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Institute for Indian Mother and Child (Indien)

Verschiedene - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Judith, Saarbrücken

Motivation

Ich wollte gerne in ein Entwicklungsland, um einen Einblick zu bekommen, wie ein Gesundheitssystem und Medizin allgemein in einem Land funktioniert, in dem die Menschen nicht so privilegiert sind wie wir. Für Indien habe ich mich letztlich entschieden, da ich das Projekt von denen auf der bvmd-Seite am ansprechendsten fand. Besonders gereizt hat mich, dass es ein allgemeines Entwicklungshilfsprojekt ist und sich nicht nur auf medizinische Hilfe fokussiert, sondern auch ein großes Augenmerk auf langfristige Armutsbekämpfung, Schulbildung für Kinder, Frauenbildung und -empowerment legt und man sich die verschiedenen Projekte anschauen kann. Da ich mir später gut vorstellen kann, einmal in einem solchen Bereich zu arbeiten, wollte ich gerne die Chance ergreifen, mir einmal anzuschauen, ob ich mich in solchen Projekten wohl fühle und auch in Zukunft sehen kann.

Vorbereitung

Nach der Zusage wird man von einem ehrenamtlichen Mitglied des IIMC Fördervereins in Deutschland kontaktiert und hat so einen Ansprechpartner, der selbst das Projekt kennt und einem bei Fragen beiseite steht. Von diesem Mitglied bekommt man auch einen Acceptance Letter mit vielen nützlichen Tipps für den Aufenthalt und die Vorbereitungen. Da die BVMD 2 Plätze im Projekt pro Monat zu vergeben hat, kann man wenn man möchte auch über besagte Ansprechpartnerin die Mailadresse der zweiten Person bekommen, wenn das für beide Seiten in Ordnung ist. Dann kann man z.B. auch die Flüge zusammen planen und schon einmal mit dem Gefühl nach Indien gehen, dort wenigstens eine Person schon zu kennen.
Ansonsten habe ich mir im Vorfeld einen imprägnierten, sehr dünnen Schlafsack der Marke cocoon gekauft. Das fand ich letztendlich eine sehr gute Sache, da man dadurch das Gefühl hat, auch beim Schlafen gut gegen Moskitos geschützt zu sein. Außerdem habe ich mir einige DEET-haltige Moskitosprays (auf Empfehlung NOBITE) gekauft, in 6 Wochen habe ich knapp 2 Sprühflaschen verbaucht.
Da ich mir nicht sicher war, ob in der Unterkunft Moskitonetze vorhanden sind, habe ich mir auch ein Moskitonetz zum übers Bett hängen gekauft – das war letztendlich aber überflüssig, da dort Moskitonetze vorhanden sind.
Ansonsten habe ich mich ehrlich gesagt kaum vorbereitet und mich einfach von der inneren Gelassenheit leiten lassen, dass einfach alles gut werden wird. Und ich glaube, das war auch gut so ;-)
Link zum Schlafsack: https://www.tropenfit.de/?id_artikel=9999948734&id_geschlecht=&id_artikelart=&id_artikelart_sub=&id_verwendung=32&id_produktgruppe=&id_marke=&id_geschlecht_main=&markensuche=&id_marke_uebersicht=&id_farbe=&search_detail=&search_detail_start=&search_detail_value=&banner_link=&search_asn=&brandheiss=&happyhour=&restposten=&wiederda=&brandneu=&bwf=&boxed_artikel=&id_kampagne=&page=&position=7)

Visum

Ich habe mein Visum online auf dieser Seite beantragt: https://indianvisaonline.gov.in/evisa/tvoa.html
Im Acceptance Letter wird genau erklärt, was für ein Visum man benötigt (man braucht ein Tourist Visum) und wie man es bekommen kann.
Um ein Visum zu bekommen, muss man viele Fragen beantworten, die mir eher seltsam vorkamen, z.B. muss man angeben, wo beide Elternteile arbeiten und man muss entweder seinen Vater oder seinen Mann mit Kontaktdaten nennen. Bezahlt habe ich ca. 77€. Das Ganze verlief aber komplett problemlos und ich hatte bereits am nächsten Tag schon mein Visum. Was etwas verwirrend ist: Man bekommt eine E-Mail, dass man sein Visum hat. Dann kann man sich mit seinen Zugangsdaten auf der Seite noch einmal einloggen und dort sein Visum herunterladen, speichern und drucken etc. Einige von uns haben nicht verstanden, dass man sich dort nochmal einloggen kann um das „richtige“ Visum herunterzuladen und hatten dann nur die E-Mail vorliegen. Das waren alle Leute am Flughafen aber auch schon gewohnt und so war es auch möglich, nur mit der E-Mail einzureisen, ohne das Visum runtergeladen und ausgedruckt zu haben. Aber ich kann es auf jeden Fall empfehlen, das Visum herunterzuladen und auszudrucken, um auf der sicheren Seite zu sein.
Am Flughafen wurde man bei der Ein- und Ausreise von den indischen Behörden recht genau gefragt, was man in Indien macht, was man in Deutschland macht und ob man in Indien wen kennt. Hilfestellung, wie man solche Fragen beantwortet bietet auch der Acceptance Letter. Letztendlich wollte einem da aber auch keiner was Böses.

