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Indonesia (CIMSA-ISMKI)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Quynh Chi, Frankfurt am Main

Motivation

Ich möchte in Zukunft gerne in Entwicklungsländern z.B. bei Ärzte ohne Grenzen arbeiten, daher ist eine Auslandsfamulatur ein super Einstieg, um sich mit anderen Gesundheitssystemen der Welt auseinanderzusetzen :-)

Vorbereitung

Zur Vorbereitung habe ich mir im Internet einige Webseiten von Reisebloggern durchgelesen (z.B. Indojunkie) und mich informiert, was mich in Indonesien erwartet, was ich mitbringen soll und welche Orte man in Indonesien besuchen kann.

Visum

Das Visum für Indonesien ist etwas aufwändiger; sobald ihr also wisst, dass die Famulatur sicher stattfindet und die CA erhalten habt, kümmert euch ums Visum! Das gilt v.a. dann, wenn ihr einige Wochen vor eurer Famulatur noch in Indonesien herumreisen wollt.
Auf der Seite des Konsulats könnt ihr euch alle Infos einholen, u.a. auch eine PDF, in dem alle nötigen Dokumente gelistet sind, die man für den Antrag abgeben/einschicken muss.
Ich würde euch ans Herz legen, euch von der Botschaft bestätigen zu lassen, dass ihr alle Dokumente vollständig abgegeben habt.

Gesundheit

Denkt rechtzeitig (am besten 2-3 Monate vor Abreise) an die Reiseimpfungen.
Fragt auch am besten eure Krankenkassen nach; die meisten übernehmen die Kosten (anteilig) dafür! Ansonsten solltet ihr euch ausreichend Reisemedizin einpacken und gutes Mückenspray (Malaria, Dengue-Fieber,...)

Sicherheit

Ich habe mich Indonesien die ganze Zeit über sicher gefühlt. Man muss natürlich etwas vorsichtiger mit seinen Wertsachen sein und sein Handy oder Bargeld nicht in seiner Hosentasche aufbewahren. Ich konnte als Frau aber auch abends unterwegs sein, ohne dass es für mich ein Problem war.

Geld

In Indonesien zahlt man mit indon. Rupiah. Der Wechselkurs im März 2020 war ungefähr bei 15.800 Rp = 1€ (und mit 15K konnte man in der Uni-Mensa eine ganze Mahlzeit haben).

Ich würde euch empfehlen mind. 2 Kreditkarten mitzunehmen (an manchen ATMs funktionierte die eine Karte von mir nicht oder falls eine gesperrt wird) und für den Notfall immer Bargeld dabei zu haben. Man kann in Indonesien so ziemlich überall Geld abheben, auch auf der Klinikgelände gibt es ATMs.

Sprache

Die indon. Landessprache ist Bahasa; viele Studenten und Ärzte sprechen aber mittelmäßig bis sehr gutes Englisch, sodass es für mich, die kein Bahasa spricht, auch möglich war, mich problemlos im Krankenhaus zu verständigen.

Verkehrsbindungen

Um in der Stadt von A nach B zu kommen, habe ich Grab oder Gojek benutzt (vgl. mit Uber).
Grab ist recht günstig und wenn man statt das Auto ein Bike wählt, ist es noch günstiger!

Um zwischen Städten zu reisen, habe ich mir über Traveloka ein Zugticket gebucht, das war vergleichsweise auch sehr günstig und Zugreisen sind in Indonesien teils angenehmer als mit der DB.

Um zwischen den Inseln zu reisen, würde ich euch empfehlen zu fliegen, weil das viel Zeit spart auch recht günstig ist.

Kommunikation

Das beste Netz in Indonesien wird von Telekomsel angeboten. Ich habe für eine SIM Karte mit 30GB für 30 Tage ungf. 35€ gezahlt. Das Netz war nicht immer stabil, aber es reichte aus, um alle wichtigen Apps zu nutzen und sich hin und her navigieren zu können.

Fragt eure LEOs, ob sie euch zum Kauf der SIM begleiten können, da man sich dafür registrieren muss.

