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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Charlotte, Münster

Motivation

In einem anderen Land eine Famulatur zu machen bedeutet nicht nur mehr über das jeweilige Fachgebiet zu lernen, sondern noch über viele weitere Aspekte, wie zu Besispiel eine neue Kultur.
Ich habe schon einige Auslandsaufenthalte gemacht und jedes Mal habe ich es sehr genossen eine neue Kultur, eine neue Sprache und eine neue Lebensweise kennen zu lernen.
Eine Famluatur in Indonesien zu machen, würde zusätzlich bedeuten, dass ich das Gesundheitssystem eines sich noch entwickelnden Landes kennen lernen würde, was ich sehr spannend fand.

Vorbereitung

Nachdem ich meine Zusage für eine Famulatur in Indonesien freudig erhalten haben, musste ich mich noch für drei verschiedene Städte bewerben. Da fing meine Vorbereitung an. Es werden mehrere Städte auf den Inseln Java und Sumatra angeboten. Nach ausführlicher Recherche habe ich Yogyakarta auf Java als meine erste Präferenz gesetzt und zum Glück dort auch einen Platz erhalten. Yogyakarta ist bekannt als die Studentenstadt Indonesiens, da es dort über 20 verschiedene Universitäten und Institute gibt. Außerdem wird die Stadt als sehr freundlich und sicher beschrieben. Des Weiteren ist Yogyakarta als Künstlerstadt mit vielen Museen und Galerien bekannt. Das schienen mir die perfekten Voraussetzungen für einen Austausch dorthin.
Darüber hinaus muss man sich noch für 5 verschiedene Fachrichtungen bewerben. Dabei war mir wichtig, dass ich trotz der Sprachbarriere etwas selbst machen kann, dafür bietet sich die Chirurgie optimal an. Allerdings wollte ich auch gerne viel Patientenkontakt haben, um einen besseren Einblick in die Kultur zu bekommen. Also habe ich mich für meine erste Wahl für Gynäkologie/Geburtshilfe entschieden, da es beide Aspekte vereint.
Ungefähr vier Wochen vor meinem Abflug habe ich dann zum Glück die Zusage für meine beiden ersten Präferenzen erhalten. Gleichzeitig habe ich die Kontaktdaten meiner Ansprechstudentin in Yogyakarta bekommen und konnte mich mit all meinen Fragen an sie wenden. Sie war stets sehr hilfsbereit und freundlich.

Visum

Es gibt drei verschiedene Arten von Visa. Zum einem ein Touristenvisum, welches für für 30 Tage gültig ist. Außerdem gibt es ein Visum on Arrival, das insgesamt für 60 Tage gültig ist, was man allerdings nach 30 Tagen wieder verlängern muss. Dieser Prozess ist sehr kompliziert. Am besten ist es sich vor der Abreise um ein Visum über die indonesische Botschaft in Berlin zu kümmern

Gesundheit

In unterschiedlichen Regionen des Landes gibt es verschiedene Risikogebiete, zum Beispiel für Malaria oder Japanische Enzephalitis. Es macht Sinn, sich rechtzeitig über mögliche Impfungen zu informieren.
Während meines Aufenthalt breitete sich der Corona Virus immer weiter aus. In Indonesien selbst und bei meiner Famulatur habe ich davon wenig mitbekommen.

Sicherheit

In Yogyakarta habe ich mich stets sehr sicher gefühlt.
Man wird als Europäer zwar sehr oft angeguckt, angesprochen und nach Fotos gefragt. Daran muss man sich am Anfang erstmal gewöhnen.
Allerdings wollen die meisten Menschen nicht wirklich etwas von einem, sondern sind nur an einem interessiert. Außerdem kann es sehr interessant und hilfreich sein, sich auf ein Gespräch einzulassen, da einem viele Indonesier Tipps und Informationen geben.
Ich habe in einem Studentenwohnheim gewohnt, das 24 Stunden überwacht war, deswegen habe ich mich auch dort sehr sicher gefühlt.
Allerdings kann man ja nie sicher sein, das einem etwas gestohlen wird, deswegen habe ich immer nur mein Handy und die Menge an Geld mitgenommen, die ich für den Tag brauchte und meine restlichen Wertsachen zu Hause gelassen.
Auch wenn man sich sicher fühlt, sollte man meiner Meinung nach immer auf Nummer sicher gehen, deswegen habe ich es zum Beispiel vermieden im Dunkeln alleine rumzulaufen. Außerdem fühlt man sich generell sicherer, wenn man zu zweit unterwegs ist. Insgesamt würde ich aber sagen, dass wenn man ein bisschen aufpasst, es keine Probleme geben sollte.