Gesundheit

Reiseapotheke:
Nachdem ich auf bisherigen Reisen Medikamente eigentlich immer nur mit mir herumgeschleppt habe ohne sie benutzen zu müssen, sollte sich meine Reiseapotheke in Indien zum ersten Mal lohnen. Mitgenommen habe ich:
- Kohletabletten
- Loperamid
- Elotrans
- Vomex
- Ibuprofen
- Paracetamol
- Malarone (hatte ich nur für den Fall der Fälle als Stand-by dabei. Eine prophylaktische Einnahme wurde derzeit nicht empfohlen.)
- Buscopan
- Magnesiumbrausetabletten
- Desinfektionsspray
- Antibiotikum (meine Hausärztin hatte mir für alle Fälle Cotrimoxazol verschrieben)
In Indien bin ich insbesondere ein großer Fan von Elotrans und Kohletabletten und geworden. Durchfall hatten im Laufe des Monats quasi alle von uns irgendwann einmal, manche schlimmer, manche weniger schlimm. Kohletabletten fand ich dabei sehr hilfreich, viele setzten aber auch auf Loperamid. Ich selbst und einige andere hatten auch eine Erkältung mit Fieber, die nach einigen Tagen auch ohne Antibiose wieder verschwand. Malaria oder Dengue hatte bei uns keiner bekommen. Eine lag über mehrere Tage mit hohem Fieber flach. Da die Luftfeuchtigkeit irre hoch ist, ist man in Indien eigentlich die ganze Zeit am Schwitzen und das ist wenn man aus Europa kommt erst mal ziemlich ungewohnt. In Tagen, in denen ich das Gefühl hatte, das mein Kreislauf einfach nicht gut ist, oder beim anschließenden Reisen auf Wandertouren habe ich für mich Elotrans entdeckt. Ich habe dann einfach ein Päckchen in 1,5 Liter Wasser aufgelöst, also einfach in die Flasche gekippt und hatte das Gefühl, dadurch viel Energie zurückbekommen zu haben. Auf 1,5 Liter aufgelöst schmeckt es auch nicht so eklig wie in der Durchfalldosierung auf ein Glas Wasser. Ich weiß nicht ob es die Elektrolyte oder nur der Placebo war, aber es hat letztendlich für mich sehr gut funktioniert ;-)
Grundsätzlich ist Dr. Sujit, der Leiter des Hilfsprojekts ein erfahrener Arzt, der weiß, welches Medikament gegen welche in Indien erworbene Erkrankung am besten hilft und wo man es bekommen kann.

Impfprophylaxe:
Ich habe mich vor meiner Reise gegen
- Tollwut
- Typhus
- Japanische Enzephalitis
- Meningokokken (ACWY)
- Cholera
impfen lassen. Außerdem wird über den normalen Impfkalender hinausgehend noch Hepatitis A empfohlen, aber als Medizinstudent hat man das ja zum Glück meist bereits :-)
Ich hatte zunächst auf der Seite des auswärtigen Amtes geschaut, welche Impfungen für Indien empfohlen werden und dann eine Impfberatung bei meiner Hausärztin gemacht, die mir allerdings eine komplett andere Empfehlung aussprach, was mich ziemlich verwirrt hat. Darum wollte ich mir eine Zweitmeinung einholen und habe einen Telefontermin beim Teledoktor meiner Krankenkasse (BARMER) ausgemacht, wo ich von einem wahnsinnig kompetenten Reisemediziner zurückgerufen wurde, der sich super auskannte und mir auch noch viele weitere gute Tipps für meinen Aufenthalt in Indien (z.B. Mückenschutz) gab. Kann ich wirklich sehr empfehlen und war kostenlos! Vielleicht bietet eure Krankenkasse sowas ja auch an. Letztendlich habe ich mich auch an seine Impfempfehlungen gehalten, die sich quasi mit denen des Auswärtigen Amtes deckten.
Meine Krankenkasse, die BARMER, hat mir die Kosten für alle meine Reiseimpfungen rückerstattet.

Auslandskrankenversicherung:
Über die Apobank konnte ich einen kostenlose Auslandskrankenversicherung für meine Famulatur bekommen. Ansonsten ist die Ärztefinanz soweit ich weiß auch ein guter Ansprechpartner für günstige und gute Auslandskrankenversicherung.

