zurück

Unidad Comunitaria de Salud Familiar (El Salvador)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Sonja, Halle

Motivation

Ich wollte sehr gerne meine praktische Erfahrung vertiefen und gleichzeitig Erfahrung in einer anderen medizinischen Versorgung sammeln, sowie das El Salvadorianische Gesundheitssystem kennenlernen, da ich bereits vor ein paar Jahren für einige Zeit in Lateinamerika war. Dazu kam, dass ich von der Nichtregierungsorganisation UCSF in El Zapote gelesen hatte und ihre Arbeit sehr gerne unterstützen wollte. So entschied ich mich dazu, beides zu verbinden und den Public Health Austausch in El Salvador zu anzutreten.

Vorbereitung

Zu Beginn gaben uns Lukas und Anne von UCSF die ersten Eckdaten und nüzlichen Infos und Kontakte. Wir lernten die Beiden über Skypegespräche kennen und konnten ihnen all unsere Fragen stellen. Wir meldeten uns bei Trello an, auf dessen Plattform die Organisation des Projekts abläuft. Dadurch hatten wir die Möglichkeit uns bereits vergangene Austausche anzuschauen und Aktuelles zu besprechen. Wir kamen mit Carola in Kontakt, die zwei Monate vor uns in El Zapote war und uns Bescheid gab, was in der Unidad de Salud fehlte. Dies brachten wir dann als Sachspende aus Deutschland mit. Außerdem hatte Anne die Idee, eine Mental-Health-Studie mit den Schülern der örtlichen Schule zu machen, sodass Carola während ihres Aufenthalts die Befragung der Schüler und Schülerinnen durchführte. Wir hielten es für sinnvoll daran anzuknüpfen, vor allem da in der Befragung drei Kinder Anzeichen einer Depression aufwiesen. Deswegen arbeiteten wir das Konzept einer Psychoedukation aus, die aus drei Teilen bestand und die Themen Depression und Stressbewältigung, sowie positive Gedankenveränderung beinhaltete, die wir dann vor Ort mit den Schülern und Schülerinnen durchführten. Wir kontaktierten Alejandro, den Arzt vor Ort, der uns ein paar Infos gab und uns half eine Unterkunft zu finden. Schließlich sprachen wir auch mit Edgar, der uns nach unserer Ankunft in San Salvador nach El Zapote bringen würde.

Visum

Touristen müssen für El Salvador kein Visum im Vorfeld beantragen. Man füllt im Flugezeug den Antrag fürs Visum aus und bekommt dann bei der Einreise ein Touristenvisum für 90 Tage. Falls man über die USA fliegen sollte, muss man allerdings daran denken den ESTA-Antrag im Vorfeld zu machen, da man diesen auch nur für Transit durch die USA benötigt.

Gesundheit

Man sollte sich im Vorfeld erkundigen, ob man bei der eigenen Krankenversicherung in Deutschland auch im Ausland versichert ist. Eventuell kann es sein, dass man für den Zeitraum seines Aufenthalts eine Zusatzversicherung fürs Ausland abschließen muss. Ansonsten gibt es vor Ort in den größeren Städten Krankenhäuser, auf dem Land gibt es vor allem die Unidad de Salud, welche aber eingeschränkte diagnostische Möglichkeiten haben, sowie nicht immer mit allen Medikamenten ausgestattet sind. Apotheken findet man auch viele in kleineren Städten.
Für die Einreise werden keine speziellen Impfungen verlangt und den Impfpass muss man auch nicht bei sich tragen. Natürlich gibt es Reiseimpfempfehlungen, die man sich zu Herzen nehmen sollte.
Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch vor Ort an einer Durchfallerkrankung zu erkranken. Auch Erkrankungen wie das Chikungunya-Fieber und das Dengue-Fieber sind relativ häufig. Es ist wichtig sich vor den allgegenwärtigen Mücken zu schützen. Wir haben uns Mückenspray aus Deutschland mitgenommen. Des weiteren sollte man auch eine gute Sonnencreme mit hohem UV-Schutz nicht vergessen.
Ich hatte eine Reiseapotheke mit Cefpodoxim, Amoxi-Clavulan, Ibuprofen, Paracetamol, MCP, Eubiol, Elotrans, Loperamid, Cystinol, Anithistaminsalbe und Panthenolsalbe dabei.
Glücklicherweise bin ich kein einziges Mal krank geworden.