Geld

In Indonesien bezahlt man mit Indonesischen Rupiah. Je nach Wechselkurs entspricht 1€ ungefähr 15.000 IR. Es wird in der Regel nur mit Bargeld bezahlt. Man kann aber problemlos mit einer VISA Karte Geld an vielen verschiedenen Automaten Geld abheben oder umtauschen.
Insgesamt ist das Leben in Indonesien im Vergleich zu Deutschland sehr günstig.
Eine durchschnittlich Mahlzeit kostet ungefähr einen Euro. Auch frischgepressten Saft oder andere traditionelle Getränke kriegt man sehr günstig, meist sogar nur für 50 Cent.

Sprache

Die Amtssprache in Indonesien ist „Bahasa Indonesia“. Diese Sprache sprechen eigentlich alle Indonesier. Die Grundlagen dieser Sprachen sind nicht so schwierig, sodass es sich lohnt diese zu lernen. Das hilft sehr viel weiter, da viele Indonesier kein Englisch sprechen und man so dann wenigstens ein bisschen kommunizieren kann. Zur Not hilft Google translate :).
Das Personal im Krankenhaus spricht größtenteils englisch, sodass hier die Kommunikation einfacher ist.
Des Weiteren gibt es auf jeder Insel eine eigene Sprache. Auf Java ist es zum Beispiel „javanese“.

Verkehrsbindungen

Am besten und sichersten kommt man mit Gojek oder Grab von A nach B. Mit diesen beiden Apps kann man sich zu einem festgelegten Preis einen Taxiroller oder ein Auto bestellen. Die beiden Anbieter funktionieren wie Uber.
Eine Strecke von 5km kostet mit dem Motorrad ungefähr 1€ und mit dem Auto 2€. Ansonsten gibt es auch öffentliche Verkehrsmittel. Eine Busfahrt für jegliche Strecken innerhalb Yogyakartas kostet sogar nur 20 Cent. Es gibt zwar keine richtigen Fahrpläne, aber die Mitarbeiter an den verschiedenen Stationen helfen einem gerne weiter.

Kommunikation

In Indonesien gibt es viele verschiedene Stammessprachen auf den verschiedenen Inseln. Als vorherrschende Sprache sprechen aber die meisten „Bahasa Indonesia“. In Yogyakarta sprechen viele Menschen auch noch Javanese.
Die Grundelemente der Sprache sind relativ leicht zu lernen, sodass man sich zumindest am Ende der Famulatur einigermaßen verständigen kann. Viele Indonesier sprechen auch ein bisschen Englisch, sodass man sich eigentlich ganz gut verständigen kann.

Unterkunft

Ich war in einer sogenannten „Kost Putri“ untergebracht. Das ist ein Studentenwohnheim, in dem nur Mädchen wohnen. Ich hatte ein Zimmer mit Klimaanlage und ein Badezimmer für mich alleine. Das Studentenwohnheim war umgeben von Reisfeldern etwas außerhalb vom Zentrum, was sehr angenehm war und sich für viele Spaziergänge angeboten hat.
Rund um die Uhr wurde die Anlage bewacht, sodass ich mich stets sehr sicher fühlte.

Literatur

Da man auf dem Flug wegen des Gewichts nur begrenzt Bücher mitnehmen kann, habe ich mich auf meinen Reiseführer beschränkt, was sich vor Ort als sehr nützlich erwiesen hat. Um während der Famulatur fachliche Fragen zu klären, habe ich Amboss auf meinem Handy genutzt, was sehr gut geklappt hat.