Sicherheit

Im Vorfeld hatte ich mir schon etwas Gedanken darüber gemacht. Letztendlich habe ich in Indien aber keinerlei negative Erfahrungen bezüglich Sicherheit gemacht. Wir Mädels haben insgesamt schon darauf geachtet, eher in der Gruppe als alleine unterwegs zu sein, außerdem hatte Dr. Sujit uns gebeten, unter der Woche spätestens um 23 Uhr, am Wochenende spätestens um 24 Uhr zuhause zu sein. Nach ein paar Wochen haben wir uns aber auch so sicher gefühlt, dass wir in kleinen Gruppen auch Nachtzüge und Nachtbusse benutzt haben.
Dr. Sujit meinte auch, dass noch nie einem Austauschstudenten etwas zugestoßen sei. Was echt empfehlenswert ist, ist die Uber-App um Taxis zu buchen. Man sieht dort das Autokennzeichen des Fahrers, ein Bild von ihm und seine Bewertung. So kann man sicher gehen, dass man ins richtige Auto einsteigt.

Geld

Die Währung sind Rupees. 78 Rupees sind in etwa 1€. Insgesamt sind die Lebenserhaltungskosten deutlich niedriger als in Deutschland.
Ich habe bei meiner Ankunft am Flughafen ca. 50€ in Rupees umgetauscht, um Geld für den Anfang zu haben. Danach habe ich mit meiner Kreditkarte von der ApoBank Geld an den indischen Automaten abgehoben. Von denen gibt es viele. Als Student kann man mit der Kreditkarte der ApoBank weltweit gebührenfrei Geld abheben.

Sprache

In Kalkutta und ganz Westbengalen wird bengalisch gesprochen. Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, schon vor meinem Austausch schon etwas Bengalisch zu lernen, aber wie so oft verlief sich dieses Vorhaben vor lauter Uni im Sande…
IIMC ist allerdings bestens auf Austauschstudenten vorbereitet, die kein bengalisch können und weiß sehr genau, was die wichtigsten Worte und Sätze für uns sind. Man bekommt in der ersten Woche mehrmals Bengalischunterricht. Dort aufzupassen und mitzulernen lohnt sich auf alle Fälle, da man so schnell in der Lage ist, mit den häufigsten Patientensituationen im Arbeitsalltag umzugehen.
Die IIMC Mitarbeiter sprechen alle mehr oder weniger gutes Englisch. Patienten sprechen in der Regel nur bengalisch. Ich fand es sehr schön, Bengalisch zu lernen um zumindest ein bisschen mit den Patienten ins Gespräch zu kommen.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit Emirates geflogen und habe für meine Flüge insgesamt 630€ bezahlt, habe sie leider aber auch erst einen Monat vor Abflug gebucht. Glücklicherweise konnte ich noch einen Fahrtkostenzuschuss ergattern.
In Indien stehen dir (Fern)Busse, Züge, die Metro in der Innenstadt Kalkuttas, Tuc Tucs und Taxis zur Verfügung.
Züge für Reisen am Wochenende bucht man am besten über ein Reisebüro in Indien, da die Buchung kompliziert ist. Nahe an der Indoor Clinic ist z.B. ein Reisebüro zu dem wir gegangen sind, einige sind aber auch in eins in der Stadtmitte gegangen. Nachtzüge sind für indische Verkehrsmittel überraschend komfortabel! Wir haben meist Klasse 3AC gebucht. Für Fernbusse gibt es einige Apps wie z.B. Redbus, mit denen man auch selbst Tickets buchen kann. Zur Arbeit und zurück geht ihr mit Metro und Tuc Tuc. Für Taxis kann ich wie gesagt die App Uber empfehlen.

Kommunikation

Ein kleiner Laden nahe der Indoor clinic verkauft Simkarten, bei denen man auch genügend Datenvolumen hat. Ich weiß nicht mehr wie viel, aber auf jeden Fall deutlich mehr, als man es aus Deutschland gewöhnt ist, ich glaube 1,5GB pro Tag :-) bis die Simkarten funktionieren, dauert es allerdings 1-2 Tage. Bis dahin nutzt man am besten das WLAN in der Indoor clinic oder lässt sich von jemandem mit bereits funktionierender Simkarte einen Hotspot machen. Im Guesthouse, wo wir untergebracht waren, gab es kein WLAN.

