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Hungary (HumSIRC)

Chirurgie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Alexandra, Kiel

Motivation

Ich wollte innerhalb des Studiums die Möglichkeit nutzen, ins Ausland zu gehen. Zum Einen wollte ich gerne mein medizinisches Englisch verbessern und lernen, wie ich mich in einem mir unbekannten Gesundheitssystem zurechtfinde. Außerdem wollte ich die Möglichkeit nutzen, im Sommer zu reisen und ein neues Land und seine Kultur zu erkunden. Auch habe ich mich sehr darauf gefreut, weitere Austauschstudierende kennen zulernen und auf das social program während des Aufenthaltes. Ich entschied mich recht spontan über die BVMD wegzufahren und schaute mir die Restplätze an. Von den europäischen Ländern sprach mich Ungarn am meisten an.

Vorbereitung

Zunächst musste ich einen Englischtest machen, um meine Sprachkenntnisse bei der Bewerbung nachweisen zu können. Dies ging super problemlos über meine Uni und war kostenlos. Für die Bewerbung waren auch einige Formulare nötig, wie ein englischer Lebenslauf und eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung. Ich musste ein allgemeines Motivationsschreiben bei der initialen Bewerbung abschicken. Nach der Zusage für Ungarn musste ich dann noch jeweils ein zusätzliches, separates Motivationsschreiben an alle Fachbereiche (insgesamt vier), für die ich mich beworben hatte, hochladen. Abgesehen davon, musste ich nicht wirklich viel vorbereiten. Ich musste mich noch lediglich um meine An- und Abreise kümmern.

Visum

Ich benötigte für den Aufenthalt in Ungarn kein Visum.

Gesundheit

Ich habe keinerlei Vorkehrungen hinsichtlich meiner Gesundheit getroffen, noch irgendwelche Nachweise über meinen gesundheitlichen Zustand eingereicht. Im IFMSA-Portal (Exchange Conditions) stand bei Ungarn, dass ich sämtliche regulären Impfungen nachweisen muss, sowie einen Titer von Hepatitis A und B bestimmen lassen soll. Auch stand da etwas davon, dass ich ein Röntgenbild meiner Lunge vorzeigen muss, um zeigen zu können, dass ich keine Tuberkulose habe. Da hatte ich beschlossen etwas zu pokern, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass das jemals irgendjemand wirklich überprüfen wird und ich es dann ja zur Not bestimmt noch nachreichen könnte. Ich hatte auch in ein paar Erfahrungsberichten und in Foren gelesen, dass das niemals wirklich überprüft wurde und niemals jemand danach gefragt hat. Es wäre so aufwendig gewesen, vor allem der Tuberkulosetest und das Röntgenbild. Ich habe Glück gehabt und es wurde tatsächlich nichts davon irgendwann überprüft und ich musste nichts nachreichen.

Sicherheit

Ich habe über die deutsche Apotheker- und Ärztebank eine zusätzliche, kostenlose Versicherung abgeschlossen, die mich auf Dauer meines Auslandsaufenthaltes versicherte. Sowohl gesundheitlich, als auch hinsichtlich meiner Tätigkeit im Krankenhaus. In Ungarn habe ich mich genauso sicher gefühlt wie in Deutschland, ich habe keinen Unterschied gemerkt. Ich habe meine Famulatur aber auch in einer recht kleinen Stadt gemacht, in der nicht mega viel los ist und ich bin meistens nur im näheren Umkreis der Innenstadt geblieben. Zeitweilig wohnte ich in einer etwas unangenehmen Gegend, aber auch das genauso wie in Deutschland. Ich bin für ein paar Wochenenden mit den anderen exchange students nach Budapest gefahren und da hat man sich nachts schon hin und wieder etwas unsicher/unwohl gefühlt, wenn man gerade durch irgendeine etwas verdächtige Gegend getapst ist, wo recht viele Obdachlose zu finden waren. Ich würde aber sagen, dass ist vergleichbar gewesen mit den größeren Städten Deutschlands, wie Berlin oder Köln.

