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Taiwan (FMS Taiwan)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Marc, Köln

Motivation

Da ich bereits im Ausland studiert hatte, wusste ich: Ich will wieder ins Ausland! Die Wahl Taiwans basierte hauptsächlich aus pragmatisch Gründen. Ich habe zuvor, mit der bvmd, an der General Assembly der IFMSA in Taiwan teilgenommen und wollte mein eh schon zu hohes CO2-Flugkonto nicht weiter belasten. Weiterhin war ich bisher noch nie in Ost-Asien und hatte auch kulturell wenig Kontakt. Die perfekte Gelegenheit dies zu ändern!

Vorbereitung

Ich habe mich nicht sonderlich auf den Austausch vorbereitet, sowohl sprachlich als auch kulturell habe ich die Katze im Sack genommen. Ich habe mich lediglich per YouTube und diversen Reiseblogs über sehenswürdige Reiseziele innerhalb Taiwans erkundigt, und da gibt es einige!

Visum

Glücklicherweise erhielt man mit einem deutschen Reisepass ein 90-tägiges On-Arrival Visum, ganz unkompliziert am Flughafen.

Gesundheit

Ich habe eine Auslandsversicherung abgeschlossen, die meinen Aufenthalt in Taiwan abgedeckt hat. Weiterhin sollte unbedingt an Mückenschutz gedacht werden, die sind nämlich nervig. Laut Auswärtigem Amt gibt es auch in Taiwan Dengue Fieber, vor Ort hatte ich davon nichts mitbekommen, aber leider zu einem anderen Zeitpunkt in Kambodscha selbst Dengue bekommen. Also: Mückenschutz!

Sicherheit

Ich habe in meiner Zeit in Taiwan zwei Taifune und ein Erdbeben (Stärke 6) erlebt. Diese waren jedoch nicht sehr gefährlich, da die Taiwanes*innen sich sehr gut damit auskennen und vorbereitet sind. Für mich jedoch eine sehr neue Erfahrung.
Kriminalität habe ich in Taiwan garkeine erlebt, gefühlt konnte man zu jeder Uhrzeit an jeden Ort. Jedoch sollte man aufpassen, wenn man mal selber Scooter fahren möchte, da passieren nämlich täglich Unfälle mit.

Geld

In Taiwan verwendet man die Währung Taiwan Dollar/New Taiwan Dollar. Dabei entsprechen circa 33 TWD = 1 Euro. Generell empfand ich Taiwan günstiger als Deutschland, vor allem die Nachtmärkte waren super! Dort gab es jeden Abend bis circa Mitternacht tolles Streetfood. Alleine wegen dem Streetfood hat sich die Reise schon gelohnt! Ein Abendessen auf dem Nightmarket kostet zwischen 2 und 10 Euro, je nachdem wie viel man ausprobieren möchte. Im Restaurant kriegt man einen Hauptgang für circa 4-6 Euro. Kaffee und Bubble Tea (tolles Zeug! Viel besser als in Europa) für circa 1,50-2 Euro. Reisekosten innerhalb des Landes sind auch recht günstig. Die Metro kostet je nach Strecke zwischen 30 cent und 1,50 Euro. Fernbusse circa 10 Euro, Züge je nachdem wie schnell sie sein sollen ;) zwischen 10 und 30 Euro. Dafür können die Züge innerhalb von 3-4 Stunden einmal quer durchs Land.
Weiterhin gab es circa 60-80€ Verpflegungsgeld von FMS Taiwan, dem taiwanischen bvmd Pendant.

Sprache

In Taiwan wird vornehmlich Mandarin gesprochen. Ältere Menschen, vor allem im Süden des Landes sprechen auch Taiwanesisch. Ich persönlich konnte nur “Hallo”, “Danke” und “Ist das vegetarisch?” sagen und kam damit sehr gut zurecht. Selbstverständlich ist es immer besser die Landessprache zu lernen, doch mit Händen und Füßen schafft man es irgendwie immer die Sprachbarrieren zu überwinden. In meinem Forschungsprojekt haben die Kollegen selbstverständlich Englisch mit mir gesprochen. Generell sind die Englischkenntnisse in Taiwan eher mittelmäßig, aber wenn man sucht findet man auch jemanden der einem helfen kann. Und die Taiwanesen sind sehr sehr hilfsbereit!

Verkehrsbindungen

In Taipeh ist das öffentliche Netzwerk einfach fantastisch! Die Züge kommen auf die Sekunde genau und fahren alle 2-3 Minuten. Es gibt auch Busse die durch die Stadt fahren und ebenfalls sehr pünktlich sind, dafür aber manchmal rasen. Generell ist Taipeh sehr groß und man kann deutlich über eine Stunde brauchen je nach Strecke. Mein Forschungslabor war glücklicherweise nur 15 Minuten jeden morgen entfernt.

