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Peru (IFMSA-Peru)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Elena, Heidelberg

Motivation

Um mein Spanisch zu verbessern und auch weil ich an anderen Ländern, deren Sitten und deren Gesundheitssystem interessiert bin, habe ich mich dazu entschieden mich auf eine Famulatur in einem Südamerikanischen Land zu bewerben. 2016 bin ich schon einmal durch Zentralamerika gereist und war begeistert von den Menschen und Ländern dort. Dort haben mir viele andere Reisende empfohlen Südamerika zu besuchen. Während des Medizinstudiums habe ich ein großes Interesse an Global Health entwickelt und sah daher eine sehr gute Gelegenheit für persönliche Weiterentwicklung, indem ich ein Praktikum in einem Land Südamerikas absolviere.

Vorbereitung

Für die Bewerbung brauchte ich zu allererst ein spanisches Sprachzertifikat. Mein Schulspanisch war schon etwas rostig, aber mit ein bisschen Lernen, habe ich ein B1 Sprachzertifikat erhalten. Zur Vorbereitung auf meinen Aufenthalt habe ich ebenfalls einen Spanisch B1 Kurs besucht. Meiner Meinung nach ist B1 auf jeden Fall notwendig, um sich gut im Krankenhaus zu verständigen. Ich hatte zu Beginn einige Probleme mit der Sprache, die aber gegen Ende meines Aufenthaltes um einiges besser wurden. Von der bvmd habe ich über Freunde und die Fachschaft erfahren. Ich habe ebenfalls ein Predeparture Training besucht, um mich möglichst gut vorzubereiten. Zu Beginn der Bewerbung erscheint die Masse an Dokumenten etwas erschreckend, aber wenn man sich etwas eingelesen hat, geht es. Was mir besonders geholfen hat, ist, dass ich mich direkt nach meiner Zusage auf einen Fahrtkostenzuschuss beworben habe, der auch glücklicherweise angenommen wurde.

Visum

Für Peru benötigt man als Deutscher vor ab kein Visum, man bekommt vor Ort ein Visum für 60 Tage ausgestellt.

Gesundheit

Ich habe mich zuvor gegen Gelbfieber impfen lassen, aber nur, weil ich auch vor hatte, den Regenwald zu besuchen. Ebenfalls benötigt man einen Tuberkulose Test für die Bewerbung. Diesen konnte ich aber relativ schnell bei meinem Gesundheitsamt zu Hause durchführen lassen. Die Ergebnisse erhielt ich nach knapp einer Woche. Hier sollte man sich am besten frühzeitig einen Termin machen, da ich mich erinnere nur wenig Zeit gehabt zu haben.

Sicherheit

Ich habe keine weiteren Versicherungen abgeschlossen und schätzte die Sicherheitslage Perus als relativ sicher ein. Vor Ort war es dann doch etwas unsicherer, als ich erwartete habe, da ich fast jeden Tag von Medizinstudent*innen an die lokalen Normen bezüglich Sicherheit erinnert wurde und mir einige Geschichten bezüglich Diebstahl erzählt wurden. Ich habe mich einfach an das gehalten, was mir gesagt wurde und hatte demnach gar keine Probleme.

Geld

In Peru zahlt man mit Soles und meist mit Bargeld. An der Caja Arequipa kann man kostenlos Geld abheben, das wurde mir erst gegen Ende meines Aufenthaltes klar. Mit amerikanischen Dollars kann man in touristischen Gegenden ebenfalls bezahlen. Geldautomaten gibt es viele. Die Lebenshaltungskosten sind weitaus geringer als in Deutschland. Da man ebenfalls in einer Gastfamilie wohnt und 2 Mahlzeiten am Tag erhält, muss man während seinem Praktikum echt wenig bezahlen. Größere Kosten, die ich hatte, waren Wochenendtrips zum Colca Canyon, zum Strand und zum Titikakasee.

Sprache

In Peru werden Spanisch, Quechua und viele andere lokale Sprachen gesprochen. Das Spanisch der Peruaner ist relativ gut zu verstehen, da sie langsam sprechen. An viele spanische Wörter wird die Verniedlichung -ita/o angehängt, was anfangs etwas verwirrend ist. Meine Gastfamilie hat ab und zu Quechua zu Hause gesprochen. Da hilft einem Spanisch gar nicht. Wie gesagt ,habe ich zuvor einen Spanisch B1 Kurs besucht. Mit Englisch kommt man nicht viel weiter in Peru, da fast keiner gutes, verständliches Englisch spricht.

Verkehrsbindungen

Nach Peru fliegt man am besten und mein Flug hat um die 900€ gekostet, was glücklicherweise durch den Fahrtkostenzuschuss abgedeckt wurde. Der Transport vor Ort ist billig und geschieht meist mit Bussen. Busse innerhalb einer Stadt kosten nur 1 Soles und es werden teilweise lange Strecken befahren. Zwischen Städten gibt es meist Nachtbusse, da die Distanzen so groß sind. Cruz del Sur ist eine gute Busfirma.

