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Korea (South) (KMSA)

Verschiedene - SCORE (Forschungsaustausch)
von Julius, Homburg (Saar)

Motivation

Ich hatte mich für Korea, Nepal und Taiwan beworben und wurde zu meiner Überraschung für meine Erstwahl Korea angenommen, obwohl ich nicht übermäßig viele Punkte im Bewerbungsformular hatte. Ich schätze, es hing mit dem diesmal sehr kurzen Bewerbungszeitraum von nur 2 Wochen zusammen. Die Unterlagen hatte ich zum Glück schon alle zusammen von einem früheren Auslandspraktikum.

Vorbereitung

Ich hatte im Vorfeld die wichtigsten Review-Artikel des Professors meiner Abteilung überflogen, um mir ein grundlegendes Bild vom Thema zu verschaffen. Außerdem habe ich mir online das Schriftsystem Koreas schon mal angeguckt, das überraschend einfach zu verstehen ist. Ansonsten bin ich weitestgehend unvorbereitet in meinen Austausch gegangen und habe mich auf meine Contact Persons verlassen, mir die koreanische Kultur näher zu bringen.

Nützliche Ressourcen:
http://www.langintro.com/kintro/

Visum

Ein Visum war nicht nötig. Als Deutscher kann man für drei Monate problemlos nach Korea einreisen, solange man hier kein Geld verdient.

Gesundheit

Das Gesundheitssystem ist hier ausgezeichnet und gleichzeitig günstig - gerade im Vergleich zum deutschen. Ich hatte schon vorher eine Auslandskrankenversicherung – die kostet nur 4-8€ pro Jahr, dafür ist man aber rundum abgesichert.

Sicherheit

Korea ist sicher. Während man sich in Deutschland in einigen Gegenden umsehen muss oder sie lieber gleich ganz vermeidet, fällt mir dazu kein Äquivalent in Korea ein. Selbst in Seoul wird man zwar auf den Touristenstraßen von den Verkäufern etwas belästigt, aber ansonsten muss man sich keine Sorgen machen.

Geld

Mein Tour-Gouide sagt, Korea sei das Land mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Ob das so stimmt, sei mal dahin gestellt, aber man bekommt in Wonju für 5-7€ hervorragende koreanische Küche geboten! Dazu kommt noch, dass ich von meinen Contact Persons und dem Team mehrmals zum Essen eingeladen wurde! Auch das Mensaessen ist nicht schlecht. Für ca. 4000 KRW pro Essensmarke (ca. 3€) bekommt man vielfältige Gerichte oder alternativ immer Ramen-Nudeln mit Beilagen.

Sprache

Das Schriftsystem ist absurd einfach. Die Koreaner sagen, ein Kluger meistert es in 3 Tagen, ein Dummer in einer Woche. Es gibt aber auch einen 9gag-Comic, der es einem in 15 Minuten beibringt!
Die Sprache dagegen ist mir schwer gefallen und außer Kansamnida und anyonghaseyo kann ich immer noch nichts. Wer sich da reinfuchsen möchte, schafft aber auch das – Motivation ist alles!

https://9gag.com/gag/3968335

Verkehrsbindungen

Die koreanische Infrastruktur sucht seinesgleichen. Die Bahnen sind so pünktlich und gut ausgestattet wie die japanischen Shinkansen-Superzüge, kosten aber nur höchstens die Hälfte. 4 Stunden Zug und Bahn für 15€? In Korea geht das! Mit Google Maps kommt man in der „Kleinstadt“ Wonju mit 350.000 Einwohnern leider nicht viel weiter, weil die Läden entweder auf koreanisch inseriert oder gar nicht gelistet sind. Außerdem kennt Google im Moment nur Routem mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dagegen keine zu Fuß oder mit dem Auto. Als Alternative empfehle ich Kakao Maps. Ist zwar auf Koreanisch, aber dafür vollständiger.

Kommunikation

Was für die Bahn gilt, gilt für Kommunikation erst recht! Wifi gibt es quasi überall, also kein Grund, direkt einen ausländischen Handyvertrag abzuschließen. Nicht nur Unigelände, Innenstadt und Wohnheime, sondern quasi jede Straßenecke hat einheitliches und kostenloses Wifi und selbst in vielen Zügen und Bussen funktioniert das Internet tadellos. Schade, dass es das bei uns noch nicht gibt!

Mit den Leuten kann man im großen und ganzen sehr gut auf Englisch reden. Die Akademiker können durch die Bank weg gut Englisch, viele sogar hervorragend. Durch den Alltag beim Einkaufen und in der Mensa kommt man ansonsten mit Händen und Füßen ganz gut durch.