Sicherheit

Uns war die Sicherheitslage vor Ort bewusst und auch die Einheimischen warnen einen vor manchen Gegenden im Land. Das größte Problem stellt dabei die hohe Bandenkriminalität dar. Allerdings haben wir uns zu keiner Zeit unwohl gefühlt. In El Zapote haben wir uns sehr sicher gefühlt, wir waren auch nachts alleine unterwegs. Bei unserer Unterkunft haben wir nur die Tür abgeschlossen, abhanden gekommen ist uns nichts. Auch bei unseren Ausflügen am Wochenende haben wir keine schlechten Erfahrungen gemacht. Wachsam muss man natürlich trotzdem sein.

Geld

Die Währung in El Salvador ist der US-amerikanische Dollar. Wir sind ohne Dollar angereist und haben in San Salvador mit der Kreditkarte das erste Mal Geld abgehoben. Das lästige dabei ist, dass man bei sehr vielen Geldautomaten Gebühren zahlen muss, mal mehr mal weniger (3-5 Dollar). Die nächstgrößere Stadt von El Zapote aus, in der man Geld abheben kann, ist Cara Sucia und etwa eine Stunde entfernt. Wir haben meistens an den Wochenendem Geld abgehoben. Unsere Unterkunft haben wir gegen Ende unseres Aufenthalts bar und aufeinmal gezahlt. Generell mussten wir alles in bar zahlen, außer ein paar Einkäufe in größeren Supermärkten.

Sprache

Die Landessprache ist Spanisch. Englisch sprechen die Wenigsten.
Das Spanisch, das in El Salvador gesprochen wird unterscheidet sich von dem europäischen Spanisch. Es wird mit Dialekt gesprochen und anstatt der zweiten Form im Plural wird nur die dritte Pluralform benutzt. Außerdem gibt es eine Reihe von Wörtern die nur in El Slavador oder Lateinamerika benutzt werden. Anfangs muss man sich etwas anstrengen, aber man kommt schnell rein und alle sind geduldig mit einem. Ich kam mit einem B1-Niveau nach El Salvador und das war auch das Mindeste was man können musste. Die medizinischen Begriffe kommen einem oft bekannt vor, da sie sehr ähnlich zu der lateinischen Terminologie der deutschen Medizinsprache sind. Allerdings trifft das nicht auf die Mehrzahl zu, sodass ich froh war, dass wir ein Lexikon mit spanischen Medizinbegriffen dabei hatten. Wenn wir Zeit hatten, haben wir ein bisschen Vokabeln aus dem Buch gelernt.

Verkehrsbindungen

Die Verkehrsverbindung in El Salvador ist generell gut. Das öffentliche Verkehrsnetz ist gut ausgebaut. In den Städten gibt es auch viele Busse die innerhalb der Stadt fahren, sowie kleinere motorische Dreiräder, in denen man zu dritt fahren kann und die ziemlich billig sind. Normale Taxis gibt es auch. Manchmal ist es schwer rauszufinden, wo der Bus hält und wo er genau langfährt. Die Busse haben nicht immer feste Abfahrtszeiten und wenn, muss man diese auch erst rausfinden. Prinzipiell haben die Busse aber feste Routen und Linien. Vor allem die Busse über längere Strecken haben feste Abfahrtszeiten. Meistens erfährt man alle Informationen von den Einheimischen. Ingesammt ist das Busfahren sehr unkomliziert und billig.
Nach El Zapote sind von Cara Sucia aus täglich vier Busse gefahren, sowie vier Busse täglich von El Zapote nach Cara Sucia gefahren sind. Außerdem war El Zapote über kleine Boote und Fähren mit der gegenüberliegenden Seite der Bucht, mit La Barra de Santiago verbunden, von wo aus es direkte Busverbindungen nach Sonsonate gibt. Innerhalb El Zapotes gibt es keinen öffentlichen Verkehr, die meisten Einheimischen fahren mit Motorrädern durch das langgestreckte Dorf oder lassen sich vom Bus von/nach Cara Sucia ein Stück durchs Dorf mitnehmen.

