zurück

Eat to Fight your Disease (Ruanda)

Innere - SCOPH (Public-Health Austausch)
von Theresa, Heidelberg

Motivation

Während meines Studiums wollte ich schon immer mal medizinische Erfahrungen in einem Entwicklungsland sammeln. Mein Ziel war es einen anderen Blickwinkel zu bekommen und zu lernen wie man mit weniger Ressourcen den Klinikalltag meistern kann. Ich wollte das Praktikum gerne in einem afrikanischen Land machen, da ich erst wenig von diesem Kontinent gesehen habe und ich viel Gutes über die Praktika dort gehört habe.

Vorbereitung

Ich hatte mich auf das Public Health Projekt ETFYD beworben, jedoch letztendlich eine einmonatige Famulatur dort im Krankenhaus gemacht. Darum musste ich mich vorab noch um Vieles kümmern, was nur die Famulatur betraf. Ich habe Elias (Verantwortlicher für die Praktika am CHUB) geschrieben, um von ihm nochmal eine feste Zusage und den Letter of Invitation zu bekommen. Außerdem musste ich ihm auch noch eine Reihe an Dokumenten zukommen lassen, da bekommt man aber vorher nochmal extra eine Liste zugeschickt. Letztendlich war es doch ziemlich viel Papierkram, der zu erledigen war aber es ist alles dennoch gut machbar. Ansonsten konnte ich mich nicht groß vorbereiten, da ich sehr kurzfristig noch die Zusage bekommen habe (hatte mich auf einen Restplatz beworben). Es hat dennoch alles entspannt und problemlos funktioniert.

Visum

Ich habe vorab ein Touristen Visum bei der Ruandischen Botschaft in Berlin online beantragt. Dieses ist 30 Tage gültig und kann auch fünf weitere Tage überzogen werden. Das U2 Visum habe ich vor Ort auch noch beantragt für weitere 50 Euro. Dies war im Endeffekt aber gar nicht notwendig bzw. wurde ich nie danach gefragt.

Gesundheit

Ich habe mich ca. drei Wochen vor Abflug um meine Impfungen etc. gekümmert. Das war knapp, hat aber dennoch vollkommen ausgereicht. Einige Impfungen hatte ich schon von vorigen Reisen. Letztendlich habe ich noch Typhus, Tollwut (kurzes Schema) und Gelbfieber geimpft bekommen. Außerdem habe ich noch die Cholera-Schluckimpfung eingenommen und Malarone als Malaria Prophylaxe, welche ich sehr gut vertragen habe. Für die Famulatur habe ich noch Desinfektionsmittel und Handschuhe mitgenommen.

Sicherheit

Ich habe mich sehr sicher in Ruanda gefühlt. Es gab keine Situation, in der ich ernsthaft mal Angst haben musste oder gehabt habe. Ich bin zum Teil auch allein gereist und das war alles gut und sicher machbar. Die Menschen waren auch immer sehr hilfsbereit, wenn man dann nämlich doch mal hilflos in der Gegend rumstand. Ich habe es dennoch vermieden abends allein irgendwo entlang zu laufen. Manchmal war es unvermeidbar, aber dann war auch das kein Problem.

Geld

In Ruanda zahlt man mit Francs. 1.000 Franc entsprechen einem Euro. Man kann an den meisten Geldautomaten mit Kredit- oder EC-Karte Geld abheben (zum Teil gegen eine Gebühr von 2 Euro). Einziger wichtiger Hinweis: in den Nationalparks braucht man ein funktionierendes Online Banking. Es wird dort weder Cash akzeptiert, noch gibt es ein Kartenlesegerät. Wir hatten alle Problem vor Ort mit dem Online Banking, weil wir unsere SIM inklusive Handynummer geändert hatten und somit das Online Banking nicht verifizieren konnten.

Sprache

Hauptsächlich wird in Ruanda Kinyarwanda gesprochen. Es hilft auf jeden Fall ein paar Begriffe zu können und die Menschen freuen sich auch sehr darüber. Im Klinikum war der Unterricht komplett auf Englisch. Jedoch musste man sich auch erstmal an den Dialekt gewöhnen. Die Patienten sprechen jedoch in der Regel nur Kinyarwanda. Französisch wird auch häufig verstanden und vor allem noch von den älteren Menschen gesprochen.

Verkehrsbindungen

Man kann sehr günstig und unkompliziert mit den öffentlichen Bussen reisen. Die Fahrt von Kigali nach Butare kostet beispielsweise nur ca. 2 Euro. In Butare selbst lässt sich alle gut fußläufig zu erreichen. Gegebenenfalls kann man aber auch immer für ein paar Cent ein Moto nehmen.