Unterkunft

Beim IIMC wohnen alle Austauschstudenten zusammen in einem guest house. Im Haus gibt es mehrere Schlafzimmer, meist sind es Mehrbettzimmer mit 2-4 Betten, es gibt aber auch zwei Einzelzimmer. Insgesamt ist das Haus auf maximal 30 Leute ausgelegt, wir waren im September 20. Hat man sich einmal an seine neue Umgebung gewöhnt, lebt es sich dort echt gut. In der Küche gibt es einen Herd, Kühlschrank, Mikrowelle, Wasserkocher und einen Toaster, man kann sich also bestens selbst versorgen. Es gibt allerdings keine Waschmaschine, man kann seine Wäsche entweder von Hand waschen oder extern waschen lassen. Es gibt im Haus nur kaltes Wasser, aber da es in Indien meist eh warm ist, ist das kalte Duschen eigentlich eher eine willkommene Abkühlung als eine Belastung. Über den Betten sind größtenteils Moskitonetze befestigt. Die haben aber z.T. einige Löcher. Ich war froh, mein Flickzeug dabei zu haben, um die bei meinem zu nähen zu können. Grundsätzlich gibt es im Haus eine Sammlung an alten Bettlaken und -bezügen von den Vorgängern, die waren aber leider nicht so sauber, sodass bei uns alle entweder Bettlaken gekauft haben oder selbst mitgebracht haben. Ich hatte ein Leintuch von zuhause dabei und habe in meinem Schlafsack darauf geschlafen. Decken habe ich im September keine gebraucht, es war in meinem dünnen Schlafsack schon fast zu warm. Kissen waren vorhanden, beim Bezug steht man wieder vor der selben Frage, oder man tut es einfach unter sein Leintuch, dann spart man sich den Bezug ;-) Im Haus selbst ist noch der Inder Prodip, als eine Art Guard, der im Prinzip einfach mit den Austauschstudenten zusammen lebt. Er spricht sehr gut Englisch und ist ein sehr netter Zeitgenosse. Man kann mit ihm wunderbar über Indien und die Kultur reden.

Literatur

Da ich danach noch 2 Wochen auf Reisen war, hatte ich mir den Lonelyplanet besorgt und mitgenommen. Im Guest House ist ein Buch, von uns liebevoll „The Bible“ genannt, indem vorherige Austauschstudenten Tipps hinterlassen haben. Es eignet sich wunderbar um Ideen zu bekommen, was man sich in Kalkutta anschauen sollte, wohin man an einem etwaigen freien Wochenende oder danach fahren könnte oder wo es sich lohnt essen zu gehen.

Mitzunehmen

Klamottentechnisch sind eigentlich alle bei uns in T-Shirt und Schlabberhosen (also diese türkischen oder Ali Baba Hosen oder wie auch immer man sie nennen mag) unterwegs gewesen, das war auch völlig in Ordnung so. Einige waren vor Ort auch fleißig einkaufen und haben sich noch mehr Schlabberhosen, lange Röcke und andere indischen Klamotten besorgt. Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Kalkutta reichlich.
Froh war ich um mein Mückenspray und meine Reiseapotheke. Grundsätzlich kann man in den indischen Apotheken auch alles besorgen, was man so braucht, aber ich fand es einfach beruhigend, die Sachen, die ich von zu Hause kannte schon dabei zu haben, und sie nicht erst besorgen zu müssen, wenn man dann krank ist. Auch die Anschaffung eines dünnen, imprägnierten Schlafsacks (siehe oben) hatte sich für mich definitiv gelohnt.
In Kalkutta gibt es in der Innenstadt das Oxford Book Store, wo man auch Bücher auf Englisch kaufen kann. Ich war im Endeffekt froh, keine schweren Bücher mitgenommen zu haben und fand es sehr schön, mir das ein oder andere englisches Buch zu kaufen, das dann auch in Indien oder Kalkutta spielt.
Da die Steckdosen im Guest House teilweise etwas umkämpft waren, um sein Handy aufzuladen, oder auch in den Nachtzügen die Steckdosen nicht immer funktioniert haben oder teils auch einfach schon belegt waren, war ich froh, meine Powerbank dabei zu haben.
Im Acceptance Letter wird man gebeten, sich selbst mit Handschuhen und Händedesinfektionsmittel für sein Praktikum einzudecken. In einigen Erfahrungsberichten wurde zwar geschrieben, dass es dort genügend Vorrate gibt, trotz allem würde ich euch dazu raten, eure eigenen Sachen mitzubringen. Denn IIMC hat zwar selbst auch Desinfektionsmittel und Handschuhe, allerdings werden diese wie alles aus Spenden finanziert. Und wenn man als Freiwilliger selbst seine eigenen Sachen dabei hat, heißt das im Endeffekt einfach, dass mehr Spenden genutzt werden können, um die Medikamente und Behandlung der indischen Patienten finanzieren, statt sie in Handschuhe und Desinfektionsmittel für Austauschstudenten zu stecken. Übrige Handschuhe von euch oder aus dem Guest House kann man auch einfach in der Indoor oder einer der Outdoorkliniken abgeben, da werden sie ganz sicher gut gebraucht. Die Handschuhe vor Ort sind auch mit Latex, also falls ihr Latexallergiker seid, auf jeden Fall eigene mitbringen. Außerdem war mein Stethoskop zum Blutdruckmessen sehr nützlich. Andere medizinische Utensilien habe ich nicht gebraucht.
Im Nachhinein habe ich es sehr bereut, nicht noch mehr Spiel- und Bastelsachen für die Kinder mitzubringen. Gerade die Kinder der Indoor Patientinnen, die mit in der Klinik übernachten, aber auch die Kindergarten- und Waisenhauskinder freuen sich riesig, wenn man Zeit mit ihnen verbringt. Ich habe ewig viel Zeit gebraucht, bunte Kreide in Kalkutta zu suchen, um Hüpfspiele mit den Kinder zu machen oder einfach etwas im Innehof mit ihnen zu malen. Memory, Puzzle, Leiterlespiel etc. sind alles Spiele, die man gut auch ohne Bengalischkenntnisse mit den Kindern spielen kann (vorausgesetzt man hätte sie dabei gehabt…). Auch Wolle zum Armbänder knüpfen und andere kleine Sachen zum Basteln würde ich beim nächsten Mal mit mitnehmen wollen. Sicher gibt es all diese Dinge bestimmt auch in Kalkutta zu kaufen, aber am Anfang weiß man einfach nicht wo. Stifte, Papier und Scheren sind allerdings vorhanden, man steht also nicht ganz ohne Mittel da.

