlich erschien mir der Straßenverkehr in Bangkok. Dieser unterscheidet sich vom deutschen Straßenverkehr dahingehend, dass in Thailand Linksverkehr herrscht und alles durch die Vielzahl an Autos unübersichtlich erscheint. Bevor man eine Straße überquert sollte man nicht nur einmal hinschauen.

Geld

Die Währung in Thailand ist der Baht. Es lohnt sich direkt etwas mehr Geld vom Geldautomaten (ATMs) abzuheben, da man sonst bei jedem Mal eine Gebühr (7 Euro) zahlen muss. Ansonsten kann man das Geld in Wechselstuben umtauschen. Die Preise sind aufgrund des Wechselkurses (1 Euro entspicht ca. 33THB) im Vergleich zu deutschen Lebenshaltungskosten sehr günstig. Ein Mittagessen in der Kantine gab es zu für umgerechnet 1,50 Euro. In etwas gehobeneren Restaurants zahlt man bis zu 15 Euro für ein Abendessen.

Sprache

Es wird hauptsächlich Thailändisch gesprochen. Die meisten Betreuer*innen im Krankenhaus konnten relativ gut Englisch sprechen. Leider war es manchmal schwierig mit Englisch weiterzukommen, da viele Einheimische kaum Englisch sprechen. Ein paar Wörter auf Thailändisch hatte ich gelernt (Danke, Guten Tag). Die Thailänder*innen freuen sich sehr darüber, wenn man sich als Tourist bemüht ihre Sprache zu sprechen. Bei der Begrüßung verbeugt man sich und legt die Hände vor der Brust zusammen.

Verkehrsbindungen

Nach meiner 16-stündigen Flugreise nach Bangkok mit Umstieg in Dubai holten mich meine zwei Kontaktpersonen am Flughafen Suvarnabhumi ab. Einen Monat vor meiner Anreise hatte ich zum ersten Mal Kontakt mit meiner Ansprechpartnerin Ploy. Zur Unterkunft ging es dann weiter mit dem Taxi. Es war sehr hilfreich, dass meine Kontaktpersonen dabei waren, da einem Touristen deutlich höhere Taxipreise angeboten werden. Ab nur 3 Baht gelangte man mit dem Boot über den Chao Phraya Fluss zur anderen Seite der Stadt. Die letzten Boote gibt es um 20 Uhr. Der Transport mit dem Bus ist auch sehr günstig, jedoch steht man oft sehr lange im Stau. Es lohnt sich sehr die Grab App runterzuladen, mithilfe dieser App findet man immer einen Fahrer und spart Geld im Vergleich zu den höheren Taxipreisen.
Außerdem sollte man in jedem Fall eine aufregende Fahrt in einem Tuk Tuk in Bangkok erlebt haben :).

Kommunikation

Im Krankenhaus und in dem Wohnheim hatte man die Möglichkeit das WLAN zu nutzen. Das funktionierte ganz gut und war ausreichend. Eine SIM-Karte kostet umgerechnet ca. 8 Euro.
Des Weiteren konnte man im Dormitory und in der Bibliothek die Computer verwenden. Einen Laptop hatte ich also nicht dabei.
Mit meinen Kontaktpersonen schrieb ich über den Facebook Messenger und Instagram. Whatsapp wird eher selten benutzt, stattdessen nutzt man in Thailand die App LINE.

Unterkunft

Ich habe während meines Aufenthalts in Bangkok in einem Dormitory für Medizinstudentinnen des Siriraj Krankenhauses gewohnt. Auf den Zimmern gab es immer drei Betten, meine Mitbewohnerin stammte aus Ankara. Auf jeder Etage gibt es einen großen Aufenthaltsraum, ein Lernzimmer, eine Küche und mehrere Gemeinschaftsbäder mit Duschen und Toiletten. Die Bettwäsche, eine Decke und Kissen wurden zur Verfügung gestellt. Es gibt ebenfalls eine Münzwaschmaschine und einen Trockner. Die Betten sind sehr hart, jedoch hat man alles was man braucht in dieser Unterkunft. Einen Trinkwasserautomaten gibt es auch und ein 7-Eleven ist direkt neben dem Dormitory.

Literatur

Mit englischsprachiger Literatur wurde ich während meines Austausches jede Woche von meinen Betreuer*innen im Labor versorgt. Außerdem stellten die Ärzt*innen im Krankenhaus sehr oft ihre eigenen Präsentationen vor, die von den Forschungsthemen handelten. Diese teilweise sehr ausführlichen Powerpoint Präsentationen wurden mir zugeschickt. Abgesehen von den Forschungsthemen habe ich mich über das Land im Internet und in Büchern belesen, um mehr über sehenswerte Orte zu erfahren, da Thailand viele touristische Möglichkeiten bietet.

