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Costa Rica (ACEM)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Friederike, Kiel

Motivation

Ich habe mich für eine Famulatur im Ausland entschieden, da ich in meiner lokalen Austauschorganisation tätig bin, und auch selber den Austausch mit Land, Leuten und einem anderen Gesundheitssystem von „der anderen Seite“ erleben wollte.
Meine Auswahl viel dabei auf Costa Rica, da ich gerne in ein Land wollte, in dem ich die Sprache verstehe, und viel Positives über das Land von Freunden aus vorherigen Austauschen erfahren hatte.

Vorbereitung

Vor der Bewerbung habe ich an einem Vorbereitungsseminar teilgenommen, wo wir Informationen zu Kulturschock, interkulturellen Begegnungen und generell dem Bewerbungsverfahren bekommen haben. Das war sehr hilfreich und man hatte vorallem viel Möglichkeit sich mit Anderen, die sich gleichzeitig bewerben, auszutauschen.
Zur Vorbereitung auf Costa Rica habe ich die Erfahrungsberichte auf der bvmd-Plattform sowie die Seite des auswärtigen Amtes gelesen und mich kurz vor der Abreise bei „elefand“ (elektronische Erfassung Auslandsdeutscher) registriert.
Da ich vor dem Austausch noch das Land bereisen wollte, durften Infos aus einem Reiseführer, verschiedene Reiseblogs und die passende Reisemusik natürlich auch nicht fehlen.

Visum

Für Costa Rica war ein Touristenvisum über 90 Tage ausreichend für ein Praktikum im Krankenhaus.

Gesundheit

Ich musste keine besonderen Untersuchungen durchführen lassen, nur meinen Impfausweis kontrollieren und einen Windpockentiter bestimmen lassen. Die Auslandsreiseversicherung habe ich ohne Probleme über meine deutsche Reisekrankenversicherung bekommen. Den Nachweis darüber (mit Zeitraum), mussten wir auch mehrmals an die lokalen Studierenden weiterleiten – also auf jeden Fall die Versicherung rechtzeitig nachweisen lassen!
In meine Reiseapotheke hab ich nichts besonders eingepackt .
Mückenspray und Sonnencreme nicht vergessen!

Sicherheit

Ich hatte beim Reisen und während des Praktikums selber keine Probleme mit der Sicherheit.
Bei unserem „upon arrival training“ wurden wir nochmal darauf hingewiesen unsere Wertsachen nah am Körper und keinen Schmuck zu tragen und uns wurden sichere Stadtviertel gezeigt.
Eine generelle Vorsicht ist aber angebracht!
Sonst auf jeden Fall einmal durchlesen, was man bei einem Erdbeben macht - uns hätte das Wissen in dem Augenblick des Bebens beruhigt ;).

Geld

Die Landeswährung sind Colones, aber man kann auch fast alles mit Dollar bezahlen. Ich bin mit ein paar Dollar eingereist, aber konnte mit einer Kreditkarte fast überall Colones und Dollar abheben.
Costa Rica ist auf jeden Fall ein teures Land, in dem man vorallem bei Nahrungsmittel auch mal mehr als in Deutschland bezahlt. Bei Ausflügen und touristischen Kleinigkeiten kann es sich dann lohnen in Colones und nicht in Dollar zu bezahlen, da die Preise doch ein bisschen anders sind.

Sprache

Ich konnte vorher schon Spanisch und bin direkt aus einem spanisch-sprachigen Auslandssemester nach Costa Rica gefahren. Spezifisches Vokabular hab ich mir kurz vor der Famulatur angesehen oder im Praktikum gesammelt. Um vernünftig im Krankenhaus mitzukommen, würde ich ein flüssiges Spanischlevel empfehlen. Wenn man nicht direkt alles versteht, erklären es die Ärzt*innen auch gerne nochmal, wobei man je nach Spanischlevel vermutlich unterschiedliche Sachen selber machen darf.

Verkehrsbindungen

Da alle ausländischen Famulant*innen direkt in San José untergebracht sind, ist die Verkehrsanbindung sowohl in die Innenstadt als auch in die Umgebung gut. Je nachdem, wo die Gastfamilie wohnt, haben einige von uns aber auch fast 2h in die Innenstadt gebraucht. Die Wege haben wir von unseren Gastfamilien erklärt bekommen, sonst hat die App „Moovit“ geholfen Busstationen zu finden.
Abends und Nachts konnte man gut mit Uber/Taxi durch die Gegend kommen.

Kommunikation

Es gibt verschiedene Simkartenanbieter in Costa Rica, wobei Kölbi der einzige costa ricanische ist. Ich hab mir da eine Prepaidkarte geholt, die man günstig aufladen konnte und dann Internet buchen konnte. Damit hatte ich nie Netzprobleme.
Andere Anbieter, wie z.B. Claro oder Movistar, kann man sogar in den angrenzenden Ländern ohne Tarifänderung benutzen.

