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Costa Rica (ACEM)

Gynäkologie - SCOPE (Famulaturaustausch)
Anonym

Motivation

Im Rahmen des Auslandsaufenthaltes der BVMD wollte ich das Gesundheitssystem in einem anderen Land kennen lernen. Costa Rica hatte ich ausgewählt, da es als eines der sichersten Länder Mittelamerikas gillt und über ein vergleichsweise gutes Gesundheitssystem verfügt. Außerdem wollte ich meine Spanischkenntnisse verbessern und neue weltoffene Menschen kennenlernen.

Vorbereitung

Die Bewerbung für die Auslandsfamulatur war etwa 9 Monate vor dem Auslandsaufenthalt und mit ziemlich viel Papierkram verbunden. Das notwendige Sprachzertifikat des DAAD konnte ich über das Sprachenzentrum meiner Uni ablegen und bei der Durchsicht der Unterlagen hat mir der Leo meiner Stadt geholfen. Da ich auch selber in der AGX aktiv war ging das dann doch relativ problemlos.

Als ich im Januar eine Zusage aus Costa Rica bekommen habe, habe ich mich um meine Reiseimpfungen gekümmert (dazu unter mehr) und mit den Contactpersons vor Ort Kontakt aufgenommen. Um mich über das Land zu informieren habe ich mit den Lonley-Planet Reiseführer gekauft, den ich sehr empfehlen kann.

Visum

Für Aufenhalten unter drei Monaten ist für deutsche Staatsbürgen ein Touristenvisum ausreichend Dieses wird bei Einreise am Flughafen vergeben. Ich war mir unsicher und habe dies von der costa-ricanischen Botschaft bestätigen lassen.

Gesundheit

Ich habe mich nach Reisemedizinischer-Beratung durch meinen Hausarzt gegen Tollwut, Hepatitis A und Typhus impfen lassen. Außerdem wir bei der Bewerbung für Costa Rica ein Impfnachweis über Pneumokokken, Varizellen, Mumps, Masern, Röteln, Grippe Tetanus und Hepatitis B gefordert.
Ich habe mich nach Reisemedizinischer-Beratung durch meinen Hausarzt gegen Tollwut, Hepatitis A und Typhus impfen lassen. Außerdem wir bei der Bewerbung für Costa Rica ein Impfnachweis über Pneumokokken, Varizellen, Mumps, Masern, Röteln, Grippe Tetanus und Hepatitis B gefordert.
In Costa Rica gibt es alle möglichen Tropischen Krankheiten, wie Dengue, Zika und Leischmaniose. Auch Malaria kommt regional vor. Deswegen hatte ich immer mein Mückenspray dabei und auch ein Mückennetz, das ich aber nie gebraucht habe. Ich war während der trockenZeit in Costa Rica und es gab nicht so viel Mücken, aber gerade im Regenwald und Abends war ich froh über das Mückenspray und langärmlige Klamotten.

Sicherheit

Costa Rica gilt als ein sicheres Reiseland und für alles Außerhalb von San José würde ich das auch bestätigen. In San José sollte man seine Wertgegenstände immer sicher verstaut haben und keinesfalls alleine rumlaufen sobald es dunkel ist. Für weitere Strecke ist Uber sehr praktisch (wenn auch in Costa Rica eigentlich illegal). Wir wurden beim Uponarrivaltraining darauf hingewiesen, dass eigentlich nur drei Straßen sicher seien, da wir aber alle außerhalb von San José gewohnt haben mussten wir ständig die ”roten” Zonen durchqueren um zu unseren Bushaltestellen zu kommen.
Leider wurde ich auf dem Nachhauseweg direkt vor dem Haus meiner Gastfamilie überfallen, in einem Bereich der als einer der sichersten von Costa Rica gilt. Man muss also immer vorsichtig sein und seine wichtigen Papiere Lieferung als Kopie mitführen. Außerdem kann es sinnvoll sein, die Gastfamilie zu informieren, wann man nach Hause kommt und sich ggf. Auch von der Bushaltestelle abholen zu lassen.
Costa-ricanischen liegt in einer seismisch aktiven Zona und während meines Aufenthaltes gab es ein Erdbeben der Stärke 5,4, was für mich ziemöich gruselig, für die einheimischen aber völlig normal ist.