Mitzunehmen

Ich denke, dass es nützlich war ein Mückenspray mitzunehmen. Dieses habe ich oft verwendet. Da im August die Regenzeit in Thailand herrscht, sollte man in jedem Fall an einen Regenschirm denken. Die Temperaturen waren sehr hoch (oft 35 °C). Man braucht viel Wechselkleidung. Einen Kittel hatte ich auch dabei. Im Labor hat man jedoch auch einen tollen Kittel mit dem Logo des Siriraj Krankenhauses bekommen.

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief im Großen und Ganzen sehr angenehm. Meine Kontaktpersonen nahmen mich am Flughafen in Bangkok mit einem Schild, auf dem mein Name bedruckt war, in Empfang. Das war nicht zu übersehen :). Ich plante meinen Flug so, dass ich einen Tag vor Beginn des Austauschs am Mittag ankam. Nach der Ankunft ging es erst einmal in das Dormitory mit meinen Kontaktpersonen. Dort wurde ich registriert und bekam meinen Zimmerschlüssel.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Meine Forschungstätigkeit fand im Department für Immunologie im Siriraj Krankenhaus der Mahidol Universität statt. Am ersten Tag beantragte ich meinen thailändischen Studentenausweis und lernte meinen Betreuer, Herrn Prof. Yenchitsomanus und seine Mitarbeiter kennen. Ich stellte mich bei ihm vor und wir besprachen den Ablauf des Monats. Mein Stundenplan war eine Art rotierendes System. Es war also viel abwechslungsreicher als ich dachte. In den ersten zwei Wochen war ich im Labor der Abteilung Molekularmedizin tätig. Dort erklärten mir Doktorandinnen ihre Arbeitsschritte. Hier durfte ich hauptsächlich zuschauen. Es wurde eine Durchflusszytometrie durchgeführt und die DNA von entnommenen Blutproben extrahiert. Mir wurde gezeigt wie eine lentivirale Gentransduktion durchgeführt wird. Zielzellen wurden im Voraus von Patienten mit Brustkrebs entnommen.
Mein Professor hat außerdem Studierende der traditionellen thailändischen Medizin unterrichtet. Er bot mir an zwei Tagen an, an einem Seminar und Meditationskursen teilzunehmen. Das war wirklich eine sehr authentische und spannende Erfahrung, da ich so etwas vorher noch nie gemacht hatte. Der Unterricht und der Kurs waren zwar auf Thai, jedoch übersetzte mir eine sehr liebe Studentin die wichtigsten Inhalte. Es handelte hauptsächlich davon, dass man seine Psyche trainieren sollte, um Stress abzubauen und ein glückliches Leben zu führen. Die angewandten Übungen im Kurs (Sitz- und Laufmeditation, Meditation im Liegen) sollten dazu beitragen.
Außerdem hatte ich in der zweiten Woche die Chance an der ,,International Conference on Cancer Immunotherapy 2019“ teilzunehmen. Wissenswert war es zu erfahren, dass an weit verbreiteten Cholangiokarzinomen geforscht wird, welche durch das Essen von besonderen rohen Fischen in Nordosten Thailands hervorgerufen wird.
In der dritten Woche war ich im Labor der Abteilung für Molekulargenetik tätig. Hier wurde mir das Forschungsgebiet über Nierensteinleiden präsentiert und die Grundlagen für das Arbeiten in einem molekulargenetischen Labor vorgestellt. Vor allem in diesem Labor durfte ich vieles selber durchführen (PCR, Gelektrophorese, Sequenzierungsreaktion). Wir beschäftigten uns beispielsweise mit dem Gen GJB2, einem gap junction Protein in der Cochlea.
In der letzen Woche war ich im Bereich der Forschungsgruppe über die Molekular- und Zellbiologie für Diabetes. Zu Beginn der Woche wurde mir auch hier eine allgemeine Präsentation über das Thema Diabetes mellitus von einer Mitarbeiterin der Forschungsgruppe vorgetragen. Im Labor durfte ich verschiedene Techniken wie die RNA-Isolierung, Western Blot und erneut eine Gelelektrophorese teilweise durchführen und zuschauen. Die Technik in den Laboren erschien mir größtenteils sehr modern und ähnlich wie in Deutschland. Mir fiel aber auf, dass die Hygienevorschriften in Deutschland durchaus strenger sind.
Mit den Ärzten und anderen Forschungsmitarbeitern habe ich mich sehr gut verstanden. Sie waren immer sehr hilfsbereit, erklärten mir bei auftauchenden Fragen alles sehr ausführlich. Mir wurden sogar wissenschaftliche Artikel mit Bezug zur Zahnmedizin überreicht.
Über die medizinische Ausbildung erzählten mir meine Kontaktpersonen, dass diese sechs Jahre lang dauert und drei Staatsexamina beinhaltet.

