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Thailand (IFMSA-Thailand)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Sarah , Mannheim

Motivation

Ich wollte noch einmal während des Studiums die Möglichkeit nutzen, ins Ausland zu gehen. Da ich im Rahmen eines Asien-Trips vor einigen Jahren bereits einmal kurz in Bangkok war und an die Stadt mit ihrem geordneten Chaos, dem Street Food, den Lichtern, dem Nachtleben und den unfassbar freundlichen Menschen nur positiv zurückdenken konnte, wollte ich einmal länger hierher. So wollte ich in den Alltag eintauchen und nicht nur als Tourist ein paar vollgestopfte Sightseeing-Tage hier verbringen. Daher war Bangkok meine erste Wahl. Ansonsten hätte mich besonders aus sprachlichen Gründen noch Spanien und der Natur wegen auch Nepal interessiert. Ich bin aber sehr happy, meine Erstwahl mit Bangkok erhalten zu haben!

Vorbereitung

Auf die bvmd bin ich selbst gestoßen, als ich auf der Suche nach einer Auslandsfamulatur war. Die Organisation fand ich direkt total ansprechend! Ich fand es auch angenehm, zu wissen, dass man immer einen Ansprechpartner hat und auch vor Ort Kontakte, sodass man bei jeglichem Problem im Zweifel nicht auf sich allein gestellt wäre. Wegen diesen Punkten stand für mich fest: hier bewerbe ich mich! Da ich aber nur relativ kurz vor Beginn der Frist überhaupt zufällig darauf kam, musste ich plötztlich ziemlich Gas geben mit Sprachzeugnis etc.. Aber ich fand, dass für alles, was die bvmd einem ermöglicht und an Organisation und Arbeit abnimmt, die Bewerbungsformalitäten definitiv in einem lohnenswerten Verhältnis dazu standen! Als ich die Dokumente auf dem letzten Drücker noch bei dem LEO meiner Uni zum Abhaken vorbeibringen musste, haben alle sich so viel Mühe gegeben, das noch hinzubekommen und ich war einfach begeistert von dem Aufwand, den die Mitglieder betreiben!
Zur Vorbereitung war sonst gar nicht so viel nötig. Die finale Zusage aus Bangkok kam zwar erst 6 Wochen vor Abflug, sodass ich schon einigermaßen nervös wurde und auch so der Flug letztlich etwas teurer war als erhofft. Aber dann hat dennoch alles gut geklappt.

Visum

Das Visum erhielt ich durch persönliches Erscheinen bei der Botschaft schon innerhalb weniger Tage, was bei den verbleibenden 6 Wochen für mich auch fast die einzige Option war, mit der ich mich wohl gefühlt hatte – per Post hätte das Ganze laut Homepage auch gute 4 Wochen dauern können. Weihnachten und Neujahr fiel noch in die Zeit, deswegen bin ich dann einfach nach Frankfurt gefahren. Zum Abholen musste ich dann zwar noch einmal hin, aber so hatte ich mein Visum in weniger als einer Woche in der Hand.

Gesundheit

Ich habe mich gegen Japanische Enzephalitis und Typhus für Thailand vorab noch impfen lassen. Die Japanische Enzephalitis-Impfung ist wohl gut verträglich und die Krankheit eher doof – ich vertrete eher den Standpunkt, dass das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen eher in Kauf zu nehmen ist als im Zweifel die Krankheit. Genauso habe ich auch wegen Typhus entschieden. Das war eine Schluckimpfung und ich dachte mir, wenn man doch einen Trip in fernere Ecken unternimmt, wird es ganz sicher nicht schaden. Tollwut und Gelbfieber hatte ich noch von einer anderen Reise. Da in den Städten außerhalb von Bangkok recht viele streunende Hunde auf den Straßen unterwegs sind, war ich auch froh, die Tollwut-Impfung gehabt zu haben! Man weiß nie, ob sich ein Tier einmal erschreckt oder ähnliches.
Ansonsten enthielt meine Reiseapotheke: Fenistil Hydrocort, die Pille, Mückenschutz mit DEET, Paracetamol, Buscopan, ein Antibiotikum, Betaisodona, Blasenpflaster, größere Pflaster und einen Verband.