Geld

Die Währung in Ungarn ist das ungarische Forint. 1 Euro entspricht ungefähr 300 Forint. Man musste sich am Anfang etwas daran gewöhnen, dass man im Supermarkt mehrere Tausend Euro für ein paar harmlose Einkäufe bezahlte und die Umrechnung verwirrte mich in den ersten Tagen etwas, vor allem auf Grund der hohen Beträge. Das ging aber nach einer kurzen Zeit ganz einfach und man bekam ein Gefühl für die Währung. Ich hatte etwas Bargeld mitgenommen und wechselte es dann in Ungarn vor Ort. Man sollte das Geld auf jeden Fall nicht am Flughafen, Bahnhof oder irgendwelchen touristischen Orten wechseln, weil die Wechselkurse zum Teil variieren können und dort um einiges teurer sind. Man konnte aber auch ganz gut ohne Bargeld über die Runden kommen, weil man wirklich fast überall mit Kreditkarte bezahlen konnte. Viel, viel mehr als in Deutschland. Wirklich überall, selbst im kleinen Tante-Emma-Ramschladen oder dem winzigen Cafe an der Ecke. Die Preise an sich waren günstiger als in Deutschland. Vor allem in Pecs. In Budapest waren die Preise natürlich an die Touristen angepasst, aber selbst dann noch ein ganzes Stück günstiger als in Deutschland. Man kann in Ungarn wirklich bei total erschwinglichen Preisen schön essen gehen, was trinken, Eintritt bezahlen usw. Top.

Sprache

Außerhalb des Krankenhauses kann einfach gefühlt absolut niemand Englisch, mit Ausnahme der Kellner in Restaurants. Ungarisch ist eine sehr schwierige Sprache und sehr einzigartig, das heißt, ich konnte mir absolut nichts herleiten, basierend auf meinen anderen Sprachkenntnissen. Am Ende des Trips konnte ich Bitte, Danke, Guten Tag und Prost sagen, und auch das nur mit Mühe. Im Krankenhaus selbst konnte man auch lediglich von den Ärzten Englisch erwarten, und auch das war oft mehr schlecht als recht. Die Patienten konnten in der Regel kein Wort Englisch, es war also leider absolut unmöglich, eine Anamnese zu machen oder sie zu untersuchen. Für mich war das kein so großes Problem, ich hatte Glück und in meinem Team waren zwei super motivierte Ärzte, die selbst im Ausland gewesen sind, die sehr gut Englisch konnten und mir viel erklärt haben. Auch war ich auf der Chirurgie, wo ich die meiste Zeit mit im OP war, also nicht wirklich mit Patienten reden musste. Tatsächlich war Deutsch sogar teilweise hilfreicher, weil einige der Ärzte deutlich besser deutsch sprachen als englisch. Auch in der Allgemeinbevölkerung scheint Deutsch noch recht weit verbreitet zu sein. Ich hatte aber, wie gesagt, Glück mit meinen Ärzten. Die anderen exchange students in ihren Abteilungen hatten da deutlich mehr Pech und haben oft Wochen am Stück nichts verstanden und nur bei Patientengesprächen auf Ungarisch zugehört. In der Freizeit war die Sprache kein Problem. Die anderen exchange students und die ungarischen Studierenden, die uns unter ihre Fittiche genommen hatten, sprachen alle super Englisch und ich hatte keine Probleme mich zurecht zu finden und Anschluss zu bekommen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit dem Flugzeug nach Budapest geflogen und habe dann den Zug nach Pecs genommen. Der war sehr günstig und schnell, lief alles problemlos. (Zug kostete glaube ich ca. 7 Euro und fuhr 3 Stunden).Das Ticket kaufte ich direkt am Bahnhof vor Ort. In Pecs holte mich dann meine contact person mit dem Auto vom Bahnhof ab und wir fuhren gemeinsam zur Unterkunft. Ich hätte auch mit dem Zug oder Flixbus nach Ungarn fahren können, das wäre mir aber zu lang und anstrengend gewesen. In Pecs selbst konnte man gut zu Fuß überall hin (die Stadt ist sehr überschaubar), die Busverbindungen waren aber auch gut. Man konnte sich für vielleicht 15 Euro eine Monatskarte kaufen. Die Busse fuhren in der Regel pünktlich. Auch konnte man wirklich super günstig Taxi fahren, was wir ein paar Male nach dem Feiern gemacht haben. Von Pecs aus konnte man mit dem Zug gut andere Orte in Ungarn erreichen. Wir sind nach Budapest gefahren, an den ungarischen See, Richtung Kroatien usw. Wir haben immer nur den Zug genommen, über Busse kann ich da nichts sagen. Die Züge waren manchmal recht unpünktlich und auf den weniger befahrenen Strecken (also eigentlich allen außer der Strecke nach Budapest) öfter mal etwas heruntergekommen und nicht mehr sehr modern, sauber oder klimatisiert. Dafür aber wirklich unglaublich günstig.