Unterkunft

Die CIMSA hat sich um ein Zimmer in einem Studentenhostel für mich gekümmert, sodass ich die Unterkunft nicht selber organisieren musste. Das Hostel war 15min. Fußweg von der Klinik entfernt. In meinem Zimmer stand ein Bett, ein Schreibtisch, ein Stuhl und ein Schrank. Jedes Zimmer verfügte auch über ein eigenes Badezimmer mit Dusche und WC.
Küche, Kühlschrank waren im Gemeinschaftsbereich nutzbar.
Ein super Pluspunkt der Unterkunft: es gab einen kostenlosen Laundry Service, der nicht nur deine Sachen wäscht, sondern auch bügelt!
WLAN war natürlich auch vorhanden :-)

Literatur

Die Pädiatrie an der Airlangga in Surabaya nutzt als Basis für deren Studentenskript die WHO Guideline für Kinderheilkunde. Die gibt es online kostenlos zum Runterlasen; ich würde euch empfehlen, euch diese Guideline durchzulesen, das war sehr hilfreich.

Mitzunehmen

Nehmt eine Regenjacke oder einen Schirm mit und passende Schuhe, wenn ihr abenteuerliche Ausflüge plant. Mückenspray, Reisemedizin, eine große Wasserflasche zum Wasserabfüllen sollten auch nicht fehlen.
In meine Hostel gab es nur eine einzige Steckdose, daher hätte ich ein Verlängerungskabel mitgenommen, wenn ich das gewusst hätte.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Flughafen von meinen LEOs abgeholt und sehr ferundlich empfangen. Am 2. und 3. Abend waren wir zusammen Abendessen, sodass ich die Gelegenheit hatte, alle SCOPE Mitglieder der CIMSA kennenzulernen.
Ich habe mich dann am Montag im Krankenhaus vorgestellt und meine Supervisor Ärztin kennengelernt. Alle waren sehr freundlich und zuvorkommend.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war in der Pädiatrie, die in 8 (oder 10) Abteilungen (Division) aufgeteilt war. Die Studenten der Pädiatrie sind alle für eine Woche in eine Division rotiert und müssen dort 1-3 Patienten untersuchen und detailliert dokumentieren. Ich war die erste Woche in der tropischen Medizin und die zweite Woche in der Abteilung für Ernährung, Entwicklung und Wachstum.

Der Tag fängt morgens um 7:30/8:00 mit dem Morning Report an, in dem die Studenten, die Nachtdienst in der Notaufnahme hatten, die Patienten vorstellen. Das dauert idR 1-2 Stunden. In der Abteilung für tropische Medizin haben wir im Anschluss eine Teaching Session mit dem Chefarzt der Abteilung gehabt. Er hat dann über verschiedene Infektionen erzählt und uns dann auf Station geschickt. Dort sollen wir Patienten untersuchen, die Anamnese erheben und die Akte der Patienten anschauen. Die Studenten haben dann ihre Patienten Dokumentationen angefertigt und ich habe sie dabei begleitet.
Es gab in der Abteilung für tropische Medizin viele Dengue-Fieber Fälle, was interessant zu sehen war, da wir solche Fälle in DE sonst kaum zu Gesicht bekommen.

In der Abteilung für Ernährung, Entwicklung und Wachstum sind wir nach dem Morning Report in die Poliklinik gegangen und haben dort Patienten untersucht. In der Poliklinik sind die Abteilungen der Pädiatrie in zwei große Säle unterbracht. Dort sitzen die Ärzte an vielen kleinen Tischen und machen Erstuntersuchungen, Follow-Up Untersuchungen oder legen eine Magensonde oder führten Messungen (Armumfang, Kopfumfang, Körperstamm-Umfang) durch.
Wir durften als Studenten bei den Messungen helfen und die Patienten zwischendurch untersuchen, wenn der Arzt mit seiner Untersuchung fertig und die Eltern einverstanden waren.

Zum Abschluss gab es um 13:00 Uhr dann Case Reports von Studenten, die einen medizinischen Fall ihrer Abteilung vorstellten und im Anschluss wurde der Fall in der Runde diskutiert. Der Case Report dauerte ca. 1,5 Std. und gegen 14:30 konnten die Studenten heim. Diejenigen, die Nachtdienst haben, blieben im Krankenhaus.

