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Spain (IFMSA-Spain)

Urologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Anne, Marburg

Motivation

An Spanien hat mich die Sprache, aber auch das Kultur und die Menschen interessiert. Bis jetzt war ich nur im Urlaub in Spanien, wollte aber gerne den Alltag dort besser kennenlernen. Ich habe Spanisch in der Schule gelernt und wollte die Gelegenheit nutzen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Außerdem wollte ich gerne das Gesundheitssystem in einem anderen Land kennen lernen.

Vorbereitung

Die Vorbereitungen bzw. die Organisation waren alleine durch die Vorgaben der IFSMA relativ umfangreich. Ich habe ein Sprachzertifikat in Englisch gemacht und einen Unikurs für Spanisch belegt. Ich brauchte eine Haftpflichtversicherung und habe das Predeparturetraining der bvmd hier besucht. Um mein Spanisch direkt vor dem Aufenthalt nochmal aufzufrischen, habe ich einige Serien auf Spanisch geguckt.

Visum

Da Spanien Teil der EU ist, musste ich kein Visum beantragen, sondern konnte problemlos so einreisen.

Gesundheit

Ich bin über meine Krankenkasse automatisch im EU-Ausland versichert und brauchte keine zusätzliche Auslandskrankenversicherung. Es waren keine speziellen Reiseimpfungen notwendig, mein Impfstatus war allgemein auf dem aktuellen Stand.

Sicherheit

In Spanien habe ich mich so sicher gefühlt wie in Deutschland und konnte mich auch genauso frei bewegen. Da die allgemeine Sicherheitslage in Spanien mit der von Deutschland vergleichbar ist, hatte ich mir vorher auch keine Sorgen gemacht.

Geld

Da es in Spanien auch den Euro gibt, war das sehr unproblematisch. Kartenzahlung ist fast immer möglich und Kredit- und Girokarten werden ohne Einschränkungen akzeptiert. Nur beim Geld abheben wird, je nach Bank, manchmal eine kleine Gebühr erhoben.

Sprache

Ohne Spanisch kommt man dort kaum zurecht. Die meisten Leute sprechen nur wenig Englisch und auch im Krankenhaus im Kontakt mit den Ärzten kann nicht davon ausgegangen werden, dass Englisch gesprochen wird.

Verkehrsbindungen

Es gibt überall Busse, die sehr regelmäßig und sehr pünktlich fahren. Eine Fahrt kostet 1,5€, wenn man das Ticket beim Busfahrer kauft. Es gibt auch Sammeltickets, bei denen die Fahrt 0,75€ kostet. Eine Karte dafür kostet einen Pfand von 3€ und kann mit einem Mindestbetrag von 7,5€ aufgeladen werden. Außerdem kann man auch Fahrräder leihen, was wir jedoch leider nicht mehr ausprobieren konnten.

Kommunikation

Da Spanien Teil der EU ist, ist dort Datenroaming kostenlos möglich, sodass über den Mobilfunk keinerlei zusätzliche Gebühren anfallen. In dem Studentenwohnheim gab es außerdem Wlan, das wir mit unserem Eduram-Account nutzen konnten.

Unterkunft

Untergebracht waren wir in einem Studentenwohnheim in zentraler Lage. Die Zimmer waren sehr groß und hatten jeweils ein eigenes Bad. Leider gab es keine Küche. In dem Wohnheim gibt es jedoch mehrere Mensen, die allerdings nur bis 16 Uhr geöffnet sind. Da wir bis nachmittags im Krankenhaus waren, war das zeitlich oft sehr knapp. Zu Abend gegessen wird in Spanien sehr spät, eher ab 21 Uhr und auch nur kleine Sachen wie beispielsweise Tapas.

Literatur

Ich habe keine spezielle Literatur benötigt. Vor der Famulatur habe ich ein paar Serien geguckt, um mein Spanisch aufzubessern. Vor Ort wollte ich mir eigentlich noch einen Reise-/Wanderführer kaufen, wozu es zeitlich dann aber nicht mehr kam.

Mitzunehmen

Da es in dem Studentenwohnheim keine Küche gibt, waren etwas Geschirr und eine French-Press-Kaffeekanne ganz sinnvoll. Außerdem hatten wir einen kleinen Wasserkocher. Bettwäsche und Handtücher wurden uns gestellt. Für das Praktikum braucht man einen eigenen Kittel und ein Stethoskop.