Kommunikation

Ich habe mit meiner contact person Kontakt über Whatsapp aufgenommen, das lief alles problemlos. In Ungarn selbst hat man ja EU-Roaming, ich habe also mein Handy und Internet ganz normal weiter benutzt. Wir haben mit den anderen exchange students eine Whatsapp Gruppe gehabt und haben auch eigentlich ausschließlich über Whatsapp mit den ungarischen Studierenden kommuniziert. In unseren ersten beiden Unterkünften gab es Wifi. In der letzten dann leider nicht mehr.

Unterkunft

Das war leider supoptimal. Allerdings musste ich mich um nichts selbst kümmern. Ursprünglich hätten wir (die zwei weiteren exchange students und ich) in einem Wohnheim unterkommen sollen, was super gewesen wäre und auch bei allen vorherigen exchange students der Fall war. Die Leute, die das normalerweise organisieren, wurden aber diesen Sommer von neuen ersetzt und die haben das verplant. Deswegen mussten wir insgesamt drei mal umziehen. Zunächst wurden wir in ein eigentlich ziemlich schickes Air Bnb gesteckt, für ca. eine Woche. Dort schliefen wir zu dritt in einem Zimmer. Es hatte Küche, Bad usw. und war sehr sauber und angenehm. Dann zogen wir in ein zweites Air BnB, ebenfalls sehr sauber und gut eingerichtet mit Waschmaschine, Kaffeemaschine, sogar mit einem Geschirrspüler. Allerdings musste eine von uns auf einem Sofa schlafen und die anderen beiden in einem wirklich kleinen Doppelbett. Es hat uns nichts ausgemacht, wir sind gut miteinander klar gekommen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass das bei manchen Leuten Probleme gemacht hätte. Man weiß ja nie, mit wem man so zusammen da landet. Vor allem wenn wir nicht alle Mädels gewesen wären. Die Organisatoren hatten gehofft, bis dahin hätten sie Wohnheimplätze gefunden. Dies war leider nicht der Fall, doch sie hatten bereits fast ihr gesamtes Geld für die teuren Air BnBs ausgegeben. Somit wurden wir für die letzten zwei Wochen in ein ziemlich heruntergekommenes „Hotel“ direkt am Bahnhof gesteckt. Erstmal direkt über den Bahngleisen! Man konnte kein Auge zudrücken, man hat die ganze Nacht die Durchsagen gehört, als wären sie direkt neben dem eigenen Ohr. Zu dem war die Gegend direkt am Bahnhof überraschenderweise nicht die Beste und es lungerten öfter mal nachts Drogenjunkies vor der Tür und es kam auch mal die Polizei. Tagsüber war alles ok, aber nachts haben wir uns schon recht unwohl gefühlt, wenn wir nach dem Feiern oder so, spät nach hause gekommen sind. Es gab nur geteilte Duschen und Badezimmer, die man nicht abschließen konnte (auf unser Drängen hin wurden aber nach einer Weile Schiebeschlösser eingebaut) plus die Möbel im Zimmer selbst, fielen auseinander (das Bett kollabierte eines Abends einfach).Es gab keine Küche oder sonst etwas (Ofen, Kühlschrank, Geschirr usw. )in der Unterkunft. Wir mussten also leider in den letzten Wochen immer außerhalb essen oder irgendwelche gekauften Fertigprodukte essen. Bettwäsche oder Decken/Kissen waren überall vorhanden. Also Fazit: Unterkunft wirklich schlecht. Das hätte ich in Ungarn nicht erwartet. Ich nehme es den Ungaren nicht wirklich übel, es tat ihnen wirklich sehr leid, dass es so doof gelaufen ist und sie haben sich viel Mühe gegeben die miserable Unterkunft mit Ausflügen zu kompensieren. Ich denke auch, dass es zukünftig wieder besser laufen wird und die nächsten incomings Wohnheimplätze bekommen werden. Ich war einmal im Wohnheim und das sah sehr nett und sozial aus.