Sicherheit

Von meinem vorherigen Aufenthalt in Bangkok wusste ich noch, dass ich mich eigentlich immer wohl auf den Straßen gefühlt habe. Es ist eine sehr internationale und moderne Großstadt, in der gefühlt jeder ständig sein Smartphone in der Hand hat. Natürlich kann es einem passieren, dass etwas geklaut wird, von allen die mit mir hier waren, ist das aber niemandem passiert! Ich war für mein Krankenpflegepraktikum in Argentinien und dann noch in Südamerika unterwegs – das war absolut kein Vergleich! Man musste ständig auf seine Sachen aufpassen und von 10 Leuten in der Sprachschule wurde im Laufe von ein paar Wochen 8 das Handy aus der Hand gerissen und geklaut.
Nicht so in Bangkok! Es ist einfach eine entspannte Atmosphäre, in der ich mich pudelwohl gefühlt habe. Aber wir sind natürlich auch „mit Menschenverstand“ nicht bei Nacht in die dunkelsten Viertel und Gassen gelaufen. Insofern kann ich es jedem nur empfehlen, der dahingehend vielleicht Bedenken hat. Das Dorm funktioniert mit Fingerprint zum Tür öffnen und es sitzt wirklich IMMER staff unten an der Tür. Haben uns alle gut aufgehoben gefühlt!

Geld

Zum Geld gibt es eigentlich gar nicht so viel zu sagen, wie ich finde. Geld abheben klappt mit Kreditkarte am ATM einwandfrei. Ich glaube, die Apobank erstattet einem gegen Vorlage der Rechnung auch die Abhebegebühr. Mit der Kreditkarte kann man auch in Geschäften oder Restaurants bezahlen. Einige haben auch Geld getauscht, das kann man z.B. bei den meisten Banken problemlos machen. Ich fand es aber unpraktisch, dafür dann im Zweifel extra noch zu einer Bank zu müssen, wenn man abends ausgehen möchte oder ähnliches. Ich bin mit dem Geld abheben sehr zufrieden gewesen. Am 7/11 gibt es auch direkt am Dorm einen ATM. Bargeld spielt natürlich definitiv die größte Rolle, bei all dem Street food. So habe ich immer größere Summen auf einmal abgehoben. Der Kurs war aktuell 1€=ca. 30 baht. Im Vergleich zu Deutschland ist besonders Essen sehr günstig, wobei man sich dann trotzdem wundert, wie viel man so ausgibt! Kleinvieh macht eben auch Mist! Aber das ist ja auch irgendwo einer der Hauptgründe für mich gewesen: all das Essen zu probieren! Für Essen geht im Übrigen auch in Deutschland der Großteil meines Geldes drauf – man kennt es also…

Sprache

Ein paar Worte Englisch können gefühlt die meisten Leute, mit denen man so zu tun bekommt. Ob in Restaurants, an Bus Terminals oder beim Einkaufen. Ansonsten geht es auch mit Handzeichen, sich irgendwie zu verständigen! Wenn man einmal wirklich etwas braucht, habe ich die Google Translate App als extrem hilfreich empfunden: Ich musste einmal in der Apotheke ein Medikament besorgen. Mit Google Translate kann man dem Gegenüber auf Thai direkt einfach zeigen, was man möchte! Super praktisch.
Das Krankenhaus selbst ist ein Lehrkrankenhaus und ich habe sogar den Eindruck gehabt, dass es von der Lehre her gewünscht ist, Englisch zu sprechen. So taucht während den Visiten auf Thai auch immer mal ein englisches Wort auf, das man aufschnappt! Die Studenten können oft wirklich gut erklären, worum es gerade geht.

Verkehrsbindungen

Nach Thailand ging es mit dem Flugzeug. Vor Ort ist das Verkehrsnetz super. Mit BTS (Skytrain) und MRT (Ubahn) kommt man eigentlich wirklich überall hin. Und wenn es kürzere Strecken sind, die trotzdem zu lang zum Laufen sind, ist Grab auch total praktisch: Mit der App kann man sich überall abholen und hinbringen lassen und man weiß vorab, was es kosten wird. Grab ist wohl das Thai-Äquivalent zu Uber.

Kommunikation

Ich habe mir am ersten Tag direkt eine SIM Karte von dtac besorgt, was wirklich preiswert ist (und das Netz ist überall besser als in großen Teilen Deutschlands!). Mit meiner Familie und Freunden habe ich über Whatsapp und FaceTime Kontakt gehalten. Die Thais benutzen anstatt Whatsapp Line, aber das habe ich mir nicht heruntergeladen. Alle sind auf Facebook und Instagram, sodass man darüber auch kommunizieren kann. Im Dorm und Klinikbereich gibt es WLAN.