Ingesamt bestand die Famulatur v.A. daraus, zu observieren oder selbst körperliche Untersuchungen zu machen, wenn es sich ergab. Die Studenten haben leider sonst keine richtige Aufgabe gehabt oder waren nicht fest in den Klinikalltag eingebunden (außer in der Nachtschicht, wenn sie bei Patienten alle 2 Std. Fieber messen oder den Patient manuell beatmen müssen). Apparative Untersuchungen gab es leider kaum bzw. wurden Studenten nicht dazu gerufen. Insgesamt war die Famulatur trotzdem lehrreich, weil ich viele Fälle sah, die es in DE nicht gibt bzw. die man in solch einem Ausmaß nicht sehen würde (unterernährte Patienten).

Land und Leute

In Surabaya gibt es nicht viele touristische Attraktionen bis auf einige Monumente und Museen. Da das Wetter im März aber nicht mitspielte und es jeden Tag für einige Stunden heftig regnete, war ein Sightseeing nicht immer planbar. In Surabaya gibt es viele große Malls, in denen man alles kriegt, was man braucht - von Kleidung, bis Apotheke bis Nahrungsmittel, sodass ich unter der Woche oft in die Malls gegangen bin oder in Cafés, um zu lesen und etwas zu lernen.
Ich kann euch da das Café Calibre und Historica empfehlen!

An den Wochenenden bin ich gereist. Das erste WE war ich in Madiun am Sarangan See und am Wasserfall und in der Stadt Yogyakarta, um die Tempel zu besuchen, für die Yogyakarta bekannt ist. Außerdem ist die Stadt für das Gericht Gudeg bekannt (Reis mit junger Jackfruit und Kokosnuss) - das solltet ihr unbedingt auch probieren!
Das zweite WE war ich auf Bali. Das war auch eine tolle Erfahrung, aber ich war in Ostbali in einem Ort, der etwas versteckt von der Zivilisation lag - super schön, aber ich war leider kaum mobil, weil die Grab Fahrer den Weg zu meinem Hotel nicht gefunden haben - ich empfehle euch daher, wenn ihr alleine und das erste Mal auf Bali seid, lieber die Touristen zu ertragen und in Kuta zu bleiben :-) Es gibt aber viele Blogs, die euch umfassend informieren können. Lest euch vor eurer Reise am besten durch, was euch wo erwarten könnte, besonders dann, wenn ihr alleine irgendwohin das erste Mal hinreist.

Indonesien hat sehr viel zu bieten - von Natur, Kultur bis hin zur Küche; wenn ihr also die Zeit und das Kleingeld habt, würde ich euch unbedingt ans Herz legen, zu reisen und die verschiedenen Ecken des Inselstaates zu besuchen. Auch das Essen ist sehr lecker und teilweise sehr scharf (wenn etwas als scharf gekennzeichnet ist, dann ist es wirklich sehr, sehr scharf!). Die Menschen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit, ich hatte nie ein Problem mit irgendjemandem gehabt oder das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Im Gegenteil - die Menschen haben sich alle entschuldigt, wenn sie kein Englisch sprachen!

Da ich die Famulatur nach 2 Wochen aufgrund der Corona Situation abbrechen musste, habe ich nur zwei Wochenenden gehabt, um zu reisen. Ich wäre noch gerne auf die Safari mit den Studenten gefahren (dort kann man mit seinem Auto auf das Safari Gelände und Wildtiere beobachten!) und auch gerne noch nach Jakarta gefahren.

Die Studenten haben nicht super viel Social Programm geplant (ich war die einzige Incoming) - was einerseits schade, aber auch gut sein kann, da ich viel Zeit hatte, auf eigene Faust Indonesien zu erkunden.

Fazit

Da ich mir einige Erfahrungsberichte durchgelesen hatte, wusste ich, was mich ungf. erwarten wird - insofern wurden meine Erwartungen erfüllt und ich freue mich, dass ich in den zwei Wochen viele interessante Patienten kennenlernten durfte und auch einiges medizinisches mitgenommen habe. Insgesamt war die Famulatur als "Gesamtpaket" eine tolle Erfahrung, da es mir nicht nur um das Medizinische geht, sondern auch auch darum, ein anderes Gesundheitssystem, eine neue Kultur, neue Menschen und Freunde kennenzulernen. Ich kann euch diese Erfahrung ans Herz legen und würde jedem empfehlen, im Ausland eine Famulatur zu machen und offen für die tolle Erfahrung zu sein - auch wenn nicht alles so abläuft, wie geplant (Stichwort Corona).

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