Geld

Man sollte sich bewusst sein, dass Costa-ricanischen ein extrem teures Land ist. Bei Lebensmitteln kann vom 2-2,5fachen Preis im Vergleich zu Deutschland ausgehen. Ich wusste, dass Costa Rica tendenziell eher teuer ist, aber aufgrund einer Inflation in den letzten Jahren wird alles zunehmend teuer. Insbesondere Importierte Produkte im Supermarkt sind teuer, Obst und Gemüse aud dem Mark bekommt man etwas günstiger.
Die regionale Währung sind Colones. 600 Colones sind etwa 1 €, man kann aber in den Größeren Städten auch mit Kreditkarte oder in Dollar bezahlen, das Rückgeld bekommt man aber immer in Colones, und meistens ist der Wechselkurs eher unvorteilhaft. Ich habe deswegen bevorzugt in Colones bezahlt. Den Bus kann man nur in Colones und in Bar bezahlen. Bankautomaten gibt es recht viele, und bei vielen kann man sogar mit der Maestrokarte geldabheben. Mit der Mastercard hatte ich nie Probleme.
In Costa Rica ist es üblich, dass man sich anstellt um Geld abzuheben und außerhalb der Hauptstadt kann es auch mal passieren, dass der Geldautomat leer ist. Gerade in kleinen Orten auf dem Land sollte man immer genug Bargeld dabei haben, da dort teilweise keine Kreditkarten akzeptiert werden und es keine Bankautomaten gibt.
Ich habe am Flughafen Euros gewechselt, das ist aber auch bei vielen Banken möglich.

Sprache

In Costa Rica wird ein recht verständliches Spanisch gesprochen. Um wirklich was aus der Famulatur was mitzunehmen empfehle ich ein Niveau von B2. Ich nach meinem Erasmussemester in Spanien ein Niveau von B1 und habe mich teilweise sehr schwer getan in der Visite dem Gespräch zu folgen. Grundsätzlich waren aber immer alle sehr hilfsbereit, wenn ich etwas nicht verstanden habe.

Verkehrsbindungen

Innerhalb von San José gibt es ein absolut undurchschaubares Bussystem, es gibt keinen zentralen Busbahnhof, sonder jedes Busunternehmen hat seine eigenen Haltestellen, die häufig auch nicht durch Schilder gekennzeichnet sind. Den Fahrplan muss man sich anhand der Abfahrtszeit an der ersten Haltestelle selber erschließen, und je nach Tageszeit und Verkehrslage variiert er erheblich. Mit der App Moovit, konnte man immerhin grob rausfinden, wo die Bushaltestelle ist und wann ein Bus fahren könnte. Man sollte bevor man in einen Bus einsteigt immer fragen ob der Bus auch wirklich da hinfährt wo man hin will, da die Endhaltestellen teilweise die gleichen, die Strecken dahin aber sehr unterschiedlich sind.
Busfahren ist das einzige, was in Costa Rica günstig ist, mehr als 900 Colones habe ich nie bezahlt. Und auch Überlandbusse sind eine gute und günstige Möglichkeit um was vom Land kennen zu lernen, gelegentlich sind die aber sehr voll und man sollte vorher reservieren, wenn man nicht 4 Stunden auf dem Boden sitzen möchte.
Außerdem sollte man beachten, dass man für relativ kurze Distanzen teilweise auch sehr lange braucht. Für 10 km von dem Haus meiner Gastfamilie zum Klinikum habe ich mit dem Bus je nach Tageszeit bis zu 2,5 Stunden gebraucht. Und auch für Ausflüge ins Umland sollte man sich die Fahrzeiten vorher anschauen. Für 100 km kann es schon mal sein, dass man im Direktbus 4 Stunden braucht.

Kommunikation

Ich habe mir vor Ort eine Prepaid Simkarte von Kolbi gekauft (1000 Colones) und sie dann bei Bedarf aufgeladen (insgesamt etwa 6000 C) das ist wirklich in fast jedem Geschäft möglich. Häufig gibt es auch WLAN.

Unterkunft

Ich wurde in einer Gastfamilie untergebracht. Unglücklicherweise hatten sie vor Ort vergessen mir eine Gastfamilie zu organisieren, sodass ich die ersten Nächte im Hostel schlafen musste. Ich habe den bei der Familie eines Medizistudenten gewohnt und hatte dort ein eigenes Zimmer (voll ausgestattet) mit Bad. Insbesondere die Gastmutter war sehr bemüht und freundlich und hat mit großer Begeisterung für mich gekocht. Meinen Host habe ich praktisch nie gesehen, da er im Prüfungsstrsss war.

Die Familie hat 10 km außerhalb von San José gewohnt, was bedeutet hat, dass ich um 4:30 aufstehen musste um um 7 Uhr im Klinikum zu sein, aber ich habe mich recht schnell dran gewöhnt.