Kommunikation

Die Kommunikation von Deutschland nach El Salvador und innerhalb El Salvadors war sehr unkompliziert. Mit den am UCSF-Projekt beteiligten Leuten haben wir im Vorfeld über Skype, Mail und Trello kommuniziert. Auch während unseres Aufenthalts haben wir den Kontakt mit ihnen über Trello gehalten. Dadurch konnten wir uns bei bestimmten Dingen rückversichern. Außerdem haben wir regelmäßig Berichte über den Stand der Dinge geschickt.
In San Salvador haben wir uns El Salvadorianische SIM-Karten gekauft. Das Angebot für das wir uns entschieden haben beinhaltete Frei-Minuten zum Telefonieren und Mobile Daten und war für 14 Tage gültig. Nach 14 Tagen hat Alejandro für uns übers Internet Guthaben gekauft, sodass wir uns übers Handy ein neues Datenangebot kaufen konnten. In El Zapote werden auch Angebote und Guthaben fürs Handy in zwei Läden verkauft.
Die Mobilen Daten haben wir am Meisten benötigt, da es in El Zapote kein WLAN gibt. Mit den Einheimischen haben wir vor allem über WhatsApp und Facebook kommuniziert.

Unterkunft

Alejandro, der Arzt, hat für uns die Unterkunft organisiert. Das Haus gehört Paulina, die gegenüber wohnt und in dem, der Unidad de Salud angegliederten, Centro de Nutricion arbeitet. Wir haben uns zu zweit ein Zimmer mit zwei Einzelbetten geteilt, das man extra abschließen konnte. Es gab noch ein Badezimmer und eine voll ausgestattete Küche (inkl. Kühlschrank, Herd und Ofen), sowie Terasse mit Hängematten und Garten mit Limonen-, Kokos- und Papayabäumen. Alejandro selbst hat auch in dem zweiten Zimmer in dem Haus gewohnt, sodass wir uns alles mit ihm geteilt haben. Für das Eingangstor gibt es nur einen Schlüssel, weswegen wir uns mit Alejandro absprechen mussten. Die Unterkunft war zehn Gehminuten von der Unidad de Salud entfernt und im Haus daneben ist direkt der nächstgelegene Laden. Eine sehr gute Lage.
Bezogen waren die Betten nicht, deshalb sollte man Bettwäsche zum Beziehen mitbringen. Handtücher muss natürlich auch selbst mitbringen.

Literatur

Ich habe mir im Vorfeld die Internetseite über El Salvador vom Auswärtigen Amt durchgelesen und mir bereits etwas das Fachwörtberbuch für medizinsches Spanisch angeschaut. Außerdem habe ich mir die Erfahrungsberichte des Bvmd durchgelesen, sowie die Karten der vergangenen Austausche der UCSF auf Trello. Schließlich haben wir uns auch noch einen Reiseführer für El Salvador gekauft, in dem wir vorher und währenddessen gelesen und nachgeschlagen haben.

Mitzunehmen

Medizinisch habe ich mein Stethoskop und meine Lampe mitgenommen, sowie Kasak (Ober- und Unterteil), das Fachwörterbuch und Desinfektionsmittel. Den Kasak haben wir eigentlich nicht gebraucht, eine angemessene lange Hose und ein T-Shirt reichen eigentlich als Arbeitskleidung, dies sollte man aber vorher mit dem aktuellen Arzt absprechen und im Zweifel lieber Kasak oder Kittel mitnehmen. Ansonsten hatte ich eine Reiseapotheke dabei, Antimückenspray, Sonnencreme, Stirnlampe, Schlafsack, Handtücher, Badesachen, Sportkleidung, Wanderschuhe, Regenjacke und –hose, offene und geschlossene Schuhe und ein Buch zum Lesen.

