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Ecuador (IFMSA-Ecuador)

Anästhesie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Iris, München

Motivation

Ich wollte vor Allem ins Ausland, um meine Spanischkenntnisse zu verbessern, hatte deswegen meine Länderauswahl auch ausschließlich auf Spanisch-sprachige Länder begrenzt. Die weitere Auswahl erfolgte ausschließlich nach praktischen Gesichtspunkten, so erlaubt es die IFMSA-Vertretung in Ecuador beispielsweise, das Praktikum auch Mitte des Monats und nicht zwingend am 1. Tag eines solchen zu beginnen. Außerdem ist das Land für eine recht gut verständliche Aussprache bekannt. Außerdem hatte ich mir eine Reihe neuer Erfahrungen erhofft (und nun diese auch gewonnen :)).

Vorbereitung

Die Vorbereitung war eher sporadisch in meinem Fall, ich habe auf der IFMSA-Seite der AEMPII (der ecuadorianischen Organisation) nocheinmal nachgeschaut, ob spezielle Anforderungen gestellt sind. Dort stand nur, ich solle Krankenhauskleidung mitnehmen und, dass ich das Handbook benötigen werde, um das Zertifikat am Ende zu bekommen. Außerdem habe ich mich an meinem Universität informiert, welche Dokumente ich für eine Anrechnung benötige. Sämtliche Dokumente habe ich ausgedruckt mitgenommen. Es empfiehlt sich außerdem das Ablaufdatum des Reisepasses und seinen Impfpass zu checken. Ansonsten hatte ich nur meine Gastfamilie kontaktiert, die empfahlen mir, sowohl Badebekleidung, als auch Pullis (also für jedes Wetter etwas) mitzunehmen.

Visum

Visum habe ich keines benötigt, als deutscher Staatsbürger darf man 90 Tage ins das Land einreisen, der Reisepass muss aber mindestens ein halbes Jahr nach Einreisedatum noch gültig sein.

Gesundheit

Da ich bereits Reisen in tropische Gebiete unternommen hatte, musste ich bei den Impfungen nicht mehr viel machen. Gelbfieber, Meningokokken, Hepatitis A hatte ich bereits. Ich kümmerte mich nur um eine Auffrischung meiner Typhus-Impfung und um eine Malaria Stand-by-Prophylaxe zum mitnehmen. Ansonsten nahm ich die ganz normale Reiseapotheke mit, kaufte viel Sonnencreme und Mückenmittel (Wirkstoff: DEET oder Idaricin)

Sicherheit

Ich habe vor meiner Abreise auf die Seite des Auswärtigen Amtes geschaut, um eventuell unsichere Gegenden in Erfahrung zu bringen und mich über die allgemeinen Sicherheitshinweise zu informieren. Vor allem in den Großstädten Ecuadors (Guayaquil, Quito, Cuenca) ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Ich habe Kopien aller wichtiger Dokumente angefertigt und eine Bauchtasche eingepackt, damit ich immer alles möglichst sicher bei mir tragen konnte. Die Kleiderauswahl fiel bei mir auch sehr schlicht und ohne Marken aus.
Ich habe mich die meiste Zeit während meines Austausches sehr sicher gefühlt, vor allem in den öffentlichen Verkehrsmitteln sollte man aber UNBEDINGT aufpassen. Rucksack immer vorne tragen, Menschenansammlungen vermeiden, Wertsachen immer schwer zugänglich aufbewahren, Taschen werden teilweise einfach aufgeschlitzt. Sobald ich die Großstadt verlassen hatte, war Sicherheit für mich kein allzu großes Thema mehr. Nachts war ich nie draußen unterwegs, habe immer ein Taxi genommen. Mein Handy habe ich nie in Mitten von Menschenansammlungen gezückt.

Geld

In Ecuador bezahlt man mit Dollar, wir haben meistens bar gezahlt, mit Kreditkarte ist zwar auch möglich, es wird aber oft ein Aufschlag berechnet. Wegen Fälschungskriminalität im Land werden keine Geldscheine über 20 Dollar angenommen, auch bei 20 Dollar ist es manchmal nicht ganz einfach jemanden zu finden, der genügend Wechselgeld hat.
Preislich ist es günstiger als Deutschland, ein "almuerzo" (Mittagsmenü) gibt es zum Beispiel bereits für 2 bis 2,50 Dollar. Teuer sind alle klassische touristischen Dinge (Touren von Quito aus, der Teleferiquo, etc.) und auch Hygieneartikel und importierte Dine (z.B. Schokolade) sind dort eher teuer.