Unterkunft

Ich hab bei einem Studenten in Curridabat, San José gewohnt. Dadurch hab ich auch nur 20 Minuten in die Innenstadt gebraucht und einen guten Ausblick über die Stadt gehabt (siehe Bild ;-) ).
Von meinem Host hab ich Essen zum Kochen gestellt bekommen, Infos über das Leben vor Ort und Unterstützung bei all meinen Fragen!
Die Unterkunft hab ich von meiner Hosting-Organisation zur Verfügung bekommen. Wir haben unsere Hosts aber auch erst zwischen Freitag und Montag des Praktikumsbeginns bekommen, also alles ziemlich spontan.

Literatur

Von Freunden aus meinem Auslandssemester hab ich Aufzeichnungen zugeschickt bekommen, bei denen ich Fragen aus dem Praktikumstag auf Spanisch nachlesen konnte. Meistens habe ich dann doch amboss benutzt. Einige der Professor*innen waren aber auch sehr interessiert daran einem etwas beizubringen, sei es aus der Medizin, dem Leben oder über costa ricanische Politik und haben einem Artikel zugeschickt.

Mitzunehmen

Hilfreich mitzunehmen waren der Kittel, das Stethoskop und zwei Kasaks (OP-Kasaks wurden gestellt). Man hätte auch in formeller Kleidung mit Kittel ins Praktikum gedurft. Einen Klipp um seinen Studierendenausweis zu befestigen, brauchte man auch.
Wenn möglich und Platz im Koffer dann würde ich viel Sonnencreme, Mückenspray und Aftersun mitnehmen – das wird man auf jeden Fall aufbrauchen. Sonst einen kleinen Rucksack für Wochenendausflüge, gute Schuhe zum Wandern, eine Trinkflasche fürs Wasser und was man sonst im Alltag, Strand, Natur braucht.
Alles was man zu Hause vergisst, kann man vor Ort aber auch auf jeden Fall nachkaufen.

Reise und Ankunft

Die Anreise hat gut geklappt!
Da ich vorher noch Reisen war, bin ich direkt zu meinem Host, aber er hätte mich auch am Flughafen abgeholt. Von ihm hab ich eine kurze Einführungs ins Leben dort und dann von den Studierenden Infos zum Praktikum beim Einführungstreffen bekommen. Alle Infos haben wir allerdings ziemlich kurzfristig bekommen (was aber auch an der unklaren Situation wegen des Corona- Virus lag). Wir hatten aber immer jemanden für Fragen und wurden am ersten Tag zum Praktikum gebracht und unserem betreuenden Professor vorgestellt. Von ihm haben wir dann einen Rotationsplan erhalten.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der Gynäkologie und Geburtshilfe eingetragen.
Dort konnten wir zwischen OP, Kreissaal, Station zu Versorgung nach der Geburt, gynäkologische Station, gynäkologische-onkologische Station und Sprechstunden (gynäkologische Vorsorge, Beratung zu Verhütungsmitteln, prenatal, Endokrinologie, Ultraschall) wählen.
Vor jeder Rotation wurden wir einem Tutor*in zugeteilt und sind mit diesem dann rotiert.
Egal, wie wir rotiert sind, ging das Praktikum von 7-16Uhr mit unterschiedlichen Längen von Mittagspausen.

Meine Tutorin die erste Woche war Vormittags immer in einer Sprechstunde und dann Nachmittags auf der gynäkologischen Station oder im OP. In der Sprechstunde war immer eine Arzthelfer*in im Raum anwesend und hat Patient*innen mit verschiedenen Problemen aufgerufen. Ganz klar zwischen Erkrankungen wurde zwischen den verschiedenen Sprechstunden nicht unterschieden. Das war für mich ganz praktisch, weil man so viele Patient*innen mit verschiedenen Erkrankungen sehen konnte.
Von der Ärztin hab ich viel erklärt bekommen, durfte aber nicht viel selber untersuchen. Interessiert war sie aber auch an kulturellen Unterschieden des Gesundheitssystems und hat mich viel dazu gefragt.