Reise und Ankunft

Wir sind mit dem Flugzeug, über einen Zwischenstopp in der USA, nachts in San Salvador angekommen und haben das Angebot von Edgar abgelehnt, uns noch in der selben Nacht nach El Zapote fahren zulassen. So sind wir mit dem Taxi zum Hostel gefahren und haben die erste Nacht in San Salvador verbracht. Am nächsten Tag hat Edgar, ein Freund der UCSF, uns mit dem Auto nach El Zapote gefahren. Nach unserer Ankunft sind wir mit ihm noch etwas essen gegangen, bevor wir Paulina, die Besitzerin des Hauses, und Alejandro, den Arzt, kennengelernt haben. Die beiden haben uns gezeigt wo wir Mittagessen und Einkaufen können und haben uns ein paar nützliche Eckdaten über das Dorf und die Unidad de Salud gegeben und uns den Tagesablauf der Unidad erklärt. Außerdem hielt Alejandro ein leckeres selbstgekochtes Abendessen mit Kochbananen und anderem typischem Gemüse und Reis für uns bereit. Am nächsten Tag sind wir um 07:30 mit Alejandro in die Unidad de Salud gelaufen, wo er alle Mitarbeiter versammelt hat und wie eine kleine Vorstellungsrunde gemacht haben. Uns wurden die Räumlichkeiten gezeigt und wir haben auch eine kleine Führung durch das Centro de Nutricion bekommen, wodurch wir auch die kleinen Kinder bereits kennnenlernen konnten. Den Rest des Tages begleiteten wir Alejandro erstmal durch die Sprechstunde.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Wir begleiteten Alejandro in den Konsultationen und Señora Netti, die Krankenschwester, zeigte uns auch ihre Arbeit.
In der Konsultation bot sich uns die Möglichkeit Patienten mit verschiedenen Krankheiten zu untersuchen, zum Beispiel ein Baby mit Rötelnembryofethopathie, eine Frau mit Lupus Erythematodes, viele Frauen mit Kolpitis und Harnwegsinfekten, Schwangere, Hypertoniker, Diabetiker, sowie Patienten mit Verletzungen, Diarrhö oder parasitären Erkrankungen.
Nebenbei halfen wir auch Señora Netti bei der Sterilisierung von Tupfern und bei den HPV-Abstrichen.
Alejandro bestellte einige Patienten mit Herzproblemen ein, sodass wir im Nebenzimmer die EKGs schreiben konnten.
Gegen Ende der ersten Woche stellte Alejandro uns der Schuldirektorin Señora Delmy vor. Wir erklärten ihr unser Projekt der Psychoedukationen. Vorausgehend hatte Carola während ihres diesjährigen Aufenthaltes im Juni bei 20 Schülern einen Mental-Health-Fragebogen ausgeteilt, dessen Auswertung ergeben sollte, ob die Schüler in El Zapote von Depression betroffen sind. Bei 2 von ihnen ergab sich eine leichte und bei einem Schüler eine schwere Depression.
Daran anknüpfend überlegten wir, Psychoedukationen von der 7. bis zur 11. Klassenstufe durchzuführen. Dadurch wollten wir die drei von Depression betroffenen Schüler erreichen, sowie ihre Mitschüler für das Thema sensibilisieren und auf Prävention abzielen.
In den Gesprächen mit Alejandro und den Patienten stellten wir im Verlauf unseres Aufenthaltes fest, dass einige der Patienten Anzeichen einer Depression zeigten. Daher beschlossen wir die Untersuchung zu Mental Health auf erwachsene Personen auszuweiten. Wir begannen den bereits entwickelten Fragebogen umzustrukturieren und an erwachsene Personen anzupassen. In den kommenden Wochen planten wir den Fragebogen an die Patienten, die die Unidad aufsuchten, auszuteilen und von ihnen ausfüllen zu lassen. Es wird sich später herausstellen, dass einige Patienten unsere Hilfe benötigten, da sie nicht richtig lesen und schreiben konnten.
Wir begleiteten Señora Netti bei ihren Hausbesuchen durch das Dorf. Es ging viel um Prävention, vor allem von Diarrhö, sowie um die Untersuchung von Müttern und ihren Babys, was man beim Stillen zu beachten hat und um die Betreuung der Schwangeren. Dabei wurden auch Patienten aufgesucht, die wichtige Kontrolltermine in der Unidad nicht wahrgenommen hatten.
Unsere Psychoedukationen starteten wir mit der 7.Klasse und begannen die Stunde mit einem Spiel auf dem Schulhof. Durch das Spiel wollten wir die Schüler ein bisschen besser kennenlernen und ihre Hemmungen uns gegenüber abbauen. Es hat funktioniert, das Spiel hat den Schülern Spaß gemacht und es wurde viel gelacht.
Im zweiten Teil der Stunde gaben wir eine kurze Einführung in das Krankheitsbild der Depression und verteilten anschließend vier verschiedene Aufgabenstellungen, die in Gruppen bearbeitet und präsentiert wurden. Zum Schluss gaben wir den Schülern zwei Fragen zum Selbsttest an die Hand, mit denen sie selber prüfen konnten, ob sie eventuell Anzeichen einer Depression zeigten.
Wir gingen ins Centro de Nutrición, wo wir die Kinder maßen und wogen, die ungefähr zwischen 3 und 7 Jahre alt waren.
Anschließend gingen wir wieder ins Centro de Nutricion und untersuchten die Kinder im Rahmen eines monatlichen Gesundheitschecks.
Im Verlauf begleiteten wir Alejandro abwechselnd in den Konsultationen und halfen Lorena bei der Aktensuche und –vorbereitung. Außerdem erstellten wir mit Ever eine Liste von Medikamenten die fehlten. Bereits in der ersten Woche stellte sich schnell heraus, dass es an zahlreichen Medikamenten mangelte, insbesondere an Antidiabetika.
Wir bereiteten die nächste Klassenstunde vor. Diesmal ging es um Entspannungstechniken, Stressreduktion und die Veränderung von negativen zu positiven Gedanken. Dies soll zur Depressionsprophylaxe beitragen und bei der Behandlung der Depression unterstützend wirken.
Wir starteten mit der Progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen. Im Hauptteil der Stunde erklärten wir die vier Schritte zur Veränderung von Gedanken und teilten zum Üben ein Arbeitsblatt aus. Dabei ging es um die Umwandlung von negativen zu positiven Gedanken, was zu einer besseren Bewältigung von schwierigen Situation führen soll und somit auch zur Stressreduktion. Den Stundenabschluss bildete eine weitere Entspannungsmethode.
Während unseres Aufenthalts führte Alejandro eine Supervision des Centros de Nutrición durch. Seit der vergangenen Woche herrschte Warnstufe 2 für Diarrhö, sodass Alejandro immer wieder selber Supervisionen übernehmen musste. Dazu gehörten alle Einrichtungen, die zubereitete Gerichte verkauften, unter anderem auch die Schule, bei der leider nicht so gute hygienische Verhältnisse bei der Zubereitung des Essens vorlagen. Alejandro war weiterhin verpflichtet, auch in Porvenir die Schule und andere Einrichtungen zu überprüfen und Nachkontrollen in den Orten durchzuführen, in denen die hygienischen Anforderungen beim letzten Mal nicht erfüllt wurden.