Land und Leute

Nach meinem Arbeitstag im Labor und an den Wochenden habe ich viel unternommen. Am ersten Wochenende besuchten meine Mitbewohnerin und ich das Grand Palace und den Wat Arun, ein Tempel in der Nähe des Krankenhauses. Wir unternahmen auch sehr viel mit anderen Austauschtudent*innen. An einem Wochenende reisten wir mit dem Bus und der Fähre auf die Insel Koh Phangan und Koh Samui. Die Strände und die Natur der Inseln waren traumhaft schön. Zahlreiche günstige Übernachtungsmöglichkeiten gab es auch.
Der erste Teil des social programs in der zweiten Woche, war die International Food Party im Siriraj Krankenhaus. Jeder der Incomings brachte Süßigkeiten oder Getränke aus seinem Heimatland mit und stellte diese vor, zusätzlich erzählte man noch ein paar interessante Fakten über sein Heimatland. Ich war in diesem Monat die einzige Austauschstudentin aus Deutschland. Thailänder*innen freuen sich sehr etwas über Deutschland zu erfahren, da der ehemalige heilige und immer noch sehr geehrte König eine Weile hier lebte. Seit 1932 ist Thailand eine konstitutionelle Monarchie. Auffällig war, dass in jedem Raum (egal wo) ein Bild des Königs hängt.
Die Thailänder*innen, die ich während meines Aufenthalts kennengelernt habe, waren sehr gastfreundliche und herzliche Menschen. Die Kontaktpersonen hatten sogar kleine Geschenke für uns vorbereitet und nahmen sich Zeit für ihre Incomings, gingen z.B. oft mit uns Essen.
Am dritten Wochenende fand ein Tagesausflug nach Ayutthaya statt. Dieser Tag wurde von der IFMSA-Thailand organisiert. Wir besuchten ein Museum und verschiedene beeindruckende Tempel. Am Abend ging es zurück nach Bangkok und alle Incomings wurden zu einem Essen auf dem Schiff eingeladen. Es wurde gesungen und thailändische Tänze aufgeführt. Wir genossen eine wunderschöne Aussicht und aßen sehr leckeres thailändisches Essen. Mein Lieblingsgerichte waren ,,Pad Thai“ (frittierte Nudeln mit Gemüse und Hühnchen) und ,,Som Tam“ (Papayasalat).
Andere touristische Orte in Bangkok, die man in jedem Fall sehen sollte sind die berühmte Khao San Road und Chinatown. Dort gibt es unzählige Restaurants und Bars. Diese Orte repräsentieren den Charme dieser bunten Touristenstadt. Sie zeigen, dass Bangkok wirklich eine Stadt ist, die niemals schläft.
Falls man auf der Suche nach Souvenirs sein sollte, wird man auf jeden Fall auf dem Chatuchak Wochenendmarkt fündig. Wer gerne Einkaufszentren mag, sollte sich ins Siam Paragon oder ins Iconsiam begeben, beide sind imposante Einkaufsparadiese.
Die Wirtschaft des Landes ist stark vom Tourismus abhängig. Man begegnet Menschen aus aller Welt.

Fazit

Für mich persönlich war dieser Austausch eine der größten Erfahrungen meines Lebens. Es war ein sehr informativer Einblick in die Forschungstätigkeiten in verschiedenen Laboren. Ich werde diese Zeit nie vergessen und rüblickend auf viele neue gesammelte Erinnerungen und neue Freunde denken. Ich kann mir nicht vorstellen in Zukunft in Thailand zu arbeiten, da das doch eine sehr große Umstellung mit der Sprache und der Lebensart wäre. Jedoch hat dieses Land so viele beeindrucksvolle Orte zu bieten, sodass ich gerne erneut dorthin reisen würde. Sicherlich könnte ich mir vorstellen, wieder einen Auslandsaufenthalt zu wagen. Denn mir gefiel es, in eine komplett andere Welt einzutauchen und eine Abwechslung zum Studienalltag in Deutschland zu haben.
In diesem Sinne: Kob kun ka (danke) bvmd für diese einzigartige Möglichkeit!

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