Kommunikation

Ich habe mir mit Hilfe meiner Kontaktperson vor Ort eine Sim-Karte gekauft, die relativ billig war. Für Sim-Karte, kostenloses anrufen und SMS und 3,5 GB Internet für 2 Monate habe ich umgerechnet ungefähr 14 Euro bezahlt.

Unterkunft

Ich habe bei einer Gastfamilie gewohnt. Die Gastfamilie wurde von der Organisation vor Ort bereitgestellt und war die Familie eines Medizinstudenten dort. An der Wohnung war nichts auszusetzen, es war nur etwas basic. Leider hatten wir mehrmals für einige Tage am Stück kein Wasser und oft kein Internet, aber es war okay. Da meine Gastfamilie sehr nett war, war dies kein Problem.

Literatur

Ich habe zur Vorbereitung keine Bücher gelesen, sondern nur im Internet recherchiert. Fürs Herumreisen in Peru gibt es verschiedene Blogs, die leicht zu finden sind. Ich rate jedem sich die Amboss Bibliothek aufs Handy herunterzuladen, da man während dem Praktikum oft mehr Infos braucht und es auch gewollt ist, das Handy heraus zu nehmen und zu googlen. Oft hat man aber nicht das Internet dafür.

Mitzunehmen

Mein Kittel und Stethoskop waren wichtig. Außerdem habe ich auch ein kleines Buch zum mitschreiben benötigt, das ich mir vor Ort gekauft habe. Einen Kasak hatte ich dabei, habe ich aber nicht benötigt. Eben so wenig habe ich mein Arzneimittelhandbuch benötigt, da ich das meiste gegooglet habe.

Reise und Ankunft

Meine Anreise verlief im Gegensatz zu meiner Abreise (Coronavirus, Flughafen gesperrt) sehr gut. Ich wurde vom Flughafen abgeholt und mir wurde alles gezeigt. Mein Praktikum fing schon am nächsten Tag an, also gab es nicht so viel Zeit. Am ersten Praktikumstag wurde ich zum Praktikum gebracht und vorgestellt. Ebenfalls wurden mir die Busse und die sicheren Straßen gezeigt. Das alles geschah zusammen mit meiner Kontaktperson. Und nach meinem ersten Praktikumstag habe ich ebenfalls zusammen mit meiner Kontaktperson eine Sim-Karte gekauft.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mein erster Tag war etwas verwirrend, da mein Spanisch nicht so gut war wie erwartet und ich erst einmal ins kalte Wasser gesprungen bin. Mit meinem betreuenden Arzt habe ich mich sehr gut verstanden und ich habe viel von ihm gelernt. Meine Aufgaben, so wie an allen Tagen, waren die Anamnese und Untersuchung von neu aufgenommenen Patienten. Hier erwartete der Arzt, dass wir uns zu jedem Patienten auch ausführlich über dessen Krankheiten und all seine diagnostischen Befunde informierten. Bei etwas komplexeren Krankheiten verging oft so schon mindestens 1 Stunde. Glücklicherweise hatte ich 2 anderen peruanische Medizinstudentinnen in meiner Gruppe, von denen ich viel über die Abläufe im Krankenhaus und das medizinische Spanisch lernen konnte. Das hat mir sehr geholfen. Außerdem konnten sie mir viel übersetzen, wenn ich die Patienten nicht verstanden habe. Meist lief es so, dass wir uns ungefähr 3 Patienten anguckt haben und dann unser betreuender Arzt zu uns kam und wir die Patienten vorstellen und viele Fragen beantworten mussten. Daraufhin hat uns der Arzt meist zu Kernpunkten der Patienten ein Paper zu lesen gegeben oder eine kurze PowerPoint Präsentation gehalten. Schließlich haben wir auch meist eine kleine Hausaufgabe aufbekommen, die wir für den nächsten Tag vorbereiten mussten. Einmal sind wir auch zu einem Kongress gegangen. Ich habe mich demnach sehr gut behandelt gefühlt. Gerne hätte ich auch mehr praktische Dinge gemacht, als nur zu untersuchen, aber Dinge wie zum Beispiel ein Hämatom zu entleeren wurden auch nicht von den dortigen Medizinstudenten gemacht und ich habe mich nicht benachteiligt gefühlt. Dafür habe ich sehr viel theoretisches Wissen hinzugewonnen. Bezüglich der Krankheiten schienen mir die Patienten viel kranker als in Deutschland zu sein, aber das lag bestimmt auch daran, dass ich auf einer Notfallstation gearbeitet habe. Ebenfalls lagen sowohl Männer als auch Frauen in den gleichen Nischen dicht nebeneinander (es gab keine Türen). Meiner Meinung nach wurde auch viel weniger Desinfektionsmittel als in Deutschland benutzt. Was mich jedoch nach einiger Zeit etwas verwundert hat, ist, dass die Medizin trotz dieser Bedingungen fast den selben Standard wie in Deutschland hatte und auch Dinge wie PET CTs oder ähnliches durchgeführt wurden. Das Krankenhaus, in dem ich gearbeitet habe, war eines der besten Krankenhäuser in Arequipa und war für Regierungsmitarbeiter oder Menschen mit Zusatzversicherungen vorgesehen. In Peru gibt es zwar eine neue Regelung, dass jeder einen Anspruch auf eine grundlegende Gesundheitsversorgung hat, aber das Krankenhaus mit der grundlegenden Versorgung für alle habe ich mir auch angesehen und es war echt sehr basic. Demnach bezahlt jeder, der kann, noch etwas dazu, um eine bessere Versorgung für sich zu gewährleisten. Zudem waren selbst die guten Krankenhäuser meist restlos überfüllt. Ich denke in Deutschland wird mehr mit präventiven und sekundär präventiven Techniken gearbeitet. Oft lagen bei uns auf Station Patienten mit wirklich ausgeprägten Folgeschäden ihres Diabetes zum Beispiel. Es scheint so, als dürften Medizinstudent*innen in Peru weniger praktische Dinge machen als deutsche Medizinstudent*innen. Dafür scheint jedoch die Betreuung der Student*innen auf Station weitaus besser zu sein als in Deutschland. Mir wurde jedoch gesagt, dass unserer betreuender Arzt eine Ausnahme bilde.