Das Medizinstudium in El Salvador hat einen sehr praktischen Schwerpunkt. Die Studenten arbeiten regelmäßig für längere Zeit auf verschiedenen Stationen und müssen nebenher noch Vorlesungen und Seminare besuchen, sowie Prüfungen absolvieren.
Zwischen den Studenten selber herrscht große Konkurrenz, da nur die Besten im 7. und 8. Studienjahr bezahlt werden. Das 7. Studienjahr entspricht dem deutschen PJ und das 8. Studienjahr nennt sich „año social“. In letzterem werden die Studenten einer Region des Landes zugeteilt und arbeiten dort wie als Ärzte. So war auch Alejandro in seinem 8.Studienjahr. Die Studenten arbeiten in den Unidades de salud, in denen sie teilweise (wie auch in El Zapote bei uns) die einzigen Ärzte sind. Alejandro hat sehr kompetent und mit einem riesigen Wissen über alle Bereiche seine Patienten sehr gut behandelt und betreut. Der nächste Spezialist (oder generell Arzt) ist 1-2 Stundnen entfernt und das nächste Krankenhaus 2 Stunden Fahrt. Parallel dazu arbeitet Alejandro noch an seiner Doktoarbeit, die für alle Studenten Pflicht ist um das Studium abschließen zu können.

Das Gesundheitssystem wird unterteilt in öffentlich und privat. Der öffentliche Sektor ist für alle Patienten gratis und umfasst die Basisversorgung in der Unidad de Salud und den Krankenhäusern. Auch Medikamente wie Antibiotika oder Antihypertensiva sind kostenlos. Die private Krankenversorgung ist für die, die sich die Behandlung finanziell leisten können, oder eine private Krankenversicherung abgeschlossen haben.