Reise und Ankunft

Es gibt einen IIMC Fahrer, der einen gegen einen kleinen Unkostenbeitrag mit dem Auto vom Flughafen abholt und ins Guest House und zu IIMC fährt. Voraussetzung dafür ist, dass man tagsüber ankommt und nicht mitten in der Nacht. Dieses Angebot haben eigentlich alle genutzt und es hat auch sehr zuverlässig funktioniert. Da quasi alle Flüge aus Europa über Nacht fliegen, kommt man eigentlich immer unausgeschlafen morgens in Indien an. Die allermeisten von uns sind auch direkt mit einem kurzen Abstecher im Guest House ins Projekt zum ersten Tag gefahren, was einen ziemlich langen und anstrengenden Starttag bedeutet. Man kann aber sicher auch sagen, dass man zu müde ist und im Guest House bleiben möchte.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Gearbeitet wird von Montag bis Samstag, am Sonntag hat man frei. Wenn ihr genügend Freiwillige seid, darf man sich ein langes Wochenende (Do bis So) frei nehmen um zu reisen. Voraussetzung ist aber, dass immer noch genügend Freiwillige vor Ort sind, damit das Projekt nicht darunter leidet. Euer Tag beginnt je nachdem wozu ihr eingeteilt seid, um 10 oder 11 Uhr. Insgesamt ist die Arbeit aber sehr locker. Lasst euch einfach von der indischen Gelassenheit mitreißen, und genießt es ;-)
IIMC teilt sich auf in eine Indoor clinic, mehrere Outdoor clinics und noch einige andere Projekte, die ich euch ganz kurz vorstelle.
Dreh- und Angelpunkt von allem ist die Indoor clinic. Dort haben Dr. Sujit, seine Frau und alle anderen Projekte ihr Büro, dort gibt es günstiges bengalisches Mittagessen und auch ein kleines Krankenhaus mit ca. 20 Betten für Frauen und Kinder. Patienten die dort stationär sind sind quasi ausschließlich Dermapatienten, die meist unter Pilzinfektionen leiden, andere auch unter bakteriellen Hautinfektionen oder autoimmunen Hautinfektionen. In der Indoor Clinic kann man bei den morgendlichen Dressings helfen, wo die infizierten Hautstellen der Patienten sauber gemacht, desinfiziert und mit entsprechenden Salben eingerieben werden. Nach dem Mittagessen gibt es auch eine Visite, der man sich anschließen kann. Allerdings kann man daraus leider nicht so viel mitnehmen, da viele Ärzte meist sehr flott durch die Zimmer huschen, nicht sooo viel übersetzen und auch die Übersetzungen in der Geräuschkulisse oft nicht bis in unsere Ohren vorgedrungen sind. Empfehlenswert ist allerdings die Visite von Frau Dr. Dipali, die einem einiges erklärt. Außerdem soll von den Austauschstudenten 1x pro Tag ein Durchgang gemacht werden, bei dem von allen Patienten Blutdruck, Puls und Atemfrequenz gemessen wird. Zum anderen gibt es in der Indoor Clinic auch ein Nutrition Project, wo Nahrung für Säuglinge zubereitet wird, die bei den Outdoor Clinics den Eltern unterernährter Kinder mitgegeben wird.
Von Montag bis Samstag starten jeweils Teams aus indischen Ärzten, indischen Krankenschwestern und Austauschstudenten, die in VW-Bussen eine oder zwei Outdoor Kliniken anfahren. Outdoor Kliniken sind in ansonsten leer stehenden Gebäuden in verschiedenen Stadtvierteln untergebracht, die sich ein- oder zweimal pro Woche in eine Outdoorklinik verwandeln. Patienten können dort gegen einen geringen Unkostenbeitrag medizinische Hilfe und Beratung erhalten. Zunächst gehen sie zu einem der Ärzte und werden von ihm triagiert. Auf einem Formular wird angekreuzt, welche Therapie sie erhalten sollen. Als Medizinstudent in der Outdoor clinic werden einem dreierlei Patienten zugeführt: Die, bei denen der