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Morocco (IFMSA-Morocco)

Pädiatrie - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Fabienne, München

Motivation

Ich finde es persönlich sehr spannend in neue Kulturen einzutauchen, die Menschen und ihren Alltag in anderen Ländern kennen zu lernen. Nachdem ich alle Pflichtfamulaturen in Deutschland absolviert hatte, war ich neugierig, wie es wohl in ausländischen Krankenhäusern so ist. Meine Wahl fiel auf Marokko, da ich schon viele positive Reiseberichte gehört hatte und selbst noch nie dort war.

Vorbereitung

Der Bewerbungsprozess ist auf der Internetseite der bvmd super erklärt, also hat man eigentlich keine Schwierigkeiten. Ich habe zusätzlich bei der Münchner Volkshochschule einen Französisch Kurs zur Auffrischung meines eingerosteten Schulfanzösisch besucht :)

Visum

Als Deutsche benötigt man für Marokko kein Visum.

Gesundheit

Wie vor jeder weiteren Reise, habe ich meinen Impfpass einige Wochen vorher von einem Reisemediziner durchchecken lassen. Dort ist man meiner Meinung nach immer am besten beraten. Bei den Anforderungen stand ein Tuberkulose Test dabei, also wurde ein Röntgen Thorax vom Hausarzt angefertigt, was dann in Marokko aber niemand sehen wollte :)

Sicherheit

Ich habe mich in Marokko zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Ich war tagsüber oft allein unterwegs, habe aber darauf geachtet im Dunkeln nicht allein durch einsame Gassen zu wandern. Ging alles problemlos.

Geld

Die marokkanische Währung heißt Dirham. Man zahlt meistens in Bar, manchmal geht es aber auch mit Kreditkarte. Die Lebenshaltungskosten sind niedriger als in Deutschland. Es kommt darauf an, wo man einkauft und in welcher Stadt man sich befindet. Die Rabat Medina ist zum Beispiel um einiges günstiger als die in Marrakesch, einfach weil sie weniger touristisch ist.

Sprache

Es wird sowohl arabisch als auch französisch gesprochen. Es ist schon sehr hilfreich, wenigstens eine dieser beiden Sprachen zu sprechen, da man mit Englisch nicht unbedingt weit kommt. Im Krankenhaus haben nur zwei Ärztinnen Englisch gesprochen und ich war froh, den Französisch Kurs gemacht zu haben :) Allerdings wurde bei Visite und untereinander auch oft (teilweise im gleichen Satz) auf Arabisch gewechselt und dann war ich natürlich raus ;)

Verkehrsbindungen

Flüge nach Marokko können sehr günstig sein. Vor allem, wenn man flexibel ist wann und in welche Stadt man fliegt. Ich war zeitlich nicht sehr flexibel und bin direkt von München nach Rabat für ca 350€ geflogen. Zwischen den Städten fahren viele günstige Busse. Pünktlich sind diese eher nicht... :)

Kommunikation

Ich habe mir am ersten Tag eine marokkanische SIM-Karte gekauft und ein Internetpaket. Damit ging es ganz einfach. Bei meiner Gastfamilie funktionierte das WLAN nicht in meinem Zimmer, das war aber nicht weiter tragisch, da ich mich auch im Wohnzimmer aufhalten konnte und das mobile Internet nicht sehr teuer war.

Unterkunft

Ich durfte den Monat bei einer sehr lieben Gastfamilie verbringen. Ich hatte mein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und wurde stets bekocht :) Ich durfte mich wie zu Hause fühlen und den Kühlschrank, die Waschmaschine etc. benutzen.

Literatur

Ich hatte ein Französisch Buch dabei, sowie einen Lonely Planet Reiseführer. Im Krankenhaus habe ich des Öfteren Dinge nachgelesen. Häufig einfach wie in Deutschland auf Amboss oder bei Google, wenn ich ein Wort übersetzen wollte, oder Abkürzungen nachschlagen.

Mitzunehmen

Eigentlich habe ich wie für eine "normale" Reise gepackt. Ich habe darauf geachtet, dass meine Kleider immer über die Schultern und die Knie gingen. Kleidung für das Krankenhaus wurde nicht gestellt und man musste es auch zu Hause waschen. Ich habe Kasacks vor Ort gekauft, falls man bereits welche hat, sollte man diese mitbringen.