Literatur

Ich habe die Erfahrungsberichte auf der bvmd Seite gelesen und verschiedene Reiseblogs um mich über das Land zu informieren. Außerdem hatte ich den Lonley-Planet Reiseführer dabei den ich sehr empfehlen kann, wenn man auch noch etwas reisen möchte. Besondere medizinische Litteratur habe ich nicht gelesen

Mitzunehmen

Mitbringen sollte man entweder Kasaks oder einen weißen Kittel und förmliche Klamotten. Es ist üblich, dass man sich schon zuhause den umzieht und im Kasak zur Arbeit kommt. Es gibt keine einheitliche Arbeitskleidung. Die Kasaks der costa-ricanischen Mitarbeiter sind aber auch viel schöner als bei uns. Außerdem sollte man ein Stethoskop und je nach Fachbereich einen Reflexhammer und eine Pupillenleuchte mitbringen. Ich fand es außerdem ganz praktisch eine Hülle für Minen Studentenausweis dabei zu haben, da man diesen als Namensschild tragen musste. Außerdem habe ich nach dem Vorbild der dortigen Studenten meinen Geldgurt unter der Kleidung getragen, wo man seine Kreditkarte und sein Handy aufbewahren kann, da in den Umkleiden anscheinend öfter mal was wegkommt.
In San José habe ich mich über ne lange Hose gefreut, da es etwas kühler ist als im Rest des Landes und alle Einheimischen Lande Hose tragen.
Ansonsten empfehle ich noch ein Mückenspray mit DEET und einen Steckdosenadapter.

Reise und Ankunft

Ich war schon 3 Wochen vor Praktikumsbeginn nach Costa Rica geflogen um zu reisen. Der Ganze Aufenthalt wurde von Corona überschattet und 2 Tage vor dem Praktikumsbeginn erhielt ich eine Nachricht, dass die Praktika wegen Corona abgesagt worden wären und ich nicht fliegen solle. Da ich aber schon im Land war konnte ich mein Praktikum dann doch beginnen. Die Organisation vor Ort war aber denkbar schlecht. Natürlich wird dort auch alles von Studenten organisiert, aber Informationen wurden immer erst auf Nachfrage und im letzten Moment weitergegeben, und auch, dass mir anfangs keine Unterkunft organisiert wurde fand ich ärgerlich.

AM ersten Tag wurde ich von meiner Contactperson beim Chefarzt vorgestellt

Tätigkeitsbeschreibung und fachliche Eindrücke

Mir war eine Famulatur in der Pädiatrie zugesagt worden, vor Ort wurde mir dann gesagt, dass ich nur auf die Gynäkologie könne, mit der Begründung, ich hätte das auch auf meiner Präferenzliste angegeben, was aber nicht der Fall war. Da ich froh war, überhaupt noch eine Famulatur machen zu können habe ich das dann so hingenommen.
Der Arbeitstag beginnt um 7 und dauert bis um 15 oder 16 Uhr, je nachdem ob man eine Mittagspause mach oder nicht. Man sollte immer seinen Studentenausweis sichtbar an der Kleidung tragen, da man nur so das Klinikum betreten kann.
Man hatte immer einen festen Ansprechpartner auf Station der auch sehr bemüht war einem Dinge zu erklären. Auch die PJ Studierenden und die Assistenzärzte haben versucht einem mit einzubeziehen. Meistens hat man aber eher zugeschaut als Sachen selber zu machen. Ich konnte aber bei den Wöchnerinnen eine körperliche Untersuchung unter Aufsicht machen und habe im Kreissaal gelernt wie man ein Kardiotokogram anlegt und auswertet. Außerdem durfte ich auch mit in den OP, wo ich selber abgelehnt hatte zu assistieren, da ich das Gefühl hatte auf Grund der Sprachbarrieren nicht schnell genug reagieren zu können, sollte es Komplikationen geben.
Die Medizinstudenten waren praktisch insgesamt viel besser ausgebildet als wir es in Deutschand sein, da sie von Anfang an studienbegleitende Praktika machen.
Die Standards waren etwas anders als in Deutschland, so gab es keine Patientenzimmer sondern eher Säle mit bis zu 14 Betten in denen auch gleich die Gynäkologische Untersuchung im Beisein aller Patienten direkt im Bett durchgeführt wurden. Auch im Kreissall lagen mehrere Frauen nebeneinander und wurden nur zur Geburt in einen abgetrennten Berreich gebracht. Eine Frau hat auch direkt im Beisein mit allen anderen Patientinnen entbunden, da sie nicht rechtzeitig in den anderen Raum gebracht werden konnte. Desinfektionsmittel gab es nicht immer und man hat sich dann eher die Hände gewaschen. Erstaunt hat mich, dass auch die Assistenzärzte keinen eigenen Raum um zu Arbeiten hatten, a sondern einen winzigen Bereich im Patientensaal der noch nicht mal genug Stühle für Alle hatte. Im OP war die Ausstattung ähnlich wie in Deutschland, allerdings war manches was in Deutschland als Hygienefehler gezählt hätte dort ganz normal. Ich fand es auf jeden Fall sehr Interessant das andere Gesundheitssystem mit allen Unterschieden kennen zu lernen, allerdings konnte ich fachlich nicht so viel mitnehmen, was aber zum Teil auch der Sprachbarrieren geschuldet war.

