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Guatemala (ASOCEM)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Bengican, Frankfurt am Main

Motivation

Der Wunsch, Versorgungsstrukturen in sogenannten Entwicklungsländern kennenzulernen, hat mich zur Bewerbung auf eine Auslandsfamulatur in Guatemala motiviert. Für mich kamen prinzipiell erst einmal alle spanischsprachigen Länder in Süd- und Mittelamerika in Frage. Das rührt daher, dass ich zum Zeitpunkt meiner Famulatur seit etwa einem Jahr spanisch gelernt hatte - unter anderem um in meinem späteren Studienverlauf zwei Semester in Spanien zu studieren und ein PJ-Tertial in Mexiko zu absolvieren. Dass ich mich letztlich für Guatemala entschieden habe, lag unter anderem daran, dass mir Guatemala als Reiseziel von vielen Freund*innen, die das Land im Rahmen von freien sozialen Jahren oder anderen Anlässen bereist haben, empfohlen wurde.

Von der klinischen Arbeit habe ich vor allem erwartet, einen besseren Eindruck von der strukturellen Gesundheitsversorgung in Guatemala zu gewinnen: Wie unterscheidet sich das Gesundheitssystem vom deutschen Gesundheitssystem? Auf welche Schwierigkeiten und Herausforderungen stößt man im Klinikalltag besonders häufig? Wie unterscheidet sich die praktische medizinische Behandlung?
Außerdem habe ich natürlich erwartet, mir in der Notaufnahme neues theoretisches Wissen und praktische Fertigkeiten anzueignen.

Abseits vom Krankenhausalltag habe ich außerdem erwartet, einen Teil der guatemaltekischen Bevölkerung kennenzulernen, mit vielen unterschiedlichen Menschen zu sprechen und an verschiedene Orte in Guatemala zu reisen.

Vorbereitung

Meine "Vorbereitung" bestand einzig darin, weiter Spanisch zu lernen - das hätte ich aber unabhängig von der Famulatur ohnehin weiter verfolgt.
Außerdem habe ich mir ein Buch mit medizinischem Vokabular auf Spanisch zugelegt, welches ich während meines Aufenthalts ab und zu verwendet habe.

Weiteres siehe beim Abschnitt "Gesundheit".

Visum

Ein Visum war mit deutscher Staatsbürgerschaft nicht erforderlich. Bei der Einreise muss lediglich ein Formular ausgefüllt werden, in dem grobe Angaben wie das Reiseziel, die geplante Aufenthaltsdauer und der Grund für die Einreise, sowie eventuell zu versteuernde Wertgegenstände angegeben werden müssen.

Gesundheit

Ich habe mich reisemedizinisch bei meiner Hausärztin beraten lassen und die aktuell empfohlenen Reiseimpfungen verabreicht bekommen, dazu gehörten zu diesem Zeitpunkt Impfungen gegen:

Gelbfieber, Hep-A und -B, Cholera, Typhus, Meningokokken Typ A, C, W135 und Y und Tollwut.

Eine Hep-B-Imfpung müsste im Rahmen des Medizinstudiums ohnehin bereits verabreicht worden sein. Die Gelbfieber-Impfung wurde nur empfohlen, wenn man beabsichtigt, auch außerhalb von der Hauptstadt zu reisen und musste an der Uniklinik verabreicht werden. Die Tollwut-Impfung ist optional. Da alle Impfungen von meiner gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden (auch das Beratungsgespräch), habe ich auch alle Impfungen in Anspruch genommen.

Ich habe eine Reiseversicherung abgeschlossen, die mich rund 10€ für beliebig viele Auslandsreisen innerhalb eines Jahres bis zu einer Dauer von maximal 56 Tagen je Reise gekostet hat und auch einen kostenlosen Rücktransport nach Deutschland miteinschließt.

Als Reiseapotheke habe ich lediglich Ibuprofen und eine Malariaprophylaxe mitgenommen. Empfohlen werden eigentlich gelegentlich noch Magentabletten, eine HIV-PEP, Fenistil, ein Mittel zur Wunddesinfektion und Kanülen (falls man die Sorge hat, im Notfall vor Ort keine Sterilen zu finden).
Zur Insektenabwehr gegen Dengue und Chikungunya wird ein tropentaugliches Spray empfohlen, außerdem eventuell Mückennetze und Waschmittel zum Imprägnieren. Ich würde aber empfehlen, sich einfach vor Ort ein Spray zu kaufen, wenn man denn (z.B. bei Ausflügen in tropische Gebiete) den Bedarf hat. Die enthalten dann vielleicht zwar Inhaltsstoffe, die in Deutschland nicht legal sind, aber dafür wirkt es dann zumindest.