Blutdruck gemessen werden soll, die, die eine Impfung (z.B. Tetanus) oder andere Spritze (z.B. Diclofenac, Vit.B Komplex) bekommen sollen und die, die ein Dressing für ihre Hauterkrankung erhalten sollen. Betroffene Hautstellen werden dann entsprechend gesäubert, desinfiziert und mit der angekreuzten Salbe eingecremt. Die Aufgaben als Student vor Ort sind damit relativ simpel, was aber auch schön ist, da man so auch ohne großartige Sprachkenntnisse schnell mit anpacken kann. Solltet ihr genug Freiwillige sein, kann auch mal den Ärzten über die Schulter schauen. In größeren Outdoor Kliniken gibt es auch noch weitere Disziplinen vor Ort, z.B. Gynäkologen, Zahnärzte, Augenärzte etc., denen man sich ggf. anschließen kann. Sehr spannend sind Outdoor clinics andererseits dadurch, dass man meist längere Zeit im Auto unterwegs ist, um sie zu erreichen und so echt viel von Kalkutta dem indischen Leben allgemein zu sehen bekommt. Mir hat es auf jeden Fall immer sehr viel Spaß gemacht in den Outdoor Kliniken mit am Start zu sein.
Darüber hinaus hat IIMC noch folgende Projekte, die man sich anschauen kann:
- Women Peace Council. Das sind Frauengruppen, die sich täglich treffen um zusammen die Zeitung oder andere Lektüre zu lesen und darüber zu reden. Ziel ist grob Bildung und Empowerment von Frauen. Hier kann man zum einen mit den Leiterinnen des Women Peace Councils solche Gruppen besuchen. Zum Anderen gibt es aus jeder Women Peace Council Gruppe Frauen, die zusätzlich als Health Workers ausgebildet werden. Ziel ist eine basismedizinische Versorgung durch die Health Workers in ihren Dörfern aufzubauen. Wir haben diesen Health Workern in Seminaren z.B. beigebracht, wie man Blutdruck und Puls misst, und erste Hilfe leistet. Die IIMC Leiterinnen übersetzen bei so etwas dann. Auch gibt es Fortbildungen für Women Peace Council Projekte, bei denen man Seminare über medizinische Themen halten kann.
- Education/Schulbesuche. IIMC hat sehr viele Schulen in ganz Westbengalen gebaut, um Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. Und IIMC hat ein eigenes, sehr cooles Patenschaftsprojekt, über das man einem Kind eine Schulbildung ermöglichen kann. Wir haben mehrere Schulbesuche gemacht und Kindern das Hygienebasics und Zähneputzen beigebracht, haben Seifen, Zahnbürsten und Zahnpasta verteilt, haben aber auch Schulstunden zum Thema Gender Equality oder Menstruation gemacht. Euren Ideen sind dabei aber keine Grenzen gesetzt.
- Mikrokreditprogramm. IIMC hat ein Mikrokreditprogramm, das man sich anschauen kann.
- Kindergarten. IIMC ist ein Kindergarten angegliedert. Hier kann man hingehen und mit den Kindern spielen.
- Waisenheim/Behindertenheim. IIMC ist ebenfalls ein Heim für Waisenkinder und Kinder mit Behinderung angegliedert. Die Kinder freuen sich, wenn man Zeit mit ihnen verbringt. Da die Kinder häufig Kopfläuse haben, werden die Kinder traditionell einmal pro Monat von den Austauschstudentinnen mit Hilfe der Heimmitarbeiter mit einem Läuseshampoo entlaust.
- Es gibt Elderly Care Projekte, wo man ältere Menschen wiegt und Puls und Blutdruck misst. Gewicht und Vitalparameter werden dokumentiert. Dort wird auch Essen ausgegeben. Hier fällt vor allem die Unterernährung der älteren Bevölkerung auf.
- Awarenessprogramme. In Stadtgebieten, wo IIMC noch nicht aktiv ist, werden z.B. Seminare zu gesundheitsrelevanten Themen veranstaltet, um das Vertrauen der Bevölkerung für den Aufbau weiterer Hilfsprojekte zu gewinnen. Wir haben hier z.B. kurze Vorträge über Pilzinfektionen, Karies, Hygiene etc. gehalten und Zahnputzsachen und Seifen verteilt. Indische Helfer von IIMC haben auch hier unsere englischen Vorträge auf Bengalisch übersetzt.