Unterkunft

Ich war in einem Wohnheim Baujahr 1997 untergebracht. Eigentlich sind die Zimmer a ca. 20m² für jeweils zwei Personen vorgesehen, ich hatte aber eines für mich allein, da das Heim nicht besonders voll belegt ist, seitdem es neuere Wohnheime in der Gegend gibt. Es gibt kostenloses Wifi und hilfreiches Personal. Allerdings keine richtige Küche, sondern nur Mikrowelle und Wasserspender. Die Duschen sind in Gemeinschaftsbädern und nur ein Vorhang gibt etwas Privatssphäre. War in der Praxis keine besondere Zumutung, da ich sowieso immer allein im Bad war und die Stockwerke geschlechtergetrennt sind.

Literatur

Abgesehen von den oben genannten Links und der von meinem Professor veröffentlichten Reviews habe ich mich nicht weiter vorbereitet. Ich empfehle, auf Pubmed mal zu suchen, was die Arbeitsgruppe so macht und sich da einzulesen.

Mitzunehmen

Steckdosenadapter sind nicht nötig und generell kommt man mit leichtem Gepäck gut zurecht. Bloß nicht zu viel mitnehmen, da ansonsten die zahlreichen Souvenirs nicht mehr in die Tasche passen!. Die meisten Artikel zum täglichen Bedarf bekommt man in den Convenience stores, die quasi 24/7 auf haben und alles vom Schinkensandwich bis zur Handcreme führen.

Reise und Ankunft

Nach 16 Stunden Flug mit Umstieg in Abu Dhabi (über China gibt es aber auch gute Flüge) bin ich in Seoul, Incheon Airport angekommen. Von dort aus war es leicht, den Airport Bus an Terminal 1 nach Wonju zu finden. Generell ist der Flughafen sehr übersichtlich, was mich persönlich überrascht hat! Wonju ist die Endstation des Busses, sodass ich auf der noch mal 1,5-stündigen Fahrt noch einmal ein Nickerchen machen konnte, bevor mich meine Contact Persons abgeholt und zu meinem Wohnheim gebracht haben.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Während meiner insgesamt 4 Wochen auf der Physiologie der Yonsei Wonju University, Christian Severance University Hospital habe ich unter Supervision von Professor Cha an Kalzium-Signalwegen geforscht. Die Koordination hat dabei Professor Yeh übernommen, der hier Studienbeauftragter ist und der mich auch häufig eingeladen hat, einen Tag zusammen Wonju und Umgebung oder auch mal Seoul zu erkunden, wofür ich ihm sehr dankbar bin! Leider hört er auf und ein anderer Professor wird seine Stelle in Kürze übernehmen.

Anfangs habe ich überwiegend den Master/PhD-Studenten, die wiederum den Postdocs unterstellt sind, zugeschaut und bei einfachen Versuchen ausgeholfen. Zu nennen sind hier insbesondere Western Blot, PCR, Zellkulturen und auch bei Tierversuchen durfte ich mal zusehen.

In den ersten zwei Wochen ging es überwiegend darum, mich mit den Basics vertraut zu machen, also Pipettieren, Membranen mit Pufferlösung waschen, Papers lesen etc. Die Leute auf der Physio sind sehr hilfsbereit und freundlich und auch so bei den Studenten bekannt. Ich wurde in das Team aufgenommen und habe schnell Anschluss gefunden. Mit einigen habe ich auch Nummern und Mailadressen ausgetauscht, um im Kontakt zu bleiben.

Es gab nicht immer etwas spannendes zu tun, sodass ich anfangs vor allem viel Zeit darauf verwendet habe, mich in das Thema einzulesen. Die Forschung an den Signalwegen ist sehr speziell, sodass ich auch in den Morgenbesprechungen, die auf Englisch gehalten wurden, nicht viel verstanden habe! Einer der PhD-Studenten hat sich aber mit mir hingesetzt, und mir alles sehr gut erklärt, sodass ich zumindest die Grundzüge mitnehme. Grundlagenforschung ist nun mal typischerweise sehr spezialisiert! Mir hat gegen alle Erwartung mein Biochemiekurs aus der Vorklinik weitergeholfen, da die Grundzüge mit Membranlipiden, PIP2/IP3-Signalkaskade noch wenigstens grundsätzlich im Kopf waren.

Später haben mir die Postdocs dann mehr zugetraut und ich durfte auch eigene Versuche mittels Western Blot durchführen.