Sicherheit

Wer sich die Reise- und Sicherheitshinweise des auswärtigen Amts für Guatemala durchliest, wird auf Hinweise zu bewaffneten Raubüberfällen, korrupten Polizist*innen und vielem mehr stoßen. Zwar findet das alles auch (gerade in der Hauptstadt) wirklich statt, konfrontiert wird man damit aber persönlich eigentlich kaum, wenn man sich an grobe Verhaltensregeln hält: So sollte man zum Beispiel die roten Buslinien meiden, nachts nicht alleine aus dem Haus gehen und generell Autos und Uber als Fortbewegungsmittel benutzen. Außerhalb von der Hauptstadt ist alles viel entspannter. Da kann man sich auch gut mit dem Bus fortbewegen und an vielen Orten auch gerne nachts noch zu Fuß aus dem Haus. Man merkt eigentlich immer, wo und wann man eher vorsichtig sein sollte, und wann die Situation entspannter ist. Außerdem weisen auch Einheimische immer wieder darauf hin, welche Straße man eventuell nicht zu Fuß entlang laufen sollte und wo alles etwas sicherer ist. Ich hatte mir aber auch schon im Vorhinein gedacht, dass das letztlich alles halb so wild sein wird.

Sicherheitshalber hatte ich außerdem ein zweites Billighandy mitgenommen, habe es aber rückblickend eigentlich nie benutzt, weil es einfach nicht notwendig war. Schaden tut es aber nicht, sollte man doch mal ausgeraubt werden. Es ist natürlich auch sinnvoll, nicht mit allzu viel Bargeld herumzulaufen. Und wenn man doch mal überfallen wird, sollte man sich natürlich auf keinen Fall wehren, sondern gleich alle Wertgegenstände hergeben, sonst kann das auch mal gewaltsam enden.

Übrigens: Die Sicherheitslage hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Während vor einigen Jahren die Zona 1 (das Stadtviertel im Zentrum) für Touristen noch tabu - weil zu gefährlich - war, kann man dort mittlerweile ganz entspannt spazieren. An vielen Straßenecken und vor vielen Läden stehen auch bewaffnete Sicherheitskräfte. Sicherheitskräfte bewachen übrigens auch die wohlhabenderen Nachbarschaften, welche eingezäunt oder eingemauert sind.

Geld

Die Währung ist der guatemaltekische Quetzal. An touristischen Orten kann man vielleicht auch noch mit US Dollar bezahlen, dann werden die Wechselkurse aber sicher auch ungünstig sein.
Da das Geldabheben mit Kreditkarte immer eine Gebühr von rund 5€ einhergeht, ist es ratsam, größere Beträge abzuheben, die dann Zuhause aufbewahrt werden können. Geldautomaten gibt es genug, man muss nur darauf achten, dass sie mit 5B gekennzeichnet sind, das bedeutet nämlich, dass auch internationale Karten akzeptiert werden. Man sollte Geldautomaten bevorzugen, die sich innerhalb eines Geschäfts befinden oder gut überwacht sind, weil unbewachte Geldautomaten öfter mal manipuliert werden. In größeren Geschäften kann normalerweise mit (Kredit-)Karte bezahlt werden. Das ist unter'm Strich oft günstiger (bei mir 1,75% Auslandsentgelt) als die 5€ Abhebegebühren.

Sprache

Die Amtssprache in Guatemala ist Spanisch. Im Krankenhausalltag wird auch fast ausschließlich auf Spanisch kommuniziert. Hierfür ist ja auch ein Sprachniveau von mindestens B2 notwendig.
Darüber hinaus werden in Guatemala 53 verschiedene indigene Sprachen gesprochen, die man öfter außerhalb der Hauptstadt, gerade in ländlicheren Gebieten hört. Muttersprache von rund 35% der Bevölkerung ist eine indigene Sprache. Besonders verbreitet ist die Quiché-Sprache und Garífuna.
Aufgrund des steigenden Tourismus ist bei der indigenen Bevölkerung auch Englisch immer mehr verbreitet.