Sprache

In Ecuador spricht man Spanisch und Kitchua (die Sprache der indigenen Völker), Spanisch ist allerdings vollkommen ausreichend. Da ich bereits ein Erasmus-Semester in Spanien gemacht hatte, hatte ich ganz gute Sprachkenntnisse, die mir auf jeden Fall geholfen haben. Die Englischkenntnisse dort sind eher unzureichend, Touren werden teilweise nur auf Spanisch angeboten, in touristischen Zentren, z.B. der Innenstadt Quito, gibt es aber keine Probleme mit der englischen Sprache.
Während des Praktikums habe ich mich ausschließlich auf Spanisch unterhalten, da es mir einfacher fiel Spanisch zu sprechen, als es den Patienten und Kollegen fiel, englisch zu sprechen. Ich hatte auch das Gefühlt, dass sie mir so viel mehr erklärten, weil sie sich wohler fühlten.

Verkehrsbindungen

Ich bin mit der spanischen Fluggesellschaft Iberia über Madrid nach Quito geflogen. Mein Flug war mit 650€ preislich absolut in Ordnung. Ansonsten fliegen noch KLM von Amsterdam, oder Avianca von München über Bogotá nach Quito.
Im Land bewegt man sich bei Langstrecken vor Allem per Bus weiter, die sind recht günstig, man zahlt pro Stunde Fahrtzeit ca. 1 Dollar. Man geht einfach zum nächsten Busbahnhof und fragt dort am Schalter nach dem nächsten Bus, ich musste nie länger als 1 Stunde warten, die Abfahrt war immer sehr pünktlich.
Die Infrastruktur innerhalb Quitos dagegen ist sehr kompliziert, da fragt man am besten seine Kontaktperson. Prinzipiell gibt es Haltestationen, das Ticket kauft man im Bus beim Schaffeur, preislich bewegt sich das um die 0,25 Dollar pro Fahrt. Einen Busfahrplan mit festen Zeiten habe ich nicht feststellen können.

Kommunikation

Ich habe mir direkt nach Ankunft eine Prepaid Karte von claro gekauft, das ist die herkömmlichste Methode. Man muss diese Karte aktivieren, was für Ausländer nur im Laden des Unternehmens möglich ist. Ich empfehle die Filiale im Zentrum Quitos, direkt gegenüber des "Plaza Chica", die sehen einige Touristen am Tag und wissen sofort was zu tun ist. Vor Verlassen des Ladens am Besten noch einmal checken, ob es auch funktioniert hat!
Kostenpunkt sind ca. 5 Dollar für die SIM-Karte und 9 Dollar für ein Monatspaket mit viel Internet, kostenlosem WhatsApp und einigen Freiminuten. Meine Gastfamilie hatte aber auch ganz hervorragendes WLAN, um den Kontakt nach Deutschland aufrecht erhalten zu können.

Unterkunft

Ich bin bei der Familie meiner Kontaktperson untergekommen. Dort hatte ich sogar mein eigenes Zimmer, organisiert wurde mir das von der ecuadorianischen Lokalvertretung, soweit ich weiß. Die Familie hatte eine eigene Haushaltshilfe, die mittags immer gekocht hat, abends wurde das Essen vom Mittag nocheinmal aufgewärmt, die Wäsche wurde mir netterweise auch von der Haushaltshilfe gewaschen, sie war super lieb und hat mich das auch quasi gar nicht selbst machen lassen. Bettwäsche, Handtuch etc. habe ich von meinem Familie bekommen.
Der einzige negative Punkt war die Entfernung zu meiner Praktikumsstelle: 1 1/2h Busfahrt

Literatur

Ich hatte mir einen Reiseführer von Stefan Loose besorgt, den würde ich allerdings nicht empfehlen. Oftmals wollte ich die Sache nicht mit Auto oder eine Tour, sondern eben alleine mit dem Bus machen, da gab es aber nur wenig bis keine Tips zu im Reiseführer. Genau die Dinge, die mich interessiert hätten, standen nicht drinnen, dafür gab es romanähnliche Beschreibungstexte.