Literatur

Ich habe mich davor ein bisschen auf dem englischsprachigen Amboss herumgetrieben und mich ein kleines bisschen in die Herzchirurgie eingelesen, um die englischen Begrifflichkeiten etwas drauf zu haben. Mehr hab ich nicht gemacht. Auch über die Stadt habe ich nichts gelesen, sondern habe das alles auf mich zukommen lassen. Ich habe nicht ungarisch gelernt. Ich hatte es ein bisschen über duolingo versucht, aber bin nicht weiter, als ein paar Höflichkeitsfloskeln, gekommen.

Mitzunehmen

Ich habe vorher meine Kontaktperson kontaktiert, um zu wissen, was ich für das Krankenhaus benötigte. Das war ein weißer Kittel, eine weiße Hose und weiße Oberteile. Schuhe mit einer weißen Sohle, sowie ein Stethoskop. Das war alles, was ich fürs Krankenhaus benötigte. Abgesehen davon würde ich allen empfehlen viele warme Sachen und Badesachen mitzunehmen, weil das Wetter in Ungarn noch echt lange wirklich super ist und es schön sonnig und warm ist. Ich würde aber auch Regensachen und paar lange Hosen und Pullis einpacken, weil es dann abends, vor allem zum Ende des Monats, schon auch etwas kälter wurde, herbstlich. Insgesamt war es dennoch deutlich wärmer als das kalte Norddeutschland (Kiel), welches ich gewöhnt bin. Ich war im September da und Anfang des Monats gab es Temperaturen um die 35 Grad. Zum Ende des Monats waren es in der Regel zwischen 22-27 Grad. Wenn man im Juli oder August hinfährt, wird es bestimmt sehr warm werden und man kann sich über Hochsommer Feeling und Weinberge an jeder Ecke freuen. Ansonsten muss man natürlich an seine Reisedokumente, Ausweise, Impfpass, Krankenversicherungskarte, Bankkarten und Studentenausweis denken. Ich benötigte für meine Uni noch ein paar Formulare für die Anerkennung der Famulatur, welche ich bereits in Deutschland ausgedruckt hatte und mitnahm.