Reise und Ankunft

Ich wurde am Flughafen von zwei sehr netten Studenten abgeholt, die mich direkt zu meiner Gastfamilie gefahren haben. Ich hatte den nächsten Tag noch frei und wurde dann zum ersten Praktikumstag von einem der Studenten ins Krankenhaus begleitet und direkt bei meiner Station abgesetzt. Besser behütet kann man wirklich nicht sein und ich war sehr dankbar für die großartige Organisation.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich war auf der neonatologischen Intensivstation eingesetzt. Am ersten Tag wurde ich von der Stationsleitung der Pflege empfangen und mit auf Visite geschickt. Da die Assistentinnen untereinander fast nur arabisch gesprochen haben, waren für mich die Visiten mit der Chefärztin immer spannender, da dann französisch gesprochen wurde. Ich habe versucht mich überall vorzustellen, um ehrlich zu sein hielt sich die Begeisterung eine ausländische Studentin zu haben, die nur mittelmäßig französisch sprechen konnte, in Grenzen. Es wurde die jüngste Assistentin "vorgeschickt", sich um mich zu kümmern und sie sprach wirklich fließend Englisch und war sehr nett. Insgesamt waren alle immer eher gestresst, es sollten alle 2 Stunden bei jedem Baby alle Vitalwerte dokumentiert werden. Diese Surveillance war ärztliche Aufgabe und ich habe mitgeholfen. Es waren so viele kleine Patienten, dass die Ärztinnen nicht nachkamen und es waren auch sehr wenige Schwestern da. Zwischendurch wurden Untersuchungen angemeldet, Laborkontrollen durchgeführt (sehr selten), zwischendrin schnell eine Lumbalpunktion erledigt oder ein Kind intubiert- oder reanimiert. Ich habe mich manchmal ein wenig überflüssig gefühlt, mit der Zeit findet man dann aber seine Aufgaben, wenn man proaktiv an die Sache rangeht :) Eine sehr nette kardiologische Oberärztin hat sich dann öfter Zeit genommen und mir viel erklärt. Ich habe dann gelernt, Patienten strukturiert auf Französisch vorzustellen und wir haben die Krankheitsbilder besprochen. Ich habe auch die Chance genutzt und viele Säuglinge selbst untersucht und in den Krankenakten gelesen. Im Laufe der Zeit kamen dann auch noch 3 weitere Studenten, die in ihrer klinischen Rotation waren. Das war für mich sehr schön, da wir uns viel austauschen konnten, sie mir öfter mal was übersetzt haben und wir dann auch privat etwas unternommen haben. Dann gab es auch 1x/Woche ein Seminar, bei dem Patienten vorgestellt und verschiedene Krankheitsbilder besprochen wurden. Insgesamt haben die Neugeborenen natürlich ähnliche Krankheitsbilder, oft sind diese aber dort stärker ausgeprägt oder weiter fortgeschritten. Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen sind nicht selbstverständlich, da viele nicht krankenversichert sind, bzw viele es sich nicht leisten können. Außerdem sind die Standards in den Krankenhäusern natürlich mit unseren nicht zu vergleichen, da weniger Geld und somit weniger Personal und Materialien zur Verfügung stehen. Das Land hat nur zwei neonatologische Intensivstationen und so kann man sich vorstellen, wie viele kleine Patienten hier auf engstem Raum behandelt wurden. Die Dokumentation erfolgte komplett handschriftlich, oft war ein riesiges Zettel-Chaos auf dem einzigen Schreibtisch der Station. Die Ärztinnen (es gab von Assistenz- bis Chefärztin keinen einzigen männlichen Doc ;)) haben wirklich ihr bestes gegeben, und bei zwei 24 Stunden Schichten pro Woche und unzähligen Überstunden nehme ich es niemandem übel, der nicht mehr die Muße hat der ausländischen Studentin alles zu zeigen.

Land und Leute

Ich habe an den freien Wochenenden Rabat kennen gelernt und habe Marrakesch, Essaouira und Agadir besucht. An Rabat hat mir gut gefallen, dass es nicht ganz so touristisch war. Die Medina (verwinkeltes Stadtzentrum und das Herzstück einer jeden marokkanischen Stadt) war sehr authentisch und Restaurants, Kleider und Souvenirs waren um einiges günstiger als in den anderen Städten. In Marrakesch hingegen ist definitiv mehr los, es gibt viel zu sehen, aber man hat gefühlt mehr Touristen als Einwohner getroffen ;) Essaouira ist ein süßes, windiges Städtchen am Meer, man ist recht schnell durch und kann gut entspannen und schlendern. Agadir ist ein Strandort zum faulenzen ;) Wenn man surfen kann oder es lernen will ist man in Marokko richtig!
Ich habe wirklich gute Erfahrungen mit den Leuten dort gemacht. Meine Gastfamilie war super süß und hat mich wahnsinnig lieb aufgenommen. Ich habe von ihnen und den anderen Studenten viel über das Land, das Gesundheitssystem aber auch über muslimische Feste und Bräuche gelernt. Ich habe viele offene und angenehme Menschen kennen gelernt und werde auf jeden Fall noch einmal hinfahren, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Was mich erstaunt hat ist, dass sehr viele Studenten gerne nach dem Studium im Ausland arbeiten möchten, da die Bedingungen für Assistenzärzte in Marokko alles andere als gut sind und man extrem viel für extrem wenig Geld arbeiten muss.
Nun zum Essen: Vegetarier haben es in Marokko schwer! Es gibt fast zu jeder Mahlzeit Fleisch, Fisch oder beides. Es gibt aber auch viele französische, syrische oder italienische Restaurants, sodass für jeden was dabei ist.
Ein wenig schade war, dass ich zu der Zeit die einzige Austauschstudentin in Rabat war. Da ich meistens nur am Vormittag in der Klinik war, habe ich auch viel allein erkundet, da es für die marokkanischen Studenten mitten im Semester war und sie am Nachmittag Kurse hatten oder lernen mussten. Ich denke, es ist ein bisschen mehr los, wenn man den Austausch während der Sommermonate macht, dann sind viele Incomings da und sie organisieren ein "Social Programm" mit Aktivitäten und gemeinsamen Ausflügen am Wochenende. Für mich persönlich war dies aber auch eine Erfahrung wert, da ich vorher noch nie alleine verreist war.
Alles in allem sind 4 Wochenenden zu wenig, um das ganze Land zu erkunden. Ich wäre sehr gerne noch nach Fez und Chefchaouen gefahren und hätte einen Ausflug in die Wüste gemacht. Aber es war mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch in diesem faszinierenden Land!

Fazit

Ich würde jederzeit wieder einen Austausch mitmachen! Die Organisation war super, an dieser Stelle ein riesiges Lob und Dankeschön an alle, die sind in der bvmd engagieren! Es ist eine so wertvolle Erfahrung, einen echten Einblick in ein anders Gesundheitssystem zu bekommen, zu sehen welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten es gibt und wie Ärzte in anderen Ländern arbeiten. Man lernt vieles wertzuschätzen, was man in Deutschland für selbstverständlich hält.

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