Unterkunft

Das Dorm fand ich top. Auch wenn wir zu dritt in einem 4er-Zimmer waren und ich da teilweise an meine persönlichen Grenzen gekommen bin, was Rückzugsort, Ruhe und Privatsphäre angeht. Wir Mädels haben uns aber super verstanden und es war irgendwo der „Preis“, den wir gezahlt haben, um immer jemanden zu haben, mit dem man Dinge zusammen unternehmen kann! Deswegen war mir der direkte Anschluss an andere auch im Nachhinein viel lieber als ein Zimmer allein! Die Klimaanlage, das persönliche Schreibtisch-Eck, Schrank, Kommode und Wandschränkchen (auch mit abschließbaren Schubladen!) haben alles vervollständigt.

Literatur

Auf Station haben wir Dinge einfach auf Amboss nachgeschlagen oder gegoogelt. Ich habe mir also für den medizinischen Teil des Aufenthaltes kein Buch oder ähnliches extra mitgenommen. Ich hatte aber natürlich einen Reiseführer dabei. Meine „Mitbewohnerin“ hatte auf ihrem Ipad aber den Reiseführer von Lose und der ist einfach super. Damit findet man sogar die Linie und teils auch Abfahrtzeiten von Bussen raus aufs Land! Klare Empfehlung.

Mitzunehmen

Wieder mitnehmen würde ich definitiv Ohrstöpsel. Die waren für mich auf jeden Fall Gold wert. Sei es, weil eine Zimmernachbarin geskyped hat oder weil die Klimaanlage manchmal rattert. Mückenschutz fand ich gerade für Ausflüge außerhalb von Bangkok auch hilfreich. Kittel und Stethoskop waren auch sinnvoll. Ansonsten finde ich diesen Punkt recht persönlich! Ich hatte genügend Sportklamotten dabei, am Campus gibt es zwei Gyms, die echt cool sind! Laptop und gutes Schuhwerk denn man legt hier wirklich weite Strecken zu Fuß zurück! Besonders die Klinikschuhe (falls man dafür wie ich extra welche angeschafft hat) unbedingt einlaufen! Zum Duschen hier im Dorm fand ich meine wassertauglichen Flip Flops auch angenehm, auch wenn alles wirklich top sauber ist.

Reise und Ankunft

Bei der Anreise hatte ich keinerlei Schwierigkeiten. Meine Contact persons haben mich nicht am Flughafen abgeholt, aber das war kein Problem. Ich bin mit dem Skytrain vom Flughafen in die Stadt gefahren und zum Krankenhaus. Dort haben mich meine Contact persons erwartet und mir das Dorm gezeigt. Ich war ein paar Tage vor Beginn meiner Famulatur da, sodass ich genügend Zeit hatte, anzukommen! Das kann ich beim Jetlag aus Deutschland kommend auch empfehlen, direkt am nächsten Tag früh aufzustehen, hätte ich glaube ich kaum überlebt, aber nach 2 Tagen war alles gut

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Eigentlich wollte ich Tropenmedizin machen. Vorab habe ich dann aber Infectious Diseases bekommen, damit war ich auch zufrieden. Als ich dann im International Office war, wurde ich allerdings für General Internal Medicine eingeteilt. Letztlich war es mir relativ egal, es musste nur eine stationäre Famulatur für mich sein, Interesse hatte ich grundsätzlich an allem. Ich würde die General Internal Medicine aber im Nachhinein definitiv nicht empfehlen. Die Innere Medizin ist ja an sich ein Fach, in dem viel einfach besprochen wird, visitiert wird und „gemacht“ wird letztlich nicht so viel. In einem Land, wo man die Sprache nicht spricht, ist das natürlich die denkbar „schlechteste“ Option, da einfach nicht viel „passiert“. Wir waren also immer darauf angewiesen, dass jemand uns etwas übersetzt. Dafür war der Professor einfach toll und hat für uns eingeführt, dass die allmorgendliche case presentation auf Englisch stattfand. Das war wirklich spannend und die Lehre finde ich hier auch deutlich, deutlich besser als bei uns in Deutschland! Die Studenten müssen viel mehr im klinischen Alltag machen und sind dadurch viel mehr praktisch eingebunden als wir in Deutschland.
Wäre dieser Lehrer nicht gewesen, müsste ich aber sagen, dass mir die Famulatur rein fachlich nicht all zu viel gebracht hätte.
Allgemein war es trotzdem toll für mich (wenn man sich einmal damit abgefunden hat, dass man einfach viel danebensteht). Man merkt, dass die Menschen hier oft deutlich später erst zum Arzt gehen, als bei uns. Demnach sieht man Krankheitsbilder in Ausprägungen, wie man sie bei uns nur selten sehen würde. Das fand ich wirklich spannend. Man sieht auf der Inneren viele Patienten mit Hepatitis B, da die Impfung in Thailand erst in den 90ern eingeführt wurde. Es gibt auch oft kongenitale Hepatitis B. Dementsprechend sind oft auch wirklich junge Patienten mit einem heftigen Ikterus dort gewesen, was bei uns ja nicht so häufig vorkommt.
Was mich wirklich schockiert hat, war die Tatsache, dass in Thailand "wach" intubiert wird. Das kann man sich wirklich erst vorstellen, wenn man es gesehen hat. Dabei wird die Indikation zur Intubation auch nicht gerade restriktiv gestellt. Dementsprechend waren reihenweise wache, intubierte CPAP-beatmete Patienten auf Station! In Deutschland wird immer nur unter Anästhesie intubiert, selbst in Notfallsituationen, soweit ich weiß. Scheinbar wird ein Tubus im Hals aber deutlich besser auch vom wachen Patienten toleriert, als bei uns gelehrt wird...