Ich habe zum Zeitpunkt der Famulatur ungefähr ein Jahr lang Spanisch gelernt. Auf die Famulatur habe ich mich nicht noch einmal extra vorbereitet, aber sowieso regelmäßig Spanisch geübt. Das Sprachniveau B2 reicht meiner Meinung nach aus, um im Krankenhaus zurechtzukommen und sich mit Kommiliton*innen, Freund*innen und Bekannten ausführlicher zu unterhalten. Der guatemaltekische Akzent ist nicht besonders aufdringlich und das Vokabular hat zwar wie in jedem anderen spanischsprachigen Land seine Besonderheiten, überfordert einen aber nicht.
Im Klinikalltag kann es trotzdem oft dazu kommen, dass man etwas nicht versteht: Patient*innen und Krankenhauspersonal reden gerne auch mal sehr schnell - zusammen mit der medizinischen Fachsprache ist es also manchmal auch etwas schwieriger.

Verkehrsbindungen

Direktflüge nach Guatemala gibt es meines Wissens nicht. Oft fliegt man über die USA, über Mexiko oder auch über die Dominikanische Republik. Je nachdem, wann und wie früh man bucht, variieren die Preise (geschätzt) zwischen etwa 500 bis 1200€.

In der Hauptstadt ist man meist mit dem Auto unterwegs, entweder zum Beispiel mit Kommiliton*innen oder aber mit Uber, das dort preislich natürlich viel erschwinglicher ist als in Deutschland und außerdem günstiger und sicherer als die Taxen.

Bahnverkehr gibt es in der Hauptstadt eigentlich nicht (nur eine einzige Bahn, die, soweit ich weiß, alle paar Tage kommt und dann quer durchs Land fährt). Buslinien gibt es drei verschiedene: Die Roten, die Blauen und die Grünen. Erstere ist sehr unsicher, da sie keine festen Routen entlang fährt und immer mit Bargeld gezahlt wird. Sie werden daher recht häufig überfallen - und wenn es dann zu Missverständnissen mit dem Busfahrer kommt, kann auch mal auf den Bus geschossen werden. Die grüne Buslinie wird Transmetro genannt. Da schon an der Bushaltestelle gezahlt wird, lohnen sich Überfälle weniger und die Busse sind sicherer. Am sichersten sind die blauen Busse, die sich Transurbano nennen. Sie sind eine Gegenmaßnahme der Regierung aufgrund der massiven Sicherheitsbedenken bezüglich der anderen Buslinien. Die Busse fahren nur besonders gesicherte Routen mit festgelegten Haltestellen. Auf diesen Routen herrscht auch eine erhöhte Polizeipräsenz. In diesen Bussen kann eigentlich kaum was passieren. Dann gibt es noch die sogenannten Chicken Busse. Die sind bunt verzierte Wagen, die in verschiedene andere Regionen Guatemalas fahren. Sie sind eine sehr günstige Methode, um in Guatemala herumzureisen - aber nicht hundertprozentig sicher. Einige Einheimische raten davon ab, aber ich kenne auch viele Menschen, die ohne Bedenken mit diesen Bussen durch Guatemala gereist sind.

Kommunikation

Ich habe mir relativ frühzeitig eine Prepaid-Simkarte vom Anbieter Claro geholt. Die kosten im Angebot gerade einmal einen Euro. Für rund 10-15€ bekommt man dann auch genug Datenvolumen für den Monat und unbegrenztes Volumen für WhatsApp & co.
Zuhause gab es WLAN, das problemlos funktioniert hat.

Unterkunft

Ich habe bei einer Gastfamilie gelebt und hatte einen Gastbruder, der auch Medizin studiert und im selben Krankenhaus wie ich (Hospital Roosevelt) Praktikum hatte. Das wurde alles direkt von der IFMSA organisiert. Andere Austauschstudent*innen haben teilweise auch in Wohnheimen mit ihrem Host zusammengelebt, zwei Austauschstudentinnen haben (auf eigenen Wunsch) alleine, ohne Host gelebt.
Die Familie hat mich sehr herzlich aufgenommen und sich sehr liebevoll um mich gekümmert. Die Gastmutter hat meistens Frühstück, Mittag- und Abendessen vorbereitet. Ab und zu haben wir auch draußen etwas gegessen oder ich habe an der Uni zu Mittag gegessen. Bettwäsche, Decken und Kissen hatte die Familie bereits für mich vorbereitet und ich hatte mein eigenes Zimmer und Bad.

Literatur

Wie oben schon erwähnt, habe ich ein Vokabelbuch für die medizinische Fachsprache mitgenommen. Außerdem habe ich vor Reiseantritt den Reiseführer "Lonely Planet" geschenkt bekommen. Ansonsten habe ich mich nicht großartig eingelesen.