Mitzunehmen

Ich hatte Kleidung für sämtliche Wetterlagen in meinem Rucksack. Pullis, viele lockere Hosen, Badesachen, Jacken verschiedenster Dicken (auch eine Daunenjacke). Auf jeden Fall mitnehmen sollte man Regenjacke/-schirm und Sonnenhut, einen Adapter für die Steckdosen, seine Krankenhausklamotten (am besten in zweifacher Ausführung, man bekommt auch im OP dort keine Kleidung gestellt und muss immer zu Hause waschen) und vielleicht ein Mitbringsel aus Deutschland.

Reise und Ankunft

Bei der Anreise gab es keine Probleme, meine Kontaktperson hat mich netterweise vom Flughafen abgeholt, da ich spät angekommen bin und sich der Flughafen ein ganzes Stück von der Stadt entfernt befindet. Ich ging dann auch direkt schlafen, weil ich so fertig war, am nächsten Tag lernte ich dann in Ruhe alle kennen. Bis zum Praktikumsbeginn hatte ich 2 Tage Eingewöhnungszeit, das war wegen der Zeit- & Höhenumstellung auf jeden Fall ganz gut. Am ersten Praktikumstag begleitete mich meine Kontaktperson zur Lehrbeauftragten des Krankenhauses, die wiederum stellte mich dann meinem Tutor vor, der mit mit in den OP nahm.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe mein Praktikum im "Hospital General Docente de Calderón" absolviert, einem öffentlichen Krankenhaus im Norden von Quito. Dort war ich den gesamten Tag im OP Trakt der Anästhesie zugeteilt. Der Tag begann für mich um 8 Uhr und endete je nach Arbeitspensum zwischen 1 und 2 Uhr nachmittags. Mein zugeteilter Tutor war der Chef der Abteilung und hatte immer im Büro zu tun, weswegen ich mir jeden Tag den interessantesten OP-Saal aussuchte und mich dort zum betreuuenden Anästhesisten-Team gesellte. Dieses bestand meistens aus einem Arzt und 1 - 2 Assistenzärzten. Vorgestellt wurde ich beim Team leider nicht, das habe ich dann kurzerhand einfach selbst übernommen. Je nach Arzt durfte ich mal viel, mal gar nichts selbst machen, im Laufe des Monats habe ich aber alles machen dürfen, was ich mir vorgenommen hatte. Ab und an ging es um das Legen eines Zugangs, ich durfte aber auch selbst intubieren. Abgesehen vom anästhesistischen Personal hatte ich mit den anderen Angestellten kaum Kontakt, nur, wenn ich gefragt wurde, was ich hier eigentlich mache - es waren aber immer alle sehr nett und haben mir weitergeholfen. Gelernt habe ich viel über die ecuadorianische Gesellschaft, wirtschaftliche und politische Probleme im Land, das Gesundheitssystem und die Ausbildung als Arzt. Man hat in Ecuador einfach einiges weniger an Ressourcen zur Verfügung und versucht dennoch, das Beste für seinen Patienten herauszuholen. Der zentrale Venendruck wird dann eben auch mal ohne Sonde, dafür mit selbst gebasteltem Barometer bestimmt und der Tubus sollte dann eben auch nicht automatisiert im Mülleimer landen, sondern wird desinfiziert und beim nächsten Patienten wiederverwendet. Aus hygienischer Sicht fand ich es sehr fragwürdig, dass man seine OP-Klamotten von zu Hause in den OP mitbringen musste. Gut finde ich, dass auch in Ecuador eine Sozialversicherung existiert, selbst wenn man keine Arbeit hat kann man sich immernoch an die öffentlichen Krankenhäuser wenden und wird dort versorgt. Die Qualität ist nur leider ausbaufähig, wer es sich leisten kann, zahlt aus eigener Tasche und geht in ein privates Krankenhaus, was für eine klare 2-Klassen-Medizin sorgt. Forschung wird im Land kaum unterstützt.
Die Ausbildung ist sehr ähnlich zum Studium in Deutschland, 6 Jahre Studium, das letzte Jahr davon praktisch. Nach dem Abschluss muss man jedoch ein Jahr in einer ländlichen Gegend arbeiten, der Facharzt dauert dann aber nur 4 Jahre. Die wenigsten Studenten sind an einer öffentlichen Universität, um eine vernünftige Ausbildung zu bekommen muss man für die teure Privatschule zahlen, die Assistenzarzt stellen sind sehr begehrt und umstritten. Auch während dieser letzten Ausbildungsphase muss man teure Studiengebühren zahlen, während man Vollzeit arbeitet und keinen Lohn dafür erhält.

