zurück

Thailand (IFMSA-Thailand)

Innere - SCOPE (Famulaturaustausch)
von Natalie, Düsseldorf

Motivation

Da mir seit Beginn des Studiums klar war, dass ich den ein oder anderen Teil im Ausland absolvieren möchte, war der Famulaturaustausch mit der bvmd eine willkommene Möglichkeit.

Vorbereitung

Nachdem ich den ganzen Bewebungsprozess durchlaufen hatte, musste ich leider recht lange auf die Card of Acceptance warten – die kam dann ca. 5 Wochen vor meiner Abreise. Auch die Kontaktaufnahme verlief zunächst etwas holprig, sodass ich ein paar Tage vor Abflug den deutschen NEO um Hilfe gebeten hatte. Danach ging aber alles ganz flott :)

Visum

In Thailand kann man 30 Tage visafrei einreisen – da ich aber auf jeden Fall länger bleiben wollte, konnte ich entweder einen Visarun machen und für ein Wochenende das Land verlassen und erneut 30 Tage ausgestellt bekommen oder mir in Deutschland ein Visum für 60 Tage ausstellen lassen. Ich hatte mich für letzteres entschieden und war im Nachhinein sehr froh darüber! In Essen hat mich die Ausstellung ca. 30 Euro und ungefähr zwei Stunden Wartezeit gekostet und ich habe mir viel Stress vor Ort gespart.

Gesundheit

In Deutschland habe ich mich reisemedizinisch beraten lassen und mich für eine Typhus und Tollwut Impfung entschieden. Gerade Tollwut braucht ein wenig Vorlaufzeit, das solltest du in deiner Planung berücksichtigen. Gegen japanische Enzephalitis habe ich mich vor Ort in Bangkok impfen lassen, das war denkbar unkompliziert und hat 500 Baht (ca. 16 Euro) gekostet. Sie hatten leider nur den Aktivimpfstoff vorrätig, dafür war es mit einer Impfung auch getan.
Vorweisen musste ich keinerlei Untersuchungen und auch meinen Impfpass wollte keiner sehen.

Sicherheit

Thailand ist ein sehr sicheres Land. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt, bei Dunkelheit war ich allerdings auch selten allein unterwegs. Ein wenig vorsichtig sollte man in der Nähe von Touristenattraktionen sein, dort versuchen einige Einheimische sich mit Scams etwas dazu zu verdienen. Mit gesundem Menschenverstand kann man aber vieles abwenden.

Geld

Gezahlt wird in Thailand in Baht, dabei entsprechen 1€ ca. 35 Baht. Andere Währungen werden nicht akzeptiert.
Die Bankautomaten kassieren pro Abhebungsvorgang 220 Baht, somit lohnt es sich eher größere Summen Geld abzuheben. Die Wechselstuben vor Ort als auch in Deutschland bieten vergleichsweise schlechte Kurse, sodass ich mich fürs Abheben entschieden habe. Mit der Kreditkarte habe ich versucht möglichst wenig zu zahlen, andere Austauschstudenten nutzten sie häufiger.
Die Preise waren auf jeden Fall niedriger als in Deutschland, das Essen im Foodcourt lag je nach Gericht bei 2-3 Euro, der wirklich gute Kaffee im Pacamara bei 1,50€.

Sprache

In Thailand wird Thai gesprochen und mehr als Guten Tag und Dankeschön habe ich in der Zeit nicht lernen können – die Sprache ist wirklich nicht leicht zu lernen. Mit den Ärztinnen und Ärzten haben ich mich auf Englisch verständigt, das hat mal mehr mal weniger gut geklappt. Während des Reisens kommt man mit Englisch und Händen und Füßen aber ganz gut weiter.

Verkehrsbindungen

Von Frankfurt habe ich einen Direktflug nach Bangkok genommen und für Hin und Zurück 550 Euro bezahlt. Hier war ich sehr froh darüber bei Lufthansa gebucht zu haben, da sich mein Rückflug durch die SARS-CoV2-Pandemie verkompliziert hatte und ich kostenfrei auf einen anderen Flug umgebucht werden konnte – bei vielen anderen Reisenden wurde der Rückflug ersatzlos gestrichen.
In Bangkok habe ich mich vor allem mit der Metro und Hochbahn fortbewegt, die sind sehr leicht zu nutzen. Für Wochenendreisen haben wir den Zug oder den Bus genommen, bei beiden würde ich empfehlen mich vorhinein über Preise, Bus/Zugnummern und Fahrtdauer zu informieren. 12go Asia stellte sich oft als teuer heraus, daher kauften wir Tickets immer vor Ort.