- Patenschaftsprojekt. Derzeit haben mehr als 4000 Kinder aus armen Familien über IIMC vermittelte Patenschaften in aller Welt. Für 20€ im Monat kann so einem Kind eine Schulbildung mit allem was dazu gehört (Schulgebüren, Schuluniform, Rucksack, Schulmaterialien,…) und ihm und seiner Familie damit eine Chance aus der Armut ermöglicht werden. Viele von uns haben sich im Laufe ihres Aufenthalts zusammen mit Familie oder Freunden dazu entschieden ein Patenkind zu übernehmen. Besonders schön ist es, dass man direkt vor Ort ist, sich von IIMC selbst überzeugen konnte und sein Patenkind dann auch gleich noch besuchen kann, bevor man zurück nach Deutschland muss.
- Fundraising. Für viele Dinge, die man vor Ort vielleicht gerne tun würde, braucht man Geld. Wir haben über eine Onlineplattform ein Fundraising unter Familie und Freunden gestartet und mit den Einnahmen Zahnbürsten, Seifen und Zahnpasta und Läuseshampoo besorgt, die wir bei oben beschriebenen Gelegenheiten verteilt haben. Mit dem Rest unserer Einnahmen haben wir den Bau einer neuen Schule unterstützt.
Insgesamt habt ihr im Projekt auch sehr viele Freiheiten, insbesondere in Monaten, in denen ihr viele Freiwillige seid und nicht alle von euch täglich gebraucht werden, um die Patienten in den Indoor und Outdoor Kliniken zu versorgen. Ihr seid frei darin, euch eigene Projekte zu überlegen. Wir haben z.B. Infoplakate für eine der Outdoor Kliniken gebastelt, um den Patienten zu erklären, was für eine Erkrankung sie haben und was dagegen hilft. An einem Abend haben wir für die Patienten der Indoor Clinic gekocht. Ansonsten haben wir aber auch einfach viel mit den Kindern gespielt (z.B. die Kinder, die mit ihrer Mutter in der Indoor sind, da diese meist nur wenig Beschäftigung haben, den Kindern aus dem Behinderten/Waisenhaus und den Kindergartenkindern). Spontane Spiel-, Mal- und Bastelaktionen waren dabei nicht nur für die Kinder, sondern auch oft für die erwachsenen Patientinnen der Indoor Clinic eine Freude. Die Freiwilligen vor euch haben auch schon einiges an Material, Ideen, Projekten und Postern hinterlassen, die es euch erleichtern, bereits durchgeführte Projekte wieder aufzunehmen oder neue zu entwickeln. Falls ihr die Zeit habt, könnt ihr euch auch schon in Deutschland coole Ideen überlegen und das benötigte Material für die Umsetzung gleich mit nach Indien nehmen, das hätte uns im Nachhinein die Durchführung von so manchem deutlich erleichtert und beschleunigt.
Alles in Allem hat mir die Mitarbeit in der Outdoor und auch in der Indoor gut gefallen. Schulbesuche waren zwar auch interessant, hier ist aber glaube ich das Problem, dass einige Schulen, die z.B. in der Nähe sind sehr oft besucht werden, und uns der Überblick gefehlt hat, in welchen Klassen z.B. schon im Monat zuvor Zähne putzen gezeigt wurde und Zahnbürsten verteilt wurden. Insgesammt hatte das v.a. in Dahki zur Folge, dass ich den Eindruck hatte, die Lehrer wollten, dass unsere Schulstunden so kurz wie möglich waren, sie das, was wir gesagt haben, nur sporadisch übersetzt haben oder gleich vorgeschlagen haben, dass die Kinder etwas vorsingen oder vortanzen. Hier würde ich im Nachhinein versuchen herauszufinden, ob die Schule oft besucht wird oder nicht und welche Themen in welchen Klassen wann schon behandelt wurden.