Kommunikation

Ich habe mir direkt am ersten Tag eine SIM-Karte in einem AIRTEL-Shop in Butare gekauft. Umgerechnet habe ich ca. 10 Euro für 30GB Daten bezahlt (für einen Monat). Daten sind auf jeden Fall das Wichtigste. WLAN gibt es nämlich so gut wie nirgendwo in der Stadt.

Unterkunft

bequem und problemlos per Mail. Es gibt dort ein Haus mit zwei Schlafzimmern (jeweils ein Stockbett) und ein weiteres Haus mit drei Schlafzimmern und insgesamt 8 Schlafplätzen. In jedem Haus gibt es eine Küche und ein gemeinsames Bad. Es war sehr wohnlich eingerichtet und wir dreimal pro Woche gereinigt.

Literatur

Empfehlen kann ich das Buch Kuchen backen in Kigali. A Sunday At The Pool In Kigali ist ein etwas verstörendes Buch. Da muss jeder selbst entscheiden, ob man sich den brutalen und drastischen Erzählstil antuen möchte. Ich hatte sowohl den deutschen Reiseführer von Iwanowski und den englischen von Philip Briggs. Letzteren fand ich deutlich besser und ausführlicher beschrieben. Außerdem kann ich noch sehr den Film Hotel Ruanda empfehlen! (Gibt es auf Amazon Prime).

Mitzunehmen

Für die Famulatur mitgenommen habe ich: Kittel, Stethoskop, Reflexhammer, Handschuhe und zwei Flaschen Desinfektionsmittel. Der Reflexhammer war überflüssig, und es hätten auch weniger Handschuhe und weniger Desinfektionsmittel gereicht. Es macht Sinn für das Krankenhaus dünne, luftige Blusen mitzunehmen. Alle Medizinstudierenden sind recht schick gekleidet und tragen Hemden, Blusen und lange Röcke oder Hosen.

Reise und Ankunft

Ich bin mit RwandAir direkt von Brüssel nach Kigali geflogen. Das hat alles problemlos funktioniert. Am Flughafen hat mich ein Medizinstudent, der auch zu RVCP gehört abgeholt, und mich zum Busbahnhof von Kigali gebracht. Von dort bin ich 3 Stunden mit dem Bus nach Butare gefahren. Den Weg vom Busbahnhof zur Unterkunft kann man dann laufen oder man nimmt sich eben ein Moto. Am Anreisetag habe ich dann erstmal nur die Stadt erkundet und am nächsten Tag war dann auch schon der erste Tag von meinem Praktikum.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe meine 30-tägige Famulatur auf der Inneren gemacht. Vorab lässt sich sagen, dass hier sehr viel Teaching mit in den Krankenhausalltag integriert ist, was aber ziemlich lehrreich war. In den ersten zwei Wochen war ich die einzige ausländische Praktikantin. Jedoch waren immer einige Assistenzärzte aus Kanada oder den USA da, die beim Teaching unterstützt haben. Ich war zwei Wochen auf der Frauenstation und die weiteren zwei Wochen auf der Männerstation eingeteilt. Der Tag fing um 7:30 Uhr mit einer Morgenbesprechung an. Es wurde jeweils ein kurzer und ein langer Fall vorgestellt, bei welchem die Studierenden mit integriert wurden und auch Fragen zu den Fällen gestellt wurden. Anschließend ist man auf eine der vier Stationen gegangen und dann fand immer eine große Morgenvisite statt (2-3h). Man konnte auch selbst einen Patienten vorstellen, wenn man wollte. Da war etwas Eigeninitiative gefragt. Die Studierenden sind je nach Studienjahr in DOC 1-3 eingeteilt. Die DOCs 1 und 2 durften noch nicht so viel selbst machen. Sie mussten in der Regel immer das "History-Taking" bei den Patienten machen. Die DOC 3 sind im letzten Jahr und haben so gut wie alle Aufgaben selbstständig übernommen. Der Wissensstand der Studierenden ist ähnlich hoch wie in Deutschland. Auch das Teaching ist recht anspruchsvoll. Ich konnte also wirklich viel in den vier Wochen lernen. Da ich erst DOC 2 war, durfte ich aber noch nicht so viel eigenständig machen. Bei der Anamnese brauchte man in der Regel immer einen ruandischen Studenten zum Übersetzten an der Seite, da die meisten Patienten nur Kinyarwanda sprechen. Danach gab es eine Mittagspause, die immer unterschiedlich lang ausgefallen ist und dann ab 13:30 nochmal ein Teaching, bei welchem zu verschiedenen Krankheitsbildern Präsentationen von Studierenden und Ärzten gehalten wurden. Gegen 15 Uhr war dann meist Schluss. Freitags schon gegen 12 Uhr, was immer ganz praktisch war, wenn man Ausflüge am Wochenende machen wollte.
Auf den vier Wards der Inneren Abteilung liegen Patienten mit allen möglichen Krankheitsbildern. Es wird nicht physisch separiert zwischen den verschiedenen Fachbereichen. Dadurch bekommt man sehr viele Eindrücke.
In der letzten Woche habe ich bei Elias nachgefragt, ob ich nochmal einen Einblick in andere Departments bekommen könnte. Ich war dann einen Tag noch im OP und konnte an einem anderen bei einem Kaiserschnitt zusehen. Ich kann es auf jeden Fall jedem ans Herz legen, sich auch nochmal andere Bereiche vor Ort anzuschauen.