Kommunikation

Bei dem Anbieter true habe ich für wenig Geld eine Prepaid SIM Karte mit mobilen Daten gekauft. Diese konnte man an jedem 7-eleven aufladen. Im Dorm sowie an vielen anderen Orten gab es Wlan, allerdings fand ich es sinnvoll gerade unterwegs auf eine Karten App oder WhatsApp zugreifen zu können.
Für meine Familie und Freunde habe ich einen kleinen Blog bei Polarsteps geschrieben, die App hat einen schönen Aufbau und hatte mich sofort angesprochen.

Unterkunft

Untergekommen bin ich im Frauen Studentenwohnheim auf dem Kliniksgelände, das war ca. fünf Minuten Fußweg vom Krankenhaus entfernt. In meinem Vierer Zimmer waren noch zwei andere Mädels, der Rest der Etage (das waren schon noch so zehn Zimmer) waren unbewohnt. Somit hatten wir das Bad am Ende des Flurs für uns allein. Dies war wirklich sauber und hatte auch heißes Wasser. Eine Küche gab es nicht, dafür einen Kühlschrank und eine Mikrowelle. Da wir meistens außerhalb gegessen haben, war das auch kein Problem.

Literatur

Um den Reiseführer nicht als zusätzliches Gepäck in meiner Tasche zu haben, habe ich mir den Loose als E-Book heruntergeladen. Den kann ich auch nur weiterempfehlen, es hat uns viel Recherche im Internet erspart und auf die meisten Angaben konnte man sich verlassen.

Mitzunehmen

In meinem Rucksack lagen:
- zwei weiße Hemden
- schwarze Stoffhose
- zwei Kittel (einer hätte gereicht)
- Stethoskop
- schwarze Slipper/ Ballerinas
- Handtuch
- Moskitonetz (hätte ich mir sparen können)
- Kleidung für den Alltag (Die Thais kleiden sich eher bedeckt – ich habe mich in Bangkok mit bedeckten Schultern und Knien wohler gefühlt)
- Tablet
- Sonnencreme (unbedingt mitnehmen)
- Bikini
- Hygieneartikel, Duschgel Shampoo
- je ein paar offene und geschlossene Schuhe
- Handwaschmittel
- ein kleines Schloss

In dem Dorm stehen einige Waschmaschinen zur Verfügung, allerdings haben sie auf meinen weißen Sachen gelbe Flecken hinterlassen, die ich nicht mehr rausbekommen habe. Da würde ich an deiner Stelle etwas aufpassen.

Reise und Ankunft

Die Anreise lief bei mir glatt, ich habe im Flughafen den Zug bis zur Endstation Phaya Thai genommen und wurde dort von meinen Contactgirls empfangen. Zusammen haben wir dann ein Taxi zum Dorm genommen, wo ich meine Sachen ablegen konnte. Sie haben mir den Campus gezeigt, geholfen mich ein wenig zu orientieren und zusammen mit mir gegessen. Angekommen bin ich am Donnerstag, sodass ich noch einige Tage Zeit bis zum Famulaturbeginn am Montag hatte. Ich bin sehr froh diese Zeit gehabt zu haben, um mich an das Land und die Zeitumstellung zu gewöhnen.

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Ich hatte mich im Voraus auf vier verschiedene Fachbereiche beworben, habe leider keinen von diesen erhalten und musste so auf die Innere. Das war recht schade, da mir online vorher Infektiologie zugesichert worden war und ich an meinem ersten Tag dann böse überrascht worden bin. Die Innere hatte ich bewusst nicht gewählt, da ich abgesehen von meinen persönlichen Präferenzen das Fach eher ungeeignet für einen Austausch empfand.
Eine andere Studentin traf dasselbe Schicksal, sodass wir uns morgens gemeinsam bei einer Gastroenterologin vorstellten, die unsere Ansprechpartnerin für den Monat war. Sie brachte uns auf die Station, wo wir uns vorstellten und einer Ärztin zugeteilt worden waren.
Unser Tag sah meist wie folgt aus: Um 7.30 Uhr begann der Tag mit einer studentischen Fallvorstellung, die dann mit einem Dozenten gemeinsam besprochen wurde. Der Unterricht wurde für uns komplett auf Englisch abgehalten, sodass wir wirklich davon profitieren konnten. Für mich war es spannend, einen Fall so klinisch zu betrachten und sich Schritt für Schritt die Differenzialdiagnosen zu erarbeiten, in dem Ausmaß habe ich das in Deutschland selten gesehen. Ab 8.30 Uhr gingen dann die Visiten los. Wir haben uns einer Gruppe von einer/-m Assistenzarzt/-ärztin und drei Studierenden angeschlossen und sind durch die Zimmer gezogen. Hier lief die Besprechung vor allem auf Thai, einzelne Aspekte wurde für uns übersetzt. Hiernach gab es je nach Wochentag eine Konferenz oder eine kleine Pause, bis um 10.30 Uhr unsere Gastroenterologin auf Station kam und die Patienten noch einmal visitierte. Hier haben uns vor allem die anderen Studierenden mit den Übersetzungen geholfen. Ich fand es recht hilfreich das Tablet dabei zu haben und parallel die Amboss Artikel zu lesen. Ab 12 Uhr gab es eine einstündige Mittagspause und im Anschluss fanden Seminare und Vorlesungen statt – diese allerdings ausschließlich auf Thai. Einen Nachmittag haben wir an den Veranstaltungen teilgenommen, den Rest des Monats beschränkte sich die Famulatur auf den Vormittag. Die Thai Studenten nahmen nach dem Unterricht noch an Abendvisiten teil und mussten den Abend über lernen sowie den Fall für den nächsten Morgen vorbereiten – und das sechs Tage die Woche. Dagegen ist unsere medizinische Ausbildung in Deutschland entspannter.
Das Krankenhaus selbst entsprach in vielerlei Hinsicht europäischen Standards, einige Kuriositäten wie wache intubierte Patienten oder die sogenannte Isolation im Patientenzimmer (ein Plastikvorhang zwischen den Betten) bekommt man allerdings schon mit. Aufgefallen ist mir vor allem, wie viel medizinisches Personal für die Anzahl der Patienten zur Verfügung stand und wie menschlich der Patientenkontakt war. Die Ärztinnen und Ärzte hatten richtig Zeit für die Patienten, machten Scherze und ich hatte das Gefühl, dass sich hier um die Menschen gut gekümmert wird. Schön fand ich auch, dass sich viele Studis bemüht haben uns in die Visiten zu integrieren und zu übersetzen.