Land und Leute

Wir wurden vom ersten Tag an mit offenen Armen empfangen und haben uns sehr wohl in El Zapote gefühlt. Wir haben vor allem mit Alejandro viele Ausflüge nach der Arbeitszeit gemacht, etwa zum Strand, zum Fußballturnier der Schüler, zu Tanzabenden, Spaziergängen und vielem mehr. An einem Nachmittag sind wir mit einem Boot ins Mangrovenschutzgebiet gefahren und haben Krokodile angeschaut. Wieder an einem anderen Tag sind wir auf die andere Seite der Bucht gefahren um zu sehen, wie nachts die Schildkröten aus dem Meer an den Strand kommen, um dort ihre Eier abzulegen. Morgens sind wir immer früher aufgestanden um zusammen Sport zu machen, an einem Morgen sind wir sogar zum Sonnenaufgang an den Strand gejoggt und sind in der Morgenröte baden gegangen, bevor wir in den Tag gestartet sind. Auch mit den Lehrern haben wir viel gemacht. Wir sind mit ihnen zur gegenüberliegenden Bucht gefahren und haben dort Lagerfeuer gemacht und zu Abend gegessen.
Außerdem hat Alejandro ein Fußballturnier initiiert, in dem die Mitarbeiter aus der Unidad gegen die Lehrer spielen sollten. Vorab sind wir mit allen aus der Unidad zum trainieren an den Strand gegangen, sodass wir im Turnier gegen die Lehrer gewonnen haben! Es hat allen so viel Spaß gemacht, dass es am Ende unseres Aufenthalts eine Revanche gab, in der wir leider verloren haben.
An ein paar Wochenenden haben wir uns noch einige andere Flecken El Salvadors angeschaut. Wir waren zum Beispiel im Nationalpark El Impossible, in San Salvador und Santa Ana, sowie in ein paar Bergdörfern. Außerdem sind wir mit Alejandro zur Ruta de los flores gefahren, wo an dem Wochenende das Farolitos-Fest stattfand. Dies ist ein religiöses Fest, an dem die ganze Stadt mit Laternen und Lichtern beleuchtet ist und es einen Umzug und Musik gibt. Überall haben wir sehr nette Leute getroffen, die uns geholfen haben und durch die wir uns sehr wohl gefühlt haben.
Den Tag der Unabhängigkeit El Salvadors haben wir in El Zapote verbracht. Es wurde eine große Parade durchs Dorf organisiert und anschließend gab es ein Fest in der Schule, in dem Essen aus den verschiedenen Ländern Mittelamerikas verkauft wurde.
Allgemein hat uns das Essen sehr gut geschmeckt, wir haben mit großer Freude alles probiert. Zuleyma und ihre Familie haben uns auch zu sich eingeladen und uns gezeigt wie man Tamales zubereitet. Das ist eine Speise aus püriertem Mais, der in kleine in Maiskolbenblätter gewickelte Pakete gekocht wird.
Im Gegenzug haben wir Zuleyma und ihre Familie zu uns eingeladen und haben so gut es ging erzgebirgische Wickelklöße mit Rotkraut und Pilzsauße gekocht. Es war auf jeden Fall ein Abenteuer alle Zutaten zu beschaffen.
Insgesamt waren alle sehr offen im Kontakt mit uns.

Fazit

Die Zeit in El Zapote war wunderbar und hätte nicht besser sein können. Ich habe das Gefühl sowohl menschlich, fachlich, als auch praktisch viel dazugelernt zu haben. Die Psychoedukationen waren herausfordernd und am Ende hatten wir das Gefühl, dass die Schüler und Schülerinnen etwas gelernt und mitgenommen haben und Spaß bei der Sache hatten. Den hatten wir auf jeden Fall auch! So danke ich allen, die uns so herzlich und mit offenen Armen empfangen haben und diese Zeit so unvergesslich für uns gemacht haben! Ich würde den Austausch jederzeit nochmal machen und hoffe nochmal nach El Zapote zurückkehren zu können!

zurück