Mein Tutor die zweite Woche war Montags und Dienstags in den Sprechstunden der Geburtshilfe eingesetzt und den Rest der Woche auf der Station zu Nachsorge von Geburten. Die letzten zwei Wochen waren Rotationen im Kreissal, der Gynäkologie und der Gynäkoonkologie geplant.
Die medizinische Ausstattung in Costa Rica war gut, die Ultraschallapparate waren neu, das Onlinedatensystem auf einem guten Stand und nur ausgedruckte, vorherige Befunde der Patient*innen wurden in Akten gespeichert oder von den Patient*innen direkt aufbewahrt.
Als gut organisiert hab ich empfunden, dass Ärzt*innen alle Befunde der Patient*innrn, die in Krankenhäusern öffentlicher Kassen erstellt wurden, einsehen konnten.
Die Patient*innen selber wurden weniger in die Entscheidungsfindung zur Behandlung einbezogen als man es in Deutschland kennt und haben auch meist nur sehr kurze Erklärungen bekommen, warum eine Behandlung erforderlich ist. Das scheint die meisten Patient*innenn aber nur wenig gestört zu haben.
Gut gefallen hat mir auch, dass die Studierenden fest in den Klinikalltag integriert wurden, fast jeden Vormittag ein Student*in einem Arzt*in im Krankenhaus zugeteilt war und sie zusammen mit den PJlern auch eigene Patient*innen betreuen durften, wobei dort auch immer ein Arzt*in das Vorgehen kontrolliert hat.
Die Gebäude selber, die Stationen und Untersuchungsstühle waren in einem wenig modernen Zustand. Die gynäkologischen OP-Säle sind auch die einzigen noch nicht sanierten OP-Säle im Hospital San Juan de Dios sind, aber vielleicht kommt das ja noch.

Land und Leute

Ich bin bereits ein paar Tage vor der Famulatur eingereist und habe mir den Vulkan Arenal, den Nebelwald in Monteverde und den Nationalpark Manuel Antonio angesehen, was eine super Kombi war um Lust auf weitere Reisen zu bekommen!
Später waren wir noch beim Vulkan Irazú. haben uns die Krankenhausruine eines Tuberkulosekrankenhauses angesehen und die Kirche in Cartago bestaunt.

Leider gab es bei uns kein Social Programm, weil wegen des Coronaviruses weniger Famulant*innen eingereist waren, und 4 Leute zu wenig für das Mieten eines Kleinbusses über die Organisation waren. Ein international Dinner, um sich gegenseitig kennenzulernen, war auch geplant.

Trotzem haben sich die Studierenden Mühe gegeben uns bei der Organisation von Ausflügen zu helfen und eine Host hat uns auch zum Irazú mit dem Auto gefahren, typisches Essen auf dem Rückweg gezeigt und sich auch Abends noch mit uns getroffen.

Da die lokalen Studierenden viel mit Klausuren beschäftigt waren, haben wir das Meiste unter uns Famulant*innen in der Stadt unternommen. Da waren wir in verschiedenen Restaurants lecker essen. Da ist besonders das Café im Nationaltheater zu empfehlen. Wir haben verschiedene Früchte bei Früchtehändlern gekauft und die probiert (super lecker, würde ich wieder so viel wie möglich probieren) oder haben einige Kirchen in San José besucht.
Ab 6 war es dann aber auch meist schon dunkel, weshalb nie zu viel Zeit zwischen dem Praktikum und dem Zeitpunkt, wann man zu Hause sein sollte, blieb.

Die Ticos generell habe ich als super liebe Menschen kennengelernt, die sich gern über ihr Land und ihre Leute austauschen und auch Interesse an anderen Kulturen haben. Viele haben erzählt, dass sie sich vorstellen könnten im Ausland zu arbeiten, da nur wenige Ärzt*innen nach Abschluss des Studiums eine Zulassung zum Facharzt*in bekommen.
Mein Host meinte dazu aber, dass die Meisten es nicht umsetzen würden, weil die Heimatverbundenheit ziemlich groß sei. Mit meinem Host hatte ich generell viele interessante, gesellschaftskritischere Gespräche, aber auch Gespräche über zum Bespiel die Notwendigkeit von Reis und Bohnen in Gerichten (kommt beides in den wirklich leckeren Nationalgerichten vor ;) ).

Zusammenfassend waren alle Leute super nett, hilfsbereit und ziemlich zackig, wenn man dringend etwas braucht. Das Land ist super schön und auf jeden Fall eine Reise wert.

Trotz der guten Zusammenfassung würde ich aber raten kritisch an Situationen heranzugehen, nur die Polizei oder Hostelmitarbeiter nach Wegbeschreibungen fragen und sich schnell eine SIM-Karte vor Ort zu kaufen, da auch die Anzahl an Überfällen die letzten Jahre gestiegen ist.

Fazit

Durch die vorzeitige Beendigung des Praktikums wegen des Coronaviruses habe ich leider weniger vom Gesundheitssystem, dem Land und den Leuten kennengelernt, als ich gerne hätte.
Die kurze Zeit habe ich aber trotzdem sehr genoßen und viele gute Erfahrungen gemacht.
Costa Rica kann ich als Famulaturland empfehlen und gerade die Gynäkologie versucht die Famulant*innen wirklich gut einzugliedern!
Ich kann mir vorstellen noch einmal wiederzukommen, um noch mehr von dem Land und der Kultur kennenzulernen!

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