Land und Leute

Nachmittags nach dem Praktikum habe ich nur selten etwas unternommen. Bis ich bei der Gastfamilie war, war es meistens schon so spät, dass sich der lange Weg ins Zentrum nicht mehr gelohnt hätte. Die Sonne geht dort sehr früh unter und nach Sonnenuntergang wollte ich mich nicht alleine draußen aufhalten. Ab und an ging ich aber doch noch in den Park oder mit meiner Kontaktperson irgendwo hin. Leider war die aber die meiste Zeit auch beschäftigt, einen weiteren Incoming gab es in Quito während meines Austauschzeitraumes nicht. An den Wochenenden war ich immer entweder mit meiner Gastfamilie, alleine oder mit neuen Kontakten aus Quito unterwegs, meistens nutzte ich die Zeit, um die Dörfer um Quito herum kennenzulernen, Quito ist da ein super Ausgangspunkt. Es bieten sich von dort aus vor allem an: Mindo (für Wasserfälle und Wanderungen), Otovalo (ebenfalls für Wanderung und den traditionellen Samstagsmarkt, auf dem man sehr viel Handwerk erwerben kann), der Cotopaxi (ein Vulkan) und ggf. Banos, das ist dann aber schon 4 Stunden entfernt.
Ecuador vereint sehr viele Kulturen und Stämme in sich und ist ein unheimlich vielfältiges Land. Die Flora und Fauna wechsel sehr schnell durch die extremen Höhenunterschiede, die man in kurzer Zeit überwindet. Diese Höhenunterschiede sollten absolut nicht unterschätzt werden. Besonders von Quito aus ist fast alles in kurzer Zeit erreichbar.
Das Essen ist überraschend abwechslungsreich. Die Standardportion beinhaltet zwar immer Reis, aber es gab ab und an Salat, verschiedenes Fleisch, oft wird mit Kochbanane gearbeitet. Jede Region hat außerdem noch ihre eigenen Spezialitäten. Besonders gefallen haben mir die frischen Säfte. Zum Frühstück gibt es klassischerweise Rührei.
Die Bevölkerung ist sehr freundlich, man kommt immer mal wieder ins Gespräch mit Menschen, die einen sehr interessiert ausfragen, die Reaktionen auf das Praktikum in Quito waren durchgehend sehr positiv. Sie sind sehr stolz auf ihr Land und ihre Kultur und geben alles, was sie wissen gerne weiter.
Auch mit meiner Familie habe ich mich super verstanden, sie erklärten mir alles, was man über Ecuador wissen sollte, zeigten mir die traditionelle Kleidung, Musik, Tänze und hatten bei Fragen (vor Allem nach Busverbindungen) immer ein offenes Ohr. Sie haben mich wirklich toll in ihre Familie aufgenommen und mit sogar ein Wochenende lang in den Urlaub mitgenommen. Essenstechnisch waren sie sehr darauf bedacht, dass ich sämtliche Spezialitäten des Landes probiere, ich habe mich sehr wohl gefühlt.
Ich konnte auf Grund der Corona Krise mit leider nicht alles anschauen, was ich geplant hatte und konnte zwar mein Praktikum abschließen, musste aber meinen Aufenthalt dennoch vorzeitig abbrechen.

Fazit

Ich möchte auf jeden Fall noch einmal nach Ecuador zurück, ich habe es einfach nicht geschafft mir alles anzuschauen. Auch würde ich sehr gerne meine Gastfamilien besuchen.
Ich könnte mir allerdings nicht vorstellen dort zu wohnen oder längerfristig zu arbeiten, ich fühle mich allein schon wegen der Sprache, die im medizinischen Bereich doch ein sehr wichtiger Faktor ist, dort nicht wohl genug.

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