Mitzunehmen

- Geldbeutel mit Kreditkarte, Krankenkassenkarte, Studiausweis
- Reisepass
- Kulturtasche
- Sonnencreme! In Guatemala viel zu teuer!
- Jeans, Shorts, Badehosen
- Pullover, Fleecejacke, Regenjacke (letztere habe ich nie gebraucht)
- T-Shirts
- Wäsche
- Sonnenbrille
- Schlafsachen
- Kasack (ganz in blau, eigentlich tragen Studierende aber im Hospital Roosevelt entweder ganz weiß oder blau mit weißer Hose) und Kittel, Stethoskop (die Studierenden vor Ort tragen meistens auch einen Pulsoxymeter mit sich, den kann man sich aber auch leihen, wenn man ihn gerade braucht)
- Medikamente, Reiseapotheke
- Bücher
- Laptop, Handy, Kopfhörer, Steckdosenadapter etc.
- Sneaker und Flip Flops
- Rucksack, Bauchtasche

Reise und Ankunft

Die Anreise verlief problemlos. Ich bin über Atlanta, USA geflogen und wurde dann von Gastbruder und -vater am Flughafen abgeholt und nachhause gefahren. Ich bin am Donnerstag vor Praktikumsbeginn angekommen und hatte daher am Freitag schonmal Zeit, von meinem Gastbruder das Krankenhaus gezeigt zu bekommen und das Wochenende für Freizeit zu nutzen.
Auf Station wusste erst einmal niemand, dass ich für den Bereich eingeteilt wurde. Mein Betreuer (Leiter der pädiatrischen Notaufnahme) hat das dann aber mit dem Chefarzt geklärt und mir alles gezeigt.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe in der pädiatrischen Notaufnahme famuliert. Ich habe nicht ganz verstanden, wieso ich dort zugeteilt wurde, da ich die Pädiatrie als keine meiner drei Präferenzen angegeben hatte und auch noch überhaupt kein Vorwissen zur Pädiatrie hatte.
Der Tagesablauf begann etwa gegen viertel vor sieben mit der Frühbesprechung auf der pädiatrischen Intensivstation. Dort werden aktuelle Fälle in großer Runde besprochen. Viel habe ich aus den Vorbesprechungen leider nicht mitgenommen, da es auf Intensiv immer sehr laut war und es schwierig war, alles mitzukriegen. Danach finden manchmal Kurse/Fortbildungen für Ärzt*innen und Student*innen statt. Sonst geht es danach in die Notaufnahme, in der die Studierenden hauptverantwortlich für die Triage (also die Sichtung/Einschätzung der Patient*innen) sind. Die Studierenden nehmen die Patient*innen dann selbstständig auf und führen dann manchmal alleine und manchmal mit Assistenzärzt*innen die Anamnese und körperliche Untersuchung durch. Wenn die Assistenzärzt*innen nicht schon vorher dabei waren, wird ihnen dann der Fall vorgestellt und das weitere Vorgehen besprochen. Bei einfachen Fällen wie einer akuten Tonsillitis können die Studierenden auch den kompletten Ablauf alleine durchführen, schreiben die Rezepte dann oft selbst und lassen sie sich nur noch schnell von Ärzt*innen unterschreiben. Darüber hinaus fallen Tätigkeiten wie Blutabnehmen, Braunülen legen, Blasenkatheter legen, Urinproben und ähnliches an. Der Kontakt zu Ärzt*innen und Pflegepersonal ist sehr angenehm und freundschaftlich. Man begegnet sich auf Augenhöhe und die Hierarchien sind sehr flach. Die Leute sind generell sehr offen und kommunikativ, der Umgang sehr herzlich.
Das Hospital Roosevelt ist ein öffentliches Krankenhaus, das heißt, dass jede*r, unabhängig des Versicherungsstatus ein Recht auf kostenlose Behandlung hat. Das ist in Deutschland nicht der Fall, trotz einer Versicherungspflicht gibt es in Deutschland eine beachtliche Anzahl an Menschen, die aufgrund von Obdachlosigkeit, ungeklärtem Aufenthaltsstatus oder Verarmung nach jahrelanger privater Krankenversicherung nicht versichert sind und daher keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. In diesem Punkt ist Guatemala dem sehr viel reicheren Deutschland also um einiges voraus. Strukturell führt dies in einem wirtschaftlich verhältnismäßig schwachem Land wie Guatemala aber natürlich dazu, dass das Krankenhaus überlaufen ist. Die Notaufnahmen sind daher sehr voll, es herrscht vielerorts an Platz- und Zeitmangel. Neben den öffentlichen Einrichtungen gibt es noch Krankenhäuser für Versicherte und private Krankenhäuser. Dort habe ich aber keine Erfahrung gemacht.
Die medizinische Ausbildung erschien mir in Guatemala anspruchsvoller. Die Studierenden schienen mehr zu lernen und strenger geprüft zu werden - in der Notaufnahme machten sie auf mich einen sehr viel kompetenteren Eindruck, als die Kommiliton*innen in Deutschland. Die Praktika fanden dort auch über einen viel längeren Zeitraum statt als an meiner Heimatuni. Die Behandlungspraxis unterscheidet sich von der Deutschen oft aber recht stark, ein typisches Beispiel ist der weiter anhaltende sehr lockere Umgang mit Antibiotika. Auch die Hygienestandards sind in Guatemala niedriger als in Deutschland - was aber eben auch wieder wirtschaftlich-strukturelle Gründe haben wird.