Reise und Ankunft

Die Anreise war kein Problem. Ich flog zunächst nach Budapest, wo ich erstmal mit einer Freundin etwas Urlaub gemacht habe und fuhr dann mit dem Zug nach Pecs. Dort wurde ich mit dem Auto von einem Freund meiner Kontaktperson abgeholt. Bereits am Bahnhof lernte ich eine der anderen Austauschstudentinnen kennen und wir fuhren alle zusammen erstmal etwas im Stadtzentrum essen. Der Typ gab uns ein paar hilfreiche Tips hinsichtlich der Supermärkte, Essensmöglichkeiten usw. sowie verschaffte uns einen ersten Überblick über Pecs. Er erklärte uns, wie wir am morgen ins Krankenhaus kommen, und wie wir dort unsere eigentliche Kontaktperson treffen können. Dann setzte er uns in der Unterkunft ab. Am ersten Abend gingen wir dann nochmal aus und erkundeten die Stadt etwas. Morgens nahmen wir gemeinsam den Bus, um ins Krankenhaus zu fahren. Dort trafen wir unsere Kontaktperson. Sie nahm uns zu unseren jeweiligen Abteilungen mit und stellte uns den für uns zuständigen Ärzten vor. Das war sehr hilfreich. Ohne sie hätte ich mit Sicherheit nie die richtige Station oder die für mich zuständige Person gefunden. Dann wurden wir in der Obhut unserer jeweiligen Ärzte gelassen und das Praktikum ging los.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der Herzchirurgie. Ich wurde an meinem ersten Tag von meiner Kontaktperson auf die Station gebracht und einer der dortigen Ärztinen vorgestellt. Mein eigentlicher Tutor, war an dem Tag nicht da. Ein klassischer Tag auf der Herzchirurgie lief wie folgt ab: um 7:30 fing die Visite an, die ging ungefähr 20 Minuten. Dann ging es zu der allgemeinen Teambesprechung mit den Kardiologen und Anästhesisten zusammen. Gegen 8:30 war das vorbei und alle gingen zurück auf Station. Die Ärzte gingen dann recht zügig in die Operationssäle oder widmeten sich der Stationsarbeit oder nahmen neue Patienten auf. Ich erkannte innerhalb weniger Tage, welche der Ärzte gut Englisch oder Deutsch sprechen konnten und mir gerne Sachen erklärten und hängte mich von da an immer an die jeweiligen Ärzte. Auf Station war ich allerdings nur sehr sehr selten, da ich da eigentlich nur rumsitzen konnte/durfte. Ich konnte nicht mit den Patienten reden oder sie untersuchen, da sie alle kein Englisch sprachen. Es gab keine herzchirurgische Ambulanz. Allgemein durfte ich in der Zeit dort keinerlei Aufgaben ganz alleine erledigen, ich lief immer nur mit den Ärzten mit. Ich würde sagen 80% meiner Zeit verbrachte ich bei den Operationen und schaute zu. Einige der Ärzte waren sehr nett und gaben sich Mühe, mir bei den Operationen alles zu erklären. Einige ignorierten mich stundenlang. Ein sehr wechselhaftes Geschehen. Mein eigentlicher Tutor war sehr nett und gab sich Mühe mir bei den Operationen interessante Dinge zu erklären. Er gab mir öfter mal kleine Hausaufgaben, die ich am darauffolgenden Tag vorstellen musste. Einige Male durfte ich auch assistieren und mal eine Wunde zunähen oder ein Gefäß etwas herauspräparieren. Nach einer Woche hatte ich fast alle standardmäßig durchgeführten Operationen bereits einmal gesehen. Dann ging ich auch mal rüber zu den Kardiologen und habe da im Katheterlabor zugesehen oder beim Schrittmacher kodieren, implantieren oder Batterie wechseln. Auch gab es ein paar nette Anästhesisten in dem Krankenhaus, an die ich mich dann an manchen Tagen gehängt habe.Da durfte ich auch manchmal intubieren üben oder mal beim transösophagealen Echo schallen. Freitags kamen immer die Lungenchirurgen ins Krankenhaus und operierten (hauptsächlich minimal invasiv) in einem der Operationssäle. Da ginge ich dann auch mal hin und war willkommen und durfte zuschauen. Ich war also insgesamt wirklich ziemlich frei, in dem, was ich tat. Es war für alle ok, wenn ich mal einen Tag lang ganz bei den Kardiologen oder unten auf der Intensivstation war (oder mal gar nicht aufgetaucht wäre, aber sowas hab ich selbstverständlich nie getan). Das habe ich dann selbst entschieden, hauptsächlich in Abhängigkeit von den Operationen an dem Tag und der Ärzte, welche im OP waren. Dadurch, dass ich nach Lust und Laune in anderen Bereichen vorbeischauen konnte, war es eine ziemliche coole Famulatur. Wenn ich allerdings nur auf der Herzchirurgie gewesen wäre, hätte ich mich nach einer Woche schon sehr gelangweilt. Aufgrund der Sprachbarriere konnte ich nicht wirklich irgendwas mit Patienten zu tun haben. Die OPs haben sich täglich wiederholt und öfters stand man einfach nur stundenlang daneben.
Zu dem Gesundheitssystem allgemein nochmal: die Medizin an sich ist auf einem sehr hohen Stand, ich würde sagen, vergleichbar mit der deutschen. Die Arbeitsbedingungen der Ärzte sind allerdings wirklich hart. Die Assistenzärzte leben praktisch auf Station, verbringen die meisten Wochenenden da, haben mehrmals die Woche Dienst, jede Woche, machen Überstunden ohne Ende…insgesamt würde ich sagen, war die Station deutlich schlechter besetzt, als die mir bisher bekannten Stationen in Deutschland. Was die Hygienestandards, die Ausrüstung usw. anging, war das Krankenhaus allerdings auf einem wirklich sehr guten Stand und gut ausgerüstet.