Reise und Ankunft

Wir sind von Frankfurt aus nach Madrid geflogen und haben dort einen Fernbus nach Valladolid genommen. Als Alternative zu dem Fernbus könnte man allerdings auch eine Zugverbindung nehmen. In Valladolid wurden wir von meiner Kontaktperson abgeholt und sind mit dem Bus zu dem Studentenwohnheim gefahren. Die Verbindung ist sehr unkompliziert und problemlos von Deutschland aus buchbar.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich habe das Praktikum in der Urologie durchgeführt. Der Tag begann morgens um 8 mit der Frühbesprechung. Dort wurden nicht nur einige Patienten und anstehende Operationen besprochen, sonder einige Assistenzärzte haben auch Präsentationen über urologische Themen gehalten, zum Beispiel die Entstehung von Nierensteinen. Nach der Besprechung wurden die Studenten, ich war immer mit spanischen Medizinstudenten unterwegs, die das Urologieblockpraktikum hatten, von ihren Tutoren für den Tag eingeteilt. Leider hatte die Organisation der ifsma-Gruppe in Valladolid und in dem Krankenhaus für mich nicht so gut geklappt, sodass die Urologen an meinem ersten Tag gar nicht wussten, dass ich kommen sollte und ich mich dann die ersten Tage einfach an ein paar von den spanischen Medizinstudenten gehängt habe, die aber sehr nett war. Nach ein paar Tagen kannten mich die Ärzte aber auch und einer hatte sich dann sozusagen selbst zu meinem Tutor erklärt, was mir sehr geholfen hat.
An manchen Tagen war ich mit im OP, an anderen in der Endoskopie oder habe mir kleinere Operationen, die in Lokalanästhesie durchgeführt wurden, beispielsweise Vasektomien und Circumcisionen, angeguckt. Generell lässt sich sagen, dass das Medizinstudium in Spanien viel weniger praktisch orientiert ist als in Deutschland. Bei den größeren OPs haben die Studenten immer nur zugeguckt, sie wurden allerdings sehr viel Theorie abgefragt und die spanischen Ärzte haben auch immer viel erklärt, was für mich auch sehr interessant war. Bei den kleineren Eingriffen in Lokalanästhesie konnte man ein bisschen assistieren, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.
Überrascht hat mich auch, wie minimalinvasiv die Urologie in Spanien ist. Ich durfte mehrere endoskopische Entfernungen von Nierensteinen sehen, bei denen gleichzeitig intraoperativ auch Bildgebung mittels CT erfolgte und mit mehreren Endoskopen die Nierensteine gefunden, per Laser zertrümmert und dann einzeln herausgeholt wurden. Der gleichzeitige Einsatz dieser verschiedener Technologien hat mich sehr beeindruckt.
Je nachdem, wie lange die OPs dauerten, kam ich meistens zwischen 3 und 4 wieder in das Studentenwohnheim zurück und hatte den Rest des Tages frei.
Interessant waren für mich auch die Unterschiede zwischen dem spanischen und dem deutschen Medizinstudium. Der thematische Aufbau ist ähnlich, so haben auch die spanischen Medizinstudenten zu Beginn ihres Studiums Grundlagenfächer wie Chemie, Physik, Biochemie und Physiologie. Allerdings gibt es kein Äquivalent zum Physikum, sondern immer zum Ende des Semesters Prüfungen mit Noten, die dann am Ende des Studiums mit der Note der Abschlussprüfungen verrechnet werden. Wie ich schon beschrieben habe, ist das Studium viel theoretischer als in Deutschland. Es wird nicht nur in den Blockpraktika viel weniger praktisch gearbeitet, auch Pflegepraktika und Famulaturen müssen nicht gemacht werden.
Am meisten überrascht hat mich jedoch die Auswahl der Fachrichtungen nach Ende des Studiums. In Spanien ist es wohl nicht so, dass man sich frei auf Assistenzarztstellen bewerben kann, sondern es wird anhand der Abschlussnote eine Rangliste erstellt. Die, die oben in der Liste stehen, können sich als erstes eine Stelle aussuchen und die, die am Ende der Liste stehen, können dann nur noch zwischen den übrig gebliebenen Plätzen wählen. Dieses konkurrenzorientierte System erschien mir doch etwas fremd und hat mir gleichzeitig verdeutlicht, was für Vorteile wir in diesem Punkt in Deutschland haben. Zudem ist das Medizinstudium in Spanien auch um einiges teurer. Pro Blockpraktikum muss eine Gebühr gezahlt werden und auch die Prüfungen kosten immer um einiges mehr Geld als der Betrag, der in Deutschland für die Examina gezahlt werden muss.

Land und Leute

Ich war zwar schon ein paar Mal in Spanien, jedoch vorher noch nie in Kastilien und war deswegen von der unterschiedlichen Mentalität überrascht. Ich habe die Kastilier doch als etwas distanziert erlebt, wobei sie, wenn man mit ihnen warm geworden ist, sehr nett und hilfsbereit waren. Ich hatte zwar erwartet, dass es größere kulturelle Unterschiede zwischen den verschiedenen Teilen Spaniens gibt. Trotzdem hatte es mich überrascht, diese auch so in der Mentalität der Menschen wahrzunehmen. Auch sprachlich konnte ich Unterschiede feststellen. Mir war auch vorher bewusst, dass in Spanien ein sehr schnelles Spanisch gesprochen wird, aber bis jetzt kam mir die Geschwindigkeit noch nie so hoch vor wie in Valladolid. Es gab einige Momente in denen mein Gehirn nach ein paar Sätzen der anderen Person einfach ausgesetzt hat und ich nur noch staunend beobachten konnte, wie unfassbar schnell Wörter aus einem Mund kommen können. In solchen Momenten habe ich öfter überlegt, ob mein Gehirn einfach zu langsam ist ;) Aber nach ein paar Tagen hat das schon viel besser geklappt und oft waren die anderen auch sehr geduldig mit mir und haben Aussagen im Zweifel auch mehrere Male für mich wiederholt.
Valladolid selber ist eine sehr schöne Stadt mit vielen beeindruckenden Palästen und Parks und sehr authentischen Tapas-Bars. Was ich dort jedoch am meisten gegessen habe, war das spanisch-typische Pan con tomate, also Baguette mit einer Tomatencreme und Olivenöl, und sehr, sehr viel Tortilla, die wirklich immer unfassbar gut war. Außerdem wird dort sehr viel spanischer Schinken gegessen und die Gegend ist sehr typisch für exzellenten spanischen Rotwein, den ich auch nur empfehlen kann.
In den vielen kleinen Palästen fühlte man sich sofort um Jahrhunderte zurückversetzt und konnte sich gut vorstellen, wie Hofdamen im spanischen Hofzeremoniell lebten. Auch die alten Universitätsgebäude waren sehr beeindruckend. Es gibt viele alte Kirchen und Museen, die man sich angucken kann, bei denen an bestimmten Tagen der Eintritt kostenlos ist. Ein kleiner Fakt dazu, den ich aus der Stadtführung mitgenommen habe, Valladolid ist tatsächlich die Geburtsstadt von Christoph Columbus.
Neben den Museen, den Tapasbars und vielen kleinen, gemütlichen Cafés gibt es sehr viele kleine Kleidungs- und Dekogeschäfte, in denen man sehr gut und nicht teuer einkaufen kann. Eigentlich wollte ich mir noch die Umgebung angucken, nach Salamanca und Madrid fahren und Wanderungen unternehmen. Leider hat die schnelle Ausbreitung des Coronavirus das verhindert, aber ich habe viele Empfehlungen über die Gegend um Valladolid gehört und denke, dass es da noch einiges zu entdecken gegeben hätte

Fazit

Leider konnte ich nur die Hälfte der Famulatur absolvieren, da nach zwei Wochen aufgrund der schnellen Ausbreitung des Coronavirus die Universität und auch das Krankenhaus für alle Studenten geschlossen wurde. In diesen letzten Tagen ging alles sehr schnell und wir mussten dann sehr abrupt, aber zum Glück gerade noch rechtzeitig vor Beginn der Ausgangssperre zurückreisen.
Eine Famulatur in Valladolid kann ich vor allem empfehlen, wenn man mal eine andere und weniger touristische Seite von Spanien kennenlernen möchte.
Die Organisation über die ifmsa habe ich als sehr chaotisch wahrgenommen. Im Vorfeld mussten wir sehr viele organisatorische Hürden nehmen, um die Famulatur machen zu dürfen, wie zum Beispiel ein englisches Sprachzertifikat, mehrere Motivationsschreiben etc. Im Vergleich dazu war die Organisation in Spanien wenig existent. Das Team von der ifmsa war sehr, sehr nett, aber die meisten sind noch im ersten Semester und müssen sich wahrscheinlich selber noch in dem ganzen Universitätsbetrieb zurecht finden. Ich bewundere ihr Engagement gerade so am Anfang des Studiums sehr, aber leider führte die fehlende Erfahrung dazu, dass wir doch relativ viel vor Ort selber organisieren mussten, was grundsätzlich überhaupt kein Problem ist, aber bei dem vielen Aufwand vor der Famulatur doch etwas komisch anmutet.
Alles in allem war die Zeit in Spanien eine sehr lehrreiche Erfahrung für mich und ich hätte gerne auch noch die restliche Zeit dort verbracht und ein bisschen mehr von der Gegend und von anderen Städten gesehen.

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