Kommunikation

Ich habe mir zu Beginn eine Touristen Sim Karte gekauft und diese hatte für circa 30€ unlimited Datenvolumen. Der einzige Ort an dem ich keinen oder nur schlechten Empfang hatte, war weit oben in den Bergen bei Alishan. Also deutlich fortschrittlicher als wir es von Zuhause gewöhnt sind. WLAN gibt es natürlich auch in jedem Cafe.. Aber wenn man unbegrenzt Datenvolumen hat, spielt dies auch nur eine kleine Rolle.

Unterkunft

Als SCORE Incomings der TMU waren wir in einem Hostel im Da’an District untergebracht. Ich habe mir mit einem anderen Incoming aus Rumänien ein 4-Bett Zimmer geteilt. Das Hostel war sehr sauber und modern. Inklusive Küche, Wohnraum, kostenfreier Waschmaschine und Trockner. Weiterhin haben in dem Hostel viele Koreanische Austauschstudierende gewohnt, die in Taiwan einen Mandarinsprachkurs absolviert haben. Leider kamen wir nicht oft in Kontakt, aber die Koreaner waren ausgesprochen nett und haben immer gelächelt.
Die SCOPE Incomings der TMU waren in einem anderen Hostel untergebracht, welches weniger ausgestattet war als unseres, aber dafür geselliger. Die Studierenden der anderen Fakultäten waren in anderen meist Hostels durch die ganze Stadt verteilt, je nachdem wo das jeweilige Krankenhaus/Labor war.

Literatur

Mein Projekt war ein Epidemiologisches und da ich zu dem Zeitpunkt noch wenig Ahnung von SPSS und R hatte, habe ich mir dies autodidaktisch per YouTube und Udemy beigebracht. Weiterhin habe ich viele Internetquellen und Anleitungen lesen müssen, was sich auf jeden Fall aber gelohnt hat.

Mitzunehmen

Moskitoschutz!!! Und Sonnencreme.. Die Lokalvertretungen organisieren meist verschiedene Aktivitäten, wie zum Beispiel eine National Food and Drink Party. Hier lohnt es sich ein paar Zutaten oder Gerichte aus der Heimat mitzubringen.
Weiterhin habe ich meinen Dozenten als Dankeschön Süßigkeiten aus Deutschland mitgebracht. Finde dies eine angemessene Geste.

Reise und Ankunft

Da ich bereits vorher auf der General Assembly der IFMSA war, habe ich danach noch eine Woche mir das Land angeschaut, bevor ich zurück nach Taipeh bin. Dort wurde ich von meiner Contact Person am Bahnhof abgeholt und zum Hostel gebracht. Meinen ersten Tag habe ich meinen Zimmernachbarn begleitet, da er im selben Forschungsprojekt war wie ich.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mich bewusst für die Epidemiologie/Biostatistik beworben, da ich dies nicht gut genug in meiner bisherigen Ausbildung gelernt habe und über meine Doktorarbeit bereits Laborerfahrung mitgebracht habe. An meinem ersten Tag hat meine Betreuerin sich mit mir ins Büro gesetzt und mich zu meiner bisherigen Forschungserfahrung und statistischen Wissen befragt. Sie hat mir erklärt, dass ich in meinem Projekt einen Übungsdatensatz erhalten werde, und diesen auswerten und darstellen soll. Daraufhin wurde ich gefragt mit welchem Programm ich gerne arbeiten möchte. Wir haben uns auf das vermutlich einfachste verständigt: SPSS.
Daraufhin habe ich eine Anleitung und Übungsaufgaben für SPSS erhalten um mich einzuarbeiten. Weiterhin habe ich viele YouTube Videos geschaut und hab innerhalb einer Woche SPSS sozusagen durchgespielt. Da ich gelesen hatte, dass es sich auch lohnen würde R zu lernen, habe ich mich in meiner zweiten Woche dafür entschieden dem nachzugehen und habe parallel circa 2 Wochen lang einen Udemy Kurs zu R gemacht um im Anschluss meine Daten mittels R zu analysieren und zu visualisieren.
Ich blieb täglich zwischen 7 und 10 Stunden und fing dabei gegen 9 Uhr, nach einem Kaffee und einem Sandwich vom Straßenstand eigenständig an. Mein Kollege, der hauptsächlich nur das Land erkunden wollte blieb täglich nur circa 3 Stunden. Beides war in Ordnung, die Dozenten waren da sehr entspannt und haben uns die Verantwortung übergeben wie viel man lernen möchte. Ein verlängertes Wochenende oder Homeoffice (mit Statistik gut vereinbar) wäre auch jederzeit möglich gewesen.
Zum Abschluss durfte ich meine Ergebnisse vor circa 10 Wissenschaftlern vorstellen. Ich fing mit ein paar Folien zu Deutschland und meiner Studienstadt Essen an. Meine anfängliche Angst, dass diese “Datenprofis” Fehler finden würden oder sich gar über mich Pseudo-Juniorwissenschaftler lustig machen würden war absolut unbegründet. Alle hörten mir aufmerksam zu, stellten ausgiebig Fragen und diskutierten auch untereinander was man noch weiter machen könnte. Das anschließende Lob für meine Arbeit hat mich sehr gefreut. Im Anschluss gab es ein Gruppenfoto mit allen Anwesenden und Haribo aus Deutschland.
Ich habe mir autodidaktisch viel in Eigenregie beigebracht. Mein Zimmernachbar beispielsweise hätte sich mehr engere Betreuung und mehr Zeigen gewünscht. Für mich war es so in Ordnung, da ich auch nicht weiß wie man Data Science anders lernen kann. In klassischen Laborprojekten wird man sicherlich mehr an die Hand genommen.