Land und Leute

Die Menschen freuen sich alle so, wenn man sie respektvoll und mit dem landestypischen Gruß begrüßt. Ich würde absolut jedem empfehlen, sich „die Mühe zu machen“, Hallo und Danke auf Thai zu lernen und den Wai Gruß (die Handflächen zusammen und entweder vor der Brust oder sogar vor dem Gesicht halten, je nach Respekt auch etwa die Stirn zu den Händen neigen) zu machen, dieser wird, wenn man ihn macht, IMMER erwidert.
Kommt eine Respektsperson z.B. auf Station, grüßen alle in dieser Form. Ich fand, das war ein starker Ausdruck von Höflichkeit und Respekt!
Ich habe den Eindruck, dass man merkt, wie der Buddhismus den Alltag prägt – im absolut positiven Sinne. Die Leute sind in ihrer Kultur einfach auffallend zuvorkommend, hilfsbereit, und freundlich. Ein Danke wird nicht groß erwartet. Als ich mit meinem Koffer am BTS Gleis stand, wurde mir zugewunken, dass ich auch ja den Aufzug finde, damit ich nicht den Koffer die Treppe herunter schleppen musste. Ich habe nicht einmal gefragt! Das ist den Leuten einfach aufgefallen. So etwas kennt man nicht aus Deutschland, wie ich finde. Ich finde es einfach nur schön und ich wünschte wirklich, bei uns wäre es ein bisschen mehr wie hier was das angeht!
Was ich noch wichtig finde: In den Tempeln muss man natürlich Knie und Schultern bedecken. Aber auch sonst findet man wirklich kaum eine Thai, die ihre Schultern entblößt trägt! So gut wie niemand tut das. Ich habe mich in Tops auf der Straße eher unwohl gefühlt. Nicht weil ich den Eindruck hatte, dass das hier etwas sexuelles hat, denn unangenehm angestarrt wird man nicht, sondern glaube ich, dass es einfach kulturell ist bzw. mit dem Buddhismus zusammen hängt. Es fällt einem einfach auf, wenn man darauf achtet, dass praktisch nur Ausländer bzw. Touristen schulterfrei unterwegs sind. Für mich war es also einfach eher eine Entscheidung aus Respekt, eher T-shirts zu tragen als Spaghettiträger.
Fun Facts: In Thailand wird quasi nie mit Messer und Gabel gegessen, sondern immer mit Gabel und Löffel!
Der Gruß "Sawasdee Kap" heißt scheinbar wortwörtlich übersetzt, ob man heute schon Reis gegessen hat.
Die Thais schreiben ein anderes Jahr als wir! Nämlich 2063.
Manchmal wird die Nationalhymne gespielt und das dann auch in öffentlichen Bereichen und über Lautsprecher auf der Strasse. Dann bleiben alle sofort stehen und lauschen respektvoll.
In Thailand ist es verboten, etwas negatives über das Land bzw. das System zu sagen! Ganz zu schweigen davon, etwas schlechtes über den König zu sagen.
Zigaretten nach dem Rauchen einfach wegzuwerfen wird bestraft!

Fazit

Die Zeit in Bangkok ist einfach nur gerast. Wir waren alle völlig schockiert, festzustellen, dass plötzlich nur noch 2 Wochenenden „zu verplanen“ waren. Und wir noch viel zu viele Pläne hatten! Ich hätte ohne Weiteres auch 8 Wochen hier verbringen können und habe nach dieser Famulatur definitiv vor, ein gesplittetes PJ-Tertial hier zu verbringen! Ich denke, das sagt alles! Rundum einfach toll und wenn man auch noch eine Fachrichtung erwischt, wo mehr auf Englisch gesprochen wird oder es auch an sich noch mehr zu schauen gibt, sodass man mehr von der tollen Lehre hier abbekommt, dann nimmt man sogar vielleicht ein bisschen was Fachliches mit! Auf nach Bangkok, Leute!

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