Land und Leute

Die Menschen und besonders die Medizinstudent*innen in Arequipa sind wirklich super nett und ich wurde an vielen Nachmittagen zu den diversen Attraktionen in der Nähe von Arequipa begleitet. Meist waren es unterschiedliche Student*innen, sodass ich gegen Ende meines Praktikums einige kennengelernt hatte. Zum Beispiel habe ich die Kathedrale, einige Museen, schöne Viertel, traditionelle Restaurants, einen Steinbruch für den weißen vulkanischen Stein der Stadt, eine alte Mühle, ein Wollmuseum mit Alpakas und den lokalen Markt erkundet. Es gab nur sehr wenige Bettler auf den Straßen und die meisten Menschen schienen eher mehr wohlgenährt als unterernährt zu sein. Wenn man auf dem Markt nichts kaufen wollte, schienen die Leute trotzdem nett und hilfsbereit zu sein. Dies ist meiner Meinung in anderen ärmeren Ländern eher nicht der Fall. Mit meiner Gastfamilie kam ich sehr gut klar, auch wenn meine Gastmutter anfangs Probleme hatte, zu verstehen, was es bedeutet vegetarisch zu sein und sie erst einmal überfordert war. Später aber hat sich das gelegt und wir hatten alle eine sehr schöne Zeit zusammen. Vielleicht war es mir manchmal etwas unangenehm, so sehr wie ein Gast behandelt zu werden. Mir ist es lieber, wenn ich die gleiche Arbeit wie ein anderes Familienmitglied durchführen kann und nicht eine Extrabehandlung bekomme. Politisch scheint der Großteil der Menschen Perus eher etwas ungebildet zu sein. Zumindest wurde mir das so von meinen Gastbrüdern erklärt. Es gibt viel Korruption und die Politiker möchten nicht, dass die Menschen anfangen für sich selbst zu denken. Die Nachrichten dort drehen sich meist nur um Stars und es ist schwierig gute glaubwürdige Informationen zu finden. Ebenfalls kannte keiner der Medizinstudent*innen und auch nicht mein betreuender Arzt Greta Thunberg und die Bewegung Fridays for Future oder auf Spanisch: „Viernes por el futuro“. Das hat mich etwas schockiert. Besonders angenehm ist mir wirklich die Hilfsbereitschaft und Nettigkeit der Menschen dort aufgefallen. Ich denke, ich war noch nie in einem Land mit so netten Menschen. Ich habe eigentlich alles machen können, was ich machen wollte. Besonders den Titikakasee zu besuchen, war für mich ein Highlight. Ich habe dort auf einer Insel bei einer Gastfamilie übernachtet und konnte die interessante Kultur der Insel Taquile erleben, die sehr anders ist als im Rest von Peru. Aufgrund des Coronaviruses musste ich früher nach Hause fahren als geplant und konnte nicht die Regenbogenberge in Cusco besuchen. Dies ist jedoch kein Problem, da ich sowieso nach Peru zurückkehren möchte. Das Land und die Leute haben mir so gut gefallen.

Fazit

Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich mich dazu entschieden habe, in Arequipa eine Famulatur zu machen. Die Stadt scheint wenig touristisch und sehr authentisch peruanisch zu sein. Ich habe viel gelernt und denke, dass ich mich persönlich weiterentwickelt habe. Zuvor hatte ich nicht gedacht, dass ich sehr viel medizinische Dinge lernen würde, aber ich konnte mich auch medizinisch sehr weiterbilden. Wie gesagt, werde ich auf jeden Fall Peru wieder bereisen, ich kann mir nur nicht vorstellen in Peru zu arbeiten. Einerseits würde ich nicht gerne so weit von meiner Familie entfernt sein, andererseits haben mir nach 1,5 Monaten die Komforts der westlichen Standards doch etwas gefehlt. Ich kann jedem wirklich nur empfehlen diese Erfahrungen ebenfalls zu machen. Ich rate euch nur mindestens ein B1 Niveau in Spanisch zu haben.

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