Mitzunehmen

Wichtig zu wissen ist, dass Indonesien und ein vorwiegend muslimisches Land ist. Darauf musste ich mich auch einstellen. Im Krankenhaus musste ich lange Hosen oder Röcke, lange T-Shirts, sowie ein Kopftuch tragen. Auch sonst habe ich mich mit bedeckten Knien wohler gefühlt. Des Weiteren braucht man einen Kittel und gegebenenfalls Kasacks.
Ansonsten sollte man in der Regenzeit eine Regenjacke nicht vergessen und auch ein Schirm erweist sich als sehr praktisch.
Nicht vergessen darf man sein SCOPE Handbook. Da man hier sein Erwartungen und Lernerfahrungen notiert.

Reise und Ankunft

Meinen Flug nach Jakarta habe ich gebucht, sobald ich die generelle Zusage für Indonesien erhalten habe. Meinen Anschlussflug konnte ich erst ca. einen Monat vor dem Abflug buchen, da ich erst dann den genauen Einsatzort wusste. Würde ich diesen Austausch nochmal machen, würde ich alles erst später buchen, weil die Preise nicht viel angestiegen sind und es entspannter ist, wenn das Gepäck einfach durch gecheckt wird.
Obwohl ich erst spät abends an einem Sonntag angekommen bin, haben mich zwei sehr nette Studenten vom Flughagen abgeholt und zu meiner Unterkunft gebracht. Dort hat schon die Organisatorin für die Incomings inklusive kleiner Willkommensgeschenke auf mich gewartet und mich sehr nett willkommen geheißen. Am nächsten morgen haben wir sie im Krankenhaus getroffen und sie hat uns alles gezeigt und unseren zuständigen Ärzten vorgestellt. Das war sehr hilfreich.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war der Fachabteilung „Gynäkologie und Geburtshilfe“ eingeteilt. Dort hat mich eine sehr nette Ärztin betreut. Wir haben uns sehr gut verstanden und sie hat mir viel beigebracht, auch über das medizinische hinaus über die indonesische Kultur und Lebensweise.Mein Arbeitstag ging üblicherweise von 8 bis 15 Uhr, manchmal hat er aber später angefangen und länger oder kürzer gesäuert, je nachdem wie viel los war.
Morgens haben immer die Operationen stattgefunden. Oft waren es Kaiserschnitte, bei denen ich jedes Mal assistieren durfte, was sehr spannend war. Des Weiteren habe ich dort noch Myomektomien, Zystektomien und Cerclages gesehen. Auch wenn die Ärzte nicht von sich aus alles erklärt haben, haben sie gerne meine Fragen beantwortet. Es ist aber sehr gut für ein besseres Verständnis die jeweiligen Operationen vor- und nachzubereiten. Danach war jeden Tag Poliklinik, in der wir meistens 30 bis 40 Patienten untersucht haben. Die Fälle dort waren sehr unterschiedlich. Es gab zum Beispiel normale oder Risiko- Schwangerschafts-/ Post Partum-/ Post SC- Kontollen und Fehlgeburten. Häufig waren auch Menstruationsbeschwerden jeglicher Art. Leider gab es auch Fälle mit Ovarium-/ Cervix-/ Vulva- Karzinom, sowie Infektionen und Myoma. Insgesamt waren es also ein sehr gemischte und interessante Krankheitsbilder. Sodass ich viel gelernt habe. Auch hier hilft es sich nochmal über die einzelnen Diagnosen Wissen anzueignen, gerade weil sich die indonesischen und westlichen Behandlungsstrategien öfter unterscheiden. Zum Glück durfte ich auch selbst ein paar Aufgaben übernehmen, wie zum Beispiel Wunden reinigen. Ein paar mal durfte ich auch alleine Ultraschall machen. Insgesamt gestaltete es sich eher schwierig, dass ich Aufgaben alleine und selbstständig erfüllen konnte, da die Sprache eine große Barriere darstellte und die Ärztin einen sehr straffen Zeitplan hatte und so kaum Zeit hatte mir während der Poliklinik etwas zu erklären. Außerdem gab es nicht so wirklich Aufgaben für einen Praktikanten. Zum Beispiel viel das in Deutschland typische Blutabnehmen weg, da die Patienten dafür direkt ins Labor geschickt werden. Allerdings war alleine das Zuschauen schon sehr spannend und ich habe viel gelernt. Ich habe mir ein Heft mit den nötigen indonesischen Vokabeln angelegt, sodass ich mit der Zeit auch bei den Patientengesprächen etwas verstanden habe. Nicht vergessen darf man natürlich die ganzen Geburten, die ich gesehen habe, was jedes Mal aufs Neue wieder ein einzigartiges Erlebnis war