Land und Leute

Der Straßenverkehr in Indien ist auf jeden Fall ein ziemliches Erlebnis. Es geht laut und holprig zu, man merkt aber schnell, dass die Fahrer sehr gut einschätzen können, wann man sich noch durchquetschen kann und wann man auch mal bremsen muss.

Im Rahmen des Projektes verbringt man auch ein Wochenende auf dem Land, in Dahki, ganz im Osten Indiens. Dort macht man verschiedene Schulbesuche. Die kleine Pause auf dem Land war für uns alle eine willkommene Abwechslung vom Trubel der Stadt, man wohnt dort mitten im Grünen und kann tolle Spaziergänge machen.

Ansonsten habe ich die indische Bevölkerung stets als sehr nett und offen erlebt. Abgezockt haben wir uns nur selten gefühlt. Gut gefallen haben mir auch die vielen Märkte mit dem vielen leckeren, mir zum Teil unbekannten Obst- und Gemüsesorten.

Allein schon in Kalkutta kann man so viel entdecken, dass ein Monat eigentlich gar nicht ausreicht. Zudem ist Kalkutta ziemlich untouristisch, was es einem ermöglicht, einen ziemlich authentischen Eindruck von Indien zu bekommen. Gerade die vielen Projekte, die uns an den Rand der Stadt geführt haben, haben es uns ermöglicht, viel vom Land zu sehen und auf viele verschiedene Menschen zu treffen.

Was für mich eine ziemliche Herausforderung war, war die Kommunikation mit den indischen Patienten, auch die nonverbale. Wenn Inder einem zustimmen, nicken sie nicht nach vorne und hinten, wie ich es bisher gewohnt war, sondern neigen ihren Kopf kurz zur Seite. Außerdem wird auch ein Daumen nach oben für es geht mir gut, oder ein Daumen nach unten für es geht mir schlecht nicht verstanden. Das hat mich am Anfang etwas verwirrt. Ist letztendlich aber auch ein guter Grund, noch ein bisschen besser Bengalisch zu lernen, damit man solche Fragen nicht nonverbal kommunizieren muss ;-) Winken funktioniert aber auch in Indien.

An unserem freien, langen Wochenende haben wir einen Ausflug nach Darjeeling gemacht. Darjeeling an sich ist zwar schön und sehenswert, allerdings hatten alle von uns, die im September an welchem Wochenende auch immer nach Darjeeling gefahren sind alle furchtbar schlechtes Wetter, es hat fast die ganze Zeit geregnet und was super nebelig, sodass wir leider keinen Blick auf den Himalaya erhaschen konnten und zumindest an meinem Wochenende die geplanten Wandertage in Nepal buchstäblich ins Wasser geflogen sind.
An einem der Wochenenden haben wir einen Tagesausflug nach Varanasi gemacht, das war sehr schön und sehenswert. Dafür haben wir einen Nachtzug von Samstag auf Sonntag hin und einen Nachtzug von Sonntag auf Montag zurück genommen.

Was mir besonders in Erinnerung, ist die indische Gelassenheit und Unkompliziertheit. Ich hoffe, dass ich davon noch viel mit nach Hause nehmen kann.

Fazit

Ich würde definitiv immer wieder eine Famulatur bei IIMC machen. Wenn man einfach mal einen Einblick bekommen möchte, wie Entwicklungshilfe konkret aussehen kann und was man auf verschiedenen Ebenen tun kann, ist man hier genau richtig. Insgesamt hat man in den Projekten, die nichts mit Medizin zu tun haben oft eine eher beobachtende Rolle und kann sich einfach verschiedene Dinge anschauen, was aber auch sehr spannend ist. Man sollte allerdings nicht erwarten, medizinisch viel dazu zu lernen und außer Blutdruck-, Pulsmessungen, Spritzen und Dressings medizinisch viel machen zu dürfen. Mich hat es aber ehrlich gesagt auch voll zufrieden gestellt, dass ich eher kleinere medizinische Aufgaben hatte, in denen ich mich dann aber auch sicher und wohl gefühlt habe. Darüber hinaus ist es aber auch absolut in Ordnung, wenn ihr viel Zeit damit verbringt, mit Kindern zu spielen und einfach Zeit mit den Patienten zu verbringen. Ich bin froh, zusammen mit meiner Mutter und meinen Unifreunden jetzt zwei Patenkinder in Kalkutta zu haben. Dr. Sujit, der Gründer des Projekts uns seine Frau Barnali sind beide wahnsinnig inspirierende Leute und es ist sehr schön zu sehen, wie viel zwei Menschen erreichen können, wenn sie sich für eine Sache einsetzen.
Letztendlich muss ich schon sagen, dass das Projekt wahrscheinlich am meisten von den 160€ Projektgebühr hat, die man als Spende für die Unterkunft und das Projekt bezahlt, da damit vor Ort einfach viel mehr bewirkt werden kann, als man es als Fremder, nicht bengalisch sprechender Besucher in einem Monat je könnte. IIMC ist eine Organisation, die grundsätzlich auch gut ohne ausländische Freiwillige funktioniert und zurechtkommt, aber das ist auch gut so. Dennoch konnte ich wahnsinnig tolle Erfahrungen machen und viel für mich mitnehmen – und dafür bin ich unglaublich dankbar.

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