Land und Leute

Grundsätzlich habe ich mich mit den Ungarn richtig gut verstanden. Wenn sie denn Englisch sprechen konnten. Wirklich wenig Menschen sprechen außerhalb des Krankenhauses Englisch. Es war nicht weiter schlimm, in Restaurants oder im touristischen Bereich konnten die Leute in der Regel Englisch und selbst wenn wir mal in die letzten Dörfer gefahren sind, konnte man irgendwie mit den Leuten reden. Sei es mit Händen und Füßen oder sogar Deutsch. Man hat schon manchmal gespürt, dass es die Leute nervt, dass wir kein Ungarisch können und manchmal wurde man etwas böse angesehen oder mürrisch behandelt, aber nicht schlimmer als in Deutschland. Im Krankenhaus konnten die Ärzte in der Regel mehr oder weniger gut Englisch, bei der Krankenpflege war das schon nicht mehr der Fall. Die Studenten konnten alle gut Englisch und wenn wir uns mit ihnen getroffen haben, haben sie sich immer große Mühe gegeben, Englisch zu sprechen und nicht Ungarisch. Wirklich viel Mühe, ich war echt positiv überrascht, es ist sehr selten mal passiert, dass sie miteinander was auf Ungarisch gesagt haben. Die Studenten haben uns super integriert. Sie sind mit uns ausgegangen, haben uns mit zu sich eingeladen, zum Essen oder Bierchen trinken, haben uns zu ihren eigenen sozialen Aktivitäten mitgenommen, auf Parties eingeladen usw. Wir konnten zu Karaoke-Abenden, zu Medizinerparties, zum Hunde spazieren gehen im lokalen Tierheim, Bierpong-Turnieren und vielen anderen coolen Sachen. Sie (vor allem unsere Kontaktperson) haben uns auch sehr viele Tips gegeben und uns viel aufgeschrieben, was man in Pecs so machen kann und wie man die Zeit in der Stadt nutzen kann. Budapest bietet sich natürlich für ein oder sogar mehrere Wochenenden an. Man kommt praktisch von jedem Ort in Ungarn gut nach und günstig nach Budapest. In Budapest selbst kann man dann unglaublich viel sehen, machen und günstig das Nachtleben erkunden. In Pecs selbst gab es auch ein paar coole touristische Sachen, zum Beispiel die Kathedrale, die Moschee, Museen, wunderschöne Aussichtspunkte (ich empfehle es, zum Fernsehturm zu gehen!) ,einen richtig coolen Zoo und mehr. Es gab auch viele schöne Restaurants, Bars und Cafes. Man konnte schön frühstücken gehen oder am nachmittag einen Kaffee trinken und Kuchen essen. Es gab auch einige chillige Studentenbars, wo man viele andere ungarische oder Erasmus Studenten antreffen konnte. Pecs ist zwar eine kleine Stadt, aber es studieren sehr viele Leute da, es gibt ein großes Erasmus Programm, weswegen die Stadt, viele Möglichkeiten für Studenten bietet. Außerhalb von Pecs gibt es auch schöne Berge zum wandern oder einen tollen, großen See zum baden. Wenn man möchte, kann man auch nach Kroatien runter fahren, man kann in ein paar Stunden in Zagreb sein, die Grenze selbst, ist noch näher. Auch gibt es in Ungarn einige Weinberge, die man besuchen kann. Wir waren in Villany, was super schön war und für deutsche Verhältnisse ebenfalls super günstig!
Insgesamt fand ich, dass es in Ungarn und Pecs viel gibt, was man machen kann und habe die Ungarn als offen und herzlich und locker in Erinnerung! Ich hatte viel Spaß und eine gute Zeit mit ihnen.

Fazit

Es war auf jeden Fall eine Erfahrung, die mir sehr ans Herz gewachsen ist und die ich unter keinen Umständen missen wollen würde. Ich empfehle es auf jeden Fall, den Famulaturaustausch zu machen. Ich und die Mädels, die mit mir da waren, sind gute Freunde geworden und haben immer noch Kontakt. Es ist zwar einiges nicht so gewesen, wie ich es mir vorgestellt habe, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, aber die Erfahrung war dennoch sehr bereichernd und hat mich geprägt, auch in dieser kurzen Zeit. Ich würde es wieder machen und habe richtig Lust im Studium nochmal ins Ausland zu gehen.

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