Insgesamt habe ich fachlich nicht besonders viel mitgenommen. Das lag daran, dass ich bereits eine experimentelle Doktorarbeit in Deutschland angefangen hatte und dadurch bereits Einblick in die meisten Techniken hatte. Zum anderen war ich auch sehr kurzfristig erst auf SCORE aufgesprungen, sodass ich kein konkretes Projekt verfolgen konnte, sondern eher anderen Studenten und Postdocs geholfen habe. Das Praktikum hat sich aber trotzdem durchaus gelohnt, da ich viele Leute kennengelernt habe und insbesondere das Social Program hervorragend ist. Wer bisher noch keinen Fuß in ein Labor gesetzt hat, ist hier außerdem auch bestens aufgehoben, da sich alle größte Mühe geben, die Projekte anschaulich zu erklären. Die Mitarbeiter nehmen sich alle viel Zeit und das Arbeitsklima ist prima.

Land und Leute

„Land und Leute“ muss der Hauptgrund sein, weshalb man sich für ein Praktikum, egal ob SCOPE oder SCORE, in Korea entscheidet. Wer High-Tech sehen will, dem kann ich die großen Universitäten in den USA und Kanada oder eben der Schweiz und Japan empfehlen. Und wer nur fachlich weiterkommen möchte, der sollte sich nicht ins Ausland begeben, sondern einfach mal nach Famu-Rankings im Internet für Deutschland Ausschau halten.

Ein entscheidender Vorteil allen diesen Ländern gegenüber ist erst einmal das Preis-Leistungs-Verhältnis, sodass man sich auch als armer Medizinstudent mit Bafög-Budget satt essen kann und das auch noch verdammt lecker. Zusätzlich dazu kommt dann noch die koreanische Küche, die ich am ehesten als ausgewogene Mischung aus Hardcore-Junkfood und Tradition beschreiben würde. Kulinarisches Sightseeing ist einer der entscheidenden Punkte, die mir im Gedächtnis bleiben, jedoch muss man scharfes Essen mögen und Vegetarismus oder gar Veganismus sind hier schwer durchzuhalten. Machbar ist aber auch das, da die Contact Persons immer einen guten Laden finden!

Meine persönlichen Highlights bezüglich Essen: Oreo-Os (Oreo Cornflakes mit Marshmallow. Wie cool ist das denn?), Chimek (Fried Chicken und dazu ein Bier oder auch zwei) und die traditionelle Küche mit viel pflanzen- und algenbasierten Gerichten und vielen Side dishes. Ramen-Nudeln gibt es ebenfalls überall günstig zu kaufen und das fluffige Gebäck, das in Ostasien endemisch ist, kann ich ebenfalls sehr empfehlen.

Was Getränke angeht: Ich stehe auf die Vending Machines, die hier an vielen Stellen stehen und durch die man sich durchprobieren kann für umgerechnet 75ct pro Dose Softdrink. Eine größere Auswahl jenseits von Cola und Fanta gibt es außerdem in den Convenience Stores. Alkoholhaltige Getränke lieben die Koreaner, auch wenn viele eigentlich gar keinen Alkohol vertragen (verdammte Enzymdefekte!). Bier ist hier akzeptabel, wenn auch natürlich nicht am deutschen zu messen. Die populärsten Sorten sind Cass und Kloud, für die hier auch reichlich mittels Idols geworben wird. Dazu Soju („Koreanischer Vodka“, der aber nur ca. 20% hat) und der Abend ist gerettet.

Es gibt aber auch noch reichlich zu sehen in der Provinz Gangwon-do, auch wenn Google anderes vermuten ließe. Man muss halt die Leute vor Ort fragen. Ich war unter anderem zu einem Daytrip in Seoul, habe mir die Tempel in Gangwon-do angesehen am Hang des Nationalparks, war Schienenfahrrad fahren, im Schriftsteller-Park und vieles mehr. Die Contact Persons und auch mein koordinierender Professor haben mir reichlich weiter geholfen bei allen meinen Vorhaben und mir hervorragende Tipps gegeben, was man sich so ansehen kann. Allein war ich dabei nie, außer ich wollte auf eigene Faust los, was die Trips umso schöner gemacht hat.

Es gibt ein eigenes Guidebook für Wonju, das von den Local Contact Persons herausgegeben wird und in dem noch mal die wichtigsten Infos und Tipps zusammengefasst sind. Ich kann empfehlen, sich noch mal danach zu erkundigen. Insgesamt waren Wonju und Südkorea ein kulturelles Highlight für mich.

Fazit

Insgesamt ein gelungenes Praktikum! Sowohl Contact Persons als auch meine betreuenden Professoren haben sich alle Mühe gemacht, mir meine Zeit hier so angenehm wie möglich zu gestalten und mir insbesondere die koreanische Kultur näher zu bringen. Aus dem Praktikum nehme ich zugegebenermaßen mehr kulturelle als fachliche Eindrücke mit, aber das sehe ich nicht als Negativpunkt an. Ich würde jederzeit wieder hier her kommen!

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