Land und Leute

Das Chulalongkorn Krankenhaus liegt zentral und gut an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden, sodass wir unter der Woche vor allem Bangkok erkundet und uns ein Bild von der Stadt gemacht haben. Empfehlen kann ich den Lumphini Park für einen entspannten Nachmittag in der Sonne mit entlangspazierenden Waranen, China Town für unglaubliches Street Food, die Octave Rooftop Bar mit der Sunset Happy Hour, die Silom Walking Street am Wochenende, einen Kochkurs in der Thai Silom Cooking School und generell das ganze Thai Street Food zu probieren, es ist unglaublich lecker! Pad thai, Tom Yum und Mango Sticky Rice sind nur einige der Gerichte, die man unbedingt probiert haben muss. Street food Stände gibt es überall, es gibt aber auch größere Märkte wie den Ratchada Train Market oder den Markt am Victory Monument. Frisches Obst bekommt man entweder im Supermarkt oder im Khlong Toei Market. Hier findet man auch tropische Früchte wie die Salakfrucht, Longan oder Rambutan.
Die Innenstadt ist vor allem durch imposante Tempel geprägt, hier hatte ich allerdings nur den Wat Pho und Wat Arun besichtigt. Ein absolutes must-do sind übrigens Thai Massagen, die einem an jeder Ecke angeboten werden. Es lohnt sich, nicht die allergünstigste zu nehmen – sonst kann es passieren, dass sich die Angestellten lautstark unterhalten werden..
An den Wochenenden haben wir vor allem die Umgebung bereist und wir gemeinsam mit den anderen Internationals Ayutthaya (ein Tag), Kanchanaburi und die Erawan Wasserfälle (zwei Tage), den Amphawa Floating Market (ein Tag) und den Khao Yai National Park (zwei Tage) gesehen. Der Nationalpark kann nur mit einem Guide besichtigt werden, wir waren hier mit Greenleaf unterwegs und waren super zufrieden. Ein organisiertes social program von den Studenten vor Ort gab es leider nicht.
In Thailand herrscht die Monarchie und dies bekommt man auch schnell zu spüren – Bilder des Königs sieht man an gefühlt jeder Straßenlaterne. Kritik am Land oder am König wird nicht geduldet und wird stark bestraft. Selbst im Gespräch mit einem Thai Studenten, als ich ihn fragte was er denn an seinem Land nicht mögen würde, antwortete er mir, dass es mir das nicht sagen dürfte.
Klargekommen bin ich sowohl mit den Studierenden als auch mit der übrigen Bevölkerung, das Verhältnis war sehr nett und die Thais sind waren insgesamt hilfsbereit, auch wenn man sich manchmal nicht verstanden hat. Während des Reisens im Anschluss habe ich das Land weiter kennenlernen dürfen und auch dort nur gute Erfahrungen gemacht.

Fazit

Ich bin sehr froh darüber, die Erfahrungen einer Auslandsfamulatur gemacht zu haben und würde dies jederzeit wieder tun! Dazu kommt, dass Thailand wirklich leicht zu bereisen ist und die Famulatur einem einen super Ausgangspunkt dafür bietet.

zurück