Land und Leute

Costa Rica ist ein wunderbares vielfältiges Land. Egal ob man wandern will, Tiere beobachten, oder einfach zur am Strand liegen und surfen, das ist alles kein Problem und wenn man sich von den Touristenhotspots hält ist es auch sehr authentisch und es ist leicht mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Nahe San José kann man den Vulcan Poás besichtigen und auf dem Weg dorthin Cartargo mit einer hübschen Wallfartskirche und ein altes Sanatorium. Auch Monteverde mit einem spektakulären Regenwald ist recht gut zu erreichen und absolut sehenswert.
San José ist keine Stadt, die man auf Anhieb schön findet, architektonisch ist es, von wenigen Gebäuden abgesehen, nicht gerade eine Augenweide und es ist und chaotisch. Wenn man aber ein Bisschen sucht lernt man auch tolle Cafes und ruhigere Orte kennen. Empfehlenswert ist zum Beispiel das Nationalcafé in dem man sich wie ins 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlt.
Die Ticos sind sehr stolz auf ihr Land und ihre traditionelle Küche wie Gallo Pinto (Reis mit Bohnen) oder Patacones (Kochbananenpuffer). Generell essen sie sowieso gerne Reis mit Bohnen, was mir als Vegetarier aber entgegen kam. Frisches Obst und Gemüse gab es auch immer viel, allerdings sollte man bei zubereiteten Speisen vorsichtig sein, um keine Lebensmittelvergiftung zu bekommen. Das Wasser ist fast im gesamten Land trinkbar, allerdings meist gechlort und geschmacklich etwas gewöhnungsbedürftig.
Obwohl Costa-Rica ein verhältnismäßig reiches Land ist gibt es auch viele arme Menschen. Insbesondere die Zuwanderung aus Nicaragua ist hoch und die Migranten sind meist ärmer als die costa-ricanische Bevölkerung. Costa Rica hat seine Armee abgeschafft und stattdessen verstärkt in den Naturschutz investiert, sodass es viele Nationalparks gibt.

Meine Gastfamilie war sehr freundlich, aber leider war ich meistens im Klinikum oder am Wochenende unterwegs, sodass wir einander nicht so gut kennen lernen konnten. Sie haben sich aber sehr gefreut, dass ich etwas typisch deutsches für sie gekocht habe.
Die beiden Studentinnen die den Austausch organisieren, waren sehr herzlich und nach den Startschwierigkeiten auch immer sehr bemüht zu helfen. Da von den ursprünglich 9 Incomings nur 4 gekommen waren (wegen Corona) war unsere Gruppe recht überschaubar aber wir haben uns alle gut verstanden und auch zusammen Ausflüge unternommen, da aufgrund der geringen Gruppengröße kein Social Programm organisiert wurde. Trotzdem ist uns nie langweilig geworden und ich habe mich gefreut, dass ich andere Menschen aus dem Ausland hatte mit denen ich mich über meine Erfahrungen austauschen konnte.

Fazit

Aufgrund der COVID19 Pandemie verlief meine Auslandsfamulatur ganz anders als erwartet und auch die Organisation und Kommunikation vor Ort hätte besser sein können.
Trotzdem war es eine sehr interessante Erfahrung eine Famulatur in einem anderen Land zu machen und Costa Rica kennen zu lernen. Das hat meinen Blick auf das deutsche Gesundheitssystem verändert.
Wenn man ein wunderbares Land kennen lernen möchte und bereit ist ein wenig Chaos in Kauf zu nehmen, dann kann ich eine Famulatur in Costa Rica durchaus empfehlen.

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