Land und Leute

Ruanda ist ein wunderschönes und freundliches Land. Es liegt sehr hoch (Butare liegt auf 1700 Metern), weswegen hier über das ganze Jahr angenehme Temperaturen sind. Das Land ist sehr grün und es wird nicht umsonst als Land der 1000 Hügel bezeichnet. Die verschiedenen Städte und Nationalparks sind alle sehr gut und preiswert mit den öffentlichen Bussen zu erreichen. Huye oder auch Butare genannt (alte Bezeichnung) ist ein recht kleines Städtchen mit 90.000 Einwohnern, aber reich an jungen Menschen und Studenten. Außerdem habe ich mich hier auch sehr sicher gefühlt. Es gibt hier viele schöne Cafés und außerdem den besten Kaffee Ruandas (Café Connexion!!). Am Wochenende ich verschiedene Ausflüge unternommen. Ich war einmal im Nyungwe-Forest, welcher nur eine Stunde von Huye entfernt ist. Hier kann ich besonders das Kitabi Eco Center als Unterkunft empfehlen. Man hat von dort einen wunderbaren Blick auf den Regenwald und die Teeplantagen. An einem anderen Wochenende unternahm ich einen Trip an den Lake Kivu. Der Ausflug ist optimal für ein entspanntes und erholsames Wochenende zwischendurch. Zudem bin ich noch drei Tage in den Norden nach Musanze gefahren. Dort ist der Vulcano Nationalpark, der für die Gorillas bekannt ist. Das Gorilla Tracking habe ich jedoch nicht gemacht, da allein das Permit 1.500$ kostet. Eine Wanderung zu den Vulkanen hoch lohnt sich aber dennoch, und manchmal kann man dabei wohl auch Gorillas beobachten. Am Ende habe ich noch drei weitere Tage in Kigali verbracht. Hier kann man auch günstig in einem RVCP House übernachten.
Das Essen in Ruanda ist sehr kohlenhydratreich und es kann manchmal schwierig werden, frisches Gemüse bei den zahlreichen Buffets zu finden. Dennoch sind die Buffets sehr praktisch für die Mittagspause, da es sehr schnell geht (In allen Restaurants braucht man in der Regel sehr viel Geduld!) und günstig ist (ca. 1,50 -2 Euro). Wer das Buffett-Essen aber mal satthat, kann super auf dem Markt in Huye frisches Obst und Gemüse kaufen. Außerdem gibt es zwei empfehlenswerte Restaurants, nämlich das Chinesische Restaurant und das E-bis. Wer auf Eis, Milchshakes und Bananenkuchen steht, sollte unbedingt in das Inzozi Nziza gehen.
Die Menschen hier in Ruanda sind alle sehr freundlich und zuvorkommend. Ich habe mich nie unwohl oder fehl am Platz gefühlt. In Butare selber sind sehr wenige Touristen, höchstens mal welche auf der Durchreise. Da fällt man als Hellhäutiger dann doch auf, aber man gewöhnt sich schnell dran und ich habe es nie als unangenehm empfunden.

Fazit

Ruanda ist auf jeden Fall eine Reise wert. Es ist ein wunderbares Land mit ganz vielen tollen Menschen. Meine Erwartungen bezüglich des Landes wurden auf jeden Fall übertroffen. Im Krankenhaus war das Praktikum manchmal etwas zäh und hat sich vor allem zum Ende hin sehr gezogen. Im Endeffekt hätte ich lieber nur zwei Wochen Famulatur gemacht und wäre dann gerne noch etwas mehr gereist. Dennoch war das Teaching im Krankenhaus wirklich sehr gut und es war auf jeden Fall eine spannende Erfahrung einen Einblick in ein ruandisches Krankenhaus zu bekommen. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, nochmal solch einen Auslandsaufenthalt in einem anderen afrikanischen Land zu machen. Die Angst davor habe ich auf jeden Fall vollständig verloren.

zurück