Auch aus einem Forschungsinstitut heraus konnte ich viel über das taiwanische Gesundheitssystem lernen und erfahren. Der Kontakt zu meinen Contact Persons, den LOREs und anderen SCOPE Incomings hat dabei geholfen.

Land und Leute

Die Menschen in Taiwan sind unglaublich freundlich und zuvorkommend! Dies wurde mir zwar schon im voraus durch Bekannte bestätigt, doch überrascht es einen dennoch dies auch selbst zu erleben. Mein Praktikum fand in Taipeh, der Hauptstadt im Norden des Landes statt. Dort habe ich fast täglich die Nachtmärkte besucht, Bubble Tea getrunken oder habe nach tollen Bars gesucht. Die Barkultur ist in Taiwan übrigens nicht so prominent wie in Europa, und eindeutig der einfachste Weg viele Europäer plötzlich an einem Ort zu sehen. Die Clubszene wiederum ist ganz interessant, zieht jedoch eher die wohlhabenden und westlich orientierten Taiwanesen an.
Weiterhin bin ich jedes Wochenende aus Taipeh rausgefahren und habe alle Regionen des Landes erkundigt, dies geht dank tollem öffentlichen Nahverkehr ganz einfach.
Taichung, eine größere Stadt 1-2 Stunden von Taipeh entfernt mit ebenfalls einer Medizinischen Fakultät, wo ich ebenfalls Incomings kennengelernt habe. Von dort konnte man gut zum Sun-Moon-Lake, einem fantastischen See den auch schon der ehemalige Führer des Landes, Chan Kai-Shek zu seinem Feriendomizil erklärt hat.
Weiter südlich an der Westküste liegt Tainan, die ehemalige Hauptstadt und traditionell kulturelle Hochburg. Hier waren die Nachtmärkte besonders interessant und angeblich soll es hier das beste Essen des Landes geben. Ich war zwar nur kurz dort, kann dem aber nicht widersprechen.
Kaohsiung liegt noch weiter südlich, ebenfalls an der Westküste und ist die zweitgrößte Stadt des Landes. Von hier aus kann man tolle Ausflüge zum Big Buddha (einer riesigen Tempelanlage) oder an den Strand übernehmen - übrigens kann man nur an sehr wenigen Orten in Taiwan wirklich ins Meer.
An der südlichen Spitze des Landes liegt Kenting mit seinen Nationalpärken, den wohl besten Surfmöglichkeiten in Taiwan und fantastischen Korallenriffen (für die Tauchpros unter euch!).
An der Ostküste des Landes liegt Hualien (wenn man viel Glück hat, kann man dort Wale beobachten) und der Taroko Nationalpark. Der Park war im Grund mein persönliches Highlight und wäre mit seinen Dutzenden Wanderwegen und heißen Quellen auch mehrere Besuche wert.
Weiterhin waren wir auch in Alishan, einem Berg/einem Gebirge zentral im Landesinneren gelegen und wenig überraschend: recht hoch. Hier gab es unter anderem 1100 Jahre alte Bäume, wovon leider nur noch wenige erhalten sind. Pro Tipp: Es ist kalt in den Bergen!
Zum Schluss muss man noch den Norden erwähnen, dort habe ich nur kurze Tagestrips gemacht, da Taipeh ja selbst im Norden liegt. Der Norden ist sehr schön und ist womöglich ein wenig zu kurz gekommen, da man oft in die anderen Regionen gefahren ist. Doch der Tea-Pot Mountain, Jiufen oder Yangmingshan sind einen besuch auf jeden Fall Wert, wilde Makau Äffchen inklusive.

Fazit

Man muss sich vorher genau überlegen was man von seinem Austausch erwartet. Sind es die Leute? Ist es die Sprache? Das Essen? Reisen? Forschen?
Ich habe viel autodidaktisch gelernt und wenig wirklich geforscht. Jedoch hat sich das für mich sehr gelohnt. Zuhause hätte ich mich nie 8-10 Stunden an Statistik gesetzt, in Taipeh schon. Weiterhin konnte ich dies mit tollen Reisen verknüpfen und habe eine mir bisher unbekannte Kultur kennengelernt. Ich bin der bvmd und den international arbeitenden Studierenden dafür sehr dankbar!

P.S. Ich bin ein Foodie und habe das Essen sehr genossen!

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