Land und Leute

Die Wochenenden und die zur Verfügung stehenden Fehltermine habe ich dazu genutzt, durch das Land zu reisen. Oft war ich mit meiner Gastfamilie und anderen Austauschstudent*innen unterwegs, ab und zu auch alleine oder nur mit anderen Freund*innen.
Zu meinen Reisen zählen die typischsten Reiseziele in Guatemala: Sehr nah an der Hauptstadt liegt beispielsweise Antigua, eine der ältesten guatemaltekischen Städte, welche von einem Erdbeben zerstört wurde und heute mit seinen schönen bunten Häusern und einem nahegelegenem Vulkan in der Szenerie imponiert. Antigua ist allerdings ein sehr touristischer Ort. Viele Tourist*innen meiden die Hauptstadt und bleiben daher lieber in Antigua, um von dort aus dann Tagesausflüge zu machen.
Etwas weiter weg und daher eher für längere Tages- oder Wochenendtrips geeignet liegt zum Beispiel der Atitlán-See. Dort haben wir die Stadt Panajachel besucht, von der aus wir eine Bootsfahrt von einem Dorf zum anderen gemacht haben. Insgesamt ist der Atitlán-See von einem dutzend indigenen Dörfern und mehreren Vulkanen umgeben. Die Dörfer leben vom Tourismus und bieten typische Souvenirs an, die man zum Beispiel auch auf dem großen Markt in der Zona 1 in der Hauptstadt findet: Bunte mal mehr und mal weniger traditionelle Stoffe, Taschen, Kleider, außerdem natürlich Kakao, Schokolade und Kaffee. Das findet man eigentlich an allen touristischen Orten, auch Antigua ist voll damit. Außerdem befinden sich in den einzelnen Dörfern mittlerweile einige Cafés und Restaurants, die offensichtlich auf amerikanische und westeuropäische Tourist*innen ausgerichtet sind.
Außerdem haben wir Tikal besucht, ein Ort mit den größten Maya-Ruinen in ganz Guatemala. Die Ruinen sind umgeben von einem "Dschungel", der aber ehrlich gesagt eher wie ein etwas größeres Waldstück schien.
"Dschungel" würde ich viel eher die Umgebung in Semuc bezeichnen. Dort gibt es einen wunderschönen Fluss, in dem sich mehrere natürliche Pools befinden, in denen man schwimmen kann. In der Nähe befindet sich außerdem eine riesige Tropfsteinhöhle, durch die man schwimmen und mit Fackeln erkunden kann. Die Höhle ist so groß, dass sie bis heute nicht vollständig erkundet wurde.
Freund*innen haben mir außerdem empfohlen, einen aktiven Vulkan zu besteigen. Die Aussicht über den Wolken auf das offene Feuer soll sehr beeindruckend sein. Dafür blieb aber leider keine Zeit.
Die wirtschaftliche Situation im Land ist prekär - große Teile der Bevölkerung leben in Armut. Über die Regierung herrscht eine generelle Unmut, oft wird Korruption beklagt. In der Hauptstadt kommt es immer wieder zu kleineren Protesten.

Fazit

Der Auslandsaufenthalt war eine großartige Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen würde. Ich würde einen solchen Aufenthalt jederzeit wiederholen und würde auch unglaublich gerne noch einmal zurückkehren, um das Land weiter zu erkunden und dort noch mehr Menschen kennenzulernen. Auslandsfamulaturen sind eine großartige Gelegenheit, in einer völlig anderen Umgebung zu Lernen, Erfahrungen zu sammeln, Menschen und Kulturen kennenzulernen und zu reisen. Es steht außer Frage, dass sich das mit einer Famulatur in Deutschland überhaupt nicht vergleichen lässt.

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