Land und Leute

Selten habe ich so viele nette und freundliche Menschen auf einmal getroffen, wie in meiner Zeit in Indonesien. Die meisten Indonesier lächeln einen an und sind sehr hilfsbereit. Es war sehr interessant mehr über die indonesische Kultur zu lernen. Diese ist sehr vielfältig. Auf jeder einzelnen Insel haben die Menschen ihre eigenen Traditionen und Bräuche, sowie Sprache und Essen. Gerade ihr Essen lieben die Indonesier besonders und der typische Small Talk ging immer über das jeweilige Lieblingsessen. Da Indonesien ein muslimisches Land ist, habe ich zum ersten Mal richtig miterlebt, wie die Menschen diese Religion ausleben. Es war sehr eindrücklich zu sehen, wie streng gläubig die meisten Menschen dort sind. Oft ist das Mittagsgebet wichtiger als das Mittagsessen. Auch die Kopftuchpflicht wird dort sehr streng befolgt, sodass selbst ich, als Nicht-Muslimin im Krankenhaus eins tragen musste. Es war sehr spannend viele Bräuche hautnah mitzuerleben. Des Weiteren hat mich jeder sehr freundlich aufgenommen. Die indonesischen Studenten waren sehr bemüht, uns bei allen Fragen zur Seite zu stehen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, Dinge mit Ihnen zu unternehmen. Sie haben zum Beispiel eine Willkommens-, sowie eine Farewell-Party für die Incomings organisiert. Außerdem gab es an zwei Tagen "Social Programm". Einmal haben wir eine Stadtführung von Yogyakarta bekommen und an einem anderen Wochenende sind wir mit vielen Studenten raften gegangen. Auch im Krankenhaus waren alle super nett und herzlich. Gerade meine betreuende Ärztin und die Schwestern auf meiner Station habe ich sehr in mein Herz geschlossen. Wir haben sehr viel miteinander geredet und sie haben mir viele Sachen erklärt, Tipps gegeben und leckeres Essen und traditionelle Snacks zum probieren geschenkt. Nach meiner Famulatur in Yogyakarta konnte ich noch nach Bali und Lombok reisen und mir weitere Sehenswürdigkeiten auf Java anschauen. Das Land ist wunderschön und es gibt viele verschiedene Sachen zu entdecken. Die Natur ist atemberaubend und sehr unterschiedlich in den verschiedenen Regionen. Es gibt zum einen wunderschöne Strände zum entspannen, aber auch viele Vulkane, die man in der Nacht besteigen und dann beim Sonnenaufgang bestaunen kann. Ich möchte auf jeden Fall wieder kommen, um noch mehr zu entdecken. Besonders gut hat mir gefallen, dass ich sogar schon während meiner Famulatur viele Unternehmungen am Wochenende machen konnte. Außerdem war es eine tolle Möglichkeit dieses Land abseits vom Tourismus kennen zu lernen.

Fazit

Insgesamt habe ich meinen Aufenthalt in Indonesien sehr genossen. Ich habe viele tolle Erfahrungen sammeln können und es war so interessant so viel Neues (medizinisch und kulturell) zu lernen. Des Weiteren habe ich mich stets sehr willkommen und wohl gefühlt. Meiner Meinung nach, ist es etwas ganz Besonderes so lange an einem fremden Ort zu leben und zu arbeiten. So lernt man Land und Leute auf eine ganz besondere und authentische Weise kennen. Und nicht nur über Indonesien habe ich viel gelernt, sondern auch über Indien, da noch eine indische Austauschstudentin gleichzeitig dort war und wir viel zusammen unternommen haben.
Dieser interkulturelle Austausch und das Kennenlernen eines anderen Gesundheitssystem ist etwas sehr Besonderes und ich bin sehr dankbar, dass ich